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Mord an Olof Palme

196 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Verschwörung, Attentat ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Mord an Olof Palme

25.08.2020 um 23:02
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:monstra schrieb:
Doch. Der ehemalige Chef der „Todesschwadronen“ Pretorias, Dirk Coetzee: https://taz.de/!1435504/

Super Link, Danke!
Kleiner Nachtrag noch: Shit, wer dir 86 in der Ägäis alles hätte begegnen können ...


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Mord an Olof Palme

25.08.2020 um 23:10
Zitat von monstramonstra schrieb:es gab und gibt freie Presse und auch kein Massensterben unter potentiellen Zeugen, wie in anderen Fällen.
Sorry, noch zum dritten auch dazu was, wenn´s auch kein Massensterben gab:
Rolf Dahlgren, Chauffeur für Politiker und Geheimdienstler widerspricht. Er sei mit Holmér und Lidbom am Mordabend durch Stockholm gefahren, sagt er. Besonders mit Holmér sei er immer wieder in Tatortnähe gewesen, der dort konspirativ Personen traf. Nach einem dieser Treffen erzählt Holmér seinem Fahrer, Olof Palme sei soeben erschossen worden. Wieso weiß er davon? Sieben Minuten nach dem Mord, noch bevor die erste Streife eintrifft, muss Dahlgren ganz langsam am Tatort vorbeirollen, Holmér will es so. Der Polizeipräsident steigt nicht einmal aus. Dahlgren wundert sich. Er wird von Holmér an seine Schweigepflicht erinnert.

Doch Jahre später vertraut er sich einem Reichstagsabgeordneten an. Die Information zieht Kreise. Dahlgren wird unter Druck gesetzt. Er soll dementieren, mit wem er am Mordabend am Tatort war. Er weigert sich. Und stirbt unter mysteriösen Umständen. Seine Lebensgefährtin, ebenfalls Polizistin, findet ihn leblos neben mehreren Schnapsflaschen. Weil Dahlgren nur wenig trank und wenn, dann andere Marken, ist sie sich sicher, dass es kein natürlicher Tod war. Eine Obduktion von Dahlgren gab es nicht, Fremdverschulden wurde sofort ausgeschlossen.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/mordsmaessiges-schweigen/3882670.html

Die freie Presse in Schweden damals hat ihre Funktion gut wahrgenommen und spekuliert...
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Die "Polisspåret": Das sich die Polizeispur im linken Blätterwald, besonders unter der linken Journallie, bis heute großer Beliebtheit erfreut, liegt an der schizophrenen Haltung der Schreiberlinge zur Poliz
....und sich dann wahrscheinlich auch vor Ort solche Sachen anhören müssen. Sorry, @Höhenburg, aber da kommen ich nicht drüber weg ;-)


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Mord an Olof Palme

25.08.2020 um 23:45
Zitat von monstramonstra schrieb:JestersTear schrieb:
Von 80 bis 90 Leuten redet niemand.

Doch. Der ehemalige Chef der „Todesschwadronen“ Pretorias, Dirk Coetzee: https://taz.de/!1435504/
Und noch ein letztes mal Danke, @monstra , besser hätte ich die "Polizeispur selbst nicht belegen können.

Der Artikel ist übrigens vom gleichen Herrn Wolff, der den "Polizeispur-Artikel" der Zeit zerreißt und den du heute morgen noch gut fandest :-)


Ich zitiere mit Genuß für die, die sich nicht die Mühe machen wollen, den Link anzuklicken:



Coetzee bestätigte auch Aussagen de Kocks, wonach der Exagent Craig Williamson in den Mord verwickelt gewesen sein soll. Daß Williamson sich in der Mordnacht tatsächlich in Schweden aufgehalten hat, bestätigte jetzt auch völlig überraschend der schwedische Oberstaatsanwalt Jan Danielsson.



„Wir wissen, daß er in Schweden war, aber er war nicht am Tatort.“ Immerhin, soviel weiß man, wohnte Williamson nur 200 Meter vom Tatort in einem Polizei-Gästehaus.



Kleine Anmerkung zum"Alibi": er war bestimmt im Gästehaus mit anderen Polizisten der Wache Norrmalm "feiern" ;-)



Derzeit sucht die Palme-Fahndung nach dem nicht mehr auffindbaren Gästebuch des früheren Polizeireviers.



Wie der ehemalige Reichskriminalpolizeichef Tommy Lindström am Samstag in der Tageszeitung Aftonbladet bestätigte, bekam die Polizei schon kurz nach dem Mord 1986 „einen Tip, daß Williamson mit einer Todespatrouille hier gewesen sei und die Tat ausgeführt hätte“.



Indes wurde in Stockholm bekannt, daß eine ganze Reihe wegen rechtsextremer Neigungen bekannter Stockholmer Polizeibeamte in den Monaten vor und nach der Ermordung Palmes nach Südafrika gereist sind.




Diese Besuche fanden zu einer Zeit statt, als Schweden jeden Handels- und Besuchsverkehr mit Südafrika boykottierte. Die Besuche wurden eher zufällig von der Polizeigewerkschaft registriert.




Klar wurde am Wochenende auch, daß es bereits einige Monate nach dem Mord detaillierte Hinweise auf eine mögliche Beteiligung südafrikanischer Agenten gegeben hat,ohne daß diesen Hinweisen nachgegangen worden wäre. Ein Versäumnis, daß der ehemalige schwedische Außenminister Sten Andersson am Samstag „einen Skandal“ nannte.



Nach diesen Hinweisen, die aus mindestens drei voneinander unabhängigen Quellen der Fahndungsleitung bekanntwurden, sollen südafrikanische Geheimdienstangehörige mit einem VW-Bus einige Tage vor dem Attentat über Dänemark nach Schweden eingereist sein.



In diesem Zusammenhang dürfte nicht unbedeutend sein, daß Südafrika skandinavische Rechtsextremisten nachweislich jahrelang finanziell unterstützt hat.



Vom britischen Geheimdienst hatte die schwedische Sicherheitspolizei wenige Tage vor dem Mord eine Warnung erhalten, südafrikanische Agenten seien auf dem Weg nach Schweden und planten ein Attentat.



In ihrer jüngsten Ausgabe berichtet die südafrikanische Wochenzeitung Weekly Mail, daß Eugene de Kock seine Aussage zur Täterschaft bereits im letzten Jahr gegenüber der Staatsanwaltschaft gemacht habe, ohne daß dies bislang bekanntgeworden wäre oder zu Reaktionen geführt hätte.



Auch Dirk Coetzee behauptete am Sonntag in einem Gespräch mit dem schwedischen Rundfunk, er habe sein Wissen über den Palme- Mord schon vor Jahren der südafrikanischen Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Es habe sich dort nur niemand dafür interessiert.



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Mord an Olof Palme

26.08.2020 um 01:43
Hallo zusammen !

Ich habe mich eine Zeit lang aus persönlichem Interesse mit dem Ableben von prominenten Persönlichkeiten beschäftigt, die mit möglicher Aktivität von Geheimdiensten in Zusammenhang gebracht wurden. Natürlich steht da der Mord an Olof Palme ganz oben auf der Liste. Tatsächlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Mord an Olof Palme in verschiedenen Kreisen durchaus nicht mit Entsetzen aufgefasst wurde. Die Frage nach einem Motiv stellt sich mir deshalb erst nachrangig, da es einige Feinde gab, die mit Motiv und Möglichkeiten ausgestattet waren, Palme zu ermorden. Im Gegensatz zu Dr. Dr. Uwe Barschels Ableben, stellt sich in diesem Fall somit immerhin nicht mehr die Frage, ob es sich überhaupt um einen Mord handelt.

Um sich nun der Thematik zu nähern, ob wir es hier mit einem Einzeltäter oder einem Mordkomplott zu tun haben, habe ich ersteinmal versucht, gewisse Vorurteile auszuklammern. Eines davon ist die Tatsache, dass der Tod eines prominenten Politikers automatisch zu einem massiven Aufkommen verschiedenster VTs führt. Einige davon sind offensichtlich völlig haltlos und abstrus, andere VTs wirken bei erster Betrachtung durchaus plausibel. Ich habe also versucht, mich möglichst an die bekannten Fakten zu halten, nicht voreingenommen davon auszugehen, dass die Ermittler wahrscheinlich Recht haben, weil VTler immer daneben liegen (müssen) und eine Geheimdienstbeteiligung -welcher Art auch immer- grundsätzlich die geringste Wahrscheinlichkeit aufweist.

Nachdem ich mich mit verschiedener Lektüre und Dokumentationen zum Thema auseinandergesetzt habe, komme ich derzeit zu dem Schluss, dass die Annahme, es könne sich um einen verwirrten Einzeltäter gehandelt haben, in meinen Augen eher wenig wahrscheinlich ist.

Natürlich wirkt die Tat auf den ersten Blick sehr semiprofessionell in ihrer Ausführung. Das könnte mMn aber auch Absicht gewesen sein. Fakt ist, dass der Mörder ohne größere Schwierigkeiten verschwinden konnte und das die Tatwaffe nie aufgefunden wurde. In der besagten Nacht waren sehr viele Polizisten mit rechtsextremer Gesinnung (die Baseballtruppe) im Einsatz und befanden sich an wichtigen Punkten, rund um den Tatort. Zeugen beobachteten ungewöhnliche Polizeiaktivitäten in dieser sonst völlig ereignislosen Nacht und immer wieder wurde der Einsatz von Handfunkgeräten beobachtet, sowohl bei Polizisten, als auch bei Zivilisten, was an sich schon mehr als bemerkenswert und ungewöhnlich ist. Auch die Polizeiarbeit im Anschluß verlief -gelinde gesagt- eher semiprofessionell. Jahre später tauchten immer neue Ungereimtheiten auf, die sich meiner persönlichen Meinung nach mit einer überforderten Polizei allein nicht erklären lassen. Die Ausführungen z.B. von @JestersTear zeigen schon sehr viele jener Ungereimtheiten auf, die ich auch dabei im Blick habe. Hier deutet also mMn weit mehr auf ein Komplott hin, als auf einen Einzeltäter. Wer nun aber hinter dem möglichen Komplott steckt, ist dann schon schwieriger zu beantworten. Es gab viele Seiten mit Interesse daran, dass Olof Palme zum schweigen gebracht wird...


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Mord an Olof Palme

26.08.2020 um 13:40
Zitat von SlateratorSlaterator schrieb:Wer nun aber hinter dem möglichen Komplott steckt, ist dann schon schwieriger zu beantworten. Es gab viele Seiten mit Interesse daran, dass Olof Palme zum schweigen gebracht wird...
Ich wollte eh vorgeschlagen haben, mal die "Polizei"- oder "Südafrika"-Spur zu verlassen und so wertfrei wie möglich noch andere Möglichkeiten zu besprechen.

Und rückwirkend noch mal bemerken, daß ich keinesfalls zwingend an eine oder sogar beide der bisher disktuierten Varienten glaube-ich fand´s halt nur befremdlich, alles außerhalb des Einzeltäters als "naiv" oder "Mumpitz" abzuqualifizieren.

Hier ist eine ARTE-Doku von 2015.

Zu Wort kommen Schlüsselfiguren der Reagen-Administration bzw. Militärs.

Sie belegt, wie offensiv und aggressiv das Vorgehen der USA zu dieser Zeit war, während man uns glaubend machen wollte, der "Doppelbeschluß" sei zwingend zur "Verteidigung der Freiheit" notwendig gewesen.

Der Bezug zu Schweden und zu Palme ca. ab Minute 22:00. Das lohnt sicht echt.

Auf einige Aussagen, die hier gestern diskutiert wurden, wir auch geantwortet, z.B. daß Schweden "zwischen den Blöcken" geopolitisch das wohl wichtigste Land überhaupt war, die "mächtigste Sozialdemokratie der Welt" hatte und Palmes bzw. Reagens Ansichten wie "Feuer und Wasser" waren.

Und der bekannte Ausspruch Nixons über "das schwedische @rschloch" darf natürlich auch nicht fehlen :-)

Sehr sehenswert!

Danke übrigens an meine Flüsterin, die hier partout nicht mitmischen will ;-)



Youtube: Täuschung - Die Methode Reagan // Arte Doku 2015
Täuschung - Die Methode Reagan // Arte Doku 2015



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Mord an Olof Palme

27.08.2020 um 01:45
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Ich wollte eh vorgeschlagen haben, mal die "Polizei"- oder "Südafrika"-Spur zu verlassen und so wertfrei wie möglich noch andere Möglichkeiten zu besprechen.
Ich persönlich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass es eine Kombination sein könnte. Es gibt eine Methode, die Staaten bzw. Dienste selbiger gerne anwenden um für ein (geplantes) Verbrechen nicht verantwortlich gemacht zu werden. Man teilt dazu einfach den Plan auf mehrere, möglichst Staatsfremde Akteure auf und bildet Gruppen bzw. aquiriert Einzelpersonen, die nicht direkt für den Auftraggeber arbeiten/gearbeitet haben und jeweils nur eine spezifische Aufgabe bekommen. Jeder Akteur erfährt ausschließlich das, was er zur Erfüllung seiner spezifischen Aufgabe braucht, nicht mehr. Auf diese Weise hällt man sich die Ermittler vom Leib, da man eine Beteiligung jederzeit glaubhaft bestreiten kann und entsprechende Beweisführung der Ermittler nahezu aussichtslos ist.

Diese Methode spekulativ unterstellt, könnte für diesen Fall bedeuten, dass hier sowohl die Baseballliga, als auch Agenten aus Südafrika, Personen aus dem Dunstkreis der sog. Stay Behind Organisation, der/die Auftraggeber vlt. sogar noch mehr Parteien das große Ganze bilden. Somit wäre die alleinige Konzentration auf Polizei oder Südafrika nicht wirklich zielführend.
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Und rückwirkend noch mal bemerken, daß ich keinesfalls zwingend an eine oder sogar beide der bisher disktuierten Varienten glaube-ich fand´s halt nur befremdlich, alles außerhalb des Einzeltäters als "naiv" oder "Mumpitz" abzuqualifizieren.
Voreingenommenheit ist für Ermittlungen noch nie ein guter Berater gewesen. Man sollte immer für alle Möglichkeiten offen sein, da man sonst riskiert, in einer Sackgasse zu landen und wichtige Dinge dank Scheuklappen einfach zu übersehen oder zu verdrängen/nicht ernst zu nehmen. Insofern sollte man (mal von hirnrissigen/obskuren Annahmen abgesehen) nichts ausschließen, bis es rechtssicher ausgeschlossen werden kann.


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Mord an Olof Palme

27.08.2020 um 12:25
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Rolf Dahlgren, Chauffeur für Politiker und Geheimdienstler widerspricht. Er sei mit Holmér und Lidbom am Mordabend durch Stockholm gefahren, sagt er. Besonders mit Holmér sei er immer wieder in Tatortnähe gewesen, der dort konspirativ Personen traf. Nach einem dieser Treffen erzählt Holmér seinem Fahrer, Olof Palme sei soeben erschossen worden. Wieso weiß er davon?
Hallo!
Nehmen wir mal hypothetisch an, Holmer wäre in die Sache verstrickt. Der saß weit oben im schwedischen Sicherheitsapparat und dürfte kein Idiot gewesen sein. Selbst mit "Outsourcing" von Aufgaben an verschiedene Einzelpersonen und Gruppen, darf eine Verschwörung nicht zu groß werden. Das hält nicht dicht, wenn zuviele drinstecken. Die "Polizeispur" deutet auf mehr als 100 Leute hin, daß ist zu groß und hält niemals 35 Jahre dicht. Aber wie wir sehen, ist bis heuer nichts durchgesickert.
Und wichtiger: Bei einer Verschwörung, in der Verschwörer mit der Aufklärung der Tat beauftragt werden, sollten sie einen Sündenbock greifbar haben. Oder alternativ eine glaubwürdige Spur in andere Länder, wo sie sagen können "ihnen wären die Hände gebunden". Man will sich ja nicht blamieren, indem man unfähig zur Aufklärung erscheint.
Nichts davon ist in Schweden zu sehen! Der erste, sehr spät hervorgezauberte TV war ein Rohrkrepierer. Wären die Sicherheitsdienste in Schweden wirklich in die Sache verstrickt, hätten sie dafür gesorgt, sich nicht bodenlos zu blamieren. Die Nichtaufklärung der Tat geht ja mit ihnen heim. Das hat auch Auswirkungen auf die Karriere.


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Mord an Olof Palme

27.08.2020 um 16:55
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Nehmen wir mal hypothetisch an, Holmer wäre in die Sache verstrickt. Der saß weit oben im schwedischen Sicherheitsapparat und dürfte kein Idiot gewesen sein.
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Der erste, sehr spät hervorgezauberte TV war ein Rohrkrepierer. Wären die Sicherheitsdienste in Schweden wirklich in die Sache verstrickt, hätten sie dafür gesorgt, sich nicht bodenlos zu blamieren
Hi, @Höhenburg

Der erst spät hervorgezauberte TV war nicht Holmers Werk.
Der war nicht einmal ein Jahr Ermiilungsleiter, bevor man ihn abserviert hat.
Holmer hatte seinen Sündenbock!
Er soll die PKK-Spur fanatisch verfolgt haben ohne nach rechts oder links zu schauen.
Christer Pettersson ist erst auf dem Mist seines Nachfolgers (Ölvebro) gewachsen, der 1988 wahrscheinlich unter solchem Druck stand,daß er nach dem erstbesten Strohhalm gegriffen hat!
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Das hält nicht dicht, wenn zuviele drinstecken. Die "Polizeispur" deutet auf mehr als 100 Leute hin, daß ist zu groß und hält niemals 35 Jahre dicht. Aber wie wir sehen, ist bis heuer nichts durchgesickert.
Ich weiß jetzt nicht, ob sich die Befürworter einer "Polizeispur" gleich 100 Leute ausgedacht hatten,möchte aber zu Bedenken geben:

Wenn auf einer Dorfkirmes eine Frau auf dem Heimweg vergewaltigt und erwürgt wird, ist das als Verbrechen genau so schlimm und verabscheuungswürdig. Trotzdem erachte ich die Chance, daß der vielleicht im Suff handelnde Täter irgendwann im Laufe des Lebens sein Gewissen erleichern möchte als deutlich höher wie bei einem politischen Mord ein, wo die Überzeugungstäter wahrscheinlich bis zum jüngsten Gericht glauben, sie hätten das richtige getan!

Und ich wollte auch noch mal am Beispiel der ANC-Aktivistin "Dulcie September" auf deine Anmerkung eingehen, ein "Komplott" habe Palme doch ganz unauffällig an einem Herzinfarkt sterben lassen können:
Sie verließ im selben Jahr Südafrika und schloss sich im Vereinigten Königreich der Bewegung gegen die Apartheid an. Sie wurde Repräsentantin des ANC für Frankreich, die Schweiz und Luxemburg. Während der Eröffnung des ANC-Büros in Paris wurde sie vor dem Büro zwischen 9:45 und 10 Uhr ermordet. Sie wurde durch fünf Schüsse eines 22-Kalibergewehrs mit Schalldämpfer in den Kopf getroffen. Die Identität des Attentäters ist bislang nicht bekannt; zu den Verdächtigen zählen mehrere Südafrikaner, die in Regierungsbehörden arbeiteten. Sie wusste, dass sie bedroht war, wollte aber keinen Personenschutz in Anspruch nehmen.[2]
Quelle: Wikipedia: Dulcie September

Diese Dame hätte von ihren Gegner wahrscheinlich auch vor ihrer Haustüre als Raubmord fingiert eliminiert werden können.
Aber Nein, es mußten gleich 5 Kopfschüsse mit einem Gewehr vor dem ANC-Büro sein!
Ich glaube, daß der Palme-Mord als Ansage erkennbar sein sollte.
Zitat von SlateratorSlaterator schrieb:Ich persönlich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass es eine Kombination sein könnte. Es gibt eine Methode, die Staaten bzw. Dienste selbiger gerne anwenden um für ein (geplantes) Verbrechen nicht verantwortlich gemacht zu werden.
Ja, und in diesem Zusammenhang möchte ich noch mal auf die von mir verlinkte ARTE-Doku über Reagans Machenschaften in den 80s verweisen:

da gibt der damals stellvertretende Navy-Chef Lyons mit einem Zwinkern zu , daß diese russischen U-Boot-Sichtungen vor Schwedens Küste in den frühen Achtzigern false flag Aktionen waren, um die schwedische Bevölkerung und die Medien gegen Palmes Ostpolitik aufzubringen, was anscheinend hervorragend geklappt hat.

Palmes im März bevorstehende Reise zum offenbar aufgeschlossenen Gorbatschow, um für seinen " Dritten Weg" zwischen real existierendem Sozialismus und Kapitalismus zu werben, kam den kalten Kriegern im weißen Haus und im Pentagon ebenso alles andere als gelegen.

Auch hier haben sich zumindest Motive aufgetan.

Und noch eine kleine Nachbemerkung zu der Äusserung, daß "Mandelaund Paul Simon" auch die Apartheid überlebt haben: in der Doku wird angesprochen, daß sich der ANC zum Zeitpunkt von Palmes Ermordung fast ausschließlich über schwedische Gelder finanzierte.


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Mord an Olof Palme

27.08.2020 um 18:51
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Die Ausführung der Tat dagegen war , vom wem auch immer, eine Ansage , über die wir noch heute hier im Forum engagiert diskutieren.
Und bitte noch mal: ich nehme dir die Stockholm-Kenntnisse ab! Aber nur weil du für dich einen besseren Ort für ein Attentat ausgemacht hattest, muß es der (oder die) erfolgreiche(n) Täter nicht genau so gesehen haben.
Wenn ich vor was flüchte, möchte ich Bewegungsfreiheit haben, die am Tatort in Norrmalm gegeben war, allerdings nicht auf Gamla Stan mit ihren sechs (?) Zugängen, im Brunkebergstunnel oder an/in der U-Bahn...
Was die "Ansage" betrifft, gehen wir konform, das war wahrscheinlich mit ein Grund, sonst hätte man diese Tat besser anders und anderswo begangen.
Was die Bewegungsfreiheit betrifft, die Du ansprichst, ist diese an der Tunnelgatan reine Illusion! Sobald du die Treppe am Ende der Tunnelgatan oben bist, hast Du nur zwei Straßen mit wenigen Abzweigungen zur Auswahl. Eine dieser Straßen führt auf die Kungsgatan, aber diesen Weg hättest Du sogar ebenerdig gehen und Kraft sparen können, wenn Du vor dem Ende der Tunnelgatan rechts abgebogen wärst. Aber unabhängig davon säßest du auf dem Brunkebergåsen bei einer guten Reaktion der Polizei in der Falle. Der Täter folgte der David Bagares Gatan, die nur 2 Abzweigungen hat. Wie gesagt, die Bewegungsfreihiet ist nur illusion, besonders bei einer schnellen Reaktion der Polizei, die das Viertel gut absperren könnte.
Hier ist übrigens ein Bild von etwa der Attentatsposition die Tunnelgatan hinunter.

SAF02
Gamla Stan hingegen mag nur 6 Brücken (wenn man die Slussenbrücken als ein Komplex sieht) für Fußgänger haben, ist aber unübersichtilich und hatte 1986 eine sehr geringe Polizeipräsenz. Ein hypothetischer Täter in der Altstadt hätte fraglos eine der Brücken vor Sperrung erreichen können und mehr, Gamla Stan hat viele Nachtschwärmer, unter denen man untertauchen kann. Die Gassen um die David Bagares gatan sind ziemlich verschlafen, da gehst Du nur sehr bedingt als Nachtschwärmer durch.
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Der erst spät hervorgezauberte TV war nicht Holmers Werk.
Der war nicht einmal ein Jahr Ermiilungsleiter, bevor man ihn abserviert hat.
Holmer hatte seinen Sündenbock!
Er soll die PKK-Spur fanatisch verfolgt haben ohne nach rechts oder links zu schauen.
Exakt! Und daher ist eine Verstrickung von Holmer in die ganze Sache sehr fraglich. Wenn Du für einen solch heißen Fall einen Sündenbock brauchst, weil du einer der Verschwörer bist, es aber nicht auffallen soll, dann muß der Sündenbock direkt greifbar und bereits vorher "vorbereitet" sein.
Das war aber ganz offensichtlich nicht der Fall. Plolizei und Geheimdienst haben sich bis auf die Knochen blamiert.
Hätten diese beiden Behörden mit drin gesteckt, besonders jemand so Hohes wie Holmer, wäre der Attentäter irgendein "Entbehrlicher" gewesen. Dieser wäre wie in der Realität geschehen, auf den Brunkebergåsen geflohen, wo ihn mehrere lauernde Streifen Polizei und/oder Säkerhetspolisen eingekesselt hätten! Am besten jemand, der sowieso einen Sprung in der Schüssel hat und den man prima in der "Klappsmühle" verschwinden lassen kann oder alternativ ein Feuergefecht bei der Festnahme, z.B. auf dem St. Johannes Friedhof mit null Zeugen. Die Polizei und Säpo bekämen einen Rüffel, daß das Attentat geklappt hat, aber ein Lob für hervorragende Reaktion danach. Palme erledigt und der eigene Sessel dabei noch gesichert, so wird ein Schuh draus.


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Mord an Olof Palme

27.08.2020 um 22:40
Ich bleibe dabei. So wie sie von Journalisten beschrieben wird, ist die Polizeispur kriminalistisch unplausibel. Das schließt eine Verschwörung der Polizei genauso wenig aus, wie eine Tat von Rechtsextremisten oder dem Ausland.

Wahrscheinlich ist bei politischer Betrachtung jedoch eine Beteiligung des Auslands nicht. Schweden war keine Bananenrepublik und politische Probleme hat man in den westlichen antikommunistischen Industrienationen von 1949 bis 1989 einfach nicht auf diese Art und Weise gelöst. Da gab es viel dickere Brocken, de Gaulle oder Willy Brandt, Bruno Kreisky oder Pierre Trudeau, allesamt eigenwillige Politiker und Symbole. Und selbst auf Adenauer gab es 1952 ein 50 Jahre lang unaufgeklärtes (weil verschleiertes) Attentat.

Die Mörder auf der Dorfkirmes haben im Laufe der Jahrzehnte schwindende Aufmerksamkeit. Ein Beteiligter am Mord Olof Palmes hätte dagegen immer einen Platz in den Geschichtsbüchern. Vorausgesetzt, er könnte schlagende Belege seiner Beteiligung oder der anderer beibringen. Auch das gab es im Fall Olof Palme bisher nicht.

Inwieweit eine miese und stümperische Polizeiarbeit dazu beigetragen hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich gebe aber zu bedenken, dass ein Attentäter mit kühlem Kopf auch bei einer Absperrung des Viertels (die vermutlich mindestens 30 Minuten gedauert hätte) nicht hätte gefasst werden müssen. Dazu hätte er sich schon auffällig verhalten müssen. Ein Täter wie der "Skandia-Mann", der sich in ein Gebäude zurückziehen konnte, der hätte unmittelbar nach der Tat einen Rückzugsraum gehabt. Hätte der Täter die Waffe verstecken können und gegen Schmauchspuren Handschuhe getragen, wären auch unmittelbare Untersuchungen an den Sperren (Abstriche, Geruch) ins Leere gegangen. Das hätte im Übrigen einen gewaltigen logistischen Aufwand bedeutet. Ex post mag es leicht sein, die neuralgischen Punkte zu finden, die abzusperren gewesen wären. Wird das nicht vorher geübt, ist die Reaktionszeit nicht zu unterschätzen.


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 01:39
Zitat von monstramonstra schrieb:Ich bleibe dabei. So wie sie von Journalisten beschrieben wird, ist die Polizeispur kriminalistisch unplausibel.
Sonderapplaus! Die Unplausibilität der Polizeispur wird viel zu selten thematisiert. Ich habe ja schon mehrfach Punkte angeschnitten, weshalb die Polizeispur nicht wirklich eine ist.
Zitat von monstramonstra schrieb:Inwieweit eine miese und stümperische Polizeiarbeit dazu beigetragen hat, vermag ich nicht zu sagen.(...)Ex post mag es leicht sein, die neuralgischen Punkte zu finden, die abzusperren gewesen wären. Wird das nicht vorher geübt, ist die Reaktionszeit nicht zu unterschätzen.
Die Polizei hat sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, aber man muß ihnen zugute halten, daß Schweden noch nie so etwas erlebt hatte. Die vielen Beamten, die binnen kurzer Zeit in Nähe des Tatorts gelangten, hätten eher mit der Absperrung des Brunkebergåsenviertels beginnen sollen, es wäre eine bessere Chance gewesen, den Täter noch zu erwischen. Das Viertel hat Straßen mit langen Häuserzügen und wenigen Abzweigungen (viele mit Treppen). eine schnelle Reaktion seitens der hätte durchaus Chancen gehabt, ihn einzukesseln. Rückblickend ist es natürlich einfacher, die wichtigsten Absperrpunkte gleich zu erkennen.

Hier eine kleine Korrektur meinerseits: Die David Bagares gatan hat auf einigen neueren Stadtplänen 3 Abzweigungen, weil sie scheinbar zwischenzeitlich bis zur Birger Jarls gatan verlängert wurde. Ist allerdings fürs Absperren weniger relevant, ob das kurze Stück Bagares gatan oder Smala gränd zugehört, da jemand der die Bagares an der Birger Jarls Gatan absperrt, die dritte Abzweigung einsehen kann.
Hier ein Bild der David Bagares Gata am Birger Jarlsgatan Ende. Die von mir erwähnte Abzweigung in die Smala Gränd ist hinter dem Mann auf der rechten Seite

1024px-David Bagares Gata 2008Original anzeigen (0,2 MB)


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 05:07
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Palmes im März bevorstehende Reise zum offenbar aufgeschlossenen Gorbatschow, um für seinen " Dritten Weg" zwischen real existierendem Sozialismus und Kapitalismus zu werben, kam den kalten Kriegern im weißen Haus und im Pentagon ebenso alles andere als gelegen.
Das ist sogar ein sehr naheliegendes und geeignetes Motiv der damaligen Nato-Hardliner. Aus deren Sicht war Palme gerade dabei, den Kommunisten eine Flanke zu öffnen und die Sicherheit der Nato damit in eklatanter Weise zu gefährden. Womöglich kam einer die kalten Krieger deshalb auf die Idee, diesem Treiben ein schnelles Ende zu bereiten. Im Buch "im Spinnennetz der Geheimdienste" von Patrik Baab und Robert E. Harkavy wird sogar ein Papier präsentiert, dass die Nato als Auftraggeber des Mordes nahelegt. Zwar kann die Echtheit dieses Dokumentes dort nicht endgültig bewiesen werden, es zeigt aber zumindest ein mögliches Szenario auf.

https://www.heise.de/tp/features/Warum-wurden-Olof-Palme-Uwe-Barschel-und-William-Colby-ermordet-3856190.html

Es ist natürlich schon ein harter Brocken, dieses Szenario ernsthaft in Betracht zu ziehen. Deshalb ist es aber nicht abwegig oder unrealistisch, dass es so tatsächlich passiert sein könnte. Es sollte zumindest mal erwähnt sein.


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 09:49
Aus Zeitgrunden so kurz wie eben möglich

@Höhenburg :

Schöner Artikel bzgl. des Fluchtweges, übersetzt aus dem Schwedischen, inkl. Foto der Treppe von 86, die nicht nur vereist war, sondern die auch durch Baustelle geteilt war ( Sichtschutz für een flüchtenden Täter!)
Der Täter, der Olof Palme ermordet hat , hat zweifellos einen guten Fluchtweg gewählt.

Die dunkle Tunnelgatan, in der die Baukaserne die Sicht verdeckte, und die steilen Treppen zur Malmskillnadsgatan machten es Zeugen schwer, seiner Flucht zu folgen, und der verfolgenden Polizei, ihn wegen Mordes festzunehmen.

Sobald er die Treppe hochkam, hatte er mehrere gute Gelegenheiten und relativ viel Zeit, um in der Dunkelheit zu verschwinden.

Der Fluchtweg war jedoch auch mit Risiken verbunden. Soweit bekannt, konnte der Täter nicht wissen, was ihn über der Treppe erwartete. Wenn er Pech hatte, könnte eine Polizeipatrouille da sein.

Eine Polizeipatrouille befand sich tatsächlich über der Treppe in der Ecke von David Bagares gata-Malmskillnadsgatan, knapp eine Minute bevor der Täter eintraf.
Quelle: https://utsikterinsikter.blogg.se/2019/january/brottsanalys-palmemordet-13.html

Potentielle Möglichkeiten:

-Der Täter wurde von der Patroullie aufgenommen

-Der Täter mußte gar nicht weit laufen, hatte in unmittelbarer Nähe einen Unterschlupf und hätte die Absperruungen locker aussitzen können.


@monstra

Guck bitte mal in den Link rein und achte auf die Treppe! Mal abgesehen davon, daß Engström aufgrund seiner Physis und des Alters Schwierigkeiten gehabt haben dürfte frage ich auch , warum der trotz Rückzugsort eine Magnum auf dem Weg von der Arbeit nach Hause in der Tasche gehabt haben soll, als der zufällig den Palmes begegnete?

Die Namen Kreisky und de Gaulle vergesse ich jetzt einfach mal . De Gaulle war als Konservativer für Rechte nicht so interessant wie Palme, Kreiskys internationale Bedeutung ist nicht im Geringsten mit der Palmes zu vergleichen. Brandt war zu diesem Zeitpunkt schon lange Geschichte.

Und klar hat der Westen politische Morde zumindest in Kauf genommen, wenn´s in den Kram asste, siehe Allende. Auch wenn der durch seinen (angeblichen) Suizid den Putschisten zuvor kam.

@Slaterator

Hier ist ein Artikel, der auf die von die vvermutete "intersisziplinäre Zusammenarbeit" von schwedischen und asländuischen Kräten eingeht:

https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/was-thrillerautor-stieg-larsson-ueber-den-mordfall-olof-palme-herausfand-8460786.html

Der Autor Stocklassa hat ein Buch über den Bestseller-Autor Stieg Larsson (Millenium-Trilogie) geschrieben,der selbst intensiv über den Palme Fall recherchiert hat, Recherchen, die ihn zur "Säpo" geführt haben.

Ich möchte euch noch mal alle bitten, auch wirklich diesen schwedischen Link anzuschauen, insbesondere das Bild der Treppe zu bewerten.

Wirklich perfekter Sichtschutz für einen flüchtenden Täter...


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 09:55
ortsoijm3sk6 polisbild 11 55f690872a6b22Original anzeigen (0,2 MB)

Bild der Treppe mit Baustelle


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 13:37
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Brandt war zu diesem Zeitpunkt schon lange Geschichte.
Aber nicht 1969 bis 1974.

Mir geht es dabei um die Wahrscheinlichkeit einer wie auch immer gearteten Verschwörung aus dem In- oder Ausland in einem Nichtbanenrepublikland wie Schweden. Und Brandt war z.B. als Kanzler ein wesentlich größeres Problem für eine ganze Latte an üblichen Verdächtigen, von der CIA bis zu Rechtsextremen. Nixon war lange not amused über die Ostpolitik, bis er selbst mit China anbandelte.
Zitat von SlateratorSlaterator schrieb:Im Buch "im Spinnennetz der Geheimdienste" von Patrik Baab und Robert E. Harkavy wird sogar ein Papier präsentiert, dass die Nato als Auftraggeber des Mordes nahelegt.
Sofern der "Heise"-Artikel das Buch zutreffend rezensiert bleibt für letztlich nur ein schwer überschaubares "Spinnennetz" aus allen möglichen Geheimdiensten, die alle möglichen Motive oder Anstrengungen unternommen haben, alles mögliche Böse zu machen. Sorry, als Beleg für konkrete Pläne taugt das nicht.

Man muss dazu sagen, dass es einem die Berichterstattung generell nicht leicht macht. So ist allenthalben zu lesen, es seien am Tatort (erst am nächsten Tag) zwei Patronenhülsen Kaliber .357 gefunden worden. Tatwaffe sei ein Revolver Magnum mit entsprechendem Kaliber gewesen. Das kann nicht sein.

Revolver werfen keine Patronenhülsen aus. Diese verbleiben nach der Schussabgabe im Revolver. Hat man also nicht in Wirklichkeit die Kugeln aus der Tatwaffe gefunden?
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Eine Polizeipatrouille befand sich tatsächlich über der Treppe in der Ecke von David Bagares gata-Malmskillnadsgatan, knapp eine Minute bevor der Täter eintraf.
Wie um Himmels Willen hat es die Polizeipatrouille so schnell geschafft, dort in Position zu gehen? Oder waren sie zufällig dort und mit etwas ganz Anderem beschäftigt? Wie lange dürfte es dauern, bis vom Tatort in die Zentrale und von dort aus bis alle präsenten Polizeieinheiten a) informiert gewesen sind, b) ein Einsatzkonzept entwickelt und angewendet worden war, damit die Polizisten wissen, wo sie in Stellung zu gehen hatten.

Selbst bei schneller Reaktion halte ich 10 Minuten Reaktionszeit für sehr realistisch. Das ist für einen flüchtenden Täter viel Zeit.
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:-Der Täter mußte gar nicht weit laufen, hatte in unmittelbarer Nähe einen Unterschlupf und hätte die Absperruungen locker aussitzen können.
Das hatte ich ja schon ausgeführt. Um die Diskussion nicht zu verengen:

1. Der Alleintäter muss nicht Engström gewesen sein. 2. 89 Treppen muss ich in etwa steigen, um in meinen Wohnung im 4. Stock zu gelangen. Ich bin da gemeinhin nicht außer Atem. 3. Engström konnte abtauchen. 4. Der Täter kann den Tatort mit Bedacht ausgewählt haben - oder eben nicht.


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 13:49
Zitat von monstramonstra schrieb:JestersTear schrieb:
Brandt war zu diesem Zeitpunkt schon lange Geschichte.

Aber nicht 1969 bis 1974.
Schon richtig, allerdings hatten z.B. unsere westlichen Freunde zu diesem Zeitpunkt noch dringendere Probleme: Vietnam, Watergate, Allende....
Zitat von monstramonstra schrieb:JestersTear schrieb:
Eine Polizeipatrouille befand sich tatsächlich über der Treppe in der Ecke von David Bagares gata-Malmskillnadsgatan, knapp eine Minute bevor der Täter eintraf.

Wie um Himmels Willen hat es die Polizeipatrouille so schnell geschafft, dort in Position zu gehen? Oder waren sie zufällig dort und mit etwas ganz Anderem beschäftigt?
Ich habe das so gelesen, daß die dort zufällig Streife gefahren sind.
Und wenn der "Polizeinotruf" zwei Minuten nach den Schüssen funktioniert hätte, wäre der Schütze der Streife möglicherweise in die Arme gelaufen.
Wenn man die "Polizeispur" ernst nimmt, könnten die rein hypothetisch dort natürlich auch gewartet haben, um den Täter wie verabredet aufzunehmen. Ich betone nochmal: die Polizeispur ist für mich nicht mehr oder weniger realistisch als andere Richtungen auch.
Zitat von monstramonstra schrieb:1. Der Alleintäter muss nicht Engström gewesen sein. 2. 89 Treppen muss ich in etwa steigen, um in meinen Wohnung im 4. Stock zu gelangen. Ich bin da gemeinhin nicht außer Atem. 3. Engström konnte abtauchen. 4. Der Täter kann den Tatort mit Bedacht ausgewählt haben - oder eben nicht.
Ich möchte nochmal die Beobachtungen eines der ersten Zeugen aus der Luntmakargatan zitieren, die die Tunnelgatan kurz vor der Treppe kreuzt....

https://www.google.com/maps/@59.3368803,18.0638615,3a,75y,14.52h,73.62t/data=!3m7!1e1!3m5!1smtMwAvUpgopsCXZXAqsEaQ!2e0!6s%2F%2Fgeo3.ggpht.com%2Fcbk%3Fpanoid%3DmtMwAvUpgopsCXZXAqsEaQ%26output%3Dthumbnail%26cb_client%3Dsearch.revgeo_and_fetch.gps%26thumb%3D2%26w%3D96%26h%3D64%26yaw%3D62.70176%26pitch%3D0%26thumbfov%3D100!7i16384!8i8192

und frage dann noch mal an alle, ob diese Beschreibungen auf den 52jährigen, alkoholkranken "Skandia-Mann" passen könnten?
Der Täter unterzog sich auch einem sehr anstrengenden Sprungmarsch, der sicherlich große Anforderungen an seine körperliche Verfassung stellte. Laut dem Zeugen Lars J, der auf Luntmakargatan stand und den Weg des Täters die Treppe hinauf betrachtete, machte der Täter zwei oder drei Schritte gleichzeitig, was unterstreicht, dass er wahrscheinlich in einem ziemlich guten Zustand war.

Die Flucht war nicht abgeschlossen, als der Täter die Treppe erreichte. Er musste immer noch an einen Ort rennen, an dem er sich einigermaßen sicher fühlen konnte, entkommen zu sein. Es könnte ein Fluchtauto, ein Zimmer in der Nachbarschaft, eine Wohnung, ein Keller usw. gewesen sein.
Quelle: https://translate.google.com/translate?hl=de&sl=sv&u=https://utsikterinsikter.blogg.se/2019/january/brottsanalys-palmemordet-13.html&prev=search&pto=aue

So muß muß ich mich echt erstmal ausklinken :-)


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 15:15
Zitat von JestersTearJestersTear schrieb:Schöner Artikel bzgl. des Fluchtweges, übersetzt aus dem Schwedischen, inkl. Foto der Treppe von 86, die nicht nur vereist war, sondern die auch durch Baustelle geteilt war ( Sichtschutz für een flüchtenden Täter!)

Der Täter, der Olof Palme ermordet hat , hat zweifellos einen guten Fluchtweg gewählt.

Die dunkle Tunnelgatan, in der die Baukaserne die Sicht verdeckte, und die steilen Treppen zur Malmskillnadsgatan machten es Zeugen schwer, seiner Flucht zu folgen, und der verfolgenden Polizei, ihn wegen Mordes festzunehmen.
Sobald er die Treppe hochkam, hatte er mehrere gute Gelegenheiten und relativ viel Zeit, um in der Dunkelheit zu verschwinden.
Der Fluchtweg war jedoch auch mit Risiken verbunden. Soweit bekannt, konnte der Täter nicht wissen, was ihn über der Treppe erwartete. Wenn er Pech hatte, könnte eine Polizeipatrouille da sein.
Eine Polizeipatrouille befand sich tatsächlich über der Treppe in der Ecke von David Bagares gata-Malmskillnadsgatan, knapp eine Minute bevor der Täter eintraf.
Der von dir verlinkte Artikel bietet, selbst mit meinem schwer rostigen Schwedisch, auf den ersten Blick einige interessante Hinweise. aber dennoch kann ich keinen Artikel für voll nehmen, der behauptet, ein Fluchtweg, bei dem es letztlich auf Glück ankommt, ob man in eine Polizeistreife hineinläuft, sei gut!

Der Sinn eines geplanten Fluchtwegs ist nämlich exakt zu verhindern, daß man bei der Flucht auf Polizei stößt! Der Artikel ist vom gleichen Kaliber wie derjenige mit "ausgeworfenen Hülsen aus einem Revolver", über den sich @monstra zu recht mokiert!
Das einzig Gute an dem Fluchtweg war, die relativ dunkle Tunnelgatan mit verdeckender baustelle. Das Andere, der Platz des Mordanschlags selbst und der Fluchtweg an sich waren suboptimal!
Um es klipp und klar zu sagen, es gab schon vorher auf dem Weg vom Kino zur Tunnelgatan zwei gute Gelegenheiten, Palme zu beseitigen, wenn man ein guter Schütze ist oder einen an der Hand hat. Der Tod käme aus dem Dunkeln, ohne das der Täter sich vor sein Opfer stellen müßte und er könnte problemfrei über Seitengassen entkommen. (Zumindest damals, heute wäre es kniffliger)


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Mord an Olof Palme

28.08.2020 um 20:17
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Der von dir verlinkte Artikel bietet, selbst mit meinem schwer rostigen Schwedisch, auf den ersten Blick einige interessante Hinweise. aber dennoch kann ich keinen Artikel für voll nehmen, der behauptet, ein Fluchtweg, bei dem es letztlich auf Glück ankommt, ob man in eine Polizeistreife hineinläuft, sei gut!
Außer, man schließt die Polizeispur nicht direkt kategorisch aus.
Denn dann würde es Sinn machen, daß genau um diese Zeit ein Streifenwagen dort anwesend war-nämlich um den Täter aufzunehmen.

Außerdem habe ich den Verdacht, daß einem an einem Freitagabend in Stockholms Zentrum an so ziemlich jeder Straße zufällig eine Streife begegnen könnte, auch an den von dir eher als Tatort favorisierten Punkten.

Erst recht am Monatsende, wenn´s Geld gegeben hat und der gemeine Schwede schon mal ganz gerne Einen trinken geht.
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Der Artikel ist vom gleichen Kaliber wie derjenige mit "ausgeworfenen Hülsen aus einem Revolver", über den sich @monstra zu recht mokiert!
Von welchem Artikel redet ihr denn genau ? Ich kenne eigentlich nur Artikel, in denen von außerhalb der Absperrung gefundenen Kugeln die Rede ist. Und die hat nicht die Polizei, sondern Passanten gefunden.
Ansonsten gefällt mir der Artikel ziemlich gut. Er passt halt nur nicht in dein Weltbild.
Zitat von HöhenburgHöhenburg schrieb:Der Tod käme aus dem Dunkeln, ohne das der Täter sich vor sein Opfer stellen müßte und er könnte problemfrei über Seitengassen entkommen. (Zumindest damals, heute wäre es kniffliger)
Genau so ist es gekommen...


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Mord an Olof Palme

29.08.2020 um 01:16
Zitat von monstramonstra schrieb:Sofern der "Heise"-Artikel das Buch zutreffend rezensiert bleibt für letztlich nur ein schwer überschaubares "Spinnennetz" aus allen möglichen Geheimdiensten, die alle möglichen Motive oder Anstrengungen unternommen haben, alles mögliche Böse zu machen. Sorry, als Beleg für konkrete Pläne taugt das nicht.
Es ist die einzige "Quelle", welche ich zu diesem Sachverhalt auf die Schnelle finden konnte. Ich habe das Buch aber selbst gelesen. Da die Echtheit des angesprochenen Protokolles -auch im Buch- nicht endgültig belegt werden kann, habe ich es in meinem Beitrag auch nicht als Beleg, sondern als mögliches Szenario angeführt.


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Mord an Olof Palme

29.08.2020 um 12:37
So, so wertfrei wie eben möglich zur "Stay behind" -Spur.

Die Frage, die für mich offenbleibt ist die, wie Palme selbst zu dieser Organisation stand?

Wenn Ministerpräsidenten vor und nach ihm wie Erlander oder Persson eine aktive Rolle gespielt haben,wird die Existenz des Netzwerk einem Ministerpräsidenten Palme nicht verborgen geblieben sein....

Wenn was dran gewesen sein sollte,könnte sogar der "bescheuerte Tatort" vor dem "Skandiahaus" als Ansage bewertet werden.

Die Quellen, aus denen das zusammengebastelt wurde, befinden sich am Ende (auch hier Danke für´s soufflieren ;-)


Schwedens Stay-Behind-Netzwerk

Von der Volksverteidigung zum Geheimbund

Bereits während des Zweitens Weltkrieges, genauer sogar nach der Annektion Österreichs durch Hitler-Deutschland, begannen einige europäische Staaten, bewaffnete Widerstandsgruppen in ihren Ländern aufzubauen. Sie sollten im Falle einer Besetzung „aus der Bevölkerung heraus“ – also abseits der üblichen militärischen Strukturen – in der Lage sein, Widerstand zu leisten oder zumindest den Feind durch Sabotage schädigen zu können.

So fing auch in Schweden bereits Anfang der 1940er Jahre die Planung für den Fall einer Besetzung durch Nazi-Deutschland an. Der Widerstand sollte sich auf alle relevanten Teile und Gruppierungen der schwedischen Gesellschaft stützen und war dementsprechend von Anfang an „breit aufgestellt“ – sowohl in der Gesellschaft, als auch im Bereich der administrativen Funktionen, die in der Regel eng mit den politisch Verantwortlichen verzahnt waren.

Diese Widerstandsgruppen werden später – nach dem Krieg – die Grundlage eines schwedischen Stay-Behind-Netzwerkes bilden.

Was ist die Aufgabe einer Stay-Behind-Organisation?

Der Name leitet sich aus deren taktischer Aufgabe ab: Während sich die reguläre Armee vor einem Angreifer zurückzieht, lassen sich diese Einheiten von der Front überrollen, um dann in ihrem Rücken zu operieren. In der Regel ist das eine geheime paramilitärische Widerstandsorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung hinter der Front nachrichtendienstliche Aufklärung ermöglicht und Sabotageakte verüben soll.

Nach 1949 richtete sich der Blick der westlichen Alliierten nicht mehr auf Nazi-Deutschland, sondern auf die Sowjetunion. Unmittelbar nach Gründung der NATO begannen die USA und andere Mitglieder des Bündnisses, in Kooperation mit den Geheimdiensten einiger westeuropäischer Staaten, ein geheimes Stay-Behind-Netzwerk aufzubauen.

Nicht NATO-Staat

In Schweden gab es enge Kontakte zwischen der NATO und dem offiziell nicht dem Militärbündnis angehörenden Land, die zur Bildung von Stay-Behind führten. Ziel der schwedischen Akteure war es von Beginn an, die politische und militärische Führung des Landes in das Vorhaben zu integrieren. Innenminister Eije Mossberg und Premierminister Tage Erlander wurden die treibenden Kräfte für den Aufbau einer solchen Gruppe.

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Erlander

Einer der wenigen Beweise dafür, dass das Netzwerk tatsächlich existierte, ist ein Brief an den Generaldirektor der staatlichen Telekommunikationsverwaltung „Televerket“, in dem Premierminister Erlander die Bildung einer geheimen Widerstandsbewegung in Auftrag gab.

Der Direktor der Versicherungsgesellschaft Thule, Alvar Lindencrona, der über ein erstklassiges Geflecht bester Kontakte verfügte und als effizient und risikofreudig galt, wurde zum Führer der Gruppe ernannt. Später sollte er zum Leiter des gesamten schwedischen Stay-Behind-Netzwerkes werden. Der Generaldirektor von Televerket, Håkan Sterky, war ebenfalls an der Bildung der Gruppe beteiligt. Tatsächlich hatte diese „Geheimdienstgruppe B“ bereits unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges, also 1946 oder 1947 und damit vor der NATO-Gründung, begonnen, ein Stay-Behind-Netzwerk zu organisieren.

Wer ist Alvar Lindencrona?

Lindencrona war ein Anwalt und Unternehmer adeliger Herkunft. Als Jurist arbeitete der 1910 Geborene während des Zweiten Weltkrieges erst im Verteidigungsministerium, später dann im Kommunikationsministerium. Von 1947 bis 1964 war er Generaldirektor der Versicherungsgesellschaft Thulebolagen, bis sich das Unternehmen im gleichen Jahr gemeinsam mit fünf anderen Versicherungs- und Finanzdienstleistern zur „Skandia-Gruppe“ zusammenschloss.

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Lindencrona

Aufgrund der führenden Rolle des aristokratischen Managers wurde Schwedens Stay-Behind-Gruppe von Tage Erlander „Lindencronas Komitee“ genannt und hatte ihre Treffen in der bel étage des Hauses der Familie Lindencrona im Stureplan 4 im Zentrum Stockholms.

Die schwedische Variante

Ursprünglich hatte die CIA selbst Pläne, eine Gruppe in Schweden zu etablieren, doch die schwedische Regierung zog es vor, ihre eigene Version eines Stay-Behind aufzubauen. Dem Ausschuss gehörten der Premierminister, der Außenminister (seit 1969 auch der Verteidigungsminister) sowie Vertreter von Arbeitnehmern, Beamten, Landwirten, der Polizei, des Militärs und der damals staatlichen Telekommunikationsagentur an. Dieser breite Zusammenschluss würde garantieren, dass die Organisation während einer möglichen Besetzung die Legitimität der Bevölkerung hatte.

1954 informierte Premier Erlander die bürgerlichen Parteiführer Bertil Ohlin (Liberale Volkspartei) und Jarl Hjalmarsson (konservative Moderate Partei) über Stay-Behind, ohne jedoch Details wie Mitgliedernamen zu erwähnen. Nicht einmal die Mitarbeiter Erlanders, wie zum Beispiel der spätere Ministerpräsident Ingvar Carlsson, verstanden, warum ihr Chef so oft Alvar Lindencrona traf. Carlsson nahm an, dass sie über Versicherungsfragen sprachen.

Obwohl Lindencronas Gruppe sich im Haus Stureplan 4 traf, hatte dessen Familie keine Ahnung von der tatsächlichen Rolle des Hausherrn. Als seine Tochter Elisabeth ihn fragte, warum Premierminister Erlander so oft bei ihnen zu Hause war, antwortete der Vater, „ich arbeite für mein Land“, ohne Einzelheiten zu nennen. Die Skiferien der Familie im idyllischen Storlien nahe der Grenze zu Norwegen nutzte Lindencrona, um mit Reinhold Geijer, dem Direktor des dortigen Hotels „Högfjällshotellet“, in Kontakt zu bleiben. Geijer war einer der wenigen, die später – im Jahr 1998 – offen als Mitglied von Stay-Behind auftraten.

Als Elisabeth 18 Jahre alt geworden war, benutzte Alvar Lindencrona seine Tochter als „Deckung“ während gemeinsamer Reisen in andere Länder, die offiziell als Studienreisen für Elisabeth deklariert wurden, aber tatsächlich den Zweck hatten, mit ausländischen Stay-Behind-Gruppen in Kontakt zu bleiben.

Geheimes Büro im Scandiahaus

Der tägliche Betrieb von „Svenska Stay-Behind“ wurde von einer Wohnung in Stockholm in der Bergsgatan 16 aus verwaltet. Die Organisation hatte auch ein Geheimbüro im Thulehuset – dem späteren Scandiahaus – in der Sveavägen, das von Luntmakargatan aus zugänglich war.

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Organisatorisch war Stay-Behind in verschiedene regionale Gruppen und Führer unterteilt, wobei der oben erwähnte Geijer beispielsweise verantwortlich für einen Teil von Norrland, Småland und Östergötland war. Angeführt wurde das Ganze von Lindencrona, der aufgrund seiner beruflichen Aufgaben als Manager eines Versicherungsunternehmens ungehindert herumreisen konnte. Jeder regionale Führer hatte wiederum das Kommando über eine Reihe von Widerstandszellen, in Geijers Fall etwa 60 bis 70 Mann. Laut dem ehemaligen Verteidigungschef Carl Eric Almgren bestand die Bewegung aus insgesamt 300 bis 400 Personen. Die Mitglieder agierten geheim und benutzten Decknamen.

Im Jahr 1978 wurde der frühere SAF-Chef Curt-Steffan Giesecke Leiter des schwedischen Stay-Behind. Im selben Jahr verließ er SAF, um Chef des schwedischen Versicherungsunternehmens Trygg-Hansa zu werden. Laut Giesecke wurden die Aktivitäten des geheimen Netzwerkes auch in den 1970er Jahren und auch nach der Auflösung der Sowjetunion unvermindert fortgesetzt. Die informellen Treffen, an denen eine Reihe von Ministern, aber auch hochrangige Vertreter der Streitkräfte, der Polizei, der LRF (Föderation der Schwedischen Landwirte), der LO (größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften in Schweden) und der schwedischen Telekommunikationsverwaltung teilnahmen, wurden ebenfalls fortgesetzt.

Giesecke berichtete später, dass Stay-Behind zu seiner Zeit in etwa zehn Regionen unterteilt war, an denen Anfang der neunziger Jahre etwa dreißig Personen beteiligt gewesen sein sollen. Externe Kritiker hingegen schätzen, dass die Größe eher 130 bis 150 Mitglieder betrug. Die rekrutierten Mitarbeiter wurden von SÄPO kontrolliert und viele von ihnen erhielten eine Guerillakrieg-Ausbildung in England und den USA.

Internationale Einbindung

International war die Gruppe dem „Clandestine Planning Committee“ (CPC) angeschlossen, in dem sich die Stay-Behind-Verantwortlichen aus den verschiedenen NATO-Ländern trafen. Lindencrona und andere Mitglieder des „Swedish Stay-Behind“ nahmen als Beobachter an den Treffen teil. Ab 1961 gab es auch Zusammenkünfte mit dem Nordkommando der NATO, zu dem Dänemark, Norwegen, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten gehörten. Durch diese Konstellation konnte man theoretisch offiziell alle Arten von Eingriffen ablehnen und gleichzeitig die nationale Kontrolle über die Gruppe behalten. Curt-Steffan Giesecke gab später an, dass die Gruppe hauptsächlich Kontakte zum britischen MI6 und MI5 unterhielt.
Ebenso erklärte er, dass er keine Waffendepots für Stay-Behind kennt und davon ausgeht, dass es keine Ausbildung im Waffendienst gab.

Bewaffnete Paramilitärs

Der schwedische Journalist und Autor Mikael Holmström glaubt hingegen, dass es für die Gruppe kein Problem war, Zugang zu Waffen zu erhalten, da hochrangige Soldaten Teil der Führung von Stay-Behind waren. Indirekt konnte Stay-Behind damit die 750.000 Mann starke schwedische Armee mobilisieren, darüber hinaus freiwillige Schützenverbände und bestens ausgerüstete Vereinigungen mit insgesamt 400.000 bewaffneten Mitgliedern.

Im Jahr 1990 veröffentlichte der Journalist Bjarne Stenquist in der überregionalen schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter einen Artikel über das Netzwerk und die Sendung Kalla Fakta des Privatsenders TV4 sendete Interviews mit dessen Mitgliedern. So wurde die Öffentlichkeit erstmals auf Stay-Behind in Schweden aufmerksam. Trotzdem wurden die Aktivitäten der Gruppe in den 1990er Jahren unter Premierminister Göran Persson, dann unter Generalmajor Robert Lugn und später unter dem ehemaligen Oberbefehlshaber General Bengt Gustafsson fortgesetzt. Die Bewegung wurde erst Anfang der 2000er Jahre aufgelöst.

Laut Mikael Holmström wurde entsprechend einiger Informationen Stay-Behind in den Jahren 2001–2003 eingestellt, der schwedische Historiker Wilhelm Agrell vertritt hingegen die Position, dass anderen Informationen zufolge an der Bewegung in modifizierter Form festgehalten worden sei.

Der Mord an Olof Palme

Inga-Britt Ahlenius, eine schwedische Wirtschaftswissenschaftlerin, die hohe öffentliche Ämter bekleidete und Mitglied der Königlich-Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften ist, forderte gemeinsam mit anderen Akteuren, es müsste untersucht werden, ob Stay-Behind an der Ermordung von Olof Palme beteiligt gewesen sein könnte.

Der frühere Chef der Spionageabwehr der Sicherheitspolizei, Olof Frånstedt, schrieb im zweiten Band seiner Memoiren „Spionjägaren“, er vermute, dass die Barbro-Gruppe, die laut Frånstedt eine Verbindung zu Stay-Behind hatte, an dem Mord beteiligt gewesen sein könnte.

Barbo ist der Name einer geheimen Verbindung, die zumindest in den frühen 1970er Jahren in Schweden aktiv gewesen sein soll. Es gibt keine offizielle Bestätigung, dass die Gruppe existiert oder welche Rolle sie möglicherweise gespielt hat. Ihr Name tauchte nach der Ermordung Olaf Palmes im Zusammenhang mit Stay-Behind auf.

Wie auch andere Autoren weist Frånstedt noch einmal darauf hin, dass der Zeitpunkt des Anschlags mit Palmes geplanter Reise nach Moskau im Frühjahr 1986 zusammenhängen könnte, wo er und Michail Gorbatschow sehr wahrscheinlich über eine atomwaffenfreie Zone in Europa sprechen wollten, was die Interessen der US-amerikanischen Regierung, des Militärs und der Geheimdienste konterkariert hätte.

Der schwedische Baum

Agneta Norberg, eine engagierte Friedenskämpferin und seit vielen Jahren Vorsitzende des schwedischen Friedensrates, glaubt, dass es einen Zusammenhang zwischen Stay-Behind und dem Mord an Palme geben könnte, da der Mord in der Nähe von Thulehuset am Sveavägen stattfand, wo Stay-Behind ein eigenes Büro unterhielt.

Laut Norberg gibt es auch ein Telegramm der italienischen Geheimorganisation Propaganda Due (P2), der Verbindungen zum italienischen Stay-Behind-Netzwerk Gladio nachgesagt werden, an die Republikanische Partei in den USA, in dem steht: „Der schwedische Baum wird bald fallen. Sagen Sie es unserem guten Freund Bush.“ Bush sen. war bis 1977 Direktor der CIA und zur Zeit des vermeintlichen Telegrammes US-Vizepräsident unter Ronald Reagan.

Quellen:

https://www.wikiwand.com/sv/Stay-behind#

https://www.wikiwand.com/de/Stay-behind-Organisation

https://www.wikiwand.com/de/Skandia

https://www.wikiwand.com/sv/Mikael_Holmstr%C3%B6m

https://www.wikiwand.com/sv/Olof_Fr%C3%A5nstedt

https://www.wikiwand.com/de/Wilhelm_Agrell

https://www.wikiwand.com/sv/Alvar_Lindencrona

https://www.wikiwand.com/en/Inga-Britt_Ahlenius

https://www.wikiwand.com/sv/Barbrogruppen

https://www.wikiwand.com/en/Bengt_Gustafsson_(general)

https://www.wikiwand.com/en/Robert_Lugn

https://wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=2338


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