https://www.hessenschau.de/gesellschaft/tote-kinder-in-hanau-wann-das-jugendamt-eingreift---und-wo-es-hakt,hanau-jugendamt-100.htmlEin hervorragend geschriebener Artikel, der die Problematik aufzeigt, eine Mutter samt ihren Kinder vor einem gewalttätigen Vater zu schützen. Ich empfehle, ihn komplett zu lesen.
Deshalb prüft die Staatsanwaltschaft neben den Vorwürfen gegen den Vater auch die Rolle der Behörden in dem tragischen Fall. Schlug der freie soziale Träger zu spät Alarm? Schätzte das Jugendamt die Lage falsch ein?
Bürgermeister ... sieht in der Arbeit des Jugendamtes nichts zu beanstanden: "Nach allem, was wir mit Einblick in die Akten wahrnehmen, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet", sagte er am Montagabend in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung. ...
Was genau Jugendämter zum Schutz von Kindern wie Jannatveer und Mukhmanii tun können und wo sie an Grenzen stoßen, ist das Fachgebiet von Maud Zitelmann: Als Professorin für Kinderschutz an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) bildet sie unter anderem spätere Jugendamtsmitarbeiter aus.
Auf die Frage, was in Hanau hätte anders laufen können, sagt sie: "In so einem Fall könnte man daran denken, dass die Polizei Gefährderansprachen macht, dass sie mit viel Macht in der Wohnung auftaucht und sagt: Wir haben dich im Blick." Dafür müsse aber die Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Polizei noch enger werden, als sie derzeit sei.
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Das Polizeipräsidium Südosthessen hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Darmstadt bereits Ermittlungen gegen den Vater aufgenommen. Dem Mann werden demnach Körperverletzung und die Bedrohung zum Nachteil seiner Ehefrau und Kinder vorgeworfen. Die Tat habe im Dezember 2021 im Kreis Offenbach stattgefunden. Das Verfahren habe die Staatsanwaltschaft Darmstadt erst am 12. Mai auf den Tisch bekommen - einen Tag nach dem Tod der beiden Kinder.
Wenige Tage vor dem Tod der Geschwister habe der Träger das Jugendamt gewarnt, dass sich die Lage in der Familie verschlechtern würde. Laut Recherchen der hessenschau trafen sich Sozialarbeiter noch am Freitag vor der Tat mit der Mutter der beiden Kinder.
Kinder und Eltern zu trennen:, ist nur das letzte Mittel
... Welche Maßnahmen ein Jugendamt ergreift, hängt vom Einzelfall ab. "Es sind nur die extremen Fälle, in denen es gerechtfertigt ist, dass ein Kind von seinen Eltern getrennt wird", sagt Kinderschützerin Zitelmann - etwa bei körperlicher Gewalt.
Im Hanauer Fall wurde der Verdacht darauf den Behörden aber wohl einfach zu spät bekannt - und eine Trennung ist auch nur das äußerste Mittel. Meist würden erst Angebote gemacht: Gespräche bei Beratungsstellen, Therapien, Tagesgruppen. Denn die deutsche Verfassung räumt Eltern ein starkes Recht ein: "Pflege und Erziehung ist das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht", heißt es im Grundgesetz. Der Staat soll dabei über sie wachen.
Den wichtigsten Schritt hatte die Mutter selbst unternommen, sie hatte mit den Kindern den Mann verlassen.
Auch wenn der Vater drohte, es würde etwas Schlimmes passieren, es reicht nun mal nicht, dass man ihn wegsperrt.
Man hätte die Kinder anonym in einer Einrichtung unterbringen können, kein Kontakt zu Mutter und Freunden. Aber schwierig abzusichern, hat doch heute fast jedes Kind ein Handy und sucht dann von sich aus den Kontakt zu vertrauten Personen.
Ohne Kinder hätte sich die Gewalt des Vaters auf die Mutter möglicherweise verstärkt.