6. Dezember 2013 | 07.50 Uhr
Fall Lucan in Düsseldorf 3
Freispruch für Ex-Freund wahrscheinlich
Düsseldorf. Das Urteil im Indizienprozess gegen Thomas S. wird erst kommende Woche erwartet. Doch schon am Donnerstag ließ das Gericht erkennen: Die Beweise gegen den früheren Freund der 2008 ermordeten Susanne Lucan reichen nicht aus. Von Stefani Geilhausen
Die Beweisanzeichen seien "ambivalent" und "in beide Richtungen interpretierbar", sagte der Vorsitzende Richter Rainer Drees. Er hatte für den zehnten Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 39-jährigen Thomas S. eine vorläufige Beratung zur Beweislage angesetzt, die der "Sortierung" dienen sollte. Großes Problem der Kammer, so Drees nach 50-minütiger Beratung: "Ein Motiv können wir im Grunde nicht feststellen."
Thomas S. hatte 2004 seine Beziehung mit Susanne Lucan beendet, aber weiter engen Kontakt zu ihr gepflegt. Dass er gleichzeitig mit seiner heutigen Ehefrau liiert war, soll Susanne nicht gewusst, sich vielmehr Hoffnungen auf eine Versöhnung gemacht haben. Das Gericht könne sich nicht vorstellen, dass diese, für S. nicht unproblematische, Situation in der Nacht zum 20. November 2004 eskaliert sei. Susanne Lucan war in dieser Nacht in ihrem Bett erschlagen worden.
Fall Susanne Lucan: Prozess gestartet
Der Täter müsse ihr vertraut gewesen sein, schließt das Gericht aus den gesicherten Spuren. Aber zum Angeklagten, der von allen Zeugen einschließlich der Mutter des Opfers als zurückhaltend und weich beschrieben wurde, passe die Tat nicht. Er habe bei der Polizei bereitwillig ausgesagt, sich kooperativ gezeigt. S. war in jener Nacht aus Susannes Wohnung zu seiner heutigen Frau gefahren. Sein Verhalten dort sei völlig entspannt gewesen, deute nicht auf ein "schwerwiegendes Ereignis" hin, sagte Drees. Andererseits spiele durchaus eine Rolle, dass S. als letzter Kontakt zu Susanne Lucan hatte. Das Gericht stehe ratlos vor zwei Fragen: "Wer soll es sonst gewesen sein? Aber: Warum sollte es der Angeklagte getan haben?"
Staatsanwalt Christoph Kumpa räumte ein, diese Fragen nicht beantworten zu können. Nach den Ergebnissen der Hauptverhandlung, in der auch wissenschaftliche Gutachten keine eindeutigen Ergebnisse lieferten, sei er "von der Täterschaft des Angeklagten nicht mehr überzeugt". Kumpa kündigte an, dem Grundsatz "in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten)" folgend Freispruch zu beantragen.
Am Nachmittag hörte die Kammer den damaligen Leiter der Mordkommission, die den Angeklagten bereits früh wegen zunächst widersprüchlichen Aussagen verdächtigt hatte. Neue Erkenntnisse brachte die Befragung von Dietmar Wixfort jedoch nicht. Der Angeklagte sei bei seinen Vernehmungen "erstaunlich offen" gewesen, habe aber nie Emotionen gezeigt oder sich für das Geschehene interessiert, berichtete der Ermittler. Andere Verdächtige, wie der als gewalttätig geltende frühere Partner von Susanne Lucans Mutter, seien durch die Ermittlungen entlastet, Spuren eines Unbekannten in der Wohnung nicht gefunden worden. Die Mordkommission habe auch einen anonymen Hinweis auf einen Schlüsseldienst verfolgt, der jedoch ins Leere gelaufen sei.
Mit Wixforts Aussage schloss das Gericht die Beweisaufnahme. Am Mittwoch werden Verteidiger, Staatsanwalt und der Anwalt der Nebenklägerin Inge Meuter plädieren. Die Mutter der Ermordeten sagte, für sie spiele keine Rolle, ob S. freigesprochen werde: "Wenn er es war, muss er damit leben."
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/freispruch-fuer-ex-freund-wahrscheinlich-aid-1.3866525 (Archiv-Version vom 13.12.2013)