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Welches Buch lest ihr gerade?

6.314 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Welches Buch lest ihr gerade?

23.05.2022 um 00:50
Zitat von HaldirHaldir schrieb:(bitte verzeih mir)
Was gibt es zu verzeihen? ich lese Romane ohne Bildchen schon lange nur mehr als Kindle oder epub.

@Gwyddion

Sind mit den Silberkammern im neuen Aaronovitch etwa die Silver Vaults gemeint?


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23.05.2022 um 05:13
Zitat von off-peakoff-peak schrieb:Convent Garden)
Ich hatte da immer Covent Garden gelesen, aus der Erinnerung.
Zitat von off-peakoff-peak schrieb:bei Agatha Christie zB nicht der Fall. Bei der stimmen zwar noch die großen, bekannten Straßen & Plätze (Harley Street zB oder Convent Garden), aber die Namen der Straßen und Plätze, die ihre Protogonisten so aufsuchen und bewohnen, sind größtenteils erfunden.
Sie nimmt zwar zB existierende Bezeichnungen, verändert aber die Namen. So zB wird aus Half Moon Crescent dann ein Half Moon Gardens.
Das habe ich immer als eher unwichtig empfunden. In den Kriminalromanen von Agatha Christie ging es ja im wesentlichen um die Beziehungen der Charaktere untereinander und deren Persönlichkeit.
Das Dorf "St. Mary Mead", aus dem Miss Marple stammt, ist ja komplett fiktional.


Gestern bin ich mit dem Hörbuch "Der Traummacher" von Max Bentow fertig geworden. Dieses wurde vom Autor selbst gelesen.
Erst gegen Ende erfährt man, worauf der Begriff des Titels gründet.
Ich denke, ich werde mir weitere Werke dieses Autors anhören.
Dieses und die vorigen empfand ich als spannend.


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23.05.2022 um 07:19
Zitat von off-peakoff-peak schrieb:Sind mit den Silberkammern im neuen Aaronovitch etwa die Silver Vaults gemeint?
Jepp


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23.05.2022 um 15:06
Zitat von nairobinairobi schrieb:Ich hatte da immer Covent Garden gelesen, aus der Erinnerung
Du erinnert Dich richtig. Ich habe mich vertippt, da ist jetzt ein "n" zu viel.
Zitat von nairobinairobi schrieb:Das habe ich immer als eher unwichtig empfunden.
In anderen Geschichten ist es mir auch egal, aber wenn es um London geht, dulde ich keine Schlampereien. ;)


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23.05.2022 um 18:55
Giovanni Pico della Mirandola - "Über die Würde des Menschen"

Wikipedia: Giovanni Pico della Mirandola


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23.05.2022 um 21:53
Thomas Mann - Herr und Hund. Ein Idyll

Mann-Hund

1919 schrieb Thomas Mann über seine längeren Spaziergänge mit seinem Hühnerhundmischling Bauschan, die er in Schreibpausen von seiner Münchener Villa aus an der Isar entlang tätigte, eine längere Erzählung. Interessant für Nicht-Hundefans ist dabei eher das Jahr der Entstehung, die Schilderung der Münchner Villenumgebung, die nur skizzenhafte Einbindung der Umstände und vor allem, worüber nicht schreibt.

Nicht schreibt er darüber, dass Deutschland soeben einen Angriffskrieg verloren hat und die politische Lage in der jungen Republik, vor allem aber in München, im totalen Chaos liegt. Mann lebt in seiner Villa an der Isar, der Baugrund gehört einer Genossenschaft, einer Sozietät, die jedoch den Baugrund nicht loskriegt (was Wunder!). Somit ist das Land rechts von seiner Villa (das rechte Isarufer Richtung Norden) unbebaute Halbwildnis, die er für seine Hundespaziergänge nutzt. Stadt und Industrie fließen nur durch die Trambahn, die man nach links von seiner Villa aus erreicht, den Lärm einer Lokomotivfabrik und die Stellen an der Isar, "wo sich bräunliche Abwässer aus dem Mündungsschlund weiter Röhren in den Fluß ergießen", ein.

Und die Not nach dem Krieg? Man erfährt, dass die Ernährungslage auch für Villenbesitzer nicht die beste ist (es gibt Rollgerstensuppe) und dass ein Mann im Manchestermantel an der Isar mit einem Gewehr Wildenten schießt.

Ansonsten viel über den Hund (beschreiben kann er ja, der Herr Mann) und dessen Jagdanfälle gegen Fasane, Hasen, Rehe und andere Tiere, die er eh nicht fangen kann. Sein Herr mit dem Spazierstock will ihm auch keine Jagdhilfe sein. Es geht ihm nur um den Spaß und die Bewunderung des Hundes, den er als "kräftig", "muskulös", "beherrscht" und "männlich" tituliert (Thomas Mann hatte schon so manch eigenartige Ansichten). Ekelhaft eigentlich, dass der Hund auch Feldmäuse und Maulwürfe ausgräbt, die er dann frisst, oder wie Mann schreibt, sie würden aus Naturbestimmung zu "Speisebrei". Mahlzeit.

Für Hundeliebhaber empfehle ich die liebliche Beschreibung dieser Erzählung auf Wikipedia.


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24.05.2022 um 21:18
Gerhard Wisnewski - verheimlicht, vertuscht, vergessen 2021

Wisnewski-2021

Nach den unsäglichen Mondlandungs- und 9/11-Büchern wollte ich eigentlich kein Buch mehr von dem Grimme-Preisträger Gerhard Wisnewski lesen, nun aber habe ich mich doch über den 2021er Band seiner Jahrbuchserie hergemacht, der das Corona-Jahr 2020 zu Thema hat.

Viel hat sich nicht geändert, es ist ein Sammelsurium an beinahe nicht zusammenhängenden Medienschnipseln und Paranoiainterpretationen. Das Skurrile: Wisnewski erhebt den Anspruch, dass er das von den Mainstream-Medien Verheimlichte, Vertuschte, Vergessene ausgräbt, zitiert jedoch seitenweise ausschließlich aus dieser. Zum Glück. So hätte ich den ARTE-Text über die Wassermafia in Australien nie gelesen. Der war interessant.

Ansonsten immer noch typisch. Beklagt wird, dass Paranoia geschürt wird, selbst sieht aber aber überall einen China-Gates-WHO-Weltwirtschaftsforumskomplott zur Eroberung der Weltherrschaft, der zum Ziel hat, die Bevölkerung zu reduzieren und einen großen Reset durchzuführen, um den Mittelstand weltweit zu zerschlagen und eine korporative faschistische Weltdiktatur monopolistischer Großkonzerne mit willfährigen Politikern zu errichten, die jegliche bisher in der Geschichte bekannte Autokratie in den Schatten stellen wird. Um dies zu "belegen", ist Wisnewski jedes noch so unbedeutende Informationsschnipsel recht.

Mit investigativem Journalismus hat das nichts zu tun. Dieser ist in seinen oft längeren Ausschnitten aus der Mainstream-Presse zu finden, nicht jedoch in seinen Ganglienprodukten, die es in sich haben und doch zur Frage führen, ob er nicht für das Zielpublikum des Verlags schreibt, um die Verkaufszahlen in diesem Randgruppenbereich so hoch wie möglich zu halten.

Denn: Nicht nur gibt es kein Corona-Virus Sars-CoV-2 (und wahrscheinlich überhaupt keine Viren), auch über die beiden Weltkriege würden wir angelogen (was er meint, verschweigt er wohl aus rechtlichen Gründen, das kann sich ja die Leserschaft zusammenreimen), die Weißen sind die Träger der technischen Zivilisation und die Burenherrschaft in Apartheid-Südafrika war ja eh ganz ok, vor allem wirtschaftlich sehr erfolgreich mit hohem Steuergeldtransfer in die schwarze Gemeinschaft. Damit schmiert er sehr auffällig Honig um das Maul von White Supremacy-Faschisten.

Absurd wird es in dem Kapitel, dass mit Weltraumnews und Aliengeschichten abgelenkt werden soll, ins Erdinnere zu schauen. Für diese Verschwörung muss dann auch noch Jules Verne herhalten, der ja so Spannendes aus dem Erdinneren zu berichten wusste.

Kurzweiliger VT-Schmarrn mit einigen interessanten Zitaten aus der Mainstream-Presse und eigenen Ansichten wie Schlussfolgerungen, bei denen sich mir die Haare aufstellen.

Das Produkt eines Sofa-Journalisten, der meint, investigativ zu sein.


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25.05.2022 um 14:42
Eine Krone aus Kambodscha (Wastl 10)

Wastl10

Dieser Wastl-Band vom September 1968 ist weniger wegen der Story interessant. Die Prinzessin von Rosalien (bekannt aus dem ersten Band mit dem außerirdischen Gras) setzt während einer Ausstellung in ihrem Reich eine antike Krone aus dem kambodschanischen Angkor-Reich auf und bekommt sie nicht mehr vom Kopf, da sie verzaubert ist. Wastl und Ricki reisen nach Kambodscha zu den alten Angkortempeln, wo ein krimineller Archäologe die Statue mit dem Gegenzauber stehlen will. Mit ein paar Schlägereien gelangt Wastl an die Statue, ein Kambodschaner murmelt den Gegenzauber und die Prinzessin kann die Krone durch Fernzauber vom Kopf nehmen.

Interessanter ist da schon, dass Kambodscha gewählt wurde, das damals von Prinz Sihanouk regiert wurde und einer politischen Krise im Zuge des Vietnamkriegs entgegensteuerte. Aber dennoch übte dieses Land wohl einen gewissen Reiz des Unbekannten und Mystischen aus, da es damals praktisch nicht möglich war, dieses Land touristisch zu bereisen.

Der absolute Hammer: Der gute Helfer Wastls in Angkor ist ein europäischer Geologe, der mit Hilfe von Sprengungen mitten in der Tempelstadt Erdöllagerstätten ausfindig machen will, die unterhalb von Angkor Wat liegen sollen. Diese Tätigkeit wird als völlig normal dargestellt und spiegelt europäisches Denken der 1960er Jahre bezüglich Energiegewinnung in einer Art, wie ich sie noch selten gesehen oder gelesen habe. Noch sind ja fünf Jahre hin zum ersten "Erdölschock" des Jahres 1973.


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26.05.2022 um 10:54
Ich hab nochmal Lust auf das Buch von Stephen King - In einer kleiner Stadt.

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Eine Kleinstadt gerät außer Kontrolle

Der Zugereiste Leland Gaunt eröffnet den Laden „Needful Things“. Die Kunden finden dort Raritäten, mit denen sie ihre geheimen Sehnsüchte und Wünsche erfüllen. Aber alles hat seinen Preis: Neben einer symbolischen Bezahlung verlangt Leland von ihnen, anderen Einwohnern harmlose Streiche zu spielen. Bald schon eskaliert der Spaß, und in Castle Rock herrscht das blanke Chaos ...


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26.05.2022 um 14:38
Entsetzen

von Karin Slaughter

Sie glaubt, den Mörder ihrer Tochter vor sich zu haben. Stürzt sich auf ihn und tötet ihn in einem erbitterten Kampf. Nur – das Opfer ist gar nicht ihre Tochter. Emma lebt, doch sie wurde entführt. Special Agent Will Trent weiß: Die Chance, das Mädchen lebend zu finden, wird von Stunde zu Stunde geringer. Doch noch entsetzlicher ist die Vorstellung, dass der sadistische Täter ungeschoren davonkommen könnte …


karin


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27.05.2022 um 21:37
Israel und das Szenario eines Präventivschlags gegen den Iran

Israel-Iran

Die beiden jungen Politikwissenschafter Nico Fuhrig und Kevin Kälker haben 1917 in einem gemeinsamen Band ihre Abschlussarbeiten zusammengefügt. Über sie gibt es wenig Informationen im Internet. Fuhrig hat in Leicester studiert, über Kälker findet sich gar nichts.

Ziel der Arbeit ist es abzuklopfen, ob politikwissenschaftliche Thesen geeignet sind, militärische Aktionen zu prognostizieren. Dabei analysieren sie verschiedene Aspekte, ob Israel das iranische Atomprogramm ausschalten könnte, wie es bereits im Irak (1981) und in Syrien (2007) geschehen ist. Die beiden kommen zum Schluss, dass es keine Mehrheiten in der israelischen Regierung gibt, dass die strategisch-kulturellen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, dass die internationale Lage kaum dafür spricht und die Logistik zu komplex ist. Auch seien die Ziele zu verstreut und nicht zur Gänze vernichtbar.

Der Text ist insofern interessant, da er israelische Entscheidungsstrukturen wie auch die Ausstattung der israelischen Armee, sofern öffentlich bekannt, anschaulich näherbringt. Der Schlusssatz zeigt aber, dass politikwissenschaftliche Ansätze keinen Automatismus erklären können, da Entscheidungen von Personen abhängen, die "am Hebel" sitzen:
Wie lange es sich Israel also noch leisten kann, sich mit einem quasi nuklearen Iran abzufinden, hängt maßgeblich von der Geduld der Entscheidungsträger in Jerusalem ab.



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28.05.2022 um 11:57
@Gwyddion
@nairobi


Hallo ihr beiden. Ich habe

Das Café am Rande der Welt" just beendet.
Es ist sehr kurz ich brauchte vielleicht 120 Minuten. Es sind 128 Seiten. Das Buch ist sicherlich dazu Gedacht, einen freien Denkanstoß über sein eigenes Leben und wie man es führen möchte zu unterstützen. Geschrieben ist es unterhaltsam und zwischendurch auch mal witzig. Keinesfalls geschwollen oder gewollt intellektuell. Eher wie ein Gespräch mit seinen eigenen Gedanken.
Wenn man Interesse an sowas hat, bitte. Ich habe es für 99 Cent im Sale ergattert. Dafür war es ok. Die Kritiker, die von Küchenpsychologie schreiben, verstehe ich aber auch.


@off-peak
Zitat von off-peakoff-peak schrieb am 22.05.2022:Kleiner Tipp: Die Peter Grant Reihe unbedingt mit Band 1 anfangen, da wird alles erklärt, was man für die nachfolgenden Bände wissen sollte.
Ich habe nun hiermit begonnen und schon echt lachen müssen :) dazu fühlte ich mich direkt London etwas näher und bin erstmals gefesselt. Die Reihe könnte was für mich sein. 1000 Dank.
Zitat von off-peakoff-peak schrieb am 23.05.2022:Was gibt es zu verzeihen? ich lese Romane ohne Bildchen schon lange nur mehr als Kindle oder epub.
Ok, viele Bücherwürmer und Liebhaber mögen die ereader nicht. Das gab für mich schon echt negatives Feedback ^^


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28.05.2022 um 12:56
@Haldir

Danke. Das war für mich erst einmal hilfreich.

Was die Peter Grant Reihe angeht.... es gibt auch Bücher über Nebenschauplätze... z.B. spielt ein Buch in Deutschland an der Mosel,
wiederum ein anderes hat Peter´s Cousine?? als Hauptprotagonisten.


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28.05.2022 um 12:58
@Haldir

Ich wurde zwar noch sofort EBook Fan, aber letztendlich gibt es überzeugende Punkte. Nicht nur, das die meisten eBooks einfach preiswerter sind, man kann auch seine gesamte Bibliothek jederzeit mit sich rumschleppen, für ein Gewicht nicht höher als nur ein TB.

Man muss auch nicht permanent anbauen, um neue Regale für neue Bücher unterzubringen. :D


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28.05.2022 um 13:39
Arthur Schnitzler - Fräulein Else

fraulein-else

Diese 1924 veröffentlichte Monolognovelle ist eines der ganz großen Meisterwerke Schnitzlers. Sie wird ausschließlich aus dem Kopf Elses erzählt, die Dialoge sind aus ihrer Sicht dargestellt.

Else ist eine rotblonde sportliche Wiener Rechtsanwaltstochter mit 19 Jahren, die im Spätsommer zu ihrer Tante auf einen Urlaub ins mondäne Trentiner Bergdorf San Martino di Castrozza am Fuße des Cimone della Pala geschickt wird. Die Katastrophe bricht ein, als in einem Brief ihre Mutter berichtet, dass der Vater innerhalb weniger Tage 30.000 Gulden (das sind nach dem historishen Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank heutzutage etwa 460.000 Euro) benötige, da er treuhändisch verwaltete Mündelgelder beim Spiel und an der Börse verzockt habe. Else solle sich an den im Hotel anwesenden Kunsthändler Dorsday wenden und ihn anschnorren, was sie auch tut. Er stellt eine Bedingung: Er möchte sie am Abend nackt sehen. Else ist am Boden zerstört vom Egoismus ihrer Eltern.
Er hat sich doch denken können, daß der Herr Dorsday nicht für nichts und wieder nichts. Sonst hätte er doch telegraphieren oder selber herreisen können. Aber so war es bequemer und sicherer, nicht wahr, Papa? Wenn man eine so hübsche Tochter hat, wozu braucht man ins Zuchthaus zu spazieren? Und die Mama, dumm wie sie ist,
setzt sich hin und schreibt den Brief.
Während Else in einem Gedankensturm hin und her überlegt, trifft ein Telegramm ihrer Mutter ein: Der Betrag muss auf 50.000 Gulden (770.000 Euro) erhöht werden. Rasend zwischen Todeswünschen an den Vater ("Wenn der Papa tot ist, dann ist ja alles in Ordnung, dann muß ich nicht mehr mit Herrn von Dorsday auf die Wiese gehn"), Selbstmordabsichten und der Absicht, sich nackt zu zeigen, geht Else am Abend sichtlich geistig verwirrt nur mehr im Mantel ins Musikzimmer des Hotels, in dem sich Dorsday aufhält, lässt ihren Mantel fallen und kollabiert. Von Tante und Cousin ins Zimmer gebracht, scheint sie es zu schaffen, eine Überdosis Veronal einzunehmen, ihre Gedanken brechen.
Sie rufen von so weit! Was wollt Ihr denn? Nicht wecken. Ich schlafe ja so gut. Morgen früh. Ich träume und fliege. Ich fliege ... fliege ... fliege ... schlafe und träume ... und fliege ... nicht wecken ... morgen früh ...
»El ...«
Ich fliege ... ich träume ... ich schlafe ... ich trau ... trau – ich flie ......
Die Zeit der Handlung lässt sich schwer bestimmen. Der Gulden wurde 1900 in Österreich aus dem Verkehr genommen, Veronal kam 1904 auf den Markt, San Martino di Castrozza wurde im Ersten Weltkrieg zerstört. Aber wahrscheinlich kam es Schnitzler auf eine historisch korrekte Kontinuität gar nicht an. Im Zentrum steht eine Rechtsanwaltstochter, die von ihren Eltern aufs Schamloseste instrumentalisiert wird und die daran zerbricht.

In den Gedanken Elses wird immer wieder reflektiert, dass ihr Vater rücksichtslos handelt und ihre Mutter sie in eine reiche Ehe verschachern will, ein prostituiertes Leben, in dem sie ihre eigenen Wünsche nicht verwirklichen kann oder darf.
sie haben mich ja doch nur daraufhin erzogen, daß ich mich verkaufe, so oder so. Vom Theaterspielen
haben sie nichts wissen wollen. Da haben sie mich ausgelacht. Und es wäre ihnen ganz recht gewesen im vorigen Jahr, wenn ich den Direktor Wilomitzer geheiratet hätte, der bald fünfzig ist. Nur daß sie mir nicht zugeredet haben. Da hat sich der Papa doch geniert. Aber die Mama hat ganz deutliche Anspielungen gemacht.
Sie träumt von schönen Jünglingen, Häusern an Seen oder am Meer, von Selbstbestimmung, Reisen und Klettern, aber auch davon, dass sie gerne eine sinnvolle Ausbildung bekommen hätte, mit der sie ein eigenständiges berufliches Leben beginnen könnte, auch wenn sie daran zweifelt, dass einer Frau dies überhaupt ermöglicht sein kann.
Warum habe ich nichts gelernt? O, ich habe was gelernt! Wer darf sagen, daß ich nichts gelernt habe? Ich spiele Klavier, ich kann französisch, englisch, auch ein bißl italienisch, habe kunstgeschichtliche Vorlesungen besucht - Haha! Und wenn ich schon was Gescheiteres gelernt hätte, was hülfe es mir? Dreißigtausend Gulden hätte ich mir keineswegs erspart.
Schnitzlers Ansatz ist durchaus psychoanalytisch: Das Ich Elses wird zerrieben zwischen dem schamlosen Über-Ich der Eltern - der Vater ist noch weiter weg als die Mutter, er kommuniziert nich mal - und dem triebhaften ES, das Else dazu treibt, dem Wunsch des Über-Ich zu entsprechen. Übrig bleibt: der Tod.

Was für eine Anklage an schamlos dominante Eltern, die ihre Kinder zu ihrem eigenen Wohl ausnutzen wollen, und an eine Gesellschaft, in der junge Frauen keinerlei Möglichkeiten zu einem selbsterfüllten Leben geboten werden, sondern zur erniedrigenden Selbstaufgabe gezwungen werden.

Quelle der Textstellen: "Fräulein Else" auf zeno.org


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28.05.2022 um 14:45
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Monolognovelle
Der Einband sieht interessant aus. Von wem ist das Bild, der Stil kommt mir sehr bekannt vor?


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28.05.2022 um 14:53
Zitat von nairobinairobi schrieb:Der Einband sieht interessant aus. Von wem ist das Bild, der Stil kommt mir sehr bekannt vor?
Könnte an Gustav Klimt erinnern :-)


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28.05.2022 um 14:55
Zitat von shibamshibam schrieb:Gustav Klimt erinnern
Genau! Ich habe ein Bild von ihm (natürlich kein Original) und der Stil ist gleich.


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28.05.2022 um 15:01
@nairobi
😊


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28.05.2022 um 15:33
Zitat von nairobinairobi schrieb:Von wem ist das Bild
Gustav Klimt - Dame mit Fächer

Das Bild selbst hat auch eine interessante Geschichte samt Kunstdiebstahlkrimi: Der Standard, Wiener Zeitung


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