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Krankheit oder doch nur Mode?

89 Beiträge, Schlüsselwörter: Krankheit, Psychische Krankheit

Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 15:38
Hiho,

ich weiß nicht wie ich anfangen soll oder ob es schon solch ein Thread schon gibt.

Ein Freund von mir hat mir erzählt das seine Freundin Borderline (Persönlichkeitsstörung) hat. Und hat mir dann ein paar Verhaltensmuster aufgezählt, wo ich dachte das hat jeder 2te. Wenn ich sie mir von außen betrachte, ist sie für mich eine ganz normale Frau die mitten im Leben steht. Geht ihrem Beruf nach und versorgt ihr Kind gut. Man kann sich auch super mit ihr unterhalten.

Eine Freundin von mir hatte mal einen Nervenzusammenbruch, ein anderer Freund sagte das er sich nicht traut in die Stadt zu gehen, weil er große Menschenmenge vermeiden will.
Ein anderer Bekannter, hat an dem Tag wo er zur Berufschule gehen sollte Brechreiz bekommen und musste seine Ausbildung abbrechen.

Und dann mach ich mir dann so meine Gedanken, gibt es das wirklich? Oder ist das etwas wo man sich drauf ausruht?

Eine Sache aus meiner Gesichte. Ich habe einen Sohn (7 Jahre). Er ist ein aufgewecktes Kind. Und schon im Kindergarten wurde mir geraten ihn auf ADHS testen zulassen. Mir völlig unklar warum sollte ich? Er war nur 4 Stunden im Kindergarten. Jetzt würde jeder sagen, ja du bist die Mutter, du siehst natürlich dein Kind anders. Malen oder Basteln war noch nie seine Lieblingsbeschäftigung aber Bauen (Lego) oder mit Autos spielen.
Aber im Kindergarten müssen die Kinder halt zu gewisse Anlässe basteln (Weihnachten, Muttertag ect.). Dann hat er halt gebock oder wollte nach 5 min nicht mehr. Und saß dann unruhig auf seinem Stuhl.
Also habe ich ihn testen lassen, er hat kein ADHS!
Aber man hat immer wieder den Kampf, wenn das Kind kein Bock hat, nicht will und unruhig wird. Dann stimmt was mit dem nicht. Es liegt außer der Norm.
Es gibt keine Kinder die keine Lust auf etwas haben, alles macht anscheint Spass.

Ich habe das Gefühl, dass die Lehrer (z. B in der Schule) keine Lust oder nicht mehr die Möglichkeit mehr haben auf die Kinder einzugehen. Schnell wird ein Kind, was nicht der Statistik entspricht abgeschoben. Ergotherapie, Logopädie oder Medikamente.
Vom Kinderarzt kriege ich zu hören, die schlimmste Zeit ist die Grundschule auf der weiterführende Schule, wird das nicht mehr so ein Thema sein.

Super!

Nennt mich ignorant. Früher gab es diese Sozialeform in Deutschland nicht, jeder musste kämpfen um zu überleben. Das braucht man heute nicht mehr, man ist versorgt z. B Hartz 4, Medikamente oder Therapien.

Ich will damit nicht!! sagen, dass es solche Krankheiten nicht gibt.
Aber es wird zu schnell als Diagnose hingestellt und dann ruht man sich aus.
Jeder 2te ist Krank und jeder 10t macht was dagegen.

Und was lernen unsere Kinder daraus?? Bin ich mal nervös, traurig oder wütend, dann versuche ich nicht damit um zugehen, sondern nehme ein Medikament

Belehrt mich......

Grüße euch!


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Helenus
ehemaliges Mitglied

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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 15:42
Ich sehe diese Entwicklung auch eher kritisch. Zu schnell ist man von Medizinerseite aus mit solchen Diagnosen bei der Hand.


Jeder bekommt in DE mittlerweile seinen "Titel" :D


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:06
Sehe ich genau so! Diese ganzen Leute, die sich für Borderliner halten, weil sie mal Hass empfinden oder schwarz-weiß denken, oder die Kinder, die sofort ADHS diagnostiziert kriegen... Bedenkliche Entwicklung, bei der die wirklich kranken den kürzeren ziehen... klar, jeder zehnte sei schon beim Psychologen gewesen, bedeutet aber nicht, dass jeder zehnte sowas hat -.-


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:22
Ich glaube, dass die Zunahme von ADHS-Verdachtsfällen damit zusammenhängt, dass viele Kinder heute erst spät, wenn überhaupt, lernen, dass man auch mal etwas machen muss, worauf man keine Lust hat. Das fängt schon beim Stillsitzen und Zuhören an. Lehrer sehen dann nur, dass das Kind nicht so will, wie es soll, und sich irgendwie auch nicht überzeugen lässt. Dabei haben es viele Kinder einfach nie gelernt, mal nicht nur das machen zu dürfen, was sie wollen und wann sie es wollen.
Freie Persönlichkeitsentfaltung nach dem Motto "Dann macht das Kind halt was Anderes, was seinen Vorlieben blabla eher entspricht" klingt zwar schick, in Wirklichkeit schieben sich Eltern und Erziehungseinrichtungen mit solchen Reaktionen aber nur gegenseitig den schwarzen Peter zu, nämlich den Kindern genau das einfach mal beibringen zu müssen: Manchmal muss es auch "ohne Lust" gehen! Meiner Meinung nach ganz klar Aufgabe von allen an der Erziehung Beteiligten: Familie, Kindergärten, Schulen. Sonst wird's im Berufsleben witzig...
Auch ich will natürlich keinesfalls abstreiten, dass es AD(H)S gibt. Und wenn es da ist, muss es behandelt werden. Nur, dass der Verdacht so häufig aufblitzt, leite ich mir wie oben beschrieben her.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:26
Also wenn ich mich beschreiben sollte aus Medizinischer Sicht dann habe ich AS ANPASSUNGSSTÖRUNG^^ wer mit solchen Diagnosen Geldverdient ist unsere schnell lebige Pharmalobby die jeden in eine Schublade zu drängen versucht. Medikamente---Nein Danke ich lebe lieber mit AS :) und pass mich gewissen Leistungsnormen nicht an!!!!


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26.05.2013 um 16:31
Es war auch mal Mode, ein "Indigokind" zu haben...


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:31
Ist hier schon mal jemand "diagnostiziert" worden, weiß jemand, was es bedeutet, diagnostiziert zu werden? Hat jemand vielleicht mal die Statistiken und Studien bemüht, die sich mit psychischen Erkrankungen befassen und deren Ursachen? Heute ist eben nicht früher, die Welt hat sich verändert, offenbar schneller, als das es dem Mensch gelingt, sich psychisch daran anzupassen. Deshalb werden auch immer mehr Menschen krank. Und psychisch kranke Menschen sind derart unterversorgt, dass es schon fast an Ignoranz grenzt, zu behaupten, die Sozialreform, Therapien, Medikamente seien quasi nur dazu da, um sich auf einer Krankheit ausruhen zu können. Das ist lächerlich.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:42
Wir entwickeln uns in eine Distanz, es heisst nicht miteinander und für einander.
Sondern ich komm mit dir nicht klar, also geh bitte. Oder ich kann und will das nicht, z. B Arbeit also wird etwas gesucht. Wir sind ja nicht dumm.

Ich vergleiche das immer mit anderen Krankheiten, ein Alkoholkranker wird nicht zugeben das er krank ist. Meist erst dann wenn es zuspät ist.
Wenn jmd sich zu hause einbunkert der sucht Gründe um nicht raus zumüssen. Ich hab Termin oder habe die Grippe ect.

Aber heute sagen zuviele, ich habe das und dies.

Früher zu meiner Schulzeit, wenn ich Mist gebaut habe wurde ich nach hinten gesetzt. Heute ist das ein Problemkind.

Und keiner hat mehr die Geduld, sich damit zubeschäftigen.

@Strigoaica. Du hast da völlig recht. Erziehung fängt zu hause an und was ich meinen Kindern mitgebe..

Aber ich sage immer jeder Mensch ist zu jedem anders. Ich rede mit einer Freundin locker und frei. Und mit meiner Arbeitskollegin distanzierter.
Und so auch bei den Kindern, z. B meine Kinder wissen genau wenn wir einkaufen gehen, das sie von mir nicht mal eben ein Spielzeug kriegen. Und machen dann auch kein Theater. Aber gehen die mit der Oma einkaufen, dann wissen sie " jammere ich, dann kriege ich es"!
Und so ist das auch in der Schule, ich kann meinem Kind zu hause 10000 mal sagen mach das doch. Auch wenn es kein Spass macht, dann fang ich an zu erpressen. Entweder du machst es oder du x-verbot.
Nur in der Schule, versuchen sie noch nicht mal sich durch zu setzen sondern schieben es ab.

Die die Krank sind, sind es auch. Ich meine die, die Krankheiten suchen nimmt zu!


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:46
Es wird heute natürlich öfter eine psychische Krankheit diagnostiziert als früher, das hat auch einen einfachen Grund, man hat heute bessere Möglichkeiten diese Form von Erkrankungen schneller zu erkenen und zu behandeln.
Ich finde das sehr gut und wichtig.

Wisst ihr eigentlich was für Studien und Tests so ein Patient durchlaufen muss bevor er ein Medikament bekommt? Wisst ihr das sie zusätzlich eine Therapie machen müssen?

Ich finde diese ganzen Halbwahrheiten ohne das man Ahnung hat, nur weil man mal was gehört oder gelesen hat, einfach nur schlimm.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:49
@BlackPearl
stimme Dir 100% zu.......


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26.05.2013 um 16:50
Die Kinder haben heute zu wenig Bewegung, werden überall hin gefahren, vor dem Fernseher geparkt.

Ihnen fehlt die Bewegung, um dann auch mal ruhig sitzen zu können.

Wo sind die tobenden Kinder ?

Es muss ein Ausgleich da sein.

Die Lösung sind nicht Medikamente

Die werden viel zu voreilig verschrieben

http://www.abendblatt.de/region/article114265796/Psychiatrie-Kongress-Zu-viele-Medikamente-an-ADHS-Kinder.html

Rostock. Kindern und Jugendlichen werden nach Ansicht von Fachärzten viel zu oft Medikamente gegen die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS verschrieben. Der ärztliche Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Ulm, Jörg Fegert, sagte am Freitag auf dem Jahreskongress der Gesellschaft der Kinder- und Jugendpsychiater in Rostock, nur etwa die Hälfte der Rezepte für diese Arzneien stammten von Psychiatern, der Rest von Kinder- und Hausärzten.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:55
Ich als Betroffene (schizoaffektive Störung) hätte mich gefreut, wenn ein Arzt dahergekommen und meine Krankheit frühzeitig diagnostiziert hätte. Bei mir hat es, weil ich es mir selbst nicht eingestehen wollte, Jahre gedauert, bis ich die richtigen Medikamente und Therapien bekam. Die ersten Anzeichen in der frühen Pubertät, der erste Besuch beim Psychiater mit 21 Jahren. Momentan absolviere ich eine Reha für psychisch Kranke, damit ich wieder fit fürs Arbeitsleben werde.

Natürlich werden andere frühzeitig mit einem Etikett versehen, dass ihnen eine psychische Krankheit attestiert. Oft legen es solche Menschen aber auch drauf an. Ich kenne viele Menschen, die sich ihre Krankheiten zusammen googeln, damit zum Arzt gehen und der dann gar nicht mehr anders kann, als Medikamente zu verschreiben.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 16:55
Ich sehe das auch so, dass viel zu oft das Tehma hervorgeholt wird - vorallem ja Vorderline eher auslehmgsache ist als eine klare definition. Zudem klingt es ja auch fuer mache cool anfers zu sein und "borderline" zu haben


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26.05.2013 um 16:56
@RobbyRobbe

Glaub mir, für die, die wirklich Borderline haben, ist es alles andere als cool. Habe hier in der Reha mit genug Fällen zu tun.


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 17:00
@Sterntänzerin
Ich meine ja auch nicht die, wekche wirklich urgendwelche gebrechen haben - sondern eher jugrndliche mit ihrer puperteat nicht klarkommen und jeden 2tages liebeskummer als chrobische deppression auslegen - natuerlich kann man dann auch abfalllende schulische leistung und andere probleme im leben mit dieser krankheit erklearen


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Krankheit oder doch nur Mode?

26.05.2013 um 17:01
Auszüge aus dem folgenden Bericht
Bei 70 bis 80 Prozent der Kinder treten nach der Einnahme von Ritalin die angestrebten Veränderungen im Verhalten ein. Ritalin ist jedoch kein Heilmittel. Das erwünschte Verhalten muß über andere Therapieformen eingeübt und gefestigt werden. In erster Linie ist eine Verhaltenstherapie angebracht, aber auch Entspannungsmethoden, Ergotherapie Übungen aus der Psychomotorik können hilfreich sein, eventuell auch homöopathische Präparate. In einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Fällen kann eine Umstellung der Ernährung Erfolge bringen. Sowohl der grundsätzliche Verzicht auf Behandlung mit Methylphenidat als auch die ausschließliche Behandlung mit Methylphenidat ohne begleitende psychotherapeutische Interventionen sowie die Hochdosisbehandlung mit Methylphenidat sind nach der Stellungnahme der Fachverbände für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland als unzureichende Behandlungsstrategien abzulehnen.

Im Jahr 2010 wurden in der BRD Kindern und Jugendlichen 1,3 Millionen Tabletten mit Methylphenidat verabreicht, wobei es sich innerhalb von 17 Jahren um einen Anstieg um 5200 Prozent handelt, sodass zu fragen ist, warum es plötzlich so viele angeborene Transmitterstörungen geben soll. Eine auffällige Zahl von bewegungsunruhigen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 21 Jahren hatte man übrigens man auch in den Jahren ab 1947 beobachtet. Damals hat man eine Vielzahl nervöser Störungen, übergroße Schreckhaftigkeit, motorische Unruhe, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Schlaf- und Sprachstörungen bei Kindern diagnostiziert. Vermutlich waren es nach dem Krieg vielfältige Traumatisierungen wie der Zerfall von Familien, Trennungserfahrungen und ein abwesender oder traumatisierter Vater, d. h., es gab damals kein günstiges Milieu, das zur Kompensation der erlittenen Verwundungen hätte beitragen können. Auch heute fehlt im Zeitalter steigender Scheidungsraten in Familien oft die Stabilität und die Vaterfigur, was besonders für Knaben ein Problem darstellt. Manche Kinder sind heute zudem zu früh emotional sich selbst überlassen, d. h., es fehlt an Halt und Begrenzung, während Autonomie oft einseitig gefördert wird.

Die jetzt gegründete Arbeitsgruppe Entwicklungspharmakologie, die im Zusammenhang der Forschungen des Göttinger Neurobiologen Hüther entstanden ist, versucht dieses "Wundermittel" für gestresste Eltern wissenschaftlich zu untersuchen. Hüther weist darauf hin, daß es noch quasi keine Forschungen zu der Frage gibt, wie sich die Ritalin-Gabe auf die Entwicklung des menschlichen Gehirns auswirkt. Experimente mit Kindern können aus ethischen Gründen nicht gemacht werden, aber solche mit Ratten weisen eindeutig darauf hin, daß Methylphenidat (Ritalin) die Ausreifung des dopaminischen Systems negativ beeinflußt. Auch Langzeitforschungen über Nebenwirkungen sind dünn gesät. Darüberhinaus ist die Theorie "Stoffwechselstörung" eine Annahme - zwar mittlerweile gängig, aber noch nicht bewiesen. Vor allem Ursache und Wirkung sind noch keinesfalls geklärt: Auch psychosoziale Einflüße verändern nämlich die Stoffwechselprozesse im Gehirn, so daß die einseitige Ursachenzuschreibung "genetischer Defekt des Stoffwechselsystems" auf sehr wackeligen Füßen steht. Ein Großteil der in der BRD tätigen (nicht-medizinischen) Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten steht dem neuen Trend, die ADD-Diagnose massenweise zu verteilen und mit Ritalin zu behandeln, ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Ein Großteil der als ADD diagnostizierten Beeinträchtigungen sind bei genauer Diagnostik als andere psychische Störungen zu kennzeichnen, oder aber die ADD-Diagnose ist zumindest als alleiniger Verursacher der vorhandenen Probleme des Kindes sehr fraglich. Mittlerweile entsteht ein Trend, "normale", nur etwas lebhafte Kinder mit der ADD-Diagnose zu belegen und Ritalin zu verschreiben, gemäß der zirkulären Diagnose: wenn Ritalin wirkt, liegt ADD vor. Selbst die (medizinischen) Kinder- und Jugendpsychiater geben in ihren Leitlinien die Empfehlung zu sorgfältiger Differentialdiagnostik und zurückhaltender Medikation. Siehe z.B. die offizielle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie http://www.dgkjp.de/stellung.htm.

Man kann vermuten, daß es sich bei den Phänomenen, die heutzutage einfach unter der Diagnose ADD zusammengefaßt werden, um eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Phänomene mit unterschiedlichen Ursachen (teils neurophysiologisch, teils psychosozial, teils psychodynamisch) handelt. Insofern ist von einer rein symptomatologischen ADD-Diagnostik nicht viel zu halten und die standardmäßige Verschreibung von Ritalin, teils ohne Effektüberprüfung, müßte kritischer unter die Lupe genommen werden. Im Übrigen sollte man fragen, wer am meisten Interesse daran haben könnte, daß es so etwas wie eine organisch begründete "Krankheit" ADD gibt und mit Medikamenten behandelt wird, und das gleich massenweise ...




ADD steht für das englische "Attention-Deficit-Disorder" und bezeichnet eine Diagnose, welche primär durch erhebliche Beeinträchtigungen der Konzentration und Daueraufmerksamkeit, der Selbststeuerungsfunktionen, der Planungs- und Handlungskontrolle, durch Störungen der Impulskontrolle sowie fakultativ durch motorische Hyperaktivität gekennzeichnet ist (ADHD). Im deutschsprachigen Raum wird für die ADD/ADHD der Terminus ADHS und teilweise auch ADS verwendet. In der Schweiz ist ADD auch unter dem Begriff „POS" bekannt.
Kinder mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen (ADD -->) sind in ihrer psychischen Entwicklung, schulischen und beruflichen Bildung sowie sozialen Integration gefährdet. Übermäßige motorische Unruhe, gestörte Aufmerksamkeit, Impulsivität und leichte Erregbarkeit erschweren die Lebensführung, so daß der Leidensdruck groß ist. Die Störung hat danach Krankheitswert, sie ist deshalb von der WHO in den Katalog der seelischen Erkrankungen aufgenommen worden.

Die Behandlung von Kindern mit hyperkinetischen Störungen sollte nur erfolgen, wenn sie sich auf eine Diagnostik stützt, die sich auf Untersuchungsbefunde zu störungsrelevanten körperlichen, kognitiven und psychischen Funktionen sowie sozialen Bindungen bezieht. Deshalb sind eine somatischneurologische Untersuchung (Körpergröße, Körpergewicht, Herzfrequenz, Blutdruck), eine Labordiagnostik (Differentialblutbild, Elektrolyte, Leberstatus, Schilddrüsen und Nierenfunktionswerte) ein Ruhe-EEG und eine kognitive Leistungsdiagnostik unerläßlich. Notwendig ist eine orientierende Familiendiagnostik und Verhaltensanalyse.
Die medikamentöse Behandlung ist Teil psychotherapeutischer und spezifisch pädagogischer Betreuung des Kindes in Kooperation mit Familie und ggfs. mit Kindergarten, Schule und anderen, das Kind betreuenden Einrichtungen. Die bloße Beschränkung auf die Pharmakotherapie mißachtet elementare Bedürfnisse und Ansprüche der Kinder und widerspricht den Regeln guter klinischer Praxis ebenso wie das Diagnostizieren oder Rezeptieren ohne Untersuchung.
Die ärztliche Therapiekontrolle hat regelmäßig Eßverhalten, Wachstum, Herz- und Kreislauffunktionen sowie die allgemeine Verhaltensentwicklung (Auftreten von Tics?) zu überwachen, letzteres ggfs. unter Einsatz von eingeführten Skalen zur Verhaltenseinschätzung.



Der Pharmakologe Arvid Carlsson entdeckte vor rund 60 Jahren das Dopamin und erhielt im Jahr 2000 für seine Erforschung der Signalübertragung im Nervensystem den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Seine Forschungsarbeiten ermöglichten eine gezielte Behandlung der Parkinson-Erkrankung, klärten Zusammenhänge zwischen Botenstoffen im Gehirn und Gemütszuständen und führten zur Entwicklung moderner Antidepressiva.



Siehe dazu auch
Aufmerksamkeit
Strattera (Atomoxetin)
Störungen der Aufmerksamkeit Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörungen
Hyperkinetische Störungen
Theorien zur Ursache von Hyperaktivität
Das Marburger Konzentrationstraining
Computerspiel
mit Hirnströmen steuern


Nach Max Friedrich (Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters in Wien) werden pro Jahr etwa 2500 Kinder vorgestellt; darunter sind etwa 20 mit einem echten ADS, also knapp 10 Promille. Etwa 15% sind nur nervös im Sinne des "Zappelphilipp". Somit besteht der Verdacht, daß die meisten Kinder, die auf Ritalin gesetzt werden, das Leiden gar nicht haben, das diese Verordnung begründen könnte.


Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand zeichnet sich ein weiterhin kontroverses Bild ab. Einerseits sprechen theoretisch-pharmakologische Überlegungen wie auch eine Reihe tierexperimenteller und klinischer Ergebnisse für die suchtbegünstigende Wirkung von Methylphenidat, andererseits weisen einige klinische Arbeiten in die entgegengesetzte Richtung. Kinder mit HKS, die mit Methylphenidat behandelt wurden, scheinen gemäß der letztgenannten Studien gegenüber Suchterkrankungen weniger anfällig als nicht medikamentös behandelte Kinder mit HKS. In der medikamentös behandelten Gruppe sinkt jedoch das Suchtrisiko nicht unter das der Normalbevölkerung, so dass allen Überlegungen, mit Methylphenidat das Drogenproblem schlechthin lösen zu wollen, eine Absage erteilt werden muss. In den genannten Studien konnte das bei Kindern mit HKS erhöhte Suchtrisiko lediglich auf das Normalmaß reduziert werden.

(...)

Im Rahmen der erforderlichen engmaschigen ärztlichen Betreuung sollte der mangelnden Compliance der Kinder mit gezielten Auslassversuchen - am günstigsten in den grossen Ferien - entgegengewirkt werden. Erfolgen die Auslassversuche geplant und unter direkter Einbeziehung aller Beteiligten einschliesslich des Lehrpersonals, so ergibt sich ein umfassendes Bild der bisherigen Medikationseffekte und die Möglichkeit, die weitere Notwendigkeit der pharmakologischen Behandlung zum Wohle des Kindes einzuschätzen. Eine Suchterkrankung als Langzeitfolge scheint - wenn überhaupt - nicht auf Methylphenidat, sondern auf das ohnehin erhöhte Suchtrisiko von Kindern mit HKS insbesondere in Kombination mit einer Störung des Sozialverhaltens zurückzuführen sein. Die beschriebenen günstigen Langzeiteffekte auf die Suchtentwicklung sind möglicherweise durch eine Stabilisierung der schulischen und familiären Situation desKindes sowie auf die Reduktion seiner Frustration in nahezu allen Lebensbereichen zurückzuführen.


Jürgen Walter führt in der Heilpädagogische Forschung (2001, Heft 3) einen Literaturüberblick auf der Basis US-amerikanischer Forschung unter dem Titel "Kann Ritalin (Methylphenidat) die Schulleistungen von Schülern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsproblemen verbessern?" durch. Er beschäftigt sich vor allem mit der Wirkung von Ritalin speziell auf den Lern- und Schulleistungsbereich. Als Haupteffekt der medikamentösen Behandlung kann die kurzfristige verhaltensmäßige "Handhabbarkeit" von hyperkinetischen Kindern betrachtet werden. Verbesserungen im Verhalten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von sehr geringen Verbesserungen im Schulleistungsbereich begleitet. Da relativ positive Lehrerurteile von Schulleistungsverbesserungen auf der einen Seite durch spezielle Tests auf der anderen Seite kaum bestätigt werden konnten, sind bei einer Evaluation des Einflusses auf die Schulleistung unabhängige Messungen vorzunehmen. Als Erklärung für das vermeintliche Paradoxon, dass Psychostimulantien zwar relativ verlässlich die Kernsymptomatik verbessern, jedoch mittel- und langfristig kaum die Schulleistungen, kann plausiblerweise angenommen werden, dass Ritalin per se (a) wohl kaum Wissens- und Kompetenzdefizite ausgleichen kann und (b) hohe Aufmerksamkeit, niedrige Impulsivität und geringe Hyperaktivität zwar notwendige, aber bei weitem noch keine ausreichenden Determinanten von Schulleistung sind.

An der Universität Nottingham erforscht man im Projekt “Motivation, Inhibition and Development in ADHD Study” (MIDAS), was im Gehirn von Kindern mit AHDS vor sich geht. Dabei mussten die Kinder verschiedene Aufgaben bewältigen und es zeigte sich, dass beinahe der gleiche Effekt wie bei der Verabreichung von Ritalin erzielt wurde, wenn die Kinder für richtige Lösungen Belohnungen wie Lob erhielten. Die Auswirkungen von Medikation und Belohnung wurden auch im EEG sichtbar, denn nach der Rückmeldung der richtigen Lösung kommt es jeweils zu ereigniskorrelierten Potenzialen. Zwar zeigten die Belohnungen bei Kindern mit AHDS eine etwas schwächere Wirkung als die medikamentöse Therapie, aber vor allem bei leichten Erkrankungsfällen kann offensichtlich auch mit erzieherischen Maßnahmen eine Wirkung erzielt werden, während man Ritalin oder vergleichbare Medikamente auf schwere Erkrankungen beschränken sollte.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/Ritalin.shtml

Medikamentöse Maßnahmen nur dort wo alles andere schon ausprobiert und ausgeschlossen wurde nur dann gehört der Konsum ganz klar zum ganzheitlichen Widerherstellen dazu.


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26.05.2013 um 17:01
Ich glaub ich weiß, welche Tests ein Kind machen muss. Und bei meinem Sohn wurde kein ADHS festgestellt.
Ich habe es von anfang angesagt. Ich haben mir einige Dokus angeschaut und habe mich gefragt warum meinen die das?? Ich habe oft Nächte wach gelegen und geheult. Aber ich stecke meinen Kopf nicht in den Sand. Und sage, ich bin überforder (z. B)
Kinder kommen vom Kindergarten in die Schule und müssen 5 Stunden ruhig sitzen, wie soll das gehen. Sie dürfen nicht Kind sein.

@Sterntänzerin
Deswegen sage ich ja, es gehört mehr dazu, als mal eben zu sagen ich bin krank oder der ist krank.
Jemand der krank ist, weiß es doch eigentlich nicht.


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26.05.2013 um 17:07
@jiggi0

Genau, deshalb halte ich Schulen / Lehrer auch für besonders anfällig für solche "Schnellschüsse". Man muss natürlich auch bedenken, dass die Lehrer in einer Klasse bis zu 30 Schüler vor sich sitzen haben, die sie erziehen, bilden und zu sinnvollem Arbeiten in der Gruppe bewegen müssen. Wenn's da in einzelnen Klassen so richtig zur Sache geht mit Kindern, die sich nicht konzentrieren, die nicht still sitzen und Anderen zuhören können, fällt der Verdacht mal schnell auf diejenigen, die eben besonders oft auffallen. Da müssten die Lehrer besonders gut darin geschult werden, zu erkennen, wer einen Funken mehr Erziehung und wer Hilfe im Sinne einer Behandlung braucht.


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26.05.2013 um 17:10
@jiggi0

Oh, mit der Zeit wusste ich sehr genau, dass ich krank bin. Klar, nicht mit zehn, elf Jahren, als ich mir einbildete, dass mir missgünstige Mitschüler Kameras in meinem Zuhause aufgestellt haben, auch nicht mit 15, als ich dachte, meine Mitmenschen, könnten meine Gedanken hören. Irgendwann ist dann aber wirklich der Punkt erreicht, in dem man sich mal mit Gesunden vergleicht. Die haben nicht regelmäßig einen Nervenzusammenbruch wegen zu viel Stress, die bilden sich nicht ein, dass jeder der sie anblickt, auch etwas Böses von ihnen will. Und gerade wenn man mal wieder zuhause sitzt und völlig unbegründete Panik davor bekommt, die Fachschule oder den Arbeitsplatz zu besuchen und sich deshalb eine Ausrede überlegt, warum man nicht hingeht, weiß man eigentlich, dass etwas nicht stimmt.

Ich muss aber dazusagen, dass ich, was den schizophrenen Teil meiner Erkrankung angeht, eine der wenigen Menschen bin, die das, was sie gerade gesehen, gehört, gerochen etc. haben, noch mit der Wirklichkeit abgleichen können. Wenn ich etwas im Augenwinkel sehe, dass nicht da ist, wenn ich richtig hingucke, dann weiß ich, da hat mir wieder mein Gehirn einen Streich gespielt. Und wenn ich etwas höre, das unrealistisch ist, dann frage ich schon mal meine Mitmenschen, ob die das auch hören. Tun sie es nicht, dann weiß ich, dass es auf meine Krankheit zurückgeht. Nur meine Depression hatte ich, bis ich Medikamente genommen habe, leider gar nicht unter Kontrolle.


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26.05.2013 um 17:11
@jiggi0
um Deine Frage zu beantworten, psychische Erkrankungen gibt es wirklich. Nicht alles ist gleich eine Erkrankung, aber es als Aussenstehender beurteilen zu wollen finde ich fragwürdig. Wenn ein Mensch sich durch seine Gefühlswelt, Erlebniswelt eingeschränkt fühlt oder tatsächlich eingeschränkt ist, dann hat dieser Mensch ein Problem, das sollte man nicht als Modeerscheinung abtun.


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