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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

56 Beiträge, Schlüsselwörter: Tod, Trauer, Emotionen, Verlust, Sentimentalität

Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

27.11.2016 um 01:20
u wirst es schaffen. Wie lange diese Phase, in der Du jetzt bist, auch dauert, vergiss nicht, es wird auch wieder besser. Du bist jetzt extrem emotionalisiert, das gibt sich aber wieder, dauert meiner Erinnerung nach ein paar Wochen. Dann holt Dich das Leben sowieso wieder ein, der Alltag halt.

Mach Dir nicht zu viele Vorwürfe. Nachher ist man immer schlauer, vorher aber hätte man es eben doch nicht wissen können oder man konnte es halt nicht wahrhaben, das ist genauso menschlich. Das Leben geht weiter, muss es ja. Ist eine Binsenweisheit, aber trotzdem wahr. Du wirst einen Weg finden, diesen Lebensabschnitt abzuschließen.

Was dann folgt, ist nichts geringeres als ein neuer Lebensabschnitt. Das ist jetzt Dein Lebensabschnitt. Als Vater, als Gatte (oder halt Lebensgefährte) und als Mensch. Jetzt bist Du dran, endgültig. Mach was draus!

Das war jedenfalls - so ungefähr und ohne die Begriffe "Vater" und Gatte" - mein Gedankengang, mit dem ich das Kapitel abgeschlossen habe. Wahrscheinlich muss aber sowieso jeder seinen eigenen Geistesblitz haben.
In meinem Fall hat "mein" Lebensabschnitt mit meiner Familie ja schon vor Jahren begonnen, als ich eben auch weggezogen bin. Ich hatte erst mit der Verantwortung die ich zu tragen hatte, mein Leben auf die Reihe bekommen. Vorher war das überhaupt nicht der Fall. Aber ich habe den größtmögichen Fehler gemacht, nämlich mich in jeder nur erdenklichen Hinsicht von meinem "früheren" Leben distanziert und das beinhaltete auch dass der Kontakt zu (unter anderem) dieser Person wirklich sehr minimal stattfand. Natürlich habe ich oft angerufen und gefragt wie es geht, habe aber wie gesagt immer versprochen, mal vorbeizukommen und habe es immer aufgeschoben da immer irgendwas anderes war von dem ich der Meinung war es ist momentan eher dringlich. Ich denke ich führe jetzt ein souveränes Leben, mit allem was eben dazugehört. Arbeit, Wohnung, Frau/Lebensgefährtin, Kind - wie das eben so ist. Das was davor war ist erst jetzt für mich wieder allgegenwärtig und die Sentimentalität nimmt mit jeder Sekunde der Trauer zu. Der Wunsch, erlebtes noch einmal erleben zu können. Allgemein Wünsche, von denen mir selbst bewusst ist dass sie nicht möglich sind. Hätte, wäre - alles Dinge die sinnlos sind weil man es nicht mehr ändern kann aber man kann auch nicht aufhören daran zu denken.

Ich will auch noch nicht ans "abschließen" denken, mir ist bewusst dass ich eine Zeit brauchen werde um das aufzuarbeiten. Und mein "Licht am Ende des Tunnels" ist eben der Gedanke, dass ich eines Tages nicht mehr mit reiner Trauer, sondern auch glücklich an die vielen Erinnerungen zurückdenken kann. Das ist der einzige Wunsch den ich momentan habe, der wirklich in Erfüllung gehen kann und wird.

Ich würde gerne wenn das in deinem Interesse ist, aber mehr von deiner Geschichte hören.... wenn ich das richtig verstehe standest du ja mehr oder weniger alleine da. Hat dich das Alleinsein zusätzlich belastet? Hättest du dir gewünscht jemanden an deiner Seite zu haben der dir beisteht?
slobber schrieb:Ich glaube, egal wie "häufig" man mit dem Tod fremder oder nahestehender Personen konfrontiert wird - es wird nicht besser oder leichter erträglich. Im Endeffekt trifft es einen immer, die selben Gedanken kommen auf, all dieses "hätte man mal...".
Doch für "Wenn" und "Hätte" ist es dann zu spät.
Es wird also nicht leichter, nur etwas anders.
Man weiß dann irgendwann welche Stadien der Trauer (wahrscheinlich) auf einen zukommen, was erwartet wird, was zu tun ist.

Theoretisch kann man aus dem "Wenn... dann hätte ich noch..." lernen.
Mancher macht dies, mancher hält nur kurz an diesem Vorsatz fest... und mancher übertüncht es mit Alltagskram (bis zum nächsten Mal).

Mir graut es vor dem Tag an dem es in meiner Familie mal wieder soweit ist.
Vorletztes Jahr und letztes Jahr stand es bei einem Familienmitglied immer mal wieder auf der Kippe... aber Unkraut vergeht ja nicht so leicht :)
Also dass ich daraus lerne ist so sicher wie das Amen im Gebet. Ich werde den Menschen die mir wichtig definitiv deutlicher und häufiger zeigen dass es so ist. Ein zweites Mal passiert mir das unter Garantie nicht.
hallo-ho schrieb:Ich hatte bislang ein paar Trauerfälle, einer davon war richtig massiv.

Meine Erfahrung ist, dass ich da nicht viel machen konnte. Womit ich gar nicht gerechnet habe - ich bekam über ein Jahr lang massive Konzentrationsprobleme. Die Trauer war also ganz anders, als ich es mir immer vorgestellt hatte. Natürlich war ich auch traurig/hab getrauert, aber am längsten hatte ich mit den Konzentrationsproblemen zu kämpfen. Anfangs habe ich gedacht, das vergeht bald wieder. Aber merklich besser wurde es erst nach ca. einem Jahr.
Bis ich "geistig" aber wieder den alten Stand erreicht habe, das hat aus meiner Sicht sogar mehrere Jahre gedauert.

Was will ich dir damit sagen? :)

- Trauer kann sich ganz verschiedenartig äußern.
- Die Art und Länge der Trauer ist von Mensch zu Mensch und von Trauerfall zu Trauerfall verschieden und legitim.
- Es war für mich eine schwierige Zeit, in der auch vieles nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte - aber am Ende habe ich alles geschafft, was ich schaffen wollte.

Ich wünsche dir und allen Trauernden viel Kraft und alles Gute.
Tut mir leid das zu hören.... auch wenn ich -nicht falsch verstehen- auf eine andere Art doch etwas erleichtert bin wenn ich lese dass es allen gleich geht die in dieser Situation sind.
nodoc schrieb:Es tut mir sehr leid für dich, dass du das jetzt erleben musst. Ich denke ich kann das gut nachvollziehen wie du dich fühlst, da ich meinen " Supergau " vor einigen Jahren erlebt habe.
Auch wenn ich mich vorher schon von mir nahe stehenden Menschen verabschieden musste ( meist kann man sich ja nicht vorher „verabschieden“ ) und dachte ich kann mit Trauer umgehen, hat mich dieser Verlust völlig überraschend und mit voller Wucht getroffen. Ich habe Jahre gebraucht um damit klar zu kommen.

Leider gibt es kein "Patentrezept" wie man mit Trauer umgeht.

Aber alles was du jetzt fühlst, ist in Ordnung. Es ist ein Teil von dir und was dich mit der Person verbunden hat.
Das Trauer auch die positiven Erinnerungen überdeckt kenne ich und habe es gehasst, wenn Menschen mir sagten:" Denk doch an die guten Dinge, die ihr zusammen hattet."

In der akuten Trauerphase war ich überhaupt nicht in der Lage diese an mich heran zu lassen, weil gerade das unglaublich schmerzhaft sein kann und den Verlust noch bewusster macht.
Ich konnte das erst mit der Zeit wieder Stück für Stück, in meinem Tempo. Hat Jahre gedauert bis ich mit meiner Trauer um den wichtigsten Menschen im Leben, einigermaßen klar kam.

Dazu gehören eben auch Schuldgefühle.

Ich denke jeder der so etwas erlebt, hat sie. Oft sind sie völlig irrational und manchmal eben auch real. Wir gehen nicht permanent durchs Leben mit dem Gedanken, das uns nur eine bestimmte Zeit mit dem Anderen zur Verfügung steht. Das geht auch gar nicht und wäre völlig unrealistisch.
Wenn der andere dann stirbt, stellt man sich die Frage ob man in der Vergangenheit alles richtig gemacht hat. Das kann aber kein Mensch leisten. Wir machen Fehler und verhalten uns im Alltag nicht immer so, als ob es der letzte Tag ist den man zusammen hat.
Im Idealfall kann man sich verabschieden, alles noch sagen was gesagt werden will. Aber, wer hat schon das Glück?

Lass einfach auch deine Schuldgefühle zu, sie sind auch ein Teil der Trauer. Aber, versuch sie nicht größer zu machen als sie sind. Man neigt in der ersten Zeit dazu den anderen besser zu machen als er war und sich selber extrem kritisch zu betrachten.

Möglicherweise tröstet es dich ein bisschen, wenn ich dir sage das es besser wird und man lernt mit dem Verlust zu leben. Weg schieben, lässt sich die Trauer nicht. Man muss sie zu lassen, weil sie ein Teil von uns ist. Im Laufe der Zeit wird sie aber sanfter und besucht uns seltener.
Irgendwann kennen wir sie so gut wie eine alte Bekannte, die uns zwar selten besucht aber willkommen ist, weil sie nichts erschreckendes mehr hat.
Bei dir war es DER wichtigste Mensch im Leben? Darf ich nachfragen wer? Freundin/Frau? Mutter? Vater? Kind? Hattest du trotzdem noch andere Menschen die dich bei der Verarbeitung der Trauer unterstützt haben?

Jetzt wo ich in der Situation bin denke ich mir, es muss wirklich schlimm sein wenn man mit so etwas auch noch alleine dastehen würde. Auch das gibt es wohl leider oft genug.
Spookywoman schrieb:Vor fast 4 Jahren ist meine Mutter gestorben. Die letzten Monate waren nicht einfach und die letzten Tage sowie Stunden waren schlimm. Ich war kurz vor ihrem Tod noch bei ihr, aber sie war bereits im Wachkoma und hat auf nichts reagiert. Ich habe dann 2 Stunden lang mit ihr gesprochen und konnte dadurch "abschliessen" (sofern man das überhaupt kann). Ich glaube, dass Menschen die nicht mehr ansprechbar sind durchaus mitbekommen können was um sie herum geschieht.

Jeder Mensch trauert anders. Auch wenn du kein emotionaler Mensch bist, hoffe ich, dass du deine Gefühle nicht versuchst zu unterdrücken und dass du einen Weg findest um sie zu verarbeiten. Gefühle zu verarbeiten ist wichtig und deine Tochter lernt von ihren Vorbildern wie sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen soll. Lass dir bei der Trauer soviel Zeit wie du brauchst und setz dich nicht unter Druck.
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und ich habe sehr viel geweint und manchmal (aber nur noch selten) weine ich auch heute noch deswegen. Der Schmerz hat mit der Zeit zwar stark abgenommen aber in manchen Situationen kommt er wieder zurück. Gerade Weihnachten und Jan/Feb ist so eine Zeit, weil meine Mutter an Weihnachten ins Krankenhaus musste und 2 Monate später dort gestorben ist.

Schuldgefühle gehören oft zum Trauern dazu und dass einen viele Dinge beschäftigen die man gerne noch gesagt, getan oder rückgängig gemacht hätte ebenfalls. Wie dir oben bereits empfohlen würde, kannst du versuchen die Dinge aufzuschreiben. Mir hilft schreiben dabei meine Gefühle zu verarbeiten und mir über gewisse Dinge klar zu werden.

Ich wünsche dir viel Kraft um alles durchzustehen. Es wird besser.
Nein unterdrücken tu ich nichts. Ich habe mit meiner Freundin schon ein paar Mal jetzt drüber gesprochen, aber festgestellt dass es mir noch sehr schwer fällt. Ich kann mich aber auch wenn jemand neben mir ist, doch relativ gut zusammenreissen. Es ist jetzt also nicht so dass ich vor anderen plötzlich unkontrolliert in Tränen ausbreche etc., und wenn ich dann alleine bin dann lasse ich die Emotionen dann ein wenig raus, Ich habe festgestellt dass es auf diese Art für mich aktuell am einfachsten ist. Ich denke da muss aber jeder für sich selbst erkennen wie man am einfachsten damit umgeht.


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27.11.2016 um 09:29
Mein Beileid! Ich glaube, Du machst schon alles richtig. Du lässt Deine Gefühle zu, das sind wichtige und richtige Gefühle. Du lebst sie aus und redest drüber. Du befasst Dich mit dieser Situation und bewältigst sie also schon längst. Der Schmerz ist groß und heftig und gut so. Das zeigt, dass der Mensch Dir wichtig war. Egal was sonst passierte. Ich denke, Du verarbeitest die Situation super. Es ist eine schwere Zeit. Bewahre Dir die Erinnerungen an die Person und Dein Leben. Akzeptiere, wie es ist und erfreue Dich der Andenken. Dann hast Du in einiger Zeit den Schmerz überwunden und darüber freuen, was positiv war gemeinsam mit dieser Person. Auch wenn es gerade weh tut, es ist alles gut so, wie Du es machst.


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27.11.2016 um 10:16
@Cptn.Wankalot

Ehrliche Worte, Respekt und Anerkennung dafür, denn dies ist nie leicht. Aus diesem Grund werde ich da auch meine persönliche Erfahrung berichten.

Vielen schrieben es ja schon, im Endeffekt bist du auf dem richtigen Weg, Sichtweisen tauchen nun auf, Erfahrungen und Zustände die neu sind, die jedoch nur richtig geordnet werden müssen.

Du hast echt viel angegeben und ich will dich nur in einem Punkt bestärken, da ich finde dies der wichtigste ist.

Du hast nun das Gefühl der Reue gehabt, nicht ausreichend da gewesen zu sein. Du hättest mehr für den Angehörigen da sein können, ja das ist sicherlich korrekt.
Lerne daraus, so dass du dieses Gefühl nie mehr entwickeln musst.
Menschen kommen oft verändert aus den Situationen raus, manche werden kühler, manche werden herzlicher.
Werde für deine Nächsten herzlicher!

Mehr kann ich dir nicht sagen, dies ist aber für mich der elementarste Baustein, um raus zu kommen.


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27.11.2016 um 10:30
Cptn.Wankalot schrieb:Tut mir leid das zu hören.... auch wenn ich -nicht falsch verstehen- auf eine andere Art doch etwas erleichtert bin wenn ich lese dass es allen gleich geht die in dieser Situation sind.
Ich versteh das richtig, keine Angst :)

Ich habe auch im letzten Post relativ persönliiche Dinge geschrieben, um zu zeigen: Es ist durchaus keine einfache Zeit, aber man kann sie überstehen. Der eine auf die Art, der andere auf eine andere. Der eine in kürzerer Zeit, der andere länger.


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27.11.2016 um 10:42
@Cptn.Wankalot
Cptn.Wankalot schrieb:wenn ich das richtig verstehe standest du ja mehr oder weniger alleine da. Hat dich das Alleinsein zusätzlich belastet? Hättest du dir gewünscht jemanden an deiner Seite zu haben der dir beisteht?
Beim ersten Mal hatte ich noch den Rückhalt durch meinen Vater und - teilweise - durch meinen Bruder. Beim zweiten Mal war ich dann alleine. Dazu sollte ich vielleicht anführen, dass ich immer schon so eine Art "Lone Wolf" war. Böse Zungen würden behaupten, ich sei beziehungsunfähig. Na ja, böse Zungen halt... ;)

Damals dachte ich, ich steh das problemlos durch, nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch beruflich ziemlich die Kacke am dampfen, was ich leider unterschätzte (die berufliche Problematik hat dann auch zu einem Burn Out geführt, allerdings später). Aus heutiger Sicht wäre es besser gewesen, ich hätte nicht versucht, den Helden zu spielen, ich habe damals einige Entscheidungen getroffen, die nicht so gut waren. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass ich mit diesem Wust aus Problemen ein wenig überfordert war. Aber nachher ist man ja meistens klüger...

Dieser Thread entwickelt sich überaus interessant, wie ich finde. Er bildet mittlerweile eine schöne Quelle an Erfahrungen, auf die Betroffene künftig zugreifen können. Und aus meiner Sicht zeigt er auch sehr schön, dass wir alle sehr ähnliche Erfahrungen bzw. Empfindungen haben. Das, was wir erleben (oder erlebten) scheint also die Regel zu sein.


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nodoc
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27.11.2016 um 11:46
Cptn.Wankalot schrieb:Bei dir war es DER wichtigste Mensch im Leben? Darf ich nachfragen wer?
Mein Mann. Er starb sehr plötzlich am so genannten, Sekundentod. Jede Menge Schuldgefühle in Richtung:" Hätte ich das vorher erkennen müssen, gab es Anzeichen?"
Konnte ich mich tagelang dran abarbeiten, ohne das es im Endeffekt irgendetwas geändert hätte.

Betrachte deine "Schuldgefühle", aber bleib dabei auf dem Teppich. Wir sind nur Menschen, die auch Fehler machen müssen.
Du hast ja geschrieben...
Cptn.Wankalot schrieb:Mich plagt zudem ein schlechtes Gewissen da ich mich der Person gegenüber oft wirklich schlecht verhalten habe. Und mich nie wirklich dafür entschuldigt habe. Jetzt ist es eben zu spät, habe diesen Menschen außerdem seit Ewigkeiten nicht mehr besucht seit ich weg war, hatte es immer wieder versprochen, dann aber doch aufgeschoben, nie daran gedacht dass es irgendwann zu spät sein könnte. Nun war genau das der Fall. Erst am "Sterbebett" habe ich mich dann wieder blicken lassen als mir bewusst wurde dass es sonst wirklich zu spät ist. Da war aber dieser Mensch der mich mein ganzes Leben begleitet hat, schon nicht mehr ansprechbar, konnte auch kaum noch die Augen aufmachen. Hat ziemlich sicher auch gar nichts mehr von meinem Besuch mitbekommen.
...manchmal merkt man erst wie wichtig uns Menschen wirklich waren, wenn sie nicht mehr da sind. Der Tod anderer, konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit und zwingt zur Selbstreflektion.
Genau das machst du gerade und ich finde es sehr mutig, dass du das hier im Forum so offen schreibst.


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27.11.2016 um 22:53
darkstar69 schrieb:Mein Beileid! Ich glaube, Du machst schon alles richtig. Du lässt Deine Gefühle zu, das sind wichtige und richtige Gefühle. Du lebst sie aus und redest drüber. Du befasst Dich mit dieser Situation und bewältigst sie also schon längst. Der Schmerz ist groß und heftig und gut so. Das zeigt, dass der Mensch Dir wichtig war. Egal was sonst passierte. Ich denke, Du verarbeitest die Situation super. Es ist eine schwere Zeit. Bewahre Dir die Erinnerungen an die Person und Dein Leben. Akzeptiere, wie es ist und erfreue Dich der Andenken. Dann hast Du in einiger Zeit den Schmerz überwunden und darüber freuen, was positiv war gemeinsam mit dieser Person. Auch wenn es gerade weh tut, es ist alles gut so, wie Du es machst.
Ja, habe mir ja auch bewusst beim entrümpeln einige Andenken mitgenommen (unter anderem auch das Namensschild an der Tür da nur mehr ich den Nachnamen teile, dazu eben wie schon erwähnt Fotoalben und ähnliches) mit dem Hintergedanken dass ich irgendwann positive Gefühle verspüren werde beim ansehen bzw beim erinnern, in weiser Voraussicht. Zum jetzigen Stand ist das natürlich nicht möglich, wenn ich versuche mir Fotos anzusehen dann muss ich die nach relativ kurzer Zeit wieder wegpacken.
capspauldin schrieb:Ehrliche Worte, Respekt und Anerkennung dafür, denn dies ist nie leicht. Aus diesem Grund werde ich da auch meine persönliche Erfahrung berichten.

Vielen schrieben es ja schon, im Endeffekt bist du auf dem richtigen Weg, Sichtweisen tauchen nun auf, Erfahrungen und Zustände die neu sind, die jedoch nur richtig geordnet werden müssen.

Du hast echt viel angegeben und ich will dich nur in einem Punkt bestärken, da ich finde dies der wichtigste ist.

Du hast nun das Gefühl der Reue gehabt, nicht ausreichend da gewesen zu sein. Du hättest mehr für den Angehörigen da sein können, ja das ist sicherlich korrekt.
Lerne daraus, so dass du dieses Gefühl nie mehr entwickeln musst.
Menschen kommen oft verändert aus den Situationen raus, manche werden kühler, manche werden herzlicher.
Werde für deine Nächsten herzlicher!

Mehr kann ich dir nicht sagen, dies ist aber für mich der elementarste Baustein, um raus zu kommen.
Ich habe daraus gelernt und denke dass dieser Vorfall mich nachhaltig verändern wird. Gar nicht so auf eine negative Art sondern denke ich eher dass sich mein Umgang mit mir wichtigen Menschen auf eine positive Art ändern wird.
Blues666 schrieb:Beim ersten Mal hatte ich noch den Rückhalt durch meinen Vater und - teilweise - durch meinen Bruder. Beim zweiten Mal war ich dann alleine. Dazu sollte ich vielleicht anführen, dass ich immer schon so eine Art "Lone Wolf" war. Böse Zungen würden behaupten, ich sei beziehungsunfähig. Na ja, böse Zungen halt... ;)

Damals dachte ich, ich steh das problemlos durch, nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch beruflich ziemlich die Kacke am dampfen, was ich leider unterschätzte (die berufliche Problematik hat dann auch zu einem Burn Out geführt, allerdings später). Aus heutiger Sicht wäre es besser gewesen, ich hätte nicht versucht, den Helden zu spielen, ich habe damals einige Entscheidungen getroffen, die nicht so gut waren. Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass ich mit diesem Wust aus Problemen ein wenig überfordert war. Aber nachher ist man ja meistens klüger...
Tja, vor allem in einer Phase der Trauer ist natürlich nicht alles was man macht, rational erklärbar. Leider. ;)
Blues666 schrieb:Dieser Thread entwickelt sich überaus interessant, wie ich finde. Er bildet mittlerweile eine schöne Quelle an Erfahrungen, auf die Betroffene künftig zugreifen können. Und aus meiner Sicht zeigt er auch sehr schön, dass wir alle sehr ähnliche Erfahrungen bzw. Empfindungen haben. Das, was wir erleben (oder erlebten) scheint also die Regel zu sein.
Insgeheim habe ich genau darauf gehofft. Ich will ja auch nicht dass es in dem Thread nur um mich und meine Geschichte geht. Vielleicht zieht er sich irgendwann wie ein roter Faden durchs Allmy und wird zu einer Art Anlaufstelle für Trauernde. Denke dass die Entscheidung richtig war das hier zu posten, vor allem durch das was ich unter anderem im Gedenk-Thread immer so lese, war mir klar dass hier sehr viele User bereits diese Erfahrung gemacht haben.
nodoc schrieb:Mein Mann. Er starb sehr plötzlich am so genannten, Sekundentod. Jede Menge Schuldgefühle in Richtung:" Hätte ich das vorher erkennen müssen, gab es Anzeichen?"
Konnte ich mich tagelang dran abarbeiten, ohne das es im Endeffekt irgendetwas geändert hätte.

Betrachte deine "Schuldgefühle", aber bleib dabei auf dem Teppich. Wir sind nur Menschen, die auch Fehler machen müssen.
Du hast ja geschrieben...
Oh nein. Du hast es damit ja noch weitaus schlimmer erwischt als ich. Ich persönlich bin ja "froh" dass ich zumindest vorab schon mich darauf einstellen konnte/musste, dass es zu Ende gehen wird. Als ich die Nachricht dann erhalten habe, hat es gar keine so große Gefühlsänderung in mir ausgelöst da ich schon vorher mit dem Trauern begonnen habe, und mit allen anderen Gefühlen. Und vor allem deshalb weil ich ja schon wusste, dass dieser Anruf kommen wird. Nur wann genau er kommt, war nicht sicher. Wäre ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen hätte es mich sicher weitaus schlimmer getroffen.


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28.11.2016 um 09:15
Cptn.Wankalot schrieb:Wäre ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen hätte es mich sicher weitaus schlimmer getroffen.
Bei dem Trauerfall, den ich oben beschrieben habe, ging es auch um einen sehr plötzlichen und schnellen Tod eines sehr nahen Angehörigen.

Ich habe in der Zeit danach u.a. darüber nachgedacht, ob ich (und die anderen davon betroffenen Trauernden) besser klarkommen würden, wenn wir alle "mehr Zeit" gehabt hätten.

Wenn ich aber dann an Fälle denke wie Koma (auch das habe ich bei einer recht nahen Verwandten erlebt) oder wenn Angehörige mitansehen müssen, wie jemand über Monate z.B. von Krebs zerfressen wird - ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Trauer einfacher macht. Da ist man ja schon vor Eintritt des Todesfalls emotional und mit sonstigen Kräften total ausgelaugt. Man hat höchstens den "Trost", dass derjenige nicht mehr leiden muss und evt. hatte man Gelegenheit, noch das eine oder andere anzusprechen.

Ich bin in dem einen speziellen Fall für mich zum Schluss gekommen, dass es bei allem Unglück so das Beste war. Wenn derjenige, der damals gestorben ist, wiederbelebt worden wäre, wäre er höchstwahrscheinlich im Koma gelegen und das war genau das, was er nie gewollt hat.

Davon abgesehen, dass wir alle (Sterbende und Angehörige) sowieso nicht in der Hand haben, wann und wie jemand stirbt.


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nodoc
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28.11.2016 um 10:50
Cptn.Wankalot schrieb:Wäre ich überhaupt nicht vorbereitet gewesen hätte es mich sicher weitaus schlimmer getroffen.
Ich bin nicht sicher ob es anders gewesen wäre, wenn ich Zeit gehabt hätte mich darauf vorzubereiten.
Letztendlich muss ich dankbar sein, dass es so gekommen ist und mein Mann nicht noch monatelang krank war und leiden musste. Die Gewissheit das er sehr schnell, wahrscheinlich ohne noch einmal zu Bewusstsein zu kommen, im Schlaf starb...
Cptn.Wankalot schrieb:Oh nein. Du hast es damit ja noch weitaus schlimmer erwischt als ich.
...mir hat das irgendwie auch etwas die Angst vor dem Sterben genommen. Klingt verrückt, aber ich war immer diejenige die keine Angst vor dem Tod, aber vor dem sterben an sich hatte.

Finde es schön, dass du den Thread auf gemacht hast. Ich hoffe einfach das ich mit meiner Geschichte dir und anderen, etwas helfen kann.
hallo-ho schrieb:Wenn derjenige, der damals gestorben ist, wiederbelebt worden wäre, wäre er höchstwahrscheinlich im Koma gelegen und das war genau das, was er nie gewollt hat.
Kann den Gedanken gut verstehen.


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10.10.2017 um 20:37
@Cptn.Wankalot

Ist zwar schon fast ein Jahr her, dass hier das letzte Mal geschrieben wurde, aber das Thema ist ja leider immer aktuell.
Zunächst wollte ich mal Fragen, wie es dir heute nach fast einem Jahr geht. Haben sich deine Gefühle verändert? Kannst du mittlerweile an die schönen Zeiten zurückdenken, dir Bilder mit Freude anschauen?

Es hat mir gut getan, eure Berichte zu lesen. Die eine oder andere Träne ist auch geflossen. Ich habe vor einem halben Jahr meine Mutter verloren, auch sehr plötzlich und schnell. Da zu meinem Vater kein Kontakt besteht, war meine Mutter mein ein und alles. Seitdem sie gestorben ist, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an sie gedacht habe. Anfangs habe ich versucht, mir die schlimmen Bilder (von den 10 Tagen Krankenhaus, von ihr, als sie tot aufgebahrt war, von der Beerdigung) mir so oft wie möglich in den Kopf zu rufen, in der Hoffnung, dass es irgendwann nicht mehr so weh tut. Mittlerweile ist es so, dass diese Bilder auch ohne mein Zutun plötzlich vor meinem geistigen Auge auftauchen - zum Glück nicht allzu oft - aber wenn, dann haut es mich wieder richtig aus der Bahn. Ich habe zum Glück einen lieben Mann und die besten Freunde, die man sich vorstellen kann, alle sind für mich da. Trotzdem ist es so, dass ich versuchen muss, damit alleine zurecht zu kommen. Mir graut es vor den bevorstehenden Feiertagen. Das erste Weihnachten ohne Mama. Das erste Mal, dass sie an Silvester/Neujahr nicht um kurz nach Mitternacht anruft. Es ist so schon schlimm genug.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich andere Leute um mich herum beneide, wenn ich höre, dass sie ihre Mutter besucht, mit ihr telefoniert haben oder sonst irgendwelche Unternehmungen gestartet haben. Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich anderen diese Erlebnisse beneide und versuche dann, mich mit ihnen zu freuen. Es fällt mir aber nicht leicht. Ist das euch auch so ergangen?

Ich habe auch die "was-wäre-wenn"-Phasen. Ich versuche, diese aber nicht zu nah an mich ranzulassen, da ich mir vorstellen kann, dass man daran zerbrechen kann. Auch Konzentrationsstörungen habe ich, wenn ich in Erinnerungen oder Gedanken schwelge und das kommt mehrmals täglich vor.

Meine liebste Freundin hat zu mir gesagt, dass alle "ersten Male" nach dem Tod eines lieben Menschen, die schlimmsten sind. Die Feiertage stehen bevor, dann kommt mein Geburtstag, dann der Geburtstag meiner Schwester. Und dann würde Mamas Geburtstag kommen, der nun ohnehin immer negativ behaftet sein wird, da sie an selbigem in diesem Jahr den schweren Herzinfarkt hatte, dessen Folgen 10 Tage später zu ihrem Tod führten. Ich hoffe nun darauf, dass die Last zumindest nach ihrem ersten Todestag etwas leichter wird. Mir ist bewusst, dass sich Trauer nicht an einem Tag ein- bzw. ausschalten lässt. Aber das ist so ein Stichtag, von dem ich froh sein werde, wenn er vorbei ist.


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11.10.2017 um 22:36
@mifaganie

Freut mich, dass mein Thread wiederbelebt wurde. Auch wenn natürlich in diesem Thread, der Anlass -wie soll es anders sein- kein schöner ist.

Dein Verlust tut mir sehr sehr leid, nachdem ich ja wie bekannt ist selbst diese Erfahrung gemacht habe, kann ich mir vielleicht im groben vorstellen wie es dir geht damit.

Ich denke, wir werden uns immer zurück erinnern. Wenn etwas Zeit vergangen ist vielleicht primär an die guten Zeiten, etwas Sentimentalität wird aber wohl immer dabei sein.

Die von dir angesprochenen, letzten Bilder die man hat versuche ich immer noch zu vermeiden. Das war und ist noch immer, sehr schwer zu verkraften. Man kennt einen Menschen, sein ganzes Leben lang, eine Person die einem so wichtig ist, so zu sehen, quasi in den letzten Atemzügen, das vergisst man nicht mehr, und solche Bilder werden immer negativ behaftet sein.

Es ist gut und wichtig dass du Personen um dich herum hast, die dir beistehen, denn so schwer es ist, so wichtig ist es auch, wieder einen Alltag reinzubekommen, und der Moment in dem du dich dann wieder über Kleinigkeiten ärgern kannst, ob es der Chef ist, die Kinder, der/die Partner/in, das verlorene Fußballspiel des Lieblingsklubs, etc. - in dem Moment weißt du, dass du und dein seelisches Wohlbefinden Fortschritte macht ;)


Mir persönlich geht es mittlerweile besser, die Trauer und all die anderen damit verbundenen Gefühle sind nicht mehr allgegenwärtig. Ich denke aber dass mich dieser Verlust verändert hat.

Hierzu ist zu sagen, ich habe vor ein paar Jahren in meinem Leben eine Art "Cut" gemacht. Eigentlich, habe ich alles hinter mir gelassen, und eben neu angefangen mit allem was dazu gehört, Familiengründung, Wohnortwechsel, Berufswechsel, etc.

Ich hatte und habe, auch so gut wie keine Kontakte mehr von früher. Mein gesamtes Umfeld, ist eigentlich nach diesem Zeitpunkt entstanden und ich habe selten bis nie an mein Leben davor gedacht. Kindheit, Jugend - egal was, alles fühlte sich an, als wäre es in einem anderen Leben passiert. Jede Erinnerung fühlte sich unglaublich "weit weg" an, als wäre es nie passiert, oder nur in irgendeinem Traum oder Film.

Zu der Zeit als ich meinen schweren Verlust hatte, kam ich dann auch, zum ersten Mal seit denke ich etwa 6 Jahren, wieder in mein altes, ehemaliges Zuhause. In dem ich groß wurde, fast mein ganzes Leben verbracht habe. Als ich dort rein ging, war plötzlich alles wieder da. Meine Kindheit, hunderdtausende Erinnerungen (von sehr sehr positiv, bis sehr sehr negativ, ich habe leider in meiner Jugend und im jungen Erwachsenenalter sehr viele Fehler gemacht. Unverzeihliche wie ich finde. Das war einerseits der Grund, warum ich einen Cut gemacht habe, andererseits der Grund für meine Schuldgefühle), Weihnachten mit 4, Pyjama-Parties mit Freunden in meinem alten Zimmer, etc.

Dinge die ich längst vergessen hatte, und irgendwo bin ich wieder in mein altes Leben eingetaucht, als ich in dieser Wohnung war, war es ein merkwürdiges Gefühl. Das kann man nicht beschreiben. Einerseits dachte ich mir, ich muss hier raus, ich halte es hier keine zwei Minuten aus. Und auf der anderen Seite dachte ich mir, eigentlich will ich hier nie wieder weg. Hier bleiben, Erinnerungen abrufen, in Nostalgie schwelgen. Hätte ich das Geld gehabt, ich hätte mir die Wohnung sofort gemietet oder gekauft, damals. Da ich gegenüber meiner Frau und meinem Kind aber Verantwortung habe, und mich daher finanziell nicht übernehmen darf, wäre es unvernünftig gewesen, es nur der Nostalgie wegen zu tun, aber es hätte mir geholfen, das steht fest.


Seit ich diese schwere Zeit erlebt habe, vergesse ich nicht mehr, habe ich das Gefühl. Ich habe sämtliche Erinnerungen an meine Kindheit vor mir und rufe sie immer wieder ab, ich denke viel mehr nach, spule Filme in meinem Kopf ab von Dingen die ich einst erlebt habe, und habe irgendwo "Fernweh", das nicht geografisch sondern zeitlich definiert ist. Wie wir alle wissen ist es nicht möglich in eine Zeitmaschine zu steigen oder die Zeit zurück zu drehen, aber das sind die Dinge die bei mir wirklich noch allgegenwärtig sind. Diese Gedanken.... Gerne zu bestimmten Zeitpunkten zurückzukehren. Bei manchen, weil man unglaubliches Glück verspürt hat und das nochmal durchleben möchte, bei anderen weil man Dinge ungeschehen machen will.

Ich weiß nicht, ob ich diesen Todesfall richtig verarbeiten konnte. Ich kann wieder unter Leute, wieder lachen, wieder voll fokussiert meinem Alltag im beruflichen und privaten Bereich nachgehen, es ist irgendwo alles wie vorher, aber auf der anderen Seite fühle ich die angesprochenen Veränderungen in meiner Gedankenwelt.

Das behindert meinen Alltag nicht aber wenn ich mal eine ruhige Phase habe, allein zuhause bin oder vorm einschlafen im Bett liege, dann denke ich eigentlich immer an alte Zeiten und wünsche mir, zeitreisen zu können ;)




Aber da denke ich, ist jeder Mensch verschieden, und jeder Mensch verarbeitet Dinge auf seine Art und Weise. Klar ist nur, egal was einem widerfährt, in irgendeiner Form muss und wird es danach weiter gehen. Du wirst immer an deine Mutter denken. Es wird immer diese Anlässe geben. Ihr Geburtstag, dein Geburtstag. Zufällig in alten Foto-Alben stöbern, Weihnachten, oder einfach gewisse Punkte die Erinnerungen hervorrufen, gewisse Situationen, Orte, Gegenstände.... Und wenn dann vielleicht auch zwangsläufig die Erinnerungen an den Tod hervorgerufen werden, wird das denke ich, auch immer mit ein wenig Wehmut und vielleicht Sehnsucht, verbunden sein.

Was man nie vergessen darf: Nur die allerunglücklichsten und einsamsten Menschen, die niemanden haben der ihnen nahe steht, bleiben von solchen Ereignissen verschont. Und mit denen will man tendenziell nicht tauschen. Fast jeder Mensch hat andere Menschen die ihm wichtig sind, in den meisten Fällen gehören da die Eltern dazu und ich denke jeder, der nicht vorher schon stirbt, wird in die Situation kommen Verluste zu erleiden. Sie holen uns auch eine Spur weit in die Realität zurück denn wann immer man sich vielleicht früher oft über Kleinigkeiten tierisch aufgeregt hat, zeigen einem gewisse Erfahrungen, wie banal und irrelevant eigentlich die meisten Dinge sind über die man sich ärgert.

Jeder geht aus so einer Situation mit dieser Erfahrung heraus, und ich denke jeden Menschen, verändert so etwas irgendwo.


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13.10.2017 um 11:55
@Cptn.Wankalot

Danke für deinen Text. Es freut mich zu hören, dass du mittlerweile auch wieder die Kraft zu lachen hast. Was ich ganz interessant fand, waren deine Ausführungen zum Thema "sich ärgern". Bei mir war es tatsächlich so, dass ich mich anfangs über nichts mehr geärgert habe. Kein Grund, über den ich mich sonst erbost hätte, stand in irgendeiner Relation zu dem Verlust, den ich erfahren musste.
Mittlerweile ist es tatsächlich wieder so, dass ich mich auch z.B. auf der Autobahn über andere Autofahrer aufregen kann, oder auch über Kollegen. Ich denke, dass das in der Tat ein recht guter Indikator dafür ist, dass es für einen selbst wieder bergauf geht.

Ich kann mich mittlerweile ab und an auch damit trösten, indem ich mir vorstelle, wie meine Mutter zu diversen Situationen gedacht bzw. gestanden hätte. Dieses Gespräch läuft dann in einem inneren Dialog mit mir selbst ab und ich kann sie dann hören, wie sie ihre Meinung sagt. Wenn es aber um Themen geht, in denen ich mit ihr uneinig war, kommt wieder ein bisschen die Traurigkeit mit Selbstvorwürfen, dass ich doch ggf. in mancher Hinsicht nicht so stur oder uneinsichtig hätte sein sollen.

Na ja, heute ist wieder ein recht guter Tag. Wie du schon sagst, es kommt immer auf die Person selber an, wie man mit der eigenen Trauer "Fortschritte" macht. Mein Mann sagte letztens zu mir, dass ich es ganz gut mache. Ich versuche mittlerweile, meine Zusammenbrüche so zu steuern, dass es mein Umfeld nicht zwangsläufig mitbekommt. Es ist eben mein eigener Kampf, den ich kämpfen muss. Und mittlerweile denke ich, dass es meinem Mann und meinen Freunden besser geht, wenn sie nicht immer dabei sind, wenn es mir nicht so gut geht. Klar, das klappt nicht immer so, aber ich habe ein "besseres" Gefühl dabei.
Cptn.Wankalot schrieb:Seit ich diese schwere Zeit erlebt habe, vergesse ich nicht mehr, habe ich das Gefühl. Ich habe sämtliche Erinnerungen an meine Kindheit vor mir und rufe sie immer wieder ab, ich denke viel mehr nach, spule Filme in meinem Kopf ab von Dingen die ich einst erlebt habe, und habe irgendwo "Fernweh", das nicht geografisch sondern zeitlich definiert ist. Wie wir alle wissen ist es nicht möglich in eine Zeitmaschine zu steigen oder die Zeit zurück zu drehen, aber das sind die Dinge die bei mir wirklich noch allgegenwärtig sind. Diese Gedanken.... Gerne zu bestimmten Zeitpunkten zurückzukehren. Bei manchen, weil man unglaubliches Glück verspürt hat und das nochmal durchleben möchte, bei anderen weil man Dinge ungeschehen machen will.
Ist es dir nicht möglich, sich mit Leuten aus deiner Kindheit (Freunden, Verwandte etc.) zu treffen und über alte Zeiten zu reden? Es ist doch normal, dass man irgendwann seinen eigenen Weg geht und sich dann auch manche Menschen verabschieden. Das war bei mir genauso. Ich habe recht jung geheiratet. An unserer Hochzeit waren noch einmal alle Freunde und Verwandte aus meiner Jugend und danach hat sich das meiste zerschlagen. Nach ein paar Jahren habe ich (dank Facebook und Co.) wieder Kontakt zu einigen aufgenommen und bei ein paar ist die alte Freundschaft wieder aufgeblüht. Als wir uns das erste Mal nach langer Zeit wieder getroffen haben, war es, als sei gerade mal ein Tag vergangen. Die Gespräche waren wie früher, wir haben viel gelacht, aber auch ernste Themen besprechen können. Bis heute bestehen diese Kontakte und ich bin froh, dass wir uns - wenn auch nur einige wenige Male im Jahr - regelmäßig treffen.
Vielleicht wäre das auch etwas für dich? Es ist ja dann eine Art Zeitreise, die du zusammen mit den Begleitern aus deiner Kindheit und Jugend antrittst.
Cptn.Wankalot schrieb:(von sehr sehr positiv, bis sehr sehr negativ, ich habe leider in meiner Jugend und im jungen Erwachsenenalter sehr viele Fehler gemacht. Unverzeihliche wie ich finde. Das war einerseits der Grund, warum ich einen Cut gemacht habe, andererseits der Grund für meine Schuldgefühle)
Beschränken sich diese Fehler ausschließlich auf deine dir nahestehende Person, die letztes Jahr verstorben ist?
Fehler macht jeder Mensch. Auch wenn du für dich denkst, dass diese Fehler unverzeihlich sind, so lohnt es sich doch, auch hier ggf. wieder Kontakt zu diesen Menschen aufzunehmen - vorausgesetzt sie sind irgendwie greifbar. Mir ging es ähnlich. Und zu einigen Leuten, bei denen ich früher echt Mist gebaut habe, habe ich mittlerweile einen guten Kontakt. Wenn man dazu in der Lage ist, zu diesen Fehlern zu stehen und sich aufrichtig zu entschuldigen, kann man gewiss sein, dass einem ein ums andre Mal auch herzlich verziehen wird.


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

19.11.2018 um 19:27
Ich und mein Feldspaten aber auch wieder... Ich buddele wohl öfters wieder was aus, wurde mir schon einige Male nachgetragen... ;)

@Cptn.Wankalot
Nun, seit deiner Eröffnung sind mittlerweile 2 Jahre vergangen. Und ich hoffe doch sehr, dass du in dieser Zeit etwas Ruhe gefunden hast.

Generelle Ratschläge gibts da kaum, vieles ist individuell und hängt von jedem selbst ab. Zudem man sich diesem auch erst öffnen muss.

Mir persönlich hat jedenfalls Schreiben geholfen. Auch wenn es doof klingen mag. Aber so konnte ich die Sizuation als auch mich relativ gut reflektieren.

LG
Eye


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

20.11.2018 um 10:28
Drüber reden bzw. schreiben hilft im Regelfalle meistens, den Schmerz zu lindern.
Ich habe allerdings meist sehr schnell wieder den Blick nach vorne gerichtet, ohne dabei die verlorene Person aus meinen Erinnerungen zu löschen.


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

21.11.2018 um 17:53
Doors schrieb:Drüber reden bzw. schreiben hilft im Regelfalle meistens, den Schmerz zu lindern.
Stimmt. Kann ich bestätigen. Aber es fällt auch etwas unter "aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Man muss die Realität im Auge behalten.
Doors schrieb:Ich habe allerdings meist sehr schnell wieder den Blick nach vorne gerichtet, ohne dabei die verlorene Person aus meinen Erinnerungen zu löschen.
Jep, eben die Realität im Auge behalten. Und weitermachen. Das ist eben der Spagat bzw. der Mittelweg. Jeder muss das passende Gleichgewicht für sich selbst finden. Universalrezepte gibts eher selten.


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

21.11.2018 um 19:09
Schreiben und reden, reden, reden das half bei mir obwohl der Schmerz nicht endet bzw. immer noch nicht.
Ich hab nach dem Tod meiner großTante den Schmerz einfach verdrängt und es war so falsch im Nachhinein, ich konnte nicht trauern aus Angst vor dem Schmerz.
Dem man sich aber stellen sollte :/


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

22.11.2018 um 13:20
Nach dem Tod meiner ersten Frau im Libanon 1982 hatte ich eigentlich gar keine Zeit zum Trauern. Wenn die Familienernährerin von heute auf morgen weg ist, man ein kleines Kind hat, keinen gut bezahlten Job - und jede Menge Ärger mit Behörden, Justiz, Versicherungen - dann ist der Kopf so voll, dass nicht mal mehr Platz für Tränen darin ist.


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

02.12.2018 um 20:07
Hirschkuh schrieb am 21.11.2018:Dem man sich aber stellen sollte :/
Man kann eine Weile weglaufen, aber es holt einen immer wieder ein.
Doors schrieb am 22.11.2018:Nach dem Tod meiner ersten Frau im Libanon 1982 hatte ich eigentlich gar keine Zeit zum Trauern. Wenn die Familienernährerin von heute auf morgen weg ist, man ein kleines Kind hat, keinen gut bezahlten Job - und jede Menge Ärger mit Behörden, Justiz, Versicherungen - dann ist der Kopf so voll, dass nicht mal mehr Platz für Tränen darin ist.
Ganz so krass war es bei mir nicht. Zum Glück. Aber ähnlich.
Ich denke mal, die Verantwortung für meine Jungs hatte mich zu dem Zeitpunkt ganz gut geerdet. Was durchaus auch ganz gut war.


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Trauerbewältigung: Erfahrungsberichte, Ratschläge

04.12.2018 um 10:06
@PrivateEye

Wer Kinder hat, wird immer den Blick nach vorne richten (müssen).


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04.12.2018 um 19:31
@Doors
Das ist auch gut so. Etwas zu tun haben und natürlich auch ein Ziel, lenkt ab. Wobei ablenken ja nicht gleich vergessen sein soll. Aber es kann es eben einfacher machen damit zu leben. Den Punkt muss man allerdings auch erst einmal erreichen.

Und man muss es auch erstmal akzeptieren. Besonders wenn man denjenigen erstmal oder gar nicht mehr sehen kann. Dann ist es einfach unwirklich, nicht real. Man könnte sich das beinahe einreden. Und sich vom Wunschdenken verführen lassen. Es braucht eben manchmal eine Weile, bis es "ankommt".


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