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Bewaffneter Kunde

97 Beiträge, Schlüsselwörter: Arbeit

Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 18:20
So, bin wieder da und versuche mal, so gut es geht zu antworten.

@ahri nein, ich habe keine psychiatrische Fachausbildung, habe aber mehrere Jahre in der stationären Psychiatrie gearbeitet, u. a. auch auf der geschützten.
Was mir das einschätzen der Lage persönlich ein wenig schwer macht ist natürlich, dass ich bisher nicht bei dieser Kundin eingesetzt war.
Tatsächlich gab es aber schon mehrere Beschwerden wegen verbalen Übergriffen durch den Sohn und das war (vor meiner Zeit) auch schon Thema einer Dienstbesprechung.
Da das bisher dort eingesetzte Personal aber leider hauptsächlich aus Altenpflegern und nicht examierten Kollegen besteht die z. B. noch nie etwas von patientenzentrierter Gesprächsführung, Validation oder Deeskalation gehört haben (ich musste letztens echt erklären, was agitiert bedeutet) ist deren Beschreibung des Sohnes und der Vorfälle sehr unscharf.



@sarevok das ist kein alter Mann.
Außerdem ist dieses Gewehr erst vor einer Woche unter dem Pflegebett seiner Mutter aufgetaucht, wohl so platziert, dass es von den Kollegen nicht übersehen werden konnte.
Dem voraus gegangen sind mehrere Monate in denen er sich den Kollegen gegenüber nach und nach verbal immer distanzloser verhalten hat.
Auf das Schreiben unserer Chefin, er möge die Waffe wegtun, hat er sich weder gemeldet um ggf. klar zu stellen, dass es keine echte Waffe ist (was wir nicht wissen) noch hat er sie unter dem Bett weg genommen.
Das wirkt auf mich tatsächlich wie eine nicht ausgesprochene, latente Drohung.
Und sei es nur, weil es ihn in seinen Augen in irgendeiner Weise aufwertet.

Ich war vorhin bei der Polizei und habe mich anonym beraten lassen.
Der Beamte hat mir einen guten Vorschlag gemacht, den ich umsetzen werde.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 18:36
@grätchen
Gut, dass du bei der Polizei warst und dich beraten lassen hast! Das ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber nun.. und ich glaube, ich spreche da für die Mehrheit der Leute hier im Thread.. wollen wir wissen, was genau der Polizist dir geraten hat. :D


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 18:49
@Ciela ein anonymer Brief 🤷🏻‍♀️

Der Beamte war im Gespräch wirklich sehr zugewandt und hat meine Problematik verstanden. Er hat ein wenig hin und her überlegt, wie es am machbarsten wäre.
Im übrigen meinte er nach meiner Schilderung auch noch, dass bei diesem Mann (vorausgesetzt 1. es ist eine funktionsfähige Waffe und 2. Er hat überhaupt einen Waffenschein) ggf. zu überprüfen wäre, ob er überhaupt noch "geeignet" wäre, eine Waffe zu besitzen.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 18:58
@grätchen

Welchen Beruf hat denn dein Chef?

Gut, dass du das lösen konntest!


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 19:01
@ahri
ahri schrieb:Welchen Beruf hat denn dein Chef?
Es sind zwei, beide Krankenschwester mit Zusatzqualifikation PDL.
Warum?


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 19:04
@grätchen

Eigentlich nur aus Interesse :D
Bist du da die Einzige, mit tiefergehendem psychischen KnowHow? Könntest ansonsten ja vll auch vorschlagen, wichtige Grundlagen an andere Mitarbeiter zu vermitteln oder so.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 19:34
@grätchen

Gehe mal davon aus, dass du dem Polizeibeamten den Namen und die Adresse des Mannes mit geteilst hast bzw. er danach gefragt hat und seine Notizen gemacht hat. Ansonsten würde das ja nichts bringen.
grätchen schrieb:Im übrigen meinte er nach meiner Schilderung auch noch, dass bei diesem Mann (vorausgesetzt 1. es ist eine funktionsfähige Waffe und 2. Er hat überhaupt einen Waffenschein) ggf. zu überprüfen wäre, ob er überhaupt noch "geeignet" wäre, eine Waffe zu besitzen.
Eine Überprüfung des Mannes durch die Polizei setzt mm eine Anzeige voraus, die du wohl nicht gemacht hast, weil du dich anonym hast beraten lassen. Das bringst nichts.

Denke, wenn du mit diesem Kerl nichts zu tun hast, sollte dich das nicht so stören, eher doch die Kollegen, die mit ihm zu tun haben. Finde allerdings die Fürsorge für deinen Kollegen sehr nett.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 19:39
@ahri ja, ich bin die einzige.
Allerdings steige ich durch die Teamstruktur noch nicht so ganz durch, auf jeden Fall gibt's da drei recht persönlichkeitsakzentuierte Kollegen, vor denen der Rest sich wegduckt.
Ich halte mich da noch bedeckt, nur die eine, die mich schon angetestet hat 😉 habe ich vor anwesenden Kollegen in ein klärendes und ergebnissoffenes Gespräch verwickelt (anstatt zurück zu brüllen). Die war damit völlig überfordert 😁


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 19:48
@AgathaChristo
Nein, Namen und Anschrift habe ich nicht angegeben, das war jetzt nicht relevant.
Der Beamte sagte explizit, ich solle den Sachverhalt per anonymen Brief bei Ihnen einschicken (dann natürlich mit Name und Anschrift des Mannes), sie würden das dann überprüfen (weil sie anonymen Hinweisen nachgehen müssen und wenn es um Waffen geht, müssten sie sogar recht rasch reagieren).

Und natürlich hatte ich mit diesem Mann noch nichts zu tun, es kann aber täglich der Fall sein, dass ich dort eingeplant werde. Die Zusammenstellung der Touren variiert jeden Tag.
Und selbst wenn ich nie dorthin muss aber einer Kollegin etwas zustößt, weil alle weggeschaut und geschwiegen haben, könnte ich es niemals mit meinem Gewissen vereinbaren.
Die Kollegen, die dort hin müssen, sind stark beunruhigt bis ängstlich.
Die Hemmungen, sich unserer Leitung gegenüber für ihre eigene Sicherheit einzusetzen, sind aber leider stärker.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 21:02
Ach ja @ahri ich gehöre auch nicht zu den ängstlichen, bin auch schon mehrfach in Situationen gegangen, die heikel waren und wofür nicht jeder Kollege Verständnis hatte.
Aber wenn ich einen Patient gut einschätzen kann, nutze ich das im Notfall doch auch, allein schon deshalb, damit nicht noch was schlimmeres passiert.

Ich bin z. B. mal in ein Patientenzimmer gegangen, während der Bewohnen da drinnen das Mobiliar zertrümmert hat.
Der hat einfach heftig auf eine medikamentöse Neueinstellung reagiert und ist vorher massiv von einem Mitpatienten genervt worden.
Aber anstatt auf die nervende Person los zu gehen (sein altes Muster) hat er Schrank, Tisch und Stuhl zerlegt.
Die Kollegen wollten den direkt fixieren, was ein Rückschritt um viele Wochen gewesen wäre. Der Dienstarzt war neu und unerfahren.
Ich habe die Kollegen gebeten, für den Fall, das ich mich verschätzt haben sollte, vor der Tür zu warten und bin dann rein.
Habe dem Patient, als er mich dann richtig zur Kenntnis nahm, gesagt, dass ich mich freue, dass er nicht auf den anderen losgegangen ist. Das auf Station jetzt gerade aber alle Angst haben.
Es ging natürlich verbal noch etwas hin und her, er erlaubte mir aber, daß ich mich auf sein Bett setze und damit hatte ich schon etwas bei ihm erreicht, was wenige Wochen vorher undenkbar gewesen wäre.
So ging sein Wutanfall ohne Polizeieinsatz (die wir manchmal zur Unterstützung gerufen haben, wenns zu brenzlig wurde), ohne Fixierung oder andere Sanktionen aus.
Ist schon eine sehr spannende Arbeit!


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 21:09
@grätchen

Spannend ist das auf jeden Fall! Ich mach die Arbeit auch wirklich gern und betreu die meisten meiner Klienten jetzt ca. 1 1/2 Jahre und kann das dementsprechend auch gut einschätzen und bin dann auch offen für fordernde Situationen, auch wenn es ne Weile gedauert hat, in eskalierenden Momenten ruhig bleiben zu können.

Viele meiner Bekannten haben da auch schon Sorge geäußert, was ich ja durchaus verstehen kann. Aber wenn man gut in die Beziehungsarbeit investiert hat, bekommt man die Leute echt gut wieder runter.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 21:36
Unter bestimmten Umständen, d.h. als Jäger, Förster oder Sportschütze darf man ganz legal Gewehre in Deutschland besitzen und zu Hause aufbewahren.
Der Bedarf muss gegeben sein, bedeutet jemand muss aktiver Sportschütze, Jäger oder Förster sein. ,,Zur Verteidigung", ist kein legitimer Grund. Es müssen verschiedene Lehrgänge und Prüfungen erfolgreich absolviert worden sein, es müssen behördliche Genehmigungen vorliegen.

Die Gewehre müssen zudem sicher aufbewahrt werden, also in dafür vorgesehenen Waffenschränken bzw. Tresoren. Die Sicherheitsklasse muss den Vorgaben entsprechen. Getrennt von der Munition sind die Waffen aufzubewahren. Selbstverständlich sind die Waffen ungeladen aufzubewahren und sie müssen gesichert sein.

Damit fällt ,,zur Verteidigung" schon mal in den meisten Fällen weg, da man bei akuter Bedrängnis kaum die Gelegenheit hat, erstmal ruhig seinen Waffenschrank und das Munitionslager aufzusperren und zu laden.

Wie dem auch sei: auch legale Gewehre dürfen NICHT einfach so bei Mutti unter'm Bett liegen! Das ist ein klarer Verstoß gegen die gesetzlichen Vorgaben.
Da Kontrollen extrem selten sind (Personalmangel, wie üblich) ist es allerdings echt unwahrscheinlich, dass man erwischt wird. Es sei denn, eine Prüfung erfolgt auf einen Hinweis...

Blöderweise können Softairwaffen erstaunlich naturgetreu aussehen und sind für den Laien nicht einfach zu erkennen.

Allerdings sehe ich hier durchaus das Gefühl der Bedrohung begründet - ein aggressiver Typ, der scheinbar eine Schusswaffe griffbereit hat? Da würde ich auch nicht hingehen. Klare Sache für mich: Arbeit verweigern, bis die Schusswaffe nachweislich gesichert ist, im Zweifelsfall Behörden informieren.

Weiss man ja nicht, ob das ein Bekloppter ist, der schließlich mal zur Waffe greift, weil ihn die Pflegerin nervt oder angeblich seiner Mutter nicht mit genug Respekt begegnet.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 21:48
@sarevok

Woher soll man als Fremder wissen, dass Oppa nur noch so zum Spaß die Flinte rumliegen hat?
Vorsicht ist in solchen Zusammenhängen ein guter Ratschlag. Gibt genug Spinner, denen bei einem falschen Wort die Sicherung durchknallt und die dann zu tödlicher Gewalt greifen.
Nicht umsonst sind Besitz und Nutzung von Schusswaffen streng reglementiert in Deutschland. Auch und gerade als Sportschütze, Jäger oder Förster sollte einem dran gelegen sein, dass nicht jeder X-Beliebige auf gut Glück Schusswaffen zur Verfügung hat.

Davon abgesehen: lesen hilft.
Steht ganz vorne, dass der Betreffende schon durch aggressives Verhalten aufgefallen ist und nun auf einmal eine mögliche Schusswaffe ,,sichtbar versteckt" auftaucht. Das hat sicher nichts mit jemandem zu tun, der nur mal ein schönes, altes Erbstück präsentieren will, das ganz harmlos ist.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 21:58
sarevok schrieb:mein großvater hatte sein leben lang seine alte flinte an der wand hängen er hatte auch freunde die beim staat arbeiteten keiner davon hat sich daran jemals gestört
Für Waffen gelten ganz klare Regelungen. Selbst wenn er eine Genehmigung in Forme einer Waffenbesitzkarte hätte, müsste er die Waffe in einem A,B oder 0 Schrank verwahren.
Da kann Opi froh sein, dass ihm keiner an den Karren gefahren ist.


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Bewaffneter Kunde

21.01.2019 um 23:38
@Kc

da hast du natürlich recht

musste nur direkt an meinen opa denken

und der hat keiner seele was zu leide getan


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Bewaffneter Kunde

22.01.2019 um 10:13
grätchen schrieb:Wäret Ihr in der Situation, in der meine Kolleginnen und ich sind, würdet Ihr dort (also in dem beschriebenen Haushalt) arbeiten?
Wie wäre es mit dem Naheliegendsten: Kleiner Tipp an die lokale Polizeidienststelle.


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Bewaffneter Kunde

22.01.2019 um 12:58
Ich würde mal bei der Polizei nachfragen.
Hat er überhaupt einen Waffenschein. Oder ist das nur ein Luftgewehr.
Würde dort trotzdem arbeiten gehen.


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Bewaffneter Kunde

22.01.2019 um 18:07
@Doors
Sei ehrlich, Du hast nur den EP gelesen, oder?
So weit
Doors schrieb:Wie wäre es mit dem Naheliegendsten: Kleiner Tipp an die lokale Polizeidienststelle.
waren wir hier gestern schon.
Aber trotzdem danke für Deine Antwort!

Im übrigen möchte ich mich auch bei den anderen bedanken, die mir hier gestern geholfen haben, den richtigen Weg zu finden. Es waren wirklich einige sehr gute Antworten dabei!

Manchmal steht man einfach zu dicht vor einem Problem, als dass man die Lösung sehen könnte. Da kann es sehr hilfreich sein, andere um ihre Meinung zu bitten.
Das hat hier gestern wunderbar funktioniert. Danke!


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22.01.2019 um 18:20
Softairwaffen sind sogenannte Anscheinswaffen und in einem verschlossenen Schrank oder ähnlichem zu lagern.


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22.01.2019 um 19:02
@draliker
Ja, das
draliker schrieb:Softairwaffen sind sogenannte Anscheinswaffen und in einem verschlossenen Schrank oder ähnlichem zu lagern.
weiß ich. Das war auch nicht mein Problem, sondern
grätchen schrieb: ist dieses Gewehr erst vor einer Woche unter dem Pflegebett seiner Mutter aufgetaucht, wohl so platziert, dass es von den Kollegen nicht übersehen werden konnte.
Dem voraus gegangen sind mehrere Monate in denen er sich den Kollegen gegenüber nach und nach verbal immer distanzloser verhalten hat.
Auf das Schreiben unserer Chefin, er möge die Waffe wegtun, hat er sich weder gemeldet um ggf. klar zu stellen, dass es keine echte Waffe ist (was wir nicht wissen) noch hat er sie unter dem Bett weg genommen.
Das wirkt auf mich tatsächlich wie eine nicht ausgesprochene, latente Drohung.
Und sei es nur, weil es ihn in seinen Augen in irgendeiner Weise aufwertet.
Dieses hier.
Mir ist es im Prinzip egal, wer wie viele Waffen im Haus hat, aber dass dieses Gewehr scheinbar so demonstrativ platziert wurde macht mir Sorgen.


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