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Familienbande: Netz oder Fesseln?

Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 15:58
Familie kann man sich bekanntlich nicht aussuchen. Familie ist auch nicht zwingend etwas, woran man sich gerne erinnert.
Eine liebe Forums-Freundin fragte mich neulich mal nach meiner Kindheit, über die ich nur ausweichend Auskunft geben würde. Kürzlich sprach ich mit meinen Kindern über Geschwister und Familie. Ich denke, dass man über seine Herkunft, über das, was einen in Kindheit und Jugend geprägt hat, ruhig häufiger nachdenken sollte, auch wenn die Erinnerungen manchmal schmerzen. Ich denke mir, dass sei eigentlich auch ein gutes Thema für diese Rubrik.
Vor vielen Jahren habe ich, eitel wie ich bin, eine Autobiografie begonnen. In erster Linie für meine Kinder, nicht für die große Leserschaft. Stark gekürzte Auszüge folgen, also nicht wundern, wenn es zu literarisch wirkt.

Ich wurde 1954 in Hamburg-St.Pauli geboren. Mein Vater war Werftarbeiter, meine Mutter ging putzen, arbeitete in einer Fischkonservenfabrik, als Näherin, als Verkäuferin.
Mein Vater hatte, wie viele Kriegsteilnehmer, den Traum vom Häuschen im Grünen. Daraus ist nie etwas geworden: Krieg, Gefangenschaft, Wiederaufbau, Werftensterben, Arbeitslosigkeit, Alkohol, Krebs. Zu viele Gründe, warum ein Lebenstraum nicht Wirklichkeit werden konnte.
Ich hatte drei Geschwister: Knut, Jahrgang 1948, Heidemarie, 1950, Sonja, 1959.
Wir lebten in „kleinen Verhältnissen“ wie man damals sagte: Etagenwohnung, Ofenheizung, Eineinhalb Zimmer, Küche, Klo auf halber Treppe, Bad blieb ein Traum.
Abends wurde der Esstisch mit einem Flaschenzug unter die Küchendecke gehievt und wir vier teilten uns anfangs zwei durchgelegene Matratzen auf dem Boden. Erst später bekamen wir eine größere Wohnung, die beiden Mädchen und die beiden Jungs jeweils gemeinsam eine kleine Kammer, groß genug für die Betten und einen Kleiderschrank. Gebadet wurde Samstags in der Zinkwanne. Erst die Mädchen, dann die Jungs.
Es gab keinen Fernseher, kein Telefon, kein Auto. Ein Radio war meine Verbindung zur Welt, Quell von Inspiration und Sehnsüchten.
An meinen großen Bruder erinnere ich mich mit einer Mischung aus Bewunderung, Angst und Abscheu. Er war groß, stark und unberechenbar. Er schlug uns, belästigte uns sexuell – aber er war auch jemand, mit dem wir anderen drohen konnten.
Heide war ein Mutterersatz für mich und Sonja. Sie las uns kleinen vor, sang für uns, wir durften uns an sie kuscheln, sie tröstete uns, wenn Vater und Mutter auf Schicht waren oder uns geschlagen hatten. Dafür bekam sie von Sonja und mir Zuckerwürfel, Kekse, Brausepulver, Dauerlutscher, die wir uns von unseren kärglichen Rationen absparten. Sie wurde fett und bekam schlechte Zähne.
Sonja war die kleinste, die ich zu beschützen hatte. Sie war so schön, so neugierig, so klug und flink, liebenswürdig zu jedem.
Wir vier waren die Hafenratten, wie uns unser Vater nannte. Wir waren gierig, bissig, ausgehungert, mutig, listig und gemein. Wenn wir etwas zum Haushalt beitragen konnten, haben wir es genommen. Auf dem Fischmarkt fiel Gemüse und Wurst vom Tisch, in der Speicherstadt waren Türen oder LKW-Planen nicht fest genug zu. Wir versuchten, den Nutten morgens die Handtaschen zu klauen, wir räumten Besoffene aus oder gingen hinterm Bismarck 175er ticken. Wir waren dreckig. Innen wie außen. Zerrissene Klamotten, zerrissene Seelen. Wir haben gestohlen, gelogen, geprügelt – und wurden geprügelt, mit der Hand, dem Gürtel, dem Kochlöffel, dem Teppichklopfer.
Knut war der Hauer, die dicke Heide die Vernünftige, ich der Träumer und Sonja die Plietsche, wie der Hamburger kluge Mitmenschen nennt.
Was ist aus uns geworden?
Knut hat eine Maurerlehre gemacht. In seiner Freizeit trieb er sich mit Leuten herum, die man damals als „Rocker“ bezeichnete. Leder, Bier, Fahrradketten. Dann kam ein Dezembertag 1970. Weihnachtsfeier, Glatteis, zuviel Alkohol und zuviel Tempo. Sein NSU, auf den er so stolz war, rutschte mit ihm unter einen querstehenden Sattelauflieger. Es gab damals keinen Unterfahrschutz. Nur mein relativ abgebrühter Vater hat ihn noch einmal sehen dürfen, bevor sie den Deckel zuschraubten. Mutter hätte das nicht überstanden.
Danach war absolut nichts mehr wie vorher. Es war unerträglich und führte dazu, dass ich von zu Hause abhaute, die Schule hinschmiss. Der Kronprinz, der eigentlich ein Tyrann war, war tot. Die elterlichen Hoffnungen auf den „einzigen, der es von dieser Bande noch zu etwas bringen wird“ waren unter einem LKW zerquetscht worden. Wir Geschwister, Opfer seiner Tyrannei, atmeten befreit auf, so hart es klingen mag.
Heidemarie, schon vorher eine tragische Gestalt, wurde nun die neue Hoffnungsträgerin. Eine Rolle, die sie völlig überforderte. Ich erinnere mich, wie sie, Friseurlehrling, sich Samstag abends in der Küche mit Hilfe von Freundinnen und geklauter Kosmetika aufbrezelte, bevor sie loszog, um in „Beatschuppen“ den Mann ihrer Träume zu finden. 80 Kilogramm Frustration im knappen Pulli und kurzem Mini. Entschlossen: „Heute wird es klappen!“ Wenn sie zurückkam, konnte ich sie heulen hören. Wieder kein Märchenprinz mit weißem Pferd – oder wenigstens VW-Porsche. Sie wollte raus und suchte verzweifelt jemanden, der sie von ihren Fesseln befreite, statt es selbst zu probieren. Sie passte sich an, fraß den Frust in sich hinein und der Frust fraß sie von innen auf.
Heute tuscheln meine Kinder „Moby Dick“, wenn sie von Tante Heide sprechen: Fett, bleich, haarlos und krank: Diabetes, offene Beine, Bluthochdruck, Atemnot. Keine Chance mehr zum weglaufen. Sie lebt in einer süddeutschen Kleinstadt mit einem Ekelpaket von Mann, der sie nicht liebt und züchtet Hunde.
Sonja war unsere kleine Prinzessin, so zart, so klug, so schön. Sie hat als einzige von uns Abitur gemacht, wollte studieren. Sie wäre so gern etwas geworden und ich hätte es ihr so gegönnt. Die falschen Cliquen, die falschen Männer, die falschen Drogen. Zu viele Schläge, zu viele Freier, zu viele Rasierklingen für meine kleine Schwester. Therapieabbrüche, Depressionen, Anschaffen in Kaschemmen in St. Georg und zwischendurch immer wieder Ochsenzoll. Die klassische Drehtürpatientin. Viele Versprechungen, viele Katastrophen, jedes Treffen mit ihr wird zum Desaster.
Ich ging fort, wollte raus aus der Enge, zur See, die Welt sehen und verändern. Den Kopf voll von Conrad, Traven und Guevara. Nun ja, ich schaffte es nur bis zum Job im Hafen, in dubiose Politzirkel, in nutzlose Kriege und wirkungslose Zeitungen. Ich ging fort und ließ meine Schwestern im familiären und privaten Elend und Scheitern allein. Sie hatte Angst um mich, wenn ich auf Demos war, wenn ich aus Bürgerkriegen schrieb. Ich hätte eher Angst um sie haben sollen. Vor allem um meine kleine Sonny. Ich hätte sie beschützen sollen und habe es doch nicht getan. Dieses Versagen quält mich heute noch. Zu spät! Mein Weg führte, wie so oft, ohne Rücksicht über die Leichen anderer.
Heute bin ich scheinbar der Einzige, der die Familienhölle halbwegs unbeschadet überlebt hat. Ich bin der, der sich um unsere alte, demenzkranke Mutter kümmert. Obwohl gerade die dies am allerwenigsten von mir erwartet hätte.
So, danke für die Geduld.

Und, wie war/ist Eure Kindheit so. Erinnernswert im positiven oder negativen Sinne?


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 16:24
Das liest sich wie diese Anfangspassagen von Pseudobiografischen Werken ( in positiver Hinsicht, den es ist sehr athmosphärisch geschrieben) wie Stand by me oder Forrest Gump.

Echt toll, das Leben kann überraschende Wendungen aufweisen, und es ist auch interessant wie es reflektiert wird. Einzig etwas sehr "abgeschlossen" kommt mir es vor, aber du bist ja schon ein alter Knochen.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 16:29
Doors, das würde sich als Buch bestimmt gut verkaufen :D Ich würds lesen wollen :P...Total interessant irgendwie.


Meine Kindheit....naja^^ So bis 9,10 Jahren war bei mir so ziemlich "heile Welt", an die ich mich gern erinner :)
Ab da passierten dann zu viele schlechte Dinge auf einmal, von denen ich heute noch an manchen zu knabbern hab und an die ich mich nicht erinnern will, nach Möglichkeit.


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buddel
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 16:39
doors,
von dem, was ich bisher von deinem leben lesen durfte,
ist deine kindheit ja der langweiligste teil^^

buddel


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buddel
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 16:43
netz.
trotz allem, netz.
ich selbst hab eine mehr als lose bindung zum rest meiner lebenden verwandten
aber ich bin mir sicher
aufgefangen zu würden im falle der not

buddel


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DieSache
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 17:20
Bei meiner ist beides der Fall, Netz mit Fesseln, so ne Art Spinnennetz und ich bin´s Flieglein wo drin zappelt...sehr ambivalent mein Verhältnis zu meinem lebenden Stammbaumanhängsel *ggg*


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 17:29
@Doors
Oh vielen Dank, sehr intressant.

Ich hatte auch ein bisschen was zu knabbern, habe aber alles aufgearbeitet, denke bin heil rausgekommen, oder besser noch ich bin mittlerweile geheilt.^^

Es war nicht alles schlecht bei mir und manchesmal war ich einfach nur Kind.
Aber es waren auch bei mir einige Belastungen darin.
Mit knapp etwas über 2, landete ich einfach so bei meinen Großeltern, welche ich noch gar nicht kannte. Ich Begriff nur langsam im Laufe der nächsten Jahre, was ein Junkie und das meine Mutter im Gefängniss war.
Auch war meine Omi eine Kriegsgeschädigte. Mit schlimmen Symptomen, auch im psychischen. Schwerst Tablettensüchtig, Valium und das Ganze Programm.
So war sie einerseits sehr liebevoll, andererseits sehr grausam. Nicht nur zu mir, sondern zu Ihrer kompletten Umwelt. Wollte sich auch oft umbringen, sie war sehr krank und hatte auch Alle angesteckt.
Ach da passierte so einiges, aber ich habe es wie gesagt aufgearbeitet und will nicht zu sehr ins Detail.
Jedenfalls kam ich mit 11 zurück zur Mutter, welche aber noch schwer mit sich selbst beschäftigt war. Und es gab andere Probleme. Da hängt ebenfalls einiges dran.^^
Zuviel, als das ich damals wirklich glücklich gewesen wäre.
Aber vorher schon, bei meinen Großeltern war mir eins immer klar.
Ich wusste genau, das wenn ich groß bin, das mir dann keiner mehr was kann.
Das alles gut sein wird.
Ich hab oft davon geträumt wie es wäre, wenn das Jahr 2000 anbricht.
Wer ich dann bin. Wie ich lebe. usw. Meine Wünsche waren klein und bescheiden, ich konnte sie fast alle verwirklichen, habe nun schon ein Weilchen neue Ziele.
Das Jahr 2000 jedenfalls, das war ein mächtiger Befreiungsschlag, soviel sei gesagt.
Und es gab ein Happy End. Für Alle, ausser für meine Oma.

So gibt es nur eine einzige Sache, welche ich als Kind vorstellte, aber noch nicht habe! Eine rot-weiss-karierte Tischdecke. Lol, aber die spare ich mir noch für einen speziellen Augenblick auf. :D


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DieSache
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 17:51
Muss mal schauen wo ich all die Versuche hinhab mein Leben mal zu Papier zu bringen, ansonsten werd ich mal die Mühe in angriff nehmen zumindest stichwortartig ne art Kurzvita zu fassen...sind viele Dinge dabei an die ich mich nur schwer komplett erinnern kann weil ich sie viel zu lange viel zu stark verdrängt hatte aufgearbeitet ist das alles noch nicht !


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 18:04
Meine Kindheit war meinen Erinnerungen nach sehr schön. Ich habe 2 Schwestern, die sehr viel älter als ich sind. Die eine ist 9 Jahre älter, die andere 15 Jahre älter. Also: Meine Eltern waren bei meiner Geburt nicht mehr die Frischesten! ;-)
Allerdings gab es Probleme in Jugend und Pubertät. Als Tochter eines Polizisten und einer Hausfrau (spiessiger geht´s kaum...) durfte ich nicht allzuviel. Immer mit dem Argument "Willst du etwa, dass Dich Papa´s Kollegen aus der Disco/Kneipe abholen??? Du bist noch keine 18!" War ihnen immer peinlich. Als ich dann mit 15 anfing mich der Gothic-Szene zuzuwenden (uns DAS in ner Kleinstadt, ui ui ui...), mir die Ohren und Nase durchlöcherte, wo Platz war und dann noch von einem Tattoo träumte, war alles aus. Ich war das "schwarze Schaf" (passt ja...hi hi!) der Familie und meine Eltern fragten sich, was sie denn falsch gemacht hätten. Ach so: Ich muss wohl noch dazu sagen: Das alles war 1988, heute wär´s wahrscheinlich nicht so "schlimm" gewesen. Na ja, diese Phasen vergehen und ich bin dann ja doch noch ein halbwegs "normaler" Mensch geworden. (In den Augen meiner Eltern evtl. nicht ganz...) Ich muss mir heute noch anhören, wie schwer es mit mir war. Obwohl ich echt nie Mist gebaut habe. Ich habe nie gesoffen, Drogen genommen, geklaut, oder so...Habe ganz normal mit 16 eine Lehre angefangen und abgeschlossen und nie Probleme gemacht. Na ja, aber die Nachbarn...Ihr wisst schon... ;-)
Deswegen bin ich dann mit 18 auch sofort ausgezogen.
Na ja, ich zog mit 23 in eine andere Stadt (160km) von meinen Eltern weg, wegen der Liebe. Leider starb mein Verlobter nach 7 Jahren Beziehung an Leukämie. Ich bin wieder in meine Heimat zurückgekommen und bin mir nicht sicher, ob das die richtige Entscheidung war...
Da mir alle sagten, ich solle zurückkommen, ich wär´doch so alleine, hier hätte ich meine Schwestern, meine Eltern, meine Neffen...hab´ich´s dann getan.
Nun bin ich hier und fühle mich noch sehr viel einsamer. Irgendwie hat nämlich trotzdem keiner Zeit. Und ich fühle mich auch wieder ein wenig "unter der Fuchtel", weil meine Eltern mir finanziell unter die Arme greifen. Ich habe leider einen schlecht bezahlten job. Natürlich finde ich es toll, dass sie mich unterstützen, aber mit 33 ist einem das doch echt unangenehm!!!


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 18:07
Abschliessend kann ich dazu nur sagen: Natürlich ist es ein Segen seine Familie zu haben, aber man fühlt sich doch gelegentlich in Fesseln gelegt.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 18:26
Für mich war die Familie schon immer mehr Pflicht als Recht. Eine Zwangsgemeinschaft. Am deutlichsten war es, als ich angefangen hab mein erstes eigenes Geld zu verdienen. Dieses Geld war nicht mir, es war der Familie. Ich hab drei Geschwister, eine ältere Schwester, eine jüngere und einen küngeren Bruder. Wir gehörten nie zusammen, hatten unsere klaren Rollen, die, so wie ich meinte, uns unsere Eltern gegeben hatten. Meine ältere Schwester war eine Prinzessin, vielleicht weil sie die älteste war. Sie hatte keine bis kaum Pflichten, hat bekommen was immer sie wollten selbst dann wenn es eigentlich unmöglich war. Bei mir wusste man nie wo man dran war, ich konnte sowohl hilfreich als auch der größte Fluch sein, mein Bruder war das "Arschloch", dass immer an allem Schuld war und die kleine war nunmal die kleine, die immer zu klein war und von der nie etwas erwartet wurde.
Ich konnte meine Familie nie als Netz sehen weil sie nie eins war, sie war immer ein Gefängniss. Meine Eltern pflegten eine strenge Erziehung. Wir durften nicht raus auf die Straße, nicht weg vom Haus und schon garnicht wenn es dunkel wurde. Es gab kein Geld für Süßes oder Weihnachten o.ä. zu essen nur das nötigste. Die Zimmeraufteilung war vor und nach dem Umzug klar. Mein Bruder hatte ein eigenes Zimmer, meine Schwestern und ich teilten uns eins. Solange bis die große ein eigenes wollte und so wurde ein eingerichtet und der Schuldenberg begann sich aufzubauen. Meine Eltern haben sich oft gestritten - wegen uns. Meisten gab mein Vater meiner Mutter die Schuld für alles. Seine Erziehungsmethoden waren anders als ihre. Er handelte mehr, sie redete. Er schlug uns mut allem was grdae in greifbarer Nähe war und wurde oft laut. Er diskutierte nicht, er hatte immer recht. Ich hatte oft das Gefühl im wäre vieles egal. Er hatte nur an sicht und seine Ehre gedacht.
Seine Ehre schien im das wichtigste zu sein und wer diese Ehre in den Dreck zog wurde verachtet und auch dementsprechend behandelt.
Am meisten verfluchte ich immer die Tatsache, dass ich ihm ähnlich war. Ich hatte seine Sturheit, seine Gerissenheit, ich war ein genauso schlechter Verlierer wie er und ein genauso begeisteter Künstler...
Ich wollte niemals so werden wie er. Und ich wollte niemals so ein Leben führen wie meine Mutter. Das hatte ich ihr oft gesagt. Ich denke das hat sie verletzt...
Wir hatten einen Bauernhof aber davon weiß ich nicht mehr so viel, weil wir sehr bald umgezogen sind, in eine Wohnung die ich nurnoch als schön in Erinnerung habe und danach in ein kleines Haus, dass kleiner ist als die Wohnung es war.
Bis heute musste ich lernen mich ohne meine Familie durchschlagen, weil ich ihr Hilfe nicht wollte. Ich hab sie immer als eine Last empfunden, sie ist mir zu oft in den Rücken gefallen, ich wollte mich nur losreißen von diesen Fesseln und mein eigenes Leben führen, frei sein so wie ich es sonst nie konnte. Es war hart, meine Eltern hatten mich immer bevormundet, ich hab es nie nötig gehabt alleine zu planen und zu denken und hatte trotzdem immer eine eigene Meinung. Heute bin ich glücklicher und freier als damals und hab noch eine Menge vor. Die Zeit ist kurz, ich hab schon zuviel verschenkt, warum noch mehr verschwenden? Seit ich angefangen hab selbstständig zu werden bin ich auf der Suche nach dem Glück. Damit mein ich nicht den perfekten Mann fürs Leben, sondern einfach nur das Glück. Der Traum von einem Haus, einem Garten und einem erfüllten, sorgenfreien Leben...


Ohje das war zuviel glaub ich...naja egal wens nicht interessiert einfach übersehen.


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Maat
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 21:33
Mein Vater kam damals mit seinen beiden Brüdern und seiner Mutter aus der Nähe von Usedom hier her. Sein Vater kam zwar aus dem Krieg zurück, verließ die Mutter aber nachdem er zurück war. Sie haben sich aber nie scheiden lassen.
Meine Mutter kam mit ihrem Großvater aus der Nähe von Danzig über Umwege in unsere Stadt. Sie wurde 1942 unehelich geboren und ihre Mutter verstarb als meine Mutter 4 Jahre alt war.
Sie wuchs dann bei Ihrer Tante auf. Meine Eltern lebten im selben Mietshaus in den 50er Jahren.
Mein Bruder wurde geboren als meine Mutter 17 Jahre alt war. Mein Vater wurde in dem Jahr 22 Jahre alt. Meine Mutter arbeitete nach der Geburt meines Bruders weiter als Näherin. Mein Vater arbeitete als Glaser. Sie wohnten mit meinem Bruder bei der Mutter meines Vaters in einer kleinen 2 Zimmer Wohnung. Der Großvater meines Vaters lebte ebenfalls dort. Er schlief wohl zusammen mit meiner Oma in einem Ehebett, nur da wo einer den Kopf schlafen legte, legte der andere die Füße zur Ruhe.
Etwas später bekamen meine Eltern eine eigene kleine 2 Zimmer Wohnung und haben dafür den Hausmeisterposten mit übernommen. In dieser Wohnung kam ich zur Welt - 1962 - drei Jahre nach meinem Bruder. Meine Mutter hörte nach meiner Geburt auf zu arbeiten.
Meine Mutter war wohl froh und wollte damals auch so schnell wie möglich aus ihrer Umgebung heraus. Und damals war es ja meist so, daß man dies nur macht, wenn man heiratet.
Mein Vater trank früherdes öfteren und meine Mutter hat später Geschichten zum Besten gegeben, bei denen wir manchmal unheimlich lachen mußten. Aber diese Zeit war für sie meist alles andere als lustig und sie selbst hatte oft das Gefühl, daß sie es nicht mehr aushält. Sie fing dann irgendwann wieder an zu arbeiten, auch um das häusliche auch ein wenig hinter sich zu lassen.
Meine Mutter sagte, daß ich ihr einmal das Leben gerettet habe. Ich kann mich auch noch etwas daran erinnern. Mein Vater war wohl betrunken und wollte mit der Lehne der Couch auf meine Mutter einschlagen. Ich habe das mitbekommen und fing an zu schreien. Ich muß damals wohl so vier Jahre alt gewesen sein.
Uns Kindern hat mein Vater nie etwas getan. Er wurde nur ziemlich laut und polterig, wenn er etwas getrunken hatte. Und er war eifersüchtig, was meine Mutter dann wohl eher auszubaden hatte.
Eigentlich hatte ich aber eine schöne Kindheit. Wir waren viele Kinder in dem Haus, in dem wir später wohnten. Die meiste Zeit haben wir draußen verbracht. Meine Eltern waren nie sehr streng. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, daß meine Eltern mir als Jugendliche sagten, wann ich zu Hause sein müßte.
Mein Bruder war ein etwas schwierigerer Fall. Meine Eltern wußten sich irgendwann keinen anderen Rat und er kam für eine Weile in ein Haus für schwer erziehbare Jungen.
Mein Vater hörte, nachdem meine Mutter eine dritte Schwangerschaft abbrach und er auch irgendwann seinen Führerschein verlor, mit dem Trinken auf.
Eigentlich dachte ich als Erwachsene nicht mehr daran, aber einmal als mein Vater mal angetrunken von einer Feier nach Hause kam, überkam mich ein ganz komisches Gefühl und es erinnerte mich an meine Kindheit, wenn er betrunken war. Da wurden wohl alte und verdrängte Gefühle bei mir wieder hochgespült.
Als ich 14 war erfuhr ich einen sexuellen Übergriff durch meinen Bruder. Ich hatte danach ziemliche Angst mit ihm alleine zu sein. Meinen Eltern habe ich damals nie etwas davon gesagt. Erst viel später, nachdem ich wegen Mobbings selbst in psychiatrische Behandlung ging, habe ich es mal angesprochen und auch meiner Mutter erzählt. Mit meinem Bruder habe ich dann vor einigen Jahren auch kurz darüber gesprochen, bzw. ihm gesagt, daß ich es ihm nicht mehr übel nehme. Es war eigentlich mehr ein Herumdrucksen, als eine richtige Aussprache.
Jedenfalls hatte ich nach diesem Übergriff mehr das Gefühl, daß ich voller Ängste stecke. In der Schule blieb mir bei einem Referat vor der Klasse die Luft weg vor lauter Angst. Kann naürlich auch an der Lehrerin gelegen haben, die als Drachen verschrien war.
Mein Bruder ging, ich glaube er war erst 19 oder 20, nach Saudi-Arabien zum Arbeiten. Er ist gelernter Zimmerer. Danach war er in Libyen und wieder in Saudi.
Vielleicht war das von ihm ja auch eine Art Flucht. Ist jedenfalls gerade mein Gedankengang. Auf Drogen muß er auch irgendwann gekommen sein. Bis vor einigen Jahren hat er wohl noch gekokst.
Ich habe Anfang der 80er eine Ausbildung im Büro angefangen. In dem Betrieb fing dann Jahre später, durch welche Umstände auch immer, das Mobben an.
Ich bin heute mit 45 Jahren in Rente. Mein Bruder bekommt auch irgendwie nichts richtig gebacken. Gut er hat 2 Kinder und eine Lebensgefährtin, die hauptsächlich dafür sorgt, daß der Rubel rollt.
Meine Eltern sind und waren immer fleißig. Mein Bruder und ich sind wohl die Loser.
Liegt vielleicht auch daran, daß wir nicht sehr viel Selbstbewußtsein oder Stärke in unserer Familie vermittelt bekommen haben. Meine Eltern haben es wohl selbst nicht richtig vermittelt bekommen. Ich bin jedenfalls froh, daß ich meine Eltern noch habe und ich bin auch froh, daß ich einen Bruder, eine Schwägerin und Nichte und Neffen habe. Ich selbst habe keine Familie.
Ist alles vielleicht ein bißchen durcheineinder gewürfelt, aber das war mal mein Seelenstriptease.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 21:59
Vielleicht irre ich mich auch, oder es ist einfach nur lächerliches Wunschdenken, aber manchmal frage ich mich, ob unser Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn mein Vater den Arbeitsunfall nicht hatte.

Ich bin die Älteste von drei Kindern (habe einen Bruder und eine Schwester) und meine Mutter war zu jenem Zeitpunkt, an dem der Unfall geschah, mit mir schwanger.

Mein Vater lag drei Tage im Koma, er überlebte jedoch, allerdings blieben auch einige Schäden zurück.

Manchmal frage ich mich, ob dies auch Auswirkungen auf unser aller Leben hatte.

Mein Vater hatte sich vor seinem Unfall halbwegs gut mit unserem Nachbarn verstanden, doch danach hasste er ihn plötzlich und auch völlig grundlos.

Schon oft gab es deswegen zwischen meiner Mutter und meinen Vater Streit, da meine Mutter unseren Nachbarn auch verteidigt. Es läuft nichts zwischen den beiden und ich glaube auch nicht, dass mein Vater denkt, meine Mutter würde ihn betrügen - Gefühle, Zärtlichkeiten und dergleichen sind für ihn offenbar nicht wichtig.

(sorry, falls ich irgendwelche Fehler gemacht habe, habe mit meiner Tastatur zu kämpfen :/)


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 22:21
Ich wurde 1973 in der ehemaligen DDR geboren. Ich war ein Unfall und als socher wurde ich auch empfangen. meine Mutter war Alkoholikerin, mein Vater ein Schläger. Deshalb wuchs ich auch zum größten Teil bei meinen Großeltern auf, die versucht haben den größten Schaden von mir abzuwenden. Als ich vier Jahre alt war kam meine Schwester Peggy auf die Welt, sie war der Liebling meiner Eltern. Sie konnte sich anpassen und nahm alles ohne Worte hin. Ich war eher der rebellische Typ.Als ich fünf war, lernte ich meinen Trainer kennen und zum ersten mal hatte ich ein Ziel ich wollte erfolgreich reiten lernen. Ich hatte nur meine Pferde im Kopf, sie waren meine Kindheit. die Turniere waren eine gute möglichkeit zu Hause raus zu kommen. Mit 16 habe ich meinen Vater angezeigt nachdem er mich fast erschlagen hatte, er bekam 2 Jahre dafür und ich bin zu meinen Großeltern gezogen. Mit 18 hatte ich diesen Reitunfall und von einer Sekunde auf die ander war mein Leben nur noch ein Scherbenhaufen. meine Reiterkariere war zu ende, mein bester Freund war tod und ich war ein Jahr an den Rollstuhl gefesselt. danach kam en 2 Selbstmordversuche, die Magersucht und etliche Therapien.
Mit 21 bekam ich meinen Sohn Max und nach 2 Jahren trennte ich mich von seinem Vater, weil ich nicht wollte das mein kind so aufwächst wie ich es musste. ich ging noch mal zur Schule wurde Familienpflegerin und arbeite heute für das Jugendamt.
2001 lernte ich meinen Mann kennen und 2002 haben wir geheiratet, er ist das beste was mir je passiert ist. Wir leben auf einem großen Hof mit vielen Tieren, ich habe seit 3 Jahren die Magersucht besiegt, habe einen tollen Job und gute Freunde. Unter anderem haben wir auch drei Pferde und so kam es das ich nach all den Jahren wieder im Sattel sitze. Zu meinen Erzeugern habe ich sehr wenig Kontakt, es war nie eine Eltern Kind bindung. meine Schwester lebt heute mit ihrer Freundin in Hamburg, sie ist Krankenschwester und hat ihren Frieden in ihrem Glauben gefunden. den Kontakt zu den Eltern hat sie vollständig abgebrochen.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 22:23
Hey Doors:

Das find ich sehr bemerkenswert, dass du einen teil deiner Biografie hier aufgeschrieben hast!

Meine Familie war für mich ebenfalls kein Netz, sondern eher nur eine Fessel!
Meine Mutter wurde mit 16 schwanger, mein Vater haute ab, mit ner anderen und ist heute mit ihr verheiratet.
Meine Mutter heiratete einen anderen wurde schwanger und verprügelt, 7 Jahre lang ließ der Typ seine Aggressionen an meiner Mutter und mir aus, nicht aber an seinem Sohn.
Meine Mutter war frustriert, lud das alles auf mir ab, Unzufriedenheit mit alldem was ich tat oder auch nicht tat...
Es folgte eine neue Beziehung in der ich nicht erwünscht war und für den kleinsten Anlass Prügel kassierte, aber diese Beziehung hielt auch nicht lang...

Dann kam der vater meines 2 Bruders, der war relativ nett, lebt aber heute im Ausland.

Meine Mutter hat ihre frustrationen immer wieder auf mich abgewälzt, Prügel, Meckereien, Schreierein, kann mich nicht an großartige Anerkennung ihrerseits erinnern!

Irgendwann hab ich die falschen Leute kennengelernt, von zu Hause abgehauen, habs drauf angelegt von zu Hause rauszufliegen, was dann auch passierte.
Hab dann mit meinem damaligen Freund mal hier und da gewohnt, Drogen, Abstürze...
Als ich nach einem Schicksalsschlag meine Mutter brauchte war sie nicht für mich da, sie glaubte nicht was mir passiert war, will ich hier auch nicht näher erläutern...
Schließlich wirde ich schwanger, mit 18 und bekam meine Tochter mit 19, sie ist mittlerweile 5.
Ich bin mit ihr in ein Mutter Kind Haus gezogen, hab ne Ausbildung und anschließend Fachabi gemacht, jetzt mach ich grad noch ne Ausbildung bin in einem Jahr fertig.

Das verhältnis zu meiner Mutter und ihrem freund hat sichzwar etwas gebessert, aber es ist noch immer so, dass die Anerkennung fehlt, ich bin zurück gezogen zu ihnen, ich dachte das Verhältnis würde besser, aber nun wird alles was sie für mich und die kleine tun als vorwurf gegen mich verwendet.

Ich habe mir eine andere Wohnung in einer anderen Stadt gesucht und werde bald umziehen, aber selbst da bekomm ich zu hören wie ich das schaffen wolle, ohne ihre Hilfe...

Ich hab das paradoxe verhalten so satt und ich werde nun meinen eigenen Weg fortführen, ich bin ihn die ganzen Jahre allein gegangen dann werd ich die zukünftigen Jahre auch noch schaffen...

irgendwann lernt man damit umzugehen allein gelassen zu werden und manchmal will man einfach auch nur noch allein sein...

Mein Vater verleugnet übrigens meine Existenz vor seinem eigenen Sohn

Alles in allem ist meine Familie kein Netz und auch keine fessel (mehr), denn jetzt bin ich ja schon groß ;) :)


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 23:07
Huh, Zeit für eine Zwischenbilanz vorm Schlafengehen.
Ich danke allen Freundinnen und Freunden für ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Es hilft oft schon, mal drüber zu reden und zu schreiben, auch wenn die "Leichen", die man aus dem Keller holt, einen selbst oder andere erschrecken.
Manches ist schon sehr erschütternd und erschreckend zu lesen, auch das, was ich nur per PN bekam. Ich freue mich natürlich auch über Lob, Trost und Zuspruch, die ich per PN erfahren habe.
Es zeigt mir, dass ich kein Einzelfall bin und es anderen nicht besser ergangen ist.
Ja, hatte denn keiner eine auch nur halbwegs glückliche Kindheit? Oder trauen die sich nur nicht, dies zu schreiben?
Ist "glückliche Kindheit" vielleicht nur ein Konstrukt von Kinderbuch-Autoren oder Eltern, die ihren Kindern Märchen erzählen, damit diese keine Angst bekommen?
Was werden unsere Kinder später über ihre Kindheit zu berichten wissen? Welche Fehler machen wir? Welche Schäden richten wir an? Welche Vorwürfe werden sie uns später machen?
Ich freue mich auf weitere Beiträge. Vielleicht gibt's ja auch noch Allmyaner mit glücklicher Kindheit. Oder sind wir alle hier nur ein Haufen Traumatisierter, Überlebende unserer Elternhaus-Kriege?
Ein kleines Lob übrigens auch noch an die sonst üblichen "Spam-Verdächtigen" (zu denen ich gern auch mal zähle), dass sie sich so zurück gehalten haben.
Das gibt mir doch noch einen Rest Hoffnung bezüglich der Qualität dieses Forums.
Schlaft gut, trotz der exhumierten Gespenster der Vergangenheit.


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

30.11.2007 um 23:55
Ich wurde im Jahre 1988 in Sigmaringen geboren, wo ich heute auch noch wohne.
Ich bin als Einzelkind bei meiner Mutter aufgewachsen, meinen Vater kenne ich nicht. Interesse habe ich an ihm auch keinen , er hat sich nicht für mich interessiert. Hätte er das getan, dann wäre spätestens mal an Weihnachten oder an meinem Geburtstag eine Karte ins Haus geflattert.
Meine Kindheit war sehr schön, und das, obwohl ich nur meine Mutter gehabt hab.
Ab der Schulzeit wurde das anders, in der Grundschule konnte ich mich noch zurechtfinden, aber ab der fünften Klasse finden dann die Probleme an.
Hänseleien und Mobbing.
Die Gründe waren, weil ich anders war. Ich hatte Interessen die typisch für Jungs waren, das konnte keiner akzeptieren. Was mir dann auch irgendwann egal war, also bin ich alleine, ohne Freunde durch die Schulzeit gegangen, hab mein Ding durchgezogen. Bis zur neunten Klasse, da wurde das Mobbing so schlimm daß ich die Schule geschmissen habe.
Ein halbes Jahr hatte ich dann nichts zu tun und dann wurde mir klar, daß ich eigentlich meine berufliche Zukunft versauen würde, wenn ich mich von diesen Idioten so fertig machen lasse.
Also hab ich einen Neuanfang gemacht und bin auf's BVJ gegangen und habe dort meinen Hauptschulabschluss super nachgeholt. Das Jahr war allerdings auch verbunden mit Mobbing und zum Teil Prügel von Mitschülern.
Aber ich blieb hart weil ich wusste um was es da geht.
Als ich mit dem BVJ fertig war, suchte ich eine Ausbildung aber fand keine, also war ich bis jetzt sozusagen ein Jahr arbeitslos. In der Zwischenzeit habe ich einen Lehrgang besucht, in dem ich einen Schein für Flurförderzeuge gemacht habe.
Ja, jetzt stehe ich hier und habe eine super Ausbildung in der Tasche, der Chef der Firma war sehr beeindruckt wegen meinem Zeugnis, dem Schein und allgemein bin ich auch im Vorstellungsgespräch mehr als gut rübergekommen. Das hätte ich nie von mir geglaubt, ich bin nicht gerade der selbstbewussteste Mensch muss ich sagen.
Ich hatte Schiss wie nochwas.

Und das alles als Einzelkind..dabei hört man ja manchmal, daß die es nicht so einfach haben. Ok - einfach war das alles auch nicht ( besonders die Schule ) aber ich habe es geschafft.
Und was ich daraus gelernt habe: Mich von keinem anderen niedermachen zu lassen.
Man hat nicht immer zwei Chancen.

Ich werde auch noch bei meiner Mutter wohnen, solange, bis ich mit der Ausbildung fertig bin.
Das hat nichts mit "Hotel-Mami" zu tun oder Bequemlichkeit, das ist einfach sicherer.
Was soll ich mir jetzt eine Wohnung suchen und dann fall ich vielleicht in der Ausbildung doch auf die Schnauze?Was ich aber nicht glaube.
Ich bin auch echt froh, so eine super Mutti zu haben, da brauche ich keine anderen Familienmitglieder. Ich vermisse so eine "Normale" Familie auch nicht.
Verwandte habe ich übrigens auch keine.


So, ich bedanke mich bei allen, die das hier gelesen haben. Es ist echt mal schön in so einem ernsten Thread so schön schreiben zu können . Ein großes Danke geht an Doors :) Und an die anderen, die es mit diesem Thread auch ernst meinen.

Beste Grüße!:)


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chaoshell
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Familienbande: Netz oder Fesseln?

01.12.2007 um 00:02
Mei Kindheit war eigendlich immer lustig also geboren in Graz dort 3 jahre bei meiner Oma aufgewachsen dann zu meinen eltern die damals beide gearbeite haben gekommen in das schöne Ennstal dort auf einer Alm im Sommer und im Tal auf einen alten Gutshof aufgewachsen.


Schon früh habe ich gelernt das Tiere nicht nur zum spielen da sind :D

Wir waren oder sind eine Großfamilie im ganze geht es bei uns ziemlich locker zu doch irgend wann wird es wenn mann mit 10 leuten unter einen Dach wohnt einfach zuviel auch wenn noch so viel platz ist also bin ich mit 16 in die Welt hinaus gezogen um auf mich selbst stolz sein zu können.

Hab viel erlebt und viel gemacht mein eigens Haus gebaut mit 21 und seh meine Familie immer noch gerne auch wenn viele davon schon von uns gegangen sind so bin ich doch stolz dazu zugehören.

Auch wenn ich eigendlich das schwarze Schaff bin und kein wunschkind sah haben mich meine eltern doch gern und ich sie.


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lonestar
ehemaliges Mitglied

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Familienbande: Netz oder Fesseln?

01.12.2007 um 05:44
@Doors
Erst mal einen Gruss von einem Barmbeker an einen Paulianer !! Ist ja eine hammerharte Geschichte ! ich denke aber zu der Zeit erging es vielen so wie Dir ! Zu dem Zeitpunkt der Nachkriegszeiten , wo der Aufbau begann , hatte niemand was !
Ich bin Jahrgang 65, habe also schon die guten, oder besseren Zeiten mitgemacht .
Auf jedenfall musst Du Dir nichts vorwerfen, da es in den Nachkriegszeiten halt so lief und man ums Überleben kämpfen musste ! Entweder man schafft es oder nicht !


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Familienbande: Netz oder Fesseln?

01.12.2007 um 07:30
Nun ja die kindheit die uns so sehr prägt. Wollen wir uns an Vergangenem nicht festhalten doch werden wir tagtäglich daran erinnert indem was wir sind.

Geboren als 4.Kind erblickte ich in Wien das Licht der Welt. Mein Vater war Fernfahrer und meine Mutter Hausfrau. 20 Jahre trennten die beiden voneinander. Als ich fünf war starb mein Vater eines Morgens an einen Gehirnschlag. Diese Geschichte und daran das er immer sehr lieb zu mir war, an das kann ich mich noch sehr gut erinnern. Nun meine Mutter doch recht jung, vier Kinder und dieser Situation natürlich nicht gewachsen. Kein Geld, den Mann verloren und vier tempramentvolle Kinder. Ich habe sie als sehr still und kühl in Erinnerung. Nun ja heute weiß ich wieso.

Meine Mutter bekam Brustkrebs. Man konnte damals den Tumor entfernen, doch ich glaube der allgemeine Zustand meiner Mutter war so schlecht das sie erneut erkrankte. Sie war sehr lange im Krankenhaus. Ich hatte Angst hinzugehen. Am Schluß vegetierte sie laut meiner Schwester nur noch vor sich hin. Sie starb mit 37 Jahren an Knochenkrebs.

Kurz nach dem Tod meiner Mutter kam eine Ehepaar aus Deutschland. Wir wurden begutachtet und alle vier nach Deutschland mitgenommen. Er Fotograf, ein totaler Eigenbrödler, nicht gerade der Hellste aber dafür ein gutes Herz. Sie eine studierte eingebildete nach Anerkennung strebende Person, die alles andere als Liebe vermittelte.Was das Materielle anging so fehlte es uns an nichts. Was die Zuwendung anging so kam wirklich gar nichts. Meine Schwester wurde recht schnell nach Wien zurück geschickt, abserviert, sie stand meiner Pflegemutter im Weg, schliesslich war unsere große Schwester wie unsere Mama. Als meine Schwester ging war das sehr schwer für uns.Wochenlang gabs Tränen.

Nun als nächstes ging dann mein Bruder,mein absoluter Liebling, er war immer für mich da. Er beruhigte mich mit den Worten noch ein paar Jahre und ich kann nachkommen. Ich fühlte mich sehr alleingelassen, zog mich in meine Welt zurück. Mein einziger Trost war meine beste Freundin. Als zu guter Letzt dann mein anderer Bruder ging, zerbrach in mir etwas. Jetzt verlor ich die Kontrolle und ich zeigte der ganzen Welt das ich sie nicht mochte. Ich stellte mich gegen jeden und gegen alles, hatte kein Vertrauen mehr. Die einzige Kontrolle die ich hatte war über meinen Körper.

Ich wurde abgeschoben in ein Heim. Zu diesem Zeitpunkt war ich 15. Welches Bild sich mir dort bot und was ich dort alles erlebte, daüber will ich gar nicht schreiben. Nun irgendwannmal bin ich da abgehauen, es war das Dritte wo sie mich reinsteckten. Ich sprach mit meiner Sozialarbeiterin, sie solle mich doch gehen lassen, ich will doch nur meine Ruhe haben.

Nun ja das war meine Kindheit:)...was danach kommt ist wieder ein anderes Kapitel.....


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