weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturHelpdeskAstronomieGruppenSpieleGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryWillkommenEnglishGelöscht
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Kaspar Hauser

289 Beiträge, Schlüsselwörter: Kaspar Hauser

Kaspar Hauser

11.01.2018 um 16:25
Ohje, man kommt in dem Fall über Kaffeesatzleserei nicht hinaus... Das ist irgendwie so vergeblich wie der Versuch, Jack the Ripper zu fangen...

Ich sage mal so:

Die Wahrscheinlichkeit, dass Hauser eine verkrachte Existenz war, die irgendwo in den Wirren der Napoleonischen Zeit ihren Ausgang nahm und scheinbar urplötzlich auftauchte, sich Selbstverletzungen mit tödlichem Ausgang beigefügt hat, ist vermutlich deutlich größer, als dass er ein Prinz war, der schließlich beiseite geräumt worden ist. Romantische Fantasien und große Krimi- und Mystery-Begeisterung ziehen uns magisch zur 2. Variante. Es wäre einfach zu schön, wenn es so gewesen wäre...

In seiner Not hängt sich dann der holde Interpret an den einen oder anderen Umstand, die eine oder andere Aussage, den einen oder anderen Fetzen Textil oder Haar. Aber bei genauerer Betrachtung trägt nichts wirklich. Es bleibt so oder so interpretierbar.

Was unbestritten ist - und gegen einen gewöhnlichen Betrüger spricht - ist scheinbar das Charisma, mit dem Hauser zum "Rätsel seiner Zeit" wurde. Kein einfacher Hochzeitsschwindler, kein Dr. Guttenberg, kein Felix Krull, sondern eine Person, die viele Persönlichkeiten intensiv beschäftigt hat. Daher wage ich schon die Einschätzung, dass Hausers Lebensweg vor seinem Auftauchen in Nürnberg außergewöhnlich gewesen sein muss und sich gewaltig von dem unterschieden hat, was andere Kinder erleben konnten.

Seinen Schilderungen über seine Kindheit und Jugend maße ich deshalb durchaus einen wahren Kern zu.

Zugleich hatte man um 1830 - lange vor Sigmund Freud - überhaupt kein Handwerkszeug, mit psychischen Auffälligkeiten umzugehen. Weder ließ sich so etwas wie eine posttraumatische Belastungsstörung noch eine Borderline-Störung oder ein Asperger-Syndrom allgemeingültig diagnostizieren. Von den diversen Persönlichkeitsstörungen mal ganz zu schweigen. Auch über sog. Wolfsjungen gab es kaum gesicherte Erkenntnisse. So fehlte dem eigentlich schon aufgeklärten Bürgertum der vertiefte wissenschaftliche Background in Form systematischer Untersuchungen. Jeder Zeitzeuge machte sich so aus dem was er sah und hörte seine eigenen Reim. Welche Auswirkungen sein Vorleben auf seine Persönlichkeit gehabt haben könnte, genauso wie sein Leben in "Freiheit", das von deutlichen Anpassungsstörungen geprägt gewesen sein könnte, wurde mit den Maßstäben der Biedermeierzeit gemessen.

Vorteil für uns: Das Rätsel bleibt - und der romantische Traum auch.


melden
Anzeige

Kaspar Hauser

12.01.2018 um 13:03
monstra schrieb:Was unbestritten ist - und gegen einen gewöhnlichen Betrüger spricht - ist scheinbar das Charisma, mit dem Hauser zum "Rätsel seiner Zeit" wurde. Kein einfacher Hochzeitsschwindler, kein Dr. Guttenberg, kein Felix Krull, sondern eine Person, die viele Persönlichkeiten intensiv beschäftigt hat.
Das dürfte zutreffen, aber nicht alle seine Fans durften ihn live erleben. Man hat wohl vieles in ihn hineingefragt und er hat schnell gemerkt, dass er seinem Affen Zucker geben musste, um ein angenehmes Leben zu haben. Ohne Zweifel hatte er viel Fantasie und ließ die anderen interpretieren, was genau seine vermeintlichen Träume von einem fremden Wappen oder seine bruchstückchenhaften Ungarisch-Kenntnisse bedeuten mochten. Er musste Spuren legen anstatt Lösungen anbieten, um geheimnisvoll und interessant zu bleiben.
monstra schrieb:Daher wage ich schon die Einschätzung, dass Hausers Lebensweg vor seinem Auftauchen in Nürnberg außergewöhnlich gewesen sein muss und sich gewaltig von dem unterschieden hat, was andere Kinder erleben konnten.
Der Auftauch-Brief seines Erziehers sagt es ja: "Ich habe ihn keinen Schritt weit aus dem Haus gelassen!" Es ist schon möglich, dass er isoliert aufgewachsen ist, aber er wusste, dass man den Hut zieht, wie man die Türglocke betätigt und wie man miteinander redet.
monstra schrieb:Auch über sog. Wolfsjungen gab es kaum gesicherte Erkenntnisse.
Heute dagegen weiß man, dass Wolfsjungen nicht wie unser Hauser zutraulich das Gespräch suchen und rufen: "He Bue! Neutorgasse...?"


melden

Kaspar Hauser

12.01.2018 um 13:16
Ach so, zu den Quellen:
monstra schrieb:Blinder Gehorsam der einen Quelle gegenüber und gleichzeitige Abwertung der anderen Quelle, um die präferierte These zu untermauern, ist beim momentanen Stand der Erkenntnisse wenig hilfreich.
Man muss aber schon unterscheiden zwischen Aussagen von Zeitgenossen mit guten Argumenten oder
Quellen-Angaben mit "Erkenntnissen", die auf Spekulationen herauslaufen und weithergeholt sind. Einmal wurde hier ein B*LD-Artikel verlinkt. Naja, soll ich dem huldigen? :-) Ich halte diejenigen Quellen für die interessantesten, die von Zeitgenossen stammen. Auch die online gratis lesbaren Bücher von Daumer und Fuhrmann (mit Pro-Hauser-Einstellung) habe ich mit Interesse gelesen. Ich glaube auch beiden, dass sie ihren Zögling nett fanden. Die Argumente von Meyer und Stanhope erscheinen mir stichhaltiger.


melden


An dieser Diskussion können nur angemeldete Mitglieder teilnehmen.

Jetzt kostenlos Mitglied werden!

Tipp: Lade dir die Allmystery App um in Echtzeit zu neuen Beiträgen benachrichtigt zu werden:



Diese Diskussion per E-Mail abonnieren:

Ähnliche Diskussionen

Diskussionen
Beiträge
Letzte Antwort
288 Mitglieder anwesend
Konto erstellen
Allmystery Newsletter
Alle zwei Wochen
die beliebtesten
Diskussionen per E-Mail.

Themenverwandt
Anzeigen ausblenden