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Die Antideutschen

Die Antideutschen

07.11.2015 um 17:59
@kakaobart

wenn ich mir mal die Seite des isf-freiburg so anschaue kommen die mir eher aus der Richtung der kritischen Theorie um Adorno...(hoffentlich dreht er sich jetzt nicht im Grabe um)
http://www.isf-freiburg.org (Programm Jour Fixe)
kakaobart schrieb:Die Kernthese der Anti-Deutschen versucht eine Analyse der deutschen Geschichte und kommt zu dem Ergebniss, daß die Deutschen überdurchschnittlich oft aus eigenem Antrieb (-> aus Kriegslust) an Kriegen beteiligt gewesen wären
So eine These kann man nach zwei Weltkriegen ja auch vertreten, ohne gleich als schizophren dargestellt zu werden...


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Die Antideutschen

07.11.2015 um 19:17
kakaobart schrieb:Der historisch notwendige Schutzraum bezieht sein Existenzrecht aus der Überzeugung, daß es ein jüdisches Volk gibt und diese biologisch-kulturelle Identität geschützt werden muß.
Nö, sondern aus der Tatsache des Antisemitismus als ideologische Konstante. Wer und was Jude ist wird dort von außer herangetragen und ist vollkommen unabhängig einer "biologisch-kulturellen Identität". Ich empfehle hier mal auch die Beiträge von fabs zu lesen.
Das Existenzrecht konstituiert sich nicht durch positive Setzung einer völischen Identität, sondern als negative, als Reaktion auf äußere Zustände.
kakaobart schrieb:Das eine Nation auch ein Schutzraum für die in ihr lebenden Menschen darstellt, ist offensichtlich.
Aus dem vorherigen Abschnitt ergibt sich hier auch die Besonderheit. Diese besteht darin, das andere Nationalstaaten eben NICHT diese Primäraufgabe haben, bzw. nicht aus diesem Grund verfasst wurden. Die völkische Identität geht da (gerade bei europäischen Staaten) vorraus und diente als Grundpfeiler des nationalstaatlichen Gefüges. Es handelt sich also um eine vollkommen umgekehrte Kausalkette. Die Fetischisierung dieser Identität wirkt über das nationalstaatliche Gefüge heraus. Israeli hingegen kannst du auch vollwertig als Araber oder Christ sein.
kakaobart schrieb:Eine unbestrittene Existenzberechtigung ist aber keine Kritikimmunität! Aber genau so wird dieses Existenzrecht von Antideutschen instrumentalisiert, um Druck auf Kritiker auszuüben...die etwa mit ihrer Kritik an israels Siedlungspolitik angeblich Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus gießen. Mit dieser Strategie versuchen zionistische Kräfte ein Sonderprivileg mit Recht auf Kritik zu etablieren, von dem alle Nichtzionisten ausgeschlossen sind. HÄTTEN diese Zionisten die Kontrolle darüber, wer an kritischen Debatten teilnehmen darf, hätten sie damit einhergehend auch die Kontrolle über die öffentlich diskutierte Kritik selbst.
Ohne konkretes Beispiel ist es nun schwer darauf zu antworten, ohne deine Grundanndahme als Diskussionsgrundlage zu übernehmen. Daher möchte ich das ganze lieber von der anderen Seite aufzäumen. Wie ich bereits geschrieben hab, sind Solidarität und Kritik zwei Paar Schuhe. Es gibt auch rein gar nichts an realpolitischer Kritik auszusetzen. Problematisch wird das ganze jedoch, wenn es unter dem Stern einer antizionistischen Programmatik steht. Denn damit einhergehend sind IMMER ein Imperialismusvorwurf und ein (zumindest) Zweifeln an der Berechtigung des Staates Israels selbst.
canales schrieb:wenn ich mir mal die Seite des isf-freiburg so anschaue kommen die mir eher aus der Richtung der kritischen Theorie um Adorno...(hoffentlich dreht er sich jetzt nicht im Grabe um)
Das stimmt.


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kakaobart
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07.11.2015 um 23:22
@paranomal
paranomal schrieb:Nö, sondern aus der Tatsache des Antisemitismus als ideologische Konstante. Wer und was Jude ist wird dort von außer herangetragen und ist vollkommen unabhängig einer "biologisch-kulturellen Identität".
Diese ideologische Konstante richtet sich genauso gegen andere Völker/Identitäten - so standen in der USA während des 2. Weltkrieges auch deutschstämmige Amerikaner unter Generalverdacht und diversen Anfeindungen, obwohl sie die deutsche Staatsangehörigkeit ablegten. Gleiches kann man über die Japaner in der USA sagen.
paranomal schrieb:Das Existenzrecht konstituiert sich nicht durch positive Setzung einer völischen Identität, sondern als negative, als Reaktion auf äußere Zustände.
Zustände, die aber potentiell JEDE Gemeinschaft betreffen können. Und da wir hier über die Antideutschen diskutieren, haben wir sogar eine konkrete Ideologie bei der Hand, die diese "Zustände" herbei sehnen und in ihrer Glorifizierung des dresdner Massenmordes auch klar stellen, wie sie sich das im Detail vorstellen.
paranomal schrieb:Aus dem vorherigen Abschnitt ergibt sich hier auch die Besonderheit. Diese besteht darin, das andere Nationalstaaten eben NICHT diese Primäraufgabe haben, bzw. nicht aus diesem Grund verfasst wurden.
Wie kommst du auf die Idee, daß jemals in der Menschheitsgeschichte ein "Staat" gegründet wurde...aus einem anderen Grund, als die darin zusammengefassten Menschen zu organisieren und damit vor äußeren Feinden zu schützen?
paranomal schrieb:Die völkische Identität geht da (gerade bei europäischen Staaten) vorraus und diente als Grundpfeiler des nationalstaatlichen Gefüges.
Eine Gemeinschaft kann in ihrer Gemeinsamkeit nur Glück empfinden, wenn die Individuen dieser Gemeinschaft möglichst ähnliche Vorstellungen von Glück haben. Und diese gemeinsamen Werte drücken sich in einer gemeinsamen Kultur aus...die wiederum das Produkt einer gemeinsamen Geschichte sind. Aus diesem Grunde ist es nur natürlich, daß Nationen auf Basis natürlicher Völker entstehen.

Dies stellt aber entgegen deiner Darstellung kein Argument für die Behauptung dar, diese Nationen hätten nicht den Zweck die Gemeinschaft zu schützen, die sie repräsentieren.
paranomal schrieb:Israeli hingegen kannst du auch vollwertig als Araber oder Christ sein.
Nein, kannst du nicht:
Der höchste Gerichtshof Israels hat entschieden, dass Bürger des Heiligen Landes sich nicht mit der Nationalität "Israeli" beim Einwohnermeldeamt registrieren lassen dürfen. Stattdessen müssen sie sich als Juden, Araber oder Drusen anmelden. Das Gericht in Jerusalem lehnte mit seiner Entscheidung einen Antrag von 21 israelischen Aktivisten ab. Diese hatten die behördliche Anerkennung einer säkularen israelischen Identität gefordert.

Das Argument der Aktivisten: Nur ein Begriff, der nicht erkennen lasse, ob es sich bei der Person um einen Juden, einen Araber oder ein Mitglied einer anderen Minderheit in Israel handele, garantiere die Gleichbehandlung aller Bürger, so die Organisation "Ich bin Israeli".
http://www.spiegel.de/politik/ausland/israel-gemeinsame-saekulare-identitaet-abgelehnt-a-926138.html

Deutscher kannst du dagegen vollwertig als Moslem oder Jude sein. Vermutlich hast du diese beiden Staaten verwechselt. ;o)
paranomal schrieb:Wie ich bereits geschrieben hab, sind Solidarität und Kritik zwei Paar Schuhe. Es gibt auch rein gar nichts an realpolitischer Kritik auszusetzen. Problematisch wird das ganze jedoch, wenn es unter dem Stern einer antizionistischen Programmatik steht. Denn damit einhergehend sind IMMER ein Imperialismusvorwurf und ein (zumindest) Zweifeln an der Berechtigung des Staates Israels selbst.
@paranomal, dir ist sicher klar, das es mir nicht leicht fällt die traditionellen Linken zu verteidigen - aber wenn in dieser Debatte selbst jenen vorgeworfen wird mit ihrer Kritik an israels Siedlungspolitik (...) antisemitische Propaganda zu betreiben...dann ist das für mich der Beweis, daß dieser Vorwurf nur noch reflexartig und ausschließlich aus taktischen Erwägungen geäußert wird.

Und eine "antizionistische Programmatik" - Zionismus ist jüdischer Nationalismus auf biologischer Basis, kombiniert mit einer teilweisen Geringschätzung der Fremden. Diese Ideologie nicht nur zu tolerieren, sondern sogar als unantastbar zu dogmatisieren...wärend du einige Sätze weiter oben bei europäischen Staaten schon das bloße Vorhandenseit nationaler Identität als Problem bezeichnest, entblößt eine absurde Doppelmoral.

Das Existenzrecht Israels ist auf keinem Falle mit der Ideologie des Zionismus gleich zusetzen!


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07.11.2015 um 23:40
@kakaobart
kakaobart schrieb:Eine Gemeinschaft kann in ihrer Gemeinsamkeit nur Glück empfinden, wenn die Individuen dieser Gemeinschaft möglichst ähnliche Vorstellungen von Glück haben. Und diese gemeinsamen Werte drücken sich in einer gemeinsamen Kultur aus...die wiederum das Produkt einer gemeinsamen Geschichte sind. Aus diesem Grunde ist es nur natürlich, daß Nationen auf Basis natürlicher Völker entstehen.
Nenn doch mal Beispiele für unterschiedliche Glücksmomente von unterschiedlichen Kulturen...ich mein Kulturen unterliegen ja einem recht schnellen Wandel...selbst in "gewachsenen Völkern". Außerdem sind diese Vorstellungen von Glück ja von so vielen Faktoren abhängig. Ich würde mal sagen, dass Glück von 18jährigen Deutschen und gleichaltrigen Syrern ähnlicher ist, im Vergleich mit 75jährigen Deutschen...wenn Du verstehst was ich meine.


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Warhead
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08.11.2015 um 00:53
@kakaobart
Seit der Shoah kann hier niemals ein Jude sich als vollwertiger Deutscher fühlen,genausowenig wie ein Deutscher mit türkischen Eltern als Deutscher behandelt wird,der eine wie der andere wird sich immer als Mensch zweiter Ordnung fühlen...der eine ist nicht blond genug...und dann der Nachname...Özmir,der andere hat ne lange Nase und will dir immerzu überteuerte Teppiche verkaufen.
Denen verbietet man schlichtweg deutsch zu sein,sie könnten ja gar nicht deutsch fühlen...aber wie fühlt man deutsch??


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Noam_Enlil
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08.11.2015 um 08:07
@canales schrieb:

.(..ich mein Kulturen unterliegen ja einem recht schnellen Wandel...selbst in "gewachsenen Völkern". )

Ist das so?
Ein schönes Gegenbeispiele sind die 1492 aus Spanien vertrieben sephardischen Juden, die auch heute noch spanische Traditionen pflegen. Anders Beispiel wären die indischen Malabari-Juden“.

http://www.deutschlandfunk.de/versoehnliche-geste-spanien-erleichtert-die-einbuergerung.886.de.html?dram:article_id=2786...


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Warhead
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08.11.2015 um 08:38
@Noam_Enlil
Hm...es gibt sogar mongolische Juden.
.hab mich mal von ner mongolischen Studentin abschleppen lassen,als ich anfing den Kühlschrank nach essbaren zu plündern fand ich lauter Koscherkram vor...sogar koscher Tsampa


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Noam_Enlil
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08.11.2015 um 08:45
@Warhead
Ist nicht war, echt interessant!
Darum ging es mir nicht, sondern um die "schnelllebigkeit" von Traditionen.


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Noam_Enlil
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08.11.2015 um 08:56
@Warhead
Btw kleiner Tipp fürs nächste jüdische date, verwechsle nicht Zahok mit Zahak!


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libertarian
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08.11.2015 um 12:40
Ich bin wieder auf jenen, dessen Namen mir in meinem letzten Beitrag nicht einfiel, gestoßen:

Seine Eltern übersiedelten bereits in seiner frühesten Kindheit in das ukrainische Jelisawetgrad. Sinowjew, jüdischer Abstammung, mit ursprünglichem Familiennamen Radomyslski (russisch Радомысльский) – der Name Apfelbaum wird von einigen Quellen generell bestritten –, war enger Vertrauter Lenins, mit dem er eine lange Zeit zusammen im Exil verbracht hatte und mit dem er auch vor der Oktoberrevolution aus der Schweiz zurückgekehrt war.
Im September 1918 brachte Sinowjew bei einem Treffen von Kommunisten in Petrograd, so der antikommunistische Historiker Robert Conquest, die implizite Bereitschaft zum Massenmord, die in der Einstellung der Bolschewiki gegenüber dem Klassenkampf enthalten gewesen sei, zum Ausdruck, als er erklärte: „Wir müssen 90 der 100 Millionen Russlands für unsere Sache gewinnen, den Übrigen haben wir nichts zu sagen, sie müssen vernichtet werden.“[1][2][3] Diese Worte seitens eines der höchsten Beamten des Landes waren, so Richard Pipes, das Todesurteil für Millionen von Menschen.[4] Zur selben Zeit hat Sinowjew laut Iswestija noch vor der öffentlichen Proklamation des Roten Terrors in Petrograd 512 Geiseln töten lassen.[5][6]


Wikipedia: Grigori_Jewsejewitsch_Sinowjew

Der offizielle Beginn des Roten Terrors – die Tscheka als sein Hauptorgan war bereits 1917 gegründet worden – datiert mit dem Dekret der Sowjetregierung Über den Roten Terror vom 5. September 1918:[7]

„In der augenblicklichen Situation ist es absolut lebensnotwendig, die Tscheka zu verstärken […], die Klassenfeinde der Sowjetrepublik in Konzentrationslagern zu isolieren und so die Republik gegen sie zu schützen; jeden, der in weißgardistische Organisationen, in Verschwörungen, Aufstände und Erhebungen verwickelt ist, auf der Stelle zu erschießen, die Namen der Erschossenen mit Angabe des Erschießungsgrundes zu veröffentlichen.“


Wikipedia: Roter_Terror


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libertarian
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08.11.2015 um 13:41
@kakaobart
Als wären die Deutschen primär und alleine am ersten Weltkrieg schuld gewesen. Wer das sagt, der müsste die Alliierten auch irgendwo für den zweiten Weltkrieg schuldig sprechen, denn Deutschland tat damals nichts Anderes, als Österreich-Ungarn in seinem Beistandspakt beizustehen und die Russen, die schon längst an der Grenze mobil machten, standen eben Serbien bei, die auch der eigentliche Auslöser durch diesen doch recht feigen und hinterlistigen Mord am österreichischen Thronfolger waren. Auch waren gerade auch Frankreich (Welches ein Bündnis mit Russland hatte) oder Großbritannien damals sehr auf Krieg erpicht und auch naiv diesbezüglich, nicht alleine die Deutschen und mich würde es auch nicht Wunder nehmen, wenn die Entente darauf erpicht war, Deutschland, welches damals aufstrebte und mithin größte Wirtschaftsmacht im Herzen Europas wurde, zu schwächen, um ihre alte imperialistische Macht erhalten zu können. Und genauso übrigens wie Deutschland damals Österreich-Ungarn beistand, so standen im zweiten Weltkrieg Frankreich und Großbritannien den Polen bei, obwohl das dritte Reich sich damals gar nicht in einen Zwei-Fronten-Krieg verwickeln wollte und es kein Geheimnis ist, dass man den Frieden mit Großbritannien suchte. Auch sollte man sich fragen aber, und das ist eine wichtige Frage: Warum haben eben jene Briten nicht auch den Sowjet-Bolschewisten den Krieg erklärt, die einen Pakt mit dem dritten Reich hatten und Polen ebenfalls angegriffen haben und dort zahlreiche Verbrechen begingen; warum? Zumal die Sowjet-Bolschewisten nie wirklich einen Hehl aus ihren invasiven Weltrevolutionsträumen machten und sie schon kurz nach dem ersten Weltkrieg, als das Zaren-Reich zerfiel, mit Massenverbrechen begangen. Aber als würde Großbritannien oder Frankreich sowas scheren; man macht gerne Geschäfte mit Diktaturen, solange es sich lohnt, wenn nicht mehr, bekämpft man sie; siehe als Beispiel auch aktuell Gaddafi in Libyen oder Assad in Syrien.

Der zweite Weltkrieg ist übrigens ohne den ersten Weltkrieg und den Vertrag von Versailles mit allen seinen Ungerechtigkeiten, Demütigungen und fatalen Gebietsabtrennungen (Siehe alleine Danzig-Korridor), seiner finanziellen und moralischen Schuldknechtschaft gar nicht wirklich zu denken. Selbst für den britischen Ökonomen Keynes, war es so, dass man mit dem Vertrag von Versailles die deutsche Nation eigentlich schon fast in den Krieg treiben musste, und das sagte er schon genau zu jenem Zeitpunkt, als das überhaupt erst alles beschlossen war:

Bertrand Russell bezeichnete Keynes als den intelligentesten Menschen, den er je traf. Im Jahr 1942, vier Jahre vor seinem Tod, wurde Keynes als Baron Keynes of Tilton in the County of Sussex geadelt und erhielt einen Sitz im House of Lords. Im April 1946 starb Lord Keynes an Herzversagen. [...]

Keynes war nach dem Ersten Weltkrieg als Vertreter des britischen Schatzamts Mitglied der britischen Delegation bei den Versailler Vertragsverhandlungen. Er trat kurz vor Abschluss der Verhandlungen unter Protest gegen die Vertragsbedingungen, die Deutschland auferlegt werden sollten, von seinem Posten in der Delegation zurück und schrieb 1919 das Aufsehen erregende Buch Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages (The Economic Consequences of the Peace), mit dem er die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen als ökonomisch widersinnig kritisierte. Sie würden sowohl die internationalen Wirtschaftsbeziehungen destabilisieren als auch größeren sozialen Sprengstoff für Deutschland mit sich führen. Das Buch entstand zwischen August und September 1919 im Landhaus Charleston, das seine Bloomsbury-Freunde Vanessa Bell und Duncan Grant gepachtet hatten und wo er regelmäßiger Gast an Wochenenden und in den Sommermonaten war.


Wikipedia: John_Maynard_Keynes


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Die Antideutschen

08.11.2015 um 15:21
@kakaobart
Also um eines vorwegzunehmen: Ich sehe mich selbst nicht als Antideutscher in dem Sinne, in dem sich die Überreste dieser Bewegung heute noch formieren. Ich teile diverse Positionen mit der Antideutschen, aber bin auch ganz bei Moshe Zuckermann und Gerhard Hanloser, wenn es darum geht zu verhindern, das Israel zur reinen Projektionsfläche der deutschen Vergangenheit und Israel ausschließlich als Abstraktion wahrgenommen wird. Dazu gehört es natürlich auch sich der unterschiedlichen innerstaatlichen Positionen (religiös gegen weltlich) und deren Konfliktpotential bewusst zu sein. Jedoch leitet sich die Israelsolidarität (wie sie auch von mir vertreten wird) nicht von einer konkreten staatlichen Verfasstheit, sondern eben seiner historischen Notwendigkeit her. Das bedeutet, das ich die religiöse Verwurzelung in israeischen Institutionen und deren Auswirkungen durchaus kritisieren kann und es auch kritisieren kann, wenn Israel zum Sinnbild der Emanzipation verklärt wird. Man muss aber auch sehen, das hier häufig Extrempositionen herausgegriffen werden, die man oft an einer einzelnen Publikation festmacht. Da ich denke, das wir beide weiter aneinander vorbeireden werden, wenn bestimmte Aspekte nicht geklärt werden, empfehle ich folgende Texte:

http://jungle-world.com/artikel/2008/32/22377.html
Ein Text in dem sich Grigat mit den Vorwürfen und Missverständnissen bezüglich antideutscher Positionen auseinandersetzt.

http://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/krieg3.html
Als zeithistorisches Dokument sehr interessant, weil man hier beobachten kann wie sich die Antideutsche Linke anhand des Kosovo-Konfliktes ausdifferenzeirt. Hilft meiner Meinung nach sehr um den Begriff "Antideutsch" aus der Eigenperspektive Antideutscher überhaupt fassbar zu machen. (Interessant ist an dieser Stelle auch das Vokabular, Bspw.: "Menschenrechtsimperialismus der NATO". Gerade Herr Werthmüller würde so etwas heute nicht mehr in den Mund nehmen, da derartige Schlagworte nun eher von einem anderen Klientel gebraucht werden. Es handelt sich also um ein interessantes Beispiel fürs wittgensteinsche "Sprachspiel".)


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Die Antideutschen

08.11.2015 um 15:32
Für alle die nicht den ganzen Artikel lesen wollen oder können hier ein Auszug:
Einmal abgesehen von der bemerkenswerten Selbstverständlichkeit, mit der all jene Autoren, die der Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie ein »Abarbeiten an einem deutschen Schuldkomplex« unterstellen, davon ausgehen, dass es sich bei Antideutschen ausschließlich um Nicht-Juden handelt, kann konstatiert werden, dass in der antideutschen Text­produktion selbstanklägerische Vergangenheits- und Identitätspolitik ebenso scharf kritisiert werden wie philosemitische Anwandlungen. Clemens Nachtmann, Redakteur der Zeitschrift Bahamas, hat in einem Aufsatz klargestellt, dass sich antideutsche Kritik »jetzt und in Zukunft zuvörderst gegen Bekennertum und Identitätspolitik« richtet. (36) Hinsichtlich der Solidarität mit dem Staat der Überlebenden der Shoah fordert er, diese nicht »durch irgendwelche pathetischen Bekenntnisse und Selbststilisierungen als uneigennützige und hoch­­herzige Freunde der Juden« zu diskreditieren. (37) Eine so verstandene Solidarität mit Israel resultiert ihrem Selbstverständnis nach nicht aus Schuldreflexen, »Überidentifikation« und »Projektionen«, sondern aus einer materialistischen Gesellschaftskritik, die sich auf den Marxschen und den Adornoschen kategorischen Imperativ bezieht. Ausgehend von diesen lässt sich im Verständnis der antideutschen Kritik eine Art ka­tegorischer Imperativ für Gesellschaftskritik in der Gegenwart formulieren: »Eine jede Staats­kritik wird daran zu messen sein, ob sie mit dem Staat Israel, jener prekären Nothilfemaßnahme gegen die antisemitische Raserei, sich bedingungslos solidarisch erklärt, was die Solidarität mit dessen bewaffneter Selbstverteidigung selbstverständlich einschließt. (…) Und jede Kritik am Kapital ist daran zu messen, ob sie, als ihr theoretisches Zentrum, dessen negative Selbstaufhebung in manifester Barbarei als eine wiederholbare Konstellation auf den Begriff zu bringen vermag und zum Angelpunkt der Agitation macht.« (38)

Ihrem Selbstverständnis nach ist dies also eine Kritik, die sich für Juden als Juden nur insofern interessiert, als sie Opfer des Antisemitismus waren und sind. Zu ihrem »Jüdisch-Sein« – und das grenzt sie von philosemitischen Anwand­lungen deutlich ab – hat sie ebenso wenig zu sagen wie zur jüdischen Kultur und Tradition. Jüdische Religion interessiert sie lediglich unter dem Gesichtspunkt einer Verwandtschaft zwischen jüdischem Messianismus und materialistischer Kritik. (39)

[...]

Der Zionismus ist eine Notwehrmaßnahme gegen den Antisemitismus und muss in der Re­a­lisierung der Notwehr sich auf die Verfasstheit der Welt positiv beziehen. Er muss sich Staat und Kapitalakkumulation zu Eigen machen, will er in einer Welt von Staaten und Kapitalakkumulation bestehen. Kritische Theorie hingegen hält an der Möglichkeit fest, mit der Abschaffung von Staat und Kapital, mit der allgemeinen Emanzipation von Ausbeutung und Herrschaft, mit der Überwindung der fetischistischen Wertverwertung auch die Notwendigkeit des Zionismus aus der Welt zu schaffen – was erklärtermaßen das Ziel der antideutschen Kritik ist. (43) Allein diese Tatsache führt den Vorwurf eines »Philozionismus« ad absur­dum.

[...]

Vor diesem Hintergrund ist im Selbstverständ­nis der antideutschen Ideologiekritik die Parteinahme für Israel, die nicht davon zu abstrahieren braucht, dass staatliche Verteidigungsmaßnahmen auch zu grauenhaften Übergriffen führen können und dass staatliches Handeln in Israel keineswegs auf den Zweck der Ver­hinderung der Vernichtung beschränkt ist, eine zwingende Konsequenz aus der Kritik des Fetischismus kapitalakkumulierender und staatlich verwalteter Gesellschaften: »Die radikale Entfaltung der Kritik der politischen Ökonomie zu ihrer revolutionären Konsequenz (ist) gleichbedeutend mit der bedingungslosen Solidarität, die wir Israel schuldig sind.« (47) Der Zionismus ist für die Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie zwar nicht die richtige Antwort auf den Antisemitismus (das wäre nach wie vor die Errichtung der klassen- und staatenlosen Weltgesellschaft, die freie Assoziation freier Individuen, die befreite Gesellschaft, die es den Menschen ermöglicht, ohne Angst und Zwang verschieden zu sein), aber er ist, ganz unabhängig von seiner je konkreten Ausgestaltung in der je unterschiedlich begründeten und zu bewertenden israelischen Regierungspolitik, die vorläufig einzig mögliche. So gesehen ist der Zionismus »das notwendig falsche Bewusstsein der Juden und Jüdinnen, die das richtige Bewusstsein über ihre Verfolgung erlangt haben«. (48)

[...]

An den Rändern der antideutschen Kritik mag sich mitt­lerweile ein Milieu herausgebildet haben, in dem Kritik tatsächlich ersetzt wird durch Begegnungsprogramme mit israelischen Jugendlichen, den Import von israelischem HipHop oder die Unterstützung von »Israelischen Wochen« in den Lebensmittelabteilungen deutscher Kaufhausketten. Und der eine oder die andere Antideutsche jüngeren Semesters sollte besser Adorno lesen als eifrig Hebräisch zu pauken. Dort aber, wo die antideutsche Kritik nicht als letzter Schrei der linken Gesinnungsmoden auftritt, sondern sich als Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie artikuliert, hat sie immer schon die Kritik an falschen Identifizierungen, Projektionen und philosemitischen Anwandlungen impliziert. Unreflektierter Aktivismus und sinnentleertes Fahnenschwenken kann sich an keiner Stelle an der antideutschen Textproduktion orientieren, sondern steht im Widerspruch zu dieser und ihrer Kritik an Politkitsch und der Sehnsucht nach einer Bewegung. Der Vorwurf des Philosemitismus und Philozionismus an die Antideutschen ist jedenfalls an den Texten der antideutschen Kritik nicht auszuweisen.


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Noam_Enlil
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Die Antideutschen

08.11.2015 um 20:21
@libertarian
schrieb:
(Ich habe nichts pauschal gegen das jüdische Volk oder gegen einen jüdischen Staat, auch nicht unbedingt gegen Israel. Aber ja, ich bin ihrer Politik sehr ...)

Amüsant. Bei anderen Themen sich Formulierungen wie... ich hab ja nichts...aber, immer ... du weißt schon.


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Warhead
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08.11.2015 um 20:26
@Noam_Enlil
Bullshitgenerator on...vor allem "jüdisches Volk"ist so daneben wie es nicht mehr daneben sein kann.


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Noam_Enlil
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08.11.2015 um 20:36
@Warhead
Darüber ob die Bezeichnung "jüdisches Volk" daneben ist, kann man drüber streiten - hab aber keine Lust dazu.


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Die Antideutschen

08.11.2015 um 21:23
Es sei noch mal darauf hingewiesen, dass das Judentum eine Religion ist - in die kann ich ein- oder austreten.
Nicht jeder Israeli ist Jude - und nicht jeder Jude ist Israeli.


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Noam_Enlil
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08.11.2015 um 21:33
@Doors
Seh ich nicht so, es gibt sogar nicht religiöse Rabbiner. Ich kann im Moment nicht soviel schreiben, daher ein Link.

http://www.juedische-allgemeine.de/mobile/article-view?id=12138


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Die Antideutschen

08.11.2015 um 22:07
@Noam_Enlil

Es gibt in Israel Juden, Christen, Muslime, Atheisten und sogar Buddhisten.
Ich kenne sogar einige Ex-Juden, die konvertiert sind oder ihrer Glaubensgemeinschaft den Rücken gekehrt haben.

Juden und Israelis sind nicht identisch.
Es gibt deutsche Juden, ja, sogar japanische Juden. Selbst Sammy Davies jr. war Jude. Aber damit sind es mitnichten Israelis. so, wie auch nicht jeder christliche, muslimische oder ungläubige Israeli Jude sein muss.

In diesem Zusammenhang eine kleine Geschichte:

Ein US-amerikanischer Geschäftsmann hat in Japan einen erfolgreichen Abschluss getätigt. Er beschliesst, in die Synagoge zu gehen, um Gott zu danken. Aber wird ihm das in Tokio so einfach gelingen? Beim dritten Taxifahrer klappt es. Er fährt ihn zur örtlichen Synagoge. Dort sind viele kleine Japaner anwesend und lauschen den Worten des Rabbiners. Zwischen ihnen ragt der blonde, blauäugige, 1,90 Meter grosse Amerikaner heraus wie ein Baum aus dem Unterholz. Am Ende des Gottesdienstes kommt der Rabbiner auf den seltsamen Gast zu und spricht ihn an: "Schön, dass Sie gekommen sind um einem jüdischen Gottesdienst beizuwohnen. Erlauben Sie mir die Frage, ob Sie Jude sind?" "Ja, natürlich bin ich Jude", antwortet der baumlange Ami, und beugt sich dabei zu dem kleinwüchsigen Japaner herab. "Komisch," antwortet der, "Sie sehen gar nicht so aus!"


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Noam_Enlil
ehemaliges Mitglied

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Die Antideutschen

09.11.2015 um 08:06
@Doors
schrieb:
Es sei noch mal darauf hingewiesen, dass das Judentum eine Religion ist ext

Ich kenne niemanden der das Judentum nur auf die Religion reduziert.

www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/3043

Israel definiert sich selbst als jüdischen und demokratischen Staat. Ob die Komponente jüdisch vorwiegend säkular (im Sinne von einer Nationalität) oder religiös zu definieren ist, bleibt ein zentraler Gegenstand innerisraelischer Debatten.
Siehe auch: Knesset, Basic Law und:

http://en.idi.org.il/media/1365574/Index2012%20-%20
S 181

KSA 4/2015

Das Hauptanliegen des Zionismus ist: Für ihn steht die Wiederherstellung uneingeschränkter "jüdischer Souveränität" im Vordergrund . Das jüdische Volk soll nach fast zwei Jahrtausenden im Exil wieder Herr seines eigenen Schicksals sein und nicht in Abhängigkeit vom wenig verlässlichen Wohlwollen nicht-jüdischer Regierungen leben müssen.
Vgl. folgenden Passus aus der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14.5.1948:
Dieses Recht [auf einen eigenen Staat] ist das natürliche Recht des jüdischen Volkes, wie alle anderen Völker in seinem eigenen souveränen Staat Herr seines eigenen Schicksals zu sein"

Aus Elon, Amos: Die Israelis. Gründer u. Söhne , 1972, S 225f.)
Viele Zionisten sind der Meinung, dass die Vernichtung von einem Drittel des jüdischen Volkes nur möglich war,
weil die Juden allein unter den Völkern kein eigenes Land besaßen u. weil sie daher auch keinerlei Mittel zum Widerstand besaßen.
Nur die Souveränität - u. sie allein - gestattet es einem Volk, den Willen, der zum Überleben notwendig ist, und die dazu erforderlichen physischen Mittel aufzubringen.

@Doors
schrieb
der Rabbiner auf den seltsamen Gast zu und spricht ihn an: "Schön, dass Sie gekommen sind um einem jüdischen Gottesdienst beizuwohnen. Erlauben Sie mir die Frage, ob Sie Jude sind?" "Ja, natürlich bin ich Jude", antwortet der baumlange Ami, und beugt sich dabei zu dem kleinwüchsigen Japaner herab. "Komisch," antwortet der, "Sie sehen gar nicht so aus!"
Text
Kann ich mir nicht vorstellen. :D
Nicht nur ein Rabbiner weiß, dass Juden unterschiedlich aussehen (schwarz, braun, weiß, alles Vorhanden)
Btw, die Japaner haben ja oft mehrere Religionen,die sichern sich eben nach allen Seiten ab.


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