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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

526 Beiträge, Schlüsselwörter: Holocaust, Nolte, Schlusstrichdebatte, Walser
Warhead
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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 21:44
@resfeber
Hitler kennt man eben,Humboldt nicht...aber man kennt noch andere Deutsche,im Rifgebirge wurde ich nach Rummenigge und in den Lacandonischen Wäldern mehrmals nach Beckenbauer gefragt.
In Pakistan wurden mehrere Leute nach Rolf Zacher gefragt...anscheinend hat der sich damals unauslöschlich ins kollektive Grdächtnis gemogelt
Das klappt auch umgekehrt.
Moshe Dajan,knorriger langer Kerl mit Augenklappe,kann man selbst in Nepal sofort mit Israel assoziieren.
aber Netanjahu...frag mal in zehn,fünfzehn Jahren irgendwen irgendwo wer das mal war


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 21:50
tudirnix schrieb:Mag sein ob deine Geschichte stimmt oder nicht. Einen Beweis dafür kannst du eh nicht liefen und daher sind auch solche Argumente der eigenen Erfahrung bzw. "Hören/sagen" in einer sachlichen Diskussion zu einem Thema nicht von belang und auch nicht evident.
Es mag ja "In" sein, dass heute alles gefilmt wird - könnte man meinen, aber das tat ich zum Zeitpunkt nicht, zumal sich alles auch kurzfristig entwickelte und auch aufhörte. Es war eben ein Beispiel für Situationen die sich so abspielen können, und in dem Fall eben selbst wahrgenommen.

Es ist aus meiner Sicht durchaus relevant, wenn zuvor gesagt wird:
tudirnix schrieb:Mal ganz ehrlich gefragt: wer hält der heutigen Generationen denn vor, sie sei "schuldig"? Niemand tut das.
Oder einfacher gesagt, du meinst niemand macht das, und ich sage doch, es gibt Leute, die das machen. Selbst erlebt bzw. im Internet in etwaigen Foren oder Kommentaren nachzulesen. Dabei geht es mir weniger um das was du im zweiten Abschnitt geschrieben hast - ich sage eben nur, wie es ist, ohne eine gigantische Opferrolle herbeiführen zu wollen.

Es kommt eben doch zu Schuldzuweisungen, die je nach Situation und Kontext nicht immer gerechtfertigt sind. Man kann sich auch online in etwaigen Bereichen aufhalten und wird irgendwann sicherlich mal als Nazi betitelt - ob das nun von gelangweilten oder groben Jugendlichen kommt die im Internet (Anonymität) sowieso die Sau raus lassen und auf Klischees anspielen ist da erst mal zweitrangig - meist weiß man eh nicht wer hinter einem Account sitzt und daher ist es eine Vermutung die man höchstens dann nicht mehr hätte, wenn man die Person via VOIP oder so hört und vom Alter oder der Person her einschätzen kann.

Man kann sich darüber streiten, aber einen Nazivorwurf (Sinngemäß: "Du Nazi!") sehe ich schon im gleichen Atemzug irgendwo als "Schuldzuweisung" - man sei Nazi und trage die Ideologie mit, die all das verursacht hat. Und (Neo-)Nazis tragen eben genau diese Ideologie und propagieren sie sogar. Da sehe ich so was auch als berechtigten Vorwurf.

Aber nicht, wenn jemand einfach nur aus Deutschland kommt und/oder so aussieht.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:04
@Warden

Um deiner Argumentation zu folgen: mir ist das aber noch nie passiert. Und jetzt? Und ich leben schon ziemlich lange auf dieser Welt.

Und bitte lies in meinem letzten Kommentar noch einmal den letzten Abschnitt.

Da fällt mir noch ein:
Vielleicht kann man auch mal solchen Deppen, die da rumprollen, dazu motivieren, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, um sich der braunen Brut entgegenzustellen. das wäre in der Tat ein Zeichen von selbstbewussten Handelns, anstatt sich in seinen Schuldkomplexen selbst zu bemitleiden.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:19
@Warden

Wo wird denn denen die Schuld zugesprochen, die weit nach dem 2. WK geboren wurden?

Sry ich habe davon nix mitbekommen. Außer man hat eine andere Auffassung von Schuld. Denn die Schuld als solche tragen wir alle, ohne aktiv schuldig zu sein. Wir haben halt die Bürde es nie wieder so weit kommen zu lassen.

Wer mich Nazi nennt, der kennt mich nicht und sowas würde in einem Ohr reingehen und zum anderen wieder raus. Da würde ich höchstens müde lächeln, wie eingeschränkt dem seine Sichtweise doch ist. So jemandem würde ich dann aber versuchen die Geschichte zu erklären.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:34
@tudirnix

Dein letzter Absatz floss gen Ende in meinen Post mit ein - den Vorwurf kann man eben auch als Schuldzuweisung indirekt deuten. Betonung auf "kann". Vielleicht meinst du aber auch etwas Bestimmtes was ich gerade nicht selbst sehe. Die Tücken schriftlicher Kommunikation. Davon ab noch das ganze Sender-Empfänger-Modell...

Wenn man einer ist, ist das dann gerechtfertigt oder sozusagen eine "Tatsachenbeschreibung", aber ich schrieb ja eben, dass es das nicht ist, wenn man einfach nur aus Deutschland kommt oder einer ist, je nach Setting. Virtuell oder Online kann ich ja auch als Nazi betitelt werden wenn ich aus "Germany" komme, obwohl ich z.B. nicht mal klassische Deutsch aussehe oder ggf. nicht mal im Sinne des GG Deutscher bin. Vielleicht versteift man sich jetzt gerade auch am Nazivorwurf, drum formuliere ich es anders: Die Mitschuld kann fernab von "Du Nazi" oder eben entsprechend "You Nazi" auch anderweitig impliziert oder konkret ausgedrückt werden und bezieht sich ja eben auf heutige Generationen. Das ergibt sich, wenn man als Teil der heutigen Generation eben so angesprochen wird.

Wenn dir das nicht passiert ist, ist das ja eine Sache. Die Kernaussage die ich mit dem ersten Posting von mir eben ausdrücken wollte ist, dass solche Ereignisse, die ein Mensch erlebt, erleben kann (wo er also so betitelt wird und das dann nicht gerechtfertigt ist) eben dazu führen, dass man solche Dinge schreibt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass ich um den Brei herumschreibe, daher versuche ich es noch einmal anders auszudrücken um den Punkt deutlicher zu machen: Wer ungerechtfertigt als Nazi betitelt wird weil er einfach nur Deutsch ist, wird entsprechend auch mit den Augen rollen wenn es mal wieder soweit ist. Ferner können sich genau die Leute auch dann in Debatten wie hier darüber echauffieren. Sich zu beklagen, da in irgendeinen Topf geworfen zu werden, wo man selbst nichts mit zutun hat.

Ist ja auch nicht jeder Russe automatisch Kommunist, als Gegenbeispiel.

Wieder in Bezug auf den ersten Post:

Man wird nicht umhin kommen, sich mit dem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen. Auch kritisch. Das ist unabdingbar, wenn man das in ferner (oder naher) Zukunft vermeiden will. Wie gesagt, Schlussstrich finde ich da "relativ". Man kann nicht einfach alles "abtun", "vergessen", "ignorieren" wenn man aus der Geschichte und Vergangenheit für die Zukunft lernen will. Übertriebene Selbstgeißelung halte ich aber auch für falsch - manche mögen so etwas ja vorziehen.
Bone02943 schrieb:Wo wird denn denen die Schuld zugesprochen, die weit nach dem 2. WK geboren wurden?
Die direkte Schuld an den Ereignissen kann man nicht zuschreiben - die Verursacher oder Unterstützer sind de-facto alle oder weitgehend tot ... oder ziemlich alt. Zugleich kommt es eben auf die Auslegung an. Sollte ich den Begriff oder Kontext falsch verstanden haben (entgegen wie er z.B. von dir oder tudirnix gemeint war) entschuldige ich mich. Wie gesagt, "Versursacher-Schuld" kann es aufgrund des zeitlichen Abstands bei der heutigen Generation nicht mehr sein.

Legt man das aber mit "Schuld" ein wenig anders aus indem man unterstellt, man trage das automatisch als Deutscher ideologisch weiter, dann würde das eben greifen. Deutschland hat Verantwortung, aber keine Erbschuld, wie auch immer so ein Konzept greifen möge. Das erwähne ich, weil manche halt davon ausgehen.
Bone02943 schrieb:Wer mich Nazi nennt, der kennt mich nicht und sowas würde in einem Ohr reingehen und zum anderen wieder raus. Da würde ich höchstens müde lächeln, wie eingeschränkt dem seine Sichtweise doch ist. So jemandem würde ich dann aber versuchen die Geschichte zu erklären.
Dito, denke ich. Ich würde abwinken oder kurz darauf relativ sachlich eingehen, wieso er denn davon ausgeht, etc. Zumal das meistens Online geschieht wo man sein Gegenüber nicht sieht und sofort auf Klischees abgezielt werden könnte. Und ich sehe nun wirklich nicht wie ein "Biodeutscher" aus.

Aber um nochmal den Punkt zu bekräftigen: Nicht jeder geht "gelassen" damit um und dementsprechend sieht man zum Teil sogar auch ein bisschen "Mimimi" darüber. Und natürlich gibt es dann wiederum die wirklichen Neonazis die auch bewusst die Ideologie tragen, die aber aus wohl "taktischen Gründen" einen knallharten Schlussstrich wollen ("alles weg damit") um besser politisch handeln zu können. Wenn auch langfristig.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:36
@Bone02943

Sehe ich auch so. Schuld ist ein grosses Wort und es scheinen einige nicht zu verstehen was dies bedeutet.
Es geht darum die dunkle Vergangenheit zu akzeptieren und das es ein Teil unserer Geschichte ist. Es geht eher um Verantwortung. Von daher darf kein Schlussstrich gezogen werden.

Ich wurde nur 1mal als Nazi beschimpft. Aber ich habe so viel Selbstbewusstsein und bin genug politisch gebildet, um mich in diesen Situationen dementsprechend zu positionieren.

Wichtig ist dem braunen Rand heute die Stirn zu bieten und in die Schranken zu weisen. Holocaust Leugner gibt es leider auch genug.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:39
@Golfkrank

Genau so ist es. :ok:


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:40
Warden schrieb:Übertriebene Selbstgeißelung halte ich aber auch für falsch - manche mögen so etwas ja vorziehen.
das tut auch niemand. Es geht um Verantwortung. Und es geht wie ich schon schrieb, um eine Ausrede um in einer angeblichen Opferrolle revanchistische Positionen vertreten oder diese, in Anbetracht aktueller Ereignisse ausblenden zu können.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:44
Ja, in den 1980ern, als ich als Student durch die Welt reiste, wurde ich, wenn ich sagte, ich sei aus Germany, auch immer angesprochen: "Adolf Hitler, Weißwurst, Beckenbauer". Ja, das waren noch entspannte Zeiten. Heute ist man dann eher schon wieder der "Nazi", teilweise, weil einem der wirtschaftliche Erfolg nicht gegönnt wird, teils, weil man zunehmenden Rechtsextremismus, AfD und brennende Flüchtlingsunterkünfte auch im Ausland, eben wegen unserer Vergangenheit, mit Unbehagen verfolgt, ohne sich aber weiter einmischen zu wollen.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:46
@Realo

Ich will nicht wissen, was man so alles an den Kopf bekam, als Anfang der 90er die Unterkünfte brannten und diese Bilder um die Welt gingen. Damals hätte ich dazu wohl keine passenden Worte gefunden.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:46
@Warden

Sag mal, in welchen Kreisen bewegst du dich, dass du ständig als Nazi bezeichnet wirst?

Lebe hier mitten in der Stadt. Überall Menschen mit Migrationshintergrund, auch beruflich habe ich viel mit dem Ausland zu tun und bin ständig auf Reise (privat). Da geht es auch oft um Politik. In Asien waren die Leute ganz interessiert bezüglich dem Nationalsozialismus. Da habe ich erzählt das mein Großvater ein überzeugter Nazi war uns habe einiges erzählt. Noch heute habe ich mit 2 Leuten Kontakt. Die mögen mich und ich sie. Niemand nennt mich Nazi.

Es tut mir leid das du dich schuldig fühlst.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:48
@tudirnix
Natürlich habe ich den Eingangspost des TEs gelesen und um mich mal darauf zu beziehen:
"Ich kanns langsam nicht mehr hören. Was hab ich denn zu tun mit der Schuld unserer Vorfahren? Muss ich mich schämen für Taten, die ich nicht begangen habe? Muss man als Deutscher als solcher permanent sich dafür rechtfertigen, dass man nichts dafür kann, weil man damals noch nicht gelebt hat? Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein."

Schon mal daran gedacht, dass ich auch nicht immer Opfer spielen möchte? Wenn ich über das Judentum spreche, dann ist das erste Bild im Kopf meines Gesprächspartners ein sehr, sehr grausames. Bekennt man sich zur jüdischen Kultur dann wird das seltsam belächelt, fast so als ob es eine rebellische Haltung wäre. Ist es aber nicht. Uns wird auch immer nachgesagt, dass wir uns 'missverstanden' geben uns das aber selbst zuzuschreiben haben, weil wir ja so 'exklusiv' sind. Stimmt auch nicht. Ja, Konvertierte werden auf Herz und Nieren geprüft und ja, wenn man Teil der orthodoxen Gemeinde sein möchte, dann wird das leider immer Wunschdenken bleiben. Ich gehöre zur reformierten, der liberalen Generation und wir versuchen auch allen zu gefallen. Von orthodoxer Seite bekommt man allerlei Anschuldigungen zu hören, man sei ein Verräter und hätte keinen Stolz, Außenstehende können gar nicht richtig verstehen.
Und wenn man sie dan daran erinnert, dass man als Teil der Ntion – wir sind nun mal laut Pass Deutsche und keine Holländer, Franzosen oder Engländer – auch Verantwortung trägt für die Vergangenheit der Nation – die etwas früher begann als mit der eigenen Geburt, wird der Holocaust relativiert

Heute lässt sich das nicht mehr so pauschal sagen. Was ist mit Einwanderern? Was ist mit deren Kindern? Was ist mit den Deutschen, die woanders geboren wurden, aber hier aufgewachsen sind? Leid ist kein Wettbewerb. Man stellt sich nicht hin und sagt »Der da, der macht das!«. Wenn allerdings jemand einen Gewinner krönen will, dann lege ich durchaus los und prangere alles an, was mir einfällt. Damit relativiere ich aber nicht meine Geschichte, damit will ich zeigen dass Menschen schlecht sind und dass jede Gruppe zum Opfer eines Feindbilds werden kann. Gleichzeitig will ich damit aber auch sagen, dass jeder die Wahl hat und man sich auch gegen Hass entscheiden kann. Verharmlost wird dadurch gar nichts.
die Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken

Das entspricht absolut der Wahrheit und trifft – wie immer – auf alle Länder dieser Welt zu. Wenn ich etwas will und weiß, dass meine Chancen schlecht stehen, dann manipuliere ich. Wenn es sein muss streue ich auch Missgunst und Schuldgefühle – mir egal und einem Politiker schon zweimal egal. Ich bin auch sehr vorsichtig beim Thema Palästina. Deutschland lässt sich manipulieren, weil man noch immer nicht weiß wie man mit dem Kapitel Shoah umzugehen hat. Das macht mir das Leben aber auch schwer, weil ich zwar viel und gerne erkläre, sich aber niemand wirklich traut zu fragen. Man gibt sich verhalten und wechselt das Thema, obwohl ganz klar Interesse besteht. In meiner alten Synagoge gab es die Gruppe für junge Nazis – Jugendliche die bereits straffällig geworden sind und sich auch offen dazu bekannt haben. Dort hat man über unsere Geschichte gesprochen, über Bräuche und Tagesabläufe und was die Unterschiede zum – Bayern ist sehr christlich – Christentum sind. Ich bin nicht so naiv und behaupte, dass alle einsichtig waren, aber so geht man meiner Meinung nach am besten gegen diese Einstellung vor. Die Hemmungen sind für freie Beteiligung aber viel zu groß.
Schuld verjährt nicht, sie kann nur vergeben werden

Sehr schön formuliert und richtig, aber wer soll das vergeben? Es ist 2016 und Opfer sowie Täter sterben bzw. sind bereits verstorben. Jetzt rücken also Kinder und Enkel an, aber was sollen die machen? Ich kenne auch Geschichten von meiner Großmutter und mütterlicherseits habe ich auch Vorfahren, die zu den Opfern zählen, aber ich kann das nicht beurteilen. Ich möchte das auch gar nicht beurteilen. Natürlich ist es sehr belastend mit einer 'Erbschuld' zu leben. Genauso belastend ist es aber auch mit der Verantwortung zu leben und ständig zwischen Mahnung und Vergebung balancieren zu müssen. Ich wurde aufgrund meiner Herkunft und des Glaubens (Ich sage Kultur, weil ich eben nicht aktiv glaube) diskriminiert, aber ich bin kein Shoah Opfer und kann nichts über das, was damals passiert ist sagen. Deshalb kann ich auch niemandem irgendwas vergeben, auch wenn die andere Seite das zu erwarten scheint. Überhaupt würde mich mal interessieren, wie diese Vergebung auszusehen hat? Ein Rundschreiben des Rates? Ich bin mit vielen Dingen die der Rat so verkündet nicht einverstanden und würde auch nicht sagen, dass er meine Überzeugungen vertritt.
"Ist die Schuld verjährt?" fragt der Spiegel auf seinem jüngsten Titel. Verjähren kann nur ein staatlicher Strafanspruch. Schuld verjährt niemals, sie kann allenfalls vergeben werden. Aber es werden in diesem Lande eines Tages keine Menschen mehr leben, die an den Nazi-Verbrechen schuldig oder mit-schuldig geworden sind - und auch keine überlebenden Opfer mehr.

Soll man dazu vielleicht seinen Stammbaum vorlegen?
Geschichtslos sein wollen heißt: Die Verantwortung los sein wollen

Genau das möchte ich. Weniger Verantwortung. Ich soll Leidensgeschichten erzählen die nicht meine eigenen sind und gleichzeitig empathisch genug sein, um den 'Verbrechern' nicht zu viel aufzulasten? Danke, nein.
(A) Darf man als Deutscher die Verbrechen des Holocaust mit den Verbrechen anderer Nationen und/oder Regierungen vergleichen?

Wann ist man Deutscher? Laut Afd Wahlprogramm hätte ich – sollte ich straffällig werden – weniger Rechte als jemand der hier in Deutschland geboren wurde. Man würde mich 'zurück schicken'. Ich bin aber im Kleinkindalter hergekommen und würde mich 'dort' gar nicht zurecht finden. Was heißt das jetzt für mich? Vergleichen darf man immer, nur sinnvoll muss es sein. Ein Vergleich setzt auch nicht absolute Gleichstellung voraus.
(B) Muss man als junger Deutscher für die Verbrechen unserer Vorväter quasi in "Geiselhaft" genommen werden und sich schuldig führen für Verbrechen, die man gar nicht begangen hat, weil man zu der Zeit noch gar nicht lebte? Hat man als Deutscher überhaupt die Möglichkeit, aus diesen circulus vitiosus auszubrechen und normal wie jeder andere Weltbürger zu leben ohne permanent an unsere dunkle Vergangenheit erinnert zu werden. Einmal muss doch auch Schluss sein damit, oder?

Noch einmal: Wann ist man Deutscher? Zu fragen warum andere Nationen nicht mit der gleichen Intensität gemahnt werden ist natürlich und berechtigt. Es ist sogar vertretbar, denn nur so kann man anderen Völkern unter die Arme greifen. Es gibt noch immer Menschen die glauben, dass das Wort 'Genozid' ausschließlich zur jüdischen Geschichte gehört. Gleichzeitig glaubt man auch, dass Ghettos ein Konstrukt der afro-amerikanischen Kultur sind. Stimmt nicht, denn beides wurde lange vorher etabliert. (Letzteres tatsächlich von Juden, allerdings lange vor dem 20. Jahrhundert.)

Nein, Deutschland hat kein Recht auf einen Schlussstrich. Geschichte ist prägend und Prägung ist wichtig, weil dadurch der Grundstein für ein neues Kapitel in der kulturellen Denkweise gelegt wird. Diese Denkweise darf allerdings nicht von negativen Aspekten überschattet werden und eine mögliche Zusammenführung verschiedener Kulturen verhindern z.B. Ein Deutscher würde gerne dem Judentum beitreten, traut sich aber nicht erste Schritte einzuleiten, weil ihm die 'Erbschuld' anerzogen wurde.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:53
@resfeber
ganz kurz: Niemandem wird die Erbschuld anerzogen.
Lediglich wird versucht, den Menschen zu vermitteln , dass sie eine Verantwortung tragen haben. Nicht mehr und nicht weniger. Und @groucho hat es Dir auch breites erklärt, worum es geht.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 22:56
Golfkrank schrieb:Sag mal, in welchen Kreisen bewegst du dich, dass du ständig als Nazi bezeichnet wirst?

Lebe hier mitten in der Stadt. Überall Menschen mit Migrationshintergrund, auch beruflich habe ich viel mit dem Ausland zu tun und bin ständig auf Reise (privat). Da geht es auch oft um Politik. In Asien waren die Leute ganz interessiert bezüglich dem Nationalsozialismus. Da habe ich erzählt das mein Großvater ein überzeugter Nazi war uns habe einiges erzählt. Noch heute habe ich mit 2 Leuten Kontakt. Die mögen mich und ich sie. Niemand nennt mich Nazi.

Es tut mir leid das du dich schuldig fühlst.
Werde ich gar nicht ständig - entweder habe ich mich blöd ausgedrückt oder es wurde was falsch verstanden, aber wie gesagt, die Tücken schriftlicher Kommunikation :)

Ironischerweise in internationalen Kreisen, was zumindest das virtuelle angeht. Und genau da kann es eben passieren, dass man pauschal als Nazi betitelt wird (oder mit ähnlichen damit zusammenhängenden Klischees konfrontiert wird oder Worte wie "Jews" an den Kopf geworfen bekommt - manchmal nur 'scherzhaft', aber nicht immer). Kann auch sein, dass die Anonymität eine Rolle spielt und so etwas für die Leute die es sagen leichter macht.

Ferner könnte mir das auch nur online passieren - ich sehe eben nicht unbedingt so aus.

Hauptpunkt war eben: Leute werden schon weil sie einfach nur aus "Germany" kommen bzw. "German" sind, in den Nazitopf geworfen. Bitte nicht falsch verstehen, das passiert nicht jedem Deutschen überall und immer - es kann aber vorkommen. Ansonsten habe ich international eigentlich gute Kontakte. Zwar nur virtuell auf einer Art "Hobbylevel", aber zumindest meinem Verständnis nach schon für solche Verhältnisse "solide".

Die will ich nicht mehr missen wollen. Du hast das zwar auf einer "direkteren Schiene" (von Person zu Person, hautnah sozusagen), aber ich denke ich kann mich dennoch gut reinversetzen. Man kommuniziert ja mit den Leuten und lernt so anderes kennen.


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12.04.2016 um 22:57
@tudirnix
Erbschuld wird sehr wohl anerzogen, genau wie Rassismus oder Hass. Auch hat @groucho mir nichts erklärt. Es wurden lediglich Dinge wiederholt und umformuliert, die ich bereits geschrieben habe. Wir haben also ein und dasselbe dargelegt.


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 23:04
@resfeber

Und von wem? Nur von denjenigen die wie ich hier Beitrag von tudirnix, Seite 16
und in diesem Kommentar von mir
tudirnix schrieb:Wenn ich mir das ganze hier durchlese, gibt es ziemlich viele Kommentatare, in denen die Schreiber Schuldvorwürfe zurückweisen, die ihnen niemand gemacht hat. Und warum? Ich sage es jetzt mal ohne Umschweife; weil sich aus einer der Phantasie entsprungenen Opferrolle eines vermeintlich gegeißelten Volkes revanchiste Positionen doch viel besser vertreten lassen.
beschrieb.

Von niemandem sonst.


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12.04.2016 um 23:12
@tudirnix
Beziehst du denn grundsätzlich alles auf dieses Forum und Shoah? Ich wüsste auch nicht, warum man sich jetzt einen User als Beispiel herauspicken sollte. Von Erbschuld ist schon – wenn man daran glaubt – seit Kain und Abel die Rede, was vom TE auch bewusst angeschnitten wurde. Es ist Teil der Geschichte und Teil der Erziehung. Entwickelt sich die Gesellschaft, ändert sich auch der Erziehungsstil.

Seit wann legt der gewöhnliche Allmystery User fest was ist und was nicht?


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 23:17
Warden schrieb:Hauptpunkt war eben: Leute werden schon weil sie einfach nur aus "Germany" kommen bzw. "German" sind, in den Nazitopf geworfen. Bitte nicht falsch verstehen, das passiert nicht jedem Deutschen überall und immer - es kann aber vorkommen. Ansonsten habe ich international eigentlich gute Kontakte. Zwar nur virtuell auf einer Art "Hobbylevel", aber zumindest meinem Verständnis nach schon für solche Verhältnisse "solide".
Sicher das kann einem immer wieder mal passieren. Aber man geht damit normalerweise ja offen um und damit ist das alles auch gar kein Problem. Richtig ärgern sich darüber ja eigentlich eh nur die Menschen, die sich dadurch angesprochen fühlen und damit in ihrer "Ehre" gekränkt werden. ;)


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Die Schuld der Deutschen: Haben wir das Recht auf "Schlussstrich"?

12.04.2016 um 23:18
Es ist doch bei einer Mehrheit der Menschen, die sich irgendeinem Schuldvorwurf ausgesetzt sehen, lediglich die Konfrontation mit dem 3. Reich oder irgendwas, was man mit dem Interpretationshammer in diese Richtung prügeln kann.
Dazu kommt dann noch eine entsetzliche Humorlosigkeit und quasi Paranoia.
Wenn ich alleine daran denke, für wieviele Aussagen mir hier schon die "Nazikeule" vorgeworfen wurde, obwohl ich nichtmal im Entferntesten etwas in diese Richtung geschrieben habe.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass Leute in diesem Land leben müssen, die einen Ohnmachtsanfall bekommen, wenn sie nur am falschen Abend Phoenix einschalten.

Menschen die ihre soziale Identität über "deutsch sein" definieren und davon sprechen, dass man wieder ein gesundes Nationalbewusstsein entwickeln sollte, sind in meinen Augen oftmals Menschen, die ein vollkommen gestörtes, teils psychotisches, Verhältnis zu ihrer Staatsangehörigkeit bzw "Abstammung" haben.


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12.04.2016 um 23:20
@resfeber
resfeber schrieb:Ich wüsste auch nicht, warum man sich jetzt einen User als Beispiel herauspicken sollte
ich beziehe mich auf meinen eigenen Beitrag als nochmalige Erklärung auf deinen Kommentar auf niemanden sonst


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