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Chinas Sozialkreditsystem

66 Beiträge, Schlüsselwörter: China

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06.05.2019 um 12:42
Kc schrieb:Statt diese Andersartigkeit erstmal so hinzunehmen, verfallen wir zu schnell in negative Bewertungen und halten unsere Lebensweise und Werte für absolut überlegen.
Man kann aber durchaus auf eine objektivierte Art sich damit auseinander setzen.

Ja, die Kulturen sind verschieden. China legt den Fokus auf die Gesellschaft und das Individuum steht hinten an, Deutschland sieht die Rechte des Individuums stärker im Fokus.
Das führt natürlich zu einer anderen Gewichtung der Abwägung unterschiedlicher Rechte, die @otternase völlig richtig angesprochen hat.

Ein Scoring, wie China das macht, ist für das Individuum katastophal. Zum einen wird sich ein großer gesellschaftlicher "Bodensatz" bilden. Wenn man mal abgerutscht ist, wir es mit dem Job schwer und mit der Schule für die Kinder. Es werden einfach Klassen entstehen, die nur schwer durchlässig sind.

Dann besteht durch das öffentliche Anprangern die Gefahr, dass Einzelne völlig zu Unrecht und faktisch nicht revidierbar unter die Räder kommen. Die Gesichtserkennung erfasst die falsche Person oder ordnet die Person falsch zu, weil sie den konkreten Sonderfall nicht kennt oder falsch interpretiert. Gleiches gilt bei ausstehenden Zahlungen.
Was ist die Folge? Jemand ruft Dich an und er hört als erstes z.B., dass es sich um einen unehrlichen Schuldner handelt würde. Oder Dein Gesicht prangt auf einer öffentlichen Tafel, weil Du eine rote Ampel ignoriert hast (vielleicht, um jemandem zu helfen, vielleicht, um einer Gefahr auszuweichen, vielleicht, weil die Software Dein Gesicht falsch zugeordnet hat).
Dann bist Du also z.B. Lehrer und alle Deine Schüler und die Eltern sehen Dich am Pranger stehen.
Das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Selbst wenn am nächsten Tag Dein Bild und eine Erklärung da stünde, es wäre ein Irrtum gewesen.

Der Pranger ist eine entwürdigende und ungerechte Behandlung von Individuen und er wurde im Westen (bis das Internet mit seinen Bewertungsportalen dann kam) zu recht abgeschafft.

Für eine Gesellschaft kann das vorteilhaft sein, lieber einen zu viel als einen zu wenig anzuprangern. Für den Einzelnen kann es aber fatal sein und es schürt eine Situation der Ohnmacht.
Definitiv keine schöne Art zu leben.


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06.05.2019 um 12:50
otternase schrieb:Wie ist es beispielsweise mit der freien Religionsausübung, wenn diese dazu führt, dass die Dritte dadurch eingeschränkt werden? Wie sieht es mit dem Umgang mit Anhängern einer Religion aus, aus deren Mitte auch militante Terroristen kommen?
Terrorismus und Freie Reigionsausübungen haben erstmal nix mit einander zu tun. Ich sehe da jetzt auch noch keine Zielkonflikte in den Menschenrechten.
otternase schrieb:Oder anderes Beispiel: bis zu welcher Grenze sind Einschränkungen der Freiheitsrechte hinnehmbar, wenn es um die Sicherstellung der Nahrungsversorgung geht?
Worauf willst du hinaus? Wo steht davon was in den Menschenrechten?
otternase schrieb:Oder ein Beispiel aus aktueller Diskussion auch in Deutschland: wie hoch ist das Recht des Einzelnen, über medizinische Massnahmen an sich selbst zu entscheiden, gegen das Recht der Gesellschaft auf Schutz zu werten? Wie ist also Impfpflicht zu beurteilen?
Ich sehe nicht das Impflicht im Sinne der Menschenrechte gegen etwas verstößt.

Ich glaube dein Problem ist das du bei Gesetzen immer an Alles oder nichts denkt.

aber schon deine Beispiele zeigen sehr gut um welch feine Nuancen es geht. Kein Vergleich zu den Zuständen die man so anprangert, oder wovon hier einige weit weit Weg Fan sind, sofern das Feindbild stimmt.

Aber auf welchen Artikel beziehst du dich bzgl der impfflicht?


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06.05.2019 um 22:26
Fedaykin schrieb:Terrorismus und Freie Reigionsausübungen haben erstmal nix mit einander zu tun. Ich sehe da jetzt auch noch keine Zielkonflikte in den Menschenrechten.
gerade das ist doch mehr als deutlich. Um nicht das regelmäßig vorgetragene Beispiel Islam wieder auszukramen, nehme ich mal ein anderes Beispiel:
die Terroristen, die in den USA Bombenanschläge auf Kliniken verüben, die Abtreibungen vornehmen, sind zumeist aufgestachelt von radikalen Evangelikalen, die ihre Hasspredigten unter dem Deckmantel der freien Religionsausübung schützen.
Fedaykin schrieb:Worauf willst du hinaus? Wo steht davon was in den Menschenrechten?
ist es kein Menschenrecht, nicht zu hungern? Wenn zur Sicherstellung dieses Rechts der Menschen, eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung zu haben, andere Menschenrechte berührt werden, wie wägt man dann ab? Das meine ich jetzt auch ganz konkret auf China bezogen. Ein großer Teil der heute in China lebenden Menschen haben als Kinder, Jugendliche oder junge Menschen noch Hungersnöte miterlebt. Bis weit in die 1980er war die Nahrungsmittelversorgung in China immer wieder gestört.
Wer mit den Menschen in China über Menschenrechte sprechen will, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein. Wer als Kind Hunger erlebt hat, wird angesichts des heutigen Überflusses wahrscheinlich manche Menschenrechte weniger relevant einstufen...
Fedaykin schrieb:Ich sehe nicht das Impflicht im Sinne der Menschenrechte gegen etwas verstößt.
Impfen ist ein medizinischer Eingriff. Ohne medizinische Notwendigkeit (der Betroffene ist ja nicht krank) und ohne Zustimmung, gegen den Willen des Betroffenen einen medizinischen Eingriff vorzunehmen, ist erstmal ein ziemlich heftiger Verstoss gegen das Selbstbestimmungsrecht und das Recht auf körperliche Unversehrtheit!
Natürlich gibt es im Fall des Impfens sehr gute Gründe, trotzdem im Interesse der Allgemeinheit (zB. im Interesse von Säuglingen, die noch nicht geimpft werden können, von Menschen, die keine Impfschutz aufbauen können usw.) dennoch zu impfen. Aber das ist dann eben eine Abwägung verschiedener Interessen und Rechte und es ist keineswegs "clear cut".
Fedaykin schrieb:Ich glaube dein Problem ist das du bei Gesetzen immer an Alles oder nichts denkt.
ganz im Gegenteil. Ich denke, dass bei den meisten Dingen im Leben ein "alles oder nichts" nicht möglich ist, weil es immer unterschiedliche Ziele und Interessen gibt. Dass eigentlich immer Abwägen geboten ist. Und dass dies auch für Menschenrechte gilt, auch diese müssen unter der Betrachtung unterschiedlicher Interessen abgewogen werden.


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07.05.2019 um 08:23
otternase schrieb:gerade das ist doch mehr als deutlich. Um nicht das regelmäßig vorgetragene Beispiel Islam wieder auszukramen, nehme ich mal ein anderes Beispiel:
die Terroristen, die in den USA Bombenanschläge auf Kliniken verüben, die Abtreibungen vornehmen, sind zumeist aufgestachelt von radikalen Evangelikalen, die ihre Hasspredigten unter dem Deckmantel der freien Religionsausübung schützen
Auch das ist wieder die Frage das alles nicht schwarz weiß ist. Freie Religionsausübung und Anstiftung zu Straftaten ist zweierlei.
otternase schrieb:Wer mit den Menschen in China über Menschenrechte sprechen will, sollte sich dieser Tatsache bewusst sein. Wer als Kind Hunger erlebt hat, wird angesichts des heutigen Überflusses wahrscheinlich manche Menschenrechte weniger relevant einstufen...
Mag sein, für sich selber wird er deswegen wohl kaum Folter und Willkür gut finden.
otternase schrieb:Impfen ist ein medizinischer Eingriff. Ohne medizinische Notwendigkeit (der Betroffene ist ja nicht krank) und ohne Zustimmung, gegen den Willen des Betroffenen einen medizinischen Eingriff vorzunehmen, ist erstmal ein ziemlich heftiger Verstoss gegen das Selbstbestimmungsrecht und das Recht auf körperliche Unversehrtheit!
Bei Impfen geht es aber durchaus um eine Medizinische Notwendigkeit. Und nein ein Heftiger verstoß sieht anders aus, als eine Nadel zu injizieren, auch wenn Impfgegnertrottel die wildesten Geschichten erzählen.

Ich sehen keine Artikel in den Menschenrechten den man so ganz explizit gegen eine Impfflicht einsetzen könnte.
otternase schrieb:ganz im Gegenteil. Ich denke, dass bei den meisten Dingen im Leben ein "alles oder nichts" nicht möglich ist, weil es immer unterschiedliche Ziele und Interessen gibt. Dass eigentlich immer Abwägen geboten ist. Und dass dies auch für Menschenrechte gilt, auch diese müssen unter der Betrachtung unterschiedlicher Interessen abgewogen werden.
Mag sein, aber mit Abwegen wirst du bei den meisten Punkten keine Verstöße Rechtfertigne? Foltern wegen Ernährung? Gesetzesungleichheit, Diskriminierung wegen Hautfarbe? Ungleichbehandlung von Mann und Frau?


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07.05.2019 um 09:35
Fedaykin schrieb:Auch das ist wieder die Frage das alles nicht schwarz weiß ist. Freie Religionsausübung und Anstiftung zu Straftaten ist zweierlei.
Bei wörtlicher Interpretation des Alten Testaments oder des Korans stellen sich Hass auf Andersgläubige, Gewalt und Terrorismus nicht als Abarten, sondern als Kernelemente der Religionen dar.
Aber konkreter: sagt Dir ‚Taiping Rebellion‘ etwas? Leider wird im deutschen Geschichtsunterricht dieser Bürgerkrieg nicht einmal erwähnt... Obwohl mit geschätzt 20-30 Millionen Opfern mehr Menschen als im 1. Weltkrieg starben!
Dahinter steckte eine Bewegung, die Elemente des Christentums und verschiedener Volksreligionen verband und die eine gewaltsame ‚Bekehrung‘ anstrebte. Der Anführer Hong Xiuquan hielt sich für den Bruder von Jesus Christus...
Wikipedia: God_Worshipping_Society

Angesichts dieser Geschichte habe ich zum Beispiel großes Verständnis dafür, dass die chinesische Regierung sehr restriktiv, zum Teil gewaltsam und nicht immer rechtsstaatlich gegen Falun Gong Anhänger vorgeht, die gegen den Staat rebellieren! Und insbesondere habe ich Verständnis dafür, dass die Bevölkerung in Mehrheit dies richtig findet!


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07.05.2019 um 09:41
Fedaykin schrieb:Mag sein, für sich selber wird er deswegen wohl kaum Folter und Willkür gut finden.
Niemand findet es für sich selbst gut, Restriktionen auferlegt zu bekommen. Kein Krimineller findet es gut, eine Geldstrafe auferlegt zu bekommen oder ins Gefängnis zu müssen, kein Impfgegner findet es gut, zwangsgeimpft zu werden, kein Hamas Anhänger im Gazastreifen findet es gut, wenn auf seine Rakete die IDF mit Luftangriff reagieren...

Danach zu fragen, was jemand für sich selbst gut findet, ist nie zielführend.
Oder anders: man befragt nicht die Frösche zur Trockenlegung eines Sumpfes


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07.05.2019 um 10:09
otternase schrieb:Niemand findet es für sich selbst gut, Restriktionen auferlegt zu bekommen. Kein Krimineller findet es gut, eine Geldstrafe auferlegt zu bekommen oder ins Gefängnis zu müssen, kein Impfgegner findet es gut, zwangsgeimpft zu werden, kein Hamas Anhänger im Gazastreifen findet es gut, wenn auf seine Rakete die IDF mit Luftangriff reagieren...
Was hat das mit der Auslegung der Menschenrechte zu tun? Du sagst das Gesellschafte es abwegen, das setzt voraus das wirklich die Gesellschaft aber auch bestimmen kann über die Menschenrechte
otternase schrieb:Danach zu fragen, was jemand für sich selbst gut findet, ist nie zielführend.
Es geht hier nicht um Wünsch die was, sondern um die Fudamentalen Menschenrechte.

Und dann reden wir wohl über den "Normalen Menschen" nicht über den Mörder, Psychopaten, Terroristen,


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07.05.2019 um 10:30
Fedaykin schrieb:Bei Impfen geht es aber durchaus um eine Medizinische Notwendigkeit. Und nein ein Heftiger verstoß sieht anders aus, als eine Nadel zu injizieren, auch wenn Impfgegnertrottel die wildesten Geschichten erzählen.

Ich sehen keine Artikel in den Menschenrechten den man so ganz explizit gegen eine Impfflicht einsetzen könnte.
Vorweg: ich bin definitiv kein Impfgegner! Ich halte den Eingriff einer Impfung wie zB Masernimpfung für gerechtfertigt.

Aber: selbstverständlich ist der Stich mit der Nadel und das Spritzen einer medizinisch wirksamen Substanz gegen den Willen des Betroffenen Körperverletzung und Verletzung des Selbstbestimmungsrechts. Das sieht auch der Gesetzgeber so (siehe unten). Entscheidend ist die Frage, ob dieser Eingriff dennoch gerechtfertigt ist (ich sage ja). Aber das ist eben eine Sache der Abwägung unterschiedlicher Rechte.

https://www.beck-stellenmarkt.de/ratgeber/karriere/der-juristische-arbeitsmarkt/das-medizinrecht-heileingriffe-als-straf...
Der ärztliche Eingriff als Tatbestand der Körperverletzung
Die Einordnung des ärztlichen Heileingriffs als tatbestandliche Körperverletzung im Sinn des § 223 Abs. 1 StGB rührt aus der Rechtsprechung des Reichsgerichts her, welches bereits im Jahre 1894 feststellte, dass auch der lege artis, also der nach allen Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführte Heileingriff den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt.
Da der BGH, trotz zahlreicher kritischer Stimmen in der Literatur und innerhalb der instanzgerichtlichen Rechtsprechung, an dieser Qualifikation festhält, steht sowohl für den behandelnden Arzt als auch für den Fachanwalt im Medizinrecht der maßgebliche, stets zu beachtende Anknüpfungspunkt fest: die Rechtfertigung des Eingriffes im strafrechtlichen Sinne. Denn aufgrund der Einordnung des Heileingriffs als Körperverletzung ist es erforderlich zu prüfen, ob dieser Eingriff gerechtfertigt ist und somit keinerlei strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.
Rechtfertigungsgründe für medizinische Eingriffe
Als Rechtfertigungsgründe kommen grundsätzlich der allgemeine Notstand gemäß § 34 StGB, die ausdrückliche Einwilligung gemäß § 228 StGB sowie die gewohnheitsrechtlich anerkannte, mutmaßliche Einwilligung in Betracht, wobei gerade die zwei letztgenannten Gründe in der Praxis eine bedeutende Rolle spielen.
Das Erfordernis einer Rechtfertigung und damit vor allem auch das einer wirksamen Einwilligung leitet die höchstrichterliche Rechtsprechung einerseits aus dem Recht auf körperliche Unversehrtheit gemäß Art. 2 Abs. 2 GG sowie andererseits aus dem Selbstbestimmungsrecht als Ableitung aus dem Recht auf Menschenwürde gemäß Art. 1 GG her. Geschützt wird also die Entscheidungsfreiheit des Patienten in Bezug auf seine körperliche Integrität, über die der Arzt nicht eigenmächtig verfügen darf.
Eine wirksame Einwilligung setzt hierbei voraus, dass sie auf einem freien Willensentschluss des Patienten beruht, der auch nach außen hin erkennbar ist. Für diese Erkennbarkeit ist es zwar von Gesetzes wegen nicht erforderlich, dass bestimmte Formerfordernisse eingehalten werden; in der Praxis wird jedoch aus Gründen der Beweisbarkeit regelmäßig ein Formular verwendet, das der Patient unterschreibt.
Maßgeblich für die Wirksamkeit der Einwilligung ist stets, dass der Patient vor Abgabe seiner Einwilligung umfassend über das ärztliche Vorgehen und die damit verbundenen möglichen Risiken aufgeklärt worden ist.
Liegt hingegen ein medizinischer Notfall vor, verbleibt für die Einholung einer ausdrücklichen Einwilligung des Patienten regelmäßig keine Zeit, etwa dann, wenn der Patient ohnmächtig ist. In diesen Fällen kommt die mutmaßliche Einwilligung als Rechtfertigungsgrund zum Tragen, die erfordert, dass der konkrete ärztliche Eingriff medizinisch indiziert und in Anbetracht der akuten Gefahr für das körperliche Wohl des Patienten nicht aufschiebbar ist.
Mit anderen Worten: dem Arzt darf in der Notsituation keine Möglichkeit zur Verfügung gestanden haben, vor der Durchführung des Eingriffs eine ausdrückliche Einwilligung des Patienten einzuholen.
Sowohl das Vorliegen einer ausdrücklichen Einwilligung als auch das einer mutmaßlichen Einwilligung kann im Einzelfall zweifelhaft sein und damit Anlass für eine Rechtsstreitigkeit bieten.


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07.05.2019 um 10:42
Fedaykin schrieb:Und dann reden wir wohl über den "Normalen Menschen" nicht über den Mörder, Psychopaten, Terroristen,
Gelten für ‚nicht-normale‘ Menschen die Menschenrechte denn nicht mehr? Und wer bestimmt, wer ‚normale Menschen‘ sind?

Fakt ist, dass immer eine Abwägung der Interessen der Gesellschaft und des Individuums stattfinden muss.
Fedaykin schrieb:Du sagst das Gesellschafte es abwegen, das setzt voraus das wirklich die Gesellschaft aber auch bestimmen kann über die Menschenrechte
Richtig. Und zumindest in China ist es so, dass die Gesellschaft praktisch geschlossen hinter den genannten Maßnahmen steht. Es gibt beispielsweise faktisch keine Opposition gegen SCS. Die in den westlichen Medien oft zitierten Künstler und Oppositionellen sind zumeist in China völlig unbekannt oder werden dort von der Bevölkerung nicht ernstgenommen.
Auch wenn China kein demokratischer Staat ist, so kann man dennoch feststellen, dass weder SCS noch manch andere vom Westen als Verstoß gegen die Menschenrechte angeprangerte Praxis des chinesischen Staates von der Gesellschaft in China abgelehnt wird.


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07.05.2019 um 10:43
Die Diskussion wird zu sehr aus der Perspektive der Verschiedenheit der Kultur ausgeführt.
Das geht imho am Thema vorbei, da es bei diesem System in erster Linie darum geht, kritische, unliebsame, unangepasste auf Regierungslinie zu bringen. Es ist schlicht und ergreifend ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, um die eigene Ideologie zu forcieren oder Status quo zu erhalten. Dabei ist es auch unerheblich ob gewisse Leute in China damit einverstanden sind, zumal man über die wirkliche repräsentative Meinung sowieso nicht bescheid wissen kann, da die freie Meinungsäußerung in China eingeschränkt ist.

Das ist auch keine Geschichte, wo es darum geht, zu eruieren, ob man zu sehr aus der westlichen Perspektive darauf schaut. Es ist die Frage, ob eine Gesellschaft frei ist oder eben nicht frei ist und diese kann man definitiv verneinen und zwar als dahingehend, dass man sagen kann, dass sie hochgradig unfrei ist.


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07.05.2019 um 10:48
otternase schrieb:Richtig. Und zumindest in China ist es so, dass die Gesellschaft praktisch geschlossen hinter den genannten Maßnahmen steht. Es gibt beispielsweise faktisch keine Opposition gegen SCS. Die in den westlichen Medien oft zitierten Künstler und Oppositionellen sind zumeist in China völlig unbekannt oder werden dort von der Bevölkerung nicht ernstgenommen.
Wow, in einem absolutistischen Staat gibt es also keine Masse an Leuten, die so wahnsinnig wären, sich konträr gegenüber der Regierung zu äußern. Einem Staat mit einer einzigen Wahrheit, die alles unter Kontrolle hat und alles und jeden unterjocht, der anders denkt. Dass man die Protagonisten nicht kennt, ist auch ja voll überraschend, wenn man bedenkt, wer die Kontrolle über die Meinungshoheit hat. Indes ist es sowieso unerheblich, ob diese Personen bekannt sind oder nicht, sondern ob deren Argumente stichhaltig sind.


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07.05.2019 um 10:59
Sungmin_Sunbae schrieb:Es ist die Frage, ob eine Gesellschaft frei ist oder eben nicht.
Was ist ‚frei‘?
Da kommt doch schon wieder die kulturelle Interpretation hinein.

Dazu erzähle ich immer wieder gerne folgende Story: ich war mal auf Dienstreise in dem nach allgemeinen Massstäben wohl unfreiesten Land der Welt. An einem Abend bin ich nach dem Treffen mit Geschäftspartnern schwerst angetrunken mit nur sehr groben Ortskenntnissen durch dunkle Gassen zu meinem Hotel geschwankt, mit teurem Laptop und mehr Geld in der Tasche als die Mehrheit der Bevölkerung dort in einem Jahr oder sogar Jahrzehnt verdient.
Und trotzdem war ich völlig FREI von Angst, überfallen zu werden! Berechtigterweise, weil Täter durch extreme Strafen abgeschreckt werden und zudem überall Polizei und Sicherheitsdienste waren, wahrscheinlich ich als Ausländer zudem noch beschattet wurde...
Ein total anderes, in Deutschland und fast überall sonst auf der Welt völlig unbekanntes Gefühl von Freiheit in einem unfreien Land!
Leben möchte ich dort selbstverständlich trotzdem nicht, aber mir ist durch diese Episode klargeworden, dass auch ‚Freiheit‘ kein absoluter, sondern unterschiedlich interpretierbarer Begriff ist!


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07.05.2019 um 11:01
otternase schrieb:Was ist ‚frei‘?
Da kommt doch schon wieder die kulturelle Interpretation hinein
Diese frage ist nur ein rhetorischer kniff.
Es ist nämlich klar um was es hier geht.
Dieses Sozialkreditsystem ist nicht fair, ist nicht frei. Fertig und aus.
Dein beispiel interessiert mich nicht, da es am Thema vorbei geht.
Ich diskutiere sowas auch nicht aus.


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07.05.2019 um 11:01
otternase schrieb:Gelten für ‚nicht-normale‘ Menschen die Menschenrechte denn nicht mehr? Und wer bestimmt, wer ‚normale Menschen‘ sind?

Fakt ist, dass immer eine Abwägung der Interessen der Gesellschaft und des Individuums stattfinden muss.
Nun sagen wir mal so eine Krimineller wird sich nicht auf alles Berufen können wie zb die Freiheit weiter zu Morden usw.

Noch wird er gefragt ob Mord denn eine Straftat darstellt. Es ging ja bei dir das man nicht die Leute befragen sollte die es betrifft was sie von Menschenrechten halten, und da kammst du mit Kriminelllen und Terroristen

Nun ein Krimineller wird sich bzgl der Menschenrechte nicht darauf berufen können "Frei" zu sein usw.
otternase schrieb:Richtig. Und zumindest in China ist es so, dass die Gesellschaft praktisch geschlossen hinter den genannten Maßnahmen steht
Wie kommst du darauf? IN China haben wir leider gar nicht die Möglichkeit das Ehrlich zu Überprüfen. Das ist ja der Witz an Autoritären Staaten.
otternase schrieb:Es gibt beispielsweise faktisch keine Opposition gegen SCS.
Wo soll die herkommen?
otternase schrieb:ch wenn China kein demokratischer Staat ist, so kann man dennoch feststellen, dass weder SCS noch manch andere vom Westen als Verstoß gegen die Menschenrechte angeprangerte Praxis des chinesischen Staates von der Gesellschaft in China abgelehnt wird.
Ich bin mir nicht sicher wie der Einfache Bürger über vieles Denkt bzgl der Menschenrechte. Ob er sich nicht auch nach Rechten sehnt?


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07.05.2019 um 11:04
otternase schrieb:nd trotzdem war ich völlig FREI von Angst, überfallen zu werden! Berechtigterweise, weil Täter durch extreme Strafen abgeschreckt werden und zudem überall Polizei und Sicherheitsdienste waren, wahrscheinlich ich als Ausländer zudem noch beschattet wurde...
Ist doch nicht so Schwer Freiheit im Sinne der Gesellschaft festzulegen.

Die Freiheit als Touri nicht übefallen zu werden weil anderen die Hand abehackt wird oder ähnliches ist kein Masstab für Freih.

Manche sagen ja auch Ruhig und Friedlich wäre die Friehofsruhe, auch schlechter Vergleich.


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07.05.2019 um 11:14
@Sungmin_Sunbae
So unterdrückt und geschlossen ist China schon lange nicht mehr. Wenn man sich regelmäßig mit China beschäftigt, weiß man sehr wohl, wo den Menschen der Schuh drückt, wogegen sie auf welche Weise protestieren. Es gibt Dienste im Internet wie ‚Free Weibo‘, die prüfen, welche Themen gerade zensiert werden und wie groß das Interesse der Bevölkerung an diesen Themen ist.
Und SCS gehört definitiv nicht zu den Themen.
Sungmin_Sunbae schrieb:Indes ist es sowieso unerheblich, ob diese Personen bekannt sind oder nicht,
Es ist insoweit sehr relevant, weil diese Personen in den westlichen Medien quasi als ‚Sprecher‘ der Bevölkerung behandelt werden, was mit der Wahrheit absolut nichts zu tun hat!
Fedaykin schrieb:Die Freiheit als Touri nicht übefallen zu werden weil anderen die Hand abehackt wird oder ähnliches ist kein Masstab für Freih.
Und das legst Du fest? Ich finde, die Freiheit von der Sorge, überfallen zu werden, egal ob als Mann oder Frau, als Tourist, Expat oder Einheimischer, ist schon eine ganz wesentliche Freiheit!


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07.05.2019 um 11:18
otternase schrieb:Und das legst Du fest? Ich finde, die Freiheit von der Sorge, überfallen zu werden, egal ob als Mann oder Frau, als Tourist, Expat oder Einheimischer, ist schon eine ganz wesentliche Freiheit!
Nein die Freiheit einer gesellschaft wird anders gemessen.

Du verwechselst Freiheit mit Sicherheit. Entscheident ist also wie diese Sicherheit denn geschaffen wird.


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