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Globale Risiken durch Russland und China

823 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Russland, China, Ukraine ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Globale Risiken durch Russland und China

19.03.2026 um 16:30
Der zitierte Beitrag von Zz-Jones wurde gelöscht. Begründung: Widerlege die Thematik sachlich
Leider betrachten wir hier in Deutschland das sehr naiv
General Petraeus:

The future of warfare—not yet seen in the Gulf—is Ukraine producing 7 million drones per year. Last year they made 3.5 million, enabling 9–10 thousand drones per day.

These are still remotely piloted. But autonomous systems are coming, and that means drone swarms. They're already being introduced at mission end. Defending against swarms is really hard—you'll need high-powered microwaves or similar.

We're not where we should be, despite what we should have learned from Ukraine for a very long time. They're making software changes every week or two, hardware changes every 2–3 weeks.
Quelle: https://www.linkedin.com/posts/giorgi-revishvili_general-petraeus-the-future-of-warfarenot-activity-7440067329553559553-IMGw


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Globale Risiken durch Russland und China

19.03.2026 um 19:12
Nochmal langsam für alle.
Weder wird sich gegenseitig beleidigt, noch angezickt, noch die Diskussion in völligen Userbezug geschoben. Die Gespräche finden ab sofort auf der Sachebene statt.


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Globale Risiken durch Russland und China

23.03.2026 um 15:13
Beitrag aus dem Parralelthread: Der hybride Krieg Russlands gegen die Ukraine (Seite 1214) (Beitrag von Fellatix)

Dass China Russland den Krieg finanziert, ist nicht neu. Belege dafür gab es hier genug. Aber in diesem Artikel wird das genaue Ausmaß auch gleich beziffert. Laut einem Bericht an das britische Parlament stammt 60% der Kriegsfinanzierung, also eine absolute Mehrheit des Geldes, aus China, und zwar aus verdeckten Kanälen:
Air Marshal (Retd) Edward Stringer, Senior Fellow at Policy Exchange, told MPs that open-source intelligence points to a level of Chinese support that goes far beyond diplomatic alignment. “Open source suggests around 60% of the Russian war effort is being covertly bankrolled by China,” he said. “Russia can only maintain this war because China is essentially bankrolling it.”
Hier würde mich auch sogar mal interessieren, wie die youtuber China in der vermeintlichen Gleichung, westliche Sanktionen = bevorstehender russischer Kollaps, einordnen - ob sie überhaupt einordnen oder dies vielleicht zu unbequem für die Zielgruppe ist.

Ein Experte aus St Andrews sieht zudem geostrategische Interessen, dich ich oben auch bereits angesprochen hatte und die sich (meine Ergänzung - aber wie sollte man den Hinweis auf die Geographie anders verstehen?) auf die eurasischen Handelsrouten beziehen.
He also pointed to the emergence of a geographically contiguous bloc involving Russia, China and Iran, with significant strategic leverage across Eurasia. “You now have a block with extraordinary leverage from its geographic position,” Strachan said. “The question is not how we encourage these states to work together, but how we prevent further consolidation.”
Quelle: https://ukdefencejournal.org.uk/china-quietly-funding-russian-war-machine-mps-told/

Denn auf dem Weg von Südostasien bis Europa kommt man an diesem Block schlecht vorbei. Die strategische Bedeutung für den Handel und die Weltwirtschaft zeigt sich gerade diese Tage von neuem.


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Globale Risiken durch Russland und China

23.03.2026 um 20:00
Zitat von PanaetiusPanaetius schrieb:Dass China Russland den Krieg finanziert, ist nicht neu. Belege dafür gab es hier genug.
China kauft in großen Mengen russisches Gold und Silber, versucht so wohl Russland am Leben zu erhalten.
Die russische Zentralbank verkaufte im Januar eine beträchtliche Menge Gold aus ihren Reserven
19f4e273-cb0e-411e-9f1d-28bfb376350e
Russland ist nach China der zweitgrößte Goldproduzent der Welt mit einer Jahresproduktion von über 300 Tonnen. Die russische Zentralbank gehörte einst zu den größten staatlichen Goldkäufern weltweit, doch ihre Käufe gingen seit dem umfassenden Einmarsch in die Ukraine 2022 zurück. Die Chinesische Volksbank zählt seit Jahren weiterhin zu den führenden Zentralbanken, die Gold kaufen.
Die jüngste Preisrallye bei anderen Edelmetallen hat auch die Umsätze der größten russischen Bergbauunternehmen gesteigert. „MMC Norilsk Nickel PJSC, einer der weltweit führenden Palladium- und Platinproduzenten, hat seine Exporte nach China in diesem Jahr deutlich erhöht“, heißt es in dem Bericht. „Die Preise für die beiden Metalle stiegen bis 2025 um 38 % bzw. 59 %.“
Quelle: https://www.kitco.com/news/article/2026-02-23/russia-made-168-billion-selling-300000-ounces-gold-january-prices-hit


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Globale Risiken durch Russland und China

23.03.2026 um 22:31
Zitat von RöhrichRöhrich schrieb:China kauft in großen Mengen russisches Gold und Silber, versucht so wohl Russland am Leben zu erhalten.
Ja, verstehe, in Krisenzeiten sind dies sowieso die besseren Anlagen, da sie nicht den Schwankungen der Börse unterliegen.

Ich habe hier noch eine sehr ausführliche Studie zu der strategischen Partnerschaft zwischen China und Russland sowie zu ihrer gemeinsamen Ablehnung der regelbasierten Ordnung des Westens und vor allem der EU gefunden.

Zunächst wird dort nochmal geklärt, dass der Begriff "regelbasierte Ordnung" neben dem Völkerrecht vor allem auch den Handel sowie die Lösung von Konflikten durch Handelssanktionen meint:
regelbasierten Mechanismen für eine friedliche Austragung von Konflikten,21 regelbasiertem (internationalen) Han­del,22 regelbasiertem Freihandel,23 regelbasierter Handelsordnung,24 einem regelbasierten multilateralen Welthandelssystem/Handelssystem,25 regelbasierter nachhaltiger Weltwirtschaft,26 regelbasierter Ver­netzung und digitaler Transformation von Räumen und Märkten,27 regelbasiertem Zugang zu Märkten, Rohstoffen, Technologien, Finanz- und Humankapital,28
Quelle: Christian Schaller, Deutsche Außenpolitik und das Leitbild der »regelbasierten internationalen Ordnung« Herausforderungen durch China, Russland und die USA, SWP-Studie 2026/S 05, 05.02.2026, 30 Seitendoi:10.18449/2026S05 https://www.swp-berlin.org/publikation/deutsche-aussenpolitik-und-das-leitbild-der-regelbasierten-internationalen-ordnung#hd-d25701e1450

Der Artikel führt ausführlich aus, dass China und Russland das gemeinsame Interesse haben, diese regelbasierte Ordnung von Deutschland und der EU durch eine eigene Ordnung zu ersetzen, in der z.B. Menschenrechte oder Arbeitnehmerrechte keine Rolle spielen und das Prinzip der Nichteinmischung in eigene Angelegenheiten gilt (wobei sowohl Russland die Ukraine als auch China Taiwan als "eigene Angelegenheit" betrachtet). China und Russland arbeiten dabei auch mit den Ländern des Globalen Südens zusammen:
Trotzdem ist der Begriff rules-based order in der Aus­einandersetzung um die Zukunft der internationalen Ordnung zum Kampfbegriff geworden. Der Vorwurf doppelter Standards wird von Russland und China immer wieder erhoben, um das Engagement von Staaten wie Deutschland für eine regelbasierte inter­nationale Ordnung zu diskreditieren. Aus Sicht Mos­kaus und Pekings handelt es sich dabei um ein Kon­strukt, das dazu dient, Regeln zu etablieren, denen nicht alle Staaten zustimmen müssen – Regeln also, die Partikularinteressen dienten und über die Köpfe betroffener Staaten hinweg sowie am Völkerrecht vorbei geschaffen würden. China hält die regelbasierte internationale Ordnung für nichts anderes als eine Form von Machtpolitik – einen weiteren Versuch einiger weniger Staaten, ihre eigenen Spielregeln durchzusetzen. ...

Diese Fundamentalkritik findet sich auch im Außenpolitischen Konzept der Russischen Föderation von 2023 wieder. Dort wird argumentiert, eine kleine Gruppe von Staaten strebe danach, das bestehende Völkerrechtssystem durch eine von ihr definierte regelbasierte Weltordnung zu ersetzen; eine weitere Förderung des Konzepts laufe auf die »Zerstörung des Völkerrechtssystems« hinaus und sei mit »anderen gefährlichen Konsequenzen für die Menschheit« ver­bunden.110 Besonders scharfe Kritik ist regelmäßig vom russischen Außenminister Sergej Lawrow zu ver­nehmen.111 Er prägte auch das Narrativ, dass west­liche Diplomaten versuchten, die »regelbasierte Ord­nung« auf Kosten der Herrschaft des Rechts in den internationalen Beziehungen zu etablieren. Regeln, die je nach politischer Zweckmäßigkeit neu erfunden würden, seien ein eindeutiges Beispiel für doppelte Standards, so Lawrow 2018 vor der UN-Generalver­sammlung.112

Auch aus Sicht vieler Länder des Globalen Südens steht der Begriff rules-based order für eine vom Westen geprägte liberale Weltordnung, in der insbesondere die USA, Europa und Australien eigene Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen mithilfe entsprechender Regeln durchsetzen.113
Besonders seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine von 2022 erklärt China sich als globaler Vorreiter einer (neuen) internationalen Ordnung:
Inzwischen beansprucht China eine führende Rolle im globalen Wettbewerb um die Gestaltung der inter­nationalen Ordnung.115 Ausdruck findet diese Hal­tung unter anderem in einem Gesetz von 2023 über die auswärtigen Beziehungen der Volksrepublik.116 Als grundlegende Orientierung für das außenpolitische Handeln dienen ideologische Leitprinzipien und politische Doktrinen der Kommunistischen Partei.117
Vor allem aber will China durch die Neue Seidenstraße die regelbasierte Ordnung des Westens bzw. der EU durch eine eigene Ordnung - die Ländern wie Russland entgegenkommt - ersetzen:
Im Rahmen seiner Gesamtstrategie intensiviert China seine bilateralen Kontakte mit zahlreichen Staaten, insbesondere im Kontext der Initiative Neue Seidenstraße (Belt and Road Initiative, BRI). Zugleich baut Peking ein eigenes Geflecht internationaler Institutionen und multilateraler Kooperationsformate auf.125 Dieses dient nicht nur der wirtschaftlichen Expansion und der geopolitischen Einflussnahme, sondern auch da­zu, globale Governance-Strukturen schrittweise im Sinne eigener Vorstellungen umzugestalten.126 Mit dem erklärten Ziel, die bestehenden Strukturen ge­rechter, fairer und inklusiver zu machen, tritt China dabei als Sprachrohr und Interessenvertreter des Globalen Südens auf. Über all dem steht die Vision einer multipolaren Weltordnung, die von chinesischen Werten geprägt wird.
Quelle: a.a.O.

Also sieht der Autor bereits viele Punkte genauso wie der Einleitungstext zu diesem Thread.


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Globale Risiken durch Russland und China

24.03.2026 um 09:46
Zitat von PanaetiusPanaetius schrieb:Laut einem Bericht an das britische Parlament stammt 60% der Kriegsfinanzierung, also eine absolute Mehrheit des Geldes, aus China, und zwar aus verdeckten Kanälen:
Entsprechende Zahlen habe ich auch für die Ukraine bzw. deren auswärtige Unterstützung durch den Westen gefunden, und zwar bezogen auf die ersten drei Kriegsjahre.

Russland kann also maximal 40% seines Angriffskrieges selbst finanzieren, wenn China bereits 60 % der Ausgaben übernimmt.

Zum Vergleich finanziert der Westen bzw. seit Trump II eigentlich nur noch Europa nur maximal 50 % der militärischen Ausgaben, welche die Ukraine benötigt, um sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen. Denn etwa 50 % ihrer militärischen Ausgaben finanziert die Ukraine selber:
Since the beginning of the full-scale invasion, all domestic revenues of Ukraine’s state budget have been allocated to defense spending, which accounts for approximately half of the budget.
Quelle: https://www.kyivpost.com/post/44447


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Globale Risiken durch Russland und China

24.03.2026 um 17:27
Im Spiegel steht heute, dass zwei russische Spione in Deutschland festgenomen wurden, die möglicherweise einen Anschlag auf deutsche Drohnenhersteller vorbereiten sollten.

Russland trägt einen hybriden Krieg also auch in Deutschland aus.


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Globale Risiken durch Russland und China

02.04.2026 um 13:12
China macht die USA für die Sperrung der Straße von Hormus verwantwortlich.
China hat den USA und Israel die Verantwortung für den weitgehenden Stopp der Schifffahrt durch die Meerenge von Hormus gegeben.
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/china-macht-usa-und-israel-fuer-blockade-der-meerenge-verantwortlich-100.html

Gleichzeitig können chinesische Schiffe die Straße von Hormus passieren:
Peking hat die Fahrt von drei chinesischen Schiffen durch die Straße von Hormus bestätigt. Die Schiffe hätten die Route "kürzlich" und nach Abstimmung mit allen Seiten passiert, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking.
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Chinesische-Schiffe-passieren-Strasse-von-Hormus-id30537136.html

Aktuell sieht man also wieder, wie wichtig die Kontrolle von wichtigen Handelsrouten ist - und wie sich die territoriale Lage gerade von Ländern wie Iran und Russland auswirken kann.


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Globale Risiken durch Russland und China

06.04.2026 um 05:33
Dazu
Zitat von PanaetiusPanaetius schrieb am 23.03.2026:Beitrag aus dem Parralelthread: Der hybride Krieg Russlands gegen die Ukraine (Seite 1214) (Beitrag von Fellatix)

Dass China Russland den Krieg finanziert, ist nicht neu. Belege dafür gab es hier genug. Aber in diesem Artikel wird das genaue Ausmaß auch gleich beziffert. Laut einem Bericht an das britische Parlament stammt 60% der Kriegsfinanzierung, also eine absolute Mehrheit des Geldes, aus China, und zwar aus verdeckten Kanälen:
und dazu
Zitat von PanaetiusPanaetius schrieb am 02.04.2026:China macht die USA für die Sperrung der Straße von Hormus verwantwortlich.
sei auch angemerkt (wie auch bei Russlands Angriffskrieg steht und unterstützt China welche Seite?), dies:
China is helping Iran reconstitute the Iranian missile program amid US-Israeli efforts to degrade it. The Telegraph reported that five shipments of likely sodium perchlorate, a key precursor for solid missile propellant, have arrived in Iran from China.[5] All the vessels are owned by the Islamic Republic of Iran Shipping Line Group (IRISL), which the United States sanctioned in 2021.[6] Four of the vessels are docked or floating near the port in Chabahar, Sistan and Baluchistan Province, and one of the vessels is docked or near Bandar Abbas, Hormozgan Province, according to Starboard Maritime Intelligence. China has previously supplied sodium perchlorate to support Iran’s ballistic missile program.[7] The combined force has targeted several elements of the Iranian ballistic missile program, including missile fuel and solid propellant motor production sites. China’s efforts to help Iran reconstitute could undermine the combined force efforts to degrade or destroy the supporting elements of the ballistic missile program, however
Quelle: https://understandingwar.org/research/middle-east/iran-update-special-report-april-4-2026/

Und, ich tue das einfach noch mit hierhin, es sind oftmals die kleineren Meldungen, die noch größer bedeutsam werden könnten.
Anti-regime media reported on April 5 that Iran’s Bank Sepah experienced another major computer network disruption that reportedly prevented the bank from paying IRGC personnel and regime military officials.[40] The combined force previously struck a Bank Sepah building on March 11, in which Bank Sepah said that the strike destroyed the building and disrupted in-person and online services.[41] Bank Sepah is responsible for paying IRGC and Artesh personnel.[42] Repeated disruptions are notable because they could interfere with the regime’s ability to pay military personnel, which could exacerbate the challenges the regime is facing with desertions.
Quelle: https://understandingwar.org/research/middle-east/iran-update-special-report-april-5-2026/

@Röhrich

Auch wenn man anti-Regime Stimmen verfolgt, ergibt sich oft ein merklich anderes Bild als hier im anderen Thread (da gehts nur noch um pro oder kontra ... na, du weißt schon).


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Globale Risiken durch Russland und China

06.04.2026 um 14:51
@Fellatix

Willkommen im Thread. Ich hatte noch vor einigen Tagen diesen Artikel vom Mercator Institute of China Studies hier von 2014 gefunden, der also über Projekte direkt nach der Annexion der Ukraine berichtet, detailliert ist und in der Rückschau auf zugrundeliegende Muster schließen lässt.

Zunächst mal der Aspekt der Zusammenarbeit bei den Waffenlieferungen. Der Autor hat dies schon damals richtig eingeschätzt:
Die Ukraine bricht als wichtiger, unkomplizierter und preisgünstiger Waffenlieferant für
China weg. Die Ukraine galt bislang als Hintertür zu russischer Militärtechnologie. Nun wird Russ-
land fast exklusiv die chinesische Rüstungsnachfrage bedienen können
Sollte man nicht vergessen: zwar hat China Russland weitgehend in der Hand, ist aber selbst auch auf Waffenlieferungen aus Russland angewiesen.

Quelle: https://merics.org/sites/default/files/2020-05/China_Monitor_8_Ukraine-Krise.pdf - S. 1

Noch viel interessanter sind aber die an die Ukraine zugesagten und dann an Russland ausgezahlten Investitionen in Infrastruktur und Trojaner-Kredite um das Jahr 2013 herum - während auf der anderen Seite China sonst nicht in der Ukraine investieren wollte, nur überall dort, wo dann "zufällig" vor Auszahlung des ersten Yuan die Eigentümerschaft wechselte. Diese Investionen dienen den geostrategischen Interessen Chinas in Europa - wären also möglicherweise mit der Ukraine so nicht umsetzbar gewesen:
Entsprechend dem häufig
in Afrika angewandten Prinzip „Kreditvergabe ge-
gen Schürfrechte/ Rohstoffkonzessionen“ schloss
die chinesische Export-Import-Bank im Herbst
2012 mit dem ukrainischen Staat ein Kreditge-
schäft in Höhe von drei Mrd. USD ab. Kiew ver-
pflichtete sich, die Kreditsumme durch Getreide-
lieferungen in 15 Jahresraten (sechs Mio. Tonnen
pro Jahr) zu begleichen. Ende Februar 2014 be-
richteten russische und westliche Medien, dass
China ein Verfahren vor dem London Court of In-
ternational Arbitration eingeleitet habe, um die
Darlehenssumme zurückzuerhalten. Die Ukraine
befände sich im Leistungsverzug.2
Auch bei Infrastrukturprojekten bestehen enge
bilaterale Verbindungen: Vor dem politischen Um-
bruch in der Ukraine wurde über den Bau einer
Zugverbindung zwischen dem Boryspol Flugha-
fen und Kiew verhandelt. Im September 2013 un-
terzeichnete der chinesische XPCC- Konzern ein
Memorandum of Understanding gegenüber der
damals noch von der Ukraine kontrollierten Regie-
rung der Autonomen Krimrepublik. Zum Inhalt der
– rechtlich unverbindlichen – Grundsatzvereinba-
rung zählten Investitionen in ein Schnellstraßen-
projekt, in den Wohnungsbau sowie der Bau einer
Brücke über die Straße von Kertsch, welche die
Krim mit dem russischen Festland verbinden soll.4
Diese Projekte werden nun in Zusammenarbeit
mit Russland umgesetzt.5

Ferner hatte China der Ukraine umfassende Fi-
nanzhilfen im Wert von über zehn Mrd. USD zu-
gesagt. Noch im Dezember 2013 versprach die
chinesische Regierung dem damaligen ukraini-
schen Präsidenten Wiktor Janukowytsch chinesi-
sche Investitionen in Höhe von acht Mrd. USD.6
Insgesamt hat die Ukraine in der chinesischen re-
gionalen Investitionsstrategie – gemessen an Chi-
nas Gesamtinvestitionen in Osteuropa und vergli-
chen etwa mit Weißrussland oder Ungarn – nied-
igere Priorität.7 Pragmatisch führt China seine In-
vestitionsprojekte auf der Krim nun mit Russland
durch und erkennt damit faktisch Russlands Sou-
veränität über die Krim an. ...
Geostrategische Interessen: Als Brücke zu Eu-
ropa und aufgrund der Schwarzmeeranbindung
ist die Ukraine geostrategisch bedeutsam für
China.
Als möglicher Endpunkt der angestrebten neuen
Überlandseidenstraße einigte man sich mit der
ukrainischen Regierung auf den Bau eines Tief-
seehafens auf der Krim (in der Nähe von Saki).
China plant, das Projekt mit Russland abzuschlie-
ßen.9
Quelle: s.o. S. 2f.

Vor dem Hintergrund der von Selenski zuletzt explizit genannten Kriegsziele Russlands ist sowohl die Dauer als auch die Lage des folgenden Pachtvertrages aufschlussreich:
Im Herbst 2013 wurde ein auf 50 Jahre ausgeleg-
ter Pachtvertrag zwischen dem chinesischen
Staatsunternehmen Xinjiang Production and
Construction Corps (XPCC oder Bingtuan, 新疆生
产建设兵团) und dem ukrainischen Privatkonzern
KSG Agro geschlossen. Pachtgegenstand sind
zunächst 100.000 Hektar Ackerland (entspricht
ungefähr der Fläche Hongkongs) in der östlichen
Region Dnipropetrovsk. Das Ackerland dient vor
allem dem Anbau von Feldfrüchten und der
Schweinezucht. Laut Vertrag soll die Pachtfläche
auf drei Millionen Hektar ausgedehnt werden. Das
entspricht etwa der Gesamtfläche Belgiens bzw.
neun Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren
Fläche der Ukraine.3
Quelle: s.o. S. 2.

Im schlimmsten Fall muss man die Investitionsprojekte in die Lieferungen von Getreide und Schweinefleisch so verstehen, dass China selbst expandieren will (mit wahrscheinlichstem Ziel Tawain), mit Sanktionen rechnet und sich davon unabhängig machen will.

Denn Ende 2013 hatte sich China entsprechende Pachtverträge auch mit der Krim gesichert, wie wir oben schon gesehen hatten (und zwar in Zusammenhang mit dem Tiefseehafen auf der Krim):
During his visit to China, Yanukovych also signed a territorial “agreement” allowing the Chinese to lease about 160,000 hectares of Crimean land, well known for its fertile black soil, for the next 50 years, thus turning Crimea into a food-production colony for China. ...
In the initial part of the project, the Chinese plan to invest $3 billion to build a new mega-port in Crimea, which will be similar to Lingang Industrial park in Shanghai (https://vesti.ua/krym/34387-kitaj-rassmotrit-vozmozhnost-stroitelstva-industrialnogo-parka-v-krymu). Some of this money will also go to the expansion and upgrading of the Sevastopol port, where the Russian Black Sea Fleet is located. According to this agreement, work will begin in 2014 and the first phase of the project will be completed within the next five years. In the second phase, the Chinese will pay $7 billion to Ukraine, which will be spent on airport construction, refineries and more port facilities (https://www.centrasia.ru/newsA.php?st=1390536240).
Quelle: https://jamestown.org/sale-of-crimean-land-by-yanukovych-made-infor-china/

Es scheint hauptsächlich darum zu gehen, dass China über die russischen Eroberungen in der Ukraine dubiose Güter im Rahmen der Neuen Seidenstraße an Europa verschiffen will:
According to the owner of Beijing Interoceanic, billionaire Wang Jing, Chinese-Ukrainian cooperation will transform Crimea into the economic center of a nautical “Silk Road” that will link East with West (https://www.12online.ru/news/shyolkovyy-put-proydet-cherez-krym-ob-usilenii-kitaya-na-ukraine). Similarly, during an interview with the UNIAN news agency, the CEO of the Ukrainian company Kievgidroinvest, Alexei Mazyuk, told reporters that the deep-water mega port will be located in the Crimean town of Saki and will be used to redistribute cargo flows from the East to Europe, just like the historic Silk Road of Eurasia (https://www.unian.net/society/859685-kitay-investiruet-v-stroitelstvo-glubokovodnogo-porta-v-kryimu.html). Mazyuk is well known in Crimea for having carried out legally dubious and environmentally hazardous investments like shuttling pristine sand from Fiolent to the tourist beaches of Crimea (https://svpressa.ru/society/article/80697/).
Quelle: s.o.

Verräterisch mutet an, dass China 2013 noch mit der Autonomen Krimregierung 1,3 Mrd. § zum Bau der militärisch und geostrategisch bedeutenden Brücke über die Straße von Kertsch (Krim - Festland) vereinbart, also gerade rechtzeitg um dann nach der russischen Annexion das Geld auszuahlen:
Die Einbindung
der China Railway Construction Corporation
(CRCC) und der PRIVATE Investment Funds
China International Fund Ltd (CIF) bei dem Bau
einer Brücke bzw. eines Tunnels zur Festlandan-
bindung der Krim an Russland über die Straße
von Kertsch (Kosten 1,3 Mrd. USD) gilt als sicher.
Eine Absichtserklärung war zuvor mit der Autono-
men Krimregion unterzeichnet worden. Durch ein
bruchlos fortgesetztes chinesisches Engagement
auf der Krim wird die russische Souveränität dort
von China faktisch anerkannt.28
Quelle: https://merics.org/sites/default/files/2020-05/China_Monitor_8_Ukraine-Krise.pdf - S. 6

Damit ergibt sich ein Muster, dass China sozusagen jedesmal eine "Vorahnung" gehabt zu haben scheint, wo es Investitionen an die Ukraine (teilw. der damaligen Krimregierung) zusagen muss, um diese dann gleich an Russland auszahlen zu können. Denn dafür ist eine längere Vorausplanung notwendig. Auch für die eroberten Gebiete nach 2022 gab es dann ja unmittelbar die chinesischen Investionsprogramme.


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Globale Risiken durch Russland und China

06.04.2026 um 15:25
Im Herbst 2013 wurde ein auf 50 Jahre ausgeleg-
ter Pachtvertrag zwischen dem chinesischen
Staatsunternehmen Xinjiang Production and
Construction Corps (XPCC oder Bingtuan, 新疆生
产建设兵团) und dem ukrainischen Privatkonzern
KSG Agro geschlossen. Pachtgegenstand sind
zunächst 100.000 Hektar Ackerland
Darauf will ich nochmal zurückkommen. Denn möglicherweise aufschlussreich finde ich dabei noch, dass das oben genannte chinesische Staatsunternehmen unter Prüfung (Stand 2020) von EU-Sanktionen steht, und zwar wegen der Zwangsarbeit von Uiguren (Xinjiang ist die Provinz, in der die Uiguren, die islamische Minderheit, leben bzw. in Lagern gehalten werden).
20. begrüßt die Annahme der globalen Sanktionsregelung der EU im Bereich der Menschenrechte am 7. Dezember 2020; fordert die Mitgliedstaaten und den Hohen Vertreter der Union für Außen- und Sicherheitspolitik auf, rasch zu prüfen, ob Sanktionen gegen chinesische Amtsträger und Einrichtungen unter staatlicher Leitung wie „Xinjiang Production and Construction Corporation“, verhängt werden sollen, die für die Gestaltung und Umsetzung der Politik der massenhaften Inhaftierung von Uiguren und anderen turkstämmigen Muslimen in Xinjiang, für den Einsatz von Zwangsarbeit und für die Ausführung der schweren Unterdrückung der Religionsfreiheit, der Freizügigkeit und anderer Grundrechte in dem dortigen Gebiet und an anderen Orten wie Tibet verantwortlich sind;
Quelle: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/TA-9-2020-0375_DE.html

Ein längerfristige Strategie könnte es also sein, Uiguren in Zwangsarbeit in der Ostukraine und Krim einzuseztzen, damit China von dort Lebensmittel erhält. Aufgrund ihrer Menschenrechtssituation würden die Uiguren sich ohnehin nicht zum chinesischen Kriegsdienst melden (wollen).


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Globale Risiken durch Russland und China

um 13:12
Wie wir oben gesehen haben, investiert China seit Beginn des russischen Angriffskrieges in die russisch besetzten Gebiete - aber kaum mehr in die ukrainischen:
Analysts identified at least 17 Chinese companies operating in the occupied territories of Ukraine and documented over 10 visits and other contacts with local "authorities" by delegations from China — ranging from businessmen to members of the Chinese People's Political Consultative Conference.
Quelle: https://english.nv.ua/nation/china-quietly-conquers-russian-occupied-oblasts-in-ukraine-50592762.html
Power Construction Corp of China also signed a deal to construct an 800 MW wind power plant worth $1 billion with local partners in Donetsk which would be Europe's biggest onshore wind park.
Quelle: https://www.reuters.com/business/autos-transportation/chinas-business-economic-interests-ukraine-2022-02-23/

Aufschlussreich ist daher, dass der Grundstein für diese Zusammenarbeit - nachdem China sich lange Zeit nicht für die Festland-Ukraine interessiert hat - wieder kurz vor Beginn des Angriffskrieges gelegt wurde, nämlich im Sommer 2021:
On June 30, Minister of Infrastructure of Ukraine Oleksandr Kubrakov and Minister of Commerce of the People's Republic of China Wang Wentao signed an intergovernmental agreement. It envisages extending of partnership, promotion of cooperation between Ukraine and China in order to implement joint projects in the field of infrastructure development.

Among the priorities of cooperation are railway transit, airports, ports infrastructure, communications and municipal engineering.

According to the deal, Ukraine and China engage in the following directions of activities:

encourage companies and financial institutions of the two countries to actively cooperate in the construction of infrastructure facilities;
contribute to the establishment of closer economic ties between the two countries and will provide the necessary assistance and support in the implementation of joint projects.
Quelle: https://www.kmu.gov.ua/en/news/ukrayina-ta-kitaj-pidpisali-ugodu-pro-spivpracyu-u-galuzi-budivnictva-infrastrukturi

Wie wir weiter gesehen haben, war Odessa russisches Maximalkriegsziel, was förmliche Annektion angeht bzw. ist es laut Selenksi immer noch.

Ist es somit Zufall, dass die Frachtbahnverbindung zwischen China und Odessa erstmals 2021 genutzt wurde?

https://odessa-journal.com/the-freight-train-from-china-arrived-in-odessa

Jedenfalls hat China 2021 weitere Investitionen in die Häfen und weitere Infrastruktur im Rahmen der Neuen Seidenstraße in der Schwarzmeerregion bis Odessa in Aussicht gestellt - die dann jetzt wohl erstmal an Russland gezahlt werden:
In 2021, Chinese companies obtained more than US$6.6 billion contracts for construction work in Ukraine. The three largest Chinese investments are from China National Machinery Industry Corporation, China Hydropower, and State Grid, with an investment amount of more than US$1 billion each. China has been an active investor, contract constructor, and financier of projects in important sectors in Ukraine including infrastructure, agriculture, energy, and telecommunications, including the war-torn ports of Mariupol port and Odesa. Other major projects include China Harbour Engineering’s dredging works at Yuzhny and Chernomorsk seaports...
Quelle: https://www.diis.dk/en/research/the-economic-meaning-of-the-russia-ukraine-war-china


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