Zz-Jones schrieb:Deine Behauptung wurde hier bereits schon vor 2 Wochen widerlegt, also lass dir mal etwas neues einfallen, falls du der Auffassung bist, hier gäbe es noch irgendwas zu besprechen.
Ich habe jetzt mal mit dem Suchbegriff "Wadephul" hier im Thread geprüft, ob an deiner Behauptung was dran ist. Zu erwartendes Ergebnis: Null. Weder vor zwei Wochen noch sonst irgendwann.
Wie auch aus deinem Link - wenngleich verkürzt, da erst nach den Ereignissen verfasst - hervorgeht, wollte Wadephul bei seinem bereits terminierten Antrittsbesuch als deutscher Außenminister beim wichtigsten Handelspartner China über die regelbasierte Ordnung bzw. deren Einhaltung bzw. Nicht-Einhaltung durch China sprechen. Völkrrecht, Menschenrechte, Handel und Exportkontrollen sind dabei nicht voneinander zu trennen.
Als Folge hat Wadephul keine Termine mit wichtigen Personen in China bekommen, da ihn die chinesische Seite bewusst auflaufen ließ und brüskieren wollte.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte am vergangenen Freitag kurzfristig seine eigentlich für Montag und Dienstag geplante China-Reise verschoben. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin begründete die Verschiebung damit, dass Peking außer einem Treffen mit Außenminister Wang Yi keine hinreichenden weiteren Termine bestätigt habe – ein diplomatischer Supergau. Denn Wadephul wollte in China auch mit anderen Vertretern der chinesischen Regierung zusammenkommen, nicht zuletzt um über wichtige Rohstoff- und Handelsfragen zu sprechen.
Seither ist die Bundesregierung um Schadensbegrenzung bemüht, aber einfach wird das nicht. Hinter einer nach außen hin freundlichen Fassade geriert sich China immer mehr als Großmacht. Deutschland droht nun zum Opfer dieser geopolitischen Muskelspiele zu werden.
Der chinesischen Führung missfällt es, dass die Bundesregierung Chinas Außenpolitik kritisiert. Eigentlich wollte Wadephul schon im Spätsommer nach Peking reisen, heißt es im politischen Berlin. Schon zuvor sei sein Antrittsbesuch an der Terminfindung gescheitert. In Diplomatensprech bedeutet das: China hält die Bundesregierung hin
Peking möchte eine mögliche Eskalation wie bei der China-Reise der ehemaligen Außenministerin Annalena Baerbock im Jahr 2023 verhindern. Bei ihrem ersten Besuch in Peking gab es Streit auf offener Bühne, unter anderem bezüglich der Taiwan-Frage und des Ukraine-Kriegs.
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/aussenpolitik/id_100973014/absage-von-wadephuls-china-reise-der-streit-spitzt-sich-weiter-zu.htmlWie auch dein Artikel sagt, hat China dabei seine langfristigen Interessen im Blick, und diese stehen nicht auf Seiten der EU, der regelbasierten Ordnung bzw. aus chinesischer Sicht des "westlichen Kolonialismus". Wadephul blieb also nichts anderes übrig, als seine bereits terminierte Reise abzusagen, wollte er sich nicht gezielt demütigen lassen und seinen Staatsaufenthalt mit sightseeing verbringen - ein diplomatischer Supergau, von China eingefädelt.
Alle auch hier besprochenen Aspekte gehören dabei zusammen: Handel, Rohstoffe, Umgehung der regelbasierten Ordnung (in Kooperation mit Russland) sowie der Ukraine-Krieg und der Taiwan-Konflikt.
Primärer Punkt der de-facto-Ausladung war aber tatsächlich der Handel bzw. das Umgehen der regelbasierten Ordnung im Handel durch China:
Dem Vernehmen nach waren auch Begegnungen unter anderem mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und Premierminister Li Qiang erhofft worden – am Ende vergeblich. Dass Wadephul seinen Besuch nun kurzerhand auf unbestimmte Zeit verschiebt, kommt nach chinesischen Maßstäben einem Eklat gleich.
Diese Fragen sind aber mit dem Ukraine-Krieg und der chinesischen Unterstützung Russlands dabei als direkt verknüpft zu sehen:
Das Auswärtige Amt verweist außerdem auf die entscheidende Rolle Chinas für ein Ende des Ukrainekrieges. „Kein anderes Land hat so viel Einfluss auf Russland“, sagte Deschauer. Die Bundesregierung beklagt, dass China weiter den Ukraine-Krieg Russlands heimlich unterstützt
Quelle:
https://www.morgenpost.de/politik/article410299808/sturmtief-zwischen-china-und-deutschland-wadephul-sagt-reise-ab.htmlAuch wenn das hier von 1-2 Usern hartnäckig versucht wird zu leugnen (wenn auch ohne Argumente), schreiben doch die Zeitungen über wenig Anderes, und völlig parteinunabhängig (mit der einzigen Ausnahme der AfD aus den bekannten Gründen) ist der Zusammenhang längst zum Allgemeinwissen geworden.
Was hat das jetzt konkret mit Schwarzmeerhäfen zu tun? Ein paar Beispiele. Die von Russland seit 2014 eroberten und annektieren Hafengebiete wird für die Schattenflotte gebraucht (zunächst von der russsichen, von der aber China profitiert, aber China hat bekanntlich auch seine eigene):
Diese Strategie geht bereits auf den Beginn des Angriffskrieges und die verhängten Sanktionen von 2022 zurück, war also von Anfang an der Plan. Die Häfen an der Straße von Kertsch waren dabei oben schon Thema:
Koban hat fünf Tanker von Sowkomflot übernommen, wie das Wall Street Journal berichtete. Eines der Schiffe, die Cangjie, übernahm laut dem Energiedatenunternehmen OPIS im Juni im östlichen Schwarzen Meer im Wege eines Schiff-zu-Schiff-Transfers raffinierten russischen Kraftstoff von der Wladimir Monomach, einem vom Staatskonzern Rosneft gecharterten Tanker. Beide legten dazu vor dem russischen Hafen Port Kawkaz in der Straße von Kertsch Anker.
Quelle:
https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/nachrichten/HINTERGRUND-Russland-baut-auf-Tanker-Schattenflotte-42478007/Seitdem spitzt sich die Situation zu:
Mit immer älteren Tankern und immer komplizierteren und längeren Transportrouten wächst automatisch die Gefahr eines Unglücks. Das zeigt die Havarie der beiden zu Sowjetzeiten gebauten Tanker „Volgoneft 212“ und „Volgoneft 239“ in der Straße von Kertsch im Dezember 2024.
Quelle:
https://monde-diplomatique.de/artikel/!6073078Es geht dabei aber nicht nur um Rohstoffe wie Öl, sondern wie bereits mehrfach angeprochen flutet China auch den europäischen Markt mit eingeschmuggelten Billigprodukten, bei denen also die großen EU-Containerhäfen vermieden werden müssen. Bekanntes Beispiel sind die E-Bikes. Im Rahmen der immer wichtiger werdenden gig-economy, wie den Lieferdiensten (die übrigens ihren größten Wachstumsschub während der Coronakrise hatten - dies nur am Rande), haben diese E-Bikes neue Absatzmärkte:
Calypso ist der Codename für einen großangelegten europäischen Schlag gegen ein kriminelles Netzwerk, das seit Jahren die EU mit unverzollten und nicht-versteuerten Produkten aus China flutet. Seit Juni wurde jetzt im griechischen Hafen Piräus die Rekordzahl von 2400 Containern mit Schmuggelware aus China beschlagnahmt – darunter 500 Container mit falsch oder nicht-deklarierten E-Bikes.
Solche getunten chinesischen Billig-E-Bikes sind zum Beispiel bei zahlreichen prekär-soloselbstständigen Ridern von Delivery Diensten im Einsatz. ... Leider sind solche illegalen Räder auch auf vielen prominenten Online-Marktplätzen in Deutschland zu kaufen.
Quelle:
https://pedelec-elektro-fahrrad.de/news/500-container-mit-e-bikes-aus-china-beschlagnahmt-und-was-das-bedeutet/654542/Warum der Piräus? Hatten wir auch alles schon: China hat den Unmut der Griechen über die von Deutschland aufgezwungene Sparpoltik in der Schuldenkrise schon damals gekonnt ausgenutzt, und den Piräus aufgekauft - natürlich in der Erwartung von Gegenleistungen, wie dass man nicht so genau hinschaut, wenn wieder Güter aus China kommen. Es wäre also absurd und naiv zu behaupten, dass China keine langfristige Strategie verfolgte.