martenot schrieb:Genau so wie die weit verbreitete "woke"- und "linksgrünversifften"-Keule, die ebenfalls sehr gern geschwungen wird.
Stimme ich zu, da rotten sich solche Gestalten dann auch gerne bei vielen dieser Demonstrationen und Kundgebungen der rechten Parteien und derer Organisationen. Genauso kritikwürdig.
martenot schrieb:Naja, die erwähnte Bereitschaft zum Perspektivwechsel sieht eben genau das vor, nämlich über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Es ist aber halt die Frage, ob man pauschale Feindseligkeiten und gruppenspezifische Verachtung (z.B. gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen aus dem linken Spektrum) seinerseits tolerieren muss.
Um mal ein Beispiel zu nehmen. Bei Kundgebungen und Demonstrationen lässt sich nicht nur schwer entschärfen, sondern es läuft so ziemlich "immer" auf Eskalation hinaus da sich zwei sich feindlich gesinnte oder zumindest oppositionell gesinnte Gruppen gegeneinander aufstellen und gegenseitig auspfeifen und jeder will sich und seine eigene Meinung durchsetzen. Ein Dialog bei einem Cafe, im Park oder sonst wo sieht da ganz anders aus. Da kann ich deutlich besser mit Leuten aus beiden Lagern reden und ich habe auch an Bürgerdialogen hier in Österreich teilgenommen. Erfahrungsgemäß habe ich festgestellt viele dieser Leute die sich tatsächlich bereitstellen auch aus dem Bubble rauszuschauen gar nicht erst bei diesen Demos- und Gegendemos teilnehmen.
martenot schrieb:Und irgendwie scheinen mir solche gruppenspezifischen Verachtungsgefühle schon zu den Kernthemen des rechten Spektrums zu gehören.
Es muss ja auch noch keine Verachtung sein aber klar. Nur sieht man das genauso auch im linken Spektrum, der Unterschied ist aber mal wieder die spezifische Gruppe. Eigentlich müsste man hier deutlich mehr in die Details eingehen.
martenot schrieb:Ich frage mich, ob man mit einer grundsätzlichen Bereitschaft zum Perspektivwechsel und zur Empathie gegenüber den Mitmenschen überhaupt noch stark rechts bzw. politisch extremistisch eingestellt sein kann (jenseits des demokratisch-rechtsstaatlichen Spektrums).
Kann man definitiv, ich war ein Jahrzehnt lang im Grunde ein Faschist. Aber auch da muss man detailliert diskutieren. Ich war gegenüber dem Westen politisch feindeselig gesinnt, Muslime und Katholiken habe ich gehasst - bei Tieren, Frauen grundsätzlich, Alten und Schwerkranken war ich immer sehr empathisch gesinnt. Und ich schaffte es sogar mich in Frauen zu verlieben deren Volksgruppe oder Religionsgruppe ich gehasst habe. Hautfarbe spielte auch nie eine Rolle bei mir. Perspektivwechsel? Auch möglich, ich bin so ziemlich alleine rausgekommen aus dem serbischen Ultranationalismus und Klerikalfaschismus auch wenn der Schaden nachhaltig da war und ich bis heute mit Konsequenzen meines damaligen Lebensstils zu leben habe.