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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

31 Beiträge, Schlüsselwörter: Frauen, Männer, Gleichberechtigung, Emanzipation

Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

10.10.2016 um 15:06
Na, und weil es auch hier passt, wie die Faust ins Gretchen, gleich noch mal aus meinem Beitrags-Archiv kopiert:

So lange Frauen bei gleicher Arbeit schlechter bezahlt werden, so lange Altersarmut weiblich ist, so lange Kinderaufzucht und Hausarbeit an Frauen hängen bleiben, so lange mehr Frauen als Männer vergewaltigt werden, so lange mehr Frauen als Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, so lange mehr Frauen als Männer im Alter medikamentös ruhig gestellt werden, so lange ist "Gleichberechtigung" weit weg - und so lange ist Feminismus notwendig.

Denjenigen, die heute über eine "Männerverfolgung" klagen, die nach ihrer Darstellung mindestens die Ausmasse der Judenverfolgung im Faschismus angenommen zu haben scheint, wünsche ich manchmal eine Zeitmaschine. Zurück in die 1970er, als der Feminismus sich selbst wiederentdeckte und noch "jung & wild" war. Als Bewegungslesben das "Manifest zur Vernichtung der Männer" von Valerie Solanas lasen oder die Westberliner Schwarzen Botinnen männliche Embryos in Spiritus als Zimmerdeko verwendeten, als die Rote Zora Sexshops in Brand setzte und Frauengruppen lautstark ein nächtliches Ausgangsverbot für alle Männer ab 14 forderten. Die These, dass bis zur endgültigen Befreiung der Frau die Männer gewaltsam unterdrückt werden müssten, so wie einst im nachrevolutionären Russland die Bourgeoisie zugunsten des Proletariats, war Standardgespräch bis in Juso-Kreise. In WGs galt die These "Hausarbeit ist ab sofort Männersache" - und Penetration beim Sex als Vergewaltigung.

Es ist ja nun auch nicht so, dass der Feminismus über uns gekommen ist wie ein Tsunami über das AKW.

Die erste Generation geht bis zurück zur französischen Revolution, in der Frauen die theoretischen Grundlagen legten und erste Forderungen stellten.

Die zweite Generation wären die Suffragetten, die sich, von England ausgehend, hauptsächlich für ein Wahlrecht der Frauen einsetzten.

Die dritte Generation wären die jenigen Frauen, die eine "praktische Gleichberechtigung" lebten, bzw. leben mussten, weil Männer Kriege führten und sie in der Produktion, in Verkehrsbetrieben und auch im Kriegsdienst "ihren Mann stehen mussten", als Trümmerfrauen der Nachkriegszeit ohnehin.

Die vierte Generation war dann die Bewegung, die vollständige Gleichberechtigung forderte und auch Fragen der Sexualität thematisierte.

Nach jeder "Emanzipationswelle" erfolgte ein Roll back, d.h. Männer sicherten ihre angestammten gesellschaftlichen Positionen oder stellten sie wieder her, in dem sie Frauen wieder zurück drängten.

Der ersten Generation wurde zum Teil noch der Kopf abgehackt und sie fielen der Vergessenheit anheim.

Die zweite Generation war erfolgreicher und setzte nach dem Ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht, die Studienmöglichkeiten und neue Berufsfelder weitgehend durch, thematisierte beispielsweise auch Sexualaufklärung, Verhütungsmittel oder den § 218. Diese Ära endete im Deutschen Reich allerdings 1933.

Die dritte Generation musste nach beiden Weltkriegen erleben, wie sie zusehends aus der Rolle der Arbeiterin und Kämpferin wieder in die Rolle der Hausfrau und Mutter zurück gedrängt wurde. Vergleiche dazu das Rollenbild und die Gesetzeslage in der BRD nach 1948. Damals konnte der Mann den Aufenthaltsort der Familie allein bestimmen, den Job seiner Frau kündigen oder ihre Geschäfte rückgängig machen. Erst der Arbeitskräftemangel des späten Wirtschaftswunders hat in der BRD die Frauen als billig entlohnte industrielle Reservearmee reaktiviert.

Die vierte Generation wiederum stellte, teils in sehr revolutionären Forderungen, radikal das überkommene Rollenbild in Frage und ging weiter als die Emanzipationsbewegungen vor ihr. Sie war zweifelsohne auch erfolgreicher. Gesetze, die Frauen diskriminierten oder benachteiligten, landeten auf dem Müll. Themen, die vorher keine Beachtung fanden, fanden ihren Weg in die Medien und die öffentliche Wahrnehmung. Weibliche Hetero- wie Homosexualität wurde zum Thema. Die Selbstbestimmung über die Nachwuchsplanung war möglich, hohe schulische wie berufliche Qualifikation wurde zusehends auch für Mädchen und Frauen selbstverständlich. Frauen wurden im Grossen und Ganzen gesehen unabhängiger, selbstständiger und selbstbewusster als ihre Mütter und Grossmütter zuvor.

Die Frauen, die danach aufwuchsen oder sozialisiert wurden, neig(t)en möglicherweise dazu, die Errungenschaften als selbstverständlich anzusehen, sie nicht mehr für verteidigenswert zu halten, und Männer reagieren genervt mit einem "Was wollt ihr denn nun noch alles?"

Heute ist, vgl. die 1970er, Feminismus handzahm und lendenlahm.

Da ich selbst jahrzehntelang als Radikaler galt und heute noch gelte, stört mich auch radikaler Feminismus nicht. Schliesslich war so einiges, was ich an "feministischen" Forderungen in den späten 1960er und frühen 1970er kennen gelernt habe, deutlich radikaler ist als Frau Schröders "das Gott" oder eine freiwillige Quotenregelung in der Chefetage eines DAX-Konzerns. Auch Feministinnen werden alt, bequem und spiessbürgerlich. Wenn schon die einstige (angebliche) Ikone der westdeutschen Frauenbewegung als Ratekasperin im TV auftrat oder für BILD warb (nicht als Tittengirl), dann bestätigt das nur meine Vermutung.

Mutti ist zahnlos geworden, und Töchterchen nimmt die erkämpften Errungenschaften als selbstverständlich hin und richtet sich brav häuslich in einer Rolle darin ein, von der neuen Mütterlichkeit über das Girlie zur Karrierefrau.


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

10.10.2016 um 15:36
kokablue schrieb:Mal abgesehen davon warum das so war, die DDR war hier deutlich fortschrittlicher als die BRD und ist es auf die ehemaligen Gebiete bezogen heute noch.
Muss man sich nur mal die Kitadichte bzw. Öffnungzeiten oder damit verbunden auch die Lebensmodelle anschauen.
Absolut richtig. Der Westen lernt da momentan viel vom ehem. Osten und hat da Nachholbedarf noch und nöcher.

Wenn ich mir die Kitazeiten hierzulande anschaue (wohne mittlerweile im Westen) wäre es einer alleinerziehenden Muddi / Vati überhaupt nicht möglich, Vollzeit arbeiten zu gehen. In den größeren Städten mag das mittlerweile aber anders sein.


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

10.10.2016 um 16:53
@Kältezeit

Auch in Westdeutschland gibt es erste 24-Stunden-Betreuungsangebote in Kitas.
Von der DDR lernen heisst siegen lernen!

http://www.kita-hansekinder.de/eltern/


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

10.10.2016 um 17:27
Doors schrieb:oder die Westberliner Schwarzen Botinnen männliche Embryos in Spiritus als Zimmerdeko verwendeten,
omg...das wusste ich auch noch nicht :D

Tja ...das es damals teilweise wild in Westberlin zu ging war ja bekannt.... aber das is ja schon extrem...creepy :D

heftige Typen.... äh Typinnen ^^ :D kann man da nur sagen....


edit:
ebenfalls son bisschen zum Thema passt auch dieser Film Wikipedia: Der_stumme_Schrei


wollte ihm immer mal ansehn....aber irgendwie trau ich mich nicht :D ehrlich jetzt


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

13.10.2016 um 13:31
@knopper
ebenfalls son bisschen zum Thema passt auch dieser Film Wikipedia: Der_stumme_Schrei


wollte ihm immer mal ansehn....aber irgendwie trau ich mich nicht :D ehrlich jetzt
Den haben wir mal mit einer Kirchengruppe angeguckt, glaub ich. Da war ich 14 oder so? Hab's überlebt ohne Alpträume ;)


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

13.10.2016 um 20:10
475095 b


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

13.10.2016 um 22:06
Ich bin dagegen. Ich finde die Definition des Begriffes toll. Allerdings ist Gleichberechtigung nicht möglich. Klar, man kann jeden Menschen gleichbehandeln, aber die Individualität will's, dass sich dabei trotzdem jemand benachteiligt oder bevorteilt sieht. das lässt sich gar nicht vermeiden, gleich wie löblich die Intention sein mag, seine Mitmenschen gleich zu behandeln.


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14.10.2016 um 07:03
@Intolerabilis
es geht um Rechte, jeder Mensch, jedes individuum hat die gleichen Rechte..... Gleichstellung/behandlung ist etwas anderes


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14.10.2016 um 07:16
Darum ging es mir nicht... ;)


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

14.10.2016 um 07:17
@Intolerabilis
es geht hier aber um Gleichberechtigung, nicht um Gleichbehandlung und das ist ja das, wozu Du Dich äusserst


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Seid ihr für oder gegen Gleichberechtigung?

14.10.2016 um 07:41
Ach so. ^^ Jetzt kapier ich das. ^^ Was weiß ich... War zu spät und ist zu früh...


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