..., sich neu aufzustellen?

Der erste China-Schock ging an Deutschland vorbei, referiert Thorsten Benner; beim zweiten China-Schock ist das anders.
Vor zwei Jahrzehnten ging der erste China-Schock an Deutschland noch vorbei. Damals verwüsteten chinesische Importe die traditionellen Industrien in den USA, beschrieben in J. D. Vances Bestseller „Hillbilly Elegy“. Heute trifft ein noch weit heftigerer China-Schock Deutschland frontal. Mehr „China-Schock hoch zwei“ als „China-Schock 2.0“. Daniel Rosen von der Rhodium Group spricht schon von einer „Hillbilly Elegy mit deutschen Charakteristika“.

Erste Vorboten sind dramatische Gewerbesteuereinbrüche, gerade im Süden, 80 Prozent allein in Ditzingen, dem Sitz des Maschinenbauers Trumpf. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt zeigen sich die Folgen ebenso deutlich: Seit 2019 sind rund 245.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen, weitere Hunderttausende sind akut gefährdet.
Deutschland müsse sich und sein Wirtschaftsmodell neu aufstellen; sonst drohe eine "Elegy im Schwabenland".
Für Europa bleibt in Pekings Vision die Rolle eines Zulieferers von Lebensmitteln, der seine Märkte für chinesische Produkte und Investitionen offen hält. Premier Li Qiang speiste Olaf Scholz bereits 2024 mit Handelserleichterungen für Äpfel und Rindfleisch ab und den Worten: „Moderate Überkapazitäten fördern den Wettbewerb und sichern das Überleben der Stärkeren.“ Die Botschaft ist klar: Der Schwächere, also Europa, muss in Pekings staatskapitalistisch-darwinistischer Logik industriell sterben.

Um dies abzuwenden, müssen Deutschland und Europa dringend umsteuern. Kanzler Friedrich Merz sprach zuletzt nach dem Stahlgipfel Klartext: Die Zeiten offener Märkte und fairen Wettbewerbs seien vorbei, Deutschland müsse sich schützen. Doch bloße Defensive reicht nicht aus, insbesondere nicht der alleinige Schutz alter Industrien. Deutschland muss nichts weniger als sein Wirtschaftsmodell neu aufstellen.
Quelle: https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/geoeconomics-der-china-schock-droht-die-deutschen-kernindustrien-zu-verwuesten/100176067.html

Eine solche Anstrengung brauche auch Ehrlichkeit, meint er in einem anderen Artikel zum Thema.
Gleichzeitig sollten wir einen ehrlichen Blick in den Spiegel werfen, wo wir in Europa selbst den Glauben an Elemente der globalen Ordnung verloren haben.

Deutschland hat beim LNG-Beschleunigungsgesetz wenig zimperlich einen Verstoß gegen die Beteiligungsrechte durch die Aarhus-Konvention riskiert. Finnland hat das Recht auf Asyl an der Grenze zu Russland komplett ausgesetzt, weil Putin Migration zur Destabilisierung einsetzt. Litauen will sich aus dem Ottawa-Abkommen über Antipersonenminen zurückziehen, weil es diese zur Verteidigung gegen Russland für notwendig hält. Alle diese Regeln waren nicht stressgetestet für einen Krieg mit Russland.

Der China-Schock 2.0 bedroht den industriellen Kern Deutschlands

Genauso wenig war die Welthandelsorganisation WTO stressgetestet für die Mitgliedschaft eines autoritär-staatskapitalistischen China, das sich nicht in Richtung Marktwirtschaft entwickelt. Auch Deutschland muss lernen, was man in Brüssel und Paris erkannt hat mit Blick auf unfairen Wettbewerb und den „China-Schock 2.0“, der den industriellen Kern Deutschlands bedroht: „Innerhalb der WTO, wo immer möglich. Jenseits der WTO, wo nötig“ muss das neue Motto sein gegenüber Peking. Gleichzeitig sollte Deutschland für ambitionierte wie realistische EU-Handelsabkommen mit dem Rest der Welt werben.
Quelle: https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/die-usa-stellen-der-alten-weltordnung-den-totenschein-aus/100102293.html

Wird Deutschland das schaffen, sich neu aufzustellen? Bist du da optimistisch? Oder nicht?