Origines schrieb:Wir haben da ein Problem, weil es zwar keine Schachteln des tödlichen Cocktails im Zimmer gegeben hat. Aber unzweifelhaft gab es Medikamentenschachteln mit weiteren Tabletten.
Danke, ist mir bekannt.
Origines schrieb:Dass Barschel seinen Cocktail in eigenen Döschen oder Blistern mitgebracht hat, ist gut denkbar
Oder in einer Pausenbrottüte, aus Papier oder aus Kunststoff.
Origines schrieb:aber es wurden wohl keine leeren Transportbehältnisse aufgefunden.
Kann Barschel entsorgt haben, eine zerkleinerte, von Hand in kleine Fetzen zerrissene Pausenbrottüte aus Papier sogar in der Toilette seines Zimmers.
Origines schrieb:Die Herkunft der tödlichen Medikamente und der Verbleib von Behältnissen/Schachteln ist also ungeklärt.
Die Herkunft ist wohl das kleinere Problem, für den Verbleib der Schachtel habe ich oben eine Hypothese aufgestellt - er hatte sie womöglich gar nicht mitgebracht:
Beitrag von Cpt.Germanica (Seite 86)Weiter:
JLCP schrieb:Knauer berichtet, dass im Badezimmer ein warmes, feuchtes Klima herrschte (https://www.spiegel.de/politik/der-tote-von-zimmer-317-a-40212bd8-0002-0001-0000-000053203432).
Rex (https://doczz.net/doc/5775570/beitrag-von-generalstaatsanwalt-erhard-rex---schleswig) vermerkt, dass die Temperatur des Wassermischers auf 27 Grad eingestellt war, also ziemlich kühl. Dies stimme zu Empfehlungen aus dem „Suizid-Handbuch“.
Ein Bad mit dieser Wassertemperatur wirkt m.E. kaum „warm und feucht“. oder irre ich mich da?
27 Grad in einem kleinen Badezimmer vielleicht schon; fraglich ist aber, ob man von der Wassertemperatur auf die Lufttemperatur und damit -feuchte schließen kann. Dazu kennen wir Knauers individuelles Empfinden nicht.
Ansonsten ist eigentlich hier schon alles gesagt:
Origines schrieb:Das Bad hatte kein Fenster. Das Licht war aus, die Lüftung dürfte also nicht gelaufen sein. Bei 27 Grad "dampft" es nicht, aber natürlich verdunstet Wasser. Auch über Barschels Kleidung und den Körper (siehe die nassen Haare) verdunstete Wasser. Ansonsten müssen wir diesen Eindruck des Zeugen so nehmen, wie er ist. Unglaubhaft ist das nicht.
Weiter:
Student1980 schrieb:1. Wenn UB ermordet worden wäre, weshalb ist die Tötung so ostentativ zur Schau gestellt worden, und nicht eine eher diskretere Möglichkeit gewählt worden? Wollte man sehen lassen, wer es war, so ähnlich wie bei Novichok?
Was ist an einem Suizid ostentativ? Wenn man nicht so verschwindet, dass man nicht gefunden wird, also spurlos, ist die Auffindesituation immer ostentativ, egal ob Badewanne, Kopfschuss, Strick, Zug, Balkonsprung, ...
Student1980 schrieb:2. kann man ausschließen , daß die Journalisten mehr in der Tatraum eingegriffen haben, als man denkt?
Nein. Genau das ist seit Längerem mein Ansatzpunkt. Und nicht nur meiner:
Beitrag von niurick (Seite 14)Beitrag von EC145 (Seite 14)Weiter:
Student1980 schrieb:auf dem Bett wurde ein Buch gefunden.
Das Buch hatten wir weiter oben schon mal.
Student1980 schrieb:3. Stimmt es, daß das Buch heute im Besitz von Herrn Wille ist?
Es war (vorübergehend) in seinem Besitz:
Das Justizministerium überprüfte den Vorgang und entdeckte eine weitere Lücke: „Gesammelte Werke“ von Jean Paul Sartre, die Barschel mit im Hotel hatte. „Es konnte festgestellt werden, dass dieses Buch sich im privaten Besitz des leitenden Oberstaatsanwaltes a.D. befindet“, sagte Schmalfuß fast genau 24 Jahre nach dem Tod Barschels. Ob ein Disziplinarverfahren gegen Wille eingeleitet wird, prüft die Generalstaatsanwaltschaft.
Quelle:
https://www.morgenpost.de/politik/article105306725/Chefermittler-nimmt-Barschel-Buch-mit-nach-Hause.html
Student1980 schrieb:4. War es das Buch "Der Ekel"?
Es war das Buch „Gesammelte Werke“ (s. o.).
JLCP schrieb:Aber ein Mörder, der eine völlig unübersichtliche Lage zurücklassen möchte, würde vielleicht so etwas absichtlich zustandebringen.
Wozu? Er kann ja nicht mal damit rechnen, dass so sauber obduziert werden wird, dass die "medikamentösen Unstimmigkeiten", also die Widersprüchliche zwischen Obduktionsbericht und aufgefunden Medikamentenschachteln, aufgedeckt werden.
Eher frage ich mich wie gut denn obduziert wurde: Kann es sein, dass die falschen Medikamentenverpackungen doch die richtigen sind?
Waren die Blister der vorgefundenen Schachteln leer?
Student1980 schrieb:der ganze Fall ist so verworren, daß ich immer mehr mir vorstellen kann, daß es ein Zeichen sein soll auf den Urheber der Tat. Und das dieses Zeichen sehr wohl verstanden sein soll und eventuell auch wird von denen, die gemeint waren. sehr banal: einm wenig wie Zorro, der mit seinem Degen ein Z in die Oberbekleidung sticht.
Und wie wurde das "Z" gestochen?
Durch die falschen Medikamentenschachteln? Alle mit Aufschrift "Made in CCCP" oder "Made in Israel" oder "Made in XYZ"? Oder wie soll der Hinweis abgeleitet werden?
Origines schrieb:Was ein böser Geheimdienst aber sicher gemacht hätte: Den bewusstlosen Barschel in der Wanne an den Füßen ziehen, damit sein Kopf unter die Wasserlinie kommt. Nur dann wäre der Tod 100%ig sicher gewesen. Man hätte ihn nicht noch stundenlang bewusstlos in der Wanne liegen lassen - mit der Gefahr der Entdeckung und Rettung.
Tatsächlich ist er erst in den Morgenstunden/am frühen Vormittag verstorben.
Origines schrieb:Kriminalistisch ist es einfach: Da es keine konkreten oder generellen Anhaltspunkte gibt, die den Aussagen entgegen stehen, muss man sie als zutreffend betrachten.
Wieso? Nicht mal vor Gericht wird jedem Zeugen vorbehaltlos geglaubt.
Ich persönlich halte Knauer für hinterfragungswürdig. Hier z. B. dürfte er "flunkern":
Sebastian Knauer: Ich wusste einfach nicht, was ich von dem gruseligen Szenario halten sollte. War es überhaupt Barschel, der da in der Wanne lag? Schlief er oder war er alkoholisiert? Ich spürte nur: Hier war etwas Grauenhaftes passiert. Dann wollte ich mich absichern, weil ich befürchtete, in dieser halblegalen Situation – ich hatte ja ein unverschlossenes Zimmer betreten – in einen undurchsichtigen Kriminalfall verwickelt zu werden. Vorher hatte ich schon von meinem außerhalb des Zimmers wartenden Kollegen Hanns-Jörg Anders, STERN-Fotograf, die Notizen auf dem Nachttisch des leeren Schlafzimmers ablichten lassen, jetzt machte ich noch Aufnahmen vom Mann in der Badewanne.
Quelle:
https://culturmag.de/rubriken/buecher/peter-munder-befragt-sebastian-knauer-zu-uwe-barschel/34882Er hat also den toten Barschel fotografiert um sich "abzusichern". Schon klar ...
Im Übrigen enthält die Seite eine schöne Schlussbemerkung:
Das Fazit, das Erhard Eppler in seinem Vorwort zu meinem Band „Barschel-Die Akte“ zieht, ist jedenfalls nachvollziehbar und für mich überzeugend: Er schreibt da: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass Barschel sich selbst umgebracht hat. Die Akten, aber auch die Logik dieses Doppellebens sprechen dafür. Wenn bekannt wurde, was nie hätte bekannt werden sollen, war der Absturz zu tief. Wie soll, wer so von Macht und Geltung lebt, als Verfemter weiterleben?“
Quelle:
https://culturmag.de/rubriken/buecher/peter-munder-befragt-sebastian-knauer-zu-uwe-barschel/34882