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Jahrestage der Wissenschaft

276 Beiträge, Schlüsselwörter: Wissenschaft, Wissenschaftler, Meilensteine, Jahrestage

Jahrestage der Wissenschaft

18.12.2019 um 15:58
@Peter0167
Höchst interessant, da hast Du ja mal eine Herausforderung gefunden 😉

Wurde auch mal wieder Zeit dass hier ein Jahrestag erwähnt wird 😜


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Jahrestage der Wissenschaft

19.12.2019 um 14:04
skagerak
schrieb:
Höchst interessant, da hast Du ja mal eine Herausforderung gefunden
Naja, nach der ersten Begeisterung folgte auch schnell die Ernüchterung. An den relativ wenigen Funden im Netz sieht man schon, dass sich da kaum jemand für zu interessieren scheint. Die Temperatur betrachten im Alltag viele als Trivialität, wenn man sie tatsächlich mal braucht, schaut man halt aufs Thermometer, oder auf irgendeine App.

Andererseits ist die Temperatur gleich nach der Zeit die am häufigsten gemessene Größe, daher verwundert es schon, dass es eigentlich erst im 17. Jahrhundert so richtig damit losging. Bei der Zeit sah das ganz anders aus, die ersten Sonnenuhren waren bereits vor 3300 Jahren auf dem Markt. Man hatte da auch nur etwas, was in Bezug zu der zu messenden Größe eine Wegänderung beschrieb, logischerweise kam man dann schnell drauf, entlang dieses Weges eine Skala zu positionieren.

Das Prinzip einer Skala war also lange zuvor bekannt, und dass sich Stoffe in Abhängigkeit der Temperatur ausdehnen auch. Wieso hat das also so lange gedauert?

In einem Blogbeitrag wird erwähnt, das der griechische Erfinder Philon von Byzanz im 2. Jhd. das vermutlich erste Luftthermometer entwickelte, da er bereits erkannt hat, dass sich Luft bei Erwärmung ausdehnte:

https://www.lufft.com/blog/temperaturmessung-gestern-und-heute-eine-erfolgsgeschichte/

Zum "Thermometer" selbst habe ich leider nichts gefunden, war vermutlich auch eher ein Barometer, da es stark vom Luftdruck abhängig war. Galileos Erfindung gegen Ende des 16. Jhd. kam einem Thermometer schon deutlich näher, es sollte aber noch über 100 Jahre dauern, bis jemand auf die Idee kam, da eine Skala anzulegen.

Hier ist noch ein Link, wo die ersten Vorrichtungen zur Temperaturbestimmung beschrieben werden, so auch das gestern erwähnte Gerät aus Florenz, mit dem quasi die regelmäßigen Wetteraufzeichnungen begonnen hatten.

https://www.leifiphysik.de/waermelehre/temperatur-und-teilchenmodell/geschichte/thermometer-im-wandel-der-zeit

Und zum Abschluss habe ich sogar noch einen waschechten Jahrestag zum Thema, denn genau heute vor 315 Jahren begann der niederländische Wasserbauingenieur und Kartograf Nicolaus Samuelis Cruquius in Delft mit seinen regelmäßigen meteorologischen Aufzeichnungen (Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag). Damit gehört er zu den weltweit ersten, denen wir eine ununterbrochene Wetteraufzeichnung seit dem frühen 18. Jhd. verdanken.

In Sachen Klima und Klimafolgen war Cruquius ein Vordenker und seiner Zeit weit voraus, quasi die holländische Greta-Version...

Wikipedia: Nicolaus_Samuelis_Cruquius

Und damit bin ich mit dem Thema vorerst auch durch, war mal wieder ein netter Zeitvertreib und nun wird es unter "Hätte ich so nie erwartet" abgelegt und archiviert... :D


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Jahrestage der Wissenschaft

19.12.2019 um 14:16
Einen hab ich doch noch, ... der Satz ist einfach zu schön:
1717 ging Cruquius nach Leiden, um bei Herman Boerhaave Heilkunde zu studieren.
Wer kann schon von sich behaupten, in einem Ort namens "Leiden" Heilkunde studiert zu haben :D


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Jahrestage der Wissenschaft

19.12.2019 um 16:11
@Peter0167
Danke Peter, wenn auch nicht viel, aber das ist doch schon mal was :-)

Selbst bei Wikipedia unter Thermometer
steht:
Die Entwicklung des Thermometers lässt sich nicht der Erfindung einer einzelnen Person zuordnen.[1] Vielmehr waren zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse notwendig, die zu unserem heutigen Temperaturbegriff führten und die Einführung einer Temperaturskala sowie deren technische Umsetzung ermöglichten.


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Jahrestage der Wissenschaft

04.04.2020 um 12:04
04.04.1870

Vor einigen Monaten, also in der Prä-Corona-Ära, lief im Fernsehen mal eine Doku, die ich mir ... obwohl ich sonst eigentlich nie fernsehe :) ... aus irgendeinem Grund dennoch angeschaut habe. Ich glaube, damals waren wir gerade in der Greta-Ära, und das Thema entsprach damit auch voll dem Zeitgeist ... kurz gesagt, es ging in der Doku um den Magnus-Effekt.

Okay, und für all jene, die jetzt noch mitlesen, eine kleine Auffrischung. Das hier ist der Magnus-Effekt:

1024px-Magnus effect.svg
Von Gang65 aus der englischsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=837158

Und das hier ist der Mann, der zuerst drauf kam, daher ja auch der Name...

800px-Magnus Gustav Magnus 1841
Von Eduard Magnus - own scan, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5383214

Und das hier ist eine der möglichen Anwendungen dieses Effektes:


Cargo E-Ship 1 Emder Hafen CN-02Original anzeigen (0,3 MB)
Von kaʁstn Disk/Cat - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13290998

Wow, das waren jetzt krass viel Infos ... am besten erst mal tief Luft holen und das Ganze etwas sacken lassen....

Heinrich Gustav Magnus, wurde am 02. Mai 1802 als Sohn eines wohlhabenden Tuch- und Seidenhändlers in Berlin geboren. Er und seine zahlreichen Brüder (ich glaube 5 gezählt zu haben) kamen in den Genuß einer Erziehung und Ausbildung, die sich weitgehend an den jeweiligen Interessen und Begabungen orientierte.

Die beiden älteren Brüder stiegen ins Bankgeschäft des Vaters ein, die jüngeren Brüder wurden Künstler, Arzt und Landwirt. Er selbst schlug nach seinem Militärdienst eine naturwissenschaftliche Laufbahn ein, wo er sowohl auf dem Gebiet der Chemie, wie auch in der Physik zahlreiche Arbeiten veröffentlichte.

Seine Erkenntnisse zur Strömungsmechanik inspirierten nicht nur Generationen von Scharfschützen und Fußballern, sondern auch den deutschen Ingenieur und Erfinder Anton Flettner.

220px-Anton Flettner 01

Flettners Erfindungen (lenkbare Torpedos und ferngesteuerte Kampfwagen) waren ihrer Zeit weit voraus und wurden wegen der Schwierigkeiten bei der Realisierung vom Militär abgelehnt. Nach dem 1. Weltkrieg hörte er dann von Versuchen an der Aerodynamischen Versuchsanstalt in Göttingen, welche den von Magnus entdeckten Effekt untersuchten.

Und wie fast immer, wenn Spitzenwissenschaft auf Ingenieurskunst trifft, kommt am Ende auch was gescheites bei raus, ... in diesem Fall der sogenannte "Flettner-Rotor". Nur leider waren auch in diesem Fall die Bedingungen für die Umsetzung des Projektes nicht gut. Nach einigen Testläufen verlief alles wieder im Sand...

... bis heute, denn in Zeiten von "Klima" haben sich kluge Köpfe daran gemacht, dieses "alte Wissen" wieder ausgegraben, in nutzbare Technologie umzusetzen. Auch Harald Lesch hat sich darüber Gedanken gemacht, und ein Video rausgebracht:

Verlorenes Wissen: Alternative Antriebe | Terra X mit Harald Lesch


Jedenfalls glaubt man heute, mit Hilfe dieser Rotoren in der Schifffahrt signifikante Mengen an Treibstoff einsparen zu können. Schade, dass Gustav Magnus die Renaissance der Nutzung seiner Entdeckung nicht mehr miterleben kann, denn heute jährt sich zum 150. Mal sein Todestag.


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Jahrestage der Wissenschaft

27.04.2020 um 22:15
27.04.1986

Im "Normalfall" hätte ich hier heute nix geschrieben, der 27.04. ist aus wissenschaftshistorischer Sicht eher bedeutungslos. Okay, irgendwas ist schließlich immer dachte ich mir, und fing an, mehr oder weniger gelangweilt in diversen Biografien zu lesen.

Hmmm, ... J. Allen Hynek, Astronom und Physiker, ist heute vor 34 Jahren gestorben. Na gut dachte ich mir, schaun wir mal was der so alles entdeckt hat, immerhin interessiere ich mich für dieses Sternen-Gedöns schon seit meiner frühesten Kindheit.

Also, geboren wurde Hynek am 1.Mai 1910 in Scottsdale, Arizona. In Chicago studierte er Astrophysik und spezialisierte sich an der Ohio State University auf Sternentwicklung und spektroskopische Doppelsterne. Hier habe ich lange überlegt, was das wohl für mysteriöse Doppelsterne sein mögen, diesen Begriff habe ich heute zum ersten mal gelesen...

Während des Krieges befasste er sich an der Johns Hopkins University mit militärischen Projekten. Dort arbeitete er eng mit der Air Force zusammen, was für seinen weiteren Lebensweg noch entscheidend sein sollte.

Nach Kriegsende ging er zunächst an die Ohio State University zurück, wo er 1950 zum Professor berufen wurde. Soweit so gut, klingt alles nach einer typischen Physiker-Karriere...

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... wäre da nicht diese Sache mit dem Ufo-Kram gewesen. Bereits Ende der 40er Jahre hielt es die US-Regierung für erforderlich, angesichts der zahlreichen Ufo-Sichtungen die Sache von staatlicher Seite zu untersuchen. Und Allen Hynek war von Anfang an als wissenschaftlicher Berater dabei...

sign-personnel

1948 wurde das Projekt "Sign" ins Leben gerufen, später hieß es dan "Grudge" und 1952 letztlich "Blue Book" ... moment mal, Project Blue Book? Gab es da vor kurzem nicht eine Serie?

PROJECT BLUE BOOK Official Trailer (HD) Aidan Gillen History Series


Genau! Und nicht nur die, Ende der 70er Jahre produzierte Jack Webb die Serie "Project U.F.O.", die ebenfalls auf Project Blue Book basierte. Naja, und damit war klar, dieser Jahrestag darf in einem Forum mit dem Titel "Allmystery" nicht fehlen.

Interessant fand ich noch, dass Hynek zunächst den Ruf eines "Entlarvers" hatte, da er für viele Sichtungen rationale Erklärungen lieferte. In den 60er Jahren übte er dann mehr und mehr Kritik an der Air Force, und schürte mit aus seiner Sicht "unerklärlichen Phänomenen" auch das Interesse in der Bevölkerung an Project Blue Book. An seiner wissenschaftlichen Herangehensweise bei den Fällen hat sich jedoch nie etwas geändert.

Seiner Leidenschaft ging er noch bis ins hohe Alter nach, so fungierte er als Berater bei zahlreichen Filmen, so auch bei Steven Spielbergs "Die Unheimliche Begegnung der dritten Art".

Heute vor 34 Jahren starb J. Allen Hynek an einem Hirntumor. R.I.P.

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Jahrestage der Wissenschaft

27.04.2020 um 23:01
@Peter0167
Danke Peter 😊
Einer der sehr wenigen sehr interessanten Threads und sehr schön be- und geschrieben von Dir 👍

Ich freue mich immer wieder darauf 😊

Auf diese Art lese ich mir oft und viel über die Biografien alter Schauspieler durch. Da kommen auch sehr oft interessante Informationen bei raus.

Gerne weitermachen damit 😉


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Jahrestage der Wissenschaft

27.04.2020 um 23:05
skagerak
schrieb:
Danke Peter 😊
Ich danke dir.

Übrigens habe ich die "spektroskopischen Doppelsterne" tatsächlich gefunden, das hatte mir gar keine Ruhe gelassen. Zuerst dachte ich an einen Übersetzungsfehler, aber es gibt sie wirklich...

Wikipedia: Spektroskopischer_Doppelstern


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Jahrestage der Wissenschaft

27.04.2020 um 23:57
Peter0167
schrieb:
Übrigens habe ich die "spektroskopischen Doppelsterne" tatsächlich gefunden, das hatte mir gar keine Ruhe gelassen. Zuerst dachte ich an einen Übersetzungsfehler, aber es gibt sie wirklich...
Ja, ich war auch erst verwundert über diesen Begriff.
Aber auch nicht wirklich lange, da „spektroskopisch“ schon etwas andeutet. Aber trotzdem Danke dass Du es noch mal verlinkt hast. 👌

Wikipedia bestätig meine Vermutung darüber was das bedeutet.

Nachtrag: Im Nachhinein betrachtet schon fast logisch was das bedeutet 😉


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 10:56
skagerak
schrieb:
Wikipedia bestätig meine Vermutung darüber was das bedeutet.
Die Bedeutung von Spektroskopie war mir schon klar, gerade deshalb war ich ja auch so verwundert über diese vermeintlich neue Klasse von Doppelsternen. Der Umstand, dass man sie nur indirekt über spektroskopische Verfahren als Doppelsternsysteme identifizieren kann, hat ja offensichtlich Einfluss auf die Namensgebung gehabt.

Weiß hier vielleicht jemand, ob das ein übliches Verfahren ist, oder kennt jemand Fälle, wo das ebenso gehandhabt wurde?

Überträgt man das z.B. auf zwei sich umkreisende Schwarze Löcher, die man derzeit nur über ihre Gravitationswellen detektieren kann, müsste man sie quasi als "interferometrische Löcher" bezeichnen :D


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 11:41
@Peter0167
Also das Verfahren, Veränderliche über ihre Spektren zu identifizieren ist schon älter. Und dabei sties man auf die Tatsache, daß sich bei manchen plötzlich Linien verdoppeln oder verbreitern. Daraus schloß man, daß dort zwei (oder mehr) Sterne sein müssen.
Diese "Art" von Doppelsternen erkennt man also nicht daran, daß man mehrere Lichtpunkte (oder ihre Beugungsmuster) sieht, sondern daß ihre Spektren "komisches" Verhalten zeigen. Wenn die Bahnebene dann noch so liegt, daß wir von der Seite drauf gucken, sieht man auch (teilweise ganz geringe) Helligkeitsschwankungen.
Hier ein berühmter Verteter: Auge/Kopf des Dämons


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 11:47
Peter0167
schrieb:
Weiß hier vielleicht jemand, ob das ein übliches Verfahren ist, oder kennt jemand Fälle, wo das ebenso gehandhabt wurde?
Naja, das pendant dazu wird in dem Wiki-Beitrag als teleskopische Doppelsterne bezeichnet.

Und schau mal hier im Wiki Doppelstern unter Typen von Doppelsternen und dann Einteilung nach Beobachtungsmethode.

Mir scheint dass es sich lediglich auf Doppelsterne bzw auf die Spektroskopie bezieht. Zumindest habe ich noch nichts über "spektroskopische Planeten oder Nebel" gefunden.


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 11:57
skagerak
schrieb:
Und schau mal hier im Wiki
Alles klar, genau danach habe ich gesucht. Wieder was dazugelernt ... und genau deshalb liebe ich diesen Thread :D

@cpt_void

Danke für die Info, mein Denkfehler bezog sich jedoch nur auf die Namensgebung, also darauf, ob sich Sterne nach der Art ihrer Detektierung klassifizieren lassen. Und offenbar ist das gängige Praxis, wie der von skagerak verlinkte Wiki-Beitrag zeigt.


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 12:20
@Peter0167
Ich hab noch mal etwas gestöbert, und landete bei klassifizierung von Planeten.

Unter Einleitung stehen nur die Messprinzipien für Exoplaneten. Es gibt dafür also nur die indirekte Nachweismethode und die direkte Beobachtung und dann eben die klassifizierung.
Daraus würde ich jetzt schließen dass die von Dir erfragten Begrifflichkeiten nur bei Doppelsternen zur klassifizierung angewendet werden.

Wobei ich mich grad frage, woher weiß man denn auf welche Weise man x-beliebigen Exoplaneten "beobachten" kann? Sagt man da sowas wie "das ist ein indi-Planet...und das hier ein diribeo-Planet..."? 🤔


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Jahrestage der Wissenschaft

28.04.2020 um 12:37
Nachtrag: Gefunden. Unter Wiki-Liste extrasolarer Planeten.
Am Ende unter der Liste die Anmerkung:

Detektionsmethoden: Am = Astrometrische Methode, Im = Direkte Beobachtung, Ml = Gravitational-microlensing-Methode, Pu = Pulsar, RV = Radialgeschwindigkeitsmethode, PT = Transitmethode, Tim = Timing, TTV = Lichtlaufzeit-Methode


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Jahrestage der Wissenschaft

29.04.2020 um 10:03
29.04.1929

Tja, heute schreiben wir den 29. April, ein Tag an dem ein ganz neuer Zweig der Wissenschaft gegründet wurde, und von dem vermutlich die wenigsten jemals etwas gehört haben. Dennoch waren damals ein paar der klügsten Köpfe ihrer Zeit aus der Notwendigkeit heraus der Auffassung, es wäre jetzt echt an der Zeit, dem Kind einen Namen zu geben. Einer von ihnen war kein Geringerer als Eugene Cook Bingham. Dieser äußerte gegenüber seinem Freund Markus Reiner Folgendes:
Hier arbeiten Sie, ein Bauingenieur, und ich, ein Chemiker, zusammen an gemeinsamen Problemen. Mit der Entwicklung der Kolloidchemie wird so eine Situation zusehends öfters vorkommen. Wir müssen deshalb einen Zweig der Physik begründen, der sich mit solchen Problemen beschäftigt
Gesagt, getan, am 29. August 1929 gründete er mit anderen die Society of Rheology in Columbus, Ohio. Interessanterweise wurde aber nicht dieses Datum als Geburtsstunde gewählt, sondern das erste Treffen des Gründungskomitees der amerikanischen Society of Rheology, und das war genau heute vor 91 Jahren.

Und an dieser Stelle hätte ich gern zur Auflockerung ein paar Bilder gebracht, leider habe ich keine gefunden :(

Machen wir also weiter, am besten mit dem Namen. Genannt wurde er ja schon ... Rheology ... klingt fast wie eine Sekte, aber tatsächlich wurde er von einem Aphorismus Heraklits abgeleitet, der in seiner verkürzten Form "panta rhei" - "Alles fließt" auch heute noch häufig zu finden ist ( @FlamingO ). :D

Und ein berühmtes Experiment, welches in diesem Thread bereits thematisiert wurde (Beitrag von Peter0167, Seite 1) stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass tatsächlich (fast) alles fließt. Und damit ist auch klar, womit sich die Rheology, oder auch Fließkunde befasst, nämlich mit dem Verformungs- und Fließverhalten von Materie. Die Rheologie ist damit quasi ein Bindeglied zwischen der Physik, der Physikalischen Chemie, den Ingenieur- und Werkstoffwissenschaften, den Biowissenschaften sowie den Geowissenschaften.

So, ich denke mal das reicht bis dahin, zum Vertiefen ist der Thread ja eh nicht gedacht gewesen.


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Jahrestage der Wissenschaft

29.04.2020 um 11:26
Peter0167
schrieb:
Genannt wurde er ja schon ... Rheology ... klingt fast wie eine Sekte, aber tatsächlich wurde er von einem Aphorismus Heraklits abgeleitet, der in seiner verkürzten Form "panta rhei" - "Alles fließt" auch heute noch häufig zu finden ist ( @FlamingO ). :D
Da nehme ich doch mal das Stichwort zum Anlass für einen kleinen Exkurs zu Heraklits Sentenz panta rhei.
Der gestauchte Satz "panta rhei" (in längerer Form "Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.") umfasst die Bewegung von allem in der Wirklichkeit, die Dynamik des Seins. - Der Wechsel (von Stoffen und Formen) ist das Beständige.

Was durch die Sprache in eine statische Form gebracht wird, befindet sich tatsächlich im steten Fluss. Auch Platon griff diese Ansicht "dass alles davongeht und nichts bleibt" auf.
Von Heraklit selbst sind bloß noch Fragmente überliefert, wer interessiert ist, kann hier eintauchen: http://12koerbe.de/pan/heraklit.htm

Von Rheology hatte ich bis eben noch nichts gehört (aber danke, @Peter0167 , man lernt nie aus) und kann insofern dazu hier nichts beitragen. Von daher verlasse ich den Thread wieder so unauffällig, wie ich ihn betreten habe. :)


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Jahrestage der Wissenschaft

29.04.2020 um 11:35
FlamingO
schrieb:
Von daher verlasse ich den Thread wieder so unauffällig, wie ich ihn betreten habe. :)
Zumindest hast du mal wieder einen Fußabdruck hinterlassen. :D

Ich wusste schon, warum ich dich in Bezug auf den panta-Kram ge@tet habe, niemand kennt sich damit so gut aus wie du, und bringt es auch noch rethorisch auf höchstem Niveau auf den sprichwörtlichen Punkt. Also, vielen Dank für deinen Beitrag zum Thema. :D


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29.04.2020 um 11:37
Peter0167
schrieb:
Also, vielen Dank für deinen Beitrag zum Thema. :D
Aber gerne doch, lieber @Peter0167 :D


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30.04.2020 um 10:51
30.04.1897

So liebe Freunde der Wissenschaften, da es gestern leider keine Bilder gab, fange ich heute zur Abwechslung mal mit einem an.

J J Thomsons cathode ray tube with magne

Und nein, es ist keine Opium-Pfeife und auch keine Shisha oder Destille. Das geschulte Auge erkennt natürlich sofort, worum es sich handelt, nämlich um eine Kathodenstrahlröhre. Aber es ist nicht irgendeine Kathodenstrahlröhre, denn diese steht im Science Museum in London und gehörte Diesem Mann hier...

JJ Thomson

Und dieser Mann ist nicht einfach irgendein Mann, denn diesem Mann, Sir Joseph John Thomson, gelang mit dieser Kathodenstrahlröhre etwas, was noch nie einem Menschen zuvor gelungen war, obwohl es diesem Mann hier, Emil Wiechert, fast zur selben Zeit gelang...

Emil Wiechert

Und was den beiden gelungen ist, ist nicht einfach irgendwas, nein, es brachte einem der beiden im Jahre 1906 sogar den Nobelpreis für Physik ein. Aber was hat er den nun entdeckt ... 'mensch Peter, komm endlich mal zu Potte!' :D

Naja, ich sags mal so, entdeckt ist vermutlich das falsche Wort, Thomson gelang vielmehr der Nachweis von etwas, was schon viele Jahre zuvor postuliert wurde, und zwar von diesem Mann hier, George Johnstone Stoney...

George Johnstone Stoney

Okay, die ganze Geschichte ist schon verwirrend genug, und nun auch noch dieser Zottelbart... kopfkratz ...worüber wollte ich eigentlich reden?

Genau, es geht heute um etwas, was zunächst vorausgesagt wurde, und Jahre später im Experiment auch nachgewiesen wurde, und zwar genau heute vor 123 Jahren. Beim Neutrino lief es übrigens ähnlich, nur da war es Wolfgang Pauli, der aufgrund einer Diskrepanz in den Messwerten eines Experiments kurzerhand ein Teilchen postulierte, welches Enrico Fermi Jahre später nachwies.

Aber ich schweife schon wieder ab ... 'reiß dich zusammen Peter!' ... nun ja, im Grunde wissen ja eh alle, worum es heute geht, dann nennen wir das Kind doch endlich beim Namen. Leute, es geht um nix Geringeres als das wahrscheinlich kleinste Elementarteilchen, das der Urknall je hervorgebracht hat. Es ist so verdammt klein, dass man eigens eine eigene Klassifizierung erfinden musste ... "subatomar"!

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen "subatomar", davon hätten Leukipp und sein Schüler Demokrit nicht einmal zu träumen gewagt, und 2500 Jahre danach rüstet ein Engländer mal eben seine Shisha um ... und holt sich den Nobelpreis. Wahnsinn!

Das Ding ist so krass klein, dass es nicht einmal Bilder von ihm gibt, aber ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, und eine möglichst realistische Darstellung entwerfen zu lassen. Und hier ist nun endlich unser Geburtstagskind ...

Unbenannt

PS: Es ist der kleine Blaue, unten links, also der, der so dämlich grinst. Ob es nun am Grinsen lag ist nicht überliefert, aber Thomson nannte seine Entdeckung zunächst "corpuscle", später einigte man sich jedoch auf "Elektron", was aus meiner Sicht auch irgendwie sozialverträglicher klingt.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen 30. April, und vielleicht denkt der eine oder die andere bei der nächsten Shisha sogar an das kleine blaue Kerlchen, und wie lange das Universum für den direkten Nachweis gebraucht hatte, dann hätte sich dieser kurze Beitrag schon gelohnt. bye


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