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Jahrestage der Wissenschaft

204 Beiträge, Schlüsselwörter: Wissenschaft, Wissenschaftler, Meilensteine, Jahrestage

Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 00:30
@Peter0167:
Peter0167 schrieb:Immerhin hat der Autor ein abgeschlossenes Physik-Studium vorzuweisen, womit nicht gesagt ist, dass er keine Probleme im ersten Semester mit dem Quantenquark hatte ... :D
Hmmm ... die Probleme, die der Spektrum-Autor mit Feynman hat, liegen wohl weniger im Bereich der Physik. Nach nochmaligem Lesen schliesse ich mich @wuec an:
wuec schrieb:Das ist dem Spektrum-Verlag nicht würdig wegen (Schreib-)Stil und Inhalt.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 00:32
Mir will eine Sache nicht aus dem Kopf (kennen allmy-Erprobte nur zu gut):
Kann man fachlich jemandem nicht ans Bein pinkeln, dann wirds halt persönlich.

Danach schaut das für mich aus.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 00:35
wuec schrieb:Kann man fachlich nicht an jemandem rütteln, dann wirds halt persönlich.
Hat man schon bei Einstein versucht ... ist auch in die Hose gegangen.
uatu schrieb: Nach nochmaligem Lesen schliesse ich mich @wuec an:
Tue ich auch (ohne es nochmal zu lesen) :D


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 01:33
In diesem Video spricht mal jemand über Feynman, der ihn persönlich kannte, und sogar mit ihm befreundet war...



Ich glaube das rückt das Bild wieder gerade.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 01:56
Es gibt übrigens eine spannende (wenn auch gleichzeitig traurige) Episode im Zusammenhang mit Feynman und Freier Energie. 1966 führte der aus Ungarn eingewanderte Ingenieur Josef Papp (1933-1989) auf einem Parkplatz in Torrence, Kalifornien (ca. 26 km von Los Angeles entfernt) einen angeblichen "Edelgas-Motor" vor. Es handelte sich um einen umgebauten Volvo-Automotor, der angeblich ohne Treibstoffverbrauch (!) mit einer speziellen Edelgas-Füllung in den Zylindern lief.

Einige Studenten hatten Feynman auf die Vorführung hingewiesen, der sich das Ganze daraufhin ansah. Verdächtigerweise führten einige elektrische Leitungen von dem Motor zu einem etwas entfernt aufgebauten Stand mit Kontrollinstrumenten, von dem wiederum eine Leitung zu einer Steckdose führte. Um zu beweisen, dass der Motor nicht auf diesem Wege versorgt wurde, zog Papp den Stecker aus der Steckdose, und der Motor lief weiter. Feynman bat darum, den Stecker mal halten zu dürfen, woraufhin Papp ihm den Stecker übergab. Sehr bald wollte Papp den Stecker jedoch zurückhaben, während Feynman ihn noch etwas behalten wollte. Papp wurde daraufhin äusserst hektisch, so dass Feynman ihm den Stecker zurückgab. Kurz nachdem Papp den Stecker wieder in die Steckdose gesteckt hatte, kam es zu einer heftigen Explosion, bei der einer der Zuschauer getötet und zwei weitere schwer verletzt wurden.

Obwohl es sich bei der Papp-Engine nahezu sicher um einen Scam handelte, wurde die tatsächliche Funktionsweise nie geklärt. Die polizeiliche Untersuchung nach der Explosion ergab keine Hinweise auf einen Betrug oder eine Vorbereitung der Explosion. Papp verklagte Feynman wegen der Explosion, weil dieser ihm den Stecker nicht sofort nach Aufforderung zurückgegeben hatte, und bekam tatsächlich eine gewisse Summe zugesprochen, die von Feynman's Universität (Caltech) beglichen wurde.

Papp nahm das Geheimnis, wie die Papp-Engine tatsächlich funktionierte, mit ins Grab. Nach seinem Tod wurden von einer Reihe von Individuen und Gruppen, die an eine tatsächliche Funktionsfähigkeit glaubten, mehrere Millionen Dollar dafür ausgegeben, die Funktion nachzustellen, was jedoch nie gelang. Anders als bei den allermeisten Freie-Energie-Scams ist die Papp-Engine, wenn man sich detailliert mit dem Thema auseinandersetzt, m.E. nicht ganz einfach zu debunken. Einen Einstieg in die Sichtweise derjenigen, die an eine tatsächliche Funktionsfähigkeit glauben, bietet der folgende Artikel: The Mystery and Legacy of Joseph Papp's Noble Gas Engine. Weiterhin gibt es bei revolution-green.com eine interessante Diskussion zum Thema, bei der u.a. Bob Rohner (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder John Rohner) beteiligt war, der seinerzeit mit Papp zusammengearbeitet hat.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 02:43
Korrektur:
uatu schrieb:[Papp] bekam tatsächlich eine gewisse Summe zugesprochen, die von Feynman's Universität (Caltech) beglichen wurde.
Die Summe wurde Papp nicht (gerichtlich) zugesprochen, sondern im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung gezahlt.


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Philipp
ehemaliges Mitglied

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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 06:55
wuec schrieb:Mir will eine Sache nicht aus dem Kopf (kennen allmy-Erprobte nur zu gut):
Kann man fachlich jemandem nicht ans Bein pinkeln, dann wirds halt persönlich.

Danach schaut das für mich aus.
Könnte sogar noch etwas tiefer gehen. Ich weiß jetzt nicht, wie er sich politisch engagiert hatte, aber mit seiner Prominenz könnte ich mir vorstellen, dass sein Status entsprechend ausgenutzt werden könnte, was durchaus Spannungen generieren kann. Stichwort "Nahost, Semitismus.." etc.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 11:28
Philipp schrieb:Könnte sogar noch etwas tiefer gehen. Ich weiß jetzt nicht, wie er sich politisch engagiert hatte, aber mit seiner Prominenz könnte ich mir vorstellen, dass sein Status entsprechend ausgenutzt werden könnte, was durchaus Spannungen generieren kann. Stichwort "Nahost, Semitismus.." etc.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was du damit meinen könntest.

Für viele ist Los Alamos ein absolutes No-Go in Feynmans Vita. Da muss man sich nur mal durch die Kommentare bei Scienceblogs quälen.
Da trieft die unwiderlegbare "Allmy-Logik" heraus:
A war an B beteiligt.
B ist böse.
⮕ A ist böse oder wenigsten sein ganz ganz mieser Sausack.

Ob das hier der Fall ist/ein könnte, vermag ich beim besten Willen nicht zu sagen.
Ich hab mal in andere Artikel des Autors reingeschnuppert. Die scheinen auf den ersten und zweiten Blick stilistisch, handwerklich und inhaltlich blitzsauber zu sein. Irgendwas wird der sich schon gedacht haben (bzw die Redaktion).
So beginnt alter Artikel über Feynman bei Spektrum:
Richard Feynman. Leben und Werk des genialen Physikers
Richard P. Feynman (1918 bis 1988) ist zweifellos eine der überragenden und schillerndsten Wissenschaftlergestalten dieses Jahrhunderts.
Zu seinen physikalischen Leistungen zählen die alternative Formulierung der Quantenmechanik mittels Pfadintegralen, Beiträge zur Theorie der Superfluidität, eine neue Theorie (die sogenannte V-A-Theorie) der schwachen Wechselwirkung (gemeinsam mit Murray Gell-Mann), das Partonenmodell und vor allem die Vollendung der Quantenelektrodynamik, für die er 1965 zusammen mit Shinichiro Tomonaga (1906 bis 1979) und Julian Schwinger (1917 bis 1994) mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. In all diesen Arbeiten zeigt sich Feynmans Fähigkeit, intuitiv den physikalischen Kern einer Klasse komplexer Phänomene herauszupräparieren und das Wesentliche in einfachen Gesetzen, einem Modell oder einem Bild festzuhalten. Die Diagramme zu Elementarteilchenreaktionen, die heute seinen Namen tragen, sind nur ein Beispiel dafür.
https://www.spektrum.de/magazin/richard-feynman-leben-und-werk-des-genialen-physikers/822441
Keine Ahnung was Feynman (†'88) in den letzten 20 Jahren verbrochen haben soll, dass er nun verrissen werden musste.


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Philipp
ehemaliges Mitglied

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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 11:35
wuec schrieb:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was du damit meinen könntest.
Politik ist ein Arschloch, das meine ich damit. Gerade jüdisch stämmige Mitbürger hatten es oft nicht einfach, wenn es darum ging, sie in der Öffentlichkeit nicht nur als Fachleute sondern auch als (mehr oder minder politische) Menschen wahr zu nehmen. Nicht selten hatten sie da ungleich viel mehr Widersacher, als in der bloßen Fachwelt.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 11:54
Hmm. Na ja. Feynman war aber so ziemlich der unjüdischste Jude, den man sich überhaupt vorstellen kann. Geburtsfehler gewissermaßen.
Dass ausgerechnet an ihm antisemitische Vorbehalte ausgelebt werden erscheint mir wenig schlüssig. Er wäre da vermutlich schon eher ein beliebtes Ziel für "Kampfreligiöse" (Katholiban etc.) wegen einiger Aussagen. Wobei auch das an den Haaren herbeigezerrt scheint, denn er hat (soweit ich weiß) sich nie an diesem "War on Religion" (wie Dawkins u.e.a.) beteiligt. Vielmehr machte er deutlich, dass Religion für ihn nichts mit Wissenschaft zu tun hätte, da sie (Rel) nichts mit dem "Imperativ der Wissenschaft", dem Zweifel, anzufangen wüsste.

Wir werden es vermutlich nie erfahren was den Autor und die Redaktion da geritten hat. Womöglich ist es schlicht ein Fehler. Passiert selbst den Besten. Häkchen dran und gut ist.


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Philipp
ehemaliges Mitglied

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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 12:01
wuec schrieb:Wir werden es vermutlich nie erfahren was den Autor und die Redaktion da geritten hat. Womöglich ist es schlicht ein Fehler. Passiert selbst den Besten. Häkchen dran und gut ist.
Da hast auch wieder recht..

War nur so ein Gedanke, denn er wäre da sicher nicht der erste.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 12:39
Etwa 30% des Textes des aktuellen Spektrum-Artikels betrachten Feynman aus quasi-feministischer Sicht. Ich möchte hier auf gar keinen Fall eine ideologische Diskussion anfangen, aber allem Anschein nach ist der Verfasser des Artikels einer entsprechenden ideologischen Strömung zuzuordnen, womit oft auch eine grundsätzliche Ablehnung herausragender Einzelleistungen einhergeht, inbesondere wenn sie von Männern erbracht wurden. Das würde den Grundton des Artikels erklären, der beginnend mit der Überschrift "Kleiner als sein Mythos" eifrig bemüht ist, Feynman schlechtzureden. Ein derartig von der persönlichen ideologischen Einstellung des Verfassers gefärbter Artikel hat m.E. in einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift nichts verloren. Es geht nicht darum, Feynman's Schwächen zu verschweigen, aber die Darstellung sollte neutral und ausgewogen bleiben.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 12:49
@uatu
Bist du lebensmüde?
Wenn das Silke Burmester und/oder Margarete Stokowski unter die Augen gerät, dann können wir demnächst deine Eingeweide bestaunen.


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Jahrestage der Wissenschaft

12.05.2018 um 13:17
@uatu
Genau das war auch mein Eindruck als ich den Artikel zufällig gestern auf irgendeiner Seite las. Bin da nur zufällig drüber gestolpert als ich den Browser öffnete, weiß daher leider nicht mehr ob es dieselbe wie hier besprochene Seite war, ist aber der selbe Artikel.


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Jahrestage der Wissenschaft

28.05.2018 um 16:30
29.05.1919 ... ist zwar erst morgen so weit, bin aber jetzt schon fertig, außerdem darf man das als TE :D

Heute soll es mal um Vorhersagen gehen, genauer gesagt um jene Vorhersagen, die komplett ohne Kristallkugel auskommen.

Die Methodik moderner Naturwissenschaften hat ja bekanntlich ihren Ursprung im 16. bzw. 17. Jahrhundert, und wurde maßgeblich von Galileo Galilei und Isaac Newton geprägt. Das Prinzip ist einfach und effektiv: physikalische Theorien müssen im Experiment bestätigt werden! Auch wenn einzelne Philosophen und Naturforscher wie z.B. Roger Bacon bereits im 13.Jhd. für einen höheren Stellenwert der Empirie plädierten, basierten Erkenntnisse über die Natur bis dahin zum großen Teil auf rein philosophischen Erklärungsversuchen.

Ja ich weiß, ich plappere nun mal gern, und einige werden sich inzwischen fragen, was das mit dem heutigen Jahrestag zu tun hat ... :D ... und da ich die Leser hier nicht unnötig auf die Folter spannen will, gehts auch schon los:

Genau heute vor 99 Jahren wurde eine Vorhersage mit Hilfe einer anderen Vorhersage bestätigt. Dabei ist eine der beiden Vorhersagen (entgegen meiner Vorbetrachtung) bereits seit der Antike bekannt, und die Bestätigung der anderen Vorhersage machte einen der bedeutendsten Wissenschaftler quasi übernacht zu einem "Superstar der modernen Physik".

Spätestens jetzt sollten eigentlich jene, die hier öfter mitlesen, wissen um wen es geht. Die Rede ist natürlich von Albert Einstein. Am 25. November 1915 stellte er der Preußischen Akademie der Wissenschaften den Kern seiner Feldgleichungen der Gravitation vor, in der er noch einige Fehler seiner ersten Arbeit zur Allgemeinen Relativitätstheorie korrigierte. Die in dieser korrigierten Fassung enthaltenen 10 Gleichungen sollten später das Grundverständnis über die Schwerkraft und das Universum revolutionieren.

Doch die Anerkennung ließ noch einige Jahre auf sich warten, denn die Theorie war so revolutionär, dass sie anfangs von vielen nur belächelt wurde. Und hier kommt die andere Vorhersage ins Spiel: die Sonnenfinsternis. Einsteins Theorie sagte u.a. voraus, dass sich der Weg des Lichtes bei Anwesenheit großer Massen ändert. Und da unsere Sonne die größte Masse im Sonnensystem besitzt, ist es naheliegend, diesen Umstand auch für eine Bestätigung zu nutzen. Das Blöde dabei ist nur, die Sonne strahlt selbst so stark, dass es nicht möglich ist, die Ablenkung des Lichtes eines anderen Sterns zu messen, der sich in einer geeigneten Position zur Sichtachse Erde/Sonne hinter der Sonne befindet, ... es sei denn, es gäbe da einen anderen Himmelskörper, der die Sonnenscheibe komplett verdecken könnte ... :D

Lichtablenkung
https://www.mpg.de/9236014/eddington-sonnenfinsternis-1919

Und was soll ich sagen, "zufällig" dreht ein solcher Körper seit ewigen Zeiten zuverlässig seine Runden um die Erde, so dass schon die alten Antiker dank aufmerksamer Beobachter hinreichend zuverlässig eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnten.

Einstein war übrigens nicht der Erste, der Hypothesen über die massebedingte Lichtablenkung aufstellte. Da bereits seit Newton bekannt war, dass Licht aus winzigen Teilchen bestand, fragten sich viele Gelehrte, welchen Einfluss Massen auf die Lichtwege haben könnten. Im Jahr 1783 behauptete der Engländer John Mitchell, dass Licht nicht immer geradlinig läuft, sondern von der Schwerkraft eines Körpers abgelenkt werden kann. Weiterhin beschrieb er einen "Riesenstern", dessen Schwerkraft so gewaltig wäre, dass Licht nicht mehr entweichen könne, und das lange bevor der Begriff "Schwarzes Loch" geprägt wurde. Der französische Mathematiker Pierre-Simon Laplace kam unabhängig von Mitchell zum gleichen Ergebnis, und berechnete zudem noch den Durchmesser von 6Km, den die Sonne haben müsste, um zu einem solchen Körper zu werden.

Im Jahr 1801 veröffentlichte Johann Georg von Soldner, der spätere Direktor der Münchener Sternwarte in Bogenhausen, einen Aufsatz unter dem Titel „Die Ablenkung eines Lichtstrahls von einer geradlinigen Bewegung durch die Attraktion eines Weltkörpers, an welchem er nahe vorbei geht“. Er berechnete damals eine Ablenkung von 0,875 Bogensekunden, was in etwa dem entsprach, was Einstein zunächst ausrechnete (0,83 Bogensekunden). Um das mal zu veranschaulichen, 0,8 Bogensekunden ist in etwa das, was wir von einer 1 Euro Münze in 5km Entfernung sehen, wenn wir sie denn sehen könnten :D

Einstein beschäftigte sich ab dem Jahr 1911 näher mit der Lichtablenkung. Die erste Möglichkeit einer Überprüfung bot sich bei der Sonnenfinsterniss 1912 in Brasilien, dieser Termin fiel aber dem schlechten Wetter zum Opfer. Der nächste Termin (21. August 1914) war blöderweise in Russland, und da gerade 3 Wochen zuvor der 1. Weltkrieg ausgebrochen war, wurde die deutsche Expedition unter Leitung von Erwin Freundlich von den Russen interniert. Ein amerikanisches Team um William Campbell hatte sich südlich von Kiew postiert, dort machte wiederum das Wetter den Forschern ein Strich durch die Rechnung, was sich dann nachträglich als Glücksfall für Einstein herausstellen sollte, denn .... Achtung! Einstein hatte sich verrechnet! Klingt komisch, is aber so.

Einstein hatte 1911 wie bereits erwähnt einen Wert von 0,83 Bogensekunden berechnet. Zu diesem Zeitpunkt war ihm jedoch noch nicht der Zusammenhang zwischen Schwerkraft und Raumzeitkrümmung bekannt gewesen, und so wurden in seiner ersten Berechnung einige Effekte nicht berücksichtigt. Nach der Korrektur veröffentlichte er im Mai 1916 in den Annalen der Physik einen Wert von 1,75 Bogensekunden.

Nun musste man nur noch auf eine neue Gelegenheit warten, und die kam am 29. Mai 1919. Man hatte 2 Orte für eine ideale Beobachtung ermittelt, die Insel Principe vor der Küste Spanisch-Guineas sowie das Dorf Sobral im Norden Brasiliens. Einstein wurde während dieser Zeit auf Betreiben von Max Planck zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik berufen. Nach nur 5 Jahren übertrug Einstein sein Amt an Max von Laue, da er 1922 wegen zahlreicher Morddrohungen Deutschland verlassen musste.

Aber zurück zur Sonnenfinsternis vom 29.05.1919, bereits am 8. März 1919 brachen 2 Expeditionen unter Führung von Arthur Eddington nach Süden auf, eine führte auf die Insel Principe, die andere nach Sobral. Ungeachtet der ohnehin schon zahlreichen Probleme mit dem Equipment regnete es zudem am Morgen des 29.05.1919 pausenlos. Gegen Mittag riss dann die Wolkendecke zeitweise für wenige Sekunden auf, und den Forschern gelangen 16 Aufnahmen, von denen nur 2 zu gebrauchen waren. Das Team in Brasilien hatte mehr Glück, ihnen gelangen 8 brauchbare Aufnahmen.

Nach Rückkehr und Auswertung in England verkündete Eddington anfang September 1919 das vorläufige Resultat auf einer Tagung in Bournemouth. Das endgültige Ergebnis wurde am 6. November in einer gemeinsamen Sitzung von Royal Society und Royal Astronomical Society bekannt gegeben (bei einen Teleskop 1,98 +/- 0,18 Bogensekunden, bei dem anderen 1,60 +/- 0,31 Bogensekunden).

Bereits am Tag darauf verkündet die Londoner Times: „Wissenschaftliche Revolution. Neue Theorie des Universums. Newtons Vorstellung gestürzt“. Die Amerikaner brauchten 3 Tage länger, dafür war die Überschrift ein wenig "anschaulicher": "Lichter am Himmel alle schief" :D

NYT

Ja, so war das damals, als eine physikalische Theorie ihren ersten echten Test mit Bravour bestand, ebenso wie eine andere, die seit der Antike unzählige Male immer wieder aufs Neue bestätigt wird. Nur in Deutschland dauerte es noch bis zum 14. Dezember, bis ein Beitrag in der "Berliner Illustrierte Zeitung" erschien. Einstein selbst war der Rummel um seine Person eher lästig, und so schrieb er an seinen Freund Max Born: "Bei mir ist es so arg, dass ich kaum mehr schnaufen, geschweige zu vernünftiger Arbeit kommen kann." Heute wissen wir, dass er auch diese Phase gut gemeistert hatte, und bereits 1930 konnte er auf einer Bank vor der britischen Universität Cambridge gemeinsam mit Sir Arthur Eddington herzlich darüber lachen....

1930


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Jahrestage der Wissenschaft

01.06.2018 um 12:24
Ich habe hier ein bisschen im Thread rumgeblättert und im November letzten Jahres wurde ein wichtiges Datum vergessen. Zumal hier mit einem Namen gleich einer ganzen Wissenschaftssparte gedacht wird: Die der Erfinder. Am 9. November ist der Geburtstag von Hedy Lamarr.
Hatte dazu einen Onepager gemacht und ich hoffe es ist ok wenn ich es hier nachreiche. Vielleicht besteht ja auch von Admin Seite her die Möglichkeit den Beitrag mittels Zeitstempel in die Zukunft zu versetzen. Wer weiss ob ich in ein paar Monaten noch dran denke.


9 november hedy lamarr 171030 110136


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Jahrestage der Wissenschaft

01.06.2018 um 12:39
Ich spendiere noch einen Link zu Hedy Lamarr's Wikipedia-Eintrag dazu.


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Jahrestage der Wissenschaft

11.07.2018 um 12:04
11.07.1979

Als ich heute morgen, wie üblich bei einer Tasse Kaffee die Jahrestage überflog, fand ich für den 11.07. zunächst nichts, was einen Beitrag rechtfertigen würde. Aber aus irgendeinem Grund, vermutlich der Affinität zu Raumfahrtthemen geschuldet, bin ich dann doch im Jahre 1979 hängengeblieben. Ganz beiläufig wurde da erwähnt, dass die Raumstation Skylab an diesem Tag in der Erdatmosphäre verglühte, also ganz sicher kein Ereignis, an das man gern erinnert werden will.

1280px-Skylab SL-4

Erinnert habe ich mich dann aber doch, zunächst einmal daran, wie ich das Ende der Station als 12jähriger damals mitverfolgt hatte. Wochenlang war unklar, wo genau sie letztlich abstürzen würde. Mit den begrenzten Möglichkeiten die zur Verfügung standen, wollte man einen Absturz über dem Atlantik bzw. dem Indischen Ozean erreichen, aber weil die Station erst später als zunächst berechnet zerbrach, verschob sich die Absturzstelle auf den Westen Australiens, genauer gesagt ein Gebiet südöstlich von Perth, verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.

Dann erinnerte ich mich daran, dass ich erst im letzten Jahr einige Podcast-Folgen von Raumzeit zum Thema Raumstationen gehört hatte, dort wurde Skylab zwar mal erwähnt, aber kam nach meinem Empfinden im Vergleich zu den sowjetischen und russischen Stationen deutlich zu kurz.

Hier mal ein Link zum Archiv von Raumzeit, kann ich jedem Interessierten wärmstens empfehlen:

https://raumzeit-podcast.de/archiv/

Alle Folgen stehen kostenlos zum Download in verschiedenen Formaten zur Verfügung. Die Gesprächspartner sind sehr kompetent und auch auskunftsfreudig. Dank ausgiebiger Gesprächsdauer kommt nie Hektik auf, und die Themen werden ausführlich aufgearbeitet. Aus meiner Sicht eines der besten Formate dieser Art :D

Aber genug der Werbung, zurück zu Skylab. Ich frage mich, wieso ist so wenig in der Öffentlichkeit über Skylab bekannt, immerhin war es die erste und einzige rein amerikanische Raumstation, und die Amerikaner sind schließlich nicht dafür bekannt, mit Erfolgen hinterm Berg zu halten. War es aus Sicht der Amerikaner etwa kein Erfolg? Ich würde der Sache gern auf den Grund gehen, und vielleicht will sich hier ja auch noch der Eine oder die Andere daran beteiligen!?

Daher breche ich an dieser Stelle zunächst einmal ab, recherchiere etwas zum Thema, und hoffe im Anschluss auf einen regen Meinungsaustausch...


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Jahrestage der Wissenschaft

11.07.2018 um 14:10
@Peter0167
Liegt für mich ganz klar auf der Hand warum das Ereignis kaum beachtet wurde.
Am 05.05.1979 würde ich geboren, das hat für Monate alles in den Schatten gestellt :-P


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Jahrestage der Wissenschaft

11.07.2018 um 16:22
So, inzwischen konnte ich mir einen ersten groben Überblick verschaffen, dabei bin ich über ein kurioses Detail am Rande gestolpert, mit dem ich zunächst beginnen möchte, um die Sache ein wenig "aufzulockern" :D

Es gibt da im Westen Australiens eine kleine, eher unscheinbare Gemeinde namens Esperance mit gerade einmal knapp 10.000 Einwohnern. Und wäre Skylab wie ursprünglich berechnet, ein wenig früher zerbrochen, hätte diese Gemeinde heute eine Attraktion weniger. Obwohl ... kann auch sein, dass man inzwischen versucht, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren, denn in den örtlichen "News" findet man heute keinerlei Erwähnungen diesbezüglich. Erst wenn man tiefer gräbt, und gezielt nach Skylab sucht, finden sich 2 Einträge, die auf eine Skylab Ausstellung im "Heimatmuseum" verweisen.

https://www.esperance.wa.gov.au/

Achso, ich habe ja noch gar nicht erwähnt, worum es eigentlich geht :D ... also, irgendein Vertreter der örtlichen Behörden kam wohl auf die einzigartige Idee, Profit aus der Sache zu schlagen, und verschickte einen Bußgeldbescheid an die NASA, wegen "unerlaubter Abfallentsorgung" in Höhe von 400 Dollar. Die NASA dachte allerdings gar nicht daran, eine entsprechende Zahlung zu leisten, und so blieb diese Schuld fast 3 Jahrzehnte bestehen, ... bis eines Tages ein amerikanischer Radiosender von der Geschichte hörte, und eine Spendenaktion startete, durch die diese Summe aufgebracht werden konnte. Und so kam es, dass heute diese selbstlosen Spender stolz von sich behaupten können, einen Anteil zur Mission der bisher einzigen amerikanischen Raumstation geleistet zu haben. Einfach genial ... :D

Aber Spaß beiseite, irgendwie stand die Mission von Anfang an unter keinem guten Stern, ... auch wenn der Stern (die Sonne) zur Klasse der G-Sterne zählt, also den "guten Sternen" . Schon der Start verlief nicht so wie erwartet, beim Durchbrechen der Schallmauer verlor Skylab seinen kompletten Mikrometeoritenschutzschild. Dabei wurden auch 2 Solarmodulträger beschädigt, so dass im weiteren Verlauf zunächst nur die Hälfte der elektrischen Leistung abgerufen werden konnte. Zudem hätte der Mikrometeoritenschutzschild zugleich als Wärmeschutz dienen sollen, mit dessen Ausfall stiegen nun die Temperaturen in der Station rapide an, was die Mission im höchsten Grade gefährdete.

Die Erstbesatzung sollte eigentlich am folgenden Tag zur Station aufbrechen, aber wegen der Vorkommnisse verzögerte sich das um mehrere Tage, die man nutzte, um die Situation einzuschätzen, und mögliche Reparaturoptionen prüfte. Die Teams arbeiteten rund um die Uhr, und erarbeiteten schließlich Pläne, mit denen es letztlich gelang, die Station zu retten.

Skylab war die erste Raumstation, bei der ein sogenanntes "On-Orbit Servicing" durchgeführt wurde, d.h. das die Besatzung beim eintreffen zunächst dringende Reparaturaufgaben erledigen musste. Später folgten noch weitere OOS-Missionen, u.a. auch am Hubble-Teleskop...

Wikipedia: On-Orbit_Servicing

Zu den Missionszielen komme ich später noch, zunächst noch eine andere Sache. Die älteren Weltraummissionen sind in meiner Vorstellung immer von einer Art Wettlauf der Systeme geprägt gewesen. Also wer schickt den ersten Satelliten ins All, den ersten Menschen, wer ist als erster auf dem Mond, etc. ... mal gewinnt der eine, aber meistens die Sowjetunion. In Bezug auf Raumstationen scheint man aber aus irgendeinem Grund verschiedene Wege gegangen zu sein. Während die Sowjetunion bereits Mitte der 60er Jahre ein umfangreiches Programm für Raumstationen startete, habe ich den Eindruck, bei den Amerikanern ist dies eher aus einer Überlegung heraus entstanden, die restlichen Teile der noch vorhandenen Saturn-Trägerraketen zu nutzen. Dabei kristallisierte sich schnell der Gedanke heraus, die Oberstufe einer Saturn als Basis für eine mögliche Raumstation zu nutzen. Zu diesem Zeitpunkt kannte man ja bereits die Pläne der Sowjets, und wusste das man so 2 Fliegen mit einer ....

Erstmals wurden neben den üblichen Testpiloten auch Wissenschaftler in die Missionen eingebunden, was der ganzen Sache noch mal einen gewissen "Schub" verlieh. So wurde z.B. schnell klar, dass es viel zu aufwendig wäre, eine leergebrannte Oberstufe erst im Orbit zu einer Station umzubauen. Daher entschied man sich, die Station bereits am Boden fertigzustellen, und sie mit den unteren beiden Stufen der damals wie heute stärksten Rakete der Welt in eine Umlaufbahn zu schießen. Eigentlich bietet die Saturn V Rakete genügend Stoff, einen eigenen Thread zu füllen, aber dafür fehlt mir einfach die Zeit. Daher hier nur ein paar kleine Infos und einen Link:

Wikipedia: Saturn_(Rakete)

800px-Saturn V launches

Die Saturn-Raketen bestanden im Wesentlichen aus den 3 Stufen, und trugen in der Spitze die jeweiligen Apollo-Raumschiffe. Die Skylab-Mission war die erste, bei der man von der üblichen Konfiguration abwich, und nur zwei Stufen für den Start verwendete. Die dritte (Oberstufe) war bereits die eigentliche Nutzlast, also die Raumstation selbst. Dieser Start war zugleich der letzte Start einer Saturn V Rakete überhaupt, und nach meinem Kenntnisstand existiert bis heute kein System, was mit dieser Rakete vergleichbar wäre. Dazu gibt es unter oben genannten Link auch eine super Podcast-Folge (Raketenantriebe). Da wird auch noch auf die verschiedenen Treibstoffe und deren Besonderheiten eingegangen ... sehr lehrreich!

Der Start einer Saturn V Rakete gilt ja bis heute als das am weitesten zu hörende menschengemachte Geräusch, gleich nach einer Atombombe. Die Druckwelle lässt noch in 18km Entfernung Fensterscheiben zerbersten, und selbst im Startbunker fiel der Putz von der Decke.

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber ich werde von solchen Dingen regelrecht überwältigt, und brauch erst mal ne Pause um alles zu verarbeiten...


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