GrafOskar schrieb:Ich hätte erwartet, dass man mit der Suche an dem Ort beginnt wo das Kind zuletzt vom Zeugen gesehen wurde und das ist ungefähr auf halber Strecke zwischen Haus und Brunnen, also ca. 25m vom Haus entfernt.
Wenn du sagst, die Mantrailer sind ALLE vom Haus bis zum Brunnen gegangen, dann nehme ich dies erstmal so hin - ich kenne den Fall wie gesagt nur ganz am Rande - aber es würde mich aus Ermittler- und Spürhundeführersicht sehr wundern.
In der Regel ist ja nicht nur ein Spürhundeteam vor Ort, sondern mehrere und es werden parallel verschiedene Situationen abgearbeitet und dann durch Gegensuchen bestätigt oder verworfen. Denn jeder Ansatzpunkt des Hundes beantwortet im besten Fall andere Fragen.
Ist das Kind tatsächlich vom Haus aus gestartet? Ist ein Zeuge, der es auf dem Weg gesehen hat, verlässlich und der Hund bestätigt seine Erzählung? Usw.
Zudem ist jeder Ansatzpunkt mit verschiedenen Überlegungen verknüpft. Einen Hund mitten im Trail anzusetzen (und das wäre beispielsweise am Sichtungspunkt des Zeugen der Fall), ist zum Beispiel schwieriger und mit einer höheren Fehlerquote behaftet, als am Haus zu starten.
Mantrailer haben übrigens kein Problem damit, eine Spur wieder zurück zu verfolgen, sprich wenn das Kind zum Brunnen hin und dann auch auf gleichem Weg wieder zurückgelaufen wäre, wäre es verwunderlich, wenn die Hunde den Rücktrail nicht bemerkt und verfolgt hätten. Einige erfahrene Hunde lassen einen schon bald nach dem Start wissen, dass es auch einen Rücktrail gibt.
In Summe kann ich es mir also kaum vorstellen, dass die Ermittler die Hunde wirklich nur ab dem Haus haben suchen lassen. Vielleicht findet sich ja jemand, der zu diesen Gegebenheiten mit Quellen dienen kann.
Ein paar Überlegungen noch zur generellen Hundearbeit dort vor Ort. Ich habe mir gestern die Topographie und die sonstigen Gegebenheiten virtuell angeschaut. Der Ort liegt auf knapp 1400 Höhenmetern. Die Luft ist hier generell trockener, als der Hundenase lieb ist, zudem war Sommer, mit über 30 Grad. Das sind sehr schlechte Bedingungen für Spürhunde - (Kleiner Exkurs am Rande: Man muss wissen, Spürhunde schnüffeln ja durchgängig durch die Nase, was zur Folge hat, dass ihr einziges Kühlungssystem außer Kraft gesetzt ist. Daher erhöht sich die Körpertemperatur bereits nach wenigen Minuten Suche merklich, nach etwa 15-20 Minuten intensiver Suche hat ein Hund tatsächlich Fieber und muss auskühlen) - und auch für das Geruchsmaterial. In einer trockenen Umgebung steigen alle für den Spürhund auf die Suchperson hinweisenden Merkmale mit der Luft wie durch einen Schornstein nach oben, verwirbeln und sind weg oder in viele Richtungen verstreut. Auch der Steinboden vom Haus zum Brunnen ist aus Spürhundesicht ungünstig. In der Umgebung, im Wald und den Bergen, gibt es auch einige Fallstricke. Gerüche fallen zum Beispiel am Berg quasi wie ein Haufen Murmeln das Gefälle hinunter und sammeln sich in Senken. Manchmal zeigen die Hunde deshalb an Stellen an, die ohne Blick auf eine thermische Karte gar keinen Sinn ergeben. Ohne Feuchtigkeit gibt es auch kaum chemische Reaktionen, die Bakterien, die z.B. menschliche Hautschuppen zersetzen und für Spürhunde wichtige Geruchskomponenten darstellen, sind inaktiv. Der Geruch erlischt dann quasi. Die Vegetation vor Ort ist sehr ungünstig für eine erfolgreiche Suche, von den steilen Hängen und Geröllfeldern mal ganz abgesehen. Stechender Ginster und Farne machen große Flächen aus. Wer schon einmal an einem Farn im Sommer geschüttelt hat, der weiss, was da für eine Staubwolke herauskommt und wie man danach niessen muss. Die restlichen Flächen sind besiedelt von der Garrigue, einem kniehohen, dornigen Gemisch aus Dornenbüschen, wildem Thymian und Lavendel. Sehr, sehr herausfordernd für die Hunde, da etwas zuverlässig zu erschnüffeln. Dass die Leichenspürhunde nicht angezeigt haben überrascht da eventuell nicht so sehr.