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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

11 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: England, Krankenschwester, Lucy ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 06:16
Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?


Mir ist aufgefallen, dass es hier im Kriminalforum noch keinen Thread zu Lucy Letby gibt. Da der Fall auch in Deutschland zunehmend bekannt wird, möchte ich ihn hier vorstellen.


Teil 1: Herkunft, Ausbildung, Berufseinstieg und Privatleben


Herkunft

Lucy Letby wurde am 4. Januar 1990 in Hereford, Herefordshire, England, als einziges Kind von John und Susan Letby geboren. Ihr Vater arbeitete als Möbelverkäufer, ihre Mutter als Buchhalterin.

Nach Aussagen einer Schulfreundin soll Lucy ihr berichtet haben, ihre Geburt sei schwierig gewesen und sie habe intensive medizinische Hilfe zum Überleben benötigt. Diese Freundin erklärte zudem, dass Lucy diese Erfahrung später als möglichen Einfluss auf ihre Berufswahl genannt hat.

Lucy wuchs in einem behüteten Umfeld auf und pflegte zeitlebens eine sehr enge Bindung zu ihren Eltern. Sie galt als unauffällige, fleißige und freundliche Schülerin, eher schüchtern, jedoch sozial gut integriert. Damalige Freunde beschrieben sie als „das nette Mädchen von nebenan“. 2008 schloss sie am Hereford Sixth Form College ihre A-Levels ab, die ihr die Zulassung zu einem Studium im Pflegebereich an einer Universität ermöglichten.


Ausbildung

Schon in der Schulzeit interessierte sich Lucy Letby nach Angaben von Bekannten besonders für den Beruf der Kinderkrankenschwester, insbesondere für die Pflege von Neugeborenen.

Nach der Schule zog sie 2008 nach Chester, Grafschaft Cheshire, um 2008 an der University of Chester Kinderkrankenpflege zu studieren. Chester liegt etwa 150 km bzw. rund 120 Autominuten von ihrem Elternhaus entfernt.

Während ihres Studiums absolvierte sie bereits zahlreiche Praktika im Countess of Chester Hospital. Sie galt als fleißig und zielstrebig.

Nach Aussagen von Bekannten war Lucys eigene schwierige Geburt ein wichtiger Grund für ihren Wunsch, Kinderkrankenschwester zu werden. Sie habe angestrebt, die Hilfe, die sie selbst erfahren hatte, an andere Kinder weiterzugeben.

2011 schloss sie ihr Studium erfolgreich mit dem Bachelor of Science (BSc) in Nursing ab und war damit die erste Person in ihrer Familie, die einen Universitätsabschluss erlangte.


Beruflicher Werdegang

Nach ihrem Abschluss im Jahr 2011 begann Lucy als Kinderkrankenschwester auf der Neugeborenenstation (Neonatologie) des Countess of Chester Hospital zu arbeiten.

Ab 2012 absolvierte sie Fortbildungen, um auf der Intensivstation für Frühgeborene arbeiten zu dürfen (Level 2 "High Dependency Care" und Level 3 "Intensive Care"). Dort werden besonders instabile Frühgeborene oder schwerkranke Neugeborene versorgt, die zum Beispiel künstlich beatmet werden müssen. In Interviews aus dieser Zeit beschrieb sie die Arbeit als erfüllend, da sie Babys beim Gesundwerden begleiten und Familien unterstützen könne.

Kollegen beschrieben Lucy damals als ruhig, zuverlässig, kompetent, gewissenhaft, engagiert und sehr hilfsbereit. Sie übernahm oft zusätzliche Schichten, arbeitete an Feiertagen und galt als „Gesicht“ der Station, das sogar für Spendenkampagnen des Krankenhauses fotografiert wurde.


Privatleben

Vor ihrer Verhaftung führte Lucy das normale Leben einer Mittzwanzigerin. Sie hatte einen festen Freundeskreis, ging gerne aus, besuchte Tanzkurse (unter anderem Salsa) und machte regelmäßig Urlaub. Sie wirkte wie eine junge Frau, die ihr Leben und ihren Beruf liebte.

2016 kaufte Lucy ein Haus in der Westbourne Road im Stadtteil Blacon, in der Nähe des Krankenhauses, nur etwa 1,6 km bzw. fünf Autominuten von ihrem damaligen Arbeitsplatz entfernt. Das Haus, das bis 2019 in ihrem Besitz blieb, grenzt direkt an den Blacon Cemetery, genauer gesagt an dessen Chester Baby Memorial Garden. Dieser Garten wurde angelegt, um Eltern einen Ort der Ruhe und des stillen Gedenkens nach dem Verlust eines Kindes zu bieten.



Quellen:

The Guardian. (2023). Profile: Lucy Letby, Neonatal nurse case. https://www.theguardian.com/uk-news/lucy-letby
The Guardian. (2023). Lucy Letby: Neonatal nurse and work history. https://www.theguardian.com/uk-news/lucy-letby
The Guardian. (2023). Lucy Letby: personal life, house and hobbies. https://www.theguardian.com/uk-news/lucy-letby
us.headtopics.com. (2023). Who is baby serial killer Lucy Letby? https://us.headtopics.com/news/who-is-baby-serial-killer-lucy-letby-42343707


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 06:18
Der Fall Lucy Letby Teil 2 – Die Vorkommnisse im Chester Hospital 2015–2016


Die Ausgangssituation 2011

Bis etwa Mitte der 2000er Jahre war die Station, auf der Lucy Letby arbeitete, offiziell eine Level-3-Einheit (Neonatal Intensive Care Unit – NICU). Sie war darauf ausgelegt, die kritischsten Fälle zu behandeln, einschließlich extrem kleiner Frühgeborener (vor der 28. Schwangerschaftswoche), die oft langfristige künstliche Beatmung benötigten.

2006 erfolgte eine Herabstufung auf Level 2 (Local Neonatal Unit – LNU), nachdem eine landesweite Reform des britischen Gesundheitssystems (NHS) die intensivste Versorgung in größeren Spezialzentren konzentrierte. Die Station sollte fortan nur noch Babys ab der 27. Schwangerschaftswoche versorgen.

Mit dieser Herabstufung verließen viele erfahrene Pflegekräfte die Station durch Abfindungen oder Umstrukturierungen. Die entstandenen Lücken wurden mit weniger erfahrenem, jüngerem Personal gefüllt – darunter Lucy, die 2011 dort anfing.

Obwohl die Station offiziell nur noch Level 2 war, wurden weiterhin Babys behandelt, deren Zustand eigentlich eine Level-3-Versorgung erforderte. Kritischere Fälle hätten normalerweise in spezialisierte Kliniken wie das Liverpool Women’s Hospital verlegt werden müssen.

Ehemalige Mitarbeiter berichteten später vor der Thirlwall Inquiry, dass die Station während der Vorfälle 2015–2016 oft „weit über ihrer Kompetenz“ arbeitete und schwerkranke Kinder behandelte, für die sie weder personell noch technisch optimal ausgestattet war.

Erst im Juli 2016, kurz nachdem Lucy von der Station abgezogen worden war, wurde offiziell angewiesen, keine Babys mehr vor der 32. Woche aufzunehmen. Dies entsprach faktisch einer weiteren Herabstufung, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.


Frühe Auffälligkeiten und Zwischenfälle 2012 und 2013

Bereits 2012 kam es auf der Station zu zwei auffälligen medizinischen Vorfällen, die später als frühe Warnzeichen betrachtet wurden:
Zwei Neugeborene erlebten unerklärliche kritische Zustände, die in internen Berichten als „ungewöhnlich“ vermerkt wurden.
Lucy war in beiden Fällen an der unmittelbaren Pflege beteiligt. Die Vorfälle wurden jedoch zunächst als medizinische Komplikationen dokumentiert und intern behandelt, ohne externe Meldungen.
Diese Ereignisse wurden während der späteren Ermittlungen und der Thirlwall Inquiry wieder aufgegriffen, da sie ein erstes Muster von ungeklärten Komplikationen auf der Station zeigten.

2013 stellte Lucy zusammen mit einer Kollegin eine Morphin-Infusion falsch ein. Daraufhin erhielt sie vorübergehend das Verbot, kontrollierte Medikamente zu verabreichen, und musste zusätzliche Schulungen absolvieren.
Diese Maßnahmen waren intern und präventiv, galten jedoch zunächst nicht als Hinweis auf schwerwiegendes Fehlverhalten.


Die Vorkommnisse der Jahre 2015 und 2016

Was im Sommer 2015 als eine auffällige Statistik begann, entwickelte sich innerhalb eines Jahres zur größten medizinischen und kriminalistischen Krise in der Geschichte des Countess of Chester Hospital. In einer Phase, in der die Neugeborenenstation (Neonatologie) ohnehin unter baulichen Mängeln, Personalmangel und der Überforderung durch zu komplexe Krankheitsfälle litt, kam es zu einer Serie von unerwarteten Todesfällen und kritischen Zusammenbrüchen bei Patientinnen und Patienten. Die Klinikleitung versuchte zunächst, die Probleme intern zu erklären, doch unter leitenden Ärzten wuchs der Verdacht, zugrunde liegende Ursachen könnten auf menschliches Fehlverhalten hindeuten — insbesondere gegen die junge Kollegin Lucy Letby.

Die Chronologie der Ereignisse:


Juni 2015: Innerhalb von nur 14 Tagen sterben drei Babys auf unerklärliche Weise (später vor Gericht als Babys A, C und D bezeichnet, um Persönlichkeitsrechte zu wahren).

- Baby A: Ein Junge (Zwilling) stirbt überraschend nur einen Tag nach der Geburt.

- Baby C: Ein kleiner Junge kollabiert trotz zuvor stabilem Zustand.

- Baby D: Ein Mädchen, das kurz vor der Entlassung stand, stirbt nach mehreren plötzlichen Zusammenbrüchen in einer Schicht.

Daneben gibt es einen weiteren dramatischen Zwischenfall:

- Baby B: Rund 28 Stunden nach dem Tod seines Bruders Baby A erleidet auch dieses Mädchen einen unerwarteten Zusammenbruch mit rapiden Sauerstoffabfall und purpurfarbenen Hautveränderungen. Dank schneller Reanimation überlebt sie und kann später gesund entlassen werden.

Dr. Stephen Brearey wird als leitender Arzt beauftragt, diese Häufung zu untersuchen. Da die Station extrem belastet ist, werden die Sterbefälle jedoch als tragische Häufung gewertet. Die Tatsache, dass Lucy bei allen drei Todesfällen anwesend war, wird von Dr. Brearey zunächst noch als Zufall betrachtet. Doch die Vorkommnisse reißen nicht ab.


August 2015:

- Baby E: Zwei Monate nach der ersten Häufung stirbt ein Junge (Zwilling) an einer massiven inneren Blutung.


Oktober 2015:

- Baby I, ein Mädchen, stirbt nach insgesamt vier dramatischen Zusammenbrüchen, die innerhalb weniger Wochen auftraten. Dieser Fall war besonders langwierig und emotional belastend für das Personal. Er gilt auch deswegen als herausragend, weil das Kind über einen langen Zeitraum immer wieder "attackiert" worden sein soll, bis es schließlich verstarb.


Mittlerweile sind fünf Kinder verstorben, für die man Lucy später anklagen wird.

Zusätzlich zu diesen weiteren Todesfällen gab es - wie bereits im Fall von Baby B - Patienten, die lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt waren, diese aber überlebten.

- Baby F: Nur einen Tag, nachdem sein Bruder Baby E verstorben ist (s. o.), erleidet auch Baby F während der Nachtschicht einen gefährlichen Zusammenbruch. Sein Blutzuckerspiegel sinkt auf ein lebensbedrohliches Niveau ab (Hypoglykämie), das trotz der Gabe von Zuckerlösungen nicht ansteigt. Zudem rast sein Herzschlag (Tachykardie). Baby F überlebt den Vorfall, zeigt aber später Entwicklungsverzögerungen, die laut Experten auf die schwere Unterzuckerung zurückzuführen sein könnten.

- Baby G: September 2015, ein extrem früh geborenes Mädchen (Geburtsgewicht ca. 500g) erleidet zwei schwere Zusammenbrüche, überlebt, behält aber schwere bleibende Schäden.

- Baby H: Ebenfalls im September 2015 erleidet Baby H innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Nächten mehrere lebensbedrohliche Zusammenbrüche. In der ersten Nacht kollabiert es plötzlich, kann aber reanimiert werden. In der zweiten Nacht kommt es zu weiteren dramatischen Vorfällen, bei denen das Kind erneut am Rande des Todes steht.


Im Herbst 2015 forderten die Ärzte dann aufgrund eines wachsendenden Argwohns eine Überprüfung. Das Krankenhausmanagement beauftragte einen externen Experten (einen Neonatologen aus einer anderen Klinik), die Akten der verstorbenen Babys anonymisiert zu prüfen. Das Ergebnis lag im Februar 2016 vor, der Gutachter fand keine Beweise für Straftaten. Er führte die Todesfälle auf eine Kombination aus Personalmangel, mangelhafter ärztlicher Versorgung und unzureichender Ausstattung der Station zurück. Er kritisierte massiv das „System“, nicht aber eine einzelne Person, den er fand keine Beweise für Verbrechen.

Auf Basis dieses Berichts wurde Lucy Letby innerbetrieblich entlastet. Das Management sah keinen Grund für eine Suspendierung, sie durfte daher weiterhin voll am Patienten arbeiten. Die Warnungen der Ärzte, die sie intern bereits als „gemeinsamen Nenner“ im Visier hatten, wurden vom Management als „Mobbing“ gegen eine junge, kompetente Krankenschwester betrachtet. Lucy selbst wusste noch nichts von den Vorwürfen gegen sie, aber es war bekannt, dass die Zustände in der Station von extern untersucht wurden.

Nach dem Tod von Baby I im Oktober 2015 trat eine fast achtmonatige Pause bei den unerklärlichen Todesfällen ein. Zwar verstarben weitere Babys, aber diese Fälle galten als natürlich, zudem war Lucy zum Teil gar nicht anwesend. Die Anklage wird Lucy später vorwerfen sie habe aufgrund der internen Untersuchung vorübergehend mit dem Morden aufgehört. Es gab aber weiterhin lebensgefährliche Zusammenbrüche, die man nachträglich Lucy zusprach und vor Gericht als subtilere Formen des Mordversuchs deutete, um nicht Gefahr zu laufen erkannt zu werden.


November 2015:

- Baby J: Es wurde im Oktober 2015 in der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurde. Die Mutter hatte eine Schwangerschaft mit Komplikationen, bei der einer ihrer Zwillinge nach einer Operation in London verloren gegangen war. Baby J selbst war jedoch nach der Geburt stabil. In der Nachtschicht vom 26. auf den 27. November 2015 erlitt das Kind jedoch zwei schwere, plötzliche Zusammenbrüche. Das Baby hörte auf zu atmen und zeigte Anzeichen von Krampfanfällen. Das Kind konnte aber erfolgreich reanimiert werden und überlebte den Vorfall ohne bleibende Schäden.


Februar 2016:

- Baby K: Baby K war ein extrem unreifes Frühchen (25. Woche), das im Februar 2016 auf die Station kam. Da das Kind so winzig war, musste es künstlich beatmet werden. Der Beatmungsschlauch des Kindes war jedoch verrutscht oder hatte sich gelöst, was zunächst nicht bemerkt wurde. Baby K lief bereits blau an und sein Sauerstoffgehalt sank rapide, es konnte aber gerettet werden. Baby K wurde schließlich in ein Spezialkrankenhaus verlegt, verstarb dort jedoch einige Tage später an den Folgen der extremen Frühgeburtlichkeit.


April 2016:

- Baby L: Es war einer von zwei Zwillingsbrüdern (sein Bruder war Baby M), die im April 2016 auf der Station behandelt wurden. Während einer Schicht erlitt Baby L eine schwere und anhaltende Unterzuckerung (Hypoglykämie). Trotz der Gabe von hochkonzentrierten Zuckerlösungen (Glukose) stieg sein Blutzuckerspiegel nicht an, es befand sich in einer lebensbedrohlichen Krise. Es war lethargisch, zeigte eine schwache Atmung und Herzrasen (Tachykardie). Die Ärzte kämpften stundenlang darum, seinen Zustand zu stabilisieren. Trotz der Schwere des Vorfalls erholte sich Baby L vollständig und hatte keine langfristigen Schäden.

- Baby M: Während sein Bruder Baby L unter Unterzuckerung litt (s. o.), kollabierte Baby M am späten Nachmittag völlig unerwartet. Sein Herz hörte plötzlich auf zu schlagen und es hörte auf zu atmen. Die Wiederbelebung dauerte außergewöhnlich lange, erst nach 30 Minuten intensiver Herzdruckmassage und der Gabe von Adrenalin gelang es den Ärzten, ihn ins Leben zurückzuholen. Obwohl die Ärzte befürchteten, dass die 30-minütige Wiederbelebung zu schweren Hirnschäden führen würde, erholte sich Baby M wie durch ein Wunder vollständig - es überlebte den Vorfall ohne bleibende neurologische Beeinträchtigungen.


Juni 2016:

- Baby N: Baby N war ein Junge, der mit einer Blutgerinnungsstörung (Hämophilie) geboren wurde, was ihn besonders anfällig für Blutungen machte. Es erlitt an zwei verschiedenen Tagen im Juni 2016 insgesamt drei Zusammenbrüche:
3. Juni: Baby N erleidet einen plötzlichen Sauerstoffabfall, die Ärzte finden frisches Blut in seinem Rachen.
15. Juni: Es kommt zu zwei weiteren dramatischen Zusammenbrüchen, das Kind muss reanimiert werden. Trotz dieser kritischen Situationen kann es reanimiert werden und trägt keine langfristigen Schäden dovon.

- Die Drillinge Baby O, P und Q:

Lucy kehrt am 22. Juni aus einem Urlaub von Ibiza zurück. Aufgrund der folgenden Ereignisse sollte sich das Blatt endgültig gegen sie wenden.

- Baby O: Nur 24 Stunden nach ihrer Rückkehr stirbt der erste Drilling am 23. Juni 2016 plötzlich und unerwartet.

- Baby P: Am nächsten Tag stirbt sein Bruder, Baby P. Auch hier handelt es sich um einen plötzlichen Zusammenbruch, bei dem die Reanimation nicht erfolgreich war.

Dr. Brearey, längst skeptisch, weigerte sich am Abend des 24. Juni, Lucy am nächsten Tag wieder den Dienst auf der Neugeborenenstation antreten zu lassen. Das Management lehnt seine Forderung mit der Begründung ab, es gebe keine Beweise für ein Verbrechen. Lucy tritt ihren Dienst am 25. Juni 2016 daher wie geplant an – und prompt bricht der dritte Drilling gesundheitlich zusammen.

- Baby Q: Am 25. Juni kollabiert der dritte Bruder, überlebt aber knapp. Die Eltern bestehen nun darauf, dass Baby Q in eine andere Klinik verlegt wird, was Dr. Brearey unterstützt und organisieren kann. Baby Q überlebt.


Die Ärzte weigerten sich nun offen, mit Lucy zusammenzuarbeiten. Am 30. Juni 2016 arbeitete sie ihre letzte Schicht am Patienten. Anfang Juli wurde sie in die Verwaltung, Abteilung für Risikomanagement, versetzt,

Dort stellte sie sich als äußerst fähige, strukturierte und fleißige Mitarbeiterin dar, intelligent, pünktlich und sehr zuverlässig, und wurde als „exzellente“ Verwaltungsmitarbeiterin beschrieben. Ihr Verhalten war das Gegenteil dessen, was man von einer überführten Serienmörderin erwarten würde. Ironischerweise arbeitete sie in der Abteilung für Risikomanagement und Patientensicherheit. Ihre Aufgabe war es, klinische Daten zu erfassen und Vorfälle im Krankenhaus zu untersuchen. Sie schien sich mühelos in die Büroarbeit einzufinden, obwohl sie (laut eigenen Aussagen) die Arbeit am Patienten schmerzlich vermisste.

Lucy nutzte ihre Zeit in der Verwaltung aktiv, um gegen ihre Versetzung vorzugehen. Sie reichte eine offizielle Beschwerde ("Grievance") gegen die Ärzte ein. Sie behauptete, man wolle ihr das Versagen des Systems in die Schuhe schieben. Im September 2016 gab ihr das Krankenhausmanagement recht: Man hielt sie für eine unschuldige Fachkraft, die ungerechtfertigt von den Ärzten angegriffen wurde und bereitete 2017 ihre Rückkehr auf die Neugeborenenstation vor. Das Management war so beeindruckt von ihrer Arbeit im Büro, dass man sie sogar zur Mentorin für junge Schwestern machen wollte, für den Zeitpunkt ihrer Rückkehr auf die Station. Mehrere leitende Ärzte widersetzten sich jedoch dieser Entscheidung und forderten weiterhin eine externe Untersuchung. Im Mai 2017 wurde schließlich die Polizei eingeschaltet. Lucy blieb daraufhin bis zu ihrer Verhaftung im Juli 2018 in der Krankenhausverwaltung.



Quellen:
Thirlwall Public Inquiry. (2023). Countess of Chester Hospital Neonatal Unit Review. https://thirlwall.public-inquiry.uk/
Lucy Letby: Timeline of killer nurse’s attacks on babies and investigation — ITV News Granada (20 Nov 2024). https://www.itv.com/news/granada/2024-11-20/lucy-letby-likely-murdered-or-assaulted-children-before-june-2015
Inquests into deaths of five babies killed by Lucy Letby to open — ITV News (4 Feb 2026). https://uk.news.yahoo.com/inquests-deaths-five-babies-killed-083947251.html
Spike in baby deaths in Lucy Letby unit warranted inquiry, says statistician — The Guardian (15 Jan 2025). https://www.theguardian.com/uk-news/2025/jan/15/spike-in-baby-deaths-on-lucy-letby-ward-surprising-and-unusual-says-statistician
Final report on Lucy Letby baby murders pushed back to 2026 — LBC News (22 May 2025). https://www.lbc.co.uk/article/final-report-on-lucy-letby-baby-murders-pushed-back-to-2026-rpW8K_2/
BBC News. (2023). Lucy Letby: Timeline of the neonatal nurse case. https://www.bbc.com/news/uk-england-merseyside-65176260


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 06:25
Der Fall Lucy Letby Teil 3 – Die Ermittlungen


Vorgeschichte und interne Schritte

Juli 2016: Nach den Ereignissen mit den Drillingen wird Lucy in die Verwaltung (Abteilung für Risikomanagement) versetzt.

September 2016: Nach einer internen Beschwerde („Grievance“) wird Lucy offiziell entlastet.

Anfang 2017: Das Krankenhaus zwingt die kritischen Ärzte zu einem formellen Entschuldigungsbrief an Lucy. Eine Rückkehr auf die Station wird vorbereitet.

Mai 2017: Unter massivem Druck der Ärzte wird schließlich die Polizei eingeschaltet, fast zwei Jahre nach den ersten Vorfällen.


Operation Hummingbird

Die Cheshire Police startet eine umfassende Untersuchung unter dem Codenamen Operation Hummingbird. Dabei werden:

- Tausende medizinische Akten und Dienstpläne analysiert

- Externe Spezialisten (z. B. Dr. Dewi Evans) beauftragt, um Todesursachen forensisch zu prüfen

- Eine Matrix erstellt, die zeigte, dass Lucy die einzige Pflegekraft bei allen 25 untersuchten Vorfällen anwesend war


Erste Festnahme

3. Juli 2018: Lucy wird morgens in ihrem Haus in Chester festgenommen.

Polizei durchsucht ihr Anwesen, das Haus ihrer Eltern und ihr Büro im Krankenhaus.

Verdacht: acht getötete Babys, sechs weitere versuchte Tötungen.

Die Ermittler fotografierten ihr Schlafzimmer, das sehr „kindlich“ eingerichtet war (viele Kuscheltiere auf dem Bett).

257 vertrauliche Krankenhausdokumente werden gefunden (Übergabeprotokolle, Ausdrucke und Notizen, die sie während ihren Schichten gemacht hatte), darunter 21, die direkt zu den untersuchten Babys gehören. Diese Unterlagen waren teilweise in Taschen (z. B. aus einem Ibiza-Urlaub) und in einer Box mit der Aufschrift „keep“ (behalten) im Schlafzimmer unter ihrem Bett sowie in der Garage verstaut.

Terminkalender enthalten Markierungen, die mit Todestagen der Babys übereinstimmen.


Handgeschriebener Zettel

Die Polizei findet einen auch einen Notizzettel mit belastenden Äußerungen Lucys, die im späteren Prozess von entscheidender Bedeutung werden sollten:

„I am evil, I did this“ (Ich bin böse, ich habe das getan).
„I killed them on purpose because I'm not good enough to care for them“ (Ich habe sie absichtlich getötet, weil ich nicht gut genug bin, um mich um sie zu kümmern).
„I am a horrible evil person“ (Ich bin eine schreckliche, böse Person).
„I don’t deserve to live“ (Ich verdiene es nicht zu leben).
„There are no words. I am an awful person – I pay every day for that“ (Es gibt keine Worte. Ich bin ein schrecklicher Mensch – dafür bezahle ich jeden Tag).
„I can't breathe. I can't focus“ (Ich kann nicht atmen. Ich kann mich nicht konzentrieren).
„HATE“ (HASS – groß geschrieben und mehrfach auf dem Zettel verteilt).

Es finden sich aber auch Bemerkungen, die im Widerspruch dazu stehen:

„I haven’t done anything wrong“ (Ich habe nichts falsch gemacht).
„I am innocent“ (Ich bin unschuldig).
„Slander“ (Verleumdung / Üble Nachrede).
„Discrimination“ (Diskriminierung).
„Police investigation“ (Polizeiliche Ermittlung).
„Why me?“ (Warum ich?).
„I will never have children or marry“ (Ich werde niemals Kinder haben oder heiraten).
„I will never know what it’s like to have a family“ (Ich werde nie wissen, wie es ist, eine Familie zu haben).


Kaution und Auflagen

Am 6. Juli 2018 wird Lucy auf Kaution wieder frei gelassen, unterliegt aber strengen polizeilichen Auflagen, um eine Flucht zu verhindern und die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Es ist ihr z. B. untersagt, Kontakt zu Zeugen, ehemaligen Kollegen aus dem Countess of Chester Hospital oder den betroffenen Familien aufzunehmen. Zudem wurde ihr untersagt, weiterhin als Krankenschwester oder in einem medizinischen Umfeld mit Kindern zu arbeiten.

Erst mit dieser ersten Festnahme wird sie vollständig vom Dienst im Chester Hospital suspendiert.


Zweite Festnahme

Die zweite Festnahme von Lucy erfolgt am 10. Juni 2019 im Haus ihrer Eltern, in dem sie damals schon lebt. Das Elternhaus wird bei dieser Gelegenheit nochmal durchsucht.

Bei dieser zweiten Festnahme wurde sie wegen des Verdachts auf Mord an acht Babys sowie versuchten Mordes an mittlerweile neun (zuvor sechs) weiteren Babys vernommen. Die Ermittler der Operation Hummingbird haben ihre Untersuchungen mittlerweile auf den gesamten Zeitraum ihrer Tätigkeit im Countess of Chester Hospital sowie auf ihre Zeit im Liverpool Women's Hospital ausgeweitet, in dem sie zwei Praktika absolviert hatte (2012 und 2015), welche aber zu keinen weiteren Anklagen führten.

Nach intensiven Befragungen wurde sie erneut gegen Kaution freigelassen, während die Polizei ihre Ermittlungen fortsetzte und dabei auch ihr Online-Verhalten durchleuchtete.

Die Auswertung ihres Facebook-Kontos zeigte dabei, dass sie die Eltern der verstorbenen Babys immer wieder suchte – teilweise sogar am ersten Jahrestag des Todes oder an Weihnachten.

Es wurde auch festgestellt, dass sie gezielt nach medizinischen Fachbegriffen wie „Air Embolism“ (Luftembolie) gesucht hat. Diese Suchen fanden oft kurz nach dem plötzlichen Tod eines Babys statt.


Dritte Festnahme und Anklage

Der 10. November 2020 markiert den entscheidenden Wendepunkt: Nach über drei Jahren Ermittlungsarbeit wird Lucy Letby nicht mehr nur als Verdächtige vernommen, sondern offiziell angeklagt und ist seit diesem Zeitpunkt durchgängig in Haft.



Quellen:
The Independent. (2023). Lucy Letby: Key dates in police inquiries. https://www.independent.co.uk/news/uk/crime/nurse-lucy-letby-arrest-video-b2396263.html
us.headtopics.com. (2023). Who is baby serial killer Lucy Letby? https://us.headtopics.com/news/who-is-baby-serial-killer-lucy-letby-42343707
Shropshire Star. (2023). Operation Hummingbird: Lucy Letby investigation overview. https://www.shropshirestar.com/news/uk-news/2023/08/18/key-dates-in-the-investigation-of-nurse-lucy-letby


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 06:35
Der Fall Lucy Letby - Teil 4: Anklage, Prozess und Urteil


Nach dreieinhalb Jahren Ermittlungsarbeit wurde Lucy Letby im November 2020 offiziell angeklagt und blieb bis zum Prozessbeginn 2022 in Untersuchungshaft.

Oktober 2022: Prozessbeginn am Manchester Crown Court.

Dauer: Oktober 2022 bis August 2023 (zehn Monate und damit einer der längsten Mordprozesse der britischen Geschichte).

Anklage: Mord an 7 Babys und versuchter Mord an 10 weiteren (insgesamt 22 Anklagepunkte). Die insgesamt 17 Kinder wurden im Prozess zum Schutz der Privatsphäre der Familien lediglich mit Buchstaben benannt (Baby A bis Baby Q).

Beweisführung:
- Medizinisch: Dr. Dewi Evans als Hauptgutachter (Theorie: Luftembolie und Insulin).
- Indizien: Die „Grid“-Tabelle (Dienstpläne) und Facebook-Suchen.
- Direktbeweise: Die in ihrem Haus gefundenen 257 Dokumente und die „Ich bin böse“-Notizen.

Die Staatsanwaltschaft warf ihr vor, den Säuglingen gezielt Schaden zugefügt zu haben durch:
- Injizieren von Luft in die Blutbahn oder den Magen.
- Überfütterung mit Milch.
- Vergiftung mit Insulin.
- Manipulation von Beatmungsschläuchen.

Der Verteidiger Ben Myers argumentierte mit Systemversagen der Klinik (Personalmangel, Hygiene, Bakterien) und einem „Sündenbock“-Szenario der Ärzte.

Lucy Letby verbrachte 14 Tage im Zeugenstand, wies alle Vorwürfe zurück, wirkte aber bei kritischen Fragen (z. B. zu Notizen und Dokumenten) oft ausweichend.

Die Anklage legte detaillierte Muster dar, wie Lucy Letby zwischen Juni 2015 und Juni 2016 vorgegangen sein soll.

Die verstorbenen Kinder (Mord):
Kind A (Juni 2015): Ein Zwillingsjunge. Letby injizierte Luft in seine Blutbahn (Luftembolie). Er starb innerhalb von 90 Minuten nach Schichtbeginn. Urteil: Schuldig.
Kind C (Juni 2015): Ein kleiner, frühgeborener Junge. Letby pumpte Luft über eine Magensonde in seinen Körper, was zum Herz- und Atemstillstand führte. Urteil: Schuldig.
Kind D (Juni 2015): Ein Mädchen, das sich eigentlich von einer Infektion erholte. Letby injizierte ihr absichtlich Luft. Urteil: Schuldig.
Kind E (August 2015): Ein Zwillingsjunge. Letby verursachte eine Luftembolie und schwere innere Blutungen. Die Mutter überraschte Letby während des Angriffs, doch Letby beruhigte sie. Urteil: Schuldig.
Kind I (Oktober 2015): Ein Mädchen. Letby unternahm vier Versuche, sie zu töten, bevor sie schließlich durch Luftinjektionen starb. Urteil: Schuldig.
Kind O & P (Juni 2016): Zwei Brüder einer Drillingsgeburt. Letby tötete beide an aufeinanderfolgenden Tagen durch Luftinjektionen in den Magen und körperliche Misshandlung (Lebertrauma bei Kind O). Urteil: Schuldig.

Die überlebenden Kinder (Versuchter Mord):
Kind B (Juni 2015): Zwillingsschwester von A. Letby versuchte, sie ebenfalls durch Luftinjektion zu töten. Urteil: Schuldig.
Kind F & L (August 2015 & April 2016): Beide wurden durch Insulin im Nahrungsbeutel vergiftet. Sie überlebten nur durch das schnelle Eingreifen anderer Mediziner. Urteil: Schuldig.
Kind G (September 2015): Ein extrem frühgeborenes Mädchen. Letby versuchte dreimal, sie durch Überfütterung mit Milch und Luftinjektionen zu töten. Urteil: Schuldig.
Kind K (Februar 2016): Letby wurde von einem Arzt dabei ertappt, wie sie zusah, wie die Sauerstoffsättigung des Babys sank, ohne einzugreifen. Urteil: Schuldig (nach Wiederaufnahmeverfahren 2024).
Kind N (Juni 2016): Ein Junge mit Hämophilie. Letby versuchte, seinen Zustand auszunutzen, um Verletzungen im Rachenraum zu verursachen. Urteil: Schuldig.


Das Urteil (August 2023): Schuldig in fast allen Hauptpunkten (7 Morde, 7 versuchte Morde). In mehreren Fällen (darunter Baby H, J, K, Q und R) konnte sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen oder sprach Letby in einzelnen Punkten frei. Zu Baby K sollte ein weiterer Prozess folgen.

Strafmaß: 14 mal lebenslange Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung oder Bewährung ("Whole Life Order", die härteste Strafe im englischen Recht, Letby wird das Gefängnis nie wieder verlassen).

Die Jury sah es als erwiesen an, dass Letby zwischen 2015 und 2016 sieben Neugeborene tötete und mehrere weitere zu töten versuchte auf der Neugeborenenstation des Countess of Chester Hospital.

Die Beweise bestanden vor allem aus medizinischen Gutachten, statistischen Auffälligkeiten und Indizien, die zeigten, dass ungewöhnliche Zusammenbrüche von Babys immer wieder während ihrer Schichten auftraten.

Das Gericht nahm an, dass sie verschiedene Methoden einsetzte, z. B. Luft in den Blutkreislauf injizierte, Insulin verabreichte oder Atemschläuche manipulierte.

Zusätzlich wurden Notizen von Letby als belastend bewertet, in denen sie u. a. schrieb: „Ich bin böse, ich habe das getan.“

Richter James Goss bezeichnete die Taten als „grausam, berechnend und zynisch“ sowie als extremen Vertrauensbruch gegenüber den schutzbedürftigen Kindern.


Lucy Letby weigerte sich, zur Urteilsverkündung am 21. August 2023 im Gerichtssaal zu erscheinen. Sie blieb in ihrer Zelle und hörte sich auch die emotionalen Statements der Eltern (Victim Impact Statements) nicht an. Dieses Verhalten wurde vom Richter und der Öffentlichkeit als feige und respektlos kritisiert, und von manchen als Schuldeingestädnis betrachtet. Mittlerweile haben Richte eine rechtliche Handhabe, sie können anordnen, dass Täter bei der Urteilsverkündung erscheinen müssen. Gefängnispersonal darf „reasonable force“ (angemessene Gewalt) einsetzen, um sie in den Gerichtssaal oder zu einer Videoübertragung zu bringen. Wer sich weigert, kann zusätzliche Strafen oder Sanktionen bekommen (z. B. zusätzliche Haftjahre oder Verlust von Privilegien). Diese gesetzlichen Änderungen waren auch dem Verfahren gegen Lucy Letby geschuldet.

Lucys Eltern John und Susan Letby waren bei fast jedem Prozesstag anwesend. Als das erste „Schuldig“ vorgelesen wurde, brach ihre Mutter Susan im Gerichtssaal schluchzend zusammen und rief: „Das kann nicht wahr sein, das ist nicht richtig!“. Sie hielten bis zuletzt an der Unschuld ihrer Tochter fest.


Nach dem Urteil im August 2023 kehrte in den Fall Lucy Letby keineswegs Ruhe ein. Es folgte eine juristische und öffentliche Schlammschlacht, die bis heute (März 2026) anhält:

Berufungsversuche: Letby versuchte mehrfach, gegen ihre Verurteilungen Berufung einzulegen. Im Mai 2024 lehnte der Court of Appeal ihren letzten Antrag endgültig ab. Die Richter sahen keine rechtlichen Fehler im ursprünglichen Prozess

Der Fall Baby K (Juli 2024): Da sich die Jury im ersten Prozess bei Baby K nicht einig war, kam es zu einem neuen Verfahren. Diesmal wurde sie des versuchten Mordes schuldig gesprochen, was eine weitere lebenslange Haftstrafe nach sich zog. Damit wurde Letby insgesamt zu 15 mal lebenslanger Haft verurteit.


Da es keine direkten Augenzeugen oder Videoaufnahmen gab, stützte sich die Anklage im Hauptprozess auf Indizien:

- Statistische Auffälligkeiten (sie war bei allen angeklagten Vorfällen im Dienst).

- Die Vorfälle häuften sich zunächst in der Nachtschicht. Als Letby in die Tagschicht wechselte, begannen die ungeklärten Kollapse der Babys auch am Tag.

- Medizinische Gutachten schlossen natürliche Todesursachen aus.

- 257 Übergabeprotokolle, medizinische Unterlagen und Notizen, die sie zu Hause hortete (was die Anklage als „Trophäensammlung“ oder Souvenirs ihrer Taten wertete).

- Handschriftliche Notizen, darunter Sätze wie „Ich bin böse, ich habe das getan“ (was als Tatbeweis gewertet wurde).

- Terminkalendereinträge von Kürzeln an den Todestagen der Kinder (diese wurden als Dokumentation ihrer Taten interpretiert).

- Facebook-Suchen: Die exzessive Suche nach den Eltern der verstorbenen Kinder, oft mitten in der Nacht oder an Jahrestagen wie Todestagen und Weihnachten (sie wurden als Beweis für ein obsessives, voyeuristisches Interesse gewertet, für eine Freude am Leid der Eltern).
Die Anklage hob hervor, dass sie teilweise innerhalb weniger Minuten nacheinander nach den Eltern verschiedener verstorbener Babys suchte, beispielsweise am 25. Juni 2015, als sie kurz hintereinander die Eltern der Zwillinge Baby A und Baby B sowie die Eltern von Baby D aufrief.

- Zeitliche Nähe der Suchen: Oft suchte Letby kurz nach den Vorfällen auf Facebook nach den Eltern der betroffenen Babys. Bereits bei Baby A suchte sie nur wenige Stunden nach dem Tod des Jungen im Juni 2015 am darauffolgenden Morgen nach dem Namen der Mutter.

- Internetrecherchen: Es gab mehrere themenspezifische Suchen, bei denen sie nach medizinischen Ausnahmezuständen wie Luftembolie (Air Embolism) gesucht hatte, unmittelbar nachdem Babys mit genau diesen Symptomen verstorben waren (die Ermittler werteten dies als Versuch, die Effektivität ihrer Methoden zu prüfen oder sicherzustellen, dass die Taten unentdeckt blieben).

- WhatsApp-Kommunikation mit Kollegen: Es gab Nachrichten an Kollegen, in denen sie sich als besonders betroffen darstellte oder Informationen über die sterbenden Kinder einholte (diese wurden als Versuch gewertet, sich unverdächtig zu machen („Gaslighting“).
In anderen Nachrichten zeigte sie ein auffälliges Interesse an den Ergebnissen der Autopsie. Sie fragte Kollegen mehrfach, ob es „schon Neuigkeiten von der Pathologie“ gibt. Die Staatsanwaltschaft interpretierte dies als Angst vor Entdeckung, während Letby angab, es sei normales fachliches Interesse gewesen.


Besonders verstörend war ihr Verhalten den Eltern der Babys gegenüber, wie sich im Prozess heraus stellte.

Die Skepsis der Eltern basierte meist auf drei Punkten:

- Distanzlosigkeit: Sie drängte sich in private Trauermomente.
- Unangemessene Reaktionen: Sie wirkte entweder zu emotional (gekünstelt) oder völlig gefühlskalt.
- Blickkontakt: Das Starren auf Monitore oder die Babys, ohne sofort einzugreifen, blieb vielen Eltern negativ in Erinnerung. Teilweise fühlten sie sich auch von Letby in intimen Trauermomenten beobachtet.

Es gab Aussagen, die Letbys eigene Trauer bei Kollapsen und Todesfällen der Kinder als unauthentisch oder taktisch einordneten. Während sie in Momenten der Krise extrem emotional und mitfühlend auftrat, wurde dies von den Eltern nach Bekanntwerden der Vorwürfe als manipulative Fassade wahrgenommen.


- Baby C:

Kurz nachdem das Baby C verstorben war, betrat Letby das Zimmer mit einem „Kühlkörbchen“ für die Leiche, einem Art Sarg oder tragbaren Behälter, der in Krankenhäusern verwendet wird, um verstorbene Neugeborene oder Säuglinge aufzubewahren. Der Vater sagte aus, er habe ihr Verhalten als „unangemessen schnell“ und fast schon geschäftsmäßig empfunden. Er hatte das Gefühl, sie wolle den Tod des Kindes „abhaken“, während die Eltern noch unter Schock standen bzw. in der Trauerphase waren.

Sie beschrieb die unheimliche Situation, in der sie ihr Kind im Sterben hielt, während sie bemerkte, dass Letby sie beobachtete. Sie verglich dieses Gefühl später mit einem „Horrorfilm“.


- Baby E:

Die Mutter von Baby E berichtete, sie habe die Station betreten, Letby am Inkubator stehen gesehen, das Baby auf eine Weise schreien gehört, die sie „noch nie zuvor gehört“ hatte und Blut an dessen Mund gesehen. Letby wirkte äußerlich ruhig, obwohl das Kind stark aus dem Mund blutete. Sie beruhigte die Mutter kühl mit den Worten: „Vertrauen Sie mir, ich bin Krankenschwester.“ und verwies darauf, dass ein von ihr gerufener Arzt bereits unterwegs sei um die Blutung medizinisch beurteilen zu lassen. Die Mutter sagte aus, dass sie sich weggeschickt gefühlt habe, obwohl sie wusste, dass etwas nicht stimmte. Sie empfand Letbys Verhalten als kühl und distanziert, obwohl offensichtlich war, dass das Kind ernsthaft gefährdet war. Das passt zum allgemeinen Bild, das im Prozess gezeichnet wurde: Letby wirkte professionell, aber Eltern und Kollegen empfanden ihr Verhalten in kritischen Momenten als unpassend oder beunruhigend.

Die Mutter empfand es als „sadistischen Machtmissbrauch“, dass Letby nach dem Tod ihres Sohnes darauf bestand, den Leichnam zu waschen und in ein Taufkleid zu hüllen, das Letby selbst ausgesucht hatte.

Sie bezeichnete Letbys Verhalten rückblickend als „Schauspiel“ (all an act) und nannte sie „das Böse, getarnt als fürsorgliche Krankenschwester“.


- Baby G:

Dieses Baby war ein „Wunderbaby“, das im September 2015 extrem früh (23. Schwangerschaftswoche) geboren wurde.

Die Eltern erinnerten sich im Zeugenstand daran, dass Letby sie „beobachtet“ habe. Der Vater beschrieb ihr Verhalten als „beunruhigend“ und „intensiv“.

Als das Baby schließlich unter Letbys Aufsicht schwer kollabierte, kam es den Eltern seltsam vor, dass dies genau am 100. Lebenstag geschah, einem Tag, den sie eigentlich feiern wollten. In der Neonatologie ist das Überleben bis zum 100. Tag ein enormer Meilenstein, den das Personal und die Eltern oft mit Kuchen oder Bannern feiern. Genau an diesem Tag, dem 7. September 2015, als die Eltern den Meilenstein feiern wollten, erlitt das Baby unter Letbys Aufsicht aber einen schweren Zusammenbruch. Die Anklage warf Letby vor, dem Kind absichtlich eine übermäßige Menge Milch und Luft über die Magensonde zugeführt zu haben, was zu Erbrechen und Atemstillstand führte. Sie argumentierte Letby habe diesen besonderen Tag bewusst gewählt, um die Freude der Eltern und Kollegen in ein maximales Trauma zu verwandeln.


- Baby I

Letby soll Baby I laut Anklage im vierten Versuch im Oktober 2015 getötet haben.

Die Mutter von Baby I sagte aus, dass Letby nach dem Tod des Kindes sehr präsent war. Sie bot an, ein Erinnerungsfoto des toten Babys im Badekörbchen zu machen. Obwohl die Mutter Letby anfangs vertraute, empfand sie es später als „aufdringlich“, dass Letby unbedingt dabei sein wollte, als das verstorbene Baby gebadet wurde. Letby wirkte laut der Mutter „zu präsent“ in diesem intimsten Moment der Trauer.

Wochen später, am Morgen des 10. November 2015, dem Tag der Beerdigung von Baby I, schickte sie der Familie eine Beileidskarte, wenige Stunden vor der Beisetzung.

Auf der Vorderseite der Karte stand folgender gedruckter Standardtext: „Your loved one will be remembered with many smiles.“ handschriftlich ergänzt um „Lots of love, Lucy x“. Das "x" nach "Lucy" symbolisiert einen Kuss.

Die Innenseite hatte einen individuellen, handschriftlichen Text von Letby selbst: „There are no words to make this time any easier. It was a real privilege to care for [Name von Baby I] + get to know you as a family – a family who always put [Name von Baby I] first + did everything possible for her. She will always be a part of your lives + we will never forget her. Thinking of you today + always – sorry I cannot be there to say goodbye.“ (das "+" steht jeweils für "and").

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Quelle: https://www.bbc.com/news/uk-england-merseyside-64496406

Letby hatte die Karte kurz bevor sie sie zur Post brachte fotografiert. Das Foto wurde bei der Hausdurchsuchung auf ihrem Smartphone gefunden. Sie gab an, sie habe es getan, um sich an die „netten Worte“ zu erinnern, die sie geschrieben hatte. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Fotografieren der Karte jedoch als „unnormal“. Sie argumentierte, Letby habe die Karte als „Trophäe“ behalten wollen, um sich an ihre Tat und die Trauer der Eltern zu erinnern, ein „Souvenir“ ihrer Tat. Dass die Karte exakt zu der Zeit verschickt wurde, als das Baby eigentlich hätte geboren werden sollen, wertete die Anklage als Zeichen dafür, dass Letby die Meilensteine im Leben ihrer Opfer genau im Kopf behielt.

In vielen britischen Krankenhäusern (NHS) ist es üblich, dass die Station als Ganzes oder das gesamte Pflegeteam eine offizielle Kondolenzkarte schickt. Dies dient dazu, kollektives Mitgefühl auszudrücken und gleichzeitig professionelle Distanz zu wahren. Alleingänge von Pflegekräften, wie das Versenden privater Karten, können als Überschreitung professioneller Grenzen (boundary crossing) angesehen werden.

In den Vernehmungen gab Letby laut Ermittlern selbst zu, dass es keine normale Praxis bzw. „nicht üblich“ sei, als einzelne Pflegekraft eine Beileidskarte privat an Eltern zu senden. Sie rechtfertigte ihr Verhalten damit, dass sie die Familie von Baby I außergewöhnlich gut kennengelernt hatte.

Die Mutter sagte aus, dass sie die Karte damals als „ungewöhnlich“ empfand, da es nicht die Art von professioneller Distanz war, die man von einer Krankenschwester erwartet.

Eine weitere Besonderheit ist wie schon gesagt, dass Letby die Karte vor dem Versenden mit ihrem Handy fotografiert hatte, was die Staatsanwaltschaft als Teil eines „krankhaften Interesses“ oder einer Art Trophäensammlung wertete.

Mit Kollegen tauschte sie sich per WhatsApp über Baby I aus:

- Nachricht während der ersten Angriffe (September/Oktober 2015): „Sie ist so ein Kämpferherz“.
- Nach den ersten Zusammenbrüchen von Baby I schrieb Letby an Kollegen, wie leid ihr das Kind tue und wie sehr sie hoffe, dass „die Kleine es schafft“.
- In einer weiteren Nachricht fragte sie eine Kollegin: „Hast du was von Baby I gehört? Ich kann nicht aufhören, an sie zu denken.“ (die Anklage wertete dies als Taktik bzw. inszenierte Sorge, um den Verdacht von sich abzulenken und als besonders empathisch wahrgenommen zu werden).
- Kurz bevor Baby I am 23.10.2015 endgültig zusammenbrach, schrieb Letby einer Kollegin, dass das Baby „nicht gut aussehe“ und sie ein „schlechtes Gefühl“ habe (laut Anklage bereitete sie damit das Umfeld psychologisch auf den Tod vor, den sie selbst herbeiführen wollte).
- Nachdem das Baby gestorben war, schrieb sie: „Es war so furchtbar, sie in den Armen ihrer Eltern sterben zu sehen. Ich bin am Boden zerstört.“
- Besonders belastend war eine Nachricht, in der sie ein Foto der Beileidskarte erwähnte, die sie an die Eltern geschickt hatte. Sie schrieb einer Kollegin: „Ich habe eine Karte für die Eltern von Baby I geschrieben. Ich hoffe, es ist okay, wenn ich sie abschicke.“

Bei Baby I gab es auch ein besonders dichtes Netz an Facebook-Suchen, welches die Staatsanwaltschaft als „Besessenheit“ von der Familie wertete:

- Bereits vor (!) dem ersten Angriff suchte Letby am 29. Mai 2015 nach der Mutter, also schon Monate bevor das Kind im August 2015 überhaupt auf die Station kam.
- Unmittelbar nachdem das Baby am 30. September 2015 das erste Mal kollabierte suchte Letby die Mutter erneut auf Facebook.
- In der Phase, in der Baby I mehrfache Zusammenbrüche erlitt (13. und 14. Oktober 2015), gab es weitere Suchen.
- Kurz vor dem Tod am 23. Oktober 2015 suchte Letby die Mutter dann erneut (in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober; die Anklage wertete dies als Zeichen dafür, dass sie den Angriff bereits plante oder die Familie „im Visier“ hatte).
- Letby suchte die Mutter zudem am 5. November 2015 (kurz nach der Beerdigung).
- Sie suchte die Mutter dieses Babys auch an anderen emotionalen Tagen, wie etwa an Heiligabend 2015.
- Später, im Januar 2016, etwa drei Monate nach dem Tod des Kindes zum Zeitpunkt des eigentlichem errechneten Geburtstermin (der „due date“), erfolgte eine weitere Suche.
- Ebenso erfolgte eine Suche am ersten Todestag von Baby I.


- Baby L & M (Zwillinge)

Die Mutter der Zwillinge L & M sagte aus, dass Letby oft „einfach nur dastand und starrte“, während die Babys behandelt wurden oder wenn es Probleme gab. Dieses starre, emotionslose Beobachten wurde von mehreren Eltern als unheimlich beschrieben.

Der Vater gab an, dass Letby ihn während der Notfälle immer wieder direkt ansah, was er als extrem unangenehm und auffällig empfand.


- Baby O, P & G (Drillinge)

Im Prozess gegen Letby und auch in der darauffolgenden öffentlichen Untersuchung (Thirlwall Inquiry) spielten die Aussagen der Eltern der Drillinge eine wichtige Rolle.

Die Zusammenbrüche und Todesfälle der stabilen Drillinge beginnen 24 Stunden nach Letbys Rückkehr aus dem Ibiza-Urlaub am 22. Juni 2016.

Am 23. Juni 2016 verstirbt Baby O plötzlich und unerwartet.

Am folgenden Tag, dem 24. Juni 2026, stirbt auch sein Bruder, Baby P, nach einem plötzlichen Zusammenbruch.

Dr. Brearey, längst skeptisch, weigerte sich am Abend des 24. Juni, Letby am nächsten Tag wieder den Dienst auf der Neugeborenenstation antreten zu lassen. Das Management lehnt seine Forderung mit der Begründung ab, es gebe keine Beweise für ein Verbrechen.

Letby tritt ihren Dienst am 25. Juni 2016 daher wie geplant an – und prompt bricht der dritte Drilling, Baby Q, gesundheitlich zusammen.

Dr. Breakey gab später an, dass Letby nach ihrer Rückkehr aus dem Ibiza-Urlaub am 22. Juni 2016 eine ungewöhnliche Euphorie ausstrahlte. Er beschrieb sie als „aktiviert“. Die Ärzte unterstellten ihr, dass diese Hochstimmung kein normaler Urlaubseffekt war, sondern die Vorfreude darauf, wieder „zuzuschlagen“. Besonders verdächtig erschien ihnen, dass diese gute Laune auch dann nicht verschwand, als am 23. Juni der erste Drilling (Baby O) starb: Dr. Brearey bemerkte, dass sie trotz der Tragödie weiterhin auffallend munter und „bouncy“ wirkte (quietschvergnügt). Auch den Eltern der Drillinge fiel das unangenehm auf.

Einige ihrer Pflegekollegen erinnerten sich rückblickend ebenfalls, dass sie nach ihrer Urlaubsrückkehr sehr präsent war und fast schon drängte, die Pflege der Drillinge übernehmen zu können, obwohl diese eigentlich stabil waren. Dieses „übermäßige Engagement“ in Kombination mit ihrer fröhlichen Art wirkte auf die Ärzte ungewöhnlich, unpassend und im Nachhinein verdächtig.

Der Vater der Drillinge beschrieb Letbys Verhalten in seinen Zeugenaussagen als widersprüchlich und „unnatürlich“, denn er empfand ihren plötzlichen Umschwung von einer fast roboterhaften Professionalität hin zu extremer Emotionalität nach dem Tod eines der Kinder als aufgesetzt und unangemessen für die Situation.

Er legte dar, dass Letbys Verhalten für die Eltern emotional belastend war und dass sie sich im Nachhinein von Letby betrogen und getäuscht fühlen. Der Vater gab an, dass ihn der Hass auf Letby „als Mann und Vater zerstört“ habe und er nach dem Verlust seiner Söhne mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen hatte.

Die Eltern der Drillinge erlebten Letby nicht als aggressiv, sondern als „übermäßig präsent“ und ihre Professionalität als „kalt und mechanisch“. Während sie anfangs als engagierte Pflegerin erschien, wirkte sie nach den Todesfällen auf die Eltern wie jemand, der sich am Drama „weidete“.

Der Vater beschrieb, dass Letby nach dem Tod des ersten Kindes (Baby O) am 23. Juni 2016 eine fast schon eine beunruhigende Energie ausstrahlte und sie sich geradezu aufdrängte, die weitere Pflege der beiden noch lebenden Brüder zu übernehmen.

Er sagte weiter aus, dass Letby sich sehr intensiv in die Betreuung einmischte, als es dem zweiten Bruder (Baby P) später auch schlechter ging.

Ein Moment, der die Eltern und Ärzte besonders schockierte, war eine Äußerung Letbys am Bett von Baby P, die „Todes-Vorhersage“: Während die Ärzte noch um sein Leben kämpften, soll sie zu einem Mediziner gesagt haben „Er wird es nicht lebend hier raus schaffen, oder?“. Für die Eltern klang das damals wie eine schreckliche Vorahnung, und mehr noch: Der Vater empfand diesen Satz als extrem unsensibel und schockierend, da das zweite Kind zu diesem Zeitpunkt noch stabil wirkte. Kurz darauf kollabierte auch Kind P und starb. Später wurde diese Äußerung als Hoffnung bzw. Vorfreude einer Mörderin interpretiert.

Der Vater berichtete, dass Letby nach dem Tod von Baby P plötzlich „sichtlich am Boden zerstört“ (visibly devastated) gewirkt habe, was in starkem Kontrast zu ihrem vorherigen kalten Verhalten stand. Die Mutter der Drillinge erinnerte sich, dass Letby nach dem Tod von Baby P „untröstlich“ (inconsolable) schien. Zu diesem Zeitpunkt dankte die Mutter der Krankenschwester sogar noch für ihr Mitgefühl.

Besonders im Gedächtnis blieb den Eltern, dass Letby nachdem auch Baby P verstorben war mit einer Art „aufgesetzten Professionalität“ agierte und dabei nicht echt trauernd wirkte. Sie wurde von den Eltern vielmehr als kalt oder zumindest seltsam distanziert und „roboterhaft“ wahr genommen. Die Eltern empfanden das als unpassend und beunruhigend – Letby wirkte in ihren Augen fast so, als spiele sie Trauer nur, obwohl gerade zwei ihrer Kinder verstorben waren. Dieses Verhalten wurde im Prozess als Hinweis auf ihre angebliche morbide Faszination interpretiert.

Nachdem sie zwei ihrer drei Söhne verloren hatten bot Letby den Eltern an, Fotos von den verstorbenen Babys zusammen mit dem überlebenden Bruder (Baby Q) in einem Körbchen zu machen – als „Andenken“. Die Eltern empfanden das als befremdlich und lehnten ab. Sie wollten den gesunden Bruder nicht mit seinen toten Geschwistern fotografieren. Die Mutter sagte aus, sie habe dies als „völlig unangebracht und makaber“ empfunden. Die Anklage wertete es später als weiteren Beweis für Letbys morbide Faszination und ihren Wunsch, das von ihr angerichtete Drama mittels Foto für ihre „Sammlung“ festzuhalten.

Die Mutter gab an, dass sie nach dem Zusammenbruch des dritten Kindes (Baby Q) am 25. Juni eine tiefe Panik verspürte, sobald Letby den Raum betrat. Die Eltern flehten die Ärzte an, Baby Q sofort in ein anderes Krankenhaus zu verlegen, da sie das Gefühl hatten, dass in Chester etwas furchtbar schief lief. Während die Eltern Letby anfangs für eine engagierte Krankenschwester hielten, verwandelte sich dieses Bild innerhalb von 72 Stunden in tiefes Misstrauen. Sie schilderten eine Mischung aus instinktivem Argwohn und dem Gefühl, dass mit der Anwesenheit von Lucy Letby etwas „Unheilvolles“ verbunden war und erwähnten ihre ständige Präsenz. Sie fragten sich „Warum ist sie immer da?“. Die Eltern äußerten gegenüber den Ärzten schließlich ihre nackte Angst. Die Mutter beschrieb ein Gefühl der „völligen Hilflosigkeit“ und den instinktiven Drang, ihr letztes Kind, Baby Q, vor Letby zu schützen.

Die Eltern flehten die leitenden Ärzte an, Baby Q sofort in ein anderes Krankenhaus zu verlegen. Der Vater sagte aus: „Wir hatten das Vertrauen in dieses Krankenhaus komplett verloren. Wir wollten nur noch weg.“ Sie sahen Lucy Letby als „Unglücksbringerin“, ohne zu diesem Zeitpunkt konkret an Mord zu denken – sie fühlten einfach, dass Kinder in ihrer Nähe sterben.

Baby Q wurde schließlich verlegt und überlebte, Letby in die Verwaltung versetzt.

In Letbys persönlichen Notizen wurde ein Entwurf für eine Beileidskarte an die Eltern der Drillinge (Babys O, P und das überlebende Kind) gefunden. Darin erwähnte sie alle drei namentlich und schrieb Sätze wie „Ihr solltet heute am Leben sein“.



Quellen:
Biography.com. (2026). Where Is Lucy Letby Now? https://www.biography.com/crime/a70177725/where-is-lucy-letby-now-life-in-prison
People Magazine. (2026). Inside Lucy Letby’s Life Today. https://people.com/inside-lucy-letby-life-today-11899747
The Guardian. (2023). Judges in England and Wales to get power to order offenders to attend sentencing. https://www.theguardian.com/law/2023/aug/30/judges-in-england-and-wales-to-get-power-to-order-offenders-to-attend-sentencing
UK Government. (2023). Offenders to be ordered to attend sentencing. https://www.gov.uk/government/news/offenders-to-be-ordered-to-attend-sentencing
BBC News. (2023). What the babies’ parents told Lucy Letby as she was sentenced. https://www.bbc.com/news/uk‑66570308
BBC News. (2023). Lucy Letby: Nurse sent card to grieving parents, jury told. https://www.bbc.com/news/uk-england-merseyside-64496406
Sky News. (2023). The evidence seen during Lucy Letby’s murder trial, from handwritten notes to cards for parents. https://news.sky.com/story/the-evidence-seen-during-lucy-letbys-murder-trial-from-handwritten-notes-to-cards-for-parents-12944606


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 06:58
Demnächst folgt Teil 5 mit aktuellen Entwicklungen wie z. B. der Einschätzung einer internationalen Expertengruppe bestehend aus 14 Neonatologie- und Kinder- und Jugendmedizinexperten, welche die medizinischen Daten der Fälle überprüft haben.

Sie haben öffentlich bekannt gegeben, dass sie „keine medizinischen Beweise für Mord“ fanden und die Todesfälle eher durch natürliche Ursachen oder medizinische Fehler erklärbar seien (siehe https://www.bmj.com/content/388/bmj.r250?utm_source=chatgpt.com).

Zudem haben mehr als 400 Beschäftigte des britischen Gesundheitswesens (darunter etwa 200 Krankenschwestern sowie Ärzte, Radiologen und Psychiater) eine Überprüfung des Urteils gefordert (https://www.yahoo.com/news/hundreds-healthcare-workers-demand-review-171015975.html?utm_source=chatgpt.com).

Über 50 medizinische oder wissenschaftliche Experten haben sich bereit erklärt, die Beweisführung anzufechten oder kritisch zu prüfen (https://news.sky.com/story/lucy-letby-latest-child-killers-lawyers-lucy-letbys-lawyers-to-reveal-new-evidence-they-say-undermines-convictions-13274777?utm_source=chatgpt.com).

Der Fall wird derzeit von der Criminal Cases Review Commission (CCRC) geprüft, die mögliche Fehlurteile untersucht (https://www.theguardian.com/uk-news/2025/feb/04/no-medical-evidence-to-support-lucy-letby-conviction-expert-panel-finds?utm_source=chatgpt.com).

Dazu gibt es zahlreiche harmlose Erklärungen für im Prozess als belastend gewertete Indizien.

Mehr demnächst.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 16:07
Sehr gut aufbereitet, vielen Dank. Ich hatte von dem Fall rudimentär gehört, aber die Details kannte ich nicht.

Was ich schwer verstehen kann, ist, warum nie Kameras etc installiert wurden, um sie - weil ja Besorgnis bestand - besser beobachten zu können. Ich würde gerne wissen, wieviele Sterbensfälle von Babies es vor und nach ihr gab.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 19:29
@Cpt.Germanica
Auch von mir ein sehr großes Lob für die sehr gute Darlegung des Falles.
Leider gehen solche englischsprachigen Berichte/Fälle bei mir etwas unter.

Ich bin schon sehr gespannt auf die entlastenden Details.
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Was ich schwer verstehen kann, ist, warum nie Kameras etc installiert wurden, um sie - weil ja Besorgnis bestand - besser beobachten zu können. Ich würde gerne wissen, wieviele Sterbensfälle von Babies es vor und nach ihr gab.
Da es auch in England verboten ist, verdeckte Kameras am Arbeitsplatz zu installieren, wurde das nicht gemacht.
Nur in Absprache mit Ermittlungsbehörden könnte dies möglich sein und die wurden ja sehr viel später erst eingeschaltet.

https://www.iris.co.uk/blog/payroll/cctv-in-the-workplace-laws-can-your-employer-spy-on-you/


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 20:15
Zitat von klara.verstandklara.verstand schrieb:Ich würde gerne wissen, wieviele Sterbensfälle von Babies es vor und nach ihr gab.
2010: 1 Todesfälle
2011: 3 Todesfälle
2012: 3 Todesfälle [Anmerkung: Am 2. Januar 2012 kam Letby auf die fragliche Station der Klinik in Chester]
2013: 2 Todesfälle
2014: 3 Todesfälle
2015: 8 Todesfälle; für 5 dieser Todesfälle wurde Letby angeklagt (und verurteilt)
2016: 5 Todesfälle Januar mit Juni 2016 (ab Juli 2016 wurde Letby suspendiert und für Büroarbeiten eingesetzt); für 2 dieser Todesfälle wurde Letby angeklagt (und verurteilt)

Quelle: https://uk.news.yahoo.com/rise-baby-deaths-hospital-not-154814592.html

Danach gab es keine unerklärlichen Todesfälle mehr (allerdings wurden zeitgleich durch die Herabstufung zu einer Level-1-Unit auch keine Babys mehr aufgenommen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, wodurch sich die Patientenstruktur signifikant veränderte).

Quelle: https://www.itv.com/news/granada/2017-02-08/report-into-increased-deaths-of-premature-babies-at-chester-hospital

Zu Todesfällen in späteren Jahren finde ich keine konkreten Zahlen, sie sind aber laut Quellenlage in der Norm.


Letby wurde also für 7 von 13 Todesfällen der Jahre 2015 und des ersten Halbjahres 2016 angeklagt (und für alle 7 verurteilt).

Ihr früherer Vorgesetzter, Dr Stephen Brearey, hat aber vor der Thirwall Inquiry ausgesagt, dass er es für wahrscheinlich hält, dass Letby schon vor 2015 Babys geschädigt hat.

Quellen:
- https://www.theguardian.com/uk-news/2024/nov/19/lucy-letby-likely-to-have-harmed-other-babies-doctor-tells-inquiry?utm_source=chatgpt.com
- https://www.itv.com/news/granada/2024-11-20/lucy-letby-likely-murdered-or-assaulted-children-before-june-2015?utm_source=chatgpt.com


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 22:19
Vielen Dank für die Eröffnung dieses Threads! Nachdem ich vor ca. 2 oder 3 Jahren durch einen recht ausführlichen Artikel im "Spiegel" auf diesen Fall aufmerksam wurde (dort wurden schon die fachlichen Zweifel des Experten aus Kanada diskutiert), bin ich zufällig vor zwei Tagen wieder auf den Fall gestoßen. Weil mich interessierte, ob es in UK sowas wie LWOP (life without parole, also lebenslänglich ohne Chance auf vorzeitige Entlassung) wie in den USA (weit verbreitet) gibt. Und da bin ich gleich wieder auf sie gestoßen. Zunächst mal, der englische Wikipedia-Artikel ist recht gut.

Wikipedia: Lucy Letby

Inzwischen scheint sich an den Zweifeln, bzw. alternativen Erklärungen, ja einiges getan zu haben und zu tun, und auch an weiteren Problemen der Indizien. Ich frag mich sowieso, ob ein derartiges Urteil mit weit über 100 Jahren Haft allein von Indizien geschehen darf.

https://www.theguardian.com/uk-news/2026/mar/11/expert-witness-in-lucy-letby-trial-did-not-reveal-hospital-investigation-into-his-medical-work

Auch Statistiker äußern sich, etwa z. B.

Youtube: Lucy Letby didn’t murder a single baby, experts claim | The Daily T Podcast
Lucy Letby didn’t murder a single baby, experts claim | The Daily T Podcast
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Mir scheint, dass es zu einem Aufrollen des Prozesses kommen könnte und dass Lucy Letby durchaus gute Chancen ha. Soweit ich das sehe, gibt es ja keine direkten Beweise gegen sie, nur Indizien. Aber inzwischen auch viele Indizien gegen sie. Zum Beispiel von 27 Experten (siehe obigen Artikel aus dem "Guardian".

Momentan ist die Berichterstattung über sie sehr aktiv.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

gestern um 22:27
Zwei Sekunden zu spät...

Nachtrag: es war im "Spiegel" Heft 35/2025, also noch nicht so lange her. Der recht ausführliche und kritische Artikel hatte mich auf den Fall aufmerksam gemacht und mein Interesse für ihn geweckt.


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Lucy Letby - tragisches Justizopfer oder skrupellose Serienmörderin?

um 04:52

230818132542-02-lucy-letby-guilty
Am I evil?




Der Fall Lucy Letby - Teil 5: Aktuelle Entwicklungen und Gegenpositionen




Lucy Letby kam aufgrund der Häufung von Vorfällen in ihren Schichten in den Fokus von Ermittlungen und schließlich vor Gericht bzw. ins Gefängnis.

Statistiker sehen aber Probleme bei der Datenanalyse und medizinische Experten weisen darauf hin, dass vieles auch natürliche Ursachen haben könnte.

Der Fall kommt nicht zur Ruhe und hier was ich an Aktuellem zusammentragen konnte, inkl. der vorgetragenen Kriktik an Letbys Verurteilung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):



Keine weiteren Anklagen des CPS

Der Crown Prosecution Service (CPS) hat im Januar 2026 entschieden, dass Letby keine weiteren Anklagen mehr drohen, da die Beweise bei den weiteren untersuchten Fällen nicht ausreichend sind (sog. fehlender Beweisstandard bzw. „evidential test“; ein Staatsanwalt darf in Großbritannien nur dann Anklage erheben, wenn eine realistische Chance besteht, dass eine Jury verurteilt).

Die CPS hatte elf Anklagepunkte bei neun weiteren Babys geprüft (darunter zwei Todesfälle), die sich während Letbys Schichten in den beiden Krankenhäusern "Countess of Chester Hospital" und "Liverpool Women’s Hospital" ereigneten. Dass der „evidential test“ nicht erreicht wird sagt ganz generell nichts über die tatsächliche Schuldfrage aus. Es wird daher wohl dauerhaft unklar bleiben, ob Letby in diesen Fällen ein Verschulden trifft oder nicht.

Quelle: https://www.cps.gov.uk/cps/news/no-criminal-charges-against-lucy-letby-relation-further-allegations-deaths-and-non-fatal



Antrag auf Wiederaufnahme beim Criminal Cases Review Commission (CCRC)

Das neue Verteidigerteam von Letby hat im Februar 2026 ein umfangreiches Dossier mit 31 Expertenberichten von 26 internationalen Spezialisten bei der CCRC eingereicht. Ziel ist es, eine neue Verhandlung zu erwirken, da die Experten argumentieren, dass keine medizinischen Beweise für Letbys Schuld vorliegen.

Quelle: https://www.theguardian.com/uk-news/2026/jan/20/lucy-letby-will-face-no-new-charges-says-crown-prosecution-service?utm_source=chatgpt.com
Siehe auch https://ccrc.gov.uk/news/chairs-statement-on-lucy-letby-application-review/



Thirlwall-Untersuchung

Die Veröffentlichung des Abschlussberichts der Thirlwall-Untersuchung, die klären soll, wie die Letby-Morde unentdeckt bleiben konnten, wurde verschoben. Er wird jetzt für die Zeit nach Ostern 2026 erwartet.

Quelle: https://www.bbc.com/news/articles/cjd0g032xppo

Im März 2026 veröffentlichte der Untersuchungsausschuss fortlaufend neue Dokumente und Zeugenaussagen, darunter auch Berichte von betroffenen Eltern.



Enthüllungen über Belastungszeugen

Anfang März 2026 wurde bekannt, dass gegen den medizinischen Hauptzeugen der Anklage, Prof. Peter Hindmarsh, während des Prozesses eine Untersuchung der Aufsichtsbehörde (GMC) wegen beruflicher Eignung lief. Die Jury war darüber nicht informiert worden. Der Sachverhalt kann relevant für die laufende CCRC‑Bewertung (s. o.) sein.

Quelle: https://www.theguardian.com/uk-news/2026/mar/03/lucy-letby-case-expert-witness-peter-hindmarsh-was-under-fitness-to-practise-investigation-during-trial


Schon früher wurde bekannt, dass die belastende Zeugenaussage von Oberarzt Dr. Ravi Jayaram vor Gericht im Widerspruch zu einer E-Mail steht, die er kurz nach einem Vorfall geschrieben hat, den er beobachtet haben will.

Laut seiner Aussage betrat er in der Nacht des 17. Februar 2016 das Behandlungszimmer des kurz zuvor frühgeborenen "Baby K" und habe Letby allein am Bett des Kindes stehen sehen. Bereits damals hatte er Letby in Verdacht mit den gestiegenen Säuglingstodesfällen in Verbindung zu stehen und wollte daher gezielt nach dem Rechten sehen.

Tatsächlich entdeckte er einen besorgniserregenden Vorfall denn der Beatmungsschlauch von Baby K hatte sich gelöst und es lief bereits blau an, nachdem sein Sauerstoffgehalt rapide sank. Dr. Jayaram behauptete später vor Gericht, Letby habe regungslos am Bett gestanden und weder dem Kind geholfen noch den Alarm betätigt. Er habe dann eingegriffen und so das Baby gerettet.

In der selben Nacht löste sich der Beatmungsschlauch von Baby K weitere zwei Male, was zu einer Verschlechterung des Zustands des Kindes führte. Es wurde festgestellt, dass Letby zu beiden Zeitpunkten anwesend war, obwohl sie eigentlich Patienten in einem anderen Zimmer hätte betreuen sollen. Es blieb technisch ungeklärt, warum der automatische Alarm nicht ertönte. Baby K wurde später in ein Spezialkrankenhaus verlegt, verstarb dort jedoch einige Tage später.

Quellen:
- https://www.cps.gov.uk/mersey-cheshire/news/lucy-letby-found-guilty-attempting-murder-baby-following-retrial
- https://www.itv.com/news/granada/2024-06-12/lucy-letby-caught-virtually-red-handed-trying-to-murder-baby-girl-jury-told

Trotz dieses sehr belastenden Augenzeugenberichts existiert eine E-Mail von Dr. Jayaram, die dem britischen Online-Magazin UnHerd vorliegt. In dieser E-Mail, die er kurz nach dem besagten Vorfall schiebt, legt er dar, dass ihn Letbys um Hilfe gerufen hatte und er deshalb in den Behandlungsraum von Baby K gegangen sei.

Quelle: https://unherd.com/newsroom/hidden-email-casts-doubt-on-lucy-letby-verdict/

Kritiker werfen Dr. Jayaram vor, seine Erinnerung nachträglich so „angepasst“ zu haben, sodass sie mit den Vorwürfen gegen Letby eine Mörderin zu sein übereinstimmt.



Statistische Fehlinterpretation der Dienstpläne

Das bekannteste Indiz vor Gericht war eine Tabelle, die zeigte, dass Letby bei allen angeklagten Todesfällen im Dienst war. Kritiker führen an, dass dies ein "Bestätigungsfehler" sei: Man untersuchte nur die Fälle, in denen sie anwesend war, und ignorierte Todesfälle in anderen Schichten oder Zeiten, in denen sie nicht arbeitete.

Statistiker wie Dr. Richard Gill und Prof. Jane Hutton kritisieren in dem Zusammenhang massiv die Anwendung der sogenannten „Texas Sharpshooter Fallacy“ (dt. Texas-Scharfschützen-Fehlschluss).

Die Analogie beschreibt einen Schützen, der wahllos auf eine Scheunenwand feuert und erst danach die Zielscheibe um die engste Gruppe von Einschusslöchern malt. So sieht es aus, als hätte er perfekt gezielt – in Wahrheit wurde das Ziel aber erst im Nachhinein um die Treffer herum definiert.

Auf den Fall Letby übertragen werfen Statistiker der Anklage Folgendes vor:

- Nachträgliche Zieldefinition: Man habe erst ermittelt, wann Letby Dienst hatte, und hat dann genau diese Todesfälle und Zusammenbrüche als „verdächtig“ markiert, während andere Vorfälle, bei denen sie nicht anwesend war, ignoriert oder als natürlich eingestuft wurden. Ohne eine objektive Definition, was einen „verdächtigen“ Vorfall ausmacht – bevor man die Dienstpläne prüft – sei die gesamte Korrelation wissenschaftlich wertlos.

- Ignorieren des Gesamtkontexts: Die berühmte Tabelle, die Letbys Anwesenheit bei allen Vorfällen zeigte, ist laut Experten wie Prof. John O’Quigley irreführend. Sie zeige nur: „Wenn Letby im Dienst war, war Letby im Dienst“. Sie berücksichtige nicht, dass sie als engagierte Krankenschwester wesentlich mehr Schichten übernahm als ihre Kolleginnen und daher zwangsläufig bei mehr Vorfällen anwesend sein musste.

- Künstliche Clusterbildung: Statistiker argumentieren, dass „Cluster“ (Häufungen) von Todesfällen in Krankenhäusern natürlich vorkommen können. Die Zunahme an Säuglingssterbefällen am Chester Hospital 2015/16 war innerhalb dessen, was erfahrungsgemäß an britischen Krankenhäuser an statistischen Ausreißern vorkommt. Wenn man ein solches Cluster aber isoliert betrachtet und eine einzelne Person in das Zentrum stellt, entsteht ein falscher Eindruck von Kausalität.

Quellen:
- https://theconversation.com/experts-have-challenged-the-medical-case-against-lucy-letby-what-about-the-statistical-evidence-249221
- https://leightonvaughanwilliams.substack.com/p/lucy-letby-victim-of-flawed-statistics
- https://theweek.com/crime/lucy-letby-a-miscarriage-of-justice
- https://www.thejusticegap.com/is-lucy-letby-another-miscarriage-driven-by-courts-failure-to-grasp-stats



International Expert Panel („Blue Riband Committee“)

Die Aktivitäten des International Expert Panel Panels dürften momentan das größte Gewicht im Fall Lucy Letby haben bzw. für die meiste Aufmerksamkeit sorgen.

Das von Dr. Shoo Lee, einem im Ruhestand befindlichen kanadischen Neonatologen, geleitete internationale Expertengremium (bestehend aus 14 medizinischen Spezialisten, u. a. dem aus Deutschland stammenden Prof. Helmut Hummler), hat im Februar 2025 die medizinischen Beweise gegen Lucy Letby grundlegend infrage gestellt. Basis für ihre Analysen waren Prozessakten und medizinischen Daten.

Die Experten führen im Wesentlichen drei Argumente an:

1. Fehlende medizinische Beweise für Verbrechen

Das Panel kam zu dem Schluss, dass es keine medizinischen Belege für vorsätzliche Tötungen oder Verletzungen gibt.

- Luftembolien:

Die Experten widersprechen der These, Letby habe Luft in die Blutbahnen injiziert. Dr. Lee wirft der Anklage (insbesondere dem Gutachter Dr. Dewi Evans) vor, seine Studie von 1989 falsch interpretiert zu haben. Die darin beschriebenen Hautverfärbungen bei Luftembolien sahen laut Lee völlig anders aus als die bei den Babys im Letby-Fall beschriebenen Symptome. Er stellte klar, dass die spezifischen Verfärbungen, die die Anklage als „Beweis“ anführte, in der medizinischen Literatur bei venösen Luftembolien (wie sie Letby vorgeworfen wurden) gar nicht vorkommen. Besonders brisant macht die Angelegenheit, dass Dr. Evans nie mit Dr. Shoo Lee in Kontakt getreten ist, um sich rückzuversichern.

[Exkurs: Dr. Dewi Evans ist ein pensionierter Facharzt für Kinderheilkunde (Consultant Paediatrician) aus Wales, der im Fall Lucy Letby als wichtigster medizinischer Sachverständiger der Anklage auftrat.

In einem Zivilverfahren vor dem High Court (einem Familiengericht), in dem es um eine Sorgerechtsentscheidung (Care Order) für zwei Kinder ging und dessen Urteil im Dezember 2021 gefällt wurde, also kurz vor Beginn des Letby-Prozesses, bezeichnete der Richter Lord Justice Peter Jackson (Jackson LJ) das Gutachten von Dr. Evans als „wertlos“.

Dr. Evans war von den Eltern der Kinder beauftragt worden, ein Gutachten zu erstellen. Er sollte ihre Forderung unterstützen, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu dürfen, die zu diesem Zeitpunkt bei den Großeltern lebten. Dr. Evans hatte in jenem Fall behauptet, die Verletzungen eines Kindes könnten nur durch Misshandlung entstanden sein, während andere Experten dem widersprachen.

Der Richter Jackson LJ warf Dr. Evans vor, keine ausgewogene Meinung geliefert zu haben. Er habe entweder Gegenargumente seiner Fachkollegen ignoriert oder sich gar nicht erst darum bemüht, diese in Betracht zu ziehen.

Das Gericht befand, dass Dr. Evans eher die Rolle eines Anwalts für eine bestimmte Seite eingenommen habe, statt die eines neutralen Sachverständigen. Im Ergebnis wurde ihm vorgeworfen, parteiisch zu sein, wichtige Fakten ignoriert zu haben und sich eher wie ein „Anwalt“ für eine Seite statt wie ein neutraler Experte verhalten zu haben.

Die Verteidigung von Letby hatte im Letby-Prozess zwar auf diese frühere Kritik an Dr. Dewi Evans verwiesen, das Gericht ließ seine Aussage jedoch zu.

Quellen:
- https://www.chesterstandard.co.uk/news/23312472.lucy-letby-trial-judge-described-expert-witness-report-worthless/
- https://www.ealingtimes.co.uk/news/national/23733511.bid-exclude-evidence-prosecution-medical-expert-refused-judge/]

- Insulin:

In Fällen, in denen eine Insulinvergiftung behauptet wurde, fand das Gremium alternative Erklärungen wie Sepsis, Frühgeburtlichkeit oder mangelhafte medizinische Versorgung.

Die Blutproben der Babys wurden mit einem Standard-Immunoassay-Test analysiert. Der Hersteller (Roche) gibt für diesen Test ausdrücklich an, dass er für forensische Zwecke (also Gerichtsverfahren) nicht geeignet ist, er dient lediglich der klinischen Orientierung. Damit wären die Testergebnisse vor Gericht gar nicht zulässig gewesen.

- Überfütterung:

Die Anklage behauptete, dass Letby per Magensonde so viel Luft oder Milch einpumpte, sodass der Magen sich massiv ausdehnte und die Lunge zusammendrückte, bis das Baby schließlich erstickte.

Das Expert Panel hält das aber für extrem unwahrscheinlich: Ein Baby würde bei einer solchen Überdehnung des Magens reflektorisch erbrechen.

In den Akten der Babys gab es zudem oft andere Erklärungen für aufgeblähte Bäuche, wie zum Beispiel die Nebenwirkung der CPAP-Beatmung (bei der Luft ungewollt in den Magen gedrückt wird, bekannt als "CPAP belly", also CPAP-Bauch).

- Körperliche Traumata (Leberverletzungen)

In einem Fall (Baby O) wurde bei der Obduktion eine Leberverletzung festgestellt, die laut Dr. Evans durch einen "Schlag oder massiven Druck" entstanden sein musste.

Solche Verletzungen (Leberrisse oder Hämatome) sind jedoch eine bekannte, wenn auch seltene Komplikation starker Reanimationsversuche (Herzdruckmassage) bei extrem kleinen Frühgeborenen.

Baby O wurde über einen langen Zeitraum intensiv wiederbelebt. Experten kritisieren, dass Dr. Evans diese naheliegende mechanische Ursache der Notfallmedizin zugunsten einer "Gewalttat" durch Letby ausschloss.

2. Systemversagen und mangelhafte Versorgung

Statt krimineller Handlungen sieht das Gremium gravierende Mängel im Krankenhaus als mögliche Ursache für die Todesfälle:

- Kapazitäten und Ausstattung: Die Neugeborenenstation im Countess of Chester Hospital war chronisch unterbesetzt, räumlich überlastet und unzureichend ausgestattet.

- Unterqualifizierung: Es kümmerte sich Personal um Babys, deren Pflegebedarf ihre Fähigkeiten (z. B. Fertigkeiten bei der Wiederbelebung und Intubation) überstiegen.

- Behandlungsfehler: Es gab gefährliche Verzögerungen bei Diagnosen und Behandlungen (z. B. fehlende Antibiotika bei Sepsis).

- Mangelhafte sanitäre Einrichtungen (schlechte Rohrleitungen, defekte Abflüsse) schufen ein unsicheres Umfeld.

[Exkurs: Zum Zeitpunkt der Vorfälle im Countess of Chester Hospital gab es erhebliche Probleme mit der Hygiene und spezifische Bakterien, die heute als alternative Erklärung für die Todesfälle erwogen werden.

Die wichtigsten Punkte zu den hygienischen Zuständen und Erregern:

- Pseudomonas aeruginosa: Ein geleakter Risikobericht zeigt, dass das Wassersystem der Station, einschließlich der Wasserhähne auf der Intensivstation, mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa besiedelt war. Dieses Bakterium gilt als „dringende Bedrohung“ für Frühgeborene und kann tödliche Infektionen verursachen.

- Stenotrophomonas maltophilia: Anwälte von Lucy Letby gaben an, dass dieses gefährliche, wassergebundene Bakterium im Beatmungsschlauch eines der verstorbenen Babys („Baby I“) nachgewiesen wurde. Es ist hochresistent gegen Antibiotika und kann bei immungeschwächten Patienten eine Sterblichkeitsrate von bis zu 37,5 % haben.

- Abwasserprobleme: Ein Klempner bestätigte vor Gericht, dass es wöchentlich Probleme mit der Kanalisation gab. In den Waschbecken der Neugeborenenstation kam es zum Rückstau von Fäkalabwasser („foul water“), was das Risiko für tödliche Infektionen massiv erhöhte. Um das auslaufende Abwasser aus den Decken abzufangen, wurden teilweise Windeln in die Hohlräume über der Station gestopft.

- Händewaschen: Letby selbst sagte aus, dass die Station aufgrund der defekten Waschbecken und des vorhandenen Abwassers keine sichere Arbeitsumgebung war, da ordnungsgemäßes Händewaschen oft nicht möglich gewesen sei.

Quellen:
- https://www.yahoo.com/news/articles/senior-nurse-warned-nightmare-baby-083000645.html
- https://www.theguardian.com/uk-news/article/2024/sep/08/a-superbug-doctor-shortages-and-a-neonatal-unit-out-of-its-depth-failures-at-lucy-letby-hospital-revealed ].

3. Kritik an der Beweisführung der Anklage

Die Experten kritisieren, dass die Anklage sich auf einen kleinen Kreis von Gutachtern stützte, was zu einer einseitigen Interpretation der Beweise geführt habe. Laut dem Gremium wurden plausible natürliche Todesursachen zugunsten einer vorgebrachten kriminellen Erzählung ignoriert.

Zusammenfassung:

Alle 14 Experten sind sich einig, dass die untersuchten Fälle keine eindeutigen medizinischen Beweise für vorsätzliches Handeln aufweisen und mit natürlichen Ursachen und schlechter medizinischer Versorgung erklärbar sind.

Kritische Befunde aus dem ursprünglichen Prozess (z. B. Laborwerte, Diagnosen, Beatmungsschlauch-Vorfälle) könnten medizinisch anders interpretiert werden als das Gericht es getan hat.

Quellen:
- https://www.seattletimes.com/seattle-news/health/medical-experts-dispute-evidence-used-to-convict-british-nurse-lucy-letby-of-murder
- https://www.theguardian.com/uk-news/2025/feb/04/no-medical-evidence-to-support-lucy-letby-conviction-expert-panel-finds
- https://www.theguardian.com/uk-news/2025/feb/07/strong-reasonable-doubt-over-lucy-letby-insulin-convictions-experts-say
- https://www.theguardian.com/uk-news/2025/feb/04/lucy-letby-convictions-what-did-the-expert-panel-find
- https://www.tortoisemedia.com/2025/02/04/panel-of-experts-say-no-evidence-lucy-letby-murdered-babies
- https://www.itv.com/news/granada/2025-04-03/letby-barrister-to-hand-over-fresh-evidence
- https://www.bbc.com/news/articles/ce8y28ny1n0o
- last not least: https://jollycontrarian.com/images/d/de/Shoo_Lee_Expert_Panel.pdf (das Expert Panel selbst)



Netflix-Doku „The Investigation of Lucy Letby“ (deutsch „Der Fall Lucy Letby“)

Eine im Februar 2026 erschienene, ca. 90 minütige Netflix-Dokumentation hat das Interesse an dem Fall neu entfacht. Die Doku zeigt erstmals Aufnahmen von Letbys Verhaftung in ihrem Haus (in einem Morgenmantel) sowie Ausschnitte aus ihren polizeilichen Vernehmungen.

Ein wesentlicher Teil widmet sich aber Experten und Anwälten, die die wissenschaftliche Grundlage der Verurteilung wie etwa statistische Ungereimtheiten hinterfragen. Zudem spricht eine anonymisierte Mutter eines der Opfer erstmals über ihre Erfahrungen während des Prozesses.

Bilder kann man hier sehen:
- https://www.standard.co.uk/news/crime/lucy-letby-unseen-footage-arrest-bed-netflix-documentary-b1267730.html
- https://www.itv.com/news/granada/2026-01-22/new-lucy-letby-documentary-features-unseen-footage-of-child-killer
- https://www.bbc.com/news/articles/c99kk4kr29ko



Amanda Knox

Prominente wie Amanda Knox haben sich öffentlich zu dem Fall geäußert. Im Februar 2026 startete Knox ihre Podcast-Serie „Doubt: The Case of Lucy Letby“. Sie sieht Parallelen zu ihrem Falls und weißt u. a. darauf hin, das Letby von der britischen Presse schon im Vorfeld der Verfahrens als „Monster“ dargestellt wurde, was Einfluss auf das Urteil genommen haben kann.



– Fortsetzung folgt –




--

Bildquelle Textanfang: https://edition.cnn.com/2024/10/24/uk/british-nurse-lucy-letby-loses-bid-to-appeal-single-attempted-murder-conviction


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