Schuldig oder unschuldig – das ist weiterhin die Frage. Im Folgenden ein umstrittener Vorfall aus dem Jahr 2013, der zu weiteren Vorwürfen gegen Lucy Letby führte.
Kurz nachdem Lucy Letby im August 2023 erstmals verurteilt worden war ging Emily Morris, die Mutter eines Kindes, welches bereits 2013 auf Letbys Station verstorben war, an die Öffentlichkeit.
Emily Morris hegte bereits 2013 einen Verdacht gegen Letby. Sie fand deren Verhalten so ungewöhnlich, dass sie sich laut eigenem Bekunden noch vor dem Tod ihres Sohnes Alvin – vergeblich – an das Krankenhaus wandte.
2018 wurde der Todesfall dann im Zuge der Letby-Ermittlungen ("Operation Hummingbird") von der Cheshire Police untersucht, man konnte aber keinerlei verdächtige Sterbeumstände erkennen, da das Kind unter Muskeldystrophie litt.
Nichtsdestotrotz machte Emily Morris den Tod ihres Sohnes 2023 mit an Letby gerichteten Vorwürfen öffentlich und forderte eine neuerliche Untersuchung. Die Cheshire Police kam aber zu keiner anderen Einschätzung des Sachverhalts als 2018.
Der Crown Prosecution Service (CPS), die Anklagebehörde für England und Wales, hat zudem im Januar 2026 beschlossen, keine weiteren Anklagen gegen Lucy Letby zu erheben. Ein im Juli 2025 dem CPS übergebenes Dossier der Operation Hummingbird enthält Beweismittel zu elf mutmaßlichen neuen Straftaten gegen Lucy Letby, darunter zwei Mordvorwürfe und neun Versuche des versuchten Mordes an neun Babys. Welche Kinder betroffen sind ist nicht bekannt. Die Entscheidung des CPS fußt auf der Einschätzung, dass die dem Dossier zugrundeliegenden Beweise nicht ausreichen, um eine realistische Aussicht auf Verurteilung zu gewährleisten. Ich hatte hier schon dazu geschrieben:
Beitrag von Cpt.Germanica (Seite 1)Zurück zu Alvin Morris bzw. dem, was The Standard und die BBC (von mir stellvertretend für die britische Presse ausgewählt) im Jahr 2023 dazu schrieben (jeweils in Auszügen, Übersetzung stets mit DeepL bzw.
https://www.deepl.com/de/translator):
Zunächst The Standard:Lucy Letby: Mutter fordert neue Ermittlungen zum Tod ihres Babys, nachdem sie ein Foto mit dem Mörder gefunden hat
Eine trauernde Mutter hat die Polizei aufgefordert, die Ermittlungen im Fall ihres verstorbenen Babys wieder aufzunehmen – nachdem sie ein „erschreckendes“ Foto von sich und der „aufdringlichen“ Lucy Letby gefunden hatte.
Emily Morris, 35, war mit ihrem neugeborenen Sohn Alvin im Countess of Chester Hospital, während die mörderische Krankenschwester dort arbeitete.
Sie beschrieb Letby als „anhänglich“ und behauptet, man habe sie damals abgewimmelt, als sie dem Krankenhaus gegenüber Bedenken wegen ihres Verhaltens äußerte.
Die Serienmörderin war sogar in der Nacht vor Alvins Tod im Jahr 2013 bei ihm, und Emily behauptet, sie habe dem Krankenhaus ihre Bedenken bezüglich Letby mitgeteilt – doch diese seien ignoriert worden.
Nachdem sie ein „erschreckendes“ Foto von Alvin und Letby bei seiner Taufe entdeckt hatte, hat Frau Morris nun gefordert, die Ermittlungen zu seinem Tod wieder aufzunehmen.
Die Polizei hatte ihr bereits 2018 mitgeteilt, dass keine verdächtigen Umstände vorlägen – doch nach Letbys Verurteilung wegen Mordes im vergangenen Monat erklärte sie, sie wolle, dass der Fall erneut geprüft werde.
Frau Morris aus Deeside, Wales, sagte: „Alvin starb, während sie [Lucy] auf ihn aufpasste.
[...]
„Sie war sehr anhänglich, sie wollte ständig in der Nähe der Babys sein.
„Ich hielt sie für freundlich, aber man merkte, dass etwas mit ihr nicht stimmte...“
[...]
Alvin wurde mit Muskeldystrophie geboren – einer Erkrankung, die durch fortschreitende Schwächung und Schwund der Muskeln gekennzeichnet ist –, machte aber Fortschritte.
Frau Morris sagte, Alvins Tod sei für alle ein Schock gewesen, da er so große Fortschritte gemacht habe.
Die Polizei teilte ihr 2018 mit, dass sie in Alvins Fall keine verdächtigen Umstände festgestellt habe – doch sie akzeptiert das nicht.
[...]
Quelle:
https://www.standard.co.uk/news/uk/lucy-letby-emily-morris-alvin-death-countess-chester-hospital-killer-b1104933.htmlUnd die BBC berichtete:Lucy Letby: Mutter aus Deeside wird von einem Foto mit ihrem Baby vor dessen Tod verfolgt

[Anm. d. Verf.: Links im Bild Lucy Letby, in der Bildmitte Alvin Morris mit seiner Mutter Emily bei der Taufe im Krankenhaus]
[...]
Eine Mutter, deren einmonatiges Baby auf der Station starb, auf der Lucy Letby arbeitete, sagte, sie sei „entsetzt“ über ein Foto der Krankenschwester mit ihrem Sohn.
Emily Morris aus Deeside, Flintshire, berichtete, sie habe sich gerade darauf vorbereitet, das Countess of Chester Hospital zu verlassen, als ihr Sohn Alvin 2013 starb.
Sie sagte, Letbys „seltsames“ Verhalten werde durch ein kürzlich veröffentlichtes Bild belegt.
Sie fordert eine erneute Untersuchung des Todesfalls, und die Polizei teilte mit, dass Ermittlungen im Gange seien.
Die 35-jährige Frau Morris und Alvins Stiefvater Mark Lewis, 39, sahen das Bild erst am Donnerstag zum ersten Mal.
Es war auf einer CD gespeichert, die in einer Erinnerungskiste lag, und sie hatten keinen Laptop, auf den sie die Bilder hätten herunterladen können.
„Es hat uns schockiert. Es ist wirklich schwer, eine Person, die diesen Babys das angetan hat, direkt neben sich zu sehen. Das macht einen krank“, sagte Frau Morris.
„Man sieht, wie sie nach seiner Decke greift. Ich habe allen erzählt, dass sie das getan hat, und jetzt gibt es den Beweis. Das ist der Beweis, dass sie bei ihm war.“

[Anm. d. Verf.: Mutter und Kind im Bildvordergrund]
[...]
Bei Alvin wurde Muskeldystrophie diagnostiziert, und er wurde nach seiner Geburt auf der Neugeborenenstation betreut.
Frau Morris sagte, sie habe sich erstmals Sorgen um Letbys Verhalten gemacht, als sie zur Taufe ihres Sohnes im Krankenhaus war.
„Sie wollte ihn anfassen, die Bettwäsche wechseln und sich ständig über ihn beugen“, sagte sie.
„Und man denkt sich einfach: ‚Das ist seltsam für eine Krankenschwester.‘ Aber alle anderen Krankenschwestern hatten keinerlei Probleme mit ihm.
Bei der Taufe, als meine Familie sich über den Kinderwagen beugte, um ihn zu verwöhnen, behielt sie meine Familie ständig im Auge.“
[...]
Letby schrieb eine Widmung in Alvins Taufbuch, die lautete: „Für Alvin, mit lieben Grüßen an deinem besonderen Tag.“
Frau Morris sagte: „Es war herzzerreißend, ihren Namen in dem Buch zu sehen, denn in den Nachrichten hatten wir immer wieder gelesen, dass die Kinder, die ins Visier genommen wurden, genau diejenigen waren, denen sie geschrieben hatte.
„Deshalb glaube ich insgeheim, dass Alvin vielleicht ins Visier genommen worden war.“

[Anm. d. Verf.: Taufbuch von Alvin Morris mit Eintragung von Lucy Letby]
Frau Morris sagte, die Polizei, die im Fall von Lucy Letby ermittelt, habe ihr 2018 mitgeteilt, dass sie im Fall von Alvin keine verdächtigen Umstände festgestellt habe, forderte sie jedoch auf, die Beweise erneut zu prüfen.
[...]
Detective Superintendent Paul Hughes von der Polizei von Cheshire erklärte, die Behörde sei „entschlossen, eine umfassende und gründliche Untersuchung des gesamten Zeitraums durchzuführen, in dem Lucy Letby als Krankenschwester tätig war“.
„Diese Untersuchung läuft weiterhin im Rahmen eines transparenten und unvoreingenommenen Verfahrens“, sagte er.
„Die Familien aller Babys, die von dieser Untersuchung betroffen sind, wurden informiert und werden unterstützt. Wir werden natürlich ausführlichere Informationen bereitstellen, sobald dies möglich ist.“
Quelle:
https://www.bbc.com/news/uk-wales-66670643Auffällig ist für mich, dass einige Beobachtungen der Mutter Emily Morris ein wiederkehrendes Muster darstellen:
1.) Die als übertrieben empfundene Präsenz und Aufmerksamkeit Letbys dem Kind (also Alvin Morris) gegenüber wollen auch die Eltern der Drillinge Baby O, P und Q im Bezug auf ihre Kinder beobachtet haben (Baby O und Baby P verstarben, Baby Q überlebte).
2.) Das Anstarren, das aktuell sogar Gefängnismitinsassinnen von Lucy Letby extrem verunsichert (siehe
Beitrag von Cpt.Germanica (Seite 9)).
Dieses Starren ist zumindest von den Eltern der Kinder C, E, I, L und M bezeugt worden (siehe unter anderem hier:
Beitrag von Cpt.Germanica (Seite 1)).
Der Vater der Kinder L und M (beide überlebten, ihre Kollapse gelten jedoch als versuchte Morde, Kind L erholte sich vollständig, Kind M dagegen behielt bleibende Hirnschäden) will von Letby sogar während des Gerichtsprozesses so fixiert worden sein, dass er bei nächster Gelegenheit den Sitzplatz wechselte:
During the trial, he said he had to sit in Letby's line of view one day, saying the nurse kept looking over at him. "That made me feel quite uncomfortable and uneasy and I had to move in the afternoon, so I was out of her view."
Quelle:
https://www.bbc.com/news/uk-66570308(DeepL-Übersetzung: Während des Prozesses sagte er, er habe eines Tages in Letbys Blickfeld sitzen müssen, und die Krankenschwester habe ihn ständig angesehen. „Das war mir ziemlich unangenehm und beunruhigend, und am Nachmittag musste ich den Platz wechseln, damit ich nicht mehr in ihrem Blickfeld war.“)
3.) Der Eintrag Letbys im Taufbuch Alvins, eine mögliche Parallele
und
Ich muss sagen, dass mich der Bericht des Vaters der verstorbenen Kinder Baby L und Baby M, er sei von Lucy Letby während der Verhandlung penetrant angestarrt worden, sehr irritiert (ich bin erst vorhin bei meinen Recherchen für diesen Beitrag darauf gestoßen). Er hat am fraglichen Verhandlungstag nicht als Zeuge ausgesagt sondern war lediglich als Zuhörer vor Ort, daher gab es für Letby keinen Grund unaufhörlich seinen Blickkontakt zu suchen und diesen ggf. zu halten.
Auch wenn das Starren eine harmlose Marotte Lucy Letbys sein könnte (wir haben schon über diese Möglichkeit diskutiert), warum sollte eine Unschuldige den traumatisierten Vater zweier betroffener Kinder unaufhörlich anstarren?
Wenn Eltern dagegen im Zeugenstand waren soll sie stets vor sich hingeblickt haben, aber nicht in Richtung der Zeugen.