Krimi_Kalle schrieb:Der Täter scheint auch einen gewissen Zeitdruck gehabt zu haben. Zum Beispiel, weil er zu Hause erwartet wurde oder nur eine kurze Pause in der Klinik hatte.
Glaube ich eher nicht. Ich vermute weniger Zeitdruck, sondern eher Panik wegen des Geschehens der letzten Minuten und/oder das Bedürfnis, sich des Toten schnellstmöglich entledigen zu wollen.
Ultralange Arbeitstage und Überstunden sind für Klinikärzte normal, später nach Hause zu kommen ist normal. Es wäre nur dann problematisch wenn es eine Rückkopplung zwischen Klinik und „Zuhause“ gäbe und auffallen könnte, dass eine unerklärliche Lücke zwischen Feierabend und Ankunft zuhause klafft. Aber auch das könnte man mit Ausreden erklären wenn’s nicht allzu eklatant abweicht.
Krimi_Kalle schrieb:Denn sonst würde man das Opfer doch vmtl iwo anders ablegen.
Ja, das wäre aus zahlreichen Gründen „sinnvoller“ gewesen aus Sicht des Täters. Auch daraus schließe ich auf eine Panikhandlung, weil es in mehrfacher Hinsicht ungünstig war, das Opfer dort abzulegen.
Krimi_Kalle schrieb:Es muss damals den meisten Mitarbeiter:innen klar gewesen sein, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Täter ein Kollege ist.
Ich glaube sogar, dass denen nicht nur klar war, dass es „ein“ Kollege gewesen sein muss, sondern die werden sogar einen konkreten Tatverdächtigen im Sinn gehabt haben. Weil die Kollegen, die im OP standen, scheiden definitiv als Täter aus. Wer zur Tatzeit permanent unter Zeugen in der Notaufnahme oder auf Station war, scheidet aus. Wer nachweislich im Skiurlaub war, scheidet aus.
Dafür ist aber vermutlich bekannt gewesen, mit wem Dr. Benz Konflikte hatte. Und denjenigen, wenn er kein sicheres Alibi hat, wird man verdächtigen.
Obse89 schrieb:Man muss auch schon ungefähr wissen wo man hinschlägt.
Und selbst dann… im Auto, also mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, gegen einen sportlichen jungen Mann… auch hier war es eine große Tragik - für Opfer und Täter - dass dieser Schlag so wirkungsvoll war.
In Verbindung mit dem anschließenden Erwürgen spricht es allerdings auch für eine massive Gewalt- und Zerstörungsbereitschaft des Täters.
Gerade bei der Tötung des Opfers muss er vermutlich über einen längeren Zeitraum keine Tötungshemmung gehabt haben. Und auch in den Minuten und Stunden danach nicht zur Besinnung gekommen sein.
Weil man hätte innerhalb eines gewissen Zeitfensters nach der Tat noch zur Polizei gehen können und hätte eine Tat im Affekt angeben können. Dann wäre man nicht ungeschoren davongekommen, hätte aber vielleicht noch besser die Kurve gekriegt als jetzt…
Ich habe mal nach den Chefärzten der Klinik zum Zeitpunkt der Tat gegoogelt. Sie sind inzwischen im Rentenalter und wenn einer wegen der Tat verurteilt wird, wandert er als alter Mann noch in den Knast anstatt seinen Lebensabend mit guter Pension zu genießen.
Wäre dann aber trotzdem verdient, denn er hat einen jungen Mann und seiner Familie die Zukunft genommen.
Garfield66 schrieb:natürlich,und wer kennt sich in solchen Techniken der schnellen Ruhigstellung aus?
Auch Kampfsportler wissen das…
Lottikarotti schrieb:Es war alles Zufall, und ja, wenn die reguläre Arbeitszeit überschritten ist kann ein Kollege ablösen und der Mitarbeiter kann nach Hause gehen ohne jemanden fragen zu müssen, weil die Arbeit ja erledigt wird.
Die Realität im deutschen Klinikalltag ist eine andere. Personalmangel, massive Überstunden, dringende Behandlungen und Zeitdruck. Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit den Zuständen in Bürojobs oder IG Metall-regulierten Industriebetrieben…
vorsichtfalle schrieb:Wobei der Schlag ja nicht mit dem Vorsatz geschehen sein muss, das Opfer anschließend zu erwürgen. Damit will ich nicht den Täter verteidigen, aber es kann auch eben nur ein Zufallstreffer gewesen sein, statt gezielter Schlag.
Es ist vermutlich ein affektiver Gewaltausbruch gewesen weil die Unterredung eskaliert ist. Allerdings hat der Täter nach dem Schlag nicht innegehalten und den gewaltsamen Übergriff bedauert, den Rettungsdienst gerufen und versucht, die Situation zu retten. Sondern er hat das Opfer erwürgt und somit minutenlang weiter direkte Gewalt mit Tötungsvorsatz ausgeübt.
Das ist schon bemerkenswert, denn man hätte nach dem Schlag auch „zur Besinnung kommen können“ und erkennen können, dass die Sache gerade aus dem Ruder läuft.