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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

455 Beiträge, Schlüsselwörter: Film, Demenz
RoseHunter
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

17.02.2015 um 18:05
@Saarländer

Glaub mir, wir Alten- und KrankenpflegerInnen könnten alle aus dem Nähkästchen plaudern.
Für mich ist die Erfahrung interessant, dass das im Grunde niemand hören will.
Vermutlich will man die Illusion aufrecht erhalten, dass es so schlimm ja dann doch nicht ist.

Wie in einem anderen Thread erwähnt, bei Thema Terror bekommen alle Schnappatmung, wenn man die Zustände mancher unserer Alten und Kranken sieht, meint man irgendwie das sei so zwischen Bagatelle und Naturgesetz. Kann man halt nichts dran ändern.

Jammern tun alle, fordern wir doch endlich, dass es anders wird.
Geht auch um unseren Arsch.


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Saarländer1
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

17.02.2015 um 18:12
Ich machte genau dort 14 Tage das Praktikum,danach ging ich zu meiner Sachbearbeiterin,die dort alles in die Wege geleitet hat,und Brach dort das Praktikum ab.Ich konnte das Praktikum nicht mehr weiter machen,wegen den schlimmen Zuständen der Demenzkranken Bewohner.
Kommen wir nun zu den Handlungen.
Ich meldete mich am ersten Tag an der Pforte---niemand anwesen,erst nach einer halben Stunde kam dann eine Frau und fragte mich gernevt,was ich will.Ich sagte mein Name und das ich hier bin für das Praktikum.Nach mehrmaligen Telefonieren kam dann endlich die Leiterin,und brachte mich zu einer Betreuuerin die ich dann kennenlernte.Dann ging es ab.Ich bekam das ganze Haus gezeigt mit all den Bewohner.Ich stellte mich mit meinen Namen vor.Bis dahin war alles noch in Ordnung.Dannach ging es dann los.Ich musste alle Arbeiten erledigen,die normalerweise meine Demenzbereuerin machen sollte.Ich hörte nur---mach das--mach dies--dann mach das--und das--und dies.In der Zeit verschwand die Demenzbetreuerin und machte sich einen schönen Tag.Sie machte Pause,sie ging einen Rauchen.Ich bekam nur zu hören,jetzt ist ein Praktikant da,der kann dann meine Arbeit machen,weil die Demenzbetreuerin ZU VIEL ARBEIT HAT,und das kann ich ja machen,der noch gar keine Erfahrung hat.Fortsetzung folgt....


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Saarländer1
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

17.02.2015 um 18:20
Eines Tages wurde ich gewarnt vor einer Demenzkranken Frau.Diese Frau ist auf der ganzen Station verhasst,weil sie immer Heim will,und weil sie auf die Toilette muss.Sie Ruft viel und schreit viel.Man sagte zu mir,lass sie links liegen,die gibt sich irgend wann.Jetzt war es so,das die Dame mich entdeckte,und fragte mich,ob ich sie Heim bringen kann,und ob ich sie in das Badezimmer bringen kann.Ich behandelte diese Frau sehr respektvoll,bis die Demenzbetreuerin mich ermahnte,warum ich mich um die Dame kümmere,ich habe doch gesagt bekommen,das ich sie stehen lassen soll.Ich sagte,das kann man doch nicht machen,und dann wurde ich richtig Dumm angenmacht,ich soll doch hier hören,ansonsten BEKOMME ICH SCHLECHTE BeWERTUNGEN.Das kann doch nicht sein.
Fortsetzung folgt........


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RoseHunter
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

17.02.2015 um 18:20
@Saarländer

Pass bitte im eigenen Interesse auf, dass du dich nicht um Kopf und Kragen redest.
Glaub mir, jeder Insider kennt die Zustände, kaum einer "da draußen" will das hören.
Es ist ja nicht so, dass das erst seit gestern und nur bei euch so ist.

Du hast da letztlich die Wahl zu sagen, dass du das alles nicht unterstützen willst und gehen.
Oder du kannst dir bewusst machen, dass du die Welt nicht ändern wirst - aus zig Gründen - aber sie innerhalb deines Wirkungskreises wirklich ein wenig ändern kannst.

Ich finde unsere Medizinsystem ziemlich über und könnte Stunden darüber schimpfen, dennoch mache ich da auch mit. Und man kann das kleinste Licht im Laden sein, Einfluss hat man dennoch immer.

Lasst euch nicht erzählen, dass ihr machtlos seid.
Das erzählen nur die, die von gefühlter Ohnmacht profitieren.


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18.02.2015 um 03:20
@vielefragen
Meine Güte - diese Zustände klingen schrecklich ! Kann es kaum glauben und weiß ehrlich gesagt gar nicht was ich dazu sagen soll! Bin grad echt fassungslos !

Diese Vorstellung war lange Zeit , mal abgesehen von meiner Angst der Situation gegenüber, mit ein Grund weshalb ich lange nicht im Pflegeheim war.
Als ich Weihnachten - unangemeldet da war, wurden meine Ängste zum Glück nicht bestätigt. Meine Mutter sah zumindest sehr gepflegt aus . Einen schönen Teint, reine Haut , gemachte Nägel etc. was natürlich nur auf gute Pflege der angestellten Pflegekräfte zurückzuführen ist. Das hat mich mehr als glücklich gemacht und ich bin froh , dass ich nicht auch noch Deine Sorge bezüglich Pflege teilen muss.

Das gibts doch alles gar nicht. Heimlich filmen und dokumentieren, dann ab ans TV. ... Wäre wohl mein erster Gedanke . Vielleicht ist es naiv , aber ich würde das so versuchen .


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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 08:10
Als Insider kann ich zu manchen Ausführungen hier nur sagen: Es gibt Vorschriften die einzuhalten sind. Es mag sein das diese in den Bundesländern unterschiedlich sind (ein Beispiel dafür ist u.a. der Personalschlüssel).

Niemand in den Heimen darf "zwangsgewaschen" oder z.B. gegen seinen Willen rasiert werden. Fussnägel werden nicht vom Pflegepersonal geschnitten (Verletzungsgefahr), sondern von einer beauftragten Fusspflege. Lässt sich der Bewohner/Patient von der Pflege nicht versorgen, (z.B. auch Kleidungswechsel) so entspricht das seinem Willen und ist in den Akten entsprechend zu dokumentieren. Für die Schmutzwäsche werden in den meisten Heimen Wäschesäcke genutzt. Angehörige die sich selbst um die Wäsche kümmern, stellen entsprechende Behälter auf. Das Heim ist das Zuhause des Bewohners, entsprechend wird dafür gezahlt. Eine Erlaubnis, einen Wäschebehälter aufzustellen muss nicht eingeholt werden.

Zu dem hier im Forum geschilderten Fall stellt sich mir die Frage, warum der gesetzliche Betreuer (mit Sicherheit vorhanden) sich nicht um eine andere Unterbringung kümmert, wenn in diesem Heim "solche Zustände" herrschen.

Gerade bei Menschen mit Demenz kann die Versorgung täglich eine neue Herausforderung sein, da auch die Tagesform des Bewohners ausschlaggebend ist.
Es gibt sicher schwarze Schaafe aber nicht alle Heime sind schlecht. Missstände müssen angesprochen werden (Wohnbereichsleitungen, Pflegedienstleitungen, Hausleiter, Heimbeirat und übergeordnete Kontrollinstanzen).

@RoseHunter
T
Glaub mir, wir Alten- und KrankenpflegerInnen könnten alle aus dem Nähkästchen plaudern.
Für mich ist die Erfahrung interessant, dass das im Grunde niemand hören will.
Vermutlich will man die Illusion aufrecht erhalten, dass es so schlimm ja dann doch nicht ist.

Wie in einem anderen Thread erwähnt, bei Thema Terror bekommen alle Schnappatmung, wenn man die Zustände mancher unserer Alten und Kranken sieht, meint man irgendwie das sei so zwischen Bagatelle und Naturgesetz. Kann man halt nichts dran ändern.

Jammern tun alle, fordern wir doch endlich, dass es anders wird.
Meine volle Zustimmung. Allerdings werden Forderungen ganz dezent in den Wind geschlagen und die Politik reagiert nur mit Scheinverbesserungen.


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18.02.2015 um 08:27
RoseHunter schrieb:bei Thema Terror bekommen alle Schnappatmung, wenn man die Zustände mancher unserer Alten und Kranken sieht, meint man irgendwie das sei so zwischen Bagatelle und Naturgesetz. Kann man halt nichts dran ändern.
Interessante Anmerkung. Liegt wohl an der Irrationalität des Menschen. Es scheint auch eine größere Angst vor Flugzeugabstürzen zu geben, obwohl die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, in einem 08/15-Auto- oder Fußgängerunfall umzukommen.

Auch ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, selbst in so einem Heim als Pflegebedürftiger zu landen, statt bei einem Terrorakt umzukommen. Das sollten sich die Deutschen und andere Länder mit ähnlichen Pflegenotständen mal bewusst machen. Wenn Nächstenliebe schon kein Argument ist.


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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 08:38
RoseHunter schrieb:Lasst euch nicht erzählen, dass ihr machtlos seid.
Das erzählen nur die, die von gefühlter Ohnmacht profitieren.
Was kann ich denn dagegen tun?

Ich habe jahrelang meine Großmutter in einem Alten- und Pflegeheim besucht. Ich würde sagen, dass ich natürlich nicht alles mitbekommen habe. Aber ich habe für mich die drückende Stimmung erlebt. Mir taten alle leid. Eigentlich hätte ich immer heulend nach Hause fahren können.

Die Pflegekräfte waren zu wenig und mussten zuviel Arbeit leisten. Die kranken Menschen mussten irgendwie den Tag überstehen. Einige Patienten waren vom Verhalten sehr speziell, so dass ich selber schon dachte, da würde mir die Geduld fehlen.

Wenn ich an den Zuständen etwas ändern könnte, würde ich gerne helfen.


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RoseHunter
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 08:56
@Anevay
Anevay schrieb:Niemand in den Heimen darf "zwangsgewaschen" oder z.B. gegen seinen Willen rasiert werden.
Das kann man aber so und so angehen.
Ich habe erlebt, dass Patienten mit Demenz - auf einer Station im Altenheim, die auf Demenz spezialisiert ist - nicht zum Essen und Trinken animiert wurden, sondern man nur sagte: "Och, heute keinen Hunger?" und schwupp war das Tablett weg.

Klar, man darf auch niemanden zum Essen und Trinken zwingen, aber man weiß auch, wie man jemanden fragen muss, damit er das nicht will.
Anevay schrieb:Lässt sich der Bewohner/Patient von der Pflege nicht versorgen, (z.B. auch Kleidungswechsel) so entspricht das seinem Willen und ist in den Akten entsprechend zu dokumentieren.
Ja, und das gibt es auch, Leute die halbwegs klar sind und wirklich nicht wollen.
Aber wenn man sich Mühe gibt, kann man das bei den meisten schon hinkriegen, dass das personaltechnisch mit der Mühe gar nicht geht, ist mir klar.
Aber das heißt nicht, dass das ewig so bleiben muss, man kann flexible Kräfte einsetzen.
Anevay schrieb:Es gibt sicher schwarze Schaafe aber nicht alle Heime sind schlecht.
Und oft sind es nur einzelne Stationen in einem Haus.
Das Problem ist, dass man mehr auf die Umsatzzahlen, als auf das Wohl der Patiienten guckt.
Im Moment wird allen kaputtgespart, der erste Fehler dabei ist bereits, dass man den Leuten erzählt es sei kein Geld da. Falsch, es versickert nur in dubiosen Kanälen. Es kann nicht sein, dass amerikanische Hedgsfonds deutsche Pflegeheime als attraktive Kapitalanlage sehen oder die Geschäftführung oder ein externes Gremium einer Station vorschreibt, wie viele Patienten, sie im Jahr zu haben hat. Das geht immer auf Kosten der Qualität.

Um es kurz zu machen: Der Gendanke von Effizienz und Wirtschaftlichkeit hat in der Alten- und Krankenpflege nichts zu suchen, jedenfalls nicht an oberster Stelle.
Anevay schrieb:Meine volle Zustimmung. Allerdings werden Forderungen ganz dezent in den Wind geschlagen und die Politik reagiert nur mit Scheinverbesserungen.
Natürlich, das ist ja bekannt. Aber das Metathema dahinter ist eine Unterwerfung des Politik unter das Primat der Ökonomie und das ist nicht nur im Medizin- und Pflegesystem.
Ich bin weder übermäßig politisiert, noch übermäßig links, aber gerade in Bereichen wo es um Fürsorge, Zuwendung, Menschlichkeit geht, darf das so nicht laufen.
Der Trend geht aber genau in die Richtung und da hat man 1000 Ebenen auf denen man hinschauen muss und ansetzen kann, von unser aller Einstellung - wir müssen den Quatsch nicht mitmachen, aber dafür muss man reflektieren und erfassen, was hier gerade mit uns und unseren Liebsten passiert - über solche grotesken Verzerrungen, dass Wirtschaftslobbyisten den Politikern die Gesetze vorformulieren.
Ich will es gar nicht immer auf die anderen projizieren, denn jeder kann und sollte was tun. Wenn dann als größtes Problem der heutigen Pflege die angebliche Unterwanderung durch Esoterik gesehen wird, klappt mir wirklich der Kiefer runter und ich frage mich, ob Leute die das ernsthaft glauben noch die Realitätsprfüfung der Psychiatrie bestehen.
An Lavendelöl und Bachblüten (letzteres habe ich nie im Krankenhaus gesehen) geht unsere Pflege gewiss nicht zugrunde.


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RoseHunter
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18.02.2015 um 09:10
@Feelee
Feelee schrieb:Was kann ich denn dagegen tun?
Unter anderem das, was du schon machst, mach es öffentlich.
Den PflegerInnen kannst du keinen Vorwurf machen, die leiden selbst unter dem Mist, außer wenn es da explizite ZynikerInnen gibt, dann würde ich mich gezielt beschweren.

Der Skandal beginnt bereits da, wo man davon ausgeht, dass Altenheime einfach nur Verwahranstalten sind und bereits glücklich ist, wenn jemand einmal am Tag die vollgepissten Windeln gewechselt und keinen Dekubitus (Liegestellen) bekommt.

Mit Wohlfühlen, mit freudigem Lebensabend, mit Würde und Nächstenliebe, siehe @hallo-ho, hat das nichts zu tun. Das erwartet aber auch niemand mehr und die "Kinder" wollen es wohl nicht sehen, weil ihr schlechtes Gewissen noch schlechter würde, wenn man konstatieren müsste, dass es Mutti eigentlich ziemlich beschissen geht und die armen Alten hat man inszwischen so weit, dass es ihr größter Wunsch ist, nur niemandem zur Last zu fallen.

Manchen tragen das mit Würde und es entspricht ihrer Biographie, aber manche sind einfach depressiv.
Zudem ist ungefähr jeder in den meisten Altenheimen heillos unterfordert. Da müssen bessere Angebote her, aber mit der Einstellung, dass Menschen hier nicht leben, sondern nur ihre letzten Jahr absitzen, bekommt das eine innere Logik.

Das ist oft gar nicht bös gemeint, man kommt nur nicht auf die Idee, dass es auch anders gehen könnte. Es kann aber anders gehen.


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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 09:14
@RoseHunter
Bestager schrieb:
Niemand in den Heimen darf "zwangsgewaschen" oder z.B. gegen seinen Willen rasiert werden.

Das kann man aber so und so angehen.
Natürlich kann man das so oder so angehen (habe täglich damit zu tun).Trotzdem gibt es Menschen die es eben nicht zulassen und damit eine Versorgung nicht zulassen.
RoseHunter schrieb:Ich habe erlebt, dass Patienten mit Demenz - auf einer Station im Altenheim, die auf Demenz spezialisiert ist - nicht zum Essen und Trinken animiert wurden, sondern man nur sagte: "Och, heute keinen Hunger?" und schwupp war das Tablett weg.
Ja, das gibt es durchaus und ohne konsequenzen. Realistisch gesehen ist es aber auch so, das Menschen in die Pflegeberufe gezwungen werden, obwohl sie in diesem Beruf nicht arbeiten möchten. Leider gehört auch das zum heutigen System. Wem will man da einen Vorwurf machen? Unausgebildeten und ungeschulten Pflegehelfern?
RoseHunter schrieb:Ja, und das gibt es auch, Leute die halbwegs klar sind und wirklich nicht wollen.
Aber wenn man sich Mühe gibt, kann man das bei den meisten schon hinkriegen, dass das personaltechnisch mit der Mühe gar nicht geht, ist mir klar.
Aber das heißt nicht, dass das ewig so bleiben muss, man kann flexible Kräfte einsetzen.
Man "könnte"! Aber man will nicht, wäre ein zusätzlicher Kostenfaktor und geht vom Profit ab.
Bestager schrieb:
Es gibt sicher schwarze Schaafe aber nicht alle Heime sind schlecht.

Und oft sind es nur einzelne Stationen in einem Haus.
Das Problem ist, dass man mehr auf die Umsatzzahlen, als auf das Wohl der Patiienten guckt.
Im Moment wird allen kaputtgespart, der erste Fehler dabei ist bereits, dass man den Leuten erzählt es sei kein Geld da. Falsch, es versickert nur in dubiosen Kanälen. Es kann nicht sein, dass amerikanische Hedgsfonds deutsche Pflegeheime als attraktive Kapitalanlage sehen oder die Geschäftführung oder ein externes Gremium einer Station vorschreibt, wie viele Patienten, sie im Jahr zu haben hat. Das geht immer auf Kosten der Qualität.
Volle Zustimmung.
RoseHunter schrieb:Ich will es gar nicht immer auf die anderen projizieren, denn jeder kann und sollte was tun.
Sehe ich anders! Jeder gibt täglich in seiner Arbeit das Beste (Ausnahmen gibt es immer). Man "zählt" auf die Moral der Pflegenden. Vielen Heimbetreibern ist überhaupt nicht klar, das sie ohne Personal verloren sind. Trotzdem gibt es in Pflegeberufen Ausbeutung.

Gerade wir Insider würden doch auf die Barrikaden gehen wenn wir nur die geringste Chance hätten etwas zu verbesseren! Wir können uns für die uns anvertrauten Menschen einsetzen, aber ändern können wir überhaupt nichts. Das wird alles an anderen Stellen geregelt!

So und nun werde ich auch heute wieder mein Bestes geben.


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vielefragen
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 09:56
szenen, die einem zu denken geben.

am balkon des altenheimes sonnen sich zwei schwestern mit gelüfteter kleidung den ganzen nachmittag. eine telefoniert teils privat, hin und wieder gibt sie anweisungen an eine bedienstete.
eine einzige kraft aus einer slowakischen zeitarbeitsfirma muss unterdessen an die zwanzig deutsch sprechenden patienten alleine ruhig halten.

ein patient übergibt sich und zieht eine dünne , stinkende durchfallspur durch die ganze abteilung.
die putzfrau quietscht, ihr ekele vor dem. sie flüchtet sich in den sozialraum, wo man den ganzen tag kaffee trinkt, würfelpoker spielt, formulare ausfüllt, und sich dann wegen der vielen arbeit leid tut. drei mal kommt eine pflegeperson raus, um die medikamente auszuteilen. zwei mal wird das essen serviert und kurz danach wieder abgetragen.

erst tage später kommt ein dipolmierter in den dienst, er wischt kichernd den inzwischen angetrockneten kot auf, braucht natürlich einen halben tag dazu, weil sich alles in alle räume vertrug.

die leiter der abteilung, die chefs des hauses, sind duzfreunde des übergeordneten politikers, wenn sie sich sehen, schenkt man sich bussibussi.

der schmeichelnde politiker ist und stellt aber eigentlich die oberste kontrollinstanz.


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RoseHunter
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 10:25
@Anevay
Anevay schrieb:Natürlich kann man das so oder so angehen (habe täglich damit zu tun).Trotzdem gibt es Menschen die es eben nicht zulassen und damit eine Versorgung nicht zulassen.
Ja, auch das gibt es, keine Frage.
Anevay schrieb:Ja, das gibt es durchaus und ohne konsequenzen. Realistisch gesehen ist es aber auch so, das Menschen in die Pflegeberufe gezwungen werden, obwohl sie in diesem Beruf nicht arbeiten möchten.
Wie das?
Ich bin ja schon völlig Quereinsteigerin und dahin gekommen, wie die Jungfrau zum Kind, aber ich könnte heute aufhören.
Anevay schrieb:Leider gehört auch das zum heutigen System. Wem will man da einen Vorwurf machen? Unausgebildeten und ungeschulten Pflegehelfern?
Du meinst die JahrespraktikantInnen?
Ist ne Frage, wie die herangeführt werden, viele sind sehr motiviert.
Wenn es dann gar nicht läuft, sollte man sich trennen.
Anevay schrieb:Man "könnte"! Aber man will nicht, wäre ein zusätzlicher Kostenfaktor und geht vom Profit ab.
Ist mir klar, ich bin da nicht naiv, aber genau hier setzt meine Kritik an.
Und oft sind es nur einzelne Stationen in einem Haus.
Das Problem ist, dass man mehr auf die Umsatzzahlen, als auf das Wohl der Patiienten guckt.
Im Moment wird allen kaputtgespart, der erste Fehler dabei ist bereits, dass man den Leuten erzählt es sei kein Geld da. Falsch, es versickert nur in dubiosen Kanälen. Es kann nicht sein, dass amerikanische Hedgsfonds deutsche Pflegeheime als attraktive Kapitalanlage sehen oder die Geschäftführung oder ein externes Gremium einer Station vorschreibt, wie viele Patienten, sie im Jahr zu haben hat. Das geht immer auf Kosten der Qualität.


Volle Zustimmung.
Mir ist schon klar, dass da alle mit der Faust in der Tasche dasitzen, aber da das niemandem Spaß macht und da dabei Menschen auf der Strecke bleiben und sagen wir es deutlich - zu früh und zu elend sterben! - kann man das nicht einfach unter Bagatelle laufen lassen, als wenn der Morgenkaffee mal nicht das perfekte Aroma hat.
RoseHunter schrieb:
Ich will es gar nicht immer auf die anderen projizieren, denn jeder kann und sollte was tun.


Sehe ich anders! Jeder gibt täglich in seiner Arbeit das Beste (Ausnahmen gibt es immer).
Ja, auf jeden Fall, bis zur eigenen Erkrankung.
Anevay schrieb: Man "zählt" auf die Moral der Pflegenden. Vielen Heimbetreibern ist überhaupt nicht klar, das sie ohne Personal verloren sind. Trotzdem gibt es in Pflegeberufen Ausbeutung.
Denen ist das klar und die pfeifen ja auch aus dem letzten Loch. Ich bin auf Stationen eingesetzt, die mitunter einen Krankenstand von 50% haben. Letztens haben wir eine Frühschicht mit einer examinierter Schwester aus der Pflegedienstleitung gemacht, ich als Springerin und die einzige, die die Patienten kannte, war eine Schülerin aus dem ersten Jahr.

Ein Problem ist, dass es irgendwie immer noch geht, aber als Patient hat man natürlich keine Chance ärztliche oder Pflegefehler nachzuweisen.
Anevay schrieb:Gerade wir Insider würden doch auf die Barrikaden gehen wenn wir nur die geringste Chance hätten etwas zu verbesseren!
Nö, das gibt es ja eben die Vorstelluzng, dass man die Kollegen nicht im Stich lassen kann und mit 39° Fieber zur Arbeit kommt und irgendwie ist immer alles im Einzelfall verständlich.
Aber da das so ist, muss das System von der Spitze an geändert werden.
Ggf. mehr privat organisierte Pflege, mehr Mehrgenerationenhäuser, bessere Offenlegung der Finanzen.

Lass uns mal einen Fokus auf die Finanzlage werfen, soweit ich gehört habe fließt nur ein sehr geringer Teil der Einnahmen der Krankenkassen an die Patienten zurück. Hier herrscht aber eine bürokratische Intranssparenz.
Zudem ist es so, dass man heute Geld durch medizinisch nicht indizierte Operationen verdient, ich nenne stichwortartig nur die Bereiche Orthopädie und Kardiologie.
Das medizinische System ist insgesamt ziemlich krank, ich weiß nicht ob man da durch Detaiveräbderungen viel erreichen kann, wenn man sich die demographische Entwicklung ansieht, wird klar, dass das nichht gut gehen kann.
Immer mehr, immer ältere Menschen, stehen einem Pflegenotstand gegenüber, den es heute schon gibt, Renten werden heute schon subventioniert, das ist in 10 Jahren nicht besser.
Man kann verzweifeln, weil es an so vielen Ecken knirscht, aber das heißt auch, dass es viele Stellschrauben gibt.

Die Öffenltichkeit kann Druck machen, das sollte man nicht unterschätzen und da sollte man auch nicht locker lassen. Kranke Systeme reparieren sich in der Regel nicht selbst, umso mehr, wenn es Profiteure gibt, die kein Interesse daran haben, weil es ihnen egal ist und sie an den Missständen verdienen.
Anevay schrieb: Das wird alles an anderen Stellen geregelt!

So und nun werde ich auch heute wieder mein Bestes geben.
Klar, "wir" tun, was wir können, mein Vorwurf geht auch seltenst in Richtung derer, die im System sind.

M.E. sind das aber Fragen, die die ganze Gesellschaft betreffen und so wie ganze Bereiche in Richtungen gerissen werden, die man kritisieren kann, so können auch aus dieser Ecke Impulse kommen, um die Lage zu verbessern.


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18.02.2015 um 10:34
RoseHunter schrieb:Du meinst die JahrespraktikantInnen?
Ist ne Frage, wie die herangeführt werden, viele sind sehr motiviert.
Wenn es dann gar nicht läuft, sollte man sich trennen.
Ich denke er meint Pflegehelfer. Da arbeiten tatsächlich einige ohne Ausbildung. Die einjährige Ausbildung bringt auch nicht viel.


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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 10:44
eine andere abteilung.

ein noch junger, aber zum pflegefall gewordener patient verbringt sein restleben mitten unter den alten, neben dem sozialraum.
das haus ist alt, die räume mehrere meter hoch, eigentlich wären sie ideal für konzerte, jedes geräusch verstärkt sich wie durch einen lautsprecher.

wann immer man auf besucht kommt, hört man von drüben ein rühren von würfeln im holzbecher, dann wie sie anschließend auf einen resopaltisch geworfen werden, schreien über das ergebnis, wieder würfel im becher, würfel am tisch, schreien...jahrelang.
nur kurz unterbrochen zur primarvisite. nicht mal, wenn die zwi bedienstete gestresst von der würfelpokerpause essen austeilen, nicht mal zur normalvisite ruht das geräusch.

genau zwei schwestern machen als einzige pflichtbewusst pflegerische tätigkeiten, aber sie kommen nur alle paar tage. jedes mal können sie nur bei etwa zehn patienten die gröbsten missstände aufarbeiten.

hin und wieder geht die tür auf, die sehr schwere, mittelalte stationsschwester läuft in hautengen leggings und weit ausgeschnittenen shirts raus, hinter ihr her ein krankenpflegeschüler mit einer wassergefüllten spritze. erwischt er sie, macht er ihren busen nass. sie quietscht, schreit glücklich. bei ihrer jagd schieben sie alles aus dem weg was ihren lauf stört, die waschschüssel, den krankenfahrstuhl, den rollwagen für die pflegedokumentation.

zum sonntagsdienst, dem tag mit den zulagen, werden die beiden anständigen bediensteten natürlich selten eingeteilt, sie stören das spielglück. man brauche sie an den blutabnahmetagen, rechtfertigt man sich. auf deutsch, zum abwickeln der arbeit. natürlich ohne zulagen.

die zwei außenseiter aus der mannschaft versuchen dennoch, etwas wie pflege zu garantieren.
nach wenigen jahren ist die eine ausgebrannt, sie ersucht um versetzung. die andere arbeitet immer noch fleissig wie ein roboter, aber von hass und zynismus geprägt, sie kneift auf einmal die patienten unvermittelt, wenn sie jemanden an der hand führt, macht es ihr spaß, die person aus dem tritt zu bringen, dass sie beinahe fällt.


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18.02.2015 um 10:50
@vielefragen

Danke, auch für diese Darstellungen.


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18.02.2015 um 11:25
ich kann nicht bestätigen, dass ausgebildete kräfte menschlicher wären.
wohl ist personal ganz ohne schulischen hintergrund von der ausaufernden bürokratie überfordert, aber in der pflege hilft nur der anstand, und, wie ich finde, dass man zuvor in einem anderen beruf das arbeiten erlernen durfte, das schlichte roboten.

ich würde als erstes die sozialräume abschaffen, kaffeemaschine raus, sitzgruppe raus, dafür ordentliche arbeitsplätze für das personal, wenn sie dokumentieren oder sonst schreibarbeit leisten müssen. ausstempeln, einstempeln, wenn man zum kaffee- pausenraum geht.
dafür verpflichtende ruhezeiten, die man sich zwar einteilen kann, aber so endlich zugestanden werden müssen.

schwere strafen bei fälschungen in der dokumentation, in der regel nicht für die ausfüllenden, sondern für die übergeordneten.
verpflichtung für die chefs, anhand des am jeweiligen tag tatsächlich arbeitenden personals eine prozentrechnung zu machen, wieviel der eigentlich berechneten pflegeleistung dann überhaupt erbracht werden kann, zum beispiel, abteilung läuft auf dreißig prozent. diese tatsache muss sich in der pflegedokumentaion niederschlagen. und der chef muss durch aushang entscheiden, welche leistungen an dem tag nicht erbracht werden können, soll man nun nicht waschen oder nicht wickeln, eine mahlzeit nicht servieren oder die leute mit der tageskleidung ins bett legen?

ausdünnung des gut verdienenden wasserkopfes an funktionären und vorständen, aufteilung des eingesparten salärs auf die arbeitenden.

die einsparung eines einzigen funktionärspostens, und davon gibt es viele, würde 340 bediensteten einen um €500 höheren monatslohn bescheren.
hohe prämien für erfindungen zur entlastung des pflegepersonals, z.b. verbesserte hebeeinrichtungen, usw.

einführung eines ampelsystems. fehlen in der realität mehrere bedienstete, ist deshalb nur mehr minimalste grundpflege möglich, muss am gebäude eine tafel mit alarmfarbe ausgehängt werden, als zeichen, dass ein ausnahmezustand herrscht.

überprüfungen dürfen dafür nicht mehr angekündigt werden.

usw.


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18.02.2015 um 11:40
@vielefragen
Vollkommen an der Realität vorbei.


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vielefragen
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Demenz-Hölle - wäre es doch "nur" Honig im Kopf

18.02.2015 um 11:43
weitere vorschläge:
erwerb von sozialkonten. wer bestimmte arbeiten für einen zeitraum ehrenamtlich übernimmt, bekommt vergünstigungen oder freikarten für freizeiteinrichtungen der gemeinde, bzw. VIP karten.

wenn jemand aus der umgebung eines pflegeheimes im heim verlässlich ehrenamtlich tätig wird, zusätzliche sozialboni.
z.b. gesunde seniorin von nebenan übernimmt das abräumen des geschirrs, bekommt dafür gratis mahlzeit und gratis keffeejause im haus.

ermöglichung neuer arbeitszeitmodelle, zum beispiel, eine frau arbeitete fünf jahre nur im spätnachmittags- oder nachtdienst. dadurch weniger gesundheitliche schäden durch den gestörten schlafrhythmus. wer spät aus dem dienst geht, erhält taxi-vergünstigungen.


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18.02.2015 um 19:32
@5ting
@RoseHunter
Ja, ich meinte Pflegehelfer, bei uns gibt es z.B. keine Jahrespraktikanten.

@RoseHunter
RoseHunter schrieb:Die Öffenltichkeit kann Druck machen, das sollte man nicht unterschätzen und da sollte man auch nicht locker lassen. Kranke Systeme reparieren sich in der Regel nicht selbst, umso mehr, wenn es Profiteure gibt, die kein Interesse daran haben, weil es ihnen egal ist und sie an den Missständen verdienen.
Die Öffentlichkeit macht aber keinen Druck. Von einer Gesellschaft, die den Rentnern die Rente nicht gönnt, die von ungerechten Generationsverträgen spricht, kann man ganz sicher nicht erwarten, das sie sich für die Senioren einsetzt. Davon betroffen sind nicht nur Bewohner von Heimen, sondern auch Rentner die von ihren niedrigen Renten nicht leben können, Medikamente nicht leisten können und Flaschen sammeln müssen.


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