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Charakterlose Geburt - Was denkt ihr?

61 Beiträge, Schlüsselwörter: Charakter, Geburt, Genetik, Entfaltung

Charakterlose Geburt - Was denkt ihr?

13.03.2018 um 13:56
Eiskalt schrieb:Ein bekanntes Beispiel sind die isolierten Säuglinge im Experiment. Ohne Einwirkung starben sie.
Welches Experiment meinst Du genau? Zeit? Ort? Quelle?


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13.03.2018 um 15:46
RedBird schrieb:Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind etwa 50% angeboten. Je älter, desto höher wird die Tragkraft der Genetik.
Man könnte sagen, wir bewegen uns in einem genetischen Rahmen, den wir nicht durchbrechen können. Wo in deisem Rahmen wir uns aufhalten hängt von dem ab, was wir lernen.

Das ändert aber nichts an der Antwort auf deine Frage. Der freie Wille ist eine Illusion, es gibt ihn nicht. Wir sind eigentlich reaktive Wesen, deshalb die hohe Anpassungsfähigkeit.
Es sind emotionale Schemata, die überhaut erst eine Persönlichkeit formen und dann zu einem selektiven Wahrnehmungs-und Reaktionschema führen.
Erstaunlich nicht? Wo bleibt die Harmonie, wo ist die Gier begründet (..) alles wurde von Beginn an vermittelt. Es zeigt auf, dass der Mensch nicht bedacht ist mit freien Willen einen Weg des Gleichgewichts zu gehen. Denn wie hier aufgefasst von wenigen, wird niemals die Rationalität siegen, da Individualität stets die Begründung inne wohnt nie den eigenen Mensch in sich zu finden und selektiv nur unterbewusst sein Denken entsteht.


@Doors
Es gab zu meinem Erschrecken nicht nur ein Experiment wie ich es noch in Erinnerung hatte.
Hier ein Beispiel, zwar mit Kontakt zu Hebammen aber..

Quelle:
Wikipedia: Streicheln#Neurophysiologische_Wirkung

Zitat:
Geschichtliches
Auf der Suche nach der Ursprache vollzog im 13. Jahrhundert Kaiser Friedrich II. einen grausamen Menschenversuch. Auf seine Anordnung hin wurden Kleinkinder von ihren Ammen nur gesäubert und gefüttert, erfuhren aber keine Ansprache und körperliche Zuwendung wie Streicheln und Liebkosungen. Aufgrund der mangelnden menschlichen Zuwendung seien die Kinder frühzeitig gestorben. Dies ist durch den Franziskaner Salimbene von Parma in einer seiner sieben Chroniken dokumentiert.[6]


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13.03.2018 um 15:56
Eiskalt schrieb:Es gab zu meinem Erschrecken nicht nur ein Experiment wie ich es noch in Erinnerung hatte.
Hier ein Beispiel, zwar mit Kontakt zu Hebammen aber..
Wobei ein Experiment aus dem 13. Jh. unter völlig unklaren Rahmenbedingungen keinerlei Aussagekraft hat. Außer, dass es menschenverachtend ist.

Die unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen durchgeführten Experimente mit Ratten sind sicher besser geeignet, da irgend welche Schlüsse zu ziehen. Aber auch hier bleibt die Frage, wie signifikant die Ergebnisse wirklich sind.
Insofern ist jede Aussage, wie viel angeboren und wie viel erlernt ist, mit Vorsicht zu genießen.

Es spricht viel dafür, dass Teile vererbt und Teile erlernt werden. Das Verhältnis ist aber eher vage. und möglicherweise kann Erlerntes geerbtes völlig übersteuern. Möglicherweise auch nicht.


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13.03.2018 um 15:56
Eiskalt schrieb:Erstaunlich nicht? Wo bleibt die Harmonie, wo ist die Gier begründet (..) alles wurde von Beginn an vermittelt. Es zeigt auf, dass der Mensch nicht bedacht ist mit freien Willen einen Weg des Gleichgewichts zu gehen. Denn wie hier aufgefasst von wenigen, wird niemals die Rationalität siegen, da Individualität stets die Begründung inne wohnt nie den eigenen Mensch in sich zu finden und selektiv nur unterbewusst sein Denken entsteht.
Nein, nicht wirklich erstaunlich. Die Tatsache, dass uns das erstaunt ist ersatunlich. Individualität ist übrigens auch ein Mythos, denn es gibt nichts, das für sich alleine besteht. Alleine bist du weder groß nocht klein. Du bist immer nur groß in Relation zu anderen. Das gilt für alle deine Eigenschaften.


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13.03.2018 um 16:25
kleinundgrün schrieb:Wobei ein Experiment aus dem 13. Jh. unter völlig unklaren Rahmenbedingungen keinerlei Aussagekraft hat. Außer, dass es menschenverachtend ist.

Die unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen durchgeführten Experimente mit Ratten sind sicher besser geeignet, da irgend welche Schlüsse zu ziehen. Aber auch hier bleibt die Frage, wie signifikant die Ergebnisse wirklich sind.
Insofern ist jede Aussage, wie viel angeboren und wie viel erlernt ist, mit Vorsicht zu genießen.

Es spricht viel dafür, dass Teile vererbt und Teile erlernt werden. Das Verhältnis ist aber eher vage. und möglicherweise kann Erlerntes geerbtes völlig übersteuern. Möglicherweise auch nicht.
Wie viele Rahmenbedingungen sind denn nach deiner Meinung nötig um dieses nicht High-tech gestützte Experiment durchzuführen, du meinst wohl auf seiten der Beobachtung mit medizinischen Geräten?

Es sieht demnach aus, als seien die Gene unter Isolation nicht ausschlaggebend für Leben.
Die Interaktion - zwischenmenschliche Beziehung scheint der Faktor und die Gene ein Auslöser aber nicht der Garant zur Entwicklung.
RedBird schrieb:Nein, nicht wirklich erstaunlich. Die Tatsache, dass uns das erstaunt ist ersatunlich. Individualität ist übrigens auch ein Mythos, denn es gibt nichts, das für sich alleine besteht. Alleine bist du weder groß nocht klein. Du bist immer nur groß in Relation zu anderen. Das gilt für alle deine Eigenschaften.
Doch ist es. Den es zeigt das ich nicht Herr meiner Handlung und Denkens bin.
Nur adaptiert durch Beobachtung und Verknüpfung der Einflüsse anderer.


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13.03.2018 um 16:38
Eiskalt schrieb:Wie viele Rahmenbedingungen sind denn nach deiner Meinung nötig um dieses nicht High-tech gestützte Experiment durchzuführen
Anders gefragt: Wie verlässlich ist eine Beschreibung eines Experimentes, das vor 800 Jahren statt fand? Was ist Wahrheit, was ist Dichtung?
Eiskalt schrieb:Es sieht demnach aus, als seien die Gene unter Isolation nicht ausschlaggebend für Leben.
Nein, danach sieht es nicht aus. Selbst wenn das alles so war, wie es beschrieben ist und man ein einzelnes Experiment mit nur wenigen "Probanden" eine statistische Signifikanz zubilligen würde, könnte man nur sagen, dass neben den genetischen Voraussetzungen für ein (dauerhaftes) Überleben noch weitere Umstände erforderlich sind.


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13.03.2018 um 16:43
Eiskalt schrieb:Doch ist es. Den es zeigt das ich nicht Herr meiner Handlung und Denkens bin.
Nur adaptiert durch Beobachtung und Verknüpfung der Einflüsse anderer.
Anders geht es nicht. Es ist notwendig. So entsteht ja überhaupt die Persönlichkeit. Der Mensch ist immer nach Konsistenz betrebt weil Gewohnheiten den Geist entlasten und das ganze Chaos in Form bringen. Das du regelmäßigst denkst, tust und fühlst formt dann deine Persönlichkeit und ist natürlich auch eine Einschränkung. Man kann konsistente Muster nicht einfach wieder ändern.


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13.03.2018 um 17:56
@Eiskalt
@kleinundgrün

Das angebliche Experiment von Friedrich II. ist historisch höchst umstritten. Wahrscheinlich fand es nie statt, sondern war "Fake News" aus kirchlicher Propaganda gegen den wissenschaftlich interessierten Kaiser.

"Der Franziskanermönch Salimbene von Parma berichtet von weiteren zweifelhaften Versuchen: Neugeborene Kinder habe Friedrich isolieren lassen, um die Ursprache der Menschheit zu ergründen. Er habe einen Mann in einem Fass mit Spundloch ersticken lassen, um die Frage zu klären, ob die Seele den Toten verlasse. War das alles nur Propaganda, üble Nachrede eines scharfzüngigen Gegners des Kaisers? "Diese Anekdoten Salimbenes sind zweifellos Produkte der Fantasie des Franziskaners", urteilt der Historiker Hubert Houben.

Quelle: https://www.zdf.de/dokumentation/die-deutschen/umstrittene-experimente-100.html

Wenn man lange genug im Internet herumgoogelt, findet man auch Stalin, Mao oder Hitler als angebliche Urheber solcher Experimente.


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14.03.2018 um 09:34
https://www.welt.de/wissenschaft/article131365581/Wie-Omas-Essverhalten-unsere-Gene-formt.html

Hier ein Artikel, der u.A. belegt, dass schon die Ernährung der Oma während ihrer Schwangerschaft die Gesundheit der Enkel beeinflusst.

Wenn schon dies Auswirkungen auf die Zukunft der Nachfahren hat, was dann noch alles? Was werden wir alles noch feststellen.
Wir wissen, dass schon im Mutterleib auf Stimme, Musik usw. reagiert wird. Also von Charakterloser Geburt kann man sowieso nicht ausgehen.
Was alles durch die Umstände der Schwangerschaft passiert, wissen wir noch viel zuwenig. Die Gefühle der Mutter übertragen sich ja auch das Kind. Also sind wir schon vor der Geburt geprägt.

Wir sind immer ein Teil einer Gesamt Gesellschaft. Sicher prägen frühkindliche Erfahrungen unser Leben. Erfahrungen bestimmen unser Handeln, bewusst und unbewusst. Wie wären wir, wenn wir andere Eltern gehabt hätten? Darauf wird es wohl nie eine Antwort geben. Deshalb ist es auch immer leicht, alles mit Erziehungfehlern zu begründen. Kann ja sowieso keiner widerlegen.
Ich Jahrgang 64 habe z.B. Eltern und Grosseltern, die noch den 2. WK und die Auswirkungen erlebt haben. Diese Menschen sind dann geprägt durch diese Erfahrungen. Ich habe diese nicht, also wie wäre ich, wenn ich mit 12 Jahren vor Bomben hätte fliehen müssen?
Wie wäre das 5 Kind einer Familie, wenn es ein Einzelkind gewesen wäre? Werden wir auch nie erfahren.
Aber im Rahmen meiner Erfahrungen und Genetik, meines Charakters kann ich trotzdem Entscheidungen treffen.

Heute gibt es die Möglichkeit, an Gehirnscans abzulesen, ob eine Psychopathische Disposition besteht. Da wird dann einer ein Mörder und ein anderer ein Wirtschaftsboss. Beide habe die Möglichkeiten ohne große Gefühlsduselei Entscheidungen zu treffen. Einer wird bewundert - der andere wird gehasst. Jeder hat aus seinen Fähigkeiten was anderes gemacht.


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14.03.2018 um 09:41
Seit einiger Zeit beobachte ich einen Publikationsboom zum Thema Kinder, Enkel und Urenkel der Kriegsgeneration. Was wir alles an Schäden über Generationen davon getragen haben! Da haben die realen Opfer von Krieg und Völkermord ja gar keine Ahnung von. Wir sind noch viel ärmer dran als die. So scheint mir jedenfalls der Tenor dieser Bücher.

Grässlich. Kommt mir manchmal vor wie eine intellektuell verbrämte pseudo-psychologische Relativierung.

Aber bitte, mit irgendwas wollen die Psychos und ihre Infrastruktur vom Verlag bis zum Seminaranbieter, ja auch ihre Brötchen verdienen.


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14.03.2018 um 10:02
@Doors
Ich bin da kein Experte, aber sowas wie Epigenetik gibt es ja schon. Gewisse Gene werden in den Folgegenerationen aktiviert oder ausgeschaltet. Platt gesagt: Wenn Oma hungern muss, wirkt sich das aufs Genom des Enkels aus. Soweit mein Laienwissen.
Dass das Leid von Generation X oder Y verharmlost oder künstlich vergrößert dargestellt wird, hab ich noch nicht erlebt.


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14.03.2018 um 11:17
Ich bin der Überzeugung, das jeder von uns von klein auf nur begrenzt von Einflüssen beeinflussbar ist, von einschneidenden oder traumatischen Umständen, die krasse Anpassungsreaktionen erfordern, mal abgesehen.
Ganz unwissenschaftlich: zurückblickend auf meine Schwangerschaften kann ich sagen, das meine Kinder schon in meinem Bauch, während der Geburt und den ersten Stunden und Tagen danach ganz deutliche Charakterzüge gezeigt haben, die sich immer weiter ausgeprägt haben. Ein Kind ist extrem temperamentvoll und stur wie ein Panzer, hat sich während der Geburt quasi gewehrt und schon, als erst der Kopf geboren war, den ersten Atemzug getan und losgebrüllt ( die Hebamme sagte damals, das sie bisher nur davon gehört, es selbst aber noch nie erlebt hatte) und tagelang damit nicht aufgehört. Im Kinderzimmer der Säuglingsstation meinte ne alte Kinderschwester bei der Entlassungsuntersuchung noch ganz trocken zu mir: " mit der werden sie noch Spaß haben"; sie sollte absolut Recht behalten.
Mein anderes Kind war von Anfang an ruhig, gemütlich und nachdenklich. Nach der Geburt lag er erst mal rum und hat sich Recht erstaunt umgesehen. Erst, als er anscheinend gemerkt hat, das irgend etwas anders ist, hat er Mal kurz gejammert. Er ist heute immer noch ein sehr besonnenen Mensch.
Beide waren, was Erziehungsversuche angeht, total unterschiedlich empfänglich. Natürlich entwickelt sich ein Kind, das mit Geschwistern aufwächst, sowieso eher anders als sein Geschwisterkind. Ich meine damit Rollen innerhalb der Familie, die schon besetzt sind, das kann ich gerade nicht besser erklären.
Ich meine halt Grundsätzlich, jeder kommt quasi mit seiner Grundpersönlichkeit ins Leben und ist nur begrenzt formbar.


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14.03.2018 um 11:51
grätchen schrieb:Mein anderes Kind war von Anfang an ruhig, gemütlich und nachdenklich. Nach der Geburt lag er erst mal rum und hat sich Recht erstaunt umgesehen. Erst, als er anscheinend gemerkt hat, das irgend etwas anders ist, hat er Mal kurz gejammert. Er ist heute immer noch ein sehr besonnenen Mensch.
Beide waren, was Erziehungsversuche angeht, total unterschiedlich empfänglich. Natürlich entwickelt sich ein Kind, das mit Geschwistern aufwächst, sowieso eher anders als sein Geschwisterkind. Ich meine damit Rollen innerhalb der Familie, die schon besetzt sind, das kann ich gerade nicht besser erklären.
Ich meine halt Grundsätzlich, jeder kommt quasi mit seiner Grundpersönlichkeit ins Leben und ist nur begrenzt formbar.
Ich sehe das auch so... gut hast du auch beschrieben, dass schwere traumatische Erlebnisse schon Persönlichkeiten verändern können... aber ansonsten bin ich auch der Meinung, dass die Grundpersönlichkeit von Anfang an entwickelt ist.

Hm... auch der zu häufige Konsum von Drogen kann, glaube ich, eine Persönlichkeit verändern... ich weiß aber nicht, in wie weit das stimmt. Ich habe gelesen, dass bei Heranwachsenden das Gehirn sich noch im Aufbau befindet, was die neuronalen Netze angeht, die noch vernknüpft werden. Ein zu hoher Drogen- oder Alkoholenfluss kann diese dann empfindlich stören...


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14.03.2018 um 16:59
moric schrieb:.. aber ansonsten bin ich auch der Meinung, dass die Grundpersönlichkeit von Anfang an entwickelt ist.
Der Ansicht bin ich auch.Ich denke,daß einen gewisse Dinge von Haus aus nicht liegen,die wir auch nicht machen.
Z.B.lag es mir nicht,Heroin auszuprobieren.

Ansonsten ist viel Erziehung und viel äußere Einflüsse die deine Persönlichkeit beeinflussen!


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14.03.2018 um 17:06
Meine Mutter hatte eine Freundin,die eine Tochter hatte,die etwas älter war als ich.Bis zu ihrem ca.13 Lebensjahr war sie von ihrer Mutter total verzogen,nur manchmal merkte man,sie war nicht so übel,wie sie tat.
So ab dem 14.Lebensjahr wurde sie dann aber ganz nett und gar nicht so wie sie als Kind war.
Ich denke,die Tochter hat sich dann dazu entschieden,der Erziehung ihrer Mutter nicht freien Lauf zu lassen und änderte sich!


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14.03.2018 um 17:38
@kleinundgrün
kleinundgrün schrieb:Anders gefragt: Wie verlässlich ist eine Beschreibung eines Experimentes, das vor 800 Jahren statt fand? Was ist Wahrheit, was ist Dichtung?
Original Quellen, also detaillierte Berichte sind für mich nicht mehr auffindbar. Belassen wir es unter der Kategorie Gedankenexperiment.
kleinundgrün schrieb:Nein, danach sieht es nicht aus. Selbst wenn das alles so war, wie es beschrieben ist und man ein einzelnes Experiment mit nur wenigen "Probanden" eine statistische Signifikanz zubilligen würde, könnte man nur sagen, dass neben den genetischen Voraussetzungen für ein (dauerhaftes) Überleben noch weitere Umstände erforderlich sind.
Also ist die Notwendigkeit einer Zuwendung für dich auch begründet.
So ist ein Zusammenspiel gegeben, welches mir besagt, dass dieses Bewusstsein sich aus Erfahrung entwickelt und ein Grundgerüst durch die Gene den Aufbau vorgibt.

@RedBird
Eiskalt schrieb:RedBird schrieb:
Nein, nicht wirklich erstaunlich. Die Tatsache, dass uns das erstaunt ist ersatunlich. Individualität ist übrigens auch ein Mythos, denn es gibt nichts, das für sich alleine besteht. Alleine bist du weder groß nocht klein. Du bist immer nur groß in Relation zu anderen. Das gilt für alle deine Eigenschaften.
Eiskalt schrieb:Doch ist es. Den es zeigt das ich nicht Herr meiner Handlung und Denkens bin.
Nur adaptiert durch Beobachtung und Verknüpfung der Einflüsse anderer.
RedBird schrieb:Anders geht es nicht. Es ist notwendig. So entsteht ja überhaupt die Persönlichkeit. Der Mensch ist immer nach Konsistenz betrebt weil Gewohnheiten den Geist entlasten und das ganze Chaos in Form bringen. Das du regelmäßigst denkst, tust und fühlst formt dann deine Persönlichkeit und ist natürlich auch eine Einschränkung. Man kann konsistente Muster nicht einfach wieder ändern.
Das du Individalität als Mythos beurteilst ist doch gar nicht so selbstverständlich.

Quelle:
Wikipedia: Individualität#Psychologie

Zitat:
Psychologisch ist die Individualität eines Menschen als Eigenart des Handelns und Verhaltens (Agierens und Reagierens) zu erkennen. Individuelle Unterschiede zeigen sich in den Persönlichkeitseigenschaften, in den Einstellungen, Interessen und Wertorientierungen, religiösen, philosophischen und politischen Überzeugungen, in den Selbstkonzepten, im Sozialverhalten und Kommunikationsstil.

Und eben diese Eigenschaften sind schwer als eigen zu beziffern. So wahr sie doch nur unbewusst in unser Wertesystem eingehen. Es wird ein Urteil geschlossen durch bereits angenommene Denkmuster.

@Doors
Doors schrieb:Das angebliche Experiment von Friedrich II. ist historisch höchst umstritten. Wahrscheinlich fand es nie statt, sondern war "Fake News" aus kirchlicher Propaganda gegen den wissenschaftlich interessierten Kaiser.
Gibt es hierzu einen Beleg oder ist es eigene Interpretation?
Doors schrieb:"Der Franziskanermönch Salimbene von Parma berichtet von weiteren zweifelhaften Versuchen: Neugeborene Kinder habe Friedrich isolieren lassen, um die Ursprache der Menschheit zu ergründen. Er habe einen Mann in einem Fass mit Spundloch ersticken lassen, um die Frage zu klären, ob die Seele den Toten verlasse. War das alles nur Propaganda, üble Nachrede eines scharfzüngigen Gegners des Kaisers? "Diese Anekdoten Salimbenes sind zweifellos Produkte der Fantasie des Franziskaners", urteilt der Historiker Hubert Houben.
Aussage gegen Aussage. Und religiöse Beurteilung hat immer den Nachgeschmack von unsachlichen Empfindungen.

Und zu der Suche einer Ursprache

Quelle:
Wikipedia: Kaspar-Hauser-Versuch

Zitat:
Einer Geschichte[3] von Herodot (ca. 490-424 v. Chr.) zufolge, unternahm Pharao Psammetich I. (regierte 664–610 v. Chr.) in Ägypten einen Versuch, die Ursprache der Menschheit zu erfahren.[4] Er gab einem Hirten zwei neugeborene Kinder und befahl, diese so aufzuziehen, dass sie niemals ein gesprochenes Wort vernehmen sollten. Er wollte auf diese Weise herausfinden, in welcher Sprache die Kinder zuerst ein Wort sagen würden. Nach ca. zwei Jahren streckten die Kinder bittend die Hände aus und sagten „Bekos“. Dies hieß in der Sprache der Phryger „Brot“. Der Pharao schloss daraus, dass die Phryger ein noch älteres Volk als die Ägypter wären. Herodots Geschichte ist allerdings wohl eher dem Reich der Märchen und Sagen zuzuordnen als der Wahrheit.

Das Experiment wurde im 13. Jahrhundert von dem italienischen Chronisten und Franziskaner-Mönch Salimbene von Parma verwendet, um Kaiser Friedrich II. zu verunglimpfen.[5] In dessen Darstellung allerdings starben die Säuglinge frühzeitig mangels Zuwendung.



@suscat
suscat schrieb:Wenn schon dies Auswirkungen auf die Zukunft der Nachfahren hat, was dann noch alles? Was werden wir alles noch feststellen.
Wir wissen, dass schon im Mutterleib auf Stimme, Musik usw. reagiert wird. Also von Charakterloser Geburt kann man sowieso nicht ausgehen.
Was alles durch die Umstände der Schwangerschaft passiert, wissen wir noch viel zuwenig. Die Gefühle der Mutter übertragen sich ja auch das Kind. Also sind wir schon vor der Geburt geprägt.
Aufgrund von Musik und Stimme soll bereits eine Entwicklung stattfinden?
Meinst du hier wird ein Charakter geformt oder eher das der Fötus ohne Beurteilung einfach nur zappelt als Reaktion. Ich bezweifle das dadurch Vorlieben im späteren Verlauf des Lebens zu finden sind.
suscat schrieb:Wir sind immer ein Teil einer Gesamt Gesellschaft. Sicher prägen frühkindliche Erfahrungen unser Leben. Erfahrungen bestimmen unser Handeln, bewusst und unbewusst. Wie wären wir, wenn wir andere Eltern gehabt hätten? Darauf wird es wohl nie eine Antwort geben. Deshalb ist es auch immer leicht, alles mit Erziehungfehlern zu begründen. Kann ja sowieso keiner widerlegen.
Ich Jahrgang 64 habe z.B. Eltern und Grosseltern, die noch den 2. WK und die Auswirkungen erlebt haben. Diese Menschen sind dann geprägt durch diese Erfahrungen. Ich habe diese nicht, also wie wäre ich, wenn ich mit 12 Jahren vor Bomben hätte fliehen müssen?
Wie wäre das 5 Kind einer Familie, wenn es ein Einzelkind gewesen wäre? Werden wir auch nie erfahren.
Aber im Rahmen meiner Erfahrungen und Genetik, meines Charakters kann ich trotzdem Entscheidungen treffen.
Mir geht es darum, das ich den Eindruck habe nur ein reaktionäres Ego und keine wirkliche Freiheit eines selbst gefundener Wesenheit entdecken kann.
Du kannst Entscheidungen treffen, diese sind aber geprägt durch den Einfluss/Prägung noch bevor du darüber entschieden hast, welche du in Erfahrung bringen wolltest.
suscat schrieb:Heute gibt es die Möglichkeit, an Gehirnscans abzulesen, ob eine Psychopathische Disposition besteht. Da wird dann einer ein Mörder und ein anderer ein Wirtschaftsboss. Beide habe die Möglichkeiten ohne große Gefühlsduselei Entscheidungen zu treffen. Einer wird bewundert - der andere wird gehasst. Jeder hat aus seinen Fähigkeiten was anderes gemacht.
Wenn du als Nullpunkt startest kannst du niemanden verurteilen, die Gesellschaft wird wohl der Indikator sein, mit den Genen wird nur eine Richtung gegeben.

@grätchen
grätchen schrieb:Ich bin der Überzeugung, das jeder von uns von klein auf nur begrenzt von Einflüssen beeinflussbar ist, von einschneidenden oder traumatischen Umständen, die krasse Anpassungsreaktionen erfordern, mal abgesehen.
Nein da bin ich anderer Meinung.
Wir erinnern uns an einschneidende Erlebnisse. Jedoch ist unbewusstes Aufnehmen der Informationen wie eine Entscheidung begründet wird, vorgegeben durch Beobachtung dritter.
Ein heranwachsendes Kind braucht die Werte und Tugenden einer Garant Stellung um überhaupt den Charakter zu formen.
Indoktrinierte Kinder sind doch auf aller Welt zu finden, die definitiv einer Beeinflussung ausgesetzt waren.
grätchen schrieb:Ganz unwissenschaftlich: zurückblickend auf meine Schwangerschaften kann ich sagen, das meine Kinder schon in meinem Bauch, während der Geburt und den ersten Stunden und Tagen danach ganz deutliche Charakterzüge gezeigt haben, die sich immer weiter ausgeprägt haben. Ein Kind ist extrem temperamentvoll und stur wie ein Panzer, hat sich während der Geburt quasi gewehrt und schon, als erst der Kopf geboren war, den ersten Atemzug getan und losgebrüllt ( die Hebamme sagte damals, das sie bisher nur davon gehört, es selbst aber noch nie erlebt hatte) und tagelang damit nicht aufgehört. Im Kinderzimmer der Säuglingsstation meinte ne alte Kinderschwester bei der Entlassungsuntersuchung noch ganz trocken zu mir: " mit der werden sie noch Spaß haben"; sie sollte absolut Recht behalten.
Wurden während der Schwangerschaft Stress ausgeschüttet? Drogen konsumiert etc?
Noch dazu eingenommene Nahrung, Zuckerkonsum kann auch zu Entzugserscheinungen führen, welche ab dem Zeitpunkt der Geburt ein Sucht verlangen beinhalten kann
grätchen schrieb:Ich meine halt Grundsätzlich, jeder kommt quasi mit seiner Grundpersönlichkeit ins Leben und ist nur begrenzt formbar.
Sehe ich gar nicht. Nur ein völlig uneingenommenes Selbst welches ab Geburt zuerst auf Nullpunkt steht. Danach kommt das Unterbewusste einsaugen an Informationen welche die Wesenheit des Menschen erst formen.


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14.03.2018 um 19:26
@Eiskalt
Als Mutter muss ich @grätchen zustimmen.

Schon Babys sind ab ihrer Geburt eigenständige Persönlichkeiten.
Das hat grätchen perfekt beschrieben. Gefällt mir sehr gut dieser Gesichtspunkt.
Mütter werden dir auch erzählen können, schon im Bauch verhalten sich ihre Kinder komplett unterschiedlich. Diese Grundlagen findest du dann meist in den Kindern wieder. Ich hatte ein total ruhiges Kind. War auch in der Schwangerschaft schon sehr ruhig. Dieses Kind konnte sich immer sehr gut mit sich selbst beschäftigen und war von Anfang an so.


@Doors
Ich stimme @hallo-ho zu.
hallo-ho schrieb:Ich bin da kein Experte, aber sowas wie Epigenetik gibt es ja schon. Gewisse Gene werden in den Folgegenerationen aktiviert oder ausgeschaltet. Platt gesagt: Wenn Oma hungern muss, wirkt sich das aufs Genom des Enkels aus. Soweit mein Laienwissen.
Dass das Leid von Generation X oder Y verharmlost oder künstlich vergrößert dargestellt wird, hab ich noch nicht erlebt.
Genau so hatte ich es gemeint. Es ging wirklich nicht um - oh bei uns ist alles so viel schlimmer - sondern über eine wissenschaftliche Untersuchung.Auch nicht um psycho gedudelei sondern um nachweisbare Epigenetik. Und ich denke in diesen Bereichen wird sich in den nächsten Jahren noch viel tun.


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14.03.2018 um 22:45
Eiskalt schrieb am 11.03.2018:Würdet ihr behaupten ab einem bestimmten Lebensabschnitt euch selbst gefunden zu haben?
Ich glaube es, aber im Endeffekt ist es nur vom Bewusstsein vorgegaukelt.
Ein Mensch der nicht glaubt, dass er irgendwas selbst in die Hand nehmen kann ist halt nicht funktional.
So gesehen folgen wir halt den Pfad und den können wir nur folgen, wenn wir einer Illusion auferliegen.


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15.03.2018 um 08:35
suscat schrieb:Schon Babys sind ab ihrer Geburt eigenständige Persönlichkeiten.
Das hat grätchen perfekt beschrieben. Gefällt mir sehr gut dieser Gesichtspunkt.
Mütter werden dir auch erzählen können, schon im Bauch verhalten sich ihre Kinder komplett unterschiedlich. Diese Grundlagen findest du dann meist in den Kindern wieder. Ich hatte ein total ruhiges Kind. War auch in der Schwangerschaft schon sehr ruhig. Dieses Kind konnte sich immer sehr gut mit sich selbst beschäftigen und war von Anfang an so.
Gewisse Eigenschaften sind schon vorgegeben, z.B. ob man eher intro- oder extrovertiert wird. Das kann sich aber durch diverse Erfahrungen im Leben auch wiederum ein wenig verändern.

Entscheidungen, die man trifft, sind jedoch vom eigenen ICH bereits "vorprogrammiert". Man hat im Grunde keine andere Wahl, als so zu reagieren, wie man es in einem bestimmten Moment eben tut. Ich denke, darum geht es hier.

Der TE hat in seinem EP ja nicht ausgeschlossen, dass sowohl erlernte als auch angeborene Eigenschaften und Wesensarten unser Leben bestimmen. Er behauptet ja sogar, dass eben diese dazu führen, dass wir garnicht so frei in unserer Entscheidungsfindung sind, wie wir es vielleicht wünschen.


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15.03.2018 um 08:55
Eiskalt schrieb:Also ist die Notwendigkeit einer Zuwendung für dich auch begründet.
Für mich ja. Aber dieses Experiment - oder das, was wir davon wissen - ist für eine solche Feststellung ungeeignet.


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