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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

75 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Kinder, Kinderlandverschickung, Verschickung ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 19:28
@forseti70

Hir gibt dir mal das , dann hast du einen überblick.

-> https://verschickungsheime.de/verschickung-2/
Strafen, die erlebt wurden

Drohungen, Demütigungen, Lächerlichmachen, brutale Essens-Einfütterung, überlange Schlafenszeiten, Rede- und Toilettenverbot, stundenlanges nächtliches Draußenstehen und -Sitzenmüssen Einzelner, als Warnung für die anderen, Ans-Bett-Fesseln, in den Waschraum sperren, Trennung von Geschwistern, Mund und Augen zukleben, Einsammlung der Kuscheltiere, Schreib-und Kontaktverbot nach Hause, Nichtaushändigung von Paketen und vieles mehr.

Diese Strafen wurden so häufig vergeben, dass sie für die sich erinnernden Verschickungskinder eine ständige Atmosphäre der Angst darstellten, von der sie sich jede Minute des Aufenthaltes umgeben sahen.



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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 19:31
@O.G.

Ich zweifle ja nix an. Aber unter Kinderlandverschickung (und ich meine hier genau ganz konkret diesen Begriff) habe ich eben immer das verstanden, was mich mein Geschichtsunterricht und meine eigene Familie gelehrt hat.

Was Du da postest ist natürlich erschreckend. Klingt aber dennoch mehr nach Kur oder Ferienbetreuung oder dergl. Unter Kinderverschickung verstehe ich eben etwas anderes... Aber vermutlich ist dies nur Erbsenzählerei...

Mir war NICHT bewusst, das so etwas noch so lange stattfand. Für mich war das ein Relikt aus Kriegszeiten. Daher Danke für die Info!


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 19:35
@forseti70

Ich hab das nicht behautet das du dass anzweiflest !
Ich wollte dir nur eine überblick geben.
Zitat von forseti70forseti70 schrieb:Darüber habe ich auch noch NIE etwas gehört. Ich kenne Kinderlandverschickungen nur aus der Zeit vor 1945.
--> Darüber habe ich auch noch NIE etwas gehört.
Mein Gedankengang war das du die Grausamkeit nur von vor 1945 gekannt / gehört hast.

Ich wollte dir nix unterstellen. Sorry wenn das Falsch rüber gekommen ist.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 19:40
@O.G.

Alles gut! WIe ich bereits erwähnt habe, kannte ich nur diese Verschickungen vor 1945 (Aufpäppelung, Schutz vor Bombenangriffen etc.) auch das war mitunter sicher schlimm für die Kinder aber wohl auch oft unabdingbar. Meine Großeltern haben das Glück gehabt bei netten Leuten zu landen mit denen sie noch nach dem Krieg lange Kontakt hatten... Aber da gab es sicher auch andere Fälle.

Mir war eben nicht bewusst dass es so etwas noch bis in die 80er Jahre gab.

ich kannte es eben nicht. Ich bin entsetzt... Aber es ging da wohl eben auch um grundsätzlich andere Dinge!

"Der Begriff „Verschickung“ knüpft an die Kinderlandverschickungen unter den Nazis und in der unmittelbaren Nachkriegszeit an, jedoch handelt es sich um einen völlig anderen Vorgang. Während die NS-Kinder-Landverschickung auf Bauernhöfe, in KDF- Zeltlager, und nach dem Krieg in Privatfamilien ging, ging die Verschickungs-Welle in den 50-80er Jahren als eine breit angelegte Sozialmedizinisch-pädiatrische Maßnahme vom kinderärztlichen Gesundheits- und Kurwesen aus. Sie knüpfte damit an das Kurwesen in den klassischen Erholungsorten aus der Kaiserzeit an, die zahlreich auf den ost- und nordfriesischen Inseln vorhanden waren, auch im Allgäu, Schwarzwald, Harz, Teuteburger Wald, vielen Mittel- und Hochgebirgsorten. "

Zitat aus Deiner Quelle: https://verschickungsheime.de/verschickung-2/


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 20:43
Zu meiner Schulzeit in den 1960ern in Hamburg wurden wir alle zwei Mal jährlich vom "Schularzt" untersucht. Das war so wie Musterung beim Militär. Da stand man nach Geschlechtern getrennt in Unterhose in einem zugigen Flur, bis man mit Kommandostimme aufgerufen wurde, dann ab auf die Waage, Gewicht, Grösse gecheckt, man wurde abgeklopft und abgehorcht, die Genitalien beguckt, Haltung beurteilt und wer Pech hatte, bekam wegen Untergewicht eine Verschickung verpasst, wahlweise nach Wyk auf Föhr oder Puan Klent auf Sylt. Beides damals so eine Art GULAG für Kinder. Wer mehr Glück hatte, kam mit "Haltungsturnen" davon. Ein Mal im Jahr bekam man seine Strahlendosis bei der TBC-Reihenuntersuchung, und zwei Mal im Jahr fummelte einem der Schulzahnarzt im Mund herum. Man kam sich vor wie ein Stück Vieh. Später wurde der ganze Kram dann aus Kostengründen eingestellt. Nein, Kindheit war bis in die 1970er eine rechtsfreie Zone.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 21:09
Zitat von forseti70forseti70 schrieb:Dass so etwas in der der Nachkriegszeit stattgefunden hat ist mir vollkommen neu!
Danke für diese Information
@forseti70
Sehr gerne.
Und ich stelle erstaunt fest, dass Viele davon nichts wissen.
Ich dachte- umgekehrt- das wäre allgemein bekannt.

Eigentlich wollte ich mit dem thread ehemals verschickte Kinder ansprechen, um ihnen zu sagen, dass es jetzt Möglichkeiten gibt, gemeinsam mit anderen, die Vergangenheit aufzuhellen. Vieles wurde verdrängt, aber jetzt kann gemeinsam gepuzzelt werden.
Dass das inzwischen ein Teil unserer Geschichte ist, die erzählt werden muss, wird mir erst jetzt klar.

Auch ich hab meinen Eltern damals nicht viel berichtett.
Ich war einfach froh, wieder zu Hause zu sein.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

11.08.2020 um 21:18
Zitat von DoorsDoors schrieb:die Genitalien beguckt
Nicht nur beguckt.
Das war immer der die super Fachuntersuchung.
Bei den Jungs wurde geguckt und gefühlt, ob die Hoden richtig sitzen und wie groß der Penis ist und bei den Mädchen wurde notiert, ob die Schamhaare sprießen.
Ich hab das bei meinem Bruder mitgekriegt. Die Jungs wurden da anscheinend mehr befingert.
Jedenfalls war das reichlich unangenehm. Und der Rest der Gruppe stand dahinter, feixend und war Zeuge.

Auch diese Zahnuntersuchungen. Da war nix mit Arztgeheimnis. Laut rausposaunt, dass Karl-Anton ganz miese Zähne hat.

Ja, das waren Momente, in denen man ganz klein gemacht wurde.
In diesen Verschickungsheimen wurde ja auch immer gewogen und notiert, ob man zugenommen hat.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

14.08.2020 um 13:01
Kann sich noch jemand daran erinnern, dass eine Heimleiterin aus einem Kinderkurheim in Bad Karlshafen von einem ehemaligen Verschickungskind erschossen wurde. Das war etwa 1969. Vermutlich hieß sie Frau Faust oder Dr. Faust


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

21.08.2020 um 01:36
Ich muß mal Positives berichten.

Ich habe Ende der 60er Jahre ein einjähriges Vorpraktikum zur Kindergärtnerin im
Kindererholungsheim Hansenbarg b. Hanstedt absolviert. Betrieben von der LVA.
Dort kamen erholungsbedürfige Kinder aus Hamburg. Alter zwischen 5 und 12 Jahren.
Ich kann nur sagen, das es da niemals solche Praktiken wie hier beschrieben, stattgefunden haben.
Wir waren ein tolles Team und eine sehr einfühlsame Leiterin überwachte alles sehr sorgfältig und liebevoll. Auch eine Ärztin war ständig vor Ort.
Die Kinder waren immer sehr traurig, wenn es nach 6 Wochen hieß wieder Abschied zu nehmen.
Es war hygienisch(nach jedem Kurende wurde das ganze Haus gründlichst geputzt und desinfiziert), essensmäßig und Unterhaltungsmäßig ausgezeichnet.Mit Singen, wandern, spielen
immer dem Alter entsprechend, verging täglich die Zeit. Obwohl es schon 50 Jahre her ist, erinnere ich mich noch gerne
daran.

Aber wie aussieht, waren wir wohl eine Ausnahme. Es ist erschreckend
was man da alles hören und lesen muß. Aber nicht nur Kurheime versündigten sich an hilflosen Kindern.

So wurde vor 2 Tagen über Contaganversuche an Kindern berichtet
https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/contergan-menschenversuche-101.html

Die Caritas hat angeblich nichts davon gewußt. Warum sind immer wieder kirchliche Institutionen damit behaftet?

Eigentlich erinnert mich solche Vorgehensweis an dunkle Zeit Deutschlands, da waren ja Versuche an Menschen jeden
Alters an der Tagesordnung. Das Schlimme aber ist, das viele solche Ärzte nach dem Krieg in Amt und Würden blieben, manche bekamen
ja sogar hohe Positionen. Auch da wurde häufiger berichtet.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

22.08.2020 um 14:42
@Wunschfee

Ich denke auch, dass es Kurheime gab, in denen die Kinder in gutem Sinne betreut worden sind.

Grundsätzlich ist es aber nicht richtig, 5jährige Kinder für 6 Wochen alleine wegzuschicken.
Bei euch war die Untergrenze 5 Jahre, was auch viel zu früh ist. In anderen Einrichtungen wurden schon Kleinkinder aufgenommen, von ihren Geschwistern getrennt. (Die Eltern dachten, die Geschwister können zusammenbleiben).

5 - 6 Jahre und 6 Wochen von zu Hause weg,- das ist schlimm und viele Kinder bekamen Heimweh.
Ich war bei meiner ersten Verschickung 6 und erinnere mich noch gut, dass mich das Heimweh nach 4 Wochen umgerissen hat.
Selbst wenn sich das Personal Mühe gibt, Heimweh ist eine Naturgewalt. Die bricht sich Bahn.
Ich bin überzeugt, dass auch bei euch damals Kinder Heimweh hatten.

Ich denke allerdings, dass Heimweh damals grundsätzlich nicht so ernst genommen wurde. Heimweh wurde eher als Schwäche angesehen.

Eine Erinnerung an meine erste Verschickung:
Als ich im im Bus saß, war ich froh, dass ich wieder nach Hause konnte.
Ein paar Frauen aus der Küche standen mit einem großen weissen Bettlaken vor dem Haus und schwenkten es zum Abschied.
Das haben wir Kinder mit einer gewissen Rührung gesehen.
Also da war schon nettes Personal. Trotzdem waren wir alle froh, dass es wieder nach Hause ging.

Meine zweite Verschickung, mit 8 Jahren (auch 6 Wochen), war ein Horror für mich.
Ein katholisch geführtes Heim, Ordensschwestern hatten das Sagen. Die waren kalt und abweisend den Kindern gegenüber und Bestrafungen wurden durchgeführt.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

24.08.2020 um 23:02
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb am 10.08.2020:Die zweite Verschickung war fürchterlich, richtig quälend. Ich weiss nicht mehr, wo das war. Hab das Haus komplett verdrängt.
Ich erinnere mich an schwarz-weiss gekleidete Ordensschwestern, die überhaupt kein Gefühl für Kinder hatten.
Du hast da echt was losgetreten. Ich bekam gesagt, dass ich in "Kur" fahre, weil ich viel krank war als Kind, aber nichts mit Vorbereitung. Ich habe da echt seltsame Erinnerungen. Wie ich mit meiner Lieblingspuppe am Bhf. stand unter sehr vielen anderen Kindern und man mir sagte, dass ich ja bald wieder komme.Mit bald waren 6 Wochen gemeint. An Ordensschwestern erinnere ich mich auch, aber nicht in guter Erinnerung. Alles ziemlich trist und lieblos von der Umgebung. Als Kind empfindet man mit 5 oder 6 Jahren eine Woche weg schon als sehr lang. War bei mir Anfang der 70er. Durch den Begriff Verschickungsheim kommt da echt wieder die Erinnerung hoch. Das passte einfach besser als in "Kur zu fahren".Mein Heimweh war heftig und zweimal war ich richtig krank dort. Ehrlich gesagt, würde ich das keinem Kind zumuten wollen.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

24.08.2020 um 23:09
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Meine zweite Verschickung, mit 8 Jahren (auch 6 Wochen), war ein Horror für mich.
Ein katholisch geführtes Heim, Ordensschwestern hatten das Sagen. Die waren kalt und abweisend den Kindern gegenüber und Bestrafungen wurden durchgeführt.
So habe ich es auch empfunden. Heimweh wurde definitiv als Schwäche gesehen und ich denke, meine Eltern wollten mir nichts erzählen weil sie befürchteten, dass es dann schlimmer wird. Das aber genau DAS das Schlimme war, wussten sie vielleicht nicht anders.
Wir schliefen in einer Halle mit vielen Betten. Genauso das Mittagessen. Das war, als hätte man mich entnabelt von jetzt auf jetzt. So etwas kann nicht gut sein für ein Kind.

Wenn man sich die heutige Eltern-KindBeziehung einmal anschaut, ist das was völlig anderes. Man geht achtsam miteinander um, spricht Kindern keine Gefühle ab, bezieht sie mit ein etc.
Als ich nach den ewiglangen 6 Wochen ohne Kontakt zu meinen Eltern wieder zurückkam, kamen sie mir fremd vor und ich war gleichzeitig glaube ich auch verstört darüber, wie sie mir so etwas antun konnten.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 08:47
Zitat von sundrasundra schrieb:So habe ich es auch empfunden. Heimweh wurde definitiv als Schwäche gesehen und ich denke, meine Eltern wollten mir nichts erzählen weil sie befürchteten, dass es dann schlimmer wird. Das aber genau DAS das Schlimme war, wussten sie vielleicht nicht anders.
@sundra
Aber auch von den Kindern.
Ich erinnere mich, als ich das 2. Mal verschickt war, mit 8, bekam ein Kind heimlich Besuch von seinen Eltern.
Wir haben draussen hinter dem Haus gespielt und die Eltern kamen über die Wiese.
Offiziell durfte die Verschickungskinder nicht besucht werden.
Ein Mädchen sagte dazu ganz sachlich: Das ist nicht gut. Wenn die Eltern wieder weg sind, bekommt sie Heimweh.

Es wurden nie Kinder von anderen gehänselt oder ausgelacht, weil sie Heimweh hatten, aber für uns Kinder war klar, das ist ein Gefühl, das vermieden werden muss. Man heult und flennt "wie ein Baby". Wir verlangten von uns selbst stark und erwachsen zu sein (weil uns das als Wert eingetrichtert wurde. Ein Indianer kennt keinen schmerz)
Zitat von sundrasundra schrieb:Wir schliefen in einer Halle mit vielen Betten. Genauso das Mittagessen. Das war, als hätte man mich entnabelt von jetzt auf jetzt. So etwas kann nicht gut sein für ein Kind.
Das ist genau der Punkt, der nicht funktioniert hat.
Es gibt schlimme Geschichten von diesen Heimen. Es war bestimmt nicht überall so krass, wie es manche (oder viele?) leider erlebt haben. Aber was alle durchmachen mussten: Von einem Tag auf den anderen komplett von zu Hause abgeschnitten sein, das war hart.
Ich erinnere mich auch an große Schlafsäle mit Metallbetten, wie im Krankenhaus. An Steinfußböden, an einen großen Waschraum. Alles sehr kalt und ungemütlich.
Und wir waren damals ja echt bescheiden. Als ich das 1. Mal verschickt wurde (mit 6) hatten wir zu Hause noch nicht mal einen Fernseher.
Wenn da 1x die Woche ein Puppenspieler vorbeigekommen wäre, mit abgenutzte Puppen, aber mit guter Laune hätten wir dem Ereignis die ganze Woche entgegen gefiebert. Und was hätte das gekostet? Für ein paar Mark hätte man den engagieren können und über 100 Kinder hätten sich gefreut. Ess gab noch nicht mal Spielzeug.
Mit 6 hatte ich noch kein Zeitgefühl. Ein Tag war ewig und eine Woche erst...
Und ich glaube, so entsteht auch das Heimweh bei Kindern. Das Neue ist irgendwann bekannt und bietet keine Ablenkung mehr und dann nimmt die Zeit kein Ende. Die Kinder denken immer häufiger an zu Hause.
Zitat von sundrasundra schrieb:Wenn man sich die heutige Eltern-KindBeziehung einmal anschaut, ist das was völlig anderes. Man geht achtsam miteinander um, spricht Kindern keine Gefühle ab, bezieht sie mit ein etc.
Als ich nach den ewiglangen 6 Wochen ohne Kontakt zu meinen Eltern wieder zurückkam, kamen sie mir fremd vor und ich war gleichzeitig glaube ich auch verstört darüber, wie sie mir so etwas antun konnten.
Als ich 14 war erzählte mir eine Freundin, ihre kleine Cousine geht demnächst auf Klassenfahrt. Die ganze Klasse übt schon mal. Sie machen einen Wochenendausflug mit Übernachtung.
Damals dachte ich: Oh Mann, sie üben das... Ich fand das zunächst albern.
Und dann dachte ich: Das ist gut. Die Kinder können schon mal spüren, wie das Gefühl ist, getrennt zu sein. (wobei 2 Wochen dann ganz anders sind).
Aber , dass man sich Gedanken macht. Das war bei uns damals nicht der Fall.

Für meine Eltern war wichtig, dass ich "abgehärtet" werde,- für das Leben. "Das Leben ist hart...."

Und ähnlich wie dir, ging es mir auch.
Als ich wieder zu Hause war, hab ich gedacht "Ich brauche euch nicht."
Und dieses Gefühl blieb ein Grundton in der Beziehung zu meinem Eltern.

Ich habe diese Verschickungen im Grunde verdrängt. Ich habe nie darüber gesprochen, mit keinem Freund, mit keiner Freunde. Und meine Eltern haben mich damals auch höchstens gefragt, wie es war und waren zufrieden, als ich sagte "schön". Ich wusste, das wollten sie hören.

Heute läuft das ja schon mal anders, durch die Handys. Kinder und Eltern sind ständig in Kontakt.

Man muss dazu allerdings auch sagen, da wo die Familie halbwegs intakt sind.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 14:36
Also ich bin 1961 verschickt worden. Der Kreis Bielefeld hatte ein eigenes Kinderheim auf Norderney, das dürften die meisten Kinder aus dem Kreis in den 50ern/60ern von innen gesehen haben.
Die Erinnerungen sind gemischt. Eine ziemlich triste Massenveranstaltung. Das Heim mehr als karg eingerichtet - etwa wie die Jugendherbergen zu der Zeit. Schlechtes Essen. Und ein seltsam uninteressiertes Personal. Die einzige "Tante", die sich kümmerte, wohl eine Auszubildende wurde gemaßregelt.
In (un)guter Erinnerung habe ich noch folgende Szene: Ein Riesenpaket traf ein und wurde vom Personal neugierig geöffnet. Die Kiste war voller Spielzeug, wohl eine Spende. Die Kinder fingen natürlich sofort an, mit dem Spielzeug zu spielen. Das ging natürlich gar nicht. Die Sachen wurden den Kindern wieder weggenommen, in die Kiste gepackt und die Kiste weggeschlossen.
Die "Grausamkeiten" waren auf dem für diese Zeit üblichen Niveau, vor allen Ohrfeigen. In schlechter Erinnerung habe ich einige öffentlichen Bloßstellungen.
Igendwann grassierte dann eine Infektionskrankheit, die ich auch bekommen habe. 40 Grad Fieber, dicker Hals (Scharlach, Mumps?). Die Kinder wurden isoliert und weitgehend allein gelassen.
Ich hatte am Ende kräftig abgenommen. Eine zweite Verschickung in diese Anstalt ist mir aber erspart geblieben.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 15:08
@Lupo54
Dich hat es ja damals dick erwischt.
Du hast sehr klare Erinnerungen.
Ich nehme an, du hast über diese Verschickung danach nie gesprochen?

Die Kinder waren nur ein Wirtschaftsfaktor. Man hat das Nötigste eingekauft und gemacht
und das war's. Das Personal (größtenteils Frauen) wurde sicher auch nur schlecht bezahlt.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 16:07
Ich wurde Ende der 70er über die Deutsche Bahn, bei der mein Vater beschäftigt war, in ein Kinderheim nach Wenningstedt auf Sylt verschickt. Mit 6 Jahren, 6 Wochen lang.

Ich hatte offensichtlich Glück, das einzige Schlimme war das wahnsinnige Heimweh.

Sonst erinnere ich mich an Wattwanderungen, einen Ausflug nach Dänemark, am Strand spielen, Ponyreiten, TV durften wir auch schauen ( "Der Mann in den Bergen" )

Und meine ständig wiederkehrenden Atemwegserkrankungen waren danach tatsächlich kuriert.

Das Essen was so lala, aber das ist ja auch persönliches Empfinden wenn man Schmalzbrote eklig findet :-D

Ich weiss noch, daß ich mich ab und an im Klo eingeschlossen habe , um in Ruhe Seifenexperimente zu machen, das gab Ärger, ich habe Löcher in die Seifen gebohrt ;-) aber der Ärger war auch bloß Schimpfen.

Glück gehabt!


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 18:11
@BMVimes
Mit 6 Jahren 6 Wochen von Eltern und Geschwistern weg... das ist eine Hausnummer.

Die haben mit euch Kindern ja viel unternommen. Du schreibst, das war Ende der 70er.
Ich denke, da hatte man einfach besser ausgebildetes Personal. Vielleicht war auch eine Art Konkurrenzkampf unter den Einrichtungen entstanden und die besseren Heime waren gefragter?

Das Heim, in dem du warst, hat den Kindern 10 Jahre vorher wahrscheinlich nicht so viel geboten.
Ich denke es spielt eine große Rolle, wann man verschickt worden ist.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 22:12
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb am 10.08.2020:Vielleicht sind hier User unterwegs, die als Kinder "verschickt" wurden?
6 Mal, gerade wo ich klein war, war es ein einziger Alptraum. Es waren 6 bis 8 Wochen.
Zurückblickend bin ich mir sicher, dass es mich sehr geprägt bzw sehr viel kaputt gemacht hat.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 22:34
Zitat von ZerinaZerina schrieb:6 Mal, gerade wo ich klein war, war es ein einziger Alptraum. Es waren 6 bis 8 Wochen.
Zurückblickend bin ich mir sicher, dass es mich sehr geprägt bzw sehr viel kaputt gemacht hat.
@Zerina
Du wurdest 6! x verschickt?
Also jedes Jahr?

Das hat sicher Spuren hinterlassen.
Bin gerade ziemlich geplättet.


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Kinderverschickungen in den 60er/70er Jahren

25.08.2020 um 23:27
Ja.
1. Bad Frankenhausen
2. Graal Müritz
3. Veli Losinij
4. Veli Losinij
5. Salzelmen (oder so)
6. Graal Müritz


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