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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

110 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Ausbildung, pflegefachfrau ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:07
Nachdem ich vor Zwei Jahren Arbeitslos wurde und seitdem nichts mehr gefunden habe (weder Arbeit im Einzelhandel noch eine Ausbildung) habe ich mich entschieden eine Ausbildung zur Pflegefachfrau zu machen .Gestern bekam ich die Zusage in einem Altenheim. Es war nicht wirklich mein Wunschberuf aber immer noch besser als zu Hause zu sitzen und nichts zu tun und Zukunftsängste zu schieben. Was positiv ist, man hilft Menschen und tut damit etwas gutes. Hat viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich versuche mich auf die Ausbildung zu freuen aber jedem dem ich das erzähle reagiert negativ.

Wieee du wirst Pfleger? Überleg dir das nochmal ist ein Scheiß Beruf !
Das wirst du eh nicht schaffen die meisten hören nach ein paar Jahren wegen Burn Out auf!
Das machen doch nur Leute die sonst nichts anderes finden!
Willst du wirklich den ganzen Tag Ärsche abwischen??

Und solche Dinge. Richtig miese Reaktionen.

Kein wunder das die Branche Personalmangel hat. Ich muss dazu sagen ,dass ich keine Möglichkeit hatte ein Praktikum zu machen wegen der Arbeitsagentur aber ich habe mich belesen und bin was gewisse Dinge angeht nicht sehr empfindlich . Ich möchte mich auf die Ausbildung freuen und das ganze positiv betrachten. Aber kann die negativen Stimmen auch nicht wegschieben und mache mir Sorgen .Ich habe wirklich selten was gutes darüber gehört was ich sehr schade finde. Vermutlich liegt es nicht mal an dem Beruf selbst sondern den Umständen . Schlechte Kollegen, schlechte Arbeitgeber und und und.

Vlt möchtet ihr eure Erfahrungen mit mir teilen und mir Tipps geben worauf ich achten sollte .Wäre jedenfalls froh nicht nur negativen zu lesen.


lg


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:22
Gleich vorweg: Ich bin keine Pflegefachkraft, ich bin Heilerziehungspflegerin.

Ich hab vor vielen Jahren aber mal ein Praktikum in einem Altenheim gemacht. Ich denke mich würde es frustrieren, da im Akkord gepflegt wird und eigentlich keine Zeit für die Menschen an sich da ist; keine Zeit für lange Gespräche, Freizeitgestaltung usw. Kurzum: die Zeit für den Menschen, für die Person ist (so hab ich es erlebt) nicht vorhanden, obwohl die Bewohner diese Zeit so dringend benötigen. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich in einem klassischen Pflegeheim unglücklich wäre. Für mich ist das zu sehr nach dem Motto "satt und sauber".

Der Verdienst ist wohl auch sehr schlecht und das für so eine schwere Arbeit (physisch und psychisch).

Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung bei einem großen Träger. Ich kann mich über das Gehalt nicht beschweren und es ist (wenn es gut läuft) genug Zeit für jeden einzelnen Bewohner vorhanden. Wir gehen viel spazieren, machen Ausflüge, gehen essen usw. (jetzt mit Corona natürlich nicht).
Wir sind vormittags zu zweit und nachmittags zu dritt mit sieben Bewohnern. Ich bin insgesamt echt glücklich dort und könnte mir nicht vorstellen, in einem Pflegeheim unter Zeitdruck zu pflegen, essen anzureichen und Pillen zu verteilen.

Das ist logischerweise nur mein subjektiver Eindruck und meine persönliche Meinung.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:34
@Yen
Dazu könnte ich dir aus eigener Erfahrung eine Menge berichten, allerdings wäre das vermutlich nicht wirklich das, was du hören möchtest.
Wenn du Interesse hast schreibe ich dir trotzdem meinen "Erfahrungsbericht"


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:40
Zitat von YenYen schrieb:dabei seit 2020

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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?
um 13:07
Nachdem ich vor Zwei Jahren Arbeitslos wurde und seitdem nichts mehr gefunden habe (weder Arbeit im Einzelhandel noch eine Ausbildung) habe ich mich entschieden eine Ausbildung zur Pflegefachfrau zu machen .Gestern bekam ich die Zusage in einem Altenheim. Es war nicht wirklich mein Wunschberuf aber immer noch besser als zu Hause zu sitzen und nichts zu tun und Zukunftsängste zu schieben. Was positiv ist, man hilft Menschen und tut damit etwas gutes. Hat viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich versuche mich auf die Ausbildung zu freuen aber jedem dem ich das erzähle reagiert negativ.

Wieee du wirst Pfleger? Überleg dir das nochmal ist ein Scheiß Beruf !
Das wirst du eh nicht schaffen die meisten hören nach ein paar Jahren wegen Burn Out auf!
Das machen doch nur Leute die sonst nichts anderes finden!
Willst du wirklich den ganzen Tag Ärsche abwischen??

Und solche Dinge. Richtig miese Reaktionen.

Kein wunder das die Branche Personalmangel hat. Ich muss dazu sagen ,dass ich keine Möglichkeit hatte ein Praktikum zu machen wegen der Arbeitsagentur aber ich habe mich belesen und bin was gewisse Dinge angeht nicht sehr empfindlich . Ich möchte mich auf die Ausbildung freuen und das ganze positiv betrachten. Aber kann die negativen Stimmen auch nicht wegschieben und mache mir Sorgen .Ich habe wirklich selten was gutes darüber gehört was ich sehr schade finde. Vermutlich liegt es nicht mal an dem Beruf selbst sondern den Umständen . Schlechte Kollegen, schlechte Arbeitgeber und und und.

Vlt möchtet ihr eure Erfahrungen mit mir teilen und mir Tipps geben worauf ich achten sollte .Wäre jedenfalls froh nicht nur negativen zu lesen.
Das sind die gehirnforscher die psychologen die jetzt älter werden und angst haben dort zu landen ;-) ?

Also wenn es echt nicht mehr geht hoffe ich das es noch pflegheimen gibt. Und ich meine Kinder es nicht antun muss mich zu versorgen. Ich komme aus Holland und hatte 2 sehr zufriedene tanten die in so ein heim gewohnt haben. Und richtig zufrieden waren.

Nur wer weiß bleiben wir fit bis zum ende.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:41
@Nebelstimme
ohje wirklich so schlimm? :(


@User9247
Das ist soweit ich weiß eine andere Ausbildung oder? Mein Gedanke war auch die Ausbildung durchzuziehen und mich dann direkt weiterzubilden in einem Bereich wo man sich vlt wohler fühlt. Aber ob das so möglich ist ?


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:42
meine älteste Schwester war lange Jahre Altenpflegerin wenn man da mitbekommt

wie schlecht sie bezahlt wurde und unter was für Bedingungen sie da arbeiten musste ...

ich finde sowas sollte mehr anerkannt werden <3


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:43
@sarevok

Einstiegsgehalt soll wohl um die 2600 Brutto sein. Klingt jetzt nicht so wenig aber im Verhältnis was man leisten muss ist es wohl so oder?


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:45
Zitat von YenYen schrieb:Klingt jetzt nicht so wenig aber im Verhältnis was man leisten muss ist es wohl so oder?
ich glaube meiner Schwester, sie hat mir erzählt wie hart die schichten teils waren

dafür hatte sie stets meinen vollen Respekt

besonders wenn sie von dementen Herren erzählt hat die ihre Hände nicht bei sich lassen können

es ist ein Knochenjob im Wort wörtlichen sinne aber jemand muss ihn machen


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:49
Zitat von YenYen schrieb:Das ist soweit ich weiß eine andere Ausbildung oder?
Ja, das ist ne schulische Ausbildung, die auch nicht vergütet wird. Denkbar ungünstig...
Zitat von YenYen schrieb:weiterzubilden in einem Bereich wo man sich vlt wohler fühlt. Aber ob das so möglich ist ?
Da kenn ich mich zu wenig aus, tut mir leid. Ich denke aber, dass das eher schwierig wird.
Zitat von YenYen schrieb:Einstiegsgehalt soll wohl um die 2600 Brutto sein. Klingt jetzt nicht so wenig aber im Verhältnis was man leisten muss ist es wohl so oder?
Ich finde das wenig, für ne Vollzeitstelle (als Fachkraft!). Gut, es gibt noch Schichtzulagen usw... Aber das wird es trotzdem nicht rausreißen. Musst du auch Nachtdienst machen? Ich arbeite in einem wirren Schichtsystem und das nagt definitiv an der Substanz. Für den harten Job finde ich 2600 Brutto ehrlich gesagt nen Witz.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:54
@User9247
Ja ich werde im dritten Jahr Nachtdienst machen soweit ich informiert bin . In meinem alten Job ( Führungskraft im Einzelhandel) bekam ich 1900 Brutto.. Natürlich ein Witz aber ich muss dazu sagen dass ich ungelernt bin/war. Wenn man mit 31 keine Ausbildung findet hören sich halt 2600 nicht wenig an weil die alternative die ich habe ist im Juni ALG2 zu beantragen.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:57
@Yen
Du kannst die Ausbildung ja beginnen und wenn du merkst, dass die Arbeitsbedingungen bei dir zu mies sind und du unglücklich bist, dann gehst du und suchst dir was anderes.

So würde ich es machen. Vielleicht gefällt es dir ja aber auch wirklich.

Es kommt wahrscheinlich auch stark auf die Einrichtung an...


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 13:59
@User9247
Ja das wurde mir auch schonmal gesagt. Werde ich auch so machen denke ich. Aber man muss dann gucken das man keine Sperre vom Amt bekommt wegen Eigenkündigung.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 14:18
@Yen
Also ich bin einer der letzten Jahrgänge, die noch die Ausbildung zum examinierten Altenpfleger machen konnten, ist ja jetzt alles generalisiert. Aber das ist ein Thema für sich.
Grundsätzlich ist die breite Thematik der Ausbildung wirklich interessant, man lernt auch viel anatomisches usw.
Aber es fing schon während der Ausbildung an, das ich in den Praxisblöcken 12-14 Tage am Stück gearbeitet habe, einen Tag frei bekam und wieder ran musste, inklusive teils täglichen Schichtwechseln. Sonntags musste ich um 3 los damit ich um 6 auf der Arbeit war. Das lag daran das ich mit den öffentlichen unterwegs war.
Überstunden (in der Ausbildung eigentlich nicht erlaubt und natürlich unvergütet) gehörten zum Alltag. Aus dem frei gerufen werden weil mal wieder ein Kollege keinen Bock hatte genau so.
Nach meiner Ausbildung wurde ich als Fachkraft angestellt. Habe nach kurzer Zeit den Wohnbereich geleitet, musste auch schon im 2. Jahr die Veranrwortung über die Pflegehelfer tragen, da man quasi als volle Kraft eingesetzt wird.
Nunja, für die Wohnbereichsleitung die sowieso nur überbrückend gedacht war gab es glatt 100 Euro mehr.
Als Fachkraft hattest du dazu noch ständig Arztgespräche, musstst Betäubungsmittel stellen und zählen, für alle den Kopf hinhalten und oft noch für 1 oder 2 weiter Stationen die Fachabdeckung übernehmen, was bedeutet auch da musst du BTM stellen, bei Fragen wirst du angerufen musst dort hin, du entscheidest ob ein Bewohner ins Krankenhaus kommt oder man erst einmal mit eigenen Mitteln agiert usw.
Besonders schönes Beispiel, wir hatten eine neue Kollegin bekommen. Keine Vorerfahrung, angestellt als Pflegehelferin. Ich sollte sie anlernen, was ich generell gerne tue. Aber sie dann mit mir zusammen als einzige Kraft in die Schicht zu schieben und mir gleichzeitig Fachabdeckung für 2 weitere Wohnbereiche aufs Auge drücken ist schon mehr als kriminell. So bleibt keine Zeit ihr irgendetwas zu erklären.
Für Fehler steht man immer mit einem Bein im Knast.
Mein Gehalt lag bei 1400 bis 1600 Netto, für 28 Tage Arbeit im Monat, inklusive Schichtzulagen.
Aufgehört habe ich ein halbes Jahr nachdem ich an meinem ersten freien (mal wieder nach 13 Tagen) mit Verdacht auf Herzinfarkt selbst in der Klinik gelandet bin, von meiner Pflegedienstleitung aber sofort wieder voll eingesetzt wurde.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 14:23
@Yen
Grundsätzlich kann man sagen die Arbeit ist schön, wenn sie denn umzusetzen wäre wie man es lernt. Da geht es nämlich schon los, das was man in der Schule lernt ist in der Praxis kaum umsetzbar dank Zeitdruck. Das wissen auch die Schulen.
Heißt, Arbeit schön, abwechslungsreich und interessant.Bedingungen scheiße.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 14:26
@Nebelstimme
das liest sich nicht so toll. Ich habe schon damit gerechnet. Ich glaube ich werde es mir nochmal überlegen. Es ist sehr schade,dass es einem so schwer gemacht wird. Mobbing soll auch an der Tagesordnung sein. Es ist wirklich sehr schade.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 14:29
Da ich grade noch auf der Arbeit bin, nur mal ein kurzes Statement von mir. Ich bin jetzt im zweiten Ausbildungsjahr zur examinierten Altenpflegerin und es kommt ganz stark auf den Betrieb an. Bei mir wird schon drauf geachtet, dass du nur deine Stunden gehst und als Azubi so selten wie möglich eingezogen wirst. Jetzt grade ist durch Corona natürlich alles echt heftig, aber mir macht die Arbeit wirklich Spass. Du musst dir vor allem dein Heim genau aussuchen. Es gibt gute und schlechte. Richtig perfekt ist es wohl nirgends, aber mit guten Kollegen schafft man auch die härteste Schicht gut rumzubringen. Wenn ich nachher zu hause bin, kriegst du auch noch mal was ausführliches


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23.01.2021 um 14:31
@DesmondAlucard
danke ich bin mal gespannt. Das Haus wo ich mich beworben habe hatte gute und schlechte Bewertungen. Aber so genau kann ich es nicht wissen da ich nur im Büro war.


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 15:00
Huhu, toller Thread. Ich bin selbst Altenpflegerin und werd dir weng berichten, sobald ich Zeit find.
Vorab aber der hier: lass dich nicht entmutigen. :)


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 15:39
Zitat von NebelstimmeNebelstimme schrieb:Also ich bin einer der letzten Jahrgänge, die noch die Ausbildung zum examinierten Altenpfleger machen konnten, ist ja jetzt alles generalisiert. Aber das ist ein Thema für sich.
Grundsätzlich ist die breite Thematik der Ausbildung wirklich interessant, man lernt auch viel anatomisches usw.
Aber es fing schon während der Ausbildung an, das ich in den Praxisblöcken 12-14 Tage am Stück gearbeitet habe, einen Tag frei bekam und wieder ran musste, inklusive teils täglichen Schichtwechseln. Sonntags musste ich um 3 los damit ich um 6 auf der Arbeit war. Das lag daran das ich mit den öffentlichen unterwegs war.
Überstunden (in der Ausbildung eigentlich nicht erlaubt und natürlich unvergütet) gehörten zum Alltag. Aus dem frei gerufen werden weil mal wieder ein Kollege keinen Bock hatte genau so.
Nach meiner Ausbildung wurde ich als Fachkraft angestellt. Habe nach kurzer Zeit den Wohnbereich geleitet, musste auch schon im 2. Jahr die Veranrwortung über die Pflegehelfer tragen, da man quasi als volle Kraft eingesetzt wird.
Nunja, für die Wohnbereichsleitung die sowieso nur überbrückend gedacht war gab es glatt 100 Euro mehr.
Als Fachkraft hattest du dazu noch ständig Arztgespräche, musstst Betäubungsmittel stellen und zählen, für alle den Kopf hinhalten und oft noch für 1 oder 2 weiter Stationen die Fachabdeckung übernehmen, was bedeutet auch da musst du BTM stellen, bei Fragen wirst du angerufen musst dort hin, du entscheidest ob ein Bewohner ins Krankenhaus kommt oder man erst einmal mit eigenen Mitteln agiert usw.
Besonders schönes Beispiel, wir hatten eine neue Kollegin bekommen. Keine Vorerfahrung, angestellt als Pflegehelferin. Ich sollte sie anlernen, was ich generell gerne tue. Aber sie dann mit mir zusammen als einzige Kraft in die Schicht zu schieben und mir gleichzeitig Fachabdeckung für 2 weitere Wohnbereiche aufs Auge drücken ist schon mehr als kriminell. So bleibt keine Zeit ihr irgendetwas zu erklären.
Für Fehler steht man immer mit einem Bein im Knast.
Mein Gehalt lag bei 1400 bis 1600 Netto, für 28 Tage Arbeit im Monat, inklusive Schichtzulagen.
Aufgehört habe ich ein halbes Jahr nachdem ich an meinem ersten freien (mal wieder nach 13 Tagen) mit Verdacht auf Herzinfarkt selbst in der Klinik gelandet bin, von meiner Pflegedienstleitung aber sofort wieder voll eingesetzt wurde.
ja so kenne ich das von meiner Schwester auch

mein voller Respekt an dich :) ich hoffe du hast dich gut erholt

erinnert mich an einen guten freund von mir was du beschreibst


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Ist der Pflegerberuf wirklich so schlimm?

23.01.2021 um 17:01
@Yen

So jetzt bin ich zuhause. Erstmal vorab: durch Corona ist der Pflegenotstand grade richtig schlimm und wir gehen alle auf dem Zahnfleisch, das darfst du nicht außer Acht lassen. Ich bin grade auch ziemlich gefordert und gehe viele Schichten hintereinander. Meist 7 oder 8 und danach 2 Tage frei. Das was @Nebelstimme schrieb, ist so eigentlich nicht zulässig. Mit großer Betonung auf dem "eigentlich". Wenn du in einem schlechten Betrieb bist, kann dir das leider durchaus passieren. Ich habe das Glück, zu einer recht großen Kette zu gehören und bei uns wird zumindest bei den Azubis drauf geachtet, dass im Normalfall nicht zu viele Schichten aufeinander folgen und man auch eventuelle Überstunden möglichst schnell wieder los wird. Denn die bekommst du als Azubi nicht bezahlt.

Derzeit läuft es bei uns so, dass wir (wenn alles gut läuft) 3 Pflegekräfte auf 18 Bewohner auf unserem Wohnbereich sind. Das große Glück dabei ist gerade auch, dass die Hälfte davon noch mehr oder weniger selbstständig ist. D.h. sie machen bei der Grundpflege noch vieles selber und sind auch sonst noch sehr selbstständig in ihrer Tagesgestaltung. Aber das Klientel kann sich natürlich auch dementsprechend schnell ändern.

Auf jeden Fall muss dir ein Praxisanleiter zur Seite gestellt werden, welcher dir alles zeigt, deine Schulaufgaben mit dir bespricht und dir auch sonst bei Fragen zur Seite steht. Du wirst höchstwahrscheinlich (das hängt von deiner Schule ab) während deiner Praxiseinsätze Praxisaufträge - sprich eine schriftliche Aufgabe, die du meist zusammen mit deinem Praxisanleiter bearbeiten musst - sowie eine Sichtstunde haben. Bei der Sichtstunde bekommst du ebenfalls eine Aufgabe (Grundpflege, Blutzucker messen etc) und einer deiner Lehrer kommt in die Einrichtung, um eben diese Aufgabe zu bewerten. Damit soll dann die Prüfung schon mal simuliert werden, damit du ein Gefühl dafür bekommst. Mich persönlich macht jede Sichtstunde noch viel nervöser als die vorherige, aber das ist ja bei jedem anders.

Es stimmt, dass du meistens nicht viel Zeit für den einzelnen hast, aber das hängt auch von deiner Einstellung ab. Wenn ich merke, dass einer meiner Bewohner heute mal jemanden zum zuhören braucht oder einfach nur etwas Nähe möchte, dann nehme ich mir die Zeit auch einfach. Denn nicht jeder Tag ist gleich. Grade sind wir so schlecht besetzt, dass wir teilweise noch um halb elf in der Grundpflege sind (wir fangen um halb sieben an), aber dann ist das eben so. Du solltest dich vor allem davon verabschieden, es allen recht machen zu wollen. Das funktioniert eh nicht. Mach das, was du mit deinem Gewissen vereinbaren kannst, auch wenn du damit bei den alteingesessenen aneckst.

In meinem ersten Lehrjahr hatten wir ein paar Tage, wo es wirklich ruhig war, so dass ich mich auch mal mit den Bewohnern hinsetzen und eine Runde Mensch ärgere dich nicht spielen konnte. Oder mit dem ein oder anderen auch einen Spaziergang machen.
Die meisten wissen, dass unsere Zeit sehr begrenzt ist, aber meistens kannst du deinen Bewohnern den Tag auch so schon versüßen. Eine Bewohnerin bei mir freut sich wahnsinnig, wenn wir morgens bei der Grundpflege zusammen singen. Für mich ist es kein Mehraufwand und sie macht es glücklich.

Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich niemals in die Pflege will und nun? Bin ich bereits im zweiten Lehrjahr. Es hat gedauert, um diesen Weg für mich zu finden, aber ich bin glücklich. Auch wenn ich wirklich nicht stationär bleiben möchte. Aber das werde ich sehen. Erstmal muss ich mein Examen machen und bis dahin fließt noch viel Wasser durch den Rhein.

Natürlich ist der Job hart und kräftezehrend, grade auch was die Arbeit mit Demenz angeht, aber ich finde, er gibt einem auch sehr viel zurück. Mein Tipp an dich: Versuch optimistisch und mit guter Laune zur Arbeit zu gehen. Schlechte Stimmung bringt weder dir, noch deinen Kollegen und Bewohnern etwas. Aber wenn du lächelst, freuen sich unsere Senioren und ihr Tag ist ein kleines bisschen schöner. Und behalte eines im Hinterkopf: Du hast jederzeit das Recht "Nein" zu sagen. Es ist schwer, aber du darfst sagen, wenn du dir etwas nicht zutraust und auch, wenn du nicht einspringen möchtest oder kannst. Ich gehöre leider zu den Menschen, die auch immer "Ja" sagen, weil ich meine Kollegen nicht hängen lassen will. Das mache ich aber auch nur, bei einem wirklich guten Team. Du darfst vor allem dich und deinen Körper nicht ignorieren und vergessen. Wenn irgendwas nicht mehr geht: Sprich es an! Auch wenn sich das nun leicht gesagt anhört. Aber wenn du nichts ansprichst, machst du dich selbst kaputt und das hilft keinem. Am wenigstens dir selbst.
Wenn es in deiner Einrichtung auch auf irgendwelchen Gründen Probleme gibt, kannst du dich zumeist auch an die Schule wenden. Das ist zumindest bei mir so. Unsere Schulleitung achtet auch darauf, dass wir nicht während der Schulzeit in die Arbeit gerufen werden und wenn, dann nur im aller äußersten Notfall.

Ich kann nur sagen, dass mir die Arbeit mit den Senioren viel Spaß macht und zumindest aus meiner Sicht immer mal noch ein paar Minuten für den ein oder anderen Bewohner da sind. Klar ist es hart, aber welcher Job ist schon immer Friede, Freude, Eierkuchen?
Auch wenn ich sagen muss, dass ich grade echt froh bin, endlich Feierabend zu haben und aufm Sofa zu liegen xD

Bei Fragen darfst du dich gerne an mich wenden^^
Liebe Grüße


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