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Du oder Sie? Lehrer und Schüler

145 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Lehrer, DU, Respekt ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Du oder Sie? Lehrer und Schüler

14.10.2021 um 13:29
Zitat von Kokolores82Kokolores82 schrieb:Ich auch, uns wäre im Traum nicht eingefallen unseren Ausbilder zu Duzen.
Wie gesagt, das dürfte eher Gewohnheitssache und branchenspezifisch sein. Ein Freund von mir arbeitet im öffentlichen Verkehr, und soweit ich es mitbekomme duzen sich dort eigentlich alle, außer gegenüber der Firmenleitung. Man duzt also auch die Ausbilder, Lehrfahrer, Disponenten, Werkstättenleiter, und niemand findet es seltsam oder despektierlich.


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14.10.2021 um 13:38
@martenot

In vielen Bereichen, in denen ich im Laufe meines Berufslebens tätig war, war das Duzen am Arbeitsplatz üblich, egal, ob im Hafen, in der Redaktion oder im Medienkonzern. Lediglich in meinem Job in der "Klapsmühle" sollte ich Patientinnen, Klientinnen, Kundinnen (wie immer sie jeweils benannt wurden, die "Bekloppten" halt) Siezen. Darauf legte aber eben diese Zielgruppe meist keinen Wert.


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14.10.2021 um 14:13
Zitat von rhapsody3004rhapsody3004 schrieb:Hätte er auch gleich mit Kündigung reagiert, wenn du es entweder absichtlich oder auch nur mal mehr in Gedanken gewagt hättest ihn zu duzen?
Das weiß ich nicht :D

Als ich dann mit der Ausbildung fertig war und zu den normalen Mitarbeitern gehört habe, hat er mir das Du angeboten.


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Du oder Sie? Lehrer und Schüler

14.10.2021 um 14:16
Wir hatten an der Universität einige 68er Professoren, die explizit mit Vornamen und "Du" angesprochen werden wollten, damit klar war, dass sie keinen Wert auf Hierarchien legten. Für mich war das damals sehr seltsam und befremdlich. Es war an der Uni einfach Usus, die Professoren zu siezen und mit ihrem akademischen Titel anzusprechen. Ich kam mir auch nicht unterdrückt vor. Ich wurde ja auch gesiezt.
Das Duzen war immer irgendwie gekünstelt und fühlte sich für mich auch falsch an - zumal das Verhältnis ja kein anderes war, man bekam Noten, Gutachten ... die Hierarchie war trotzdem da.

Ich bin ja selbst Lehrerin und mir ist es ehrlich egal - ich biete immer mal wieder Abschlussschülern nach dem dem Abschluss das "Du" an, witzigerweise sagen viele "Neee .... das fühlt sich komisch bzw. unpassend an". Wir bekommen oft Schüler aus der Grundschule, die das mit dem Duzen und Siezen gar nicht drauf haben "Duuuuuu, Frau Müller ...." und haben lockdownbedingt noch Schüler in Klasse 6, die es nicht können. Wenn man es in der Schule abschafft, dann schafft man es in der Gesellschaft ab, weil es viele hinterher schlicht und einfach nicht können.

Brauchen wir das Du oder Sie? Ehrlich gesagt ist es im privaten Bereich, wo es schwierig ist. Beispiel - kürzlich passiert. Ich treffe eine Frau auf dem Geburtstag einer Freundin, wir werden mit Vornamen vorgestellt und duzen uns. Nachher stellt sich raus, die arbeitet beim Schulamt. Bei der nächsten Fortbildung siezen wir uns natürlich, wir kennen uns ja nur flüchtig. Beim nächsten Grillfest sagen wir wieder du, weil es komisch ist "Du, Frau Müller, reichst du mir mal den Senf?".


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14.10.2021 um 14:44
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Beispiel - kürzlich passiert. Ich treffe eine Frau auf dem Geburtstag einer Freundin, wir werden mit Vornamen vorgestellt und duzen uns. Nachher stellt sich raus, die arbeitet beim Schulamt. Bei der nächsten Fortbildung siezen wir uns natürlich, wir kennen uns ja nur flüchtig. Beim nächsten Grillfest sagen wir wieder du, weil es komisch ist "Du, Frau Müller, reichst du mir mal den Senf?".
Jetzt musste ich so lachen.
Genau so sieht es aus.

Bis heute tue ich mir schwer, den Graubereich in der Ansprache immer richtig auszuloten.

Bin ich privat eingeladen oder beispielsweise auf Vernissagen befreundeter Künstler , werde ich mehrfach anderen Personen vorgestellt und das meistens mit dem Vornamen.
Die Ansprache durch Vornamen impliziert aber noch kein „Du“.
Durch lustiges Zusammenhocken werden dann aber oft alle Etiketten gelockert und man gerät zum „Du“.

Bis zum nächsten gesellschaftlichen Ereignis durchleben aber die meisten Beteiligten eine oder mehrere Wandlungen oder haben vergessen, dass man ja drei Jahre zuvor schon mal beim Du war.

Durch indirekte Anrede vermeide ich komische Situationen, stelle mich dämlich oder aber frage direkt: „Sind wir eigentlich per Du, wie war das denn zuletzt?“.


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14.10.2021 um 14:44
Zitat von MissMaryMissMary schrieb:Beim nächsten Grillfest sagen wir wieder du, weil es komisch ist "Du, Frau Müller, reichst du mir mal den Senf?".
Warum nicht den Vornamen sagen und siezen?
Ich finde das ein guten Kompromiss und wahrt auch noch etwas Distanz


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14.10.2021 um 14:55
Zitat von Obse89Obse89 schrieb:Warum nicht den Vornamen sagen und siezen?
Das finde ich persönlich eher skurril. Ich selbst assoziiere mit der Sie-Form automatisch eine Anrede mit Herr/Frau und dem Nachnamen. In meiner Wahrnehmung haben Sätze wie "Wohin fahren Sie denn in diesem Jahr in den Urlaub, Annemarie?" etwas leicht Dünkelhaftes, und es klingt in meinen Ohren eher so, als ob eine höhergestellte Person mit der Haushälterin sprechen würde.


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14.10.2021 um 17:26
@martenot

Da wählt man dann die hanseatisch-vornehme Variante:

Johann, würden Sie mir bitte den Champagner reichen!

Alternativ gibt es die ALDI-Variante:

Du, Frau Schmitz, was kommen Tomaten? (Übersetzt: Wie lautet die Code-Eingabe für diese roten Dinger?)


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14.10.2021 um 17:36
Zitat von stereotypstereotyp schrieb:Wenn Du jemanden beim Vornamen nennst, "duzt" du ihn.
Mein alter Chef sprach die Mitarbeiter mit Vornamen, aber dennoch mit Sie an.


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14.10.2021 um 17:45
Zitat von AlibertAlibert schrieb:Mein alter Chef sprach die Mitarbeiter mit Vornamen, aber dennoch mit Sie an.
Das ist meinem Empfinden nach auch heute noch oft beim Verhältnis"Sprechstundenhilfe/Krankenschwester zu Arzt" der Fall. Finde ich einen angenehmen Mittelweg.


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14.10.2021 um 17:48
Zitat von dieLaradieLara schrieb:Finde ich einen angenehmen Mittelweg.
Da merke ich, dass jeder was anderes angenehm findet. Ich mag diese Kombination Vorname mit Sie nicht besonders gern, weil sie wie erwähnt sehr stark an ein starkes Abhängigkeitsverhältnis erinnert (ich finde, die Nennung des Vornamens wirkt in Verbindung mit dem "Sie" relativ abwertend, im Sinne von "Wie heißen Sie noch gleich? Ich kann mir nur den Vornamen merken...."). Dann lieber die neutrale Höflichkeitsform mit Sie und Nachnamen.


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14.10.2021 um 18:20
@martenot
Das Gefühl hat mein Chef dabei nicht vermittelt, er war eher noch "alte Schule". Auch wenn er finanziell seine Schäfchen schon lange im trockenen hatte und den Laden schon ewig führte, hat er sich mit allen Mitarbeitern gleichwertig unterhalten, egal ob Hilfsarbeiter oder Betriebsleiter. Auch sein Sohn, mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen, hat das nie raushängen lassen. Er hat die Bude mittlerweile übernommen, und handhabt das wie sein Vater (wobei er wohl mit den meisten per Du ist, weil er schon als Kind durch den Laden gelaufen ist).


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14.10.2021 um 19:53
Zitat von dieLaradieLara schrieb:beim Verhältnis"Sprechstundenhilfe/Krankenschwester zu Arzt" der Fall. Finde ich einen angenehmen Mittelweg.
Ich finde das gerade in diesem Zusammenhang sehr unangenehm.
Im normalen Alltag finde ich das noch eher passend, aber im Arbeitsleben sollte doch Gleichwertigkeit herrschen (blödes Wort in dem Zusammenhang :D ).

Wobei ich vermute, die Bezeichnung Schwester im Medizinsektor kommt wohl eher aus dem religiösen Bereich. Und da hat selbst der Papst nur einen Vornamen.


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14.10.2021 um 20:10
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb:Wobei ich vermute, die Bezeichnung Schwester im Medizinsektor kommt wohl eher aus dem religiösen Bereich.
Meine aktuellen Erfahrungen deuten übrigens eher darauf hin, dass man inzwischen eher von Pfleger und Pflegerin bzw. von Pflegekräften spricht. Die Krankenschwester als Begriff hört man nur noch selten in Zeiten vieler männlicher Krankenpfleger.


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14.10.2021 um 20:12
@martenot
Ja, das kann gut sein. Ich habe mich auf die vor einiger Zeit noch übliche Anrede Schwester Edeltraut bezogen. Weil daher ja auch der beigefügte Vorname als Ansprache kommt.

Lässt man beim Pfleger denn den Namen weg oder wie geht da eine Anrede?


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14.10.2021 um 20:14
Zitat von BundeskanzleriBundeskanzleri schrieb:Lässt man beim Pfleger denn den Namen weg oder wie geht da eine Anrede?
Das weiß ich gar nicht. Müsste meinen Partner fragen, der hat in den letzten Monaten ausgiebig Erfahrungen gesammelt.


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14.10.2021 um 20:17
Zitat von rhapsody3004rhapsody3004 schrieb:Und die Konservativen kriegen wie üblich gleich einen Herzkasper oder leiden unter berühmter Schnappatmung, sobald auch nur über Veränderungen an Gewohntem nachgedacht wird.
Also erstens bin ich kein Konservativer. Und zweitens ist die Frage: ist es eine progressive Veränderung oder nur alter Mief?
Kretzenbacher attestierte damals eine Verunsicherung. Das Du der 68er-Bewegung hatte einen erheblichen Teil seines Charismas und utopischen Furors verloren.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/umgangsformen-sie-du-du-sie/6028316.html

Heute ist es eher so, dass Marken gerne emotionale Nähe bei ihren Zielgruppen herstellen: Du darfst! Coca-Cola!

Auch die Bild-Zeitung fragte bei der WM: Wollen wir uns alle duzen? Also wirklich alle? Auch die, die Fußball nicht abkönnen?

Hm, so märchenhaft war das Sommermärchen ja dann doch nicht :D

Das Du mag auch Teil einer Unternehmenskultur sein: In dem Fall hat ein Beschäftigter auch keinen Anspruch auf das Sie.

Aber wenn jemand ein Arschloch ist und sich auch so verhält, dann bleibe ich lieber beim Sie. Auch bei Lehrern.
Es grenzt sich ab vom Du des Feudalherren, vom Du der totalen Kontrolle, das man ungefragt verpasst bekommt und gegen das man sich nur wehren kann, indem man penetrant zurück siezt.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/umgangsformen-sie-du-du-sie/6028316.html

Ok, bei Gegenseitigkeit ist das dann eher ok.

Und trotzdem gilt auch:
Jede Freiheit beginne damit, Nein zu sagen, hat Susan Sonntag gesagt. Vielleicht fällt Neinsagen leichter, wenn man ein bisschen Platz zwischen sich und dem Gegenüber lässt. Wir wollen wählen können, weiß der Anredespezialist Kretzenbacher. Wollen kein Du sein, das man beliebig herumschubsen kann.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/umgangsformen-sie-du-du-sie/6028316.html

Im Zweifel bin ich immer pro Freiheit und pro nein!

:)


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14.10.2021 um 20:33
Wenn man sich unsicher ist, sollte man immer Siezen. Ich bin in meiner Position teils deutlich jünger als meine Interessenten und dann biete ich ganz verlegen auch immer das Du an. Das ist aber auch im privaten Bereich.
In der Uni als Mitarbeiter habe ich manche Menschen gesiezt und mit Titel angesprochen, andere haben mir ausdrücklich das Du angeboten. Zu den Formalia sind wir da nur zurückgekehrt, als es sich um eine offizielle Zusammenkunft handelte mit Außenwahrnehmung.

In der Schule habe ich meinen Schülern in meinen Unterrichtspraktika erst das Du angeboten und das hat überhaupt nicht geklappt. Da ich damals nur geringfügig älter war als die Abiturienten, brauchte ich das Sie, um professionelle Distanz herzustellen.

Von Fremden möchte ich nicht geduzt werden. Weder in der Gastro, noch von Firmen, noch beim Einkaufen. Bevor ich es nicht jemandem anbiete oder mir angeboten wird (und ich es annehme), möchte ich diese Distanz auch sprachlich wahren.

Beim Thema Duzen und Siezen geht es viel um Wahrung eines formellen Rahmens mit entsprechender Distanz.

In meiner Elternkultur spricht man sich grundsätzliche an mit Frau/Herr + Vorname + 3. Person. Zso ähnlich wie früher im Deutschen das altbackene: Kann ich der Frau Mama noch etwas bringen?
Das klingt komisch, wenn man es nicht kennt, aber ich finde es sehr sympathisch. Vertrautheit über den Vornamen und trotzdem Respekt durch die Anrede.


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14.10.2021 um 22:22
Zitat von Obse89Obse89 schrieb:Warum nicht den Vornamen sagen und siezen?
Ich finde das ein guten Kompromiss und wahrt auch noch etwas Distanz
Das passt in keinen der beiden Kontexte. Im beruflichen Kontext muss ich diese Frau siezen, alles andere wäre unpassend und doof. Beim Grillfest wäre es doof, wenn wir die einzigen sind, die nicht du zueinander sagen. Das Problem ist, dass es zwei unterschiedliche Kontexte sind die unterschiedliche soziale Normen erwarten.


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15.10.2021 um 00:32
Zitat von FellatixFellatix schrieb:Heute ist es eher so, dass Marken gerne emotionale Nähe bei ihren Zielgruppen herstellen: Du darfst! Coca-Cola!
Auf den Webseiten diverser Unternehmen werden die Kunden ausschließlich geduzt. Besonders auffällig ist das in meinen Augen im Bereich Telekommunikation, Internet, Streaming.

Halbwegs verständlich wäre das vielleicht noch bei Angeboten, die sich (fast) ausschließlich an junge Leute richten, wie etwa Schüler-/Studenten-Apps. Dass aber beispielsweise Vodafone, ein Unternehmen mit heterogener Zielgruppe über alle Altersschichten, auf ihrer Webseite alle Menschen duzt, finde ich schon etwas dreist.


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