Das eine ist der Antisemitismus und der war nicht neu sondern, wie erwähnt, Jahrhunderte alt. Er war auch kein deutsches oder österreichisches Phänomen. Auch in den anderen Länder EUs gab es massiven Antisemitismus, ebenfalls seit Jahrhunderten. Das wird mMn u.a. aufgrund eben des HC in DE oft vergessen.
Die andere Seite ist die Eskalation zu mio-fachen und industriellem Mord. Und auch der ist ja nicht erst nach der Wannsee-Konferenz schlagartig entstanden. Worauf ich hinaus will ist, das sich die Shoa und der HC "allgemein" nicht von einem auf den anderen Tag ereignet haben. Wobei diese auch nicht der generelle Ent-/Beschluß zur Vernichtung sondern eine "Besprechung zur Organisation und Durchführung".
Guckt man sich die Geschichte der Arbeitslager und KZ in DE an, guckt man sich dazu noch Vorkommnisse, wie die
Köpenicker Blutwoche oder die Reichskristallnacht an erkennt man durchaus eine "Entwicklung". Eben von Arbeits- oder Straflagern mit massiven Schikanen und (noch nicht systematischen) Morden hin zu Mordfabriken mit ausgeklügelter Logistik. Und, so meine Idee dazu, mit der Technik, der Industrialisierung der Mittel haben sich die Mörder mitentwickelt. Himmler war sich der Problematik die Massenmorde mit sich bringen können bewusst, in seiner Rede in Posen 1943 sprach er es explizit an und definierte gleichzeitig den Begriff des "Anständig geblieben zu sein":
Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – „Das jüdische Volk wird ausgerottet“, sagt ein jeder Parteigenosse, „ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.“ Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht.
Quelle 1000dokumente.de, dort ist die Rede komplett nachzulesen. Allgemein übrigens eine interessante Seite.
Über die "Enstehungstage" der KZ und des Personals gibt es eine recht interessante Dokumentation (
Das vergessene Album der SS ) auf YT.
Bundeskanzleri schrieb:Ich kann mir das leider schon vorstellen in der Gesamtschau der Widerlichkeiten der Menschheit.
Ohja! Vorallem wenn man bedenkt, das man am Beispiel der Einsatzgruppen im RU-Feldzug festgestellt hat, das eine Weigerung an den Massenerschießungen teilzunehmen nicht zur (standrechtlichen) Erschießung wegen Befehlsverweigerung führte. D.h. die Angehörigen von WH und Einsatzgruppen hatten,
entgegen der häufigen Argumentation "Befehlsnotstand" in Prozessen nach dem Krieg, eben doch eine Wahl.
Das scheint aber iwie bis heute oftmals nicht durchgedrungen zu sein. So zumindest mein Eindruck, da ich in Diskussionen noch immer nicht gerade selten auf dieses Nicht-Argument treffe.