Origines schrieb:Allerdings hat es dem Wal auch nicht geholfen, dass er länger gelebt hat, als von Seiten der Wissenschaft erwartet worden ist. Die Faustformel, dass Wale, die mehr als einmal stranden, zumeist dem Tode geweiht sind (weil die Ursache für die Strandung nicht beseitigt worden ist), ist deshalb nicht obsolet.
Nein, das hat es leider nicht. Dummerweise hielten die Wissenschaftler, die ihn für quasi tot erklärt hatten, es ja nicht mal für nötig, das Tier zumindest mal genauer zu untersuchen, nachdem es die prognostizierte Lebenszeit überlebt hatte und immer noch normale Atmung und Vokalisation zeigte und selbstständig losschwamm, als sich eine Gelegenheit bot. Dass der Wal wieder aufsetzte, war in der Ostsee fast schon zu erwarten und muss nicht zwangsläufig heißen, dass er nicht überlebensfähig war. Denen war es doch wahrscheinlich auch nur Recht, dass andere die Verantwortung übernommen haben. Hätte das Tier da noch Wochen oder gar Monate rufend und klagend im Schlick gelegen, hätte die Stimmung mMn spätestens bei vermehrtem Touristenaufkommen auch leicht kippen können und die Damen und Herren Super-Experten hätten wegen Unterlassung am Pranger gestanden. Da ist es für diese doch jetzt viel komfortabler, einfach noch mal kräftig nachzutreten, damit die Frage nach Versäumnissen in deren Reihen erst gar nicht mehr aufkommt.
Dass so ein Tier in der Ostsee kaum eine andere Möglichkeit hat, als zu stranden, darf man bei dieser Strandung mMn nicht außer Acht lassen. Man kann die Ostsee nicht mit Australien, Neuseeland, Hawaii o.Ä. vergleichen. In der Ostsee herrschen ganz andere Bedingungen vor, die eben auch der alleinige Grund für Strandungen sein können. Die ist für Buckelwale einfach zu flach und zu laut.
Wäre dieser Wal so angeschlagen gewesen wie die Wale, wegen denen man davon ausgeht, dass Wale bei einer Strandung grundsätzlich dem Tode geweiht sind (was so auch nicht stimmt, es gab schon erfolgreiche Rettungen gestrandeter Großwale), hätte er ganz einfach nicht so lange im Ostseeschlick überlebt.
Ein früheres Eingreifen, anstelle eines Ausruhens auf Wahrscheinlichkeiten, hätte diesem Wal mMn helfen können. Und wenn man bedenkt, dass es schon Anfang April Angebote wie z.B. das aus Österreich gab, ist das mMn schon sehr traurig.
Und wenn es jetzt heißt, "aber letztendlich hatten die Super-Experten ja doch Recht". Sehe ich komplett anders, auch wenn diese es gerne immer wieder betonen. Hätten sie konkrete Daten erhoben, die man hätte vergleichen können, und hätten sie das Tier zumindest etwas weiter über eine externe Adspektion hinausgehend untersucht, dann könnte man solche Aussagen heute ggf. treffen, auf der Basis von Ferndiagnosen halte ich das aber für unlauter. Aber allein der Umstand, dass dem Tier erst einen Monat nach dem Stranden vor Poel geholfen wurde, dürfte immens zu einer Verschlechterung seines Zustands beigetragen haben.