Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung

Heimkinder

84 Beiträge, Schlüsselwörter: Menschen, Psyche, Familie
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:02
Es würde mich mal sehr interessieren,ob ihr Erfahrungen,egal ob positive oder negative,gemacht habt,mit Menschen,die im Heim aufgewachsen sind.

Es geht mir hauptsächlich um solche,die keine Eltern mehr haben oder von diesen vernachlässigt wurden.

Habt ihr gewisse Eigenarten und Charaktereigenschaften festgestellt ?

Seid ihr der Meinung,daß diese Menschen ihr Leben genauso meistern wie andere oder denkt ihr,daß sie es nicht tun,weil sie unter schlechteren Bedingungen aufgewachsen sind ?

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
Anzeige

Heimkinder

01.12.2004 um 21:09
hey!

also ich kenn einen typ und seine schwester, die waren zwar nicht im heim, aber im internat und am wochenende zuhause. kein schwein hat sich um sie gekümmert. ich muss sagen bei ihr merkt man schon dass sie irgendwie nicht "normal" ist ... hat 2 selbstmordversuche hintersich, war sogar schon in einer geschlossenen anstalt. dort hat sie sich von einem geisteskranken schwängern lassen und das kind ist jetzt 2 jahre alt, der vater weiß natürlich nichts davon.

bei ihm ist das was anderes.
er interessiert sich für alles, ist wirklich aufgeschlossen, freundlich und wirklich ein sympathischer mensch. er sagt er hat früher zwar drunter gelitten aber jetzt kann er eigentlich gut damit umgehen. also bei ihm merkt man kaum dass er quasi ein waise war, weile seine eltern sich wirklich einen dreck um ihn und seine schwester gekümmert haben.

ich denk, es kommt einfach drauf an ob das kind selbstständig und selbstbewusst oder ein schüchternes sensibelchen ist, aber das kann ich nicht genau beurteilen..

gr33tingz

life ist hard but tha show must go on ;)


melden

Heimkinder

01.12.2004 um 21:10
okidoki
kenne 4 die im heim sind/waren/gekommen sind

1. der christopher (cousin einer bekannten)
seitdem er im heim war, sind seine noten schlechter geworden, er wurde agressiv. Folge: er hat ein Auto mit steinen zerschlagen o_0
dann wurde er in eine Pflegefamilie gesteck,... er wurde wieder normal

2. der Michi (sohn einer bekannten)
weil sie zu wenig geld hatte, wurde er in ein heim gesteckt
folge: er verprügelte kleine kinder ohne grund

3. Katherina und Sebastian
wurden NICHT freiwillig von den Eltern weggenommen
Seitdem redet der Sebastian nicht mehr und die Katherina musste ins spital, weil sie nichts mehr gegessen hat. (obwohl die erst 3 und 5 jahre sind)
aber bitte

Das heim ist nicht wirklich eine lösung. Nur wenn es wirklich dramatisch bei den Eltern ist (Alkohol, Gewalt...)
eine Pflegefamilie ist meistens besser

manche aber, die reagieren einfach anderes auf "das heim" es ist unterschiedlich....

C'est la vie


melden
Amila
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:12
Ja ich kannte einen, er ging mit mir in die Hauptschule, aber ich habe ihn seit dem Abschluss nicht mehr gesehen.

Er war sehr dünn, vielleicht hatte er Magersucht? Ich muss beschämt zugeben ich weiß es nicht.
Ich interessierte mich denke ich nie wirklich für ihn, doch meine Zeit in diesen 4 Jahren schafften mich selbst sehr. Ich habe unbewusst das meiste verdrängt und kann mich nur mehr an wenig erinnern, desahlab kann ich nichts genaueres sagen.

Er war adoptiert, kannte aber seine richtige Mutter auch, sie hatte ihn zur Adoption freigegeben...

Ein zu tiefst betrübter Mensch, der aber sehr gerne lachte wenn er es konnte. Tief in ihm war eine immer wärende Wunde die sich nie schloss.
Manchmal schien er aus zerbrechlichem Glas zu bestehen. Er wollte immer dazu gehören und war doch nie wirklich ein Außenseiter, denn er hatte seine Freunde, doch denke ich nicht, dass er es erkennen konnte. Er wollte eben zu den"coolen" gehören.

Naja wie gesagt ich kann mich nicht so gut erinnern.

Ein Delphin benutzt 8% seines Gehirns, der Mensch nur 6%. Nicht auszudenken was wir erreichen könnten, wenn wir wenigstens 61/2% unseres Gehirns benutzen würden.
Lorne Green
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit.
Albert Einstein


melden

Heimkinder

01.12.2004 um 21:14
Mein Vater arbeitet in nem Kinderheim...
Die Kinder da sind auch total Unterschiedlich. Es kommt immer drauf an wie und warum die Kinder ins heim gebracht wurden und ntürlich auf die Psyche der Kinder.
Und sicherlich auch aufs Heim ^^

Bei all den Fehlern unserer Geschichte, waren es doch vorallem die Politische und Gesellschaftliche Zensur, die uns zu der verlogenen Menschheit gemacht haben, die wir heute sind.

Krieg trifft nie nur die Schuldigen, auch das Blut der Unschuldigen wird vergossen und der Hass der Friedlichen geschürt.


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:35
für heimkinder ist es besonders wichtig, ihre innere identität zu finden.
ohne innere ruhe und stärke sind sie in der annahme äußerer identitäten sehr extrem. je weniger ein kind geliebt, zuneigung und beachtung bekommt, desto extremer wird die äußere identität angenommen. dies ist aber kein spezielles problem von heimkinder, doch ich denke gerade durch das verstossen, sind die phychischen wunden riesengroß. das selbstwertgefühl will bedingungslos erfüllt werden. leider hat unserer gesellschaft keine gute antwort dafür, außer materielle und intellektuelle statussymbole. gott beschütze uns.


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:37
Du hast vollkommen Recht,aber woher weißt Du es ?

Hast Du etwas damit zu tun oder sagt Dir dies Dein gesunder Menschenverstand ?

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:48
Die Fragen waren an MidnightMan gerichtet,hatte ich vergessen zu schreiben ;)

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:53
damit hat jeder zu tun, dessen wertegefühl nicht durch liebe, vertrauen ...
aussreichend aufgebaut worden ist. ich denke unsere gesellschaft bewegt sich bei gut 90% der menschen, die damit probleme haben. wir finden das ja überall, beziehungsprobleme, ellenbogengesellschaft. jeder ist auf der suche nach seiner liebe und zuneigung, doch viele rennen ein leben lang der annerkennung von außen nach. teary, natürlich habe ich auch damit zu tun, wobei ich allen beteiligten lange verziehen habe und mir diese last von meinen schultern genommen habe.
vielleicht bedarf es in den ein oder anderen punkt noch etwas feinarbeit :) .


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:56
ich hatte nicht schultern sagen sollen, besser herz.


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:58
@midnightman

Danke für Deine Antwort. :)

Ich habe diesen Thread nicht ohne einen wichtigen Grund eröffnet,denn ich habe damit sehr viel zu tun.

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 21:59
war zu lesen :)


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 22:04
@midnightman


Jedenfalls bewundere ich Dich dafür,daß Du Dir diese Last von Deinem Herzen genommen hast.
Ich frage mich nur,wie Du das geschafft hast ?

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 22:23
die innere identität (selbstliebe, selbstwertgefühl, selbstbewußsein) kann durch eltern aufgebaut werden, doch ist sie etwas unabhängiges. diese innere identität findest du nicht, wenn du dich von äußeren regieren lässt, vorallendingen hass, schuld ... läßt dich nicht zu dir kommen. alles was du erlebst hast, ist ein produkt einer langen kette menschlicher unfähigkeit, hierfür kannst du niemanden verantwortlich machen, einer gibt es den nächsten. man kann sich nur darüber in klaren werden und die kette unterbrechen. durch das fortsetzen dieser kette ist man ewiger sklave dessen. das könnte ich für mein leben nicht einsehen.


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 22:30
@midnightman


Alles klar,ich habe Dich voll und ganz verstanden.

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden

Heimkinder

01.12.2004 um 22:31
Als ich in der dritten oder vierten Klasse war, hatte ich einen Kameraden, der zu dieser Zeit auch in einem Heim (Jugendhof) war. Er hieß Gottfried. Eines Tages lud ich ihn zu uns nach Hause ein. Meine Eltern wussten nichts besseres, als ihm das ganze Haus zu zeigen. Warum auch immer. Früher war das bei meinen Eltern so. Ich hab's nie wirklich verstanden....
Jedenfalls saßen wir später dann zusammen im Eßzimmer und tranken Kaffee und aßen dazu Kuchen, den meine Mutter extra gebacken hatte. Irgendwann fragte Gottfied dann, ob er mal auf die Toillette dürfe. Natürlich durfte er. Er wußte ja mittlerweile auch wo er hingehen mußte. Im Laufe des Nachmittags ging er dann noch öfter auf die Toillette. Das war schon ein wenig ungewöhnlich. Ich habe dem Ganzen aber nicht weiter Beachtung geschenkt. Später wollte meine Mutter ihm dann ein Hemd schenken. Als sie ihn bat, es doch mal anzuprobieren weigerte er sich hartnäckig. Während diese Situation noch andauerte, berührte meine Mutter ihn zufällig am linken Arm. Sie wurde stutzig und fragte ihn, was er denn unter seinem Ärmel hätte. Er wollte es nicht sagen, aber sie zog ihm einfach den Hemdsärmel nach oben. Und siehe da: Fast den ganzen Schmuck meiner Eltern hatte er bei sich. Uhren und Armbänder waren um seinen Arm gewickelt, kleinere Dinge hatte er in der Hosentasche, wie sich herausstellte. Dann wurde uns klar, wie es dazu kam: Meine Mutter hatte ihm das Haus gezeigt, inklusive das Schlafzimmer. Als er ständig vorgab auf die Toillette zu müssen, ging er stattdessen in's Schlafzimmer und suchte die Schmuckkassette meiner Eltern, um sich den ganzen Kram dann einzustecken.
Im "Verhör" mit meiner Mutter gab er das auch zu. Sie war noch nicht einmal böse auf ihn, sondern hatte eher Mitleid...
Als sich die Situation wieder beruhigt hatte, gingen wir auf den Schulhof gegenüber und spielten Verstecken. Als ich mit dem Suchen an der Reihe war, hab' ich ihn nicht mehr gefunden. Bis heute...
In der Schule tauchte er auch nicht mehr auf.

Das ist leider meine einzige Erfahrung, die ich mit Menschen aus dem Heim gemacht habe. Ich möchte das auch nicht als Paradebeispiel werten, oder deswegen voreingenommen sein. Ich denke, es gibt ebensoviele Menschen in solchen Heimen, die keine krummen Touren versucht haben.

liebe Grüße,
hh


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 22:36
@helpinghand


Da frage ich mich natürlich,wo er hin ist,sehr seltsam und eine traurige Geschichte. :(

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 22:40
@helpinghand
krumme touren sind hilfeschreie, hehe, passt irgendwie zu deinen nick.
alles was im äußeren passiert ist ein ausdruck des inneren, wenn die menschen es nur lesen könnten. kommt wohl, weil sie im aufbau ihres wertegefühl gefangen sind. (war jetzt nicht auf dich gemünzt)


melden

Heimkinder

01.12.2004 um 22:40
Ich weiß übrigens nicht genau, was mit seinen Eltern war. Er kam aus der Nähe von Kaiserslautern, was etwa 50 Kilometer von uns entfernt ist. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass seine Mutter im Gespräch war. Von einem Vater war nie die Rede...

Mehr kann ich dazu leider nicht sagen.
Ich würde schon gerne wissen, was aus ihm geworden ist...


hh


melden
teary
Diskussionsleiter
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 23:06
Nicht nur krumme Touren sind Hilfeschreie.

Diese Kinder haben einen heimlichen Wunsch nach Nähe,den sie sich nicht offen eingestehen,weil sie Angst haben abgelehnt zu werden.
Deshalb reagieren sie oft selbst mit Abweisung gegenüber anderen Menschen.
Sie verhalten sich oft ambivalent,sind häufig unsicher und depressiv.

Nicht was wir erleben,sondern wie wir empfinden,was wir erleben,macht unser Schicksal aus.


melden
Anzeige
midnightman
ehemaliges Mitglied

Lesezeichen setzen

Heimkinder

01.12.2004 um 23:41
@teary
diesen wunsch haben alle kinder, unsere welt ist leider voll von menschen ohne innere identität, aber voll von äußeren wertegefühl. im vergleich zu mittelosen kindern, haben es kinder die mit materie, bildung (wertung durch beruf) sehr schwer diese seifenblase zu finden. ein mensch der gesättigt, durch äußere werte, ist, ist nicht mehr auf der suche, weil er ja kein mangel spürt, zumindestens oberflächlich nicht. sicher sollte man das nicht verallgemeinern, aber leider meist zu beobachten. also sei dankbar für dein weg, denn dadurch hast du ne echte chance.


melden
314 Mitglieder anwesend
Konto erstellen
Allmystery Newsletter
Alle zwei Wochen
die beliebtesten
Diskussionen per E-Mail.

Themenverwandt