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Gibt es Gott oder nicht?

221 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Religion, Welt ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Gibt es Gott oder nicht?

18.07.2021 um 18:06
Zitat von FlamingOFlamingO schrieb:Und das ist der Rückwurf auf die Frage: Was können wir wissen?
Mir ging es eher um die Unterscheidung zwischen sinnvollen und sinnlosen Aussagen. Und das ist sehr viel einfacher, als die Beantwortung dieser Frage. Aber kurz und knapp: am Ende ist man wohl immer auf sich selbst zurück geworfen. Vermute ich. Rate ich. Wie auch immer.
Zitat von FlamingOFlamingO schrieb:Was "wissen" intelligente Wesen wie die Kraken von der Welt?
Was wissen wir darüber, was Kraken wissen? Nix.


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Gibt es Gott oder nicht?

18.07.2021 um 18:17
Zitat von FlamingOFlamingO schrieb:Die Welt ist in etwa 4,6 Milliarden Jahre alt.
Daran lässt sich nicht rütteln.
So ist es. Was ich aber meine ist, dass wir in einem Universum leben, dass Wesen mit Bewusstsein hervorgebracht hat. Deswegen ist bewusst, dass es existiert. Nur was wäre, wenn es keine solche Wesen hervorgebracht hätte. Es wäre völlig egal, ob es existiert oder nicht, denn es wäre sowieso nicht bekannt, ob es existiert. Auch unser Universum war in diesem Zustand, bevor es Wesen mit Bewusstsein hervorgebracht hat. Und dennoch hat es existiert. Daraus könnte man ableiten, dass es irgend jemandem oder etwas auch damals schon bewusst war, dass es existiert. Und davon könnte man auf Gott schließen.
Das ist aber nur ein Gedankenspiel von mir und niemand ist dazu gezwungen, das auch so zu sehen.


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Gibt es Gott oder nicht?

18.07.2021 um 18:23
Zitat von Mr.BrainMr.Brain schrieb:Daraus könnte man ableiten, dass es irgend jemandem oder etwas auch damals schon bewusst war, dass es existiert.
Genau das gibt das Gedankenspiel aber logisch nicht mehr her. Es ist nur ein weiteres Beispiel, für den Versuch Gott zu begründen, indem man bereits von ihm ausgeht.


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18.07.2021 um 18:30
Zitat von Mr.BrainMr.Brain schrieb:Und davon könnte man auf Gott schließen.
Fehlschluss.
In der Natur war eine Intelligenz, welche jenes berücksichtigte/befürwortete bereits angelegt.
Wie jene beschaffen sein mochte, darüber vermag ich nichts zu sagen.


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18.07.2021 um 18:41
Zitat von paxitopaxito schrieb:Genau das gibt das Gedankenspiel aber logisch nicht mehr her. Es ist nur ein weiteres Beispiel, für den Versuch Gott zu begründen, indem man bereits von ihm ausgeht.
@paxito
Es wurde quasi erklärt, dass das im Universum entwickelte Bewußtsein seinen Ursprung von einem anderen Bewußtsein haben könnte.

Dem würde ich auch zustimmen, wenn ich mit der Logik argumentieren wollte, weil ich es für richtig erachte, wenn Bewußtsein nur von einem bewußten Wesen entwickelt oder weitergegeben werden kann.


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18.07.2021 um 18:49
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Es wurde quasi erklärt, dass das im Universum entwickelte Bewußtsein seinen Ursprung von einem anderen Bewußtsein haben könnte.
Quasi erklärt? Von wem, wann, wo? Sorry, aber das was du da schreibst lese ich hier nirgendwo. Auch nicht quasi. Es ging um die Frage, ob ein Universum existieren könnte, ohne das es ein Bewusstsein in diesem Universum gibt. Und mein Standpunkt war hoffentlich deutlich: die Aussage/Frage ergibt keinen Sinn.
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Dem würde ich auch zustimmen, wenn ich mit der Logik argumentieren wollte, weil ich es für richtig erachte, wenn Bewußtsein nur von einem bewußten Wesen entwickelt oder weitergegeben werden kann.
Äh, okay. Versteh ich nicht.


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18.07.2021 um 18:52
Zitat von paxitopaxito schrieb:Es ging um die Frage, ob ein Universum existieren könnte, ohne das es ein Bewusstsein in diesem Universum gibt. Und mein Standpunkt war hoffentlich deutlich: die Aussage/Frage ergibt keinen Sinn.
Ja @paxito damit hast du absolut Recht, denn man sollte nur davon ausgehen, was tatsächlich ist.


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18.07.2021 um 22:40
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Das genügt vollkommen. Eben jener Anfang ist der Augenblick, an dem die Natur in ihre Existenz geworfen wurde.
Nein, es geht eben nicht nur um zeitliche Abfolge und die Frage nach dem ersten Augenblick, was nun aber auch schon vor fast 1000 Jahren von Thomas von Aquin bzw. auch schon von über 2000 Jahren von Aristoteles erkannt wurde. Nicht umsonst formuliert ja Thomas von Aquin auch mehrere Varianten des kosmologischen Gottesbeweises...
Wikipedia: Gottesbeweis#Der kosmologische Gottesbeweis
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Nach dem Standardmodell der Kosmologie war das der Urknall, um mal konkreter zu werden. Mit dem Urknall sind Raum und Zeit entstanden.
Und genau das ist eben das Problem: Bei Entstehung handelt es sich immer um ein Ereignis oder einen Prozess (=Abfolge von Ereignissen), was selbst aber bereits Zeit (und Raum) voraussetzt, weshalb die Aussage "Raum und Zeit sind entstanden" völlig sinnfrei ist und sich mithin auch nicht nach einer kausalen Ursache fragen lässt. Und genau deshalb ist eben im Zusammenhang mit der "prima causa" auch explizit und ganz ausdrücklich von Seinsbedingungen die Rede. Und weder macht es Sinn, zu sagen, dass es die Raumzeit schon immer gab, noch macht es Sinn, zu sagen, dass sie dann und dort entstanden ist. Denn in beiden Fällen würde das eine Meta-Raumzeit voraussetzen, vor derem Hintergrund unsere Raumzeit entsteht/ewig existiert.
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Sie muss nach dem Kausalitätsprinzip also vor dem Urknall stattgefunden haben obwohl es kein Davor gab.
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Das ist für uns nicht vorstellbar und insbesondere auch nicht experimentell zugänglich.
Ja, okay, aber nur weil etwas für uns, heute, hier und jetzt nicht vorstellbar und/oder experimentell zugänglich ist, heißt das doch nicht, dass es auch prinzipiell und für alle Zeiten nicht vorstellbar und/oder experimentell zugänglich ist. Ist ja auch nicht so, dass man nicht haargenau so desöfteren auch schon in der Vergangenheit argumentiert und sich damit im Nachhinein ziemlich blamiert hätte. Wer war doch gleich dieser Typ, der meinte, wir könnten nie verstehen, woraus die Sterne bestünden, weil sie ja viel zu weit weg seien und sich damit jeglicher experimenteller Prüfung entziehen...?

Ach... wer suchet, der findet...

Der französische Philosoph Auguste Comte behauptete im Jahr 1835, dass niemand jemals wissen werde, woraus die Sterne bestehen: "Wir verstehen es, ihre Formen, ihre Abstände, ihre Größen und ihre Bewegungen zu bestimmen", schrieb er, "wohingegen wir niemals in der Lage sein werden, mit irgendwelchen Mitteln ihre chemische Zusammensetzung oder ihre mineralogische Struktur zu studieren, und erst recht nicht die Natur organisierter Wesen, die auf ihrer Oberfläche leben könnten."
https://www.spektrum.de/news/die-wichtigsten-astronomischen-entdeckungen-im-ueberblick/1794521

Und er hatte sogar eine - zumindest für die damalige Zeit - sehr plausible und einleuchtende Begründung gebracht, nur hatte er natürlich erstens noch keine Ahnung von Spektroskopie, zweitens änderte es auch leider nichts daran, dass ihn und seinen Ignorabimus die Wissenschaftsgeschichte nachträglich Lügen strafte. Insofern ist mir jetzt gerade auch ein wenig unklar, worauf du mit der reichlich trivialen Erkenntnis, dass uns bis dato das Verständnis sowie die experimentellen Möglichkeiten fehlen, Antworten auf die weiter oben genannte Frage zu finden, eigentlich hinauswillst. Natürlich werden wir beide hier (bzw. die gegenwärtige Generation von Menschen) die Frage nach der "prima causa" nicht klären können, aber darum ging es ja auch nicht.
Zitat von FlamingOFlamingO schrieb:Oder anders gefragt: Was weiß ein Wesen, welches auf der Intelligenzskala derart vorangeschritten ist wie ein Affe, von der gelben, leuchtenden Scheibe am Himmel namens Mond, wenn es in den Nachthimmel blickt?
Das hast du doch 1:1 von HvD geklaut...! :o

Ich weiß auch, aus welchem Interview... nur mal gucken, ob ich auch die Stelle auf Anhieb finde... Ah, direkt bei 16:18... ;)
Youtube: Was eine Ameise von den Sternen weiß - Über Naturwissenschaft und Religion
Was eine Ameise von den Sternen weiß - Über Naturwissenschaft und Religion



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18.07.2021 um 23:49
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Bei Entstehung handelt es sich immer um ein Ereignis oder einen Prozess (=Abfolge von Ereignissen), was selbst aber bereits Zeit (und Raum) voraussetzt, weshalb die Aussage "Raum und Zeit sind entstanden" völlig sinnfrei ist und sich mithin auch nicht nach einer kausalen Ursache fragen lässt.
Die Aussage dass „Raum und Zeit [mit dem Urknall] … entstanden“ sind ist physikalisch betrachtet unproblematisch und entspricht dem, was das Standardmodell der Kosmologie dazu sagt. Es wäre im Gegenteil vollkommen sinnfrei zu behaupten Raum und Zeit seien nicht entstanden, denn dann könnten wir diese Unterhaltung nicht führen.

Problematisch ist allerdings in der Tat, dass die kausale Ursache fehlt bzw. dass es eine solche Erstursache ohne Zeit (und Raum) nach unserem Verständnis nicht geben kann. Daher schrieb ich:
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Was auch immer die Natur in ihre Existenz geworfen hat kann aber kein Bestandteil der Natur gewesen sein, denn sie selbst kann sich nicht in ihre eigene Existenz geworfen haben.
Physikalisch sinnvolle Theorien betreffend den Zeitpunkt t = 0 können wir daher nicht aufstellen, zu einem „Davor“ schon gar nicht. Wir können lediglich spekulieren und (allerdings nicht falsifizierbare) Hypothesen aufstellen. Physikalische Theorien greifen erst später, das Standardmodell beschreibt die Entwicklung des Universums bspw. erst nach der Planck-Ära, d.h.
t = \sqrt{ \frac {\hbar G}{c^5} } \approx 10^{-43} \mathrm{s}
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Ach... wer suchet, der findet...
Eine mögliche „Ursache“ für den Urknall? Bereits die Planck-Ära entzieht sich der Physik. Hier könnte man ggf. noch von der „heutigen Physik“ sprechen - die zugrunde liegenden, quantenphysikalischen Erkenntnisse könnten in einer fundamentaleren Theorie aufgehen die Aussagen zur Planck-Ära erlaubt. Aber gesicherte Erkenntnisse zur „Zeit“ vor der Zeit? Dazu habe ich ja schon alles gesagt.

Ach ja: Ohne Urknall oder mit Multiversen oder Zyklen oder was auch immer und von mir aus in beliebiger Kombination würde sich das Problem lediglich verlagern.


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Gibt es Gott oder nicht?

19.07.2021 um 23:49
Einigen wir uns darauf, dass wir Gott hier nicht als Wesen verstehen, was den Religionen vorbehalten ist.
Vielmehr geht es schlicht um das Seiende/das Sein und dessen höchste Prinzipien und Ursachen.
Denkt man nun über diese nach, so müsste sich doch ein Bild finden lassen.


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Gibt es Gott oder nicht?

19.07.2021 um 23:52
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Die Aussage dass „Raum und Zeit [mit dem Urknall] … entstanden“ sind ist physikalisch betrachtet unproblematisch und entspricht dem, was das Standardmodell der Kosmologie dazu sagt. Es wäre im Gegenteil vollkommen sinnfrei zu behaupten Raum und Zeit seien nicht entstanden, denn dann könnten wir diese Unterhaltung nicht führen.
Dass a) die Raumzeit - zumindest in ihrer zeitlichen Dimension - beschränkt ist sowie b) die Raumzeit entstanden ist, sind aber zwei völlig verschiedene Aussagen. Du möchtest die ganze Zeit von (a) auf (b) schließen, ohne das aber näher zu begründen. Wer oder was sollte auch "eines Tages" den Anlass gegeben haben, dass "aus dem Nichts" eine Raumzeit "entsteht"...? Eine derartige Vorstellung ist von vornherein sinnfrei, weil Entstehung - als Ereignis oder Prozess - bereits das voraussetzt, zu was es an dieser Stelle aber erst noch führen soll: Raum und Zeit. Es macht einfach keinen Sinn, zu fragen: Seit wann genau existiert die Zeit? Oder wo genau gefindet sich der Raum? Oder wie schwer ist eigentlich ein Kilogramm? Oder wie lang ist ein Meter?
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Problematisch ist allerdings in der Tat, dass die kausale Ursache fehlt bzw. dass es eine solche Erstursache ohne Zeit (und Raum) nach unserem Verständnis nicht geben kann.
Korrekt.

Deshalb:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Und genau das ist eben das Problem: Bei Entstehung handelt es sich immer um ein Ereignis oder einen Prozess (=Abfolge von Ereignissen), was selbst aber bereits Zeit (und Raum) voraussetzt, weshalb die Aussage "Raum und Zeit sind entstanden" völlig sinnfrei ist und sich mithin auch nicht nach einer kausalen Ursache fragen lässt. Und genau deshalb ist eben im Zusammenhang mit der "prima causa" auch explizit und ganz ausdrücklich von Seinsbedingungen die Rede.
Mangels einer "Physik der Zeit" lässt sich die Frage nach den Bedingungen für das Vorhandensein von so etwas wie "Zeit" zwar stellen, derzeit aber nicht beantworten. Möglicherweise hängt das irgendwie mit Entropie, dem 2. HS d. Thermodynamik (als Theorem der Statistik) zusammen oder so. Und auch die Frage, warum der Raum gerade 3-dimensional ist, ist mehr als müßig... Das müssen wir gegenwärtig einfach als gegeben hinnehmen, auch wenn sich unzählige Alternativen denken und rein theoretisch auch mathematisch-physikalisch beschreiben ließen.


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Gibt es Gott oder nicht?

20.07.2021 um 00:51
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Einigen wir uns darauf, dass wir Gott hier nicht als Wesen verstehen, was den Religionen vorbehalten ist.
Vielmehr geht es schlicht um das Seiende/das Sein und dessen höchste Prinzipien und Ursachen.
Denkt man nun über diese nach, so müsste sich doch ein Bild finden lassen.
Eigentlich hatte ich ursprünglich noch einen längeren Beitrag in der "Pipeline", der war aber doch recht lang... viel zu lang... und wo ich u.a. auf den Unterschied zwischen dem "Gott der Theologen" und dem "Gott der Philosophen" aufmerksam machen wollte, zumal du die Diskussion ja auch in der Rubrik "Philosophie" eröffnet hattest und nicht in der Märchen-Ecke (Rubrik "Spiritualität").... Aber dazu gäbe es dann wirklich leider viel zu viel zu sagen, ohne dass man zu abschließenden Antworten gelänge (natürlich nicht...). Eine halbwegs brauchbare Einführung bieten da auch die klassischen Enzyklopädien der Philosophie - weiß nicht, ob man das jetzt alles bis ins Detail hier durchkauen muss. Kann ja letztendlich alles jeder selbst recherchieren, wenn er mag. Bspw. Eisler's Wörterbuch philosophischer Begriffe ist nicht schlecht...
https://www.textlog.de/4175.html

Dort wird dann auch noch einmal unterteilt nach Vorstellungen aus...

  • Antike
  • Christentum, Scholastik
  • Rationalismus, Aufklärung
  • Idealismus

Stellenweise ist es aber auch schon wieder etwas überfrachtet, andererseits an manchen Stellen nicht ausführlich genug, dazu mit unzähligen Quellenangaben und Zitaten gespickt, dass es schon recht müßig ist, sich da durchzuwühlen. Außerdem fehlt irgendwie sowas wie ein "bigger picture" oder ein "roter Faden", also gewisse "Bilder" tauchen halt von der Antike bis zur Renaissance/Aufklärung und sogar bis zur Neuzeit immer wieder auf. Thomas v. Aquin knüpft bspw. an Aristoteles an... und Aristoteles hatte bspw. seinerzeit einige Beiträge zur Teleologie (nicht zu verwechseln mit "Theologie") geleistet:

Nach der transzendenten Auffassung (Anaxagoras, Heraklit) wird die zweckmäßige Ordnung der Welt durch das Wirken einer zwecksetzenden Weltkraft (Nous, Logos) hergestellt; bei Platon durch die außerweltlichen Ideen; in der christlichen Theologie durch Gott oder die göttliche Vorsehung.

Die immanente Teleologie (Aristoteles) verlegt die Zweckursache in die Dinge selbst, denen damit ein Streben nach bestimmten Zielzuständen zugeschrieben wird.

Wikipedia: Teleologie

Damit scheint er sich also explizit gegen die "transzendente Auffassung" eines außerweltlichen (Schöpfer-)Gottes zu positionieren. Andererseits sprach Aristoteles aber auch von einem "unbewegten Beweger", worunter er - meines Wissens - wohl auch ein personales Wesen verstand, während er gleichzeitig unter Bewegung nicht Ortsänderung, sondern den Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit verstand. Außerdem prägte er den Begriff der sog. Entelechie:

In der Philosophie versteht man unter Entelechie [...] die Eigenschaft von etwas, sein Ziel (Telos) in sich selbst zu haben.
Wikipedia: Entelechie

Klassisches Beispiel wäre ein Samenkorn oder eine befruchtete Eizelle, welche den "Bauplan" für das "Endprodukt" in sich trägt. Und in gewisser Weise nahm Aristoteles damit schon in der Antike den Begriff der Selbstorganisation vorweg:

Die Vor- oder Urgeschichte der Selbstorganisation umfasst den Zeitraum vom griechisch-römischen Altertum bis etwa zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Schon im alten Griechenland spekulierten Philosophen über Chaos und Turbulenz als Ursache von Ordnung. In der Philosophie des Aristoteles könnte man Selbstorganisation auch als Entelechie bezeichnen. Die platonisch orientierte Naturphilosophie Isaac Newtons (Philosophiae naturalis principia mathematica, 1687) nimmt schon im Ersten Bewegungsgesetz an, dass die Materie absolut passiv ist. Sie ist deshalb auch zu keiner Selbstbewegung und Selbstorganisation fähig. Aktive Ursachen materieller Veränderungen sind hier die immateriellen „Kräfte der Natur“. In den Naturwissenschaften des achtzehnten, neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts dominierten dagegen materialistisch-mechanistische Denkweisen, die sich unter anderem auch in Darwins Evolutionstheorie widerspiegeln. Die eigentliche Entstehungsgeschichte der Selbstorganisation beginnt jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der relativ späte Zeitpunkt hat mehrere Ursachen, zunächst verhinderte das vorherrschende mechanistische Paradigma das notwendige Umdenken, außerdem wurden mit Selbstorganisation in Verbindung stehende Phänomene ignoriert. Gegenwärtig kann noch nicht von einer Theorie selbstorganisierender sozialer Systeme oder von empirisch getesteten Hypothesen gesprochen werden.
Wikipedia: Selbstorganisation#Geschichte

Und dunkel erinnere ich mich in diesem Zusammenhang auch noch an ein (relativ dickes und umfassendes) Buch, welches ich vor unzähligen Jahren mal lesen wollte, aber nie geschafft hatte: Die Selbstorganisation des Universums - Vom Urknall zum menschlichen Geist (Erich Jantsch, 1992) Empfohlen wurde mir auch mal: Der Öltropfen im Wasser (Stuart Kauffman, 1998)
Kauffman vertritt insbesondere die Hypothese, dass Leben als Ergebnis von Selbstorganisation früher oder später quasi mit Zwangsläufigkeit entsteht:

"Leben ist ein zu erwartendes, kollektives Vermögen katalytischer Polymere zur Selbstorganisation." (S. Kauffman)

Und - um den Kreis zu schließen - manche Leute glauben, dass letztendlich eben sogar unser gesamtes Universum das Ergebnis von Selbstorganisation ist, wodurch sich schlussendlich dann auch die Ordnung bzw. eben der Kosmos erklärt (bei Platon war es hingegen bspw. noch der sog. Demiurg, der Ordnung ins Chaos bringt). Leider scheint es in den letzten ein, zwei Jahrzehnten aber kaum nennenswerte Arbeiten zu dieser ganzen Thematik und rund um Begrifflichkeiten wie Selbstorganisation, Emergenz, Chaos, Ordnung, Entropie usw. gegeben zu haben, ganz zu schweigen von einer umfassenderen Theorie. Schade...


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20.07.2021 um 06:55
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Dass a) die Raumzeit - zumindest in ihrer zeitlichen Dimension - beschränkt ist sowie b) die Raumzeit entstanden ist, sind aber zwei völlig verschiedene Aussagen. Du möchtest die ganze Zeit von (a) auf (b) schließen,
Genauer: Ich schließe von a) die Raumzeit existiert und b) das Universum hatte einen zeitlichen Anfang auf c) die Raumzeit muss entstanden sein da sie sonst d) „nach unserem Verständnis“ nicht existieren würde. Du unterschlägst Punkt d und verkennst dass Punkt c offenkundig ist (oder wie sollte es sie sonst geben?) allerdings e) für uns nicht erklärbar da es keine kausale Ursache (Erstursache) gib. Und eben weil sich diese Erstursache den Naturwissenschaften entzieht werden wir (prinzipiell) nicht verstehen können, wie das Universum entstanden ist.

Darüber hinaus ist es falsch (und ggf. Ursache deines Fehlschlusses), Ereignis und Prozess nicht zu differenzen:
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Eine derartige Vorstellung ist von vornherein sinnfrei, weil Entstehung - als Ereignis oder Prozess - bereits das voraussetzt, zu was es an dieser Stelle aber erst noch führen soll: Raum und Zeit.
Ein Ereignis (die Raumzeit entsteht) setzt überhaupt nichts voraus, lediglich ein Prozess unterliegt dem Kausalitätsprinzip resp. hat Ursache und Wirkung. Hier fehlt die Ursache (die Erstursache) aber nicht die Wirkung (das Ereignis der Entstehung).
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Mangels einer "Physik der Zeit" lässt sich die Frage nach den Bedingungen für das Vorhandensein von so etwas wie "Zeit" zwar stellen, derzeit aber nicht beantworten.
Nicht „derzeit“ sondern „prinzipiell“.
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Und auch die Frage, warum der Raum gerade 3-dimensional ist, ist mehr als müßig...
Korrekt. Weshalb ich sie auch nicht gestellt habe.


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20.07.2021 um 07:01
PS.:

Manches ist allerdings erstaunlich leicht zu beantworten…
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Oder wie schwer ist eigentlich ein Kilogramm?
Ein Kilogramm
Zitat von NoumenonNoumenon schrieb:Oder wie lang ist ein Meter?
Ein Meter


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20.07.2021 um 09:27
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Und eben weil sich diese Erstursache den Naturwissenschaften entzieht werden wir (prinzipiell) nicht verstehen können, wie das Universum entstanden ist.
Nur weil sich etwas den Naturwissenschaften entzieht, ist es nicht prinzipiell unverständlich. Das gilt ebenso für die Frage „Wie alles entstand“.


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20.07.2021 um 09:30
Wer "Unendliches" denkt, brauch keine Erstursache.


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20.07.2021 um 10:27
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nur weil sich etwas den Naturwissenschaften entzieht, ist es nicht prinzipiell unverständlich. Das gilt ebenso für die Frage „Wie alles entstand“.
Für die Diskussion zwischen @Noumenon und mir ist dieser Aspekt unerheblich oder zumindest nachrangig, da ich mich in meinem ursprünglichen Beitrag konkret auf Naturwissenschaften bezogen habe:
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Und hinsichtlich der Schöpfung muss man anerkennen dass sich mindestens die Frage nach der Erstursache von Allem den Naturwissenschaften prinzipiell entzieht.
Ganz unabhängig davon habe ich nicht behauptet, dass es nicht auch andere valide Sichtweisen gibt. Ich persönlich sehe für mich nur die naturwissenschaftliche Herangehensweise als sinnvoll an. Es bleibt allerdings selbst unter dieser Prämisse Spielraum auch für andere Sichtweisen, da die Naturwissenschaften eben nicht alle offenen Fragen beantworten können, speziell die zu einer möglichen Erstursache schon aus prinzipiellen Gründen nicht.


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20.07.2021 um 10:34
Wer "das Unendliche" schwindelt schaut, empfindet gelegentlich Halt in "Gott".
Wer das Schauen des Unendlichen durch End -oder Erst- Gedanken willkürlich beendet, findet Halt in dieser gedanklichen Beendigung. Er findet dann aber nicht zu "Gott".


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20.07.2021 um 10:37
Zitat von ArrakaiArrakai schrieb:Für die Diskussion zwischen @Noumenon und mir ist dieser Aspekt unerheblich oder zumindest nachrangig
Mag sein. Für die Threadfrage ist es aber erheblich. Egal ob wir nun von einem philosophischen oder theologischen Gott sprechen wollen, über einen naturwissenschaftlichen jedenfalls nicht, denn die Naturwissenschaft kennt eben keinen.
Zitat von GerlindGerlind schrieb:Wer "das Unendliche" schwindelt schaut, empfindet gelegentlich Halt in "Gott".
Wenn du zu lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich (frei nach Nietzsche).


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20.07.2021 um 10:38
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wenn du zu lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich (frei nach Nietzsche).
Nur wenn du glaubst, Gott sei tot.


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