kaktuss schrieb:Das sind alles kleine universitäre Zirkel die da irgendwas vertreten, das hat aber meines Erachtens nichts damit zu tun das Kant der Zeitgeist ist.
Uff. Wo auch immer du den entdecken willst. Und immer noch herrlich das du das Wörtchen Zeitgeist benutzt - das ist (vulgär) Hegel, nicht Kant.
Da der Thread sich Hegel widmet hier in möglichst Kurzform der Impact den Hegel auf die moderne Gesellschaft hatte:
Hegel führte zu Feuerbach, Linkshegelianer oder Junghegelianer - nenn es wie du willst - und dessen Religionskritik (Gott ist Projektion menschlicher Wesenskräfte). Das schon eine Haltung die heute noch vertreten wird, findest du hier im Forum en masse.
Marx und die gesamte kommunistische Theorie ist wiederum die Antwort auf Feuerbach, Marx kritisiert Hegels Geist (Zeitgeist!) als ebenso Projektion des Menschen und als reine Ablenkung von den realen physischen und damit ökonomischen Umständen in denen Menschen leben.
Der Impact von Marx sollte klar sein: russische Revolution, Mao, Ho Chin Min und soweiter. Ohne Hegel kein kommunistisches China heute, immerhin mit 2 Milliarden Menschen.
Damit sind wir aber noch nicht am Ende der hegelianischen Tradition. Geht weiter mit dem Bruch der Frankfurter Schule mit Marx, also Adorno, Horkheimer, Benjamin usw. Begründung der kritischen Theorie, Dialektik der Aufklärung (die Herrschaft der aufklärerischen Vernunft schlägt zwangsläufig in Barbarei um, wie im NS Regime - dringende Leseempfehlung für dich).
Das sind die theoretischen Vordenker der 68iger Bewegung, Bürgerrecht, Emanzipationsbewegungen. Gewaltiger Impact auf die westliche Welt.
Sie prägten den Begriff der Kulturindustrie, bis heute Standard im Medienwesen ganz ohne neokommunistische Untertöne. Dort kommen die Standars für die Soziologie her, Kukturkritik usw.
Und das wiederum führt dann zu den postmodernen Denkern (Focault um ein Beispiel zu nennen).
Die großen geistigen Konfliktlinien heute - nimm den Kulturkrieg um die Queerbewegung - kannst du mit Kant überhaupt nicht begreifen, mit dieser Linie die ich gaaaanz grob skizziert habe durchaus.
kaktuss schrieb:Z.B. : Metaphysik ist unvernünftig weil wir nicht in das eigentliche Gebiet der Metaphysik vordringen können, das Übernatürliche.
Wittgenstein: worüber wir nicht reden können, sollte man schweigen. DAS ist die moderne Haltung die du da triffst, nicht Kants Reflexionen über Metaphysik.
Nebenbei hast seit den 70igern ein großes Revival einer fundamentalen Gegenbewegung die genau das ablehnt. Dazu gehöre ich. Mache ich auf dich den Eindruck unvernünftig zu sein?
kaktuss schrieb:Wir können mit der Erkenntnis nicht über die Erfahrung hinausgehen weil wir sonst nur mit leeren Begriffen operieren.
Linguistic Turn: Es geht um propositionalen Gehalt, nicht um Erfahrung versus Erkenntnissen a priori. Dir fehlt da soviel, dass du deine Fehler nicht mal sehen kannst.
kaktuss schrieb:Durch bloßes Denken lässt sich kein Erkenntnisfortschritt erreichen, weil nichts Neues hinzukommen kann, wofür wir Erfahrung brauchen.
Wir verstricken uns bei der Lösung letzter Fragen über die Welt in Widersprüche.
Sorry, aber kalter Kaffee, auch wenn es dich umtreibt. Dir fehlen hunderte Jahre Ideengeschichte, die natürlich trotzdem auf dich wirken. Kannste aber nicht mal realisieren und darum kommen dann so schöne Wendungen wie der postmoderne Zeitgeist der Kant hinterläuft. Wenn man versteht was du da eigentlich sagst, ist es tatsächlich lustig.