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Was wollte Hegel bzw. was hat Hegel erreicht / erklärt ?

50 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Welt, Philosophie, Metaphysik ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Was wollte Hegel bzw. was hat Hegel erreicht / erklärt ?

um 14:41
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nach Hegel löst sich im dialektischen Prozess Kants Subjekt/ Objekt Dichotomie letztlich auf, Erscheinung-für-uns und Ding-an-sich fallen in eins im absoluten Wissen.
Hab Kant nie wirklich groß gelesen, oder Hegel. Ich hatte immer meine eigenen Ideen und bin auf die ganzen Namen nur gestoßen, wenn ich diese dann genauer hinterfragt habe.

Aber Dualität ist es für mich nicht, und die Trennung von in Subjekt und Objekt von Kant ganz sicher auch nicht. Halte ich auch einfach für falsch. Oder nicht real, es ist eine Vorstellung, im besten Fall ein Modell.

Und keine Ahnung, wo Du zwischen absoluten und nicht absoluten Wissen unterscheiden willst. Und auch wie dann genau.


Zitat von paxitopaxito schrieb:Aber dafür muss man Hegels Konzept des Geistes und seine Teleologie schlucken. (Edit: was ich nicht mache)
Kenne ich auch nicht so wirklich, die Frage ist, ob das mit "Gott" nur eine Interpretation ist, und er nicht eventuell etwas anderes meinte. Gibt heute einige Ansätze, die Bewusstsein (oder eben "Geist") ganz nach vorne stellen, oder nach unten, eben als die erste Ursache alles Seins sehen. Ist nicht nur meine Idee.



Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Durch bloßes Denken lässt sich kein Erkenntnisfortschritt erreichen, weil nichts Neues hinzukommen kann, wofür wir Erfahrung brauchen.
Halte ich für falsch und widerlegt, dafür musst man nur in die Mathematik schauen. Auch die eigene Erfahrung widerspricht dem, also meine zumindest, ich habe nur durch bloßes Denken aber reichlich an Erkenntnissen gewonnen, klarer Fortschritt.

Und eventuell kannst Du ja "Denken" auch als Erfahrung sehen, oder erfährst Du beim Denken nicht das was Du denkst?


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um 16:53
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Und keine Ahnung, wo Du zwischen absoluten und nicht absoluten Wissen unterscheiden willst. Und auch wie dann genau.
Ich paraphrasiere da Hegel, nicht meinen Standpunkt. Da Wahrheit im dialektischen Prozess liegt und dieser Prozess auf ein historisches Ziel hinsteuert, ist das Ende von diesem Prozess das absolute Wissen.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Kenne ich auch nicht so wirklich, die Frage ist, ob das mit "Gott" nur eine Interpretation ist
Ich hab nix von Gott geschrieben, das wäre auch schlicht falsch.
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:er nicht eventuell etwas anderes meinte. Gibt heute einige Ansätze, die Bewusstsein (oder eben "Geist") ganz nach vorne stellen
Der hegelsche Geist ist nicht Bewusstsein wie du es hier meinst. Geist heißt bei Hegel eine sich selbst entwickelnde, entfaltende kollektive Struktur von Selbstbewusstsein, realisiert durch Geschichte, Kultur, Institution. Geist bedeutet weder „Gott“ noch individuelles Subjekt, ist nicht Substanz, sondern Prozess (Kernmoment von Hegel, das prozesshafte kommt immer wieder)und ist intersubjektiv.


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um 17:33
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wenn man versteht was du da eigentlich sagst, ist es tatsächlich lustig.
Schön, dass es dich amüsiert... ich denke Kant hat einen Felsen in die Brandung gesetzt, der von allen nach ihm nur weiter abgespült
worden ist... was du da schreibst hat meines Erachtens keine hohe metaphysische Relevanz... natürlich nur im Vergleich zu Platon, Aristoteles, Kant...
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Halte ich für falsch und widerlegt, dafür musst man nur in die Mathematik schauen. Auch die eigene Erfahrung widerspricht dem, also meine zumindest, ich habe nur durch bloßes Denken aber reichlich an Erkenntnissen gewonnen, klarer Fortschritt.
Inwiefern Mathematik und Philosophie sich unterscheiden legt Kant in der KrV dar. Mathematik ist sowieso so ein eigenes Ding.
Aber inwiefern soll man a priori etwas über die Welt erkennen was objektive Gültigkeit hat ?
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:Und eventuell kannst Du ja "Denken" auch als Erfahrung sehen, oder erfährst Du beim Denken nicht das was Du denkst?
Doch aber du bekommst keinen neuen Input durch dein Denken... das einzig interessante hier wäre ein "Einfall"...
Aber auch hier müsste man den Einfall ja dann erstmal durch Erfahrung wieder überprüfen um Wissen vom Objekt zu erlangen...


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um 17:52
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Schön, dass es dich amüsiert... ich denke Kant hat einen Felsen in die Brandung gesetzt, der von allen nach ihm nur weiter abgespült
worden ist... was du da schreibst hat meines Erachtens keine hohe metaphysische Relevanz... natürlich nur im Vergleich zu Platon, Aristoteles, Kant...
Wir waren nicht bei metaphysischer Relevanz, sondern bei Zeitgeist und „alle Menschen denken wie Kant“. Was schlicht Unsinn ist, das gilt nicht mal für dich selbst.
Davor waren wir bei „Es gab keinen Paradigmen Wechsel“ in der Philosophie - was ebenfalls nachweislich falsch ist.
Jetzt eben die Metaphysik, gut gerne - offensichtlich weist du auch nix über die Geschichte der Metaphysik im 20 Jhd. Was dich nicht davon abhält zu glauben es gebe nur Platon, Aristoteles und Kant.
Bereits Hegel streichst du, weil du ihn nicht verstehst - obwohl dessen Metaphysik einen enormen Einfluss auf die Weltgeschichte hatte, real und greifbar.
Egal Metaphysik 20 Jhd. - Startpunkt ist hier der Wiener Kreis (Carnap, Ayer usw.) die die ganze Metaphysik als kognitiv sinnlose Pseudoprobleme beschrieben haben. Auf der anderen Seite der Gigant Heidegger der Metaphysik als abendländische Seinsvergessenheit zu überwinden suchte.
Zwei völlig unterschiedliche Schulen, ein Ziel: das Ende der Metaphysik.
Und wieder kommt der Linguistic Turn der der Metaphysik neuen Raum eröffnet. Quines Angriff auf die analytisch-synthetische Unterscheidung (2 Dogmas, noch eine starke Leseempfehlung für dich damit du mal im 20 Jhd. ankommst) untergräbt den Positivismus und öffnet den Raum für Leute wie Krippke oder Lewis, für eine neue moderne Metaphysik, technisch hochgerüstet.
Modallogik, Essentialismus, Many Worlds. Am Ende fällt genau da auch deine OP Vorstellung rein @nocheinPoet , nur mal der Info halber.

Du hast aber weder Ahnung von der fundamentalen Metaphysikkritik von Carnap, noch von der Seinsphilosophie von Heidegger. Mit beiden kannst du deine ganzen metaphysischen Überlegungen in die Tonne drücken.
Noch weniger kannst du dann die Überwindung der Überwindung der Metaphysik durch den linguistic turn verstehen.
Macht nix, es steht dir jederzeit frei dich damit zu beschäftigen. Und dafür musst du nicht erstmal Kant inhaliert und Hegel verstanden haben. @kaktuss

Oder du arbeitest dich weiter an Problemen ab, die schon lange „gelöst“ sind.
, wie dem Ding an sich. Zu deiner Information: das ist kein gängiges Konzept mehr.


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um 18:00
Zitat von paxitopaxito schrieb:Oder du arbeitest dich weiter an Problemen ab, die schon lange „gelöst“ sind.
, wie dem Ding an sich. Zu deiner Information: das ist kein gängiges Konzept mehr.
Wären die Probleme an denen ich mich abarbeite gelöst, dann wüsste ich zwangsläufig davon.
Das mit dem Ding an sich das hab ich doch auch verworfen... ich sagte doch immer wieder der transzendentale Idealismus haut nicht hin.

Du hast Recht, ich habe mich mit den Philosophen nach Kant wenig beschäftigt, aber genau nur darum, weil sie die Probleme die Kant mir
aufgezeigt hat eben nicht lösen... und was soll ich dann meine Zeit vergeuden.


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um 18:20
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Wären die Probleme an denen ich mich abarbeite gelöst, dann wüsste ich zwangsläufig davon.
Nein offensichtlich nicht. Du kennst Carnap nicht, der Kant seziert hat. Nach Carnap gibt es nur zwei Arten von Sätzen, analytisch a priori und synthetisch a posteriori.
Damit zieht er Kant das Fundament weg, keine synthetischen a priori Urteile heißt keine Begründung der Kategorien als Bedingung der Erfahrung, keine transzendentale Deduktion.
Beispiel Raum, Carnap zeigt das Kant hier drei Begriffe des Raums vermischt, den formalen (mathematisch, beliebige Geometrie), den phänomenalen (Gegenstand der Wahrnehmung) und empirischen (Physik).
Kants Kategorie Raum als Bedingung der Erfahrung trägt nur, wenn man das verwechselt. Und Einstein hat gezeigt, dass das nicht gleich ist (nicht euklidische Geometrie, ART).
Aber Carnap ist kein Kant Zerstörer. Er baut ein de-transzendalisierte Konstitutionstheorie Version von Kant. Nur wird das transzendentale Subjekt durch Russels Typenlogik ersetzt. Die Frage „Wie ist Erkenntnis möglich?“ wird zu einer Frage der Syntax.
Kurz: Carnap enthauptet Kant, behält aber das Skelett.

Und das ist nur einer. Nur einer der vielen Philosophen die zu radikalen Umbrüchen in der Anschauung beigetragen haben. Heidegger kannst da genauso aus dem Hut ziehen und viele andere.

Aber wie gesagt, mit Quine hat sich dann auch Carnap erledigt, da der die ganze Unterscheidung in synthetisch und analytisch auseinander nimmt und zeigt, dass diese Unterscheidung nicht funktioniert.


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um 18:29
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Doch aber du bekommst keinen neuen Input durch dein Denken ..., das einzig interessante hier wäre ein "Einfall"...

Aber auch hier müsste man den Einfall ja dann erstmal durch Erfahrung wieder überprüfen um Wissen vom Objekt zu erlangen ...
...
...
...
...
...
Okay?

Zur Sache, ich halte das für Unfug, wo glaubst Du kommen die imaginären Zahlen her? Die Quaternionen?

Und uns unterscheidet hier auch grundsätzlich etwas, ich trenne nicht so wie Du, ein Ich, ein Subjekt, ein Objekt, teile die Welt in reale Teile auf.

Wenn Du alles nur als eines betrachtest, was ja nicht falsch ist, dann gibt es kein Außen, dann kann da nichts rein kommen.

Aber ich muss Deine Bild der Welt ja nicht wirklich nachvollziehen können.


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um 18:41
Zitat von paxitopaxito schrieb:Nach Carnap gibt es nur zwei Arten von Sätzen, analytisch a priori und synthetisch a posteriori.
Damit zieht er Kant das Fundament weg, keine synthetischen a priori Urteile heißt keine Begründung der Kategorien als Bedingung der Erfahrung, keine transzendentale Deduktion.
Beispiel Raum, Carnap zeigt das Kant hier drei Begriffe des Raums vermischt, den formalen (mathematisch, beliebige Geometrie), den phänomenalen (Gegenstand der Wahrnehmung) und empirischen (Physik).
Kants Kategorie Raum als Bedingung der Erfahrung trägt nur, wenn man das verwechselt. Und Einstein hat gezeigt, dass das nicht gleich ist (nicht euklidische Geometrie, ART).
Also das macht für mich alles sehr viel Sinn... aber es ist kein wirklicher Umsturz von Kants Theorie, nur vom rationalistischen Teil, dem Transzendentalen Idealismus... aber das ist lange nicht alles was Kant aufzeigt, da bleibt noch einiges fundamentales stehen...
Zitat von paxitopaxito schrieb:Aber wie gesagt, mit Quine hat sich dann auch Carnap erledigt, da der die ganze Unterscheidung in synthetisch und analytisch auseinander nimmt und zeigt, dass diese Unterscheidung nicht funktioniert.
Ich denke ja dass Quine hier gescheitert ist und das Kants Trennung immer noch mehr Sinn macht als Quines Theorie...
Zitat von nocheinPoetnocheinPoet schrieb:ich trenne nicht so wie Du, ein Ich, ein Subjekt, ein Objekt
Oh man... ich muss doch zwischen der Welt außer mir und den Gedanken oder Bewusstseinsinhalten in mir unterscheiden...


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um 18:52
@kaktuss

Du kannst natürlich wo im Leben unterscheiden, mach ich auch, klar, der Nagel bin in dem Sinne nicht ich und es tut mir nicht weh, wenn ich mit dem Hammer darauf schlage.

Das ist aber nicht Philosophie, hier gehe ich eben ganz anders an die Dinge rann.

Die Trennung zwischen einem Subjekt und Objekt ist eine Vorstellung, fiktiv, ein Modell, nicht Realität.

Nicht mal mein "Ich" ist in dem Sinne real. Wenn ich also die großen Fragen stelle, dann setze ich mich damit auseinander.


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um 18:52
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Also das macht für mich alles sehr viel Sinn... aber es ist kein wirklicher Umsturz von Kants Theorie
Das Ende der synthetischen Urteile a priori? Das ist das Ende von Kants Metaphysik.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:aber das ist lange nicht alles was Kant aufzeigt, da bleibt noch einiges fundamentales stehen
Wie überall wäre es auch schräg wenn nix überbleiben würde. Natürlich bleibt da was, auch von Aristoteles bleibt noch was nach Tausenden Jahren. Und Carnap ist voll in der Tradition von Kant, der ist im Grunde Neokantianer.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Ich denke ja dass Quine hier gescheitert ist
Welche Theorie? Quine zeigt einfach auf, dass die Unterscheidung nicht aufgeht, sie ist zirkulär. Jeder Versuch, “Analytizität” zu erklären, greift auf Begriffe wie Synonymie, Bedeutung, notwendige Wahrheit zurück – die selbst genauso unklar sind wie das, was erklärt werden soll. Man dreht sich im Kreis: Synonymie erklärt man über Analytizität, Analytizität über Synonymie.
Damit ist diese Unterscheidung mE Geschichte. Du darfst sie aber gerne beibehalten und weiter alles nach Kant ignorieren, weil du ja wüsstest, wenn es da was Wichtiges gäbe.
Aber die retten sogar das Ding an sich. Irgendwie. Glaub ich.
Etwa das Frühwerk von Heidegger: „Kant und das Problem der Metaphysik“. Du wüsstest ja sicher wenn da was relevantes drinstünde. Woher auch immer.
@kaktuss ich kann das hier nur anreißen, auch Carnap, Quine, Hegel. Dabei sind das alles keine Namen die für mich besonders relevant wären, da ich philosophisch an ner ganz anderen Stelle stehe.
Aber wenn du dich schon mit Kant beschäftigst, dann ist doch die erste Frage was andere kluge Leute zu Kant geschrieben haben und wie er heute verstanden wird. Wirklich modern wären die Interpretationen von Langton und Allison, aber davon hab ich nur bedingt Ahnung (weil es mich im Grunde nicht interessiert).


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