Wie war die DDR?
27.05.2018 um 19:40So ein Grundstück wie das Plattenwerk in Dresden, was bis in die 2010er eine blühende Landschaft ist?Optimist schrieb:es gab doch nicht nur solche belasteten grundstuecke, sondern auch soundsuviele gute.
So ein Grundstück wie das Plattenwerk in Dresden, was bis in die 2010er eine blühende Landschaft ist?Optimist schrieb:es gab doch nicht nur solche belasteten grundstuecke, sondern auch soundsuviele gute.
in meinen Augen waren die Feundschaften hauptsächlich im Betrieb von heute auf morgen vorbei, war einer dem anderen dann sein Teufel.FF schrieb:Hat es Dir aber nicht auch zu Denken gegeben, dass solcher Zusammenhalt dann mit der Maueröffnung oft schlagartig beendet war? Plötzlich waren alle genauso auf sich alleine gestellt und hatten Freundschaften, wie sonst auch überall.
Insofern waren viele Beziehungen anscheinend sehr materialistisch auf gegenseitige Hilfe begründet, und auch auf ein sonst eher mageres Freizeitangebot.
Gerne wird die Geschichte vom besseren Menschen erzählt, der in der Mangelwirtschaft solidarisch für andere ein- und für Bananen anstand, der erfinderisch allerhand Geräte und Autos für ein Tauschgeschäft reparierte oder mit geringsten Mitteln ein Häuschen zusammen klaubte.natuerlich spielte DAS fuer einige "Freundschaften" auch eine grosse Rolle, aber eben nicht nur und nicht fuer alle Freundschaften.
Genauso wie die zum Teil gruseligen Wohnverhältnisse, die man leicht romantisieren kann...Falls du die Plattenbauten meinst. Die wurden zu unrecht schlecht geredet. Davon gibts jetzt noch sehr viele und die Leute wohnen gern drin, ziehen auch nach wie vor Leute ein - und keine Assis, wie jetzt evtl. mancher denken könnte.
Aber für die Oma im Altbau mit Kohleofen war es nicht lustiger, als für die Oma im Altbau mit Kohleofen im Westen.Manch einer wuerde sich jetzt wieder nach einem Kohleofen sehen, aber das steht auf einem anderen Blatt.
Die Mutter einer Freundin starb elend an Diabetes... im Westen gab es längst bessere Medikamente und Behandlungen, auch gegen die Schmerzen Sterbender.gut, das sind nun mal solche Punkte, was grosse Nachteile waren.
Wie gesagt: Es konnte auch alles ok sein und manche konnten sich auch bereichern. Aber es gab andererseits enorme Nachteile, die für viele durch einen (erzwungenen) Zusammenhalt nicht aufgewogen werden konnten.Wie gesagt, auch fuer Leute die sich nicht bereichern konnten oder das auch gar nicht wollten, sondern eher bescheiden waren, war nicht alles schlecht.
Das waren dann auch damals wohl nur Freundschaften aus Zweck.Optimist schrieb:in meinen Augen waren die Feundschaften hauptsächlich im Betrieb von heute auf morgen vorbei, war einer dem anderen dann sein Teufel.
Hatte das zumindest in meinem Betrieb ganz krass erlebt:
Das andere System - Kapitalismus - kam zur Anwendung mit allen vor und Nachteilen und die Angst vor Entlassungen grasierte -> daraufhin wurden aus Freunden Konkurrenten.
Aber die gab es doch auch. Wolltest du was werden dann musstest du die Ellenbogen ausfahren um zu bestehen. Schlimmer noch, du musstest mit der Stasi arbeiten, sonst wäre schon das Studuim zum Teil nicht möglich geworden. Im Sport sah es ähnlich aus.Optimist schrieb:Zudem die Ellenbogenmentalität.
Dieses Denken gabs eben in der DDR - zumindest in meinem Umfeld - viel weniger ausgeprägt.
War das in der DDR anders?Optimist schrieb:Die mediale Beeinflussung ging eben nicht an allen spurlos vorbei - dieses materielle Denken, dass man nur als Mensch was wert ist, wenn man Arbeit hat und was besitzt usw...
Ich glaube das bezog sich nicht auf die Platte, sondern vorallem auf den Altbau, der zum Ende der DDR flächendeckend kurz vor dem Abriss stand.Optimist schrieb:Falls du die Plattenbauten meinst. Die wurden zu unrecht schlecht geredet. Davon gibts jetzt noch sehr viele und die Leute wohnen gern drin, ziehen auch nach wie vor Leute ein - und keine Assis, wie jetzt evtl. mancher denken könnte.
Richtig, auch in der DDR war nicht alles schlecht. Es hatte alles seinen Zweck, aber war nicht unbedingt schlecht.Optimist schrieb:Aber auch im Gesundheitswesen war nicht alles schlecht.
ich hatte es so empfunden, dass es zumindest nicht so krass war wie dann im anderen System. Und ich habe auch von einigen anderen diese Rueckmeldung.Bone02943 schrieb:War das in der DDR anders?
so isses. Eins davon ist der gruene Pfeil - der nicht leuchtende. Finde es immer wieder schade, dass es den nur noch selten gibt bzw. an vielen Stellen wo er auch jetzt noch angebracht wäre, da wenig Verkehr, abmontiert wurde.Bone02943 schrieb:Es hatte alles seinen Zweck, aber war nicht unbedingt schlecht.
Optimist schrieb:in meinen Augen waren die Feundschaften hauptsächlich im Betrieb von heute auf morgen vorbei, war einer dem anderen dann sein Teufel.
sehe ich nicht ganz so. In meinem ehemaligem Betrieb hatten wir ein Verhältnis wie in einer Familie. Aber auch Familien können halt zerbrechen, wenn Geld oder Existenz eine Rolle spielt.Bone02943 schrieb:Das waren dann auch damals wohl nur Freundschaften aus Zweck.
Aber deswegen ist ja die DDR bzw. der osteuropäische Kommunismus nicht gescheitert^^ Der Dissens zwischen politischer Ausführung dieser Ideologie und wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und am Ende real-politischer Wirklichkeit war einfach zu groß.Optimist schrieb:Eins davon ist der gruene Pfeil - der nicht leuchtende.
Ich denke das hätte trotzdem nicht funktioniert. Die Sehnsucht nachm Westen, der vor der Tür lag, wäre wohl doch zu groß gewesen.TangoSierra schrieb:Die DDR-Autokratie wäre durchaus überlebensfähig gewesen, wenn sie (wie China) dem Kapitalismus die Tür geöffnet hätte.
ja eben, so ist es.Optimist schrieb: Nachteilen und die Angst vor Entlassungen grasierte -> daraufhin wurden aus Freunden Konkurrenten.
ja kann ich auch nur bestätigen. unsere "Neubaugebiete" hier sind alle fast voll bewohnt... schon seltsam will keiner mehr was mit DDR zu tun haben :DOptimist schrieb:Falls du die Plattenbauten meinst. Die wurden zu unrecht schlecht geredet. Davon gibts jetzt noch sehr viele und die Leute wohnen gern drin, ziehen auch nach wie vor Leute ein - und keine Assis, wie jetzt evtl. mancher denken könnte.
"damals" hieß die Ellenbogenmentalität nur anders, zB SED_Parteibuch,knopper schrieb:das ist schon richtig, ändert aber auch nix daran das heute eine Art Ellenbogengesellschaft herrscht in der jeder nur an sich denkt. Das Ganze ist natürlich systembedingt...Kapitalismus eben. Das war eben damals. ebenfalls systembedingt, anders
ja, aber da gingen die Ellenbogen von den "System-Eliten" aus.lawine schrieb:"damals" hieß die Ellenbogenmentalität nur anders, zB SED_Parteibuch,
Bespitzelung durch die Stasi und ihre Zuträger oder, Einschüchterung und Benachteiligung politisch anders Denkender/religiöser Menschen,
War in der DDR auch schon so, wurde nur unter den Teppich gekehrt. Nach der Wende kam der ganze Rassismus an die Oberfläche.Optimist schrieb:Und heutzutage bekämpft sich die Bevölkerung ganz freiwillig gegenseitig -> alt gegen jung, arm gegen reich, Inländer gegen Ausländer und alles auch umgekehrt.
Die heutigen! Man muss nicht in der Partei sein, die FDJ durchlaufen haben oder die Wehrzeit, um was erreichen zu können.Optimist schrieb:Ich weiss nun auch nicht, welche Ellenbogen da besser oder schlechter sind.
Optimist schrieb:Ich weiss nun auch nicht, welche Ellenbogen da besser oder schlechter sind.
Das sehe ich genauso.Bone02943 schrieb:Die heutigen!
Warum fragst du dann erst.Optimist schrieb:Das sehe ich genauso.
Das liegt aber auch an der Zeit an sich. Alte Menschen werden heut nicht mehr so "daheim" gepflegt wie früher. Und auch in der DDR gab es schon arm und reich, war nur nicht so ausgeprägt, weil fast alle iwie eher arm waren. Reich zu sein bedeutete mit dem Staat zusammen zuarbeiten. Ohne Stasi war man auch nicht reich, wenige Außnahmen mal außen vor.Optimist schrieb:Was jedoch alles andere betrifft... also z.B. arm gegen reich, jung gegen alt usw.., das war damals noch nicht so krass, finde ich.
das war nur eine rethorische Frage.Bone02943 schrieb:Warum fragst du dann erst.
genau das hatte ich gemeint, es war alles nicht so ausgeprägt und so krass.Bone02943 schrieb:Und auch in der DDR gab es schon arm und reich, war nur nicht so ausgeprägt,
ich hatte ehrlich gesagt nie den Anspruch reich zu sein, aber kann natuerlich nicht von mir auf andere schliessen.Bone02943 schrieb:Reich zu sein bedeutete mit dem Staat zusammen zuarbeiten.
Also ich hatte ganz normal einen Beruf lernen, sogar studieren können, ohne in der Partei sein zu muessen. Gut, in der FDJ musste ich wohl auch sein, da kam ich nicht drum rum, aber da hatten wir damals keinen Stress gross damit bzw. keine Verpflichtungen. Ganz selten im Jahr mal FDJ-Hemd anziehen, das wars dann.Bone02943 schrieb:Man muss nicht in der Partei sein, die FDJ durchlaufen haben oder die Wehrzeit, um was erreichen zu können.
Aber ist das besser?Optimist schrieb:genau das hatte ich gemeint, es war alles nicht so ausgeprägt und so krass.
Nicht mal der Unterschied zwischen der normalen Bevölkerung und Wandlitz war so krass, wie heutzutage die Politiker vom Verdienst her im Vergleich zu "Normalos", finde ich.
Tja und was wäre ohne FDJ gewesen? Es gibt genug Dokus, vorallem von Leuten mit kirchlichen Eltern, die das verboten haben und diese Kinder waren dann immer Außenseiter. Staatlich verordnete Außenseiter. Zum Glück geht es den Kindern heute besser. ;)Optimist schrieb:Also ich hatte ganz normal einen Beruf lernen können, sogar studieren können, ohn dass ich Partei brauchte. Gut, in der FDJ musste ich wohl auch sein, da kam ich nicht drum rum, aber da hatten wir damals keinen Stress gross damit bzw. keine Verpflichtungen. Ganz selten im Jahr mal FDJ-Hemd anziehen, das wars dann.
Nur konnten das die Kinder nicht. ;)Optimist schrieb:Die Frage wäre nun, ob sie damit ihren Kindern einen Gefallen getan hatten?
Auch wieder eine rethorische Frage, aber ich urteile nicht darueber, sowas muss halt jeder selbst wissen und fuer sich entscheiden, wie er mit solch einem System umgeht.