duval schrieb:Anstatt sich vom neuen Gesetz einschüchtern zu lassen, machen viele Anbieter einfach einen digitalen Abgang ins Ausland zB Russland und die USA online natürlich! Mit ein paar Klicks sind ihre Livestreams plötzlich auf Plattformen, die Schweden nicht mehr kontrollieren kann. Und damit keiner mitbekommt, wer zuschaut oder bezahlt, läuft das Ganze über VPNs oder anonyme Zahlungsdienste so bleibt alles schön im Verborgenen.
Genau.
Und derweil müssen sich schwedische Sexworker, die "in Person" arbeiten und natürlich auch trotz Verbots nicht auf ihre Einnahmen verzichten könnten, sich mit den Kunden begnügen, die kein Problem damit haben, kriminell zu handeln. Teils sind das oft nur Kunden die etwas risikobereiter sind als der Durchschnitt, aber oftmals sind es genau die Art Kunden, die auch schon vorher nicht zum Lieblingsklientel der Sexworker gehörten.
Der Kundenkreis wird also kleiner, die Notwendigkeit Geld zu verdienen bleibt genauso hoch.
Weil die Räume, in denen Sexarbeit ausgeübt wird, auch nicht mehr existieren dürfen, passiert das Ganze dann in zwielichtigen, unbeobachteten Ecken. Im Fall von Gewalt die in dem Zusammenhang passiert, ist die Motivation sich der Polizei anzuvertrauen denkbar gering, weil man als Sexworker ja Teil einer kriminellen Handlung war.
Im Übrigen gilt jede Handlung, die die Sexarbeit unterstützt als Beihilfe zu einer Straftat, das heißt, ein Ehemann oder Partner darf seine Frau nicht mal mehr von der Arbeit in Bordell abholen, ohne diesbezüglich ein erhebliches Risiko einzugehen.
Vermieter weigern sich oftmals, einer Person, die als Sexworker bekannt ist, Wohnraum zu vermieten oder schmeißen sie wenn möglich raus, da auch sie sich schnell einer Straftat verdächtig machen könnten. (Die Person könnte ja die Tätigkeit in ihre Privatwohnung verlagern, wenn sie sonst nirgendwo arbeiten darf.)
Mit der gesellschaftlichen Ächtung die Sexarbeit sowieso schon mit sich bringt, aber im Fall einer Kriminalisierung natürlich noch viel mehr, sind Sexarbeiter einem noch viel höheren Stigma ausgesetzt als zum Beispiel hierzulande.
Das war jetzt nur ein Teil der ganz alltäglichen Probleme, die das Nordische Modell mit sich bringt.
Es sollte doch für jeden klar sein, dass Sexarbeiter unter solchen Umständen dann kein besseres Leben haben, sondern ihre Arbeit nur viel schwerer, gefährlicher und unsicherer wird.