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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

286 Beiträge, Schlüsselwörter: Antisemitismus

Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:26
Anna-Lena-1990 schrieb:Denn es sind nicht die "Neonazis" die die Geschichte umschreiben wollenn. Ganz im Gegenteil.
Soll das jetzt ein Outing sein?

Deine Meinung in Ehren, aber diejenigen, welche begründet eine andere Meinung vertreten, als "Lügner" zu bezeichnen, ist beleidigend und eine bodenlose Frechheit.
Anna-Lena-1990 schrieb:es sind drei Lügen in der Überschrift der Washingtonpost
Du bezweifelst auch den Lynchmord?


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Fabs
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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:29
@Anna-Lena-1990

Stimmt. Frank hat das Gegenteil eines Bonus bekommen, nämlich einen Malus. Einen Richter, für den er vorab schuldig war; eine Presse, die die Stimmung aufheizte. Mag sein, dass die Richter und Journaille gar nicht antisemitisch motiviert waren. Der Boulevard stürzt sich ohnehin gern auf solche medienwirksamen Fälle und schlachtet sie genüsslich aus. Das sich für das Verteidigerteam der Eindruck des Antisemitismus im Laufe des Prozesses aufdrängte, erscheint plausibel, angesichts der Tatsache, dass ihr Mandant auch wider jeder Evidenz schuldig sein sollte und der langen Historie antisemitischer Schauprozesse. Das klärt meine Frage nach deinen Quellen abe rnicht. Die will ich verlinkt, um mich so gut und völlig neutral in den Fall einlesen zu können, wie du es bist. Also schiess los.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:30
Narrenschiffer schrieb:Du bezweifelst auch den Lynchmord?
Man hat einen Mörder und Kinderschänder der sich freikaufen wollte aufgehangen. Wenn du das einen Lynchmord nennst dann ok. Man hat das Urteil gegen Frank vollstreckt. Die, die ihn aufgehangen haben waren Richter, Sherrifs, Staatsanwälte, Bürgermeister ect.

Du machst einen Fehler: Du darfst vergangene Zeiten nicht mit heutigen Masstäben messen.

In einer Zeit wo man Schwarze einfach so aufgehangen hat wenn sie weisse Frauen nur angesprochen haben...

In einer Zeit wo man Pferdediebe jeglicher colour einfach aufgeknüpft hat, wurde das nicht als Lynchen gesehen.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:35
Fabs schrieb:Die will ich verlinkt, um mich so gut und völlig neutral in den Fall einlesen zu können, wie du es bist. Also schiess los.
Was genau? Auf der englischen Wikipedia findest du alle Quellen. Was willst du denn haben?
Fabs schrieb: dass ihr Mandant auch wider jeder Evidenz schuldig sein sollte
Ähh...nein ;)

Er war schuldig, es gab genug Beweise, Beweise genug für das erste Gericht und seine Geschworenen, genug Beweise für die Berufungsverhandlungen und ihre Geschworenen...usw.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:39
Anna-Lena-1990 schrieb:Man hat einen Mörder und Kinderschänder der sich freikaufen wollte aufgehangen. Wenn du das einen Lynchmord nennst dann ok
Wenn man einen Menschen aus dem Gefängnis zerrt und ihn an einem Baum aufhängt, ist dies ein Lynchmord.

Das in der englischen Wikipedia wiedergegebene Lynchmordfoto im Spoiler

480px-FrankLynchedLarge

Quelle: Wikipedia: Leo_Frank



Deine Aussage erweckt den Verdacht, dass du den Mord an einem zu lebenslanger Haft Verurteilten rechtfertigst.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 11:44
@Narrenschiffer

Ich hatte eben noch drauf hingewiesen:

Man darf Dinge von vor 100 Jahren nicht mit dem Masstab von heute messen.

Und hier wird Ursache und Wirkung verwechselt: Ursache : Leo Frank vergewaltigt und ermordet ein 13 jähriges Mädchen. Dann versucht er bzw. sein Verteidiger-Team den Mord zwei Schwarzen anzuhängen.

Dann besticht er den Gouverneur damit er seine Todesstrafe in lebenslang umwandelt. Der Gouverneur Slaton war gleichzeitig Kanzleimitinhaber von Frank seinem Verteidigerteam.

Wird in der deutschen Wikipedia verschwiegen ;). Unwichtig sagen sie...haha von wegen.

Nochmal: Man darf hier Ursache und Wirkung nicht verwechseln, Hätte Frank nicht den Gouverneur bestochen wäre er lange vorher von rechts wegen aufgehangen worden.

Das führt dann aber wieder zur Diskussion um die Todesstrafe. Ich bin gegen die Todesstrafe.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 12:21
@Anna-Lena-1990
Du hast behauptet, es gäbe Quellen, die seine Schuld zweifelsfrei belegen. Bitte poste diese Quellen, damit sich jeder ein Bild davon machen kann.

Ansonsten versuchst Du an einem banalen Einzelbeispiel Antisemitismus zu relativieren und ausgerechnet dem Einzelbeispiel, das zum weiteren Aufkeimen des amerikanischen Antisemitismus geführt hat. Ein Verbrecher ist ein Verbrecher, völlig unabhängig von seiner Ethnie und Religion und hat ebenfalls völlig lösgelöst von seiner Ethnie und Religion, verurteilt und bestraft zu werden.


Also bitte die Quellen liefern, von denen Du geschrieben hast


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 14:46
Ich denke schon mal,
dass vom Tisch ist, dass Antisemitismusvorwürfe lächerlich sind.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

04.02.2018 um 16:14
Meine Fresse, das Ganze war 1915.
Was interessiert denn ob die amerikanische Justiz vor über 100 Jahren korrupt war oder nicht?


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Benandante
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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

05.02.2018 um 07:32
@JohnDifool
Danke, dass Sie den linken Anschlag der sogenannten Tupamaros Berlin, also insbesondere von Dieter Kunzelmann und Albert Fichter auf das jüdische Gemeindehaus am 9. November 69 erwähnt haben. Bemerkenswert, dass dieser Anschlag im Zusammenhang mit den Jubelartikeln zum Jubiläumsjahr der 68er Bewegung kaum Erwähnung findet. Offenbar passt es nicht recht zum gängigen Narrativ der 68iger, die ja von sich behaupten, ein zentrales Movens ihrer Revolte sei es gewesen, mit der Vergangenheit der Nazieltern abrechnen zu wollen, wenn die gleichen 68er Taten begehen, die auch gut zu ihren Nazieltern gepasst hätten.

Hinzuweisen wäre noch auf den von Linksradikalen ausgeführten Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in München am 13. Februar 1970, in den offenbar ein Tupamaros-Ableger aus München verwickelt war. Bei diesem Anschlag starben in dem zur Gemeindehaus gehörenden Altenheim sieben ältere Menschen, überwiegend Überlebende des Holocaust.

Übrigens ist die junge Frau, die damals am Tatort von Zeugen gesehen wurde, bis heute nicht identifiziert. Selbst Lisa Fitz dürfte diese junge Frau nicht kennen, obwohl Fitz damals selbst 19 Jahre alt war und möglicherweise, ohne dies zu ahnen, kurz zuvor noch neben ihr in der Schulbank gesessen haben könnte. Lisa Fitz kommt ja aus Krailling bei München.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

06.02.2018 um 11:53
Anna-Lena-1990 schrieb:
Man darf Dinge von vor 100 Jahren nicht mit dem Masstab von heute messen.
Richtig, ein ganz wichtiger Hinweis.

Ohne Betrachtung der sozialen und oekonomischen Randbedingungen macht man im Urteil zu historischen Faellen sehr schnell grosse Fehler.

Was speziell den Vorfall angeht: man sollte im Blick behalten, dass Leo Frank damals Fabrikdirektor (factory superintendent) war in einer Zeit extremen Raubtierkapitalismus.
In einer Zeit, wo Kinder zu Hungerloehnen oftmals mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten mussten.

Das Mordopfer in diesem Fall war ein 13-jaehriges Maedchen, welches in dieser Bleistift-Fabrik 55-Stundenwoche gearbeitet hatte an einer Maschine, die das Radiergummi an das Ende von Bleistiften drueckt, dann aber wegen eines Fehlbestandes des Messing, mit dem die Gummi befestigt warden, entlassen wurde. Die Fabrik hatte ihr den letzten Wochenlohn von 1 Dollar 20 Cent (entspricht etwa 30 USD heute, also einem Stundenlohn von unter 50 cent) vorenthalten als angebliche "Kompensation" fuer den Verlust. Und das war der Grund, warum das Maedchen nochmal in die Fabrik ging, um ihren Lohn einzufordern.

Weiterhin war Leo Frank bekannt dafuer, und darueber besteht auch kein Zweifel, dass er seine Machtsituation als Direktor ausgenutzt hat, weibliche Angestellte sexuell zu belaestigen und zumindest in einem Fall auch zu sexuellen Handlungen zu zwingen.

Ich denke daher, dass Leo Frank in der Tat einer massiv voreingenommenen Bevoelkerung und moeglicherweise auch Justiz gegenueberstand, dass er Hassobjekt war, aber nicht, weil er Jude war, sondern weil er Repraesentant einer ausbeutenden Industrie war! Und das Mordopfer war geradezu ein Paradebeispiel der von dieser Industrie ausgebeuteten Klasse!

Weiter versuchte Leo Frank und spaeter auch seine Verteidiger, den Verdacht auf zwei farbige Angestellte zu lenken, so wurde bei einem ein offensichtlich gefaelschtes Beweisstueck, ein blutverschmiertes Hemd, welches aber nach forensischer Untersuchung nach dem letzten Waschen nie getragen war, gefunden, ein offensichtlich untergeschobenes Beweisstueck.
Und so sehr damals (und vielleicht auch noch heute) viele Menschen eine Antipathie gegen Farbige hatten, im Zweifelsfall war die Identifikation mit einem ausgebeuteten Schwarzen dann doch leichter als die Identifikation mit jemanden, den man als Ausbeuter sowohl Schwarzer wie Weisser ansah!

Es geht aber noch weiter: nachdem Leo Frank schuldig gesprochen wurde und zum Tode verurteilt war, gelang es ihm, sich mit Geld eine Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslaengliche Haftstrafe zu erkaufen.

Das war dann nochmal eine weitere Verschaerfung dessen, was viele aus der Bevoelkerung schon vorher dachten, naemlich, dass das jemand mittels Ausbeutung gewonnenes Geld benutzt, um sich freizukaufen!

Und nur so ist zu begreifen, dass die Lynchparty sich zu grossen Teilen nicht aus primitive Mob, sondern aus ehrwuerdigen Buergern zusammensetzte, dass Tom Watson in seinem Magazin schrieb:
"This country has nothing to fear from its rural communities. Lynch law is a good sign; it shows that a sense of justice lives among the people"

Der Lynchmord an Leo Frank wurde damals von der Bevoelkerung begriffen als eine Rettung vor der Pervertierung des Rechts durch Geld!

Auf der Wikipedia Seite findet sich dazu ein sehr gutes Zitat von dem Historiker Dinnerstein:
The pathological conditions in the city menaced the home, the state, the schools, the churches, and, in the words of a contemporary Southern sociologist, the 'wholesome industrial life.' The institutions of the city were obviously unfit to handle urban problems. Against this background, the murder of a young girl in 1913 triggered a violent reaction of mass aggression, hysteria, and prejudice.
Albert Lindemann schreibt eben dies noch deutlicher (aus The Jew Accused: Three Anti-Semitic Affairs (Dreyfus, Beilis, Frank) 1894-1915 https://books.google.dk/books?id=YCugGyqkYBQC):
"[Frank was seen as] a representative of Yankee capitalism in a southern city, with row upon row of southern women, often the daughters and wives of ruined farmers, 'at his mercy' – a rich, punctilious, northern Jew lording it over vulnerable and impoverished working women."
...
"Even many Jews in Atlanta long remained doubtful about the importance of Frank's Jewishness in his arrest and conviction. They could hardly ignore the much-heightened tensions between Jew and non-Jew in the city as a result of the trial, as a result particularly of the widespread belief, after Frank's conviction, that the Jews were trying, through devious means, to arrange that a convicted murderer be freed."
Natürlich kann ich nicht wissen, welche Beweggründe jeder einzelne Bürger damals hatte, aber ich behaupte, dass die sozio-ökonomische Situation im Kontext dieses Falles für die Menschen damals, zumindest anfänglich eine weitaus relevantere Rolle als Anti-Semitismus gespielt hat. Solcher kam meiner Ansicht nach erst spaeter dazu.

Ebenso schreibt Scott Aaron
“If there was prejudice against Leo Frank in 1913 Atlanta, it was almost certainly not because he was a Jew. He was, however, a capitalist, a business owner, a manager, an employer of child labor, and a Northerner with an Ivy League education. He also came to be known during the course of the trial as sexually profligate. These facts probably did count against him.”
Quellen:
das meiste meiner Überlegung zugrundeliegende findet sich bereits bei Wikipedia
Wikipedia: Leo_Frank
Wikipedia: John_M._Slaton

Das wirklich schoene jedoch ist, dass es zu diesem Fall sehr viele Originalquellen, Primaerquellen in Public Domain gibt, zB.

Buch The Leo Frank Case (Mary Phagan) Inside Story of Georgia's Greatest Murder Mystery, published 1913
https://archive.org/details/TheLeoFrankCasemaryPhaganInsideStoryOfGeorgiasGreatestMurder

Zeitung Atlanta Georgian Ausgaben aus diesem Zeitraum, unter anderem mit wörtlichen Protokollen der Gerichtsverhandlungen
https://archive.org/details/AtlantaGeorgianNewspaperAprilToAugust1913

(Beispiel: zum Thema sexuelle Belaestigung von Angestellten durch Leo Frank finden sich hier die Aussagen der Zeuginnen, sowohl der Zeuginnen der Anklage wie der Verteidigung):
http://archive.org/download/AtlantaGeorgianNewspaperAprilToAugust1913/atlanta-georgian-050913.pdf

Andere Zeitungsarchive aus dieser Zeit
http://archive.org/details/LeoFrankCaseInTheAtlantaConstitutionNewspaper1913To1915
http://archive.org/details/AtlantaJournalApril281913toAugust311913
http://docsouth.unc.edu/watson/

Sehr lesenswert auch das Buch der Grossnichte des Opfers
https://archive.org/details/TheMurderOfMaryPhaganByLeoFrankIn1913
die sich insbesondere mit der sozialen und ökonomischen Situation, in der das Verbrechen geschah, beschäftigt

das Plädoyer der Anklage am Ende des Prozesses gegen Leo Frank:
https://archive.org/details/ArgumentsOfHughM.DorseyInTheLeoFrankMurderTrial


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

07.02.2018 um 05:46
@Benandante
Benandante schrieb:Hinzuweisen wäre noch auf den von Linksradikalen ausgeführten Anschlag auf das jüdische Gemeindehaus in München am 13. Februar 1970, in den offenbar ein Tupamaros-Ableger aus München verwickelt war. Bei diesem Anschlag starben in dem zur Gemeindehaus gehörenden Altenheim sieben ältere Menschen, überwiegend Überlebende des Holocaust.
Vielen Dank für die Erwähnung!
Eigentlich hatte ich nämlich genau diesen Anschlag irgendwo im Hinterkopf als ich von linkem Antisemitismus schrieb und dabei nur versehentlich ein weit weniger schlimmes Beispiel für einen antisemitisch motivierten, linken Terroranschlags zitiert.

Fakt ist jedenfalls, dass es überhaupt keinen Unterschied macht, ob jemand ein linker, rechter, christlicher oder islamistischer Extremist ist!
Sobald jemand zu terroristischen Aktionen bereit ist, ist er gleichzeitig so gut wie immer auch ein Anhänger irgendeiner irrationalen Verschwörungsideologie, die das Töten einer mehr oder weniger klar umrissenen Menschengruppe legitimiert, die vorher kollektiv zum Feindbild erhoben wurde. Man hat sie dann sozusagen für vogelfrei und zu "unwertem Leben" erklärt und das einzelne Individuum spielt ab diesem Zeitpunkt überhaupt keine Rolle mehr.


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Warhead
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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

07.02.2018 um 06:06
@Benandante
Die Tupamaros und andere linke Gruppen haben ihren Antisemitismus mit Vietnam begründet,mir fällt keine rechte Herleitung zu Juden in Deutschland,Israel und Vietnam ein-Vielleicht fehlen mir Fanatismus und leidenschaft


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Lipizzaner
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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

07.02.2018 um 19:06
mitdenker schrieb am 09.03.2014:Meine Frage daher: Wie lange noch muss man sich aufrgrund der Geschichte rechtfertigen und unter Druck setzten lassen ? Geht es hier um das jüdische Gebot von Auge um Auge, Zahn um Zahn ? Will man Rache ?
Allein diese Äußerung im Eingangspost entlarvt den sogenannten "mitdenker" als lupenreinen Antisemiten.
Um es mal klar und deutlich zu sagen: Wir haben in unserer Gesellschaft kein Problem mit Antisemitismusvorwürfen, sondern mit Antisemitismus. Und wenn solche Denker wie "mitdenker" sich offenbar zu kurz gekommen fühlen, dann ist das nicht die Schuld der Juden oder irgendeiner anderen Gruppe, die gerne als Sündenböcke für eigene Unzulänglichkeiten herhalten müssen.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

07.02.2018 um 20:25
Ich würde unterscheiden zwischen ernstgemeinten Antisemitismusvorwürfen und Ausnutzung dieser Vorwürfe für die eigene Sache.
Damit meine ich folgendes:

Ernsthafte Antisemitismusvorwürfe geschehen aus dem tatsächlichen Gefühl heraus, jemand redet und handelt aus Hass auf Juden.
Auch dieses Gefühl kann allerdings eine Fehleinschätzung sein, denn auch die Vorwerfenden sind ja Menschen, die etwas falsch verstehen und sich irren können. Etwas vermeintlich antisemitisches kann seine Gründe auch in Ungeschick haben.

Da denke ich an die Querelen vor Jahren mit der Tchibo-Werbung für ihren Kaffee, wo eifrige Leute Antisemitismus vermuteten, weil Tchibo mit dem Slogan ,,Jedem der Seine" = ,,Für jeden der richtige Kaffee" Werbung machte und dieser Spruch dem aus der Antike stammenden ,,Jedem das Seine" ähnelte, welchen die Nationalsozialisten für ihre Zwecke als Überschrift eines KZs missbrauchten.

Es war in dem Fall schon sehr weit hergeholt, da ernsthaft Antisemitismus drin zu sehen.

Die Ausnutzung von Antisemitismusvorwürfen für eigene Zwecke findet man heute regelmäßig bei der aktuellen Regierung des Staates Israel.
Netanyahu, Liebermann, Bennett und Konsorten wären in Deutschland mindestens Mitglied der AfD, wenn nicht sogar einer noch strammer rechten Partei. Muss man anhand ihrer Aussagen und politischen Handlungen leider so feststellen.
Selbstverständlich sind auch Menschen jüdischen Glaubens nicht davor geschützt, sich nationalistisch und rechtsextrem zu verhalten.

Hier hört man auf Kritik an Handlungen des israelischen Staates gegenüber Palästinensern, aber auch, wenn sich die Verbündeten Israels nicht vorschnell in einen Krieg mit Iran werfen wollen, wiederkehrend den Vorwurf, die Kritik und die Zurückhaltung bestünden nur aus Antisemitismus. In diesem Fall dient der Antisemitismusvorwurf beispielsweise als Schild gegen Kritik an knallhartem, rücksichtslosem Vorgehen gegen Palästinenser. Nicht nur Terroristen.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

07.02.2018 um 23:53
Kc schrieb:Da denke ich an die Querelen vor Jahren mit der Tchibo-Werbung für ihren Kaffee, wo eifrige Leute Antisemitismus vermuteten, weil Tchibo mit dem Slogan ,,Jedem der Seine" = ,,Für jeden der richtige Kaffee" Werbung machte und dieser Spruch dem aus der Antike stammenden ,,Jedem das Seine" ähnelte, welchen die Nationalsozialisten für ihre Zwecke als Überschrift eines KZs missbrauchten.

Es war in dem Fall schon sehr weit hergeholt, da ernsthaft Antisemitismus drin zu sehen.
Sehr weit hergeholt. Ich bin auch für den richtigen deutschen Slogan: "Jedem die Seine!"

Vichy ist ja auch nur eine Hautcreme-Firma.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

08.02.2018 um 00:26
Und dann wundert man sich wo der Antisemitismus herkommt?
Sieg Heil Rufe, "Ausländer raus", Horst Wessel-Lied, sowie antisemitische und homophobe Witze an einer bayrischen Kaminkehrerschule. Bericht enthält ein Video:
https://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/ausbilder-an-muehlbacher-kaminkehrerschule-stimmt-mit-schuelern-nazi-...

[...] Die Videos zeigen außerdem, wie der Ausbilder das sogenannte Horst-Wessel-Lied anstimmt, die verbotene Parteihymne der NSDAP. In anderen Einstellungen ist zu sehen, wie der Schornsteinfeger-Meister antisemitische und homophobe Witze erzählt. Ein Schüler wird bloßgestellt, so dass dieser den Raum verlässt.
Immer wieder werden Parolen wie "Ausländer raus" und "Sieg Heil" skandiert. Mit rollendem "R" versucht sich der Ausbilder als Hitler-Imitator. Die Leiter des Ausbildungszentrums reagieren fassungslos, als sie die Videos sehen.


Wurde von tudirnix zwar schon im Rechtsextremismusthread gepostet, aber da Juden wieder ne Rolle spielen verlink ichs mal auch hier, zumals perfekt mit dem Lehrer zusammenpasst, den man hier diskutierte:
Diskussion: Ist Antisemitismus wieder "in"? (Beitrag von Sixtus66)

Die Schüler machten auch hier wieder mit, siehe den obigen Textbereich (aus dem Video):

[Lehrer:] Kamerad, woher bist Du?
[Schüler:] Oberpfalz
[Lehrer:] Kamerad, woher bist du?
[Schüler:] Oberfranken
[Lehrer:] Was sagt uns das? Ein Volk, ein Reich …
[Gemeinsam:] ... ein Führer! Sieg heil! Sieg heil!


Ich habe manchmal ehrlich gesagt so meine Probleme allen abzukaufen sie hätten nichts gewusst bei sowas. So wie sich das Video anhört wirkts nicht als sei das was Einmaliges gewesen aber sicher kann ich mir auch nicht sein.


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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

08.02.2018 um 00:39
Sixtus66 schrieb:[Lehrer:] Kamerad, woher bist Du?
[Schüler:] Oberpfalz
[Lehrer:] Kamerad, woher bist du?
[Schüler:] Oberfranken
[Lehrer:] Was sagt uns das? Ein Volk, ein Reich …
[Gemeinsam:] ... ein Führer! Sieg heil! Sieg heil!
Bamm. Das ist eine fast wörtliche Kopie vom 1934er Reichsparteitag. Riefenstahl hat ihn dokumentiert.


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Warhead
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Leichtfertiger Umgang mit Antisemitismusvorwürfen?

08.02.2018 um 00:43
@Narrenschiffer
Das muss die AfD erstmal hinkriegen,so eine Inszenierung

https://www.youtube.com/watch?v=ijiUwVhsQU0


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08.02.2018 um 03:24
Kc schrieb:Die Ausnutzung von Antisemitismusvorwürfen für eigene Zwecke findet man heute regelmäßig bei der aktuellen Regierung des Staates Israel.
Stichwort "sekundärer Antisemitismus".
Nach dem Motto "Der Jude ist und bleibt eben gierig und macht sogar die Shoah zu Geld."
Kc schrieb:Netanyahu, Liebermann, Bennett und Konsorten wären in Deutschland mindestens Mitglied der AfD, wenn nicht sogar einer noch strammer rechten Partei. Muss man anhand ihrer Aussagen und politischen Handlungen leider so feststellen.
Inwiefern spielt das in Bezug auf Antisemitismus und -vorwürfe eine Rolle?
Kc schrieb:Hier hört man auf Kritik an Handlungen des israelischen Staates gegenüber Palästinensern, aber auch, wenn sich die Verbündeten Israels nicht vorschnell in einen Krieg mit Iran werfen wollen, wiederkehrend den Vorwurf, die Kritik und die Zurückhaltung bestünden nur aus Antisemitismus.
Hast du für dieses "nur aus Antisemitismus" eine oder mehrere Quellen für mich?
Kc schrieb:In diesem Fall dient der Antisemitismusvorwurf beispielsweise als Schild gegen Kritik an knallhartem, rücksichtslosem Vorgehen gegen Palästinenser. Nicht nur Terroristen.
Sicher? Wäre Existenzangst für dich eventuell eine plausible alternative Begründung?
Umgeben von Staaten, die Israel nicht anerkennen, die Bevölkerung angreifen oder komplett ins Meer treiben möchten, sprechen Unbeteiligte von
Kc schrieb:knallhartem, rücksichtslosem Vorgehen gegen Palästinenser. Nicht nur Terroristen.
wenn es wagt, sich erfolgreich zu verteidigen.


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