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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

448 Beiträge, Schlüsselwörter: Dokumentation, Hugo Chavet, Globalisation

Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 17:54
@eckhart
Wie gesagt, ich kenne die Medienlandschaft dort nicht, also tätige ich dazu auch keine Aussage.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 18:13
@eckhart
Habe jetzt mal eben beim wikipedia-Artikel kurz nach den Medien gesucht und laut dem Artikel wurde von EU-Wahlbeobachtern 2006 kritisiert, dass sowohl öffentliche als auch private Medien recht parteiisch für Chavez waren.
Außerdem scheinen die venezuelanischen Medien (auch die privaten) verpflichtet zu sein, staatliche Botschaften zu senden, was unter Chavez nicht wie vorher auf in erster Linie Meldung von Naturkatastrophen, jährliche Amtsansprachen und die Übertragung von Paraden an Nationalfeiertagen beschränkt blieb, sondern auch (teilweise stundenlang) für normale Ansprachen und Regierungspromotionen genutzt wurde; genannt werden "anekdotische Ansprachen und Gesang durch Chávez oder Straßenfeste, die von den Regierungsparteien organisiert sind".
Es wurden außerdem Sender aus allen Kabelanbietern verbannt, weil sie sich weigerten, statt einer Übertragung einer Demonstration von Regimegegnern eine dieser sog. Cadenas zu senden.

Also so ganz vergleichbar ist die Situation in Venezuela mit der Deutschland wohl scheinbar doch nicht.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 18:40
@tris

Ja tut mir sehr leid, dass Friedman sich selbst nicht als Neoliberalen bezeichnet hat, nur leider hat sich die Begrifflichkeit eben fuer diesen Marktfundamentalismus durchgesetzt, uebrigens auch in akademischen Artikeln, als Sammelbegriff der schwach definiert ist, gerade wenn man bedenkt dass man frueher Neoliberalismus mit dem deutschen Ordoliberalismus assoziiert hat. Wenn man von Neoliberalismus spricht meint man ja auch nicht direkt die oekonomische Doktrin von Friedman und co an sich, sondern eine Politik, die ebendiese neoklassische Oekonomie unter anderem der Chicago School durch Massnahmen wie Privatisierungen und Kuerzungen oeffentlicher Ausgaben durchsetzen will. Wenn dir der Begriff oder die Verwendung des Begriffs nicht passt, werde ich ab sofort stattdessen das Wort "Marktfundamentalismus" benutzen. Sind doch sowiso alles Label. Auf den Inhalt kommt's an. ;)

@eckhart @tris
eckhart schrieb:Da die Interessen von Privatmedien global ähnlich kommerziell gelagert sein dürften, vermute ich. dass Venezuela keine Ausnahme bilden dürfte.
Ist in Lateinamerika mit den privaten Medien teilweise extremer ausgepraegt, wo Medienimperien teils stark mit dem Finanzsektor und grossindustriellen Oligarchen verflechtet sind. Ich weiss nicht mehr genau wer es gesagt hat aber bei einer Al Jazeera Talkshow habe ich einen Kommentator gehoert der meinte "The Venezuelan private media make Fox News look like PBS [also der oeffentlich-rechtliche US-Sender]." Impressionen aus der Venezolanischen privaten Medienlandschaft ab Minute 6:11 :



Oder legendaer auch die Komplizenschaft der grossen privaten Medien waehrend dem Putsch 2002:

Außerdem scheinen die venezuelanischen Medien (auch die privaten) verpflichtet zu sein, staatliche Botschaften zu senden, was unter Chavez nicht wie vorher auf in erster Linie Meldung von Naturkatastrophen, jährliche Amtsansprachen und die Übertragung von Paraden an Nationalfeiertagen beschränkt blieb, sondern auch (teilweise stundenlang) für normale Ansprachen und Regierungspromotionen genutzt werden; genannt werden "anekdotische Ansprachen und Gesang durch Chávez oder Straßenfeste, die von den Regierungsparteien organisiert sind".
Habe schon vorher geschrieben, dass es das betreffende Gesetz bereits vor Chávez gab. Allerdings hat er auch im Wahlkampf strategisch davon Gebrach gemacht und quasi damit der Wahlwerbung fuer seine Regierung einen unfairen Vorteil gegenueber der Opposition verschafft. Und dass ein Praesident in diesem Land so dauerhaft von diesem Recht Gebrauch gemacht hat wie Chávez ist mir auch nicht bekannt, etwas was ich genau wie du kritisiere. Andererseits schafft die Regierung damit ein Gegengewicht zu den Oppositions-dominierten privaten Medien. Gehoert zich trotzdem nicht fuer eine Demokratie in unserem Sinn. Habe auch nie behauptet Chávez immer bedingungslos zuzustimmen, was mich nur aergert ist die undifferenzierte Hetze gegen die venezolanische Regierung.
Also so ganz vergleichbar ist die Situation in Venezuela mit der Deutschland wohl offensichtlich doch nicht.
Nein zum Glueck nicht, anders als in Venezuela benutzt die Regierung hier die oeffentlich-rechtlichen nicht fuer ihre Propaganda, und die Opposition nicht die privaten Medien fuer deren Propaganda. Wenn ich mir naemlich die venezolanischen staatlichen Sender anschaue (z.B. VTV http://www.vtv.gob.ve/ ) sind die genauso parteiisch wie die privaten, nur eben fuer die jeweils andere Seite. Viel kritisiert wurde ja auch Chávez' woechentliche Talkshow Aló Presidente, wobei es auch Vorteile haben kann, wenn sich die Regierung einmal dazu aeussert was sie diese Woche so gearbeitet hat und dem Buerger Moeglichkeiten bietet sich direkt an sie zu wenden. Aehnliche Formate gibt's ja auch in Ecuador mit Enlace Ciudadano oder gab's schon seit Roosevelt's Weekly Radio Address. Obama macht's halt wie die meisten Regierungschefs heute uebers Internet.

Naja, aber nochmal zur Zusammenfassung bezueglich Medien in Venezuela:
From the Wilson Center’s latest report [PDF], we read: “Media coverage is not even moderately balanced. . . . In television, the government’s predominance is overwhelming; it was estimated that by 2007 it controlled seven national television channels and 35 open community channels."

These statements are false and misleading, but they are adopted uncritically in almost all mainstream media coverage. In fact, state TV had about 5.9 percent of the audience that watches television in Venezuela in 2009-2010. These data were gathered by AGB Panamericana de Venezuela Medición S.A., a local affiliate of Nielsen Media Research International, and are probably as reliable as Nielsen ratings in the United States. The data were collected through equipment boxes placed in each home, measuring minutes of each channel watched. A representative sample of 1000 households was constructed and data were gathered over ten years.

Thus, the above statements are similar to claiming that PBS TV, the public TV in the U.S., dominates broadcast TV in the United States. Most of the major newspapers (e.g., El Nacional, El Universal) are also strongly against the government. According to CONATEL data, only about 14 percent of radio is publicly owned; and since there is more strongly anti-government radio in Venezuela than TV, the opposition almost certainly has more advantage in radio than in other media.

Chávez, of course, regularly does cadenas – speeches which interrupt regular TV programming. But it is difficult to judge whether these speeches can balance the overwhelming media bias against the government.
http://www.cepr.net/index.php/blogs/the-americas-blog/media-bias-in-venezuela


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 18:43
@kulam
Wie gesagt, nur weil sich Verdummung bzgl. des Begriffs "Neoliberalismus" durchgesetzt hat, muss ich mich nicht auf das Niveau begeben.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 18:47
tris schrieb:Wie gesagt, ich kenne die Medienlandschaft dort nicht, also tätige ich dazu auch keine Aussage.
Ich kenne die auch nicht direkt sondern entnehme das aus Quellen die ich oben gennant habe, aber ich kann mir vorstellen, dass es nicht anders ist als in Ecuador, wo ich die Medienlandschaft schon kenne. Auch dort kann man grob sagen, dass die staatlichen Medien einseitig regierungstreu sind und hinter der Masse der privaten Medien oligarchische der Opposition nahestehende Interessen stehen.
Wie gesagt, nur weil sich Verdummung durchgesetzt hat, muss ich mich nicht auf das Niveau begeben.
Man kann es nennen wie man will, die Bezeichnung aendert doch nichts am Inhalt.

Edit: Im Uebrigen finde ich es Schade, dass du bei meinem langen Beitrag nur auf den oberen Teil eingegangen bist wo es um diese inhaltslose Diskussion um "richtige" Bezeichnungen ging.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 18:51
ophelia88 schrieb:Die meisten hier die von "Diktatur" reden und die Richtigkeit der Wahlen anprangern pflegen eine generelle Anti-Links Haltung.
Die meisten die hier ihre Anti-Links Halzung pflegen und behaupten sie wären ja auch gegen Rechte merken nicht mehr das sie schon so weit rechts stehen das sie,nur um ihre Besitzstände und ihre Ruhe zu bewahren,alle Bedenken über den Haufen schmeissen würden und sich sofort bereitwillig den Faschisten andienen.Hauptsache der schmutzige,langhaarige Kommunistenpöbel hält endlich sein freches Maul
Missing ist ein gutes Beispiel dafür,dieser Ed Horman ist einfach nur zum Kotzen bürgerlich



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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 19:15
kulam schrieb:Ist in Lateinamerika mit den privaten Medien teilweise extremer ausgepraegt, wo Medienimperien teils stark mit dem Finanzsektor und grossindustriellen Oligarchen verflechtet sind
Ich bin durchaus der Meinung, dass man sich nirgends der Mühe unterziehen muss,
Privatmedien darauf abzuklopfen, ob "sich denn etwas gutes darin verberge".
Ungesehen kann man darauf getrost verzichten.

Auf manche Staatsmedien leider auch. Aber nur auf Manche.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 20:14
@kulam
kulam schrieb:Man kann es nennen wie man will, die Bezeichnung aendert doch nichts am Inhalt.
Naja, wie gesagt, m.E. wurde einfach der Name einer Wirtschaftstheorie in den Dreck gezogen und von heute auf morgen auf etwas ungemünzt, das nichts mehr mit der eigentlichen Bedeutung zu tun hat.
Sowas ist einfach ein ziehmlich schmutziges Mittel, an dem ich mich auch 40 Jahre nach der "Initialzündung" nicht beteiligen will, wenn ich schon dafür.
kulam schrieb:Edit: Im Uebrigen finde ich es Schade, dass du bei meinem langen Beitrag nur auf den oberen Teil eingegangen bist wo es um diese inhaltslose Diskussion um "richtige" Bezeichnungen ging.
Tut mir Leid. War an sich auf dem Sprung, deshalb die knappe Antwort auf das, was sich knapp beantworten ließ. Da es sich aber zwischenzeitlich erledigt hat (so, wie ich es gerne habe: mit Absageanruf kurz vor grad), also hier gleich die Antwort anstatt später.
kulam schrieb:Habe schon vorher geschrieben, dass es das betreffende Gesetz bereits vor Chávez gab. Allerdings hat er auch im Wahlkampf strategisch davon Gebrach gemacht und quasi damit der Wahlwerbung fuer seine Regierung einen unfairen Vorteil gegenueber der Opposition verschafft. Und dass ein Praesident in diesem Land so dauerhaft von diesem Recht Gebrauch gemacht hat wie Chávez ist mir auch nicht bekannt, etwas was ich genau wie du kritisiere. Andererseits schafft die Regierung damit ein Gegengewicht zu den Oppositions-dominierten privaten Medien. Gehoert zich trotzdem nicht fuer eine Demokratie in unserem Sinn.
Okay, die privaten Sender sind, jetzt rein gemessen an den Videos, die du reingestellt hast, auch jenseits der feinen englischen Art.
Aber gut, prinzipiell besteht ja zumindest hier sowas wie Einigkeit bei uns. ;)
kulam schrieb: Habe auch nie behauptet Chávez immer bedingungslos zuzustimmen, was mich nur aergert ist die undifferenzierte Hetze gegen die venezolanische Regierung.
Da kann ich dir auch zustimmen. Sachen wie den Vergleich der Wahlen mit denen in der DDR kann man sich m.E. sonstwohin stecken.
Aber auch von undifferenzierter Zustimmung für Chavez halte ich nichts.
Es steht außer Frage, dass seine Sozialprogramme die Situation der Bevölkerung deutlich verbessert hat. Aber ich finde, für die Beurteilung eines Politikers darf man seine Maßnahmen nicht einzeln betrachten. Und auch Aufrechnungen gegeneinander im Stile von "Er hat zwar X gemacht, dafür aber auch Y:" halte ich für zu kurz gegriffen. Man muss das Gesamtpaket betrachten und da reihen sich die Sozialprogramme, so gut sie auch für sich betrachtet sein mögen, in meinen Augen nunmal ein neben sowas wie der Ausnutzung der Cadenas, seinen (m.E. nunmal mehr als albernen) Volksauftritten und der USA-Hetze, und ergeben einen Maßnahmenkatalog für einen Politiker, der linken Populismus nutzt, um die Macht innezuhaben.
Und Politiker, für die ihre Macht und ihr Machterhalt an erster Stelle stehen, lehne ich ab. Und Chavez zähle ich nunmal aus genannten Gründen unter diese Riege.
kulam schrieb:Viel kritisiert wurde ja auch Chávez' woechentliche Talkshow Aló Presidente, wobei es auch Vorteile haben kann, wenn sich die Regierung einmal dazu aeussert was sie diese Woche so gearbeitet hat und dem Buerger Moeglichkeiten bietet sich direkt an sie zu wenden. Aehnliche Formate gibt's ja auch in Ecuador mit Enlace Ciudadano oder gab's schon seit Roosevelt's Weekly Radio Address. Obama macht's halt wie die meisten Regierungschefs heute uebers Internet.
Gut, dazu kann ich wieder wenig sagen. Um ein halbwegs umfassendes Bild darüber machen zu können, müsste ich mir mehr als ein paar Sendungen davon anschauen, dazu fehlen mir aber aktuell nicht nur die Zeit (die Sendungen sind ja doch ein wenig umfassender), sondern auch die Spanischkenntnisse. ;)
Das Format an sich finde ich aber nicht schlecht.

Danke auf alle Fälle für den cepr Link.
Warhead schrieb:Die meisten die hier ihre Anti-Links Halzung pflegen und behaupten sie wären ja auch gegen Rechte merken nicht mehr das sie schon so weit rechts stehen das sie,nur um ihre Besitzstände und ihre Ruhe zu bewahren,alle Bedenken über den Haufen schmeissen würden und sich sofort bereitwillig den Faschisten andienen.Hauptsache der schmutzige,langhaarige Kommunistenpöbel hält endlich sein freches Maul
Mag bei einigen stimmen.
Man sollte aber auch andersrum nicht gleich in jedem Nicht-Linken einen Anti-Linken in McCarthy-Tradition vermuten.

@eckhart
eckhart schrieb:Ungesehen kann man darauf getrost verzichten.
Damit ich ungesehen aufs Abklopfen verzichte, muss noch sehr viel passieren. ;)


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

10.03.2013 um 22:22
tris schrieb:Um ein halbwegs umfassendes Bild darüber machen zu können, müsste ich mir mehr als ein paar Sendungen davon anschauen, dazu fehlen mir aber aktuell nicht nur die Zeit (die Sendungen sind ja doch ein wenig umfassender), sondern auch die Spanischkenntnisse. ;)
Ein wenig umfassend ist eine Untertreibung. Mitunter dauerte eine Sendung Aló Presidente um die 5 Stunden. Erklaert vielleicht auch warum Staatsfernsehen nur einen Marktanteil von weniger als 6% hat, da schaut sich der Durchschnittsvenezolaner wahrscheinlich lieber ne Telenovela im Privatfernsehen an. Da sind auch teilweise ganze Sendungen auf Youtube (ich erwarte jetzt nicht dass sich das wer ganz anschaut, aber interessant fuer so ein paar Impressionen :D ):



Also man sieht doch schon dass Chávez ein sympathischer Kerl und sehr volksnah war. Aber dass ein ganzes politisches Programm und eine eigentlich demokratische Regierung stark auf eine charismatische Persoenlichkeit ausgerichtet ist, habe ich als Schwaeche angesehen. Darum wird die Zeit nach Chávez schwer sein, weil es niemanden gibt der dieses Vakuum fuellen kann.
tris schrieb:Aber auch von undifferenzierter Zustimmung für Chavez halte ich nichts.
Es steht außer Frage, dass seine Sozialprogramme die Situation der Bevölkerung deutlich verbessert hat. Aber ich finde, für die Beurteilung eines Politikers darf man seine Maßnahmen nicht einzeln betrachten. Und auch Aufrechnungen gegeneinander im Stile von "Er hat zwar X gemacht, dafür aber auch Y:" halte ich für zu kurz gegriffen. Man muss das Gesamtpaket betrachten und da reihen sich die Sozialprogramme, so gut sie auch für sich betrachtet sein mögen, in meinen Augen nunmal ein neben sowas wie der Ausnutzung der Cadenas, seinen (m.E. nunmal mehr als albernen) Volksauftritten und der USA-Hetze, und ergeben einen Maßnahmenkatalog für einen Politiker, der linken Populismus nutzt, um die Macht innezuhaben.
Ich glaube nicht so ganz, dass die sozialen Wohltaten bloss dem Machterhalt dienten. Die entspringen eher gewissen sozialen Ueberzeugungen. Und selbst wenn, ich glaube ich waere dennoch dankbar wenn ich freien Zugang zum Gesundheitswesen erhalte, was ich vorher nicht hatte, meine Kinder mit Armenstipendien an die Universitaet schicken kann, was ich vorher nicht konnte, in einem ordentlichen Haus leben kann, wo ich vorher in einer Wellblechhuette lebte, in einem arbeiterverwalteten Betrieb arbeite, wo ich vorher keine Rechte hatte oder nichtmal Arbeit, ... - ganz egal ob ein Politiker das aus persoenlicher Ueberzeugung oder aus Machtbewusstsein geschaffen hat.

Aber gut, teils muss ich dir schon Recht geben. Nur ist die Situation unter Chávez nicht so extrem gewesen, wie das in der Mediendarstellung oft aussieht. Das Problem ist, dass der Massstab den man angelegt hat um Chávez zu bewerten unverhaeltnismaessig hoch ist. Keinem Staatschef eines Entwicklungslandes schaut man so stark auf die Finger, wenn er nicht zufaellig ein Linker ist, der gewissen Wirtschaftsinteressen im Weg steht. Auch wenn das Land bei politischen Rechten nicht auf eine Ebene mit einem westeuropaeischen Staat kommt, so hat Venezuela doch Massstaebe in Sachen soziale Rechte gesetzt. Und selbst wenn ich das Gesamtpaket, wie du sagst, betrachte, samt den ganzen Maengeln, wuerde ich dennoch Chávez unterstuetzen, weil man bezweifeln kann, dass es unter einer Regierung der gegenwaertigen Oppositionsparteien was zivile und politische Rechte anbelangt besser aussaehe. Die sind in der Mehrheit Interessenvertreter der alten Oligarchie, auch wenn ich nicht ausschliesse dass es durchaus ehrliche aber bedeutungslose Splittergruppen mit guten Absichten gibt - es gibt ja auch eine kleine linke Opposition gegen Chávez. ;)

Wie die "Demokratie" (die kaum so viel Kritik im Westen erhalten hat wie Chávez heute) unter den pro-US, rechtsgerichteten Vorgaengerregierungen ausgesehen hat, kann man exemplarisch am Caracazo 1989 zeigen, als der Laissez-faire-Liberalismus sein wahres Gesicht gezeigt hat. Nach IWF-diktiertem Strukturanpassungsprogramm, Privatisierungswellen, darauf steigender Lebenshaltungskosten und Verschlechterung des Lebensstandards der unteren Klassen kam es zum Volksaufstand, der brutal niedergeschlagen worden ist. Mit bis zu 3.000 Toten. Diese Zustaende haben damals auch Chávez zu dem Putschversuch '92 bewegt, der ihn so populaer gemacht hat.



Da 1989 das Jahr der Volksaufstaende gegen den autoritaeren Staatssozialismus war, ist der Volksaufstand gegen den radikalen Kapitalismus am anderen Ende der Welt natuerlich in der Bedeutungslosigkeit versunken.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

11.03.2013 um 00:26
@tris
tris schrieb:Wie kann ich etwas ignorieren, wenn ich es doch in diesem Thread mehrfach erwähnt habe.
Aber kann es sein, dass du ignorierst, dass die Dinge allein durch Petrodollars erkauft sind. Öl hält auch nicht ewig, was ist also, wenn es weg ist? Mal ganz abgesehen davon, dass du offensichtlich auch ignorierst, dass die Ölförderung jetzt schon (trotz an sich ausreichender Reserven) rückläufig ist, und das in erster Linie wegen der Vetternwirtschaft, die dort herrscht und insbesondere unter Chavez ihre Blütezeit erlebt hat.
Und du scheinst auch zu ignorieren, dass Chavez im Gegenzug für diese Geschenke politische Freiheiten beschnitten hat und gerade dabei war, sich auf seinem Posten auf Dauer festzusitzen, bspw. durch eine gewisse Verfassungsänderung, die ihm mehr Amtszeiten hintereinander als vorher erlaubte. Wieso sollte sowas jemand machen, wenn es ihm nur um das Volk geht und nicht um seine eigene Macht.
Glaubt man der Venezolanischen BCV dann kann Venezuela einen Aufschwung erwarten,Ölförderung hin oder her.
Da wir nicht wissen wie lange die Ölvorkommen den Staat mit Geld vollpumpen werden,können wir nur spekulieren.Und natürlich kann es sein das durch Vetternwirtschaft einige Investitionsprojekte ins stocken geraden,da kann man auch nur blöd rumsitzen und abwarten wie sich die Lage entwickelt.

Ob er nun machtgierig war oder nicht,fakt ist die Venezolaner konnten ihn abwählen.Da braucht man an der Verfassung nicht rumzudrehen.Was verleitet wohl 8 Millionen Venezolaner,einen korrupten,machthungrigen,dreckskommunistischen Präsident zu wählen ? Nun denn...

Unterernährung von 21% (1998) auf 3% reduziert.
Verteilung von 3 Millionen Hektar Agrarland
Sinkende Armut
Sinkende Arbeitslosenquote
Grundeinkommen von 16 auf 300 Dollar angestiegen

Vom Zugang zu Unis,Krankenhäusern,sauberes Wasser etc etc fang ich gar nicht erst an.
Und was meinst du mit "Euphemismus pur" ?! Wenn Chavez denn mal kritisiert wurde dann war es wegen der steigenden Kriminalität.Du fragst dich natürlich wie sinkende Armut und Kriminalität zusammenpassen,ja das frage ich mich auch.Kann sein das Kolumbien (geschichtlich ja fast identisch) damit zusammenhängt aber darüber lass ich noch ein paar Gedanken schweifen.


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25h.nox
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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

12.03.2013 um 02:51
#Irans Präsident wird in der Heimat heftig kritisiert, weil er bei der Trauerfeier für Hugo Chávez dessen Mutter umarmt hat. Nach konservativer Auslegung des Islam dürfen Männer fremde Frauen nicht berühren. Mahmud Ahmadinedschad redet sich heraus - mit einer merkwürdigen Begründung.#
na, ob das nicht doch ne männerfreundschaft war und kein einfaches taktieren?
da hat er sich von seinem emotionen treiben lassen udn schon steigen ihm die idioten aufs dach^^
die beiden haben keine so unähnliche biografie. und beide gelten im westen als böse diktatoren obwohl sie in fairen wahlen gewonnen haben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/trost-fuer-chavez-mutter-ahmadinedschad-empoert-konservative-muslime-a-888169.html


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

12.03.2013 um 10:52
@25h.nox
Ja aber Achedinechad muss man nicht vergiften, weil der keine weitere Amtszeit antretten kann und dieses Frühjahr die Politbühne eh verlässt.


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

15.03.2013 um 05:48
@tris
tris schrieb:Habe jetzt mal eben beim wikipedia-Artikel kurz nach den Medien gesucht und laut dem Artikel wurde von EU-Wahlbeobachtern 2006 kritisiert, dass sowohl öffentliche als auch private Medien recht parteiisch für Chavez waren.
Ungefähr so wie die Springerstiefelpresse seit Jahren unsere Mutti bemuttert?
tris schrieb:Außerdem scheinen die venezuelanischen Medien (auch die privaten) verpflichtet zu sein, staatliche Botschaften zu senden, was unter Chavez nicht wie vorher auf in erster Linie Meldung von Naturkatastrophen, jährliche Amtsansprachen und die Übertragung von Paraden an Nationalfeiertagen beschränkt blieb, sondern auch (teilweise stundenlang) für normale Ansprachen und Regierungspromotionen genutzt wurde; genannt werden "anekdotische Ansprachen und Gesang durch Chávez oder Straßenfeste, die von den Regierungsparteien organisiert sind".
Es wurden außerdem Sender aus allen Kabelanbietern verbannt, weil sie sich weigerten, statt einer Übertragung einer Demonstration von Regimegegnern eine dieser sog. Cadenas zu senden.

Also so ganz vergleichbar ist die Situation in Venezuela mit der Deutschland wohl scheinbar doch nicht.
Es is also in Ordnung wenn hier in Toitschland Politiker Einfluß auf die Medien ausüben:
http://www.welt.de/newsticker/news3/article114452082/Affaere-um-politische-Einflussnahme-auf-den-RBB-sorgt-fuer-Zuendsto...
Oder gleich den Armutsbericht "optimieren" damit nur drin steht was ins krude Weltbild passt?
http://www.tagesschau.de/inland/armutsbericht138.html
Alles voll demokratisch hier, keine Frage!
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/krise-wie-der-kapitalismus-die-demokratie-zerstoert,10809150,22045334.html


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

15.03.2013 um 17:51
@kurvenkrieger
Wo habe ich behauptet, dass in Deutschland alles perfekt ist?
Und wo habe ich geschrieben, dass ich bei Chavez Sachen bemängel, die ich bei anderen Politikern (z.B. hier in Deutschland) nicht auch kritisieren würde?
Und wieso sollte ich überhaupt die Zustände in Deutschland erwähnen, wenn es hier um Chavez und Venezuela geht?

Und wieso kann man eigentlich darauf wetten, dass, wenn man in einem recht spezifisch gehaltenen Thread einen linken Regierungspolitiker von irgendeinem Land kritisiert, gleich irgendjemand mit Relativierungen daherkommt, dass ja auch bei uns nicht alles in Butter ist?


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

15.03.2013 um 22:50
@tris

Du hast behauptet die Situation wäre keineswegs vergleichbar und Dir liegen jetzt mindestens drei Artikel vor, die ein gänzlich anderes Bild zeichnen.
Wollen wir faktenorientiert diskutieren oder ergehen wir uns jetzt in politisch geprägter Rabulistik? Bislang deute ich Dein Statement eher als Zustimmung.
tris schrieb:Und wieso sollte ich überhaupt die Zustände in Deutschland erwähnen, wenn es hier um Chavez und Venezuela geht?
Vieleicht weil wir geneigten Leser dann den Eindruck hätten Du würdest nich mit zweierlei Maß messen. Und ich denke das dürften wir jetzt erfolgreich geklärt haben, völlig unabhängig von diesem Rechts-/ Links-Schubladendenken.
So wird mir Deine Kritik insgesamt gleich viel sympathischer und per se auch ein Stück weit vertrauenswürdiger, weil ich erkenne daß Du einen hohen Anspruch an unsere Demokratie hast und diesen dann auch auf Venezuela überträgst.

Cheers! :trollbier:


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Can
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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

16.03.2013 um 08:48
Hugo Chavez coffin arrives at Caracas museum

Thousands of people lined the streets to catch a glimpse of the hearse as it carried his coffin from the military academy where it laid in state for 10 days.

Many of his supporters were wearing red, the colour of Mr Chavez's political movement.


http://www.bbc.co.uk/news/world-latin-america-21807986


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Hugo Chavez - The revolution will not be televised

16.03.2013 um 10:00
@kurvenkrieger
In Deutschland gibt es auch Kriminalität. Kann man also daraus schließen, dass die Kriminalität in Deutschland und Venezuela vergleichbar ist?
Nein. Denn um von Vergleichbarkeit sprechen zu können, müssen nicht nur Probleme der gleichen Art vorliegen, sondern auch in gleichem Ausmaß. Und das lassen deine Artikel nicht erkennen.


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16.03.2013 um 10:14
@tris
Kann man die Kriminalität im Batista - Kuba vor der Revolution 1959 mit der derzeitigen Kriminalität in Venezuela vergleichen ?


Dann könnte man daraus schließen, Chavez wäre einfach zu zögerlich und zaghaft, fast möchte man sagen, zu opportunistisch gewesen.


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16.03.2013 um 21:34
tris schrieb:Nein. Denn um von Vergleichbarkeit sprechen zu können, müssen nicht nur Probleme der gleichen Art vorliegen, sondern auch in gleichem Ausmaß.
Große und kleine Äpfel miteinander zu vergleichen is neuerdings auch nich gestattet?
Aha... Klar soweit. :shot:


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Fidaii
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25.03.2013 um 16:12


Warum hört man sowas nicht von Merkel und Co.?

R.I.P Comandante


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