>>"Loser Verbund" meint in diesem Fall, dass die "Israel Lobby" keine einheitlicheBewegung darstellt. Weder wird sie von einem zentralen Kopf geführt noch ist sie"konspirativ" oder als leninistischer "Kader" tätig. <<
Wie schrecklich. Werhätte das je gedacht - und noch schlimmer, wer hätte das je bezweifelt???? ???...?
Da weiss man ja nie, wann "DIE" "losen Verbündeten" mal losschlagen und sich dieWeltherrschaft unter den Nagel reissen.
Lesslow, sonderlich am Herzenscheint dir das Thema ja nicht zu liegen. Seit wann arbeitest du eigentlich bei Heise?
:DNa gut, wenn du so frei bist, hier fette Heise-Artikel zu posten, dannnimm dies ->
Aus der Welt des (?"antimuslimischen"?) "Kriegshetzterblattes" "Spiegel":
HARVARD-SCHNAPPSCHUSS
Antisemitismus-Verdacht im Elfenbeinturm
VonGregor Peter Schmitz
Der renommierte Professor Stephen Walt hat einen Artikelveröffentlicht, der die Uni Harvard aufwühlt und passagenweise klingt wie frisch aus demAntisemiten-Chatroom. Schuld an Terrorgefahr und Irakkrieg sei die mächtige"Israel-Lobby" in den USA, behauptet er.
David Gergen hat schon so manche Kriseerlebt. Als PR-Berater von vier US-Präsidenten musste der Harvard-Professor dieVergesslichkeiten eines Ronald Reagan bemänteln oder die Frauengeschichten eines BillClintons tapfer weglächeln. Aber selbst der sturmerprobte Gergen wirkt aufgewühlt, wenner von den vielen Telefonaten der vergangenen Tage erzählt: "Spender und Ehemalige derUni rufen dauernd an", berichtet Gergen. "Sie fragen immer dasselbe: Was ist nur los dain Harvard?"
Uni Harvard: Große Aufregung über einen Israel-Artikel
Auslöser von Gergens hektischer Telefonseelsorge ist ein 83 Seiten langes Papier, dasvor zwei Wochen auf der Website von Harvards Kennedy School of Government erschien. Einerder beiden Autoren ist Stephen Walt, Professor an der Kennedy School und einer derrenommiertesten Außenpolitik-Forscher der USA. Gemeinsam mit seinem nicht minderbekannten Kollegen John Mearsheimer von der University of Chicago hat er sich einesThemas angenommen, das per se Brisanz garantiert - die angebliche Manipulationamerikanischer Außenpolitik durch pro-israelische Interessengruppen. Zudem setzten Waltund Mearsheimer über ihre Analyse einen Titel, wie er aus Antisemiten-Chatrooms vertrautklingt: "The Israel Lobby and US Foreign Policy" ("Die Israel-Lobby und dieUS-Außenpolitik").
Die zentralen Thesen des Papiers sind kaum wenigerzugespitzt: Den beiden Professoren zufolge hat eine kleine, aber ungeheuer einflussreicheGruppe radikaler amerikanischer Israelfreunde die Außenpolitik der USA "gekidnappt". Zudieser Lobby gehörten wortgewaltige Individuen wie der Harvardjurist Alan Dershowitz oderder prominenteste Neokonservative Paul Wolfowitz - und mächtige Institutionen auf derLinken und der Rechten, von der liberalen Denkfabrik Brookings Institute und der "NewYork Times" bis zum konservativen "Wall Street Journal".
Leitungsposten weg,Professur in Gefahr
"Keine andere Lobbygruppe hat es geschafft, amerikanischeAußenpolitik so weit weg von ihren Interessen zu lotsen", zürnen die Autoren. Die engeBindung der USA an Israel sei nämlich zum großen Teil verantwortlich für die aktuelleTerrorgefahr - und habe die Vereinigten Staaten in den Irakkrieg getrieben.
DasPapier detonierte wie eine Bombe. Robert Belfer, israelfreundlicher Geschäftsmann undgroßzügiger Harvard-Spender, forderte Walt auf, nicht unter dem Namen seiner Professur zuagieren - denn Belfer bezahlt die Professur. Alan Dershowitz nannte die beiden Forscher"Lügner" und "Fanatiker". Und warf ihnen gar vor, ganze Passagen von rechtsradikalenWebsites übernommen zu haben.
Auch unter weniger persönlich betroffenenHarvardprofessoren machte sich rasch Unbehagen breit, dass solche Thesen unter demoffiziellen Uni-Logo erschienen. Nach einem Bericht der "New York Sun" wird in derFakultät der Kennedy School gar eine offizielle Untersuchung der wissenschaftlichenGenauigkeit des working paper erwogen. Solche Exegesen haben in der Vergangenheit inExtremfällen schon zur Aberkennung einer Professur geführt. Als akademischer Direktorsoll Stephen Walt im Sommer abtreten, hieß es nun von der Leitung der Kennedy School.
Dabei bestreitet kaum jemand an der Hochschule, dass die massive finanzielle,diplomatische und militärische Hilfe der Amerikaner für Israel seit den sechziger Jahrensowie die starke Lobbystellung pro-israelischer Organisationen wie des American IsraelPublic Affairs Committee (AIPAC) spannende Forschungssujets sind. Es geht vielmehr um dieFrage, wie man bei einem so aufgeladenen Thema methodisch vorgeht. Walt und Mearsheimerstützen ihre wenig subtilen Vorwürfe fast durchweg auf Sekundärquellen - oftZeitungsartikel, die teils eher schlampig übers Internet zusammengestellt scheinen. Aufden ersten Blick unterscheidet sich ihr Papier gar nicht so sehr von früheren Polemikenähnlichen Inhalts, die einschlägige links- und rechtsradikale Kreise seit Jahren ins Netzstellen.
Kollektives Kopfschütteln im Elfenbeinturm
Und so etwas vonStephen Walt und John Mearsheimer? In ihrer bisherigen Arbeit haben beide sich einenNamen als unbestechliche Analysten gemacht, die außenpolitisches Handeln nüchtern aufamerikanische Interessen abklopfen. Ihre Forschungswerke sind bekannt für umfangreicheFußnotenapparate und sorgfältigste Recherche (Walts jüngstes Buch "Taming American Power"wurde von der Kritik gerade als wegweisendes Werk zur US-Außenpolitik gefeiert). Dassausgerechnet solche Wissenschaftler sich zu einer so angreifbaren Studie hinreißenlassen, sorgt für kollektives Kopfschütteln im Elfenbeinturm von Cambridge - dies auch,weil an US-Hochschulen, gerade in Harvard, die Debatte um Nahost und angeblichen neuenAntisemitismus in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen sorgte.
Harvards Kennedy School hat mittlerweile sein Logo auf dem Artikel entfernen lassenund klargestellt, dass es sich hierbei um die Privatmeinung der Professoren handele. Dieverteidigen die Publikation unter Hochschul-Wappen trotzig als einzigen Ausweg. InAmerika traue sich ja kein Verlag oder Magazin, solche Kritik abzudrucken.
Dochwenn das Duo einfach nur eine wilde Debatte entfachen wollte, scheint es gescheitert.Krisenmanager David Gergen hat sich darauf zwar ein wenig eingelassen, indem er in einemeigenen Artikel einige Pauschalisierungen des "Israel Lobby"-Papiers scharf angriff -etwa das Ausblenden anderer Lobbygruppen, das Mosaik an Gründen für dieIrak-Intervention, die strategische Bedeutung von Israel für Amerika, die keineswegseindeutige Haltung amerikanischer Juden zu Israel. Indes berichten viele führendenamerikanischen Zeitungen und Fernsehsender bislang nicht ausführlich über die kontroversePublikation - um sie nicht weiter aufzuwerten.
Das wiederum könnte die Forscherin ihren Verschwörungstheorien noch bestätigen. Walt und Mearsheimer geben seitErscheinen des Artikels keine Interviews mehr. Doch aus der Woche davor sind von ihnenProphezeiungen überliefert: "Es ist klar, dass die Lobby zurückschlagen wird",raunten sie da düster.
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,408708,00.html
Gruß