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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

90 Beiträge, Schlüsselwörter: Religion, Glaube, Weltbild
zigushen
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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

12.09.2017 um 23:21
Oder: Was ist Glaube? Und wie lässt er sich in ein rationales Weltbild integrieren?

Weil es hier immer wieder wieder durcheinander geworfen wird und uns aneinander vorbei schreiben lässt - und ja, ich komme mir selbst oberlehrerhaft vor, wenn ich so regelmäßig den Duden zitiere: ;)

glauben:
1a. für möglich und wahrscheinlich halten, annehmen; meinen
1b. fälschlich glauben, für jemanden oder etwas halten; wähnen
2a. für wahr, richtig, glaubwürdig halten; gefühlsmäßig von der Richtigkeit einer Sache oder einer Aussage überzeugt sein
2b. jemandem, einer Sache vertrauen, sich auf jemanden, etwas verlassen
3a. vom Glauben erfüllt sein, gläubig sein
3b. in seinem Glauben von der Existenz einer Person oder Sache überzeugt sein, etwas für wahr, wirklich halten
"glauben" hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Also bitte keine "Jeder muss irgend etwas glauben!"-Diskussion. Mir geht es um glauben im Sinne von gläubig sein. Einen Glauben haben. Und dabei ist es egal ob Christentum, Islam, FSM oder die Gewissheit, dass es außerirdisches Leben gibt:

Glaube:
1. gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung
2a. religiöse Überzeugung
2b. Religion, Bekenntnis
Gefühlsmäßige Gewissheit also, keine Beweise:

Beweis:
1. Nachweis dafür, dass etwas zu Recht behauptet, angenommen wird; Gesamtheit von bestätigenden Umständen, Sachverhalten, Schlussfolgerungen
2. sichtbarer Ausdruck von etwas; Zeichen, das etwas offenbar macht
Ein Beweis macht für mich ohnehin nur Sinn, wenn man eine Behauptung zur Diskussion stellt. Sich für sich selbst etwas beweisen ist für mich "sich selbst etwas einreden". Ein Gefühl ist kein Beweis.

So viel zu den Definitionen. Nun zum Thema. Ich hoffe, dass wir uns bei folgendem einig sind:

* Unserem Wissen sind Grenzen gesetzt, unser Weltbild hat Fehler und Lücken.

* Wir stützen unser Weltbild in der Regel auf beweisbare Aussagen. Ohne Beweis lassen wir uns den vielzitierten Drachen in der Garage nicht verkaufen.

* Je bedeutender ein Baustein unseres Weltbildes ist, desto mehr Energie wenden wir auf, um möglichst sicher zu sein. Eine große Investition zum Beispiel.

Soweit einverstanden?

Dann kommt nun der Glaube ins Spiel. Um Gott als Gewissheit anzunehmen, muss man irgendwann glauben. Für mich liegt diese Grenze schon bei der Annahme, die Bibel sei Gottes Wort. Bei einem Gläubigen liegt sie naturgemäß höher.

Ich habe mich entschieden, so etwas nicht in meinem Weltbild haben zu wollen. Denn wenn ich erst einmal anfange, etwas ohne Beweise als Gewissheit in mein Weltbild zu integrieren, baue ich entweder darauf weitere ebenso unbewiesene Schlüsse auf oder ich weiß einfach nicht mehr, warum ich eine Behauptung ohne Beweis glauben soll, bei einer anderen aber meinen normalen Standards folgen kann. Ich kann dann auch einfach an alles glauben.


Wenn ihr also gläubig seid, warum habt ihr euch entschlossen, Unbewiesenes in eurem Weltbild zuzulassen?
Und wo verläuft für euch die Grenze, ab der ihr glaubt?



------
Wenn ihr euren Glaube für bewiesen oder beweisbar haltet, seid ihr hier richtig aufgehoben: Diskussion: Gibt es rationale Gründe an Gott zu glauben?

Glaube ich. ;)


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 00:56
Hallo,

ich bin zu meinem buddhistischen Glauben gekommen, indem ich meine Umwelt beobachtet und meine eigenen Rückschlüsse gezogen habe. Später habe ich dann gemerkt, dass sich meine Ansichten - zum Beispiel die Ansicht, dass selbst kleine Taten immer irgendeine Auswirkung auf die Umwelt haben - ziemlich gut mit denen des Buddhismus decken.

Zum Zen-Buddhismus im Speziellen bin ich gekommen, weil ich gemerkt habe, dass das einfach zu mir passt. Ich bin allem, was nach dem Tod kommt, gegenüber agnostisch eingestellt. Das heißt, ich weiß nicht, ob es ein Leben danach gibt und habe diesbezüglich keine Präferenzen. Im Zen ist das eine Ansicht, die nicht wenig Verbreitung hat.


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13.09.2017 um 01:15
@zigushen


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zigushen
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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 01:29
@CountDracula

Auf meinem Weg zum Atheismus habe ich auch eine Weile mit dem Buddhismus geliebäugelt. ;)

Aber ich wollte eigentlich nicht darauf hinaus, warum ihr an etwas bestimmtes glaubt, sondern warum ihr prinzipiell bereit seid, zu glauben und auf Beweise zu verzichten.

Wo ist dieser Punkt für dich? 

Ich fand zum Beispiel die ganze Leidensgeschichte plausibel. Ist ja auch eher philosophisch. Bei der Wiedergeburt war ich aber mangels Beweisen draußen. 


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 01:37
@zigushen
Ich verzichte nicht auf Beweise.

Buddhistische Wiedergeburt ist etwas ganz Anderes als das, was die meisten als Wiedergeburt bezeichnen würden.

Es gibt kein Ich, das wiedergeboren wird. Keine Seele. Wenn, dann wird Wiedergeburt so verstanden, dass man in seinem Leben die Bedingungen für die Geburt eines anderen Lebewesen schafft. Dieses Lebewesen wird dann unter anderem von meinen Taten und den Wirkungen, die diese auf die Welt haben, beeinflusst.

Manche verstehen es auch so, dass Wiedergeburt gänzlich in diesem einen, jetzigen Leben anzusetzen ist: In jeder Sekunde "stirbt" das alte Selbst - das Ding, was sich aus unseren Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen, Erfahrungen, dem Körper etc. zusammensetzt - und wird in Form eines neuen Selbst "wiedergeboren". Je nach den Taten des alten Selbst kann es sich dann so anfühlen, als würde man durch die Hölle gehen oder im Himmel leben; oder es fühlt sich weder besonders schrecklich noch besonders schön an, wie auf der Erde eben.

An letztere Form der Wiedergeburt glaube ich. Gegenüber der Wiedergeburt nach dem Tod bin ich agnostisch, genau so wie gegenüber Himmel, Hölle, Dämonen, Götter etc.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 01:42
@zigushen
"Stirbt" muss man da allerdings auch etwas mit Vorsicht sagen, da das alte Selbst ja nicht einfach so verschwindet. Es ist mehr so wie bei den Jahreszeiten: Der Frühling stirbt nicht, wenn der Sommer kommt. Sie gehen viel mehr nahtlos ineinander über. Und während Frühling ist, sollte man sich auf den Frühling konzentrieren und nicht über den Sommer nachgrübeln.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 13:16
Moin,
zigushen schrieb:Wenn ihr also gläubig seid, warum habt ihr euch entschlossen, Unbewiesenes in eurem Weltbild zuzulassen?
ich denke das diese Frage bereits eine Fehlannahme beinhaltet.

Ich bin sehr christlich aufgezogen wurden, Sonntagsschule, Bibelstunden, Kirchengruppe, Kindergottesdienst.
Das ganze Programm.

Der christliche Glaube ist mir nicht als Glaube anerzogen wurden, sondern als Tatsache.

Allerdings hatte ich zu meiner Mutter nie wirklich einen Draht (sie zu mir auch nicht), deswegen wurde ich von klein auf eher von der besten Freundin meiner Mutter aufgezogen.

Die war natürlich stets bemüht sich in solche Sachen nicht zu sehr einzumischen, aber sie war eine wunderbare Ansprechpartnerin an die ich mich mit meinen Zweifeln wenden konnte und hat mich dann "aufgeklärt", also mir den Unterschied zwischen "Glaube" und "Wissen" aufgedröselt und mir den Zahn gezogen meine Unfähigkeit zu Glauben wäre ein Fehler meinerseits.

Fairerweise muss ich anmerken, dass meine leibliche Mutter keine Fanatikerin ist und auch wenn sie selbst mir diese Tür aufgrund ihres Glaubens nicht hätte öffnen können hat sie es umgehend akzeptiert als ich mir und meiner Umwelt eingestehen musste, dass der "Glaube" in dem ich erzogen wurde einfach nicht da ist.

Ich hab mich dann wie es für die Kinder sehr gläubiger Eltern ja nicht unüblich ist in anderen Religionen umgeschaut.
Wie viele dieser andere Kinder aus streng religiösem Haus habe auch ich mich eine Weile lang den "üblichen Trotzreligionen" wie dem Satanismus und dem Atheismus zugewandt.

Hatte dann eine Phase in der ich mich (nicht aus Trotz sondern tatsächlich auf der Suche nach einem übergeordneten Sinn) eher der altnordischen Mythologie zugewandte, trug lange sogar eine sehr hübsche Edda-Ausgabe bei mir (die mir meine Eltern auf meinen Wunsch hin zum Geburtstag geschenkt hatten).

Aber auch wenn ich vielen der in der Edda beschriebenen Mythen und Verhaltensgrundlagen so Einiges abgewinnen kann habe ich seit etwa 20 Jahren meinen Frieden damit gemacht, das "Glaube" ein bisschen so ist wie sich zu verlieben.
Ich denke nicht, dass man sich das aussuchen kann.

Oft erwische ich mich dabei, das ich Gläubige Menschen beneide.
Grade als vor Kurzem diese wunderbare Frau starb die mich so liebevoll aufzog als sei ich ihre eigene Tochter.
Da habe ich die Gläubigen unter ihren Freunde sehr "beneidet".

In erster Linie natürlich die mit christlichem oder ähnlichem Glauben, die sich so sicher waren, dass ihre "Seele" nicht verloren geht, irgendwo weiterexistiert, vielleicht gar wiedergeboren wird..
Diese Gläubigen beneide ich um diese Gewissheit, dass dieser großartige Mensch nicht "einfach weg" ist und das es sogar ein Wiedersehen geben wird, wenn meine Zeit gekommen ist.

Aber auch die Atheisten beneide ich durchaus. Denn sie finden Ruhe und Abschluss in ihrem Glauben daran, dass es kein Leben nach dem Tod, kein Wiedersehen, keine "Weiterexistenz der Seele" geben wird. Sie schreiten voran mit der Gewissheit, dass sie einfach nur jeden Tag ein wenig in IHREM Sinne leben müssen, damit die Spuren dieser einzigartigen Frau nicht ungehört verhallen.


Kurz: Jeder Gläubige hat einfach eine Perspektive, eine Sicherheit, die ich als "glaubensunfähiger" Mensch nicht erlangen kann und das finde ich durchaus beneidenswert.

Ich selbst bin absolut unfähig an irgendwas zu glauben, sei es nun die Existenz oder die Nichtexistenz einer göttlichen Präsenz.

Ich muss halt einfach damit leben, dass die Frage nach dem "ist da irgendwas?" nicht zu beantworten ist und folglich halte ich mich nicht viel mit solchen Gedanken auf.

Allerdings habe ich eine naturwissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen und dort ist dieser "Praktizierte, überzeugte Nichtglaube" recht weit verbreitet, sodass ich meist von Menschen umgeben bin die meine Unfähigkeit an die Existenz oder Nichtexistenz von etwas zu glauben nicht nur verstehen sondern teilen was eine große Hilfe dabei ist sich auch von dem Philosophieren über den Glauben fernzuhalten, was Menschen wie mich wohl auch nicht weiterbringen wird ;)

lg


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 13:30
@Fraukie
Ein nettes Statement.
Eine Anmerkung dazu:
Niemand unfähig, zu glauben. Wenn denn für dich nichts glaubhaft genug ist, um es zu glauben, so glaubst du trotzdem an die Unglaubhaftigkeit. Sowohl Skeptizismus als auch Agnostizismus sind Formen von Glauben. Bei genauerem Hinsehen findet mal überall Glaube, in den seltensten Fällen ist er wirklich religiös.
Ich behaupte, der Mensch ist unfähig, nicht zu glauben. Das sage ich als gläubiger Mensch.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 15:06
Trimeresurus schrieb:Sowohl Skeptizismus als auch Agnostizismus sind Formen von Glauben.
Eigentlich nicht. Vor allem letzteres ist gerade kein Glaube. Es ist eine Weltanschauung, die gerade keine Aussagen dazu macht, ob es nun irgend ein höheres Wesen gibt oder nicht.
Trimeresurus schrieb:Bei genauerem Hinsehen findet mal überall Glaube
Das stimmt wiederum. Ich kann nicht alles wissen, vieles muss ich glauben.
Trimeresurus schrieb:Ich behaupte, der Mensch ist unfähig, nicht zu glauben.
Das hängt vom Maß des Misstrauens ab, das jemand gegenüber seiner Umwelt hegt.

Aber Du meinst hier sicher weniger Glauben im Sinne, jemand anderen etwas zu glauben, sondern an etwas zu glauben. Also an einen Sinn des Lebens, an eine höhere Macht etc. Das wiederum ist nicht zwingend.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 15:32
zigushenEin Gefühl ist kein Beweis.

Wenn ein Wissenschaftler das sichere Gefühl hat, ist es sein beweis das es stimmt.
Ist er sich nicht sicher, soll heissen: sein Gefühl ist nicht stimmig, wird er es kontrollieren bis er ein sicheres Gefühl hat, das es nun, so wie es ist Stimmt = stimmig ist.

Andere Menschen dann, stimmen dem zu oder eben auch nicht.
Nicht zustimmen tun Sie, wenn für Sie das Gefühl nicht stimmt und zustimmen werden sie logischerweise, wenn Ihr Gefühl sagt = es stimmt was der oder ein anderer behauptet.
zigushen schrieb:Was ist Glaube? Und wie lässt er sich in ein rationales Weltbild integrieren?
Glauben ist eine tätigkeit des Menschen.
Indem man es macht...
zigushen schrieb:"glauben" hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Also bitte keine "Jeder muss irgend etwas glauben!"-Diskussion.
Auch wenn Glauben mehrere Synonyme hat, kann der Mensch nicht nicht glauben.
Das soll heissen @zigushen auch wenn du nicht vermutest das es so ist, (Warum man lebt als Beispiel...) vermutest du als Mensch.
In anderen Worten, man glaubt erst nicht mehr, wenn man gewissheit hat, nur muss jeder Mensch zuerst glauben um gewissheit erlangen zu können.
Das nennt man logischer ablauf von erreignissen.

Kann nicht zuerst das Kind leben und dann seine eltern.
Somit kann auch nicht zuerst gewissheit bestehend vor vermutungen.

Mit: muss jeder Mensch an was glauben ist eben gemeint, das Mensch nicht drumherum kommt zu vermuten, wie er auch nicht drumherum kommt zu verlangen.
@zigushen musst nicht auf das hineingehen nur lesen.
zigushen schrieb:* Unserem Wissen sind Grenzen gesetzt, unser Weltbild hat Fehler und Lücken.

* Wir stützen unser Weltbild in der Regel auf beweisbare Aussagen. Ohne Beweis lassen wir uns den vielzitierten Drachen in der Garage nicht verkaufen.

* Je bedeutender ein Baustein unseres Weltbildes ist, desto mehr Energie wenden wir auf, um möglichst sicher zu sein. Eine große Investition zum Beispiel.

Soweit einverstanden?
Ich habe sogar einen Zusatz der wichtig ist als Mensch...;
Es ist nur das wichtig/besonders, wo man als mensch sein Blick richtet.
zigushen schrieb:Um Gott als Gewissheit anzunehmen, muss man irgendwann glauben. Für mich liegt diese Grenze schon bei der Annahme, die Bibel sei Gottes Wort. Bei einem Gläubigen liegt sie naturgemäß höher.

Ich habe mich entschieden, so etwas nicht in meinem Weltbild haben zu wollen. Denn wenn ich erst einmal anfange, etwas ohne Beweise als Gewissheit in mein Weltbild zu integrieren, baue ich entweder darauf weitere ebenso unbewiesene Schlüsse auf oder ich weiß einfach nicht mehr, warum ich eine Behauptung ohne Beweis glauben soll, bei einer anderen aber meinen normalen Standards folgen kann. Ich kann dann auch einfach an alles glauben.
Um den Urknall (Theorie des Modernen-Zeitalters) als gewissheit anzunehmen, muss man ebenso irgendwann glauben.
Manche die von Theorie Urknall ausgehen, sind ehrlicher als manch andere die von dem Gotteswort/Bibel ausgehen...

Für Moderne ist Maschine, also der Forttschritt beweiss des Urknalles.
Für Frühere/manche, war es sein gefühl, als beweis für Gottes Existenz und wirken.

Natürlich muss auch der Moderne Wissenschaftler fühlen um gewissheit zu haben, er ist ja der Maschine bedient und idee hat für einen beweiss...

@Trimeresurus
spricht vom gleichen @zigushen;
Sowohl Skeptizismus als auch Agnostizismus sind Formen von Glauben. Bei genauerem Hinsehen findet mal überall Glaube, in den seltensten Fällen ist er wirklich religiös.
Ich behaupte, der Mensch ist unfähig, nicht zu glauben. Das sage ich als gläubiger Mensch.
zigushen schrieb:Wenn ihr also gläubig seid, warum habt ihr euch entschlossen, Unbewiesenes in eurem Weltbild zuzulassen?
Und wo verläuft für euch die Grenze, ab der ihr glaubt?
Nimmt man eben die Mitte, das heisst denken beider Parteien, hat man Lösung.
zigushen schrieb:Auf meinem Weg zum Atheismus habe ich auch eine Weile mit dem Buddhismus geliebäugelt.

Aber ich wollte eigentlich nicht darauf hinaus, warum ihr an etwas bestimmtes glaubt, sondern warum ihr prinzipiell bereit seid, zu glauben und auf Beweise zu verzichten.
Hast du als Atheist denn der beweiss das es Gott nicht gibt ?
Nein hast du nicht, schon aber es ist dein Glaube/überzeugung das Gott nicht existiert.

Du als Atheist bist auch gläubig: du vermutest es gibt Ihn nicht, oder nicht so, wie die Bibel es erklärt, spielt aber keine Rolle, denn es geht darum, d s du als Atheist auch gläubig bist.

@kleinundgrün
Agnostizismus (latinisierte Form des griechischen ἀγνωστικισμός, a-gnōstikismós von altgriechisch ἀγνῶσις, a-gnō̂sis ohne Wissen, ohne Erkenntnis) ist die philosophische Ansicht, dass Annahmen – insbesondere theologische, welche die Existenz oder Nichtexistenz einer höheren Instanz, beispielsweise eines Gottes, betreffen – ungeklärt bzw. nicht klärbar sind.
( Wikipedia: Agnostizismus )

Der sogenannte Agnostiker ist am glauben, das heisst er vermutet das man es nicht erklären kann, dass es so was wie Gott gibt, gebe kann oder mand aran glauben kann...
Aber er vermtutet ebenso und ist sich dann sicher man kann es nicht.

Es geht auch nicht darum ob man gewzungen wird an was zu glauben von anderen.

Es ist fakt, Tatsache das du als mensch immer vermutest.
Wie verlangen, du kannst als mensch nicht nicht verlangen.

Wenn du nichts verlangst, verlangst du nach nichts.
Und so ist es mit dem Glauben.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 15:46
Moin,
Trimeresurus schrieb:Sowohl Skeptizismus als auch Agnostizismus sind Formen von Glauben. Bei genauerem Hinsehen findet mal überall Glaube,
Das sehe ich anders ist aber sicher eine Definitionsfrage.

Für mich ist "Glaube" die Fähigkeit von etwas überzeugt zu sein, das sich nicht nachweisen oder widerlegen lässt.


Deswegen ist Atheismus meiner Meinung nach auch ein Glaube. Atheisten berufen sich zwar auf die Tatsache, dass die Existenz einer göttlichen Präsenz nie belegt wurde übersehen dabei aber oft, dass der Nachweis einer Nichtexistenz auch nie stattgefunden hat und wohl auch nie stattfinden wird, weil der Nachweis das etwas nicht existiert ohnehin so eine Sache für sich ist.

Das ich Agnostiker bin habe ich mir nicht ausgesucht. Es ist wie kleinundgrün bereits sagte der Punkt bei dem man fast zwangsläufig landet, wenn man unfähig ist an etwas zu glauben.

Zunächst war ich Skeptiker oder Zweifler, wie man es nennen möchte.

Dann habe ich aber feststellen müssen, dass es mir tatsächlich nicht möglich ist an etwas zu glauben.

Der Agnostiker akzeptiert, dass sich die Frage ob ein Gott existiert zum bisherigen Zeitpunkt nicht beantworten lässt (und meist auch, dass es auf diese Frage vermutlich nie eine fundierte Antwort geben wird) und lebt mit der Tatsache, das hinter der Frage "Gibt es einen Gott" keine Antwort steht sondern ein Fragezeichen.
Manch Agnostiker macht sich ab und an Gedanken auf welches Pferd er setzen würde müsste er sich festlegen, solche wie ich haben gelernt mit dem Fragezeichen zu leben.
Für mich bedeutet das so zu leben, das ich das Leben genieße und auskoste, weil die Möglichkeit besteht dass nach dieser einen, irdischen Existenz nichts mehr kommt aber andererseits auch ein aufrechtes Leben zu führen, niemandem Schaden zuzufügen und darauf zu achten, dass die Spuren die ich hinterlasse positiv sind, damit ich Andere in ihrer Existenz nicht negativ beeinflusse.
Damit komme ich für meinen Teil sehr gut klar und die meiste Zeit mache ich mir da nicht einmal Gedanken drum.


Für mich gibt es nur "wissen" oder "nicht wissen" und etwas zu wissen setzt für mich bei wichtigen bzw "großen" Dingen voraus, das ich fähig bin einen objektiven Nachweis zu erbringen.

Bei kleineren Dingen bin ich durchaus bereit und in der Lage das was umgangssprachlich in den Bereich des Glaubens fällt durch Vertrauen zu ersetzen.

Also Situationen in denen mir jemand etwas sagt und ich mit "glaube ich Dir" antworten würde, wäre mir das Wort "Glaube" nicht generell "unangenehm" eben weil es für etwas steht zu dem ich nicht fähig bin.

Wenn ich aber z.B. meine Mann anrufe und ihn frage ob er kontrolliert hat ob die Hühnerstalltür ordentlich verschlossen ist, dann kann ich seine Antwort ja nicht zeitnah im eigentlichen Sinne verifizieren.
Also kann man umgangssprachlich durchaus sagen "Ich glaube Dir."
Tatsächlich handelt es sich hier aber eher um Vertrauen.
Entweder in die Ehrlichkeit der entsprechenden Person (was üblicherweise auf einem Erfahrungswert beruht) oder in die untergeordnete Relevanz der Antwort auf die gestellte Frage.

Des Weiteren habe ich mir schon lange abgewöhnt "ich glaube" zu sagen, wenn ich doch eigentlich sowieso "Ich denke" oder "ich nehme an" meine.

Aus all diesen Aspekten (und sicher noch mehr) entsteht dann meine Ansicht/Erfahrung, das man sich gar nicht aussuchen kann ob man GLAUBT. Entweder man tut es oder nicht. Einfluss darauf haben mit Sicherheit die Erziehung und das Umfeld, aber das der freie Wille eine nennenswerte Rolle bei der "Entscheidung" ob man an etwas glaubt oder nicht spielt halte ich persönlich eben für mehr als unwahrscheinlich.

Ich habe meinen Glauben ganz gewiss nicht "freiwillig" verloren. Dazu war der Glaube in dem ich aufgezogen wurde viel zu bequem (moderne evangelische Kirche die sehr viel mehr von Hoffnung als "Gottesfurcht" lebt) und mir einzugestehen, dass ich diesen Glauben nicht in mir trage viel zu unschön, es fühlte sich ja durchaus so an als habe ich etwas verloren, was ja auch durchaus irgendwie den Tatsachen entspricht.

Daher auch mein Vergleich von "Glaube" und "Liebe".
Ich denke einfach nicht, dass man sich das aussuchen kann, sondern das man mit dem leben muss was in einem selbst nun einmal Tatsache ist und ich gehöre eben zu den Menschen, die damit leben müssen unfähig zu sein Hoffnung, Sinn, Zuversicht usw in einer Religion zu finden.

Ich kann mich nur an das halten, was beweisbar ist aber ich bin damit zufrieden, denn auch das hat seine Vorteile (schützt recht zuverlässig vor Betrügern und Scharlatanen).

lg
Fraukie


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:12
Sarv schrieb:Der sogenannte Agnostiker ist am glauben, das heisst er vermutet das man es nicht erklären kann
Nein. Er lässt es einfach offen.
Er sagt: "Vielleicht gibt es Gott, vielleicht nicht, ich weiß es nicht".


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:23
@Fraukie

Ich fürchte wir verstehen uns nicht ganz.
Niemand kann nur an das glauben, was beweisbar ist. Ein Christ sieht in jedem Sonnenaufgang einen Beweis für die Existenz Gottes. Das mag für dich und mich absurd sein, ist aber so. Ich würde nie darauf kommen, zu einer dreifaltigen Witzfigur zu beten aber ich bin nicht das Maß aller Dinge.
Nun glaubst du vielleicht nicht an einen perzonifizierten Gott aber auf jeden Fall ein etwas Übergeordnetes.
Das kann auch ein Wert, eine Idee oder ein Ziel sein. Der Mensch kann niemals ohne dergleichen leben und die meisten wissen das heute nicht mehr.
Was ist also dein Gott? Rhetorische Frage, du musst sie nicht beantworten)
Vielleicht Menschlichkeit, Glück, Geld, bedingungslose Liebe oder andere erfundene Konstrukte?


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:26
@kleinundgrün
So und wenn du sagst vieleicht, bist du am vermuten und bist nicht sicher.

ergo ist agnostik einer der glaubt.


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:28
Sarv schrieb:So und wenn du sagst vieleicht, bist du am vermuten und bist nicht sicher.

ergo ist agnostik einer der glaubt.
Woran glaubt er?


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:30
Glaubt nicht jeder Mensch ?
Z.B. am Abend dass es ein Morgen gibt ?


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:43
@kleinundgrün
das er es nicht erklären kann.

Das bedeutet der Agnostiker vermutet, das er nicht in der lage sei zu wissen oder zu erklären das es Gott gäbe oder eben nicht gibt.

@Hyperborea
Ja erkläre das gerade aber dafür brauchst du/man engelsgeduld...


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:46
Sarv schrieb:Das bedeutet der Agnostiker vermutet, das er nicht in der lage sei zu wissen oder zu erklären das es Gott gäbe oder eben nicht gibt.
Ich vermute, dass Du mich trollen möchtest?

Um diese Art des Glaubens (als Synonym zu "vermuten") geht es doch gar nicht.

Ein "Ich glaube an Gott" ist doch nicht synonym zu "Ich vermute, dass es Gott gibt" sondern zu "Ich weiß, dass es Gott gibt".


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:51
@kleinundgrün
Nein ich meine es ernst.

Es geht darum, dass jeder Mensch glaubt, am vermuten ist.

Was ist so schwer das zu verstehen ?


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Warum glaubt ihr, wenn ihr glaubt?

13.09.2017 um 16:54
Sarv schrieb:Es geht darum, dass jeder Mensch glaubt, am vermuten ist.
Das bestreite ich aber gar nicht.

Nur geht es hier nicht um das Glauben im Sinne von Vermuten, sondern im Sinne von Überzeugung.
Der Glaube an Gott ist keine Vermutung für den Glaubenden.

Das Wort hat eben mehrere Bedeutungen und die auf die Du abzielst, ist eine andere, als die bei der Aussage "Agnostiker wären auch Gläubige".


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