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Religion eine Krankheit?

110 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Religion, Seele, Psyche ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Religion eine Krankheit?

02.08.2026 um 01:43
Zitat von FishfaceFishface schrieb:Für kranke Menschen können Krücken eine Stütze sein.
Für gesunde Menschen sind Krücken eher ein Hindernis.
Ob Atheismus "besser für die Welt wäre", halte ich für ein Gerücht. Da landet man auch irgendwann bei der Frage, ob die Aufklärung zb Faschismus erst möglich gemacht hat bzw Bedingungen geschaffen hat, die totalitäre Bewegungen dieser Art erst zur Blüte bringen konnte.
Und wir auch heute wieder ein klein wenig mehr "Wiederverzauberung der Welt" benötigen würden.
Aber wie gesagt - es ist immer eine persönliche Sichtweise, andere als "krank" zu bezeichnen, halte ich in diesem Zusammenhang für eine gefährliche Sichtweise.


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02.08.2026 um 09:52
Zitat von abberlineabberline schrieb:Und wir auch heute wieder ein klein wenig mehr "Wiederverzauberung der Welt" benötigen würden.
Aber wie gesagt - es ist immer eine persönliche Sichtweise, andere als "krank" zu bezeichnen, halte ich in diesem Zusammenhang für eine gefährliche Sichtweise.
aber doch bitte keine gelogene Wiederverzauberung... die Aufklärung hat uns massiv nach vorne gebracht...
was der Mensch braucht ist die Wahrheit...


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02.08.2026 um 10:22
@abberline
Da hast du etwas falsch verstanden. Dieses: -für kranke Menschen können Krücken eine Stütze sein—, sollte nicht wertend verstanden werden. Der Begriff Gesund und Krank ist zugegebenermaßen etwas deplatziert. Es entstammt einem Zitat, dass ich irgendwo mal gelesen, und eigentlich gut auf den Punkt gebracht, sah.

Aber wie ich sehe, sind die Standpunkte und Ansichten nicht immer auf die selbe Seite des Objekts gerichtet.
Deshalb noch eine ergänzende Erklärung.

Unter -die Kranken-, verstehe ich Menschen, in unserer Gesellschaft, die am Leben, an Krankheiten, an Regimen, oder was auch immer ihrem Weltbild entgegensteht, verzweifeln oder kranken. Wenn man z.B. auf dieser Plattform querliest, bekommt man schnell einen ersten Eindruck. Das ist jedoch nur ein oberflächlicher Abstrich der real existierenden Gesellschaft.
In diesem Fall kann es für manche Menschen eine mentale Stütze bedeuten sich in einer religiösen Gruppierung “gut“ aufgehoben/aufgefangen zu fühlen. Das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Also keineswegs negativ zu betrachten.
Andere hingegen fühlen sich erst frei, wenn sie sich von allen religiös-esoterischen Formen gelöst haben.
Welche davon die richtige ist, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Das du in diesem Zusammenhang eine politische Note beisteuerst ist interessant und lässt tief blicken.
Ob Faschismus gemein geht mit Atheismus bezweifle ich stark. Politik und Religion gehen schon seit Jahrhunderten Hand in Hand. In the name of… wurden ganze Völker ausgelöscht. Welche Sorte von ..ismus da im Ranking ganz oben liegt kann ich dir nicht sagen. Vielleicht findest du es bei umfassender Recherche irgendwann raus.

Das menschliche Verhalten lässt sich mit einfachen Mitteln in jede gewünschte Richtung lenken, wenn man die entsprechenden Mechanismen kennt und diese gezielt anwendet, dann ist alles möglich. Religion ist da ein, über lange Zeit zur Perfektion gereiftes Werkzeug.


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02.08.2026 um 11:36
Zitat von ockhamockham schrieb:Warum es das Christentum gibt, da hab ich allerdings (noch) keine Antwort.
Es sollte die Menschen auf dem Kontinent bzw. im Römischen Reich mit unterschiedlichen Kulturen und religiösen Ausrichtungen gesellschaftlich zusammenbringen und vereinen - soviel ich weiß, von Konstantinopel ausgehend.
Zitat von ockhamockham schrieb:Die eigentliche Lösung sind soziale Bindungen, in einer sozialen Bindung kann man Menschen bereichern, einen Weg geben, eine Türe öffnen. "Dass" ist die eigentliche Lösung.
Genau richtig @ockham
Ich denke auch, das ist die Idee dahinter, eine Religion zu erfinden.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:die Aufklärung hat uns massiv nach vorne gebracht...
was der Mensch braucht ist die Wahrheit...
Erzähl doch keinen Schmarrn @kaktuss Wäre man richtig aufgeklärt, würde man auch nicht die Wissenschaft als pure reine Wahrheit verkaufen wollen; siehe da:
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Ich denke schon das grade die Behauptung es wäre wirklich Gottes Wort und eine Offenbarung dessen, den Menschen mehr verdirbt als sie ihm hilft.
Denn genau darum werden Menschen fanatisch und wollen eben dieses Wort gegen alles andere durchsetzen...

Würden sich die Religionen mehr zurück nehmen wie die Philosophie z.B. und lediglich Fragen stellen und wissenschaftliche Antworten darauf suchen,
dann wären sie kein Problem... würden sie wenigstens von ihrem Anspruch auf absolute göttliche Wahrheit zurück treten und ins bloß mögliche übergehen, dann wäre alles schon viel besser...
... vielleicht ist es doch besser, wenn man selbst, für sich selbst, sozusagen die eigene Wahrheit findet --- diese dann aber auch für sich selbst behaltet und nicht versucht, irgendwie Andersdenkende zu brandmarken und die eigene Wahrheit aufzudrängen?


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02.08.2026 um 13:04
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:was der Mensch braucht ist die Wahrheit
Absolut. Nur wird aus der Wahrheit, sobald man sie beschreibt oder der Verstand sie in ein gedankliches Konzept presst, ein Abbild. Der Gedanke kann auf sie zeigen, aber er kann sie nicht gänzlich einfangen.
Machen wir Menschen in der Unachtsamkeit trotzdem... Erklären das Abbild zur Wahrheit selbst, zu etwas, das man anderen zeigen und vermitteln muss. Und so bekämpfen sich diese scheinbare Wahrheiten unausweichlich. Da es ja nur eine geben kann und jede von ihnen beansprucht, die Wirklichkeit selbst zu sein.


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02.08.2026 um 13:29
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:dann wären sie kein Problem... würden sie wenigstens von ihrem Anspruch auf absolute göttliche Wahrheit zurück treten und ins bloß mögliche übergehen, dann wäre alles schon viel besser...
Das ist, zumindest bei den beiden großen christlichen Kirchen, dann doch nicht so einfach.
Mal auf die Schnelle zwei Texte zum Thema Wahrheitsanspruch herausgesucht. Einmal für die ev. und einmal für die kath. Richtung.
Bei Interesse kannst ja mal durchstöbern.
Das hebräische Wort für „Wahrheit“ im Alten Testament kommt von demselben Wort wie die Wörter für „Glaube“ und „Treue“. Wahrheit im biblischen Sinne bedeutet also nicht, dass eine Aussage mit der Wirklichkeit übereinstimmt, sondern man kann sich darauf verlassen
Weil aber der Glaube das unmittelbar Wirkliche überschreitet, kann Wahrheit immer nur als Wahrheitsanspruch gemeint sein. Das, was Christinnen und Christen aus ihrem Glauben heraus sagen, bleibt bestreitbar.
Quelle: https://www.ekd.de/Wahrheit-Basiswissen-Glauben-15618.htm
Worin aber besteht genauer der Wahrheitsanspruch des christli-
chen Glaubens? Wie oder wo beansprucht ein Christ3 Wahrheit? Mir
scheint, dass man mindestens zwei Antwortrichtungen auf diese Fra-
ge unterscheiden muss. Die erste Antwortrichtung bezieht sich auf
die religiösen Überzeugungen eines Christen. Einen Anspruch auf
Wahrheit christlicher Überzeugungen erhebt er insofern, als er den
Inhalt seiner Überzeugungen für wahr hält
Quelle: https://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/mam/ph-th/downloads/tapp_a49_2020_christlicherwahrheitsanspruch.pdf


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02.08.2026 um 14:34
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Und so bekämpfen sich diese scheinbare Wahrheiten unausweichlich. Da es ja nur eine geben kann und jede von ihnen beansprucht, die Wirklichkeit selbst zu sein.
eben nur die göttlichen Wahrheiten... kein Wissenschaftler vertritt seine Theorie mit Gewalt... denn sie gilt nicht als gottes wort und absolute Wahrheit.
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:würde man auch nicht die Wissenschaft als pure reine Wahrheit verkaufen wollen
macht auch kein Wissenschaftler... das ist ja grade der Punkt...


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02.08.2026 um 16:09
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Es sollte die Menschen auf dem Kontinent bzw. im Römischen Reich mit unterschiedlichen Kulturen und religiösen Ausrichtungen gesellschaftlich zusammenbringen und vereinen - soviel ich weiß, von Konstantinopel ausgehend.
Interessant
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Genau richtig @ockham
Ich denke auch, das ist die Idee dahinter, eine Religion zu erfinden.
Wenn dies die Idee dahinter ist, dann hat diese Idee dahinter hier in Deutschland versagt. Hier harmoniert nicht die soziale-Bindung, hier herrscht die Abhängigkeits-Bindung. Die Soziale-Bindung steht der Abhängigkeits-Bindung diametral gegenüber und letzteres nimmt teilweise richtig perverse Züge an. Ich bin mir da so sicher, weil ich beide Winde kennengelernt habe.


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02.08.2026 um 18:25
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:eben nur die göttlichen Wahrheiten... kein Wissenschaftler vertritt seine Theorie mit Gewalt... denn sie gilt nicht als gottes wort und absolute Wahrheit.
Es scheint jeder mal mehr mal weniger für seine geglaubten scheinbaren Wahrheit zu kämpfen. Wie diese Schlachten geführt werden, hängt oft davon ab, welcher Wille dahinter steckt, welche Mittel man sehen und tatsächlich benutzen kann. In der Geschichte gibt es genug Beispiele wie gravierend ein solcher Kampf in der Wissenschaft aussehen kann... Was sie bereit sind zu Opfern um ihre Theorie in Feldtests usw. wahr werden zu lassen...

Klar, in der Wissenschaft sieht man scheinbar weniger Fanatismus so offen wie bei Menschen, die sich auf Ideologien oder Glaubenssysteme berufen. Dennoch kann derselbe Mechanismus wirken. Nur eben in anderer Gestalt.

Der Einzige der nicht kämpft ist witzigerweise derjenige, der in der tatsächlichen und nicht vorgestellten Wahrheit, fern Gedanken oder vorgestellten Bildern stehen kann, und sie darum am klarsten wahrnimmt. Da er weiß, dass Wahrheit nichts ist was siegt, sondern einfach etwas ist das bleibt, wenn der Streit verstummt.


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02.08.2026 um 18:48
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Der Einzige der nicht kämpft ist witzigerweise derjenige, der in der tatsächlichen und nicht vorgestellten Wahrheit, fern Gedanken oder vorgestellten Bildern stehen kann, und sie darum am klarsten wahrnimmt. Da er weiß, dass Wahrheit nichts ist was siegt, sondern einfach etwas ist das bleibt, wenn der Streit verstummt.
wer soll das bitte sein ?

Der Wissenschaftler ist der Wahrheit meines Erachtens am nächsten... näher als der einfache Verstand der Menschen und näher als irgendeine Ideologie oder ein Glaube...

Der Wissenschaftler kann auch derjenige oben sein, den du meinst...

Kein Wissenschaftler kämpft mit Waffen... nur mit Fakten und Argumenten... die ohne Authorität für jeden klar einsehbar sind...


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02.08.2026 um 19:21
Zitat von ockhamockham schrieb:Wenn dies die Idee dahinter ist, dann hat diese Idee dahinter hier in Deutschland versagt. Hier harmoniert nicht die soziale-Bindung, hier herrscht die Abhängigkeits-Bindung. Die Soziale-Bindung steht der Abhängigkeits-Bindung diametral gegenüber und letzteres nimmt teilweise richtig perverse Züge an. Ich bin mir da so sicher, weil ich beide Winde kennengelernt habe.
Ja @ockham sehe ich auch so.

Das denke ich, ist aber schon immer so. Religiös lässt sich das mit der Geschichte von Kain und Abel erklären, wo es aufgrund von Besitzansprüchen, Neid und Eifersucht sogar zum Mord kommt. So gesehen, ist es also nicht nur in Deutschland so, sondern schon immer auf der ganzen Welt - bereits bevor der Mensch anfing, zu Gott zu beten.

Dass die eigentliche Idee versagt hätte, würde ich so einfach nicht annehmen wollen, sondern dauert es mMn nur noch, bis sagenwirmalso die Wirkung wieder eintritt.


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02.08.2026 um 20:41
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Kein Wissenschaftler kämpft mit Waffen... nur mit Fakten und Argumenten... die ohne Authorität für jeden klar einsehbar sind...
Das ist wishfull thinking. In der Wissenschaft wird mit Spionage, falschen und manipulierten Daten, Diebstahl etc. gekämpft. Nicht nur, aber doch täglich. Die meisten wissenschaftlichen Forschungen finden in der Industrie statt. Wobei das in den Unis ebenso vorkommt.
Der Heilige Gral der Wissenschaft ist ein Märchen.


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02.08.2026 um 21:50
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:wer soll das bitte sein ?
Das bist du, wenn du zB. den Wind spürst ohne ihn halten zu wollen. Du zB. Nachts ein klarer Sternenhimmel erblickst und jeder Gedanke für einen Moment schweigt. Wenn du das was tatsächlich passiert ohne Umwege, ohne ein Hinzufügen oder Wegnehmen durch etwas Gedachtes, vorgestellten Konzepten oder Ideen, ohne Widerstand und damit mit vollster Aufmerksamkeit erlebst. Kann auch bei banaleren Momenten sein...
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Der Wissenschaftler ist der Wahrheit meines Erachtens am nächsten... näher als der einfache Verstand der Menschen und näher als irgendeine Ideologie oder ein Glaube...
Gerade weil Wissenschaft der Wahrheit so nahe kommen kann, ist Unvoreingenommenheit oft entscheidend. Denn der Kampf beginnt nicht mit einer Theorie allein, sondern mit der Identifikation mit ihr. Natürlich senkt geschulte Methode und kritisches Hinterfragen die Wahrscheinlichkeit in eine Falle zu treten. Aber Wissenschaftler sind auch nur Menschen... und damit nicht frei von Eitelkeit, Ehrgeiz, Gruppendenken oder der Identifikation mit ihren eigenen Theorien, Glaubensansichten, Meinungen, Selbstbildern usw. Die Wissenschaft besitzt Mechanismen zur Selbstkorrektur, ja, aber jeder einzelne Wissenschaftler... nicht zwangsläufig.


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Religion eine Krankheit?

04.08.2026 um 16:26
Religion ist erstmal Erklärungsmodell für die Welt.
Ursprünglich Naturphänomene die man mystifiziert, anthropomorphisiert, denen man "Seele gab".
Daraus wurden eigene Gestalten, der Windgott, der Donnergott.
Und schließlich in einem letzten Schritt, zumindest in der westlichen Welt, wird dieser Pantheon verschmolzen zu einem "All-Gott".
Jedem dieser Schritte wohnt ein seltsamer Widerspruch inne. Das "beseelte Feuer" das vor dir brennt ist real und dadurch mächtig, der "Feuergott" eine Abstraktion davon - gedacht mächtiger, real wirkungsloser. Das treibt sich mit dem Einen Gott auf die Spitze, ein Gott für alles, der überall ist - und nirgends.
Wissenschaft schließlich ist die konsequente Fortführung genau dieser Haltung, die Entmystifizierung der Welt zu Gunsten einer immer transzendenteren Gottheit die sich schließlich im Atheismus konsequent in "nichts" auflöst.
Wissenschaft - so wie sie in westlicher Prägung existiert - lässt sich ohne den Werdegang der monotheistischen Buchreligionen überhaupt nicht verstehen. Sie sind - als Erklärungsmodelle der Wirklichkeit - wesensverwandt und das eine stammt vom anderen.
Sie operieren mit Wahrheiten als Erklärungen über die Welt - Dogmen, Naturgesetze, Evidenz und Offenbarung.

Was @KwithoutPath schreibt, ist an der Stelle tatsächlich erhellend. Diese "Wahrheiten" die immer nur zeitweises, bedingtes für-wahr-halten ist (mit mehr oder weniger Verve) werden am Ende durch die unmittelbare Erfahrung geschlagen. Denn dort finden wir das, was in Wissenschaft oder Religion am Ende nur gesucht wird: unumstößliche Wahrheiten.
Zitat von KwithoutPathKwithoutPath schrieb:Das bist du, wenn du zB. den Wind spürst ohne ihn halten zu wollen. Du zB. Nachts ein klarer Sternenhimmel erblickst und jeder Gedanke für einen Moment schweigt. Wenn du das was tatsächlich passiert ohne Umwege, ohne ein Hinzufügen oder Wegnehmen durch etwas Gedachtes, vorgestellten Konzepten oder Ideen, ohne Widerstand und damit mit vollster Aufmerksamkeit erlebst. Kann auch bei banaleren Momenten sein...
Am Ende landen wir da am Anfang. Beim Feuer, beim Wind. Nur das es jetzt uns eine Seele gibt.


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Religion eine Krankheit?

05.08.2026 um 10:33
Zitat von paxitopaxito schrieb:Religion ist erstmal Erklärungsmodell für die Welt.
Ursprünglich Naturphänomene die man mystifiziert, anthropomorphisiert, denen man "Seele gab".
Daraus wurden eigene Gestalten, der Windgott, der Donnergott.
Und schließlich in einem letzten Schritt, zumindest in der westlichen Welt, wird dieser Pantheon verschmolzen zu einem "All-Gott".
Jedem dieser Schritte wohnt ein seltsamer Widerspruch inne. Das "beseelte Feuer" das vor dir brennt ist real und dadurch mächtig, der "Feuergott" eine Abstraktion davon - gedacht mächtiger, real wirkungsloser. Das treibt sich mit dem Einen Gott auf die Spitze, ein Gott für alles, der überall ist - und nirgends.
... und du machst mit dem Widerspruch weiter: überall und nirgends @paxito
Allerdings sind diese von dir erwähnten Naturphänomene doch eben die Wirkung der Götter oder halt des einen Gottes - der Gott des Donners macht Donner, der Gott des Windes macht Wind --- mitunter wurden von den Menschen Götter und Sternchen wie 'der Fußballgott' oder 'der Kaiser' dazuerfunden. Im Monotheismus aber bewirkt das alles, alle dieser Naturphänomene, nur ein Gott. Mal nachgedacht. Naturphänomene macht wer oder was? Ja, genau: die Natur. Im Gegensatz zu deinem weitergeführten Widerspruch ist die Natur nur überall und nicht auch nirgends.


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05.08.2026 um 10:42
Zitat von kaktusskaktuss schrieb am 30.07.2026:Sind nicht alle Religionen aufgrund ihrer Unwahrheit eine einzige Krankheit für den Menschen ?
Eine Krankheit mit der man sich anstecken kann.
Aus meiner Sicht würde ich Religionen als Spezialfall bzw. Unterkategorie von Ideologien sehen, zu denen auch politische Ideologien gehören. Aus meiner Sicht ist es bei vielen Ideologien eben typisch, dass der "Glaubenskanon" von den "Gläubigen" meistens nicht mehr hinterfragt wird, sondern mehr oder weniger kritiklos akzeptiert und sogar gegenüber Andersdenkenden verteidigt wird. Menschen außerhalb der eigenen Glaubensregeln werden oft als schlechtere Menschen angesehen (und z.B. Sünder, Ungläubige, Ketzer, etc. bezeichnet) und oft verachtet oder aktiv bekämpft.

Es gibt sicher bei Religionen und anderen Ideologien die Möglichkeit der Ansteckung, die oft aktiv betrieben und (im religiösen Kontext) als Missionierung bezeichnet wird. Die modernen Medien tragen meines Erachtens kräftig dazu bei, dass diese Ansteckung gut funktioniert.


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Religion eine Krankheit?

05.08.2026 um 12:07
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Allerdings sind diese von dir erwähnten Naturphänomene doch eben die Wirkung der Götter oder halt des einen Gottes - der Gott des Donners macht Donner, der Gott des Windes macht Wind
Eben - die Wirkung der Götter, nicht der Gott selbst. Das ist die Verschiebung die ich meinte. Oder eine davon.
Zitat von NiselprimNiselprim schrieb:Im Monotheismus aber bewirkt das alles, alle dieser Naturphänomene, nur ein Gott. Mal nachgedacht. Naturphänomene macht wer oder was? Ja, genau: die Natur. Im Gegensatz zu deinem weitergeführten Widerspruch ist die Natur nur überall und nicht auch nirgends.
"Die Natur" ist aber nicht der Gott der monotheistischen Buchreligionen. Du darfst das als freier Ketzer natürlich sehen wie du willst, aber das ist dort definitiv nicht gemeint. Und die weitere Verschiebung zum Vergleich mit den Polytheisten: Der Eine Gott bewirkt die Naturgesetze die wiederum die Naturphänomene bewirken. Es ist noch eine weitere Schicht dazwischen. Die Vorstellung ist eben nicht das der Eine Gott jedes Feuer selbst "zum Feuer macht" jeden Baum selbst zum blühen bringt, jeden Stern leuchten lässt. Er schafft die Welt und die Regeln und dadurch sind die Dinge wie sie sind.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Aus meiner Sicht würde ich Religionen als Spezialfall bzw. Unterkategorie von Ideologien sehen, zu denen auch politische Ideologien gehören.
Es gibt religiöse Ideologien, aber eine Religion an sich ist noch keine Ideologie.


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05.08.2026 um 15:41
Zitat von paxitopaxito schrieb:Religion ist erstmal Erklärungsmodell für die Welt.
Ich denke da muss schon etwas anderes der Grund für die Erfindung von Religion sein, denn jedem auch dem Erfinder war klar,
dass es sich um eine Märchengeschichte handelt und nicht um die eigentliche Wahrheit.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Wissenschaft schließlich ist die konsequente Fortführung genau dieser Haltung, die Entmystifizierung der Welt zu Gunsten einer immer transzendenteren Gottheit die sich schließlich im Atheismus konsequent in "nichts" auflöst.
Wissenschaft - so wie sie in westlicher Prägung existiert - lässt sich ohne den Werdegang der monotheistischen Buchreligionen überhaupt nicht verstehen. Sie sind - als Erklärungsmodelle der Wirklichkeit - wesensverwandt und das eine stammt vom anderen.
Sie operieren mit Wahrheiten als Erklärungen über die Welt - Dogmen, Naturgesetze, Evidenz und Offenbarung.
Naja Wissenschaft versucht zu erklären was tatsächlich vorgefallen ist und geht dabei mit bestimmten Methoden vor, während die Kirche
einfach nur auf Offenbarung setzt und sonst gar nichts...

Ich denke die Religion ist irgendwie krank weil sie eben nicht die Wahrheit ist und damit die Herzen beschmutzt.
Religion muss nicht aus so positiven Gründen wie Erklärungsdrang oder sozialer Einheit entstanden sein,
vielleicht sollen die Religionen die Menschen auch einfach spalten.


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Religion eine Krankheit?

05.08.2026 um 16:33
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Ich denke da muss schon etwas anderes der Grund für die Erfindung von Religion sein, denn jedem auch dem Erfinder war klar,
dass es sich um eine Märchengeschichte handelt und nicht um die eigentliche Wahrheit.
Es gab nie den Punkt wo sich jemand hinsetzte und eine Religion "ausdachte" von der er nicht überzeugt war. Vielleicht von ein paar irren Sektenführern abgesehen. Und ich hatte dir aufgezeigt - ganz grob - wie sich die Religion entwickelt hat aus frühen animistischen oder schamanistischen Überzeugungen hin zu den modernen Monotheismen. Ich hatte weiter darauf verwiesen dass das Konzept einer "endgültigen Wahrheit" im Kern ein religiöses Konzept ist, das sich in einer am Ende christlich / muslimisch geprägten Wissenschaft wiederfindet.
Und du findest ja auch heute noch durchaus intelligente und gebildete Menschen die Religionen für wahr halten. Mich zum Beispiel. Du darfst das gerne anders sehen, komplett anders. Aber du solltest das zumindest in soweit Ernst nehmen, dass es viele anders sehen.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Naja Wissenschaft versucht zu erklären was tatsächlich vorgefallen ist und geht dabei mit bestimmten Methoden vor, während die Kirche einfach nur auf Offenbarung setzt und sonst gar nichts
Beides erklärt was ist.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:Ich denke die Religion ist irgendwie krank weil sie eben nicht die Wahrheit ist
Von welchem Standpunkt aus willst du das behaupten? Okay, Maria hatte ne Jungfrauengeburt. Ein göttliches Wunder. Das halte viele für wahr. Du nicht, ich nicht. Aber warum sollten wir beide nun Recht haben? Zu glauben man besitze die Wahrheit oder auch nur das Wissen darum was nun definitiv nicht wahr sei... naja - das ist für mich ein ziemlich religiöses Motiv. Das ist Glauben.
Zitat von kaktusskaktuss schrieb:vielleicht sollen die Religionen die Menschen auch einfach spalten
Religion hat sich sowenig wie Städte oder Kunst oder Ackerbau mit einem Ziel entwickelt. Es gibt Gründe warum sie sich gebildet hat, mit Sicherheit, aber niemanden der sie mit einem Ziel geschaffen hat. Es mag Ausnahmen geben (so wie es von Grundauf geplante Städte gibt), aber nicht das Phänomen Religion insgesamt.


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06.08.2026 um 10:02
Zitat von paxitopaxito schrieb:"Die Natur" ist aber nicht der Gott der monotheistischen Buchreligionen. Du darfst das als freier Ketzer natürlich sehen wie du willst, aber das ist dort definitiv nicht gemeint.
Wie kannst du das so felsenfest behaupten? @paxito Jesus bspw. erklärt in etwa so, dass Gott bzw. Gottes Geist überall um uns herum ist. Was also ist überall um uns herum? Naja - und bei den offenkundigen Naturreligionen ist es ja klar, dass es die Natur bzw. etwas Natürliches ist. Aber kann durchaus möglich sein, dass die eine oder andere Kirche bspw. in der Inquisition was Anderes daraus macht und bspw. Hexen verbrennt --- hat das aber nicht wirklich mit dem Inhalt der Bibel zutun, sondern stellt des eher eine Abwandlung des Kontextes für politische Zwecke dar.
- Im Übrigen möchte ich noch hinzufügen, dass etwa ein durch den Menschen verursachter Krieg, auch eine Naturkatastrophe darstellt.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Und die weitere Verschiebung zum Vergleich mit den Polytheisten: Der Eine Gott bewirkt die Naturgesetze die wiederum die Naturphänomene bewirken. Es ist noch eine weitere Schicht dazwischen. Die Vorstellung ist eben nicht das der Eine Gott jedes Feuer selbst "zum Feuer macht" jeden Baum selbst zum blühen bringt, jeden Stern leuchten lässt. Er schafft die Welt und die Regeln und dadurch sind die Dinge wie sie sind.
Im Monotheismus wird lediglich festgelegt, dass es nur diesen einen Gott gibt - nennen wir Ihn einfach mal der Einfachheit halber "Vater", so wie es Jesus versucht zu vermitteln. Dieser Vater hat wohl mehrere Kinder oder Knechte oder wie man sie nennen will - diese bewirken Gottes Willen, ja? Jesus erklärt, dass, wenn jemand Gutes bewirkt, es in Gott gewirkt ist. Bedeutet also, dass die gute Wirkung Gottes Wille ist, während schlechte Auswirkungen nicht dem Willen Gottes entsprechen. Gott der Schöpfer gibt also viele Möglichkeiten und die Regeln vor und hätte gerne eine sehr gute Schöpfung vollendet --- so der Plan.

Wenn viele Götter im Spiel sind, dann sind das zwar Kräfte, aber ist das nicht unbedingt Dieser Eine Schöpfergeist, der die Möglichkeiten vorgibt.


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