behind_eyes schrieb:Da haben sich die Zeiten geändert aus meiner Erfahrung, Asien, Südamerika, Amerika, Afrika hat sich digital payment soweit durchgesetzt das es auffällig ist als aus Deutschland Reisender. In Chile kaufst deine Cola mitten in der Atacama-Wüste zwischen zwei Orten wo 100km nur Wüste ist ausschließlich digital und das obwohl du da nichtmal Netz hast.
Gebe dir teils recht.
Zu Chile (lebe dort, und sogar in der Atacama): digital zahlen ist meist machbar. Die nehmen aber auch bar. Teils bis vor kurzem nur bar: 630 CLP in Münzen (ca. 60 cent) für eine Busfahrt - keine Tickets, keine Kartenzahlung. Nun seit einem halben Jahr: nur per Kartenzahlung oder via App.
Auch immer wieder hier gesehen: deutlicher Rabatt bis 50 % bei Barzahlung, insbesondere be Sortimentswechsel oder "Ladenhütern".
Bis auf die Busse hier in der Stadt und in manchen anderen Städten (in vielen gilt jumgekehrt nachwievor: im Bus beim Fahrer mit Münzen zahlen) habe ich noch nicht erlebt, dass nur Kartenzahlung oder andere digitale Bezahlmöglichkeiten genommen werden.
Was ggf. Touristen nicht auffällt oder für sie schwerer zuordenbar ist:
Die Schlangen vor den Banken rund um den 29. eines Monats bis 1., 2. eines Folgemonats, sowie lange Schlangen vorm SERVIPAG.
Worum geht es da? Für (sich im Land legal aufhaltende) Ausländer ist es schwierig, zeitnah ein Bankkonto zu erhalten, und ausländische Bank- und Kreditkarten sind fast nie für Onlineshopping im Land nutzbar, wobei "Onlineshopping" auch die Bezahlung der Nebenkosten, Internetgebühr über die Webseite des jeweiligen Anbieters, Aufladen von Prepaid-Handys umfasst. Für die ersten Monate (bei mir waren es 6 Monate) erfolgt die Auszahlung des Gehalts in bar (abholbar teils bei einer Bank bei der das Geld hinterlegt wird ("vale vista"), teils bei einer Auszahlungskasse des Arbeitgebers), und man bezahlt dann seine Nebenkosten in bar bei einer SERVIPAG-Filiale.
Betraf auch mich anfangs, bei legaler, seriöser Beschäftigung (konkret: an einer Uni). Was nicht über SERVIPAG machbar war (z.B.: Anzahlung Möbel, Bezahlung meiner Krankenversicherung), musste ein Kollege mit chilenischem Bankkonto für mich bezahlen, ich gab demjenigen dann das Geld in bar. Nachwievor kommt es immer wieder vor, dass etwas an mich in bar als "vale vista" ausgezahlt wird, auch hierbei: keinerlei "Schwarzgeld". Alles ein ganz regulärer Prozess, wie ich ihn auch bei allen Kollegen hier die aus dem Ausland kommen gesehen habe.
Selbiges bei meinem Mann, anderer Arbeitgeber hier.
Derartiges kenne ich persönlich so aus Deutschland nicht, obwohl ich dort zuletzt bei einem Arbeitgeber mit v.a. internationaler Belegschaft angestellt war. Die Leute hatten ihr Bankonto schnell, alles (= Gehalt, Miete, Nebenkosten, Krankenversicherung etc.) ging mit Überweisung, Dauerauftrag. Auch Onlinebestellungen schienen diejenigen schnell durchführen zu können; jedenfalls ist es mir nie untergekommen dass neue Kollegen aus dem Ausland ihre deutschen Kollegen diesbezüglich um Hilfe baten.