Wie läuft es so, in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft in der EU?
Jedenfalls liefert Italien seit Langem bessere Zahlen als der Primus Deutschland.
Ein gutes und differenziertes Bild von Marc Beise (21. Juni 26).
Die Wirtschaft des G-7-Staates schwächelt, aber besser als in Deutschland läuft es in Italien allemal. Und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni punktet jetzt sogar in Brüssel.
Quelle:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/italien-deutschland-wirtschaft-vergleich-unterschiede-meloni-li.3501280Es gibt einen Grundoptimismus und auch das mit dem Bahnfahren klappt besser.
Solche Nachrichten füttern den Grundoptimismus in der italienischen Wirtschaft, dem man immer wieder begegnet, wenn man im Land unterwegs ist. Selbstbewusst sind auch einige italienische Unternehmen, die ausgerechnet in dem früher unangreifbar wirkenden Deutschland von sich reden machen. Der aggressive Übernahmekampf der Unicredit um die Commerzbank ist Ausdruck dieses Selbstbewusstseins. Ähnliches ist im Bahnverkehr zu sehen, wo der private Bahnbetreiber Italo, den Zugreisende in Italien von seinen bordeauxroten Schnellzügen her kennen und schätzen, auf die Fernstrecke drängt. Dorthin also, wo die Deutsche Bahn quasi ein Monopol hat und entsprechend viel Geld verdient – ohne dass deshalb die Züge pünktlicher kämen oder der Komfort verbessert würde. Der Platzhirsch muss derzeit alle Kraft und zahlreiche rechtliche Kniffe aufwenden, den ungeliebten Wettbewerber aus dem Süden abzuwehren.
Auch wenn das gelingen sollte und den Italienern der Markteintritt verwehrt würde, haben die Deutschen den Wettkampf ums Image schon verloren. Wer es bisher noch nicht wusste, erfährt jetzt, wie man Bahnfahren auch organisieren kann – nämlich so effizient wie in Italien. Anfang des Jahrtausends waren es einflussreiche Familienunternehmer leid, dass das Zugreisen nicht funktionierte, und beschlossen, selbst ein Fernzugnetz aufzubauen. Die Politik hat das nicht etwa zum Schutz der Staatsbahn Trenitalia verhindert, sondern es, im Gegenteil, zum Anlass genommen, den Fernverkehr zu liberalisieren. In Windeseile zog man neue Schnellzugtrassen durchs Land und vergab die Fahrrechte an zwei Unternehmen: den privaten Italo und die staatliche Trenitalia mit der leuchtend roten Frecciarossa. Heute teilen sich beide Unternehmen das Geschäft, beide Zugsysteme wetteifern um Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Komfort. Die Ticketpreise sind um 40 Prozent gesunken. Für die Kunden hat sich der Wettbewerb also ausgezahlt – ein Wettbewerb, den man in Deutschland offenkundig nicht haben mag.
Quelle: ebd.
@emz