@allich möchte hier mal ein paar Fakten aufzählen. Mir geht es dabei gar nicht um politische Grabenkämpfe, sondern um die Frage, warum Wikipedia als angeblich neutrales Lexikon so offensichtlich mit zweierlei Maß misst. Wenn man mal hinter die Fassade der Artikel schaut, ist das Framing wirklich augenöffnend:
1. Was ist eigentlich Kolonialismus?
Es ist schon schräg: Im Artikel zum Zionismus wird man vom Wort „Kolonialismus“ förmlich erschlagen, es steht 170 mal drin. Aber schaut euch im Vergleich mal die arabische Eroberung Persiens (Iran) im 7. Jahrhundert an. Das war klassischer Imperialismus: Ein fremdes Heer löscht ein Reich aus, drängt die einheimische Religion (Zoroatrismus) zurück und ersetzt die Sprache durch Arabisch… ein regelrechter „Sprachmord“…
Wikipedia feiert das aber als „Goldenes Zeitalter“. Warum ist die gewaltsame Auslöschung der persischen Kultur ein Fortschritt, aber wenn Juden -das indigene Volk… nach 3.000 Jahren in ihre einzige Heimat zurückkehren und dort ihre alte Sprache (Hebräisch) wiederbeleben, ist das plötzlich „Kolonialismus“?
2. Der Doppelstandard
Wikipedia behauptet oft, sie würden nur dem internationalen Konsens folgen. Aber warum sind sie dann bei anderen so zahm?
Marokko hält die Westsahara seit 1975 besetzt und hat dort einen 2.700 km langen Wall mit Millionen Minen gebaut, um einfach Tatsachen zu schaffen. Wikipedia schreibt dazu ganz vorsichtig „Region“ „Territory“.
Seit der Invasion 1974 hält die Türkei den Norden Zyperns besetzt. Trotzdem erlaubt Wikipedia hier die Bezeichnung „de facto State“. Die völkerrechtswidrige Besatzung wird als „Staatlichkeit gerahmt.
Aber bei Israel? Da wird das Wort „besetzt“ sofort als moralischer Stempel ganz oben in den Artikel gehämmert. Warum darf die Türkei einen „Staat“ gründen, aber Israel bekommt sofort das Brandmal?
3. Die Sache mit dem Völkerrecht (Westbank & Golan)
Oft wird so getan, als sei „Besatzung“ ein ganz einfaches Urteil. Aber juristisch ist das komplizierter:
In der Westbank gab es vor 1967 gar keinen souveränen Staat (Jordanien hat das Land unrechtmäßig annektiert) dem man das Land hätte wegnehmen können. Es gibt da dieses Prinzip des „Missing Reversioner“ das heißt eigentlich nur: Wenn es keinen rechtmäßigen staatlichen Vorbesitzer gibt, ist das Gebiet völkerrechtlich „umstritten“, nicht einfach „besetzt“. Wikipedia lässt diese wichtige Nuance einfach weg.
Beim Golan ist es ähnlich: Man gibt strategisches Hochland, von dem aus man beschossen wurde, erst dann zurück, wenn es einen echten Friedensvertrag gibt… Da Syrien aber bis heute jeden Frieden verweigert, wäre ein Abzug strategischer Selbstmord. Wikipedia stellt das aber so dar, als würde Israel hier grundlos blockieren.
4. Jesus in „Palästina“ Warum die Sprache wichtig ist…
ein Beispiel, wie Identität gelöscht wird: Wikipedia verortet Jesus geografisch nach „Palästina“. Jesus war Jude und lebte in Judäa. Den Namen „Palästina“ haben die Römer erst über 100 Jahre nach seinem Tod erfunden, um den jüdischen Bezug zum Land auszuradieren. Dass ein Lexikon diesen Propagandabegriff heute rückwirkend nutzt, finde ich höchst problematisch.
Wer bei der Türkei und Marokko sanfte Begriffe wählt, aber bei Israel jede juristische Tiefe weglässt und gleichzeitig imperiale Eroberungen romantisiert, der liefert keine neutralen Fakten. Er betreibt Politik unter dem Deckmantel der Information.
rhapsody3004 schrieb:Einige wollen halt nur das als Fakt anerkennen, was ihnen in den Kram passt und jeweils von denen aus ihrer Sicht richtigen YouTube-Quellen behauptet wird, auch wenn nachweislich falsch.
Gilt sowohl für Freunde Israels (zu denen ich mich aber auch zähle, zumindest was die Bevölkerung angeht) als auch für Gegner und Feinde Israels, die natürlich ebenso gerne mal aber zulasten Israels dann Fakten verdrehen, leugnen oder auch nur bewusst vergessen zu erwähnen.
Besatzungsmacht oder Besatzung bezogen auf Israel (und natürlich immer immer im jeweils korrekten Zusammenhang erwähnt) ist vollkommen richtig, ob es einem nun persönlich in den Kram passt oder nicht. Ich kann das auch als Freund Israels akzeptieren, weil es nun mal auch Teil der Wahrheit ist.
Aus absoluter Solidarität heraus gegenüber Israel, sollten einige auch immer Fakten akzeptieren können, die ihnen nicht schmecken und Wiki oder die jeweiligen Autoren auch nichts unterstellen und nur Behauptungen von irgendwelchen Youtubern, Fachkenntnisse hin oder her, für bare Münze nehmen und nur als einzige wahrheitsgemäße Quelle akzeptieren.
@rhapsody3004, echte Freundschaft zu einem Staat oder einer Sache entbindet uns nicht von der Pflicht zur Genauigkeit. Wer die einseitige Sprache von Wikipedia mit „unbequemen Fakten“ rechtfertigt, muss erklären können, warum diese Maßstäbe nur bei Israel so extrem sind:
Warum wird die jüdische Rückkehr ins Stammland als „Kolonialismus“ gebrandmarkt, während Wikipedia die gewaltsame arabische Unterwerfung Persiens (inklusive Sprachmord und religiöser Verdrängung) als „Goldenes Zeitalter“ romantisiert?
Wenn du diesen eklatanten Doppelstandard… bei dem echte imperiale Eroberung zur Blütezeit erklärt wird, aber die Heimkehr eines indigenen Volkes zum Verbrechen… einfach als „Wahrheit“ akzeptierst, dann verteidigst du nicht die Fakten. Du verteidigst lediglich das Framing einer Plattform die bei Israel Maßstäbe anlegt, die sie beim Rest der Welt (wie bei der Türkei oder Marokko) geflissentlich ignoriert.