Wird Wikipedia gerade zur Waffe? Manipulation von Geschichte & KI
13.02.2026 um 19:09Im Jahr 63 v.Chr. eroberten die Römer die Levante. Auf dem Gebiet richteten sie eine Provinz ein, die Provinz Syria. Im südlichen Bereich lag das Reich der Hasmonäer. Diese herrschten über Judäa, aber im Laufe der Zeit eroberten sie auch noch i.a. Idumäa, Samaria, Galiläa sowie mehrere ostjordanische Regionen. Dieses Königreich wurde damals ebenfalls erobert und dem Römischen Reich angegliedert. Und zwar nicht als eigenständige Provinz, sondern als Teil der Provinz Syria mit Marcus Aemilius Scaurus als Statthalter. Das Reich der Hasmonäer ließen die Römer allerdings halbautonom bestehen, jedoch nicht mit allen Gebieten. Westjordanisch fehlte Samaria, ostjordanisch verblieb nur noch ein kleiner Teil, ungefähr das alte Gilead. Samaria und der große ostjordanische Nordbereich wurden der Provinz Syria direkt zugeschlagen. Das Hasmonäerreich selbst galt zwar administratorisch, jedoch nicht rechtlich als vollgültiger Teil der Provinz Syria. Was zum Hasmonäerreich gehörte und was nicht, änderte sich aber immer mal. Bei Herodes' Tod gehörten Samaria und ein Teil des nördlichen Ostjordanlandes wieder dazu.GirlsBestPlay schrieb am 08.02.2026:Da steht schwarz auf weiß der Name der Provinz drauf: Judäa.
Wie das Reich der Hasmonäer hieß, weiß ich nicht, genannt werden konnte es sicher auch Iudaea, eben weil die Bevölkerung hauptsächlich aus Juden bestand und auch das Königshaus jüdisch war. Aber ob dies der offizielle Name damals war, weiß ich nicht.
Nach Herodes dem Großen 4 v.Chr., ich schrieb es ja bereits, wurde das Reich in drei (nicht vier, wie ich zuvor mal schrieb) Einzelreiche geteilt. Diese waren allerdings nicht mehr so autonom wie zuvor, sie galten ganz offiziell nunmehr als Teile der Römischen Provinz Syrien. Deswegen konnte nun erstmals unter dem Statthalter der Provinz Syria Quirinius der siebenjährige römische Census auch auf dem hasmonäischen Gebiet durchgeführt werden. Wir kennen Quirinius aus dem Lukasevangelius als Cyrenius und den Census als die Volkszählung zur Geburt Jesu.
Na jedenfalls regierte ein Herodessohn über Judäa, Idumäa und Samaria, ein anderer über Galiläa und Peräa=Gilead, der dritte schließlich über das nördliche Ostjordanland und den Antilibanon (Ituräa), obwohl letzteres gar nicht hasmonäisch war. In dieser Zeit - was soll man da Iudaea genannt haben? Allenfalls das erstgenannte Teilreich, streng genommen aber nur die mittlere Teilregion davon, also einen Streifen von Jerusalem im Norden bis Hebron im Süden. Südlich davon hieß es Idumäa, nördlich Samaria. Und selbst wenn man das ganze Reich Judäa nennen will, Galiläa und weitere Gebiete gehörten nicht dazu.
Keine einheitliche Bezeichnung Judäa für das Land! Erst mit der Zerschlagung des (ersten) Jüdischen Krieges wurde die Region zu einer separaten Provinz Iudaea umgestaltet. Ab dieser Zeit gibt es jene Münzen mit der Aufschrift Iudaea capta. Nicht weil es zuvor schon eine die Aufstandgebiete umfassende Provinz oder auch nur Region dieses Namens gab. Sondern weil man auch die gesamte Bevölkerung einer Region verschiedenster Teilregionen und Namen damit zusammenfassen konnte, siehe das von mir schon angeführte "Wach auf, wach auf, du deutsches Land" von Fünfzehnhundertschlagmichtot.
Is also nix dran mit "man muß umbedinkt von Judäa sprechen".
Nö falsch. Die Römer bildeten nach der Eroberung der Heimat der Daker daraus die Provinz Dacia (später in mehrere untergliedert, aber stets "Dacia nn" geheißen). In Dakien wurden viele Veteranen angesiedelt, nach ihrer Dienstzeit in den Legionen erhielten sie ein Stück Land für die Selbstversorgung. Daher war das Lateinische in Dakien sehr stark in der Bevölkerung verwurzelt.GirlsBestPlay schrieb am 08.02.2026:Danke für den Punkt mit den Dakiern… das ist ein verdammt gutes Beispiel! Es ist genau dieser bittere „Witz“ der Geschichte: Das ehemalige Dakien heißt heute „Rumänien“ (Land der Römer)
Zunächst war die Region byzantinisch beherrscht. Die Volkssprache in Byzanz war zwar griechisch, doch verstand man sich als römisch und sprach latein. Griechisch galt als bäurisch und heidnisch. In den Jahrhunderten danach durchzogen Gepiden, Goten, Bulgaren das Gebiet, was die alte Bevölkerung noch mehr vermischte. Dann gehörte die Großregion immer wieder verschiedenen angrenzenden Reichen, zu den Bulgaren, den Ungarn, Serben, Türken. Dabei gehörten verschiedene Einzelregionen oft zur selben Zeit je anderen Herren. So entstanden auch einzelne Regionen mit eigenen Bezeichnungen, die zum Teil sehr lange hielten, oft bis heute. Im Osten lag die Moldau / Moldavien, westlich davon Transsylvanien / Siebenbürgen, im Süden die Walachei. Aber es gab auch andere Regionen, darin oder daneben, deren Bezeichnungen nicht ganz so geläufig mehr sind. Aber einige sind dennoch auch hierzulande noch leidlich gut bekannt wie Bessarabien, der Banat, die Domowina und die Dobrudscha.
Doch das gesamte Gebiet, das in etwa dem heutigen Rumänien entspricht, hatte in dieser Zeit keine Bezeichnung, nicht mal mehr Dakien (das war allenfalls eine Erinnerung wie Germanien hierzulande). Erst im Neunzehnten Jahrhundert, dem Zeitalter der nationale Unabhängigkeit anstrebenden Revolutionen kam die Frage auf, wenn hier eine Nation einen eigenständigen Staat bildet, wer gehört dazu (und wer macht ne eigene Nation auf), welche Einzelregionen sollen dazu gehören, und wie soll man heißen. Die Region war ja ein bunter Völkermix mit zahlreichen Sprachen: deutsch, ungarisch, slowakisch und und und. Aber das alte Latein der Bevölkerung Dakiens aus römisch-byzantinischer Zeit war wie gesagt ziemlich tief verwurzelt. Es hatte sich natürlich geändert, galt den Sprechern aber noch immer als "römische Sprache", als "limba romană". In vielen Regionen wurde von verschiedenen lokalen Gruppen diese Sprache gesprochen, und sie war das einigende Band, die Grundlage für die Festlegung einer Nation wie der Landesgrenzen.
Da erst, Ende des 19.Jh., erhielt die Großregion, die leidlich dem alten Dakien entsprach, wieder eine einheitliche Bezeichnung, România. Und die römische Sprache, limba romană, wurde zur rumänischen Sprache, limba română.
Es ist schlicht falsch, die Römer hätten durch Umbenennung Dakiens irgendwas auszulöschen versucht. So, wie es auch mit dem Gebrauch von "Palästina" nicht der Fall ist.
Na dann schau mal in den Wikipedia-Artikel zur historischen Person Jesus rein. Tatsächlich aber hast Du hier in nen anderen Artikel reingeschaut, nämlich in den von der Kirche des Geburtsortes Christi. Das ist, als würdest Du in Deinem Beispiel-Lexikon nach dem Geburtshaus Kants nachschlagen. Und was würdest Du dort finden? Hast es letztlich selber schon gesagt ---> Kaliningrad, Rußland!GirlsBestPlay schrieb am 10.02.2026:Aber wenn ich ein Lexikon aufschlage, um etwas über die historische Person Kant zu erfahren, dann erwarte ich die Identität seiner Zeit: „Königsberg, Preußen“.
Also voll ok. Du bastelst Dir nur was, und machst dafür sogar falsche Vergleiche. Im Lexikon nach dem Artikel "Kant" suchen statt nach dem Artikel "Kants Geburtshaus", obwohl Du hier den Wikiartikel "Jesu Geburts'haus'" statt "Jesus" anführst.





