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Archäologie

88 Beiträge, Schlüsselwörter: Archäologie, Archäologe, Fundstätte, Ausgrabungsstätte

Archäologie

02.11.2008 um 11:34
Link: www.zeit.de
Sorry Leute, ich bin zwar kein Freund von Copy & Paste, aber das konnte ich mir nicht verkneifen......

Wissenschaft

Das Mysterium der reisenden Toten

Es ist eines der größten Rätsel der Steinzeit. In der Südpfalz graben Archäologen ein Massengrab aus, das Tote aus halb Europa birgt. Zertrümmerte Knochen und Beigaben unterschiedlichster Herkunft belegen: Hier wurden Leichen bestattet, die schon lange tot und sogar schon einmal begraben waren.
Von Angelika Franz

Ob und wie »Dog-Man« zu Lebzeiten herumgelaufen ist, wissen wir nicht. Jetzt, im Tod, ist er ein befremdlicher Anblick: Hände und Füße des zerbrochenen Skeletts fehlen, ebenso der Kopf. Vervollständigt wird seine Anatomie erst wieder durch Pfoten und einen Hundeschädel.
Dog-Man lebte vor 7000 Jahren und war ein Bandkeramiker. Diese steinzeitliche Kultur von Landwirten und Töpfern, benannt nach den charakteristischen Ornamenten ihrer Tongefäße, ging 5000 v. Chr. ihrem Ende entgegen, und zwar ziemlich langweilig. Jedenfalls unterstellte die Wissenschaft das bislang.
Offenbar etwas voreilig, denn am Fundplatz von Dog-Man, im südpfälzischen Herxheim, kann von Langeweile keine Rede sein. Archäologen stießen hier auf die Überreste eines der größten Rätsel der Steinzeit. Der für sich genommen schon merkwürdige Knochenbausatz liegt in üppiger Gesellschaft: Mit ihm wurden die Reste von mindestens 1350 weiteren Menschen bestattet. Und die Toten im Massengrab waren nicht einfach nur tot. Jemand hat ihre Knochen zertrümmert. Regelrecht zerschmettert und in Kleinteile zerlegt. Und die Schädel zu Gefäßen behauen.

Ein grausiges Geschehen. Aber kein Massaker. Was die Ausgräber in Herxheim fanden, ist vielmehr das Resultat eines Sternmarsches mit verwesenden Leichen, der halb Europa überzog. Sie wurden aus Böhmen, aus dem Saarland und von der Schwäbischen Alb über Berg und Tal herbeigeschleppt. Erst am Ende der Reise zerschlugen die Bestatter die Gebeine, schabten wo noch vorhanden das Fleisch ab und vergruben die Reste in zwei ringförmigen Gräben, welche die vier Häuser der Siedlung umschließen. 50 Jahre dauerte dieser Spuk. Danach legte sich Todesstille über Herxheim und über alle Bandkeramiker. Das Mittelneolithikum hatte begonnen.
Zu ihren besten Zeiten galten die Bandkeramiker als cleveres Völkchen. Dog-Mans Vorfahren hatten einst um 5600 v. Chr. aus dem Südosten Europas Ideen und Technologie importiert. Reisende Steinzeitler und ihre Waren gelangten selbst in entlegene Winkel der damals bekannten Welt. Doch dann, gegen 5000 v. Chr., gerät ihre Kultur auf einmal ins Taumeln. Handelsrouten verwaisen, Siedlungen werden aufgegeben. Keiner weiß, warum. Es wird still in Europa, zumindest scheint es so. Jeder werkelt fortan nur noch auf seinen eigenen paar Quadratkilometern vor sich hin. Daher der Eindruck von den bieder-bräsigen Bandkeramikern am Ende ihrer Epoche: Dorfbewohner, die sich statt für Politik oder exotische Handelsgüter allenfalls für die eigene Scholle begeistern. Als die letzten sterben, wächst Gras über ihre Gräber. Kultur vorbei, über allen Wipfeln herrscht Ruh'. Kein Paukenschlag, so sah es die Wissenschaft bisher, beendete die Kultur der Bandkeramiker. Keine Belagerung, kein frühes Troja, keine schöne Helena.
Auch in Herxheim gab es noch Mitte der neunziger Jahre keine sonderlich aufregenden Spuren vom Ende der frühen Pfälzer. Bis auf die ungewöhnlich hohe Zahl von Knochen, die zutage kam, sobald man den Spaten in den Boden steckte. Als im Zwickel zwischen dem Flüsschen Schambach und der schwefelhaltigen Quelle Eierbrünnel eine Traktorenhalle gebaut wurde, »müssen die Gebeine den Arbeitern nur so um die Ohren geflogen sein«, sagt Jörg Orschiedt vom Archäologischen Institut der Universität Hamburg. Er ist gemeinsam mit Miriam Haidle von der Universität Tübingen fürs Aufarbeiten der menschlichen Skelettreste aus der Grabung verantwortlich.
Im Jahr 1996 war das Gelände eigentlich zum Gewerbegebiet erklärt und zum Bau freigegeben worden. Zuweilen wird in solchen Fällen mit einer »Notgrabung« geprüft, ob das Bauvorhaben womöglich wissenschaftliche Werte unterpflügt. Dazu kam es auch diesmal, denn es musste die Frage geklärt werden, ob die vielen Menschenknochen im Erdreich auf irgend etwas Interessantes hinwiesen. Man grub. Und staunte. So viele Knochen! Sie waren mitnichten lose verstreut, sondern fanden sich in zwei Gräben. Tonnenweise. Die Notgrabung führte zu dem Schluss: Hier muss sich etwas Bizarres zugetragen haben. Eine Art steinzeitliches Splatter-Event.

Erste Indizien waren Hände und Füße. Genauer gesagt: deren spektakuläre Abwesenheit. »Wenn ein Leichnam verwest, sind die dünnen Gelenke die ersten Stellen, die vergehen. Exhumiert man in diesem Zustand den Toten, fallen Hand- und Fußknochen oft ab; sie bleiben im ursprünglichen Grab zurück«, erklärt Orschiedt. Die Hinweise verdichteten sich, dass die Toten von Herxheim tatsächlich schon zuvor einmal bestattet worden waren. Und anschließend, mehr oder weniger verwest, wieder ausgebuddelt und auf Reisen geschickt wurden in die Südpfalz.
Lose zwischen den Knochen liegen vor allem viele Köpfe. Immer wieder stießen die Ausgräber auf Schädelkalotten, die fein säuberlich bearbeitet worden waren. Ein Schlag vorne gegen das Gesicht, ein Schlag hinten gegen den Halsansatz, je zwei an den Seiten fertig ist die Schüssel. An einigen Stellen waren diese Gebeingefäße sogar ineinander gestapelt. Wieder gilt: Nicht alle waren schon gleich lang tot. Und wo der Schädel noch frisch, also mit Haut bedeckt war, verraten Ritzlinien die Handgriffe der Skalpierer. Ein Schnitt längs über die Mitte, zwei schräge je vorne und hinten, so ließ sich die Kopfhaut problemlos abziehen. Etwa jeder fünfte Tote wurde auf diese Weise enthäutet. Wozu? Um Gefäße daraus herzustellen? Gar nicht so abwegig. Schließlich wurde in Herxheim auch eine Tonschüssel gefunden, deren Form einen behauenen Schädel imitiert.
Besonders interessieren sich die Forscher für die Frage, welche Rolle Hunde für die Bandkeramiker vom Eierbrünnel spielten. Unter den Beigaben finden sich nämlich außergewöhnlich viele Unterkiefer von Hunden. Zum Teil sind sie mit Rötel gefärbt, erfüllten also wohl einen rituellen Zweck so wie auch die Ergänzung im Skelett des Hundemanns. Frönten die Herxheimer einem Hundekult?
Was die Forscher dort finden, ist jedenfalls manchmal ganz schön gruselig. Ein Torso beispielsweise war zum Zeitpunkt seines zweiten Begräbnisses offenbar schon weitgehend in Auflösung begriffen. Die Arme fehlen, auch der Kopf war bereits vom Hals gefallen. Doch das genügte wohl noch nicht. Wer auch immer den Toten in den Graben packte, hackte ihm die Oberschenkelknochen durch. Glatte Schnittstellen verraten die Gewalttat. Nicht immer bedienten sich die Bestatter scharfer Werkzeuge. »Meist sind die Verstümmelungen spiralige Brüche, wie sie beim Splittern von noch halbwegs frischen Langknochen entstehen höchstens einige Jahre nach dem Tod«, sagt Jörg Orschiedt. Immerhin: Der kalkhaltige Löß hat die Knochen 7000 Jahre lang konserviert, als warte er nur auf einen Forensiker, der die Spuren lesen kann.

Wie sich zeigt, hatten die Toten von Herxheim ihr Leben als erstaunlich gesunde Menschen geführt. Keine Knochenschäden durch Mangelerscheinungen, kaum Scharten oder Brüche, wie sie für Kriegsopfer typisch sind. Im Gegenteil, an einem Schädel ist noch zu erkennen, dass ein früherer Bruch problemlos verheilt und der Mann wahrscheinlich friedlich in seinem Bett gestorben ist. Nichts deutet darauf hin, dass diese Menschen kein erfülltes Leben gehabt hätten. Sie waren keine Mordopfer, hatten keine rituelle Massenselbsttötung begangen. Was in aller Welt trug sich also damals zwischen Schambach und Eierbrünnel zu?
Die Antwort steckt im Boden. Gräbt man einen Toten aus, so gelangen in der Regel auch Beigaben auf den Spaten: Gefäße, Schmuck, Steingeräte, auch Knochennadeln und sogar Mahlsteine sind so untrennbar mit den Knochenresten vermengt, dass sie ebenfalls ausgehoben und später in das neue Grab gekippt werden. Und tatsächlich, was sich an Keramik und Werkzeugen im Graben fand, trug jedenfalls nicht den Stempel »Made in Herxheim«. Die dort hervorgeholten Gefäße, durchgängig von hoher Qualität und überwiegend mutwillig zerschlagen, stammen aus Regionen im Norden und Osten. Plaidter Keramikobjekte aus dem Mündungsgebiet der Mosel fanden sich ebenso wie Töpfe aus dem heutigen Böhmen. Noch abenteuerlicher liest sich die Liste der Feuersteinlagerstätten, aus denen das Material der gefundenen Werkzeuge stammt: aus dem Pariser Becken, aus dem heutigen Belgien, aus dem Saarland und von der Schwäbischen Alb. Die große Mehrheit der Geräte trägt Gebrauchsspuren, sie waren also bei weitem keine prestigeträchtigen Ziergegenstände. Die Feuersteine und die Keramik erzählen mithin, wo die Toten aus der Steinzeit zum ersten Mal bestattet worden waren: fernab vom Eierbrünnel jedenfalls.
Vor 7000 Jahren schallte offenbar von der Südpfalz aus ein Ruf quer durch Europa: »Bringt Eure Toten her!« Daraufhin gruben im späteren Frankreich, an der Elbe und auf der Alb die Bandkeramiker ihre Vorfahren aus: die Verwesten, Halbverwesten und die noch warmen. Sie legten die Berge von Erde und faulendem Fleisch auf Schlitten und der Treck begann. Wer unterwegs starb, wurde wohl gleich mit dazu gelegt. Der Gestank, der den Leichenzügen nachwehte, muss bestialisch gewesen sein.
Aber was sollte das Ganze? Was waren die Motive? Niemand weiß es. Und es kommt noch verrückter: Ähnliches geschah bis vor kurzem in Nordamerika. Als beliebte »Vergleichskultur« für die Bandkeramiker muss immer wieder der Indianerstamm der Irokesen herhalten. Tatsächlich ist von dem nordamerikanischen Stamm ein Ritual bekannt, das verdächtig nach Herxheim klingt: Etwa alle sieben Jahre beschloss der Rat der Ältesten, dass es an der Zeit sei, das Totenfest zu feiern. Dann kamen die Irokesen aus allen Stammesgebieten an einem zentralen Ort zusammen und brachten ihre Toten der vergangenen Jahre mit. Eine riesige Grube wurde ausgehoben, und die halb verwesten Leichen wurden von einer Plattform aus hineingeworfen. Unten standen Männer und rührten die Masse mit langen Stöcken um. Amerikanische Archäologen haben jedenfalls eine ähnlich helle Freude an den Puzzlespielen irokesischer Leichengruben wie die Herxheimer Forscher an ihren Gräben.

Das Rätsel um Herxheim wird nun vielleicht bald gelöst. Von Juni an wird weiter gegraben. Bislang zählten die Archäologen schon Knochen von mindestens 450 Individuen. Aber erst ein Drittel der Anlage ist untersucht. Und wie der steinzeitliche Leichenzug ist auch seine wissenschaftliche Aufklärung ein überregionales Unternehmen. Hamburger und Tübinger Archäologen kümmern sich um die Menschen-, Baseler um die Tierknochen. Die Bearbeitung der Knochenartefakte geschieht im nahe gelegenen Speyer. Die Keramik wird in Straßburg und Freiburg ausgewertet, das Steingut in Köln. Zuständig für die Befunde ist eine Straßburgerin. Die Archäobotanik schließlich wird in Wiesbaden analysiert.
Die Ergebnisse werden unser Bild der Steinzeit verändern. »Mit den neuen Erkenntnissen müssen wir nun auch die Auswertungen anderer Grabungen noch einmal neu untersuchen«, sagt Jörg Orschiedt. »Schon jetzt gibt es Hinweise, dass wir ähnliche Szenen auch an anderen Orten vermuten können. Bislang hatte nur niemand die entsprechenden Indizien beachtet. Mit der Archäologie ist es wie mit so vielen anderen Dingen auch: Wir finden meist nur das, wonach wir suchen.« ?

Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2005/02/g_steinzeitgemetzel


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buddel
ehemaliges Mitglied

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Archäologie

02.11.2008 um 15:40
Link: www.spiegel.de
chlodwig,
hier die quelle zu meinem "ich las doch neulich"

buddel


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chlodwig
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Archäologie

02.11.2008 um 16:43
Ein interessanter Artikel, bei dem mir bewusst wird, wie sehr ich meinen Beruf liebe.
Danke!

Aus ihm erschließt sich mir kein Zusammenhang zu deiner Annahme, Grabfunde seien
Archäologen weniger wert, als Goldschätze. Sollte ich letztlich an falscher Stelle einen
Angriff gewittert haben? Wenn dem so ist, entschuldige ich mich hiermit für meine
giftige Antwort und gebe dir gern Auskunft auf deine Frage.

Die Archäologie ist in ihrer Auffassung dem Wandel der Zeit unterlegen und immer mit
denen verknüpft, die sie betreiben.
Viele Gräber sind schon antik beraubt. Ein wissenschaftliches Interesse darf bei den
Plünderern getrost ausgeschlossen werden. Im Mittelalter nutzte man, um ein Beispiel
zu nennen, Megalithgräber als Materiallieferanten für seine Bauvorhaben und zerstörte
somit kulturelles Erbe.
Im Zuge wissenschaftlichen Fortschritts in verschiedenen Bereichen tauchten
sogenannte Altertumskundler auf, die Vorläufer der modernen Archäologie.
Diese Herren waren nicht an unserer kulturellen Vergangenheit interessiert. Die
Ästhetik war maßgebend für den Wert eines Fundes. Kunstschätze, Heiligtümer,
feinster Gold- und Silberschmuck - sensationelle Entdeckungen, die auch die breite
Öffentlichkeit kümmerten. Alles, was einzig dem Alltag unserer Vorfahren zuzuweisen
war galt als uninteressant.
Das hat sich ins Gegenteil verkehrt.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Olympia die erste Grabung, auf der unter
W. Dörpfeld sowohl Funde als auch Befunde vernünftig dokumentiert wurden.
Die Nationalsozialisten waren später eher daran interessiert, unsere germanischen
Wurzeln zu erforschen, um die Ergebnisse in völlig pervertierter Form als Legitimation
für politische Interessen zu nutzen.
In der Nachkriegszeit erlebte die Archäologie grundlegende Veränderungen.
Das Ziel ist es heute, das Alltagsleben unserer Vorfahren zu erforschen. Aussagen zur
chronologischen und topographischen Fassbarkeit von Kulturen und ihrer Beziehungen
zueinander sind wichtig.
Dabei kann die Bestattungsweise einer Person, ob nun Körper - oder Brandbestattung,
rücklings, oder in Hockerhaltung, ihrer Ausrichtung, mehr Aussagen beinhalten als
jeder Goldschatz. Natürlich spielen auch die gemachten Beigaben eine Rolle. Die
Verarbeitungsweise einer Keramik beispielsweise kann mit anderen verglichen
werden, um Rückschlüsse auf ihren Hersteller und seine Zugehörigkeit zuzulassen.

Kurz: Der materielle Wert eines Arte- oder Geofakts interessiert dich als Archäologe,
von einem eventuellen "Wow - wie krass - Effekt" nicht. Und diesen ruft bei mir schon
eine aussagekräftige Scherbe hervor, mit der ich ein Grab beispielsweise der
Trichterbecherkultur zuweisen kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Chlodwig


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Gladiator
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Archäologie

05.11.2008 um 16:51
So... Ein wenig off-topic, aber ich will hierfür kein eigenes Thema eröffnen.
Ist hier irgendjemand, der als Archäologe arbeitet/Archäologie studiert bereit, mir ein schriftliches Interview zu geben? :)
Wäre sehr nett.


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Archäologie

22.06.2009 um 19:11
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E32CAB6EE825A4AB6AE9ADB85641CA8CC~ATpl~Ecommon~Sspezial.htm...

Die Antike - zum Greifen nah

21. Juni 2009 In Athen ist das neue Akropolis Museum am gestrigen Samstagabend eröffnet worden. Staats- und Regierungschefs aus zahlreichen Staaten Europas waren bei der Feier zugegen. Das neue, spektakuläre Museum am Fuß der Akropolis erstreckt sich, entworfen von dem Stararchitekten Bernard Tschumi, über drei Stockwerke und eine Fläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern.

Vom Dach aus bietet sich dem Besucher ein Rundumblick über die Stadt bis hin zum Meer. Der Bau des größtenteils aus Stahl und Glas errichteten monumentalen Gebäudes hat mehr als elf Jahre gedauert. Er ersetzt das alte Museum auf dem Akropolishügel, das seit Jahrzehnten zu wenig Raum für die Kunstwerke geboten hatte, die zum Teil, unzugänglich für Besucher, in Magazinen aufbewahrt werden mussten.
Edle Einfalt, stille Größe satt: Antike Skulpturen schauen auf dich
Edle Einfalt, stille Größe satt: Antike Skulpturen schauen auf dich

Die Wunden des Monuments

Ein wichtiger Grund für die Bauverzögerung des neuen Museums waren umfangreiche, von der Archaik bis in die Spätantike reichende Überreste von Gebäuden, die beim Ausheben der Baugrube zutage traten. Sie sind nun mittels eines Glasbodens im Museums in zirka acht Metern Tiefe zu sehen.

Im neuen Museum sind nun nahezu alle unschätzbar wertvollen Funde aus der Antike ausgestellt. Viele Exponate, vor allem Teile des Frieses des Parthenontempels der Akropolis, werden als Duplikate präsentiert, da sich die Originale im Britischen Museum in London befinden. „Es ist die Zeit gekommen, dass die Wunden des Monumentes geheilt werden. Mit der Rückkehr der Marmorteile, die ihm gehören“, sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias bei der Eröffnung. Mit dem Museum ist eines der bisher stärksten Argumente Großbritanniens, in Athen gebe es keinen geeigneten Ort für die Ausstellung des Marmorfrieses, gefallen.

Der griechische Kulturminister, Antonis Samaras, machte den Briten im Rahmen der Eröffnungsfeier ein Angebot: Sollten die fehlenden Friesteile zurückgegeben werden, sei Griechenland im Gegenzug bereit, hochwertige Ausstellungsstücke aus der Antike ins Britische Museum zu schicken.

Im Dritten Stock des Museums werden in hellem Licht der Fries und die Metopen des Parthenon ausgestellt. Beim Betreten des Saales bleibt der Besucher in der Regel fasziniert stehen: Die Akropolis ist zum Greifen nah. Der Fries ist fast in Augenhöhe. Die fehlenden Teile - 56 von 96 Platten - werden als helle Duplikate präsentiert, die sich auffallend von den weit dunkleren Originalen unterscheiden. Der ins Auge springende, fast unangenehme Unterschied soll nach dem Willen der Kuratoren eine beständige Mahnung dafür sein, die in London aufbewahrten Teile des Parthenonfrieses nun nach Athen zurückzugeben. Dasselbe gilt für die sechste der fünf Koren - Gebälke tragende Statuen junger Frauen vom Südflügel des Erechtheions auf der Akropolis - die sich ebenfalls in London befindet. Statt einer Kopie wird im neuen Akropolismuseum eine klaffende mahnende Lücke in der reihe der originalen Skulpturen präsentiert.

Der Druck wächst

Der Parthenon („Jungfrauengemach“) ist der wichtigste Tempel auf der Akropolis und eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler der Antike. Ein britischer Diplomat hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. Der Direktor der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), Koïchiro Matsuura, bot sich als Vermittler zwischen Athen und London an.

Zum Abschluss der Feier setze der griechische Kulturminister symbolisch ein Stück des echten Frieses des Parthenon in einem Duplikat ein. „Ich hoffe, dass eines Tages die beiden echten Stücke zusammengeführt werden können“, sagte er.

Die Tickets kosten bis zum Jahresende nur einen Euro. Auch danach muss man für den Eintritt in die Akropolis-Wunderwelt nur fünf Euro bezahlen.
Lasershow bei der Eröffnung


Wikipedia: Parthenon





Dann wollen wir mal hoffen, dass das Parthenon-Fries endlich an seinen Ursprungsort zurueckkehrt, aber ich denke mal, Großbritannien wird sich auch in Zukunft stur stellen.


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grahm
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Archäologie

22.06.2009 um 23:27
Ich frage mich immer mal wieder, wie die Archäologie heute aussehen würde, was den Informationsstand angeht, wenn man die Himmelsscheibe von Nebra nicht den Schatzjägern abgenommen hätte. Ich halte die Scheibe für einen echt wertvollen (nicht monetär gesehen) Fund und wundere mich auch noch, warum nach so langer Zeit ind dieser Gegend nichts neues gefunden wird. Allein der Fund müsste die Archäologen doch in Scharen anziehen.


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Archäologie

23.06.2009 um 15:43
ich bringe mal was unpopuläres ein ^^

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der anfang ist in französisch der vortrag aber in englisch


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Archäologie

23.06.2009 um 18:41
Ein hinduistischer Kreationist und hohes Tier in der Hare Krishna-Bewegung, seit rund 20 Jahren in praktisch jedem Punkt widerlegt - und was willst Du uns damit sagen?


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Archäologie

23.06.2009 um 18:52
nüx, er sagt ja was :D


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Archäologie

23.06.2009 um 20:32
Also kurze aufklärung Freiherr, nicht böse gemeint, aber was meinst du welche funde der vatikan hat zerstören lassen???

Was ihm nicht passte wurde vernichtet oder liegt heute in den archiven der Vatikanstadt, die leider nur der papst selbst lesen kann... jahrhunderte alte papyrusrollen, auf dem maria magdalenas und jesus leugnung steht... und noch vieles mehr...

also siehst du, dass nicht nur die archäologen, vieles geheimhalten... obwohl... nicht viele archäologen sind darauf aus, berühmt zu werden... meine mutter ist archäologin... diese leute sind keine schatzjäger, sondern sie suchen nach der geschichte...
wenn man troja nicht findet, wird man auch nicht berühmt ^^


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ALTDK
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Archäologie

25.06.2009 um 19:04
Viele echt wertvolle Funde wurden erst gar nicht publik gemacht denk ich mir.
Andere kann man sich nicht erklären. usw.


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Archäologie

28.12.2010 um 23:16
Also dieser Fund muss was besonderes sein:Der Grabungsleiter und Landesarchäologe Dirk Krausse bezeichnete den Fund als "Meilenstein der Archäologie".

Forscher bergen Prunkgrab aus der Keltenzeit ganzer Bericht unter http://nachrichten.t-online.de/forscher-bergen-prunkgrab-aus-der-keltenzeit-/id_43861524/index

aktualisiert am 28.12.2010, 15:45 Uhr

Ein etwa 2600 Jahre altes Prunkgrab aus der frühen Keltenzeit ist am Dienstag im Umfeld der Heuneburg in der Nähe des oberschwäbischen Herbertingen in Baden-Württemberg geborgen worden. Zwei Kräne hoben rund 100 Tonnen Erdmasse aus dem Boden.

Das Grab sei sehr gut erhalten und die reichen Schmuckbeigaben etwas ganz Besonderes. Sie ermöglichten erstmals die exakte Datierung eines frühkeltischen Fürstengrabes, erklärte er bei der Bergung der Grabkammer.

Einer der bedeutendsten Funde seit 1978

Die Heuneburg gehört nach Angaben des Stuttgarter Regierungspräsidiums zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten Mitteleuropas. Sie gilt als älteste frühstädtische Siedlung im gesamten Raum nördlich der Alpen. Zahlreiche Ausgrabungen aus den letzten Jahrzehnten hätten den frühkeltischen Fürstensitz Heuneburg immer wieder ins Zentrum des Interesses der internationalen Forschung gerückt. Dieser Fund gilt seit der Entdeckung des Fürstengrabes von Hochdorf bei Ludwigsburg 1978 als der bedeutendste Fund in Süddeutschland.


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Archäologie

29.12.2010 um 10:57
Und damit darf sich die Heuneburg endlich auch wirklich ein hallstadtzeitlicher Fürstensitz.

Denn bis jetzt trafen nur 2 der 3 Kriterien zu.
Die Struktur der Siedlung und Importwaren hat man gefunden aber es fehlte eben immer das Fürstengrab, dass ist nu auch gefunden worden. Da soll mal jemand sagen, dass die archäologischen Theorien so falsch sind.


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xpq101
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Archäologie

26.12.2013 um 11:59
Archäologie: Webseite listet die grausigsten Entdeckungen 2013 auf!



http://www.ancient-origins.net/top-ten-grisly-discoveries-archaeology-2013-001142


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Archäologie

26.12.2013 um 13:00
@xpq101
Also da kenne ich viel fiesere Sachen. Die berühmten Bauopfer, kleine Kinder, die besonders in Norddeutschland gerne in Kirchen eingemauert wurden, teilweise sogar lebend. Oft werden solche Bauopfer auch in Deichen gefunden. Ihre Geister sollten dafür sorgen, dass die Gebäude besser halten.

Auch diverse Berichte wie zB in der Antike die psychologische Kriegsführung aussah. Bei der Belagerung suchte man einfach im Umland nach den Verwandten der Krieger, die eine Stadt verteidigten, dann schoß man diese einfach per Katapult in die Festung. Bestimmt kein schöner Anblick.

Oder die berühmten Wachsleichen (eine bestimmte Verwesungsart in alten Gemäuern), da sind Horrorfilme nichts gegen. Ich poste mal keine Bilder, hier schauen auch Kids rein.


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Archäologie

26.12.2013 um 13:42
Spöckenkieke schrieb:kleine Kinder, die besonders in Norddeutschland gerne in Kirchen eingemauert wurden, teilweise sogar lebend
In Kirchen? Wo kann ich dazu was lesen?


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peggy_m
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Archäologie

26.12.2013 um 14:35
In Klostermauern soll man schon etliche Säuglingsskelette gefunden haben. Die Kinder waren aber eher Opfer von Vertuschungsmanövern als Opfergaben, um irgendwelche Geister gütig zu stimmen.

Im Mittelalter ist es in einigen Klöstern wohl hoch her gegangen. Leider finde ich nichts über Säuglingsskelette im Internet, man wird schon wissen warum, aber immerhin gibt es diverse Berichte über eingemauerte Nonnen. Z. B. hier:


http://www.deutschland-im-mittelalter.de/das-kloster.php#entartung

Die Mafiamethode der Einbetonierung als Bestrafung ist dann wohl die modernere Art. Viel geändert hat sich da wohl nicht, der Baustoff ist eben ein anderer. ^^


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Archäologie

26.12.2013 um 15:36
@perttivalkonen such ich dir raus. Ein bekanntes Buch heist nur Bauopfer von 1919, aber mein damaliger Prof hat dazu geschrieben. Ging um vermischung heidnischer Ritauale wie Odinfiguren und Bauopfern in Kirchen. Thorsten Capelle ist der Name. Vielleicht findeste was ich bin noch immer Meschpoche abklappern.


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Archäologie

26.12.2013 um 16:09
In ´Harz-Sagen´ , einem alten Büchlein von 1941 findet sich die grauslige Sage ´Das eingemauerte Kind auf der Harzburg´
Das hab ich schon als Kind mit Schaudern gelesen.

".... Droben aber begann der Maurer mit seinem schauerlichen Werk. Als die Nische fast geschlossen war, setzte er das Kind hinein, reichte ihm noch eine Zuckersemmel.
Die aß das Kindchen auf, dieweil der Maurer den letzten Stein einfügte.
´Schlaf schön, mein Kindchen, nun kommen bald die Engel´ , sagte er dann bekümmert.
Drinnen aber schlief das Kind ein und die Engel holten sein Seelchen in den Himmel...."


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Archäologie

26.12.2013 um 17:07
Alte Bräuche von menschlichen Bauopfern, sicher. Womöglich gar noch in christlicher Zeit, in der Neuzeit schwerlich. Die Erinnerung an solches und damit einhergehend die Bildung von Sagen und Legenden geht natürlich sehr viel weiter. Aber ein Bauopfer bei einem Sakralbau? Leichen verstecken in Bauwerken wie etwa Nonnenkinder oder Mordopfer sind keine Bauopfer.
Wikipedia: Bauopfer#Mittelalter_und_Neuzeit


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