@Marko11 Die Bildung von Polymeren erfolgt bei Proteinen und Nukleinsäuren durch Polykondensation. Dies ist ein Prozess, bei dem Energie verbraucht und Wasser abgespalten wird. Die Energiezufuhr ist dabei das geringere Problem. Heute geschieht dies mit Hilfe von organischen Phosphorverbindungen (ATP und GTP), denkbar ist, dass damals die Reaktionen auf katalytisch aktiven Oberflächen abliefen, die z.B. aus Sedimenten vulkanischer Herkunft gebildet wurden. Dann reicht u.U. einfache Wärmezufuhr aus, um die Einzelbausteine miteinander reagieren zu lassen.
Das größere Problem ist die Entstehung von Wasser als Reaktionsprodukt. In einer wässrigen Lösung ist dadurch das chemische Gleichgewicht immer zur Seite der Ausgangsstoffe hin verschoben, so dass es nicht zur Polykondensation kommt. Folglich muss ein Weg gefunden werden, das Reaktionswasser los zu werden. Dies kann gelingen, wenn die Reaktionsräume periodisch austrocknen - z.B. in Gezeitenzonen von Meeresküsten.
Das wieder heranflutende Wasser transportiert zum einen neue Einzelbausteine in die Reaktionsräume und bewirkt andererseits eine Selektion der entstandenen Polymere nach Halbwertszeit. Diejenigen Polymere, die gegenüber der zersetzenden Kraft des Wassers (hydrolytische Spaltung der Polymere) beständiger sind, reichern sich bevorzugt an, während die zersetzlicheren Varianten allmählich verdrängt werden.
Auf diese Weise entstehen u.a. auch solche Polymere, die selber katalytisch aktiv sind, so dass die Polykondensation sich zunehmend von der Mineralunterlage etabliert und in halbdurchlässige (semipermeable) Membransysteme verlagert. Diese Membransysteme können sich dann weiterentwickeln zu frühen Vorläufern der späteren Zellen (Protozellen).
Der eigentliche Knackpunkt, an dem bisher jedes Modell seine Grenze hat, ist die Entstehung der Translation, also der Übertragung einer RNA-Basensequenz in eine Aminosäuresequenz eines Proteins. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch hier gangbare Lösungen gefunden werden. Der von mir verlinkte Ansatz von Wolf und Koonin sieht jedenfalls sehr vielversprechend aus.
P.S.: Nebenan bei Florian Freistetter habe ich auf Richard Egels Essay Bezug genommen:
http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/03/01/entstand-das-erste-leben-auf-einer-vulkaninseln/#comment-191448