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Der Fall Jens Söring

29.217 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 13:29
Zitat von MelusineMelusine schrieb:Meinst du das ernst? Ich habe die letzten 20 Seiten überflogen und gesehen, dass du die Suche nach Erklärungen in Büchern, die er gelesen hat, für nicht zielführend hältst?
Solange es sich hier mit jeweiligen Täterüberzeugungen deckt, hast Du "gewiss freie Bahn" für Analysenforschung und derartiger Interpretationshypothesen.
So müsste man nach den letzten Kommentaren zumindest denken.

Ich finde den Ansatz auch spannend und bewundere Deine konsequente Mühe.

JS scheint ja die Phase der Weihnachtsferien (anscheinend ist man sich erstmalig körperlich in ihrer zugestanden Verliebtheit näher gekommen) intensivst dazu genutzt haben, neben den berichteten Stimmungen analog seines Tagesablaufes, auch Eindruck bei seiner unerwartet tollen Flamme zu erzielen.
Diese hatte ihn ja angeblich als angehende Autorin zu Schreibdiensten verdonnert.
Glaubst Du ernsthaft er hat diese Bücher alle gelesen? Könnte es sich nicht auch ausnahmslos um Halbwissen handeln? - um
etwas Schlaues fallen zu lassen. Dafür reichen ja schon die Klappentexte.

Zur Grundlage einer detaillierter Mordplanung zu einem späteren (!) Zeitpunkt:

Wenn er bzw. beide "bereits psychotisch" in einer Planung jeweils zwischen den literarischen Zeilen versunken sind, wie denkst Du ist der Austausch erfolgt. Bei Mondlicht? "When shall we two meet again?"
Ich frage deshalb, weil weder in nachfolgendem Briefverkehr noch im publikationsvorreifen Tagebuch von EH derartige Verknüpfungsansätze zur Literatur zu finden sind.

Da nicht erwiesen ist, dass EH die Zeilen vor der Tat gelesen hat, müssten die beiden nahezu jedes künftige Date zu deren Planung gemacht haben. Ob das wirklich Spass macht?


PS: Gibt es irgendwo einen Hinweis wieso "Washington DC"?


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 13:37
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Es gibt ja nicht nur ein psychiatrisches Gutachten, bzw. wohl eher ein Dokument.Hamilton hat ja das Gutachten gemacht. Das was ich meine ist von der zweiten Psychiaterin namens Bullard.
Wird für Euch wahrscheinlich uninteressant sein, denn es steht im Buch von JS.
Nein, ganz im Gegenteil, das ist nicht uninteressant, was Du meinst wenn Du schreibst:
Dass EH der kranke "Teil" in der Beziehung war steht doch in dem/oder einem der psychiatrischen Gutachten.
denn das lese ich zum ersten Mal.

Du wirst Dir ja irgendwas dabei gedacht haben, als Du das oben geschrieben hast, also hältst Du EH für den "kranken Teil der Beziehung". Und das psychiatrische Gutachten wird bestimmt in der Sekundärquelle, auf der Du Deine Einschätzung aufbaust, als Primärquelle benannt. Oder etwa nicht?


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 13:49
Zitat von TifosoItalianoTifosoItaliano schrieb am 13.01.2020:Wie @Melusine richtig kombiniert hat steht die Auflösung um welche Angst es sich handelte in den Weihnachtsbriefen:
Melusine schrieb:
does she realize that the only reason I didn't lust was because I did not dare to?
Der Hauptgrund warum JS EH nicht offen (sexuell) begehrte war, dass er sich nicht traute („dare“).
Ich möchte noch ergänzen, dass aus den Weihnachtsbriefen hervorgeht, dass EH ihm erst im Dezember ihre Liebe gestand. JS schreibt:
"When I talked to you on that Thursday 2 weeks before we left for winter vacation (Dec. 21?), I loved you as a friend with whom I had some kind of mental block. Whether your Love freed my love for you or "created" it, I don’t know. All I know is that I find myself loving you more and more and more the longer I feel loved by you. "
(Quelle: Weihnachtsbrief, Seite 19, untere Hälfte)

Ich habe "mental block" gegoogelt, es bedeutet eine Art "mentale Blockade". Vielleicht kann ein native-speaker weiterhelfen? Ich übersetzte es so, dass er sie bis zum 7. Dezember nur als Freundin betrachtet hat, danach hat sie ihm erst seine Liebe gestanden und daraufhin ist auch er "entflammt" (wobei er sich nicht sicher ist, ob er sie vorher auch schon geliebt hat oder ob sie die Liebe erst in ihm erweckt hat). Ich denke, es ist auch erst nach dem "Liebes-Geständnis" zu sexuellen Handlungen gekommen. Das würde auch erklären, warum er Ende Dezember alleine in Detroit vor "I love you" nur so überschäumt (ich weiß noch, wie ich das erste Mal verliebt habe, oh Gott, war das ein Hormonrausch).

Leider steht auch in "Mortal Thoughts" nicht zum genauen Zeitpunkt, außer:
"So I was completely flabbergasted by Elizabeth's reaction when I joked one day that we seemed like an old married couple, since we spent so much time talking. Liz stared at me --and then she announced that she had loved me from afar for two months!"
(Quelle: http://web.archive.org/web/20100124092451/http://lucy.ukc.ac.uk:80/Soering/chapter01.html#12

und
"During the first half of December, 1984, Elizabeth left this letter in my college dorm room:
(...)
First of all: I love you. I love you selfishly and I love you with pain."
(Quelle: http://web.archive.org/web/20100124092451/http://lucy.ukc.ac.uk:80/Soering/chapter01.html#12)

Damn it, ich sehe es gerade weiter unten, DAS ist der Brief mit dem "cared without lust", das ist der Brief, auf den er antwortet:
Er zitiert aus ihrem Brief:
"[EH:] For ten years I've been despising myself, and you changed that. You cared without lust, and you made me feel like a young girl again who had the sun in her eyes and not just a moon between her legs. You were always caring -- just caring."
(Quelle: http://web.archive.org/web/20100124092451/http://lucy.ukc.ac.uk:80/Soering/chapter01.html#14)

Hier ist noch ein Indiz dafür, dass ihre Liebe erst im Dezember begann:
Er schreibt im Weihnachtsbrief auf Seite 7 (untere Hälfte):
"best when I'm eating the fruit in the garden of eden, to use a phrase employed by you in your very 1st letter. "
Das Eden-/Frucht-Motiv bezieht sich direkt auf ihren gerade zitierten Brief:
"[EH:]When I'm with you I feel only longing for all of you and to possess the sweet and equally forbidden fruit of love.
(Quelle: http://web.archive.org/web/20100124092451/http://lucy.ukc.ac.uk:80/Soering/chapter01.html#14)

Man kann also sagen, dass die beiden überhaupt erst seit Anfang Dezember zusammenwaren und dass bis zum Beginn der Weihnachtsferien rein zeitlich sexuell noch gar nicht viel zwischen ihnen gelaufen sein kann.

Das macht es für mich jetzt auch umso verständlicher, dass er beim Schreiben immer größere Zweifel hat, ob er ihr seine dunklen Gedanken wirklich zeigen soll, weil sie sich ja eigentlich erst frisch verliebt haben (aber geistig irgendwie Seelenverwandte sind).


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22.01.2020 um 13:54
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Und da sage bitte noch jemand JS wäre nicht manipulativ! Wie hat er es bloß geschafft, dass viele, die sich in den Fall einlesen, eine solche Antipathie gegen eine Person hegen, die sie gar nicht kennen? Die sich selber IMMER aus der Öffentlichkeit fernhielt, von der man so gut wie nichts weiß! Bis auf natürlich das, was JS über sie verlauten ließ.
Ja, das ist schon erstaunlich. Er hat es geschafft, dass sich Menschen scheinbar komplett mit ihm identifizieren und dabei (hat fast schon was von "Borderline" :)) die Grautöne (er ist nicht nur das arme manipulierte Opfer, E.H. ist nicht das personifizierte Böse) überhaupt nicht mehr sehen. Krass!!!


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 13:56
@Venice2009
Liebe Venice ,

Das hat damit zu tun , dass das " böse weib " die verführerische Eva dem Adam bereits den Apfel der Erkenntnis gegeben hat und damit die Wurzel allen Übels ist.
So einfach kann das sein . Sie war die Sirene, die den wankenden Jens mit hinunterzog in den Strudel ...so in etwa wird es lt einigen Literatur Kennern hier argumentiert . ( meine beste Freundin wurde gerade böse betrogen und was meinst du wer schuld hat ? Nicht ihr Gatte etwa ..nein , schuld ist die Geliebte , die Böse )

Solche kruden Denkmuster können nur von Menschen kommen , die ein Problem mit starken Frauen haben. Siehe JS . Keine eigener Willen , hilfloses Opfer ...so hätten das manche gerne inclusive der zitierten Gutachter .
Am liebsten noch nach deutschem Recht verurteilt .

Solche Lesarten haben meist ihren Ursprung in religiösen Darstellungen der Frau , egal ob in der Bibel , im koran oder weiß der Himmel wo , die Frau ist immer die Verführerin . Passt doch alles ganz gut . Wenn dazu dann beim geneigten Zuschauer eigenes negatives erleben , mit dem Typus starke Frau kommt, dann kommt so etwas wie gegen EH raus.
In Wahrheit sabbert JS bis heute seiner großen Liebe hinterher ...Wetten ?


Die Gutachter der Verteidigung haben den Auftrag erhalten, ein für den Angeklagten strafmilderndes Gutachten zu erstellen . So ist das nun mal. Der Auftraggeber zahlt und gibt das gewünschte Ergebnis dezent vor.
Nichts anderes als bei anderen Gutachten bzw Gutachtern anderer forensischer Disziplinen . Man stelle sich vor , die Gutachter der Verteidigung hätten damals festgestellt : der Täter ist putzmunter, quietschfidel und voll geistig dabei.

Wenn ich zum Gutachter meines Vertrauens gehe, verlasse ich mich darauf, dass er meine Erwartungen erfüllt und nicht die des Versicherungsunternehmens .

Gerne führe ich hier mal wieder den Experten/ Gutachter der US Forensik zB für blutspuren an , Dr Henry lee. Der blutspur Gott .
( im Falle OJ . Simpson hat er für die Verteidigung gearbeitet) in vielen Fällen allerdings auch für die Staatsanwaltschaft . Je nach Auftraggeber war auch das Ergebnis .


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:03
@Venice2009

Dann kehren wir mal zum Ausgangspunkt zurück. Ich hatte dargelegt, warum das Jugendstrafrecht der entwicklungspsycholgischen Unreife Jugendlicher angemessen Rechnung trägt. Du hattest das vom Tisch gewischt mit einer recht pauschal begründeten Meinung, nämlich unter Verweise auf die Rückfallquoten.

Mal davon abgesehen, dass die allgemeine Rückfallquote von Straftätern als Zahl sehr wenig Aussagekraft hat, habe ich bereits einmal ausführlich mit Dir die Rückfallquoten (auch bei Jugendlichen) und deren Bedeutung im Fall Jens Söring ("ist Söring noch gefährlich") erörtert. In gleicher Weise wurde auf den Sinn und Zweck des Jugendstrafrechts (Erziehungsbedanke, Prävention) und das verfassungsrechtliche Gebot des Schuldprinzips (Einsicht, Unrecht zu tun) hingewiesen. § 2 des Jugendgerichtsgesetzes bestimmt:
Die Anwendung des Jugendstrafrechts soll vor allem erneuten Straftaten eines Jugendlichen oder Heranwachsenden entgegenwirken. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Rechtsfolgen und unter Beachtung des elterlichen Erziehungsrechts auch das Verfahren vorrangig am Erziehungsgedanken auszurichten.
Es müsste also schon klar geworden sein, dass Strafen unter mehrdimensionalen Gesichtspunkten erfolgen. Diese Gesichtspunkte erfordern immer auch die Ergründung der Motive oder Gefühlslage des Täters. Daher mein "Verständnis für diverse Täter". Als Richter, aber auch als Bevölkerung, die vor Strafen geschützt werden möchte, ist dieses "Verständnis" elementar. Sonst kann Kriminalität nicht wirksam bekämpft werden.
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Bestimmt ist es nicht der richtige Weg, sein Gegenüber als dumm abzustempeln. Du hast ja auch Verständnis für diverse Täter. Das gleiche sollte auch für Personen mit anderen Meinungen gelten. Da ist es sogar wesentlich hilfreicher, denn hier ist die Meinung vielleicht einfach durch Unaufgeklärtheit, Angst, einseitige Informationen oder welche Gründe auch immer beeinflusst.
Dann tun wir mal was für die politische Bildung. Ich empfehle den ehemaligen Generalstaatsanwalt des Landes Schleswig-Holstein, Heribert Ostendorf:

https://www.bpb.de/izpb/268220/vom-sinn-und-zweck-des-strafens?p=all

Und auf die ausführliche Untersuchung zur Rückfallquote bei Straftaten verweise ich ebenfalls noch einmal:

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Artikel/DE/2016/12132016_Rueckfalluntersuchung.html

Schließlich zitiere ich mal noch die Bundesregierung. Der Text ist zwar 10 Jahre alt, gilt aber noch heute:
Die Bundesregierung beobachtet und analysiert die Entwicklungen und Erscheinungsformen von Jugenddelinquenz (...) mit großer Aufmerksamkeit. Dabei vertritt sie eine „Kriminalpolitik mit Augenmaß“. Eine solche rationale Kriminalpolitik verlangt gerade im Bereich des Jugendkriminalrechts trotz Aufgeregtheiten, die sich vielfach an spektakulären Einzelfällen oder an oberflächlicher und selektiver Interpretation von Kriminalstatistiken entzünden, dass auch in Zukunft über gesetzliche Änderungen auf einer von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen getragenen kriminologischen und empirischen Grundlage entschieden wird.
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613142.pdf S. 3.

Nichts destotrotz muss festgestellt werden, dass 2012 im JGG die Höchststrafe für Heranwachsende bei Mord von 10 auf 15 Jahre angehoben worden ist. Das war nicht von rationalen Erwägungen getragen, denn die Fachwelt hat dies nahezu einhellig abgelehnt. Sondern eine Verbeugung vor jener Öffentlichkeit, deren Strafbedürfnis nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen unterworfen ist. Das mag politisch legitim sein, ein wirksamer Beitrag zur Verbrechensbekämpfung war es sicher nicht.

Jens Söring hätte deshalb - Tatbegehung 1985 - nur eine Höchststrafe von 10 Jahren zu erwarten gehabt. Auch wenn es nicht zwingend gewesen wäre, dass er als Heranwachsender nach Jugendstrafrecht zu behandeln gewesen wäre, erscheint es mir bei Lektüre des "Weihnachtsbriefes" und unter Berücksichtigung der bekannten psychiatrischen Untersuchungen als sehr wahrscheinlich.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:05
@Judith123
@Calligraphie
danke für Eure Ausführungen.

Das Erstaunliche an der Sache ist für mich ja, dass überwiegend Frauen (also eigentlich "Leidensgenossinnen") so darauf anspringen und EH (nach einigen Kommentaren die ich zu lesen bekam) regelrecht hassen. Hat sich da etwa auch etwas von JS auf sie projiziert?


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:11
Zitat von synthiasynthia schrieb:Glaubst Du ernsthaft er hat diese Bücher alle gelesen?
Ja, das glaube ich. Er schreibt, dass er 3 Bücher pro Woche liest.
"I am probably more widely and less deeply read and have a total of about 2 or 3 weeks actual practice."
[Quelle: Weihnachtsbrief, Seite 14]

Nein, er hat nicht nur die Klappentexte gelesen, auf gar keinen Fall. Ich muss das noch ausarbeiten, es dauert noch ein bisschen. Er hat sich intensiv mit den Büchern auseinandergesetzt, er hat Zitate in sein "Idea Book" geschrieben und er hat auch Zitate aus den Büchern in den Brief eingefügt. Er hat diese Bücher definitiv gelesen!
Zitat von synthiasynthia schrieb:Wenn er bzw. beide "bereits psychotisch" in einer Planung jeweils zwischen den literarischen Zeilen versunken sind, wie denkst Du ist der Austausch erfolgt. Bei Mondlicht? "When shall we two meet again?"
Nein, die beiden befanden sich - meiner Meinung nach - zu diesem Zeitpunkt (Weihnachtsbrief) noch auf Ideen-Suche.

In der Extended Version von "Das Versprechen" ist mir bei 1:27:15 folgender Satz aus EHs Brief aufgefallen:
"my mother begins her 6th gin (...) breaking my concentration on the many murder stories I have read"
(Quelle: Das Versprechen, Extended Version, 1:27:15)

Auch JS liest intensiv Mord-Geschichten (z.B. "Der rote Pavillon") beide sind noch auf der Suche nach einer guten Vorlage bzw. guten Ideen, die sie nutzen können.

Offenbar haben die beiden sich an "Gedankenspielen" ergötzt, siehe auch Geständnis Dr. Frieser:
"Violence was strange to my character, but I have hated these people also very much and these feelings of hate I have expressed in conversations through fantasy games, as for example one should put them into a car and push them down a hill. Something with a remote controlled bomb, burn down the house. During the last days I still remembered another thing. Something with a bath tub and piranhas. I remember that Elisabeth in fact called a pet shop in Washington and enquired about the fish."
(Quelle: Geständnis Dr. Frieser, S. 30)

(Kurzer Gedankenblitz: Ich habe überlegt, ob das mit den Piranhas wahr sein könnte und es die 5 Ortsgespräche in Washington erklären würde?)

Man sieht das auch daran, dass die "verdächtigen Sätze", die ihm später zum Verhängnis werden, einfach so eingestreut sind:
"love is a form of meditation. And the ultimate "weapon" "against" your parents. My God, how I've got the dinner scene planned out. Unfortunate (for you) result: Dad might leave me all his loot. Don't worry; everything I have, am, or could become is already yours. I mean that, too.
Where were we?" Ah yes, the art that's missing here. Liz, (...)"
(Weihnachtsbrief, Seite 10)

Es wirkt auf mich, als würde er die Ideen mal eben schnell aufschreiben, während sie in sein Gehirn reinblitzen. Ich glaube, daher hat er die Briefe auch aufgehoben, weil ihm rational gar nicht klar war, dass hier bereits die Mordpläne in Andeutungen sichtbar werden.

Ich denke, die beiden werden die weitere Planung persönlich besprochen haben, es wird ihnen wohl rational klar gewesen sein, dass sie lieber keine Beweise hinterlassen sollten. Diesen Brief sah aber JS nicht als "vernichtenswürdig" an, weil er sich meiner Interpretation nach zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Gedanken an einen konkreten Mord beschäftigt hatte.
Zitat von synthiasynthia schrieb:PS: Gibt es irgendwo einen Hinweis wieso "Washington DC"?
Darauf habe ich noch keinen Hinweis in der Literatur gefunden. Ich denke, es war eine pragmatische Entscheidung. Es war der nächstgelegene Ort, an dem man ein Kino-Alibi aufbauen konnte.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:14
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Das Erstaunliche an der Sache ist für mich ja, dass überwiegend Frauen (also eigentlich "Leidensgenossinnen") so darauf anspringen und EH (nach einigen Kommentaren die ich zu lesen bekam) regelrecht hassen. Hat sich da etwa auch etwas von JS auf sie projiziert?
Auch wieder so eine eindimensionale Sicht der Dinge - gepaart mit maßloser Übertreibung... Hassen??? Nein. Man/frau analysiert einfach ziemlich kühl die psychische Verfassung einer Person X zum Zeitpunkt Y.

Da bedeutet weder, dass Herr Söring nur Opfer ist, noch Frau Haysom nur Täterin. Man kann nun mal Personen und Sachverhalte aus mehreren Blickwinkeln beleuchten. Das hängt auch ab von der Quellenlage. Wenn bei Elizabeth einer Borderline-Störung (unter Vorbehalt der Klassifikation in 1985 - gerade bei dieser Erkrankung hat sich in der Psychiatrie viel geändert) festgestellt wird, dann ergeben sich eben daraus bestimmte Vermutungen, wie sie agiert haben könnte.

Jens war dann natürlich auch das Schloss zum Schlüssel. Vielleicht hat er auch manipuliert, oder es zumindest versucht. Da er aber vorrangig erst einmal kein ureigenes Interesse gehabt haben dürfte, die Eltern aus dem Weg zu räumen, liegt der umgekehrte Weg näher. Aber das ist keine wirkliche Schuldfrage (außer der verminderten Schuldfähigkeit). Jedenfalls im Nachtatverhalten waren beide ein ziemlich gutes Team. Dabei dürfte Jens auf jeden Fall das weitaus größere Interesse gehabt haben, dass ihn Elizabeth nicht verlässt. Denn für sie hat er ja das alles auf sich genommen (seiner Ansicht nach). Dagegen dürfte für Elizabeth Jens eher die sichere Bank gewesen sein, sie bleibt also bei ihm, so lange die Zeiten unsicher waren.

Das ist alles nur Spekulation, aber vermutlich einfacher, als dutzende von Büchern durchzulesen, aus denen Jens seine wirren Gedankengänge im "Weihnachtsbrief" abzuleiten meinte.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:22
@Bluelle

Will nicht meckern, aber das ist allgemein natürlich ziemlich dünn. Gut, ok, es gibt von ihr wohl nur das. Hier bin ich aber drüber gestolpert:
Zitat von BluelleBluelle schrieb:In dem Gutachten heißt es:
„Zur Tatzeit litt Jens Soering nach meiner Überzeugung an einer endogen verursachten geistigen Anomalie, die seine Verantwortlichkeit für seine Handlungen wesentlich vermindert hat. (...) “
"Endogen verursacht" bedeutet ja "aus dem Inneren entstanden" - also nicht durch äußere Einflüsse = exogen:
In der Psychiatrie sind die endogenen Psychosen eine Sammelbezeichnung für Krankheiten, die mehr durch eine innere Konstitution verursacht werden als durch äußere Einflüsse.
Wikipedia: Endogen
Wikipedia: Konstitution

An dieser Stelle sei auch nochmal an die Kopf-OP in seiner Kindheit erinnert (von ihm selber dargestellt, verifizierbare Belege wie Krankenhausdokumente o.Ä. gibt es wohl nicht): Beitrag von kelten-maisie (Seite 115)


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:23
Zitat von monstramonstra schrieb:Auch wieder so eine eindimensionale Sicht der Dinge - gepaart mit maßloser Übertreibung... Hassen??? Nein. Man/frau analysiert einfach ziemlich kühl die psychische Verfassung einer Person X zum Zeitpunkt Y.
Warum ist das denn für dich eine eindimensionale Sicht der Dinge? Ich denke gerade bei @Venice2009 sollte man das so nicht sagen der User ist ja ziemlich drin in dem Fall. Und das mit den Hasskommentaren kannst du doch so gar nicht bewerten, @Venice2009 hat doch gar keine kommentare zitiert die er/sie gelesen hat?!

Also ich kann mir die Kommentare schon vorstellen, ist ja leider auch nichts ungewöhnliches mehr das Menschen im Internet gehatet werden.


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22.01.2020 um 14:43
Zitat von monstramonstra schrieb:Auch wieder so eine eindimensionale Sicht der Dinge - gepaart mit maßloser Übertreibung... Hassen??? Nein. Man/frau analysiert einfach ziemlich kühl die psychische Verfassung einer Person X zum Zeitpunkt Y.
du weißt doch gar nicht auf welche Kommentare ich mich überhaupt beziehe und trotzdem weißt du es wieder besser und urteilst wieder mal vorschnell (das zur eindimensionalen Sicht). Ich habe nicht hier die User gemeint, sondern allgemeine Äußerungen, die ich im Laufe der Zeit über EH gelesen habe. Und teilweise waren es tatsächlich sehr bösartige Kommentare gewesen.
Selbst JS stellte sie teilweise wie den letzten Junkie dar. Interessanteweise hat er sich ja gerade in diese Frau, aus welchen Gründen auch immer, verliebt.
Und das mit den Hasskommentaren kannst du doch so gar nicht bewerten, @Venice2009 hat doch gar keine kommentare zitiert die er/sie gelesen hat?!
danke, genau so ist es.


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22.01.2020 um 14:43
Zitat von soomasooma schrieb:Will nicht meckern, aber das ist allgemein natürlich ziemlich dünn. Gut, ok, es gibt von ihr wohl nur das. Hier bin ich aber drüber gestolpert:
Bluelle schrieb:
In dem Gutachten heißt es:
„Zur Tatzeit litt Jens Soering nach meiner Überzeugung an einer endogen verursachten geistigen Anomalie, die seine Verantwortlichkeit für seine Handlungen wesentlich vermindert hat. (...) “
Ja das ist sehr dünn, da hast Du recht.
Man muss allerdings auch wirklich sehen wie der Wissensstand im Bereich Psychologie zu dieser Zeit war und was sich da heute geändert hat. Es ist halt eine Wissenschaft und kann in dem Bereich ja nicht Wahrheiten fabrizieren.
Man kann nur messen.

Und richtig, einerseits spricht sie von einer "Weitergabe" von EH, andererseits ist eine Veranlagung oder Auslöser bei ihm vorhanden, laut ihr.
Vielleicht kann man das so interpretieren, dass nicht jeder in so eine Folie a Deux eingetaucht wäre, also sich eher abgegrenzt hätte.
Ich kann aber auch nur vermuten.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 14:55
Zitat von Venice2009Venice2009 schrieb:Das Erstaunliche an der Sache ist für mich ja, dass überwiegend Frauen (also eigentlich "Leidensgenossinnen") so darauf anspringen und EH (nach einigen Kommentaren die ich zu lesen bekam) regelrecht hassen. Hat sich da etwa auch etwas von JS auf sie projiziert?
@Venice2009
@Morpheus1PB

Aus dem Beitrag ging nicht hervor, welche Kommentare wo gemeint waren. Deshalb musste ich aufgrund des Sachzusammenhangs (dieses Forum, dieser Thread) davon ausgehen, dass (auch) Beiträge hier gemeint sind. Dann sollte man sich schon deutlich ausdrücken, anstatt allgemeinwabernd von irgendetwas das irgendwo irgendwie schlimm ist zu fabulieren.

Im Weiteren habe ich auch noch weitaus mehr geschrieben, was keinen Bezug zum o.g. Beitrag hatte.


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22.01.2020 um 14:57
@monstra
man kann ja auch zuerst nachfragen, bevor man gleich anfängt anderen etwas zu unterstellen. Aber gut, ich denke wir belassen es jetzt dabei.


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22.01.2020 um 14:57
Zitat von monstramonstra schrieb:Jens war dann natürlich auch das Schloss zum Schlüssel. Vielleicht hat er auch manipuliert, oder es zumindest versucht. Da er aber vorrangig erst einmal kein ureigenes Interesse gehabt haben dürfte, die Eltern aus dem Weg zu räumen, liegt der umgekehrte Weg näher. Aber das ist keine wirkliche Schuldfrage
Das finde ich treffend zusammengefasst. Ich denke, beide hatten psychische/emotionale Lasten zu tragen, waren auch oder gerade deswegen sehr empfänglich füreinander und haben beide das Sich-Verstehen und Verstanden-Werden als positiv empfunden. Objektiv war es das aber leider nicht. Elizabeths Hass auf die Eltern war die Grundlage für die Mordabsichten, so sehe ich das auch. Aber JS hat ihren Hass übernommen und sie darin bestärkt, wo andere sich abgegrenzt hätten, wie hier richtig bemerkt:
Zitat von BluelleBluelle schrieb:Und richtig, einerseits spricht sie von einer "Weitergabe" von EH, andererseits ist eine Veranlagung oder Auslöser bei ihm vorhanden, laut ihr.Vielleicht kann man das so interpretieren, dass nicht jeder in so eine Folie a Deux eingetaucht wäre, also sich eher abgegrenzt hätte.Ich kann aber auch nur vermuten.



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22.01.2020 um 14:59
@Venice2009
@monstra
Also für mich war das klar zu erlesen das nicht nur das forum hier gemeint ist. Aber wie @Venice2009 schon geschrieben hat belassen wir es dabei, scheint keinen Sinn zu machen.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 15:03
Zitat von monstramonstra schrieb:Auch wieder so eine eindimensionale Sicht der Dinge - gepaart mit maßloser Übertreibung
Kann dieses Posting auch absolut nicht nachvollziehen.

Venice2009 ist hier nicht nur einer der User, der sich wirklich intensiv(st) mit dem Fall beschäftigt hat und
sich auch im Laufe der Zeit einiges an Wissen darüber aufgebaut hat, sondern auch jemand der immer sachlich und
definitiv nicht eindimensional dieses ganze Thema betrachtet und darüber schreibt.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 15:19
Zitat von monstramonstra schrieb:Jens Söring hätte deshalb - Tatbegehung 1985 - nur eine Höchststrafe von 10 Jahren zu erwarten gehabt.
Hätte, hätte, Fahrradkette!
Entschuldigung, das musste raus. :)
Und nach kanadischem Strafrecht wäre E.H. vielleicht auch viel milder bestraft worden!!!
Jens Söring hat die Morde aber in den USA und eben nicht in Deutschland begangen. Ja, dumm gelaufen.
Ich habe neulich einen Bericht über einen Strafgefangen (Ende 20, verheiratet, zwei kleine Kinder) in den USA gesehen, der wegen dem Besitz von 100 Gramm Marihuana 30 Jahre bekommen hat, während in anderen Bundesstaaten gekifft wird, bis der Arzt kommt.
Der tut mir wirklich leid.
Auf jeden Fall mehr, als ein Mensch, der zwei Menschen kaltblütig ermordet hat - warum auch immer.


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Der Fall Jens Söring

22.01.2020 um 15:22
Zitat von monstramonstra schrieb:Dann tun wir mal was für die politische Bildung. Ich empfehle den ehemaligen Generalstaatsanwalt des Landes Schleswig-Holstein, Heribert Ostendorf:

https://www.bpb.de/izpb/268220/vom-sinn-und-zweck-des-strafens?p=all
Danke für das Verlinken der wirklich hervorragenden rechtstheoretischen Abhandlung- sehr erhellend, zumal sich auch Überlegungen zur deutschen/europäischen im Unterschied zur US-amerikanischen Rechtsauffassung daraus ableiten lassen,die also auch mit dem vorliegenden Fall durchaus verküpft sind.
Zitat von monstramonstra schrieb:Nichts destotrotz muss festgestellt werden, dass 2012 im JGG die Höchststrafe für Heranwachsende bei Mord von 10 auf 15 Jahre angehoben worden ist.
Danke für die Korrektur, mir war nicht klar, dass die Heraufsetzung auf 15 Jahre bei Mord erst 2012 erfolgte. Dann lag ja Söring mit seiner in Briefen geäußerten Prognose von 10 Jahren möglicherweise gar nicht so falsch.


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