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Der Fall Oury Jalloh

Der Fall Oury Jalloh

25.02.2018 um 19:12
RenegadeX schrieb:Aufgabe des Prozesses wäre es, die Hintermänner zu ermitteln und zu bestrafen (Morde an den beiden).
Nein, eine solche Ermittlung wäre zunächst mal Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Kommt es dann zur Anklage, wäre das ein ganz neuer Prozess.

Es ist aber nicht so, dass in ein bereits laufendes Verfahren alles einbezogen werden kann, was sich im Laufe des Prozesses an Verdachtsmomenten gegen bisher nicht am Prozess beteiligte Personen ergibt. Das meinte ich vorhin damit, dass man ein laufendes Verfahren nicht mit Erwartungen überfrachten darf, die es gar nicht erfüllen kann.


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Der Fall Oury Jalloh

06.03.2018 um 09:42
Aus der "Zeit" ein guter und seröser Überblick über den Fall und den aktuellen Stand (05.03.2018):

http://www.zeit.de/2018/10/oury-jalloh-dessau-zelle-tod-aufklaerung/komplettansicht


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MissTerry
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Der Fall Oury Jalloh

26.03.2018 um 21:51
Es gibt leider immer noch keine Nachricht, wie es weitergeht... bzw. die Prüfung der Wiederaufnahme ist anscheinend noch nicht abgeschlossen.
Wie lange dauert solch ein Prüfungsverfahren unter normalen Umständen?

Immerhin gibt es heute zwei Artikel auf Mdr, in denen der Gutachter und Toxiloge Prof. Gerold Kauert zu Worte kommt! Unter anderem erklärt er was Stresshormone sind und wie sie zustande kommen.

Ein kurzer Auszug aus dem Interview..

https://www.mdr.de/kultur/oury-jalloh-ein-fall-ohne-ende-100.html
Wie haben Sie auf die Einstellung des Verfahrens reagiert?

Ich hab die Einstellung des Verfahrens persönlich als überraschend empfunden. Weil wir alle der Meinung waren, dass eben die Selbsttötung weniger in Betracht kommt als ein anderer Tatablauf. Und dass die Staatsanwaltschaft aufgrund dieser Basis neue Befragungen und neue Ermittlungen vornehmen müsse.

Was kann in der Zelle 5 geschehen sein? Oberstaatsanwalt Bittmann, der nicht mehr zuständig ist, geht von einer Vertuschungstat aus, möglicherweise nach Misshandlungen durch Polizeibeamte.

Das ist genau das, was Herr Bohnert und ich in unseren vier Arbeitshypothesen beschrieben haben. Eine traumatische Einwirkung vor dem Tod. Eben deshalb auch mein Begriff "vermeintlich tot". Wenn er halt bewusstlos ist. Oder im Sterbevorgang. Und dann wird er angezündet. Aber dann kann er es nicht mehr selber gewesen sein. Wenn er bewusstlos ist, kann er sich nicht anzünden. Das ist doch nun eindeutig. Das muss jeder Jurist und jeder Laie verstehen. Wir haben auch diskutiert, ob es mehrere Brandherde gab, Brandausbruchsstellen. Mehrere Brandherde kann er nicht selbst gelegt haben. Da sind ja verschiedene Varianten möglich. Ich meine, das ist Aufgabe der Justiz, das herauszufinden.

Das Interview führte MDR KULTUR-Featureautorin Margot Overath mit dem Verfahrensgutachter Prof. Gerold Kauert.
Ich denke die meisten Leute, ob Jurist oder Laie haben schon längst begriffen, wenn jemand bewußtlos ist, ergo er sich nicht selbst anzünden kann.
Die Frage ist, warum konnte die Staatsanwaltschaft in Naumburg, die das Verfahren im Oktober eingestellt hatte, diese Tatsache nicht begreifen bzw nicht nachvollziehen?


PS: Man kann sich das Interview auch vorlesen lassen.


Hier ist der andere Artikel

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau/oury-jalloh-gutachter-schliesst-selbsttoetung-aus-100.html
Oury Jalloh: Gutachter schließt Selbsttötung aus

Ein unabhängiger Gutachter kritisiert die Ermittlungen im Fall des ungeklärten Todes des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau. Der Toxikologe Gerold Kauert schließt aus, dass sich Jalloh selbst angezündet haben könnte.


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26.03.2018 um 23:46
Danke@MissTerry für das Einstellen der aktuellen Link`s.


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MissTerry
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29.03.2018 um 20:00
Der Rechtsausschuss wird vorraussichtlich im Oury Jalloh Fall erst in der Juni-Sitzung wieder tagen...!

https://www.focus.de/regional/magdeburg/landtag-sichtung-der-akten-zum-tod-von-asylbewerber-bis-mai-geplant_id_8661619.h...
Der Rechtsausschuss des Landtags will die Akten zum Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh bis Mitte Mai durcharbeiten. Anschließend wolle man sich einen Sachverständigen an die Seite holen, um die Akten besser bewerten zu können, sagte CDU-Rechtsexperte Jens Kolze nach der Ausschusssitzung am Freitag.
Kolze sagte, die meisten Mitglieder des Ausschusses hätten bislang neun bis zehn Stunden in den Akten gelesen. Das reiche gerade einmal, um an der Oberfläche zu kratzen. „Wir müssen noch sehr viel lesen“, fügte er hinzu. Erst dann könne man konkrete Fragen für einen juristischen Berater formulieren.
Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Eva von Angern (Linke) rechnet damit, dass das Thema erst in der Juni-Sitzung wieder auf die Tagesordnung des Rechtsausschusses kommt. Sie sei enttäuscht, dass die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD und Grünen so viel Zeit verstreichen lassen wollten. „Nicht umsonst haben wir beschlossen, dass auch Referenten Einsicht in die Akten nehmen können.“ Einen juristischen Sachverständigen zurate zu ziehen, bezeichnete von Angern als sinnvoll.
Ich kann von Angerns Enttäuschung gut nachvollziehen. Es zieht sich nur unnötig dahin, trotz aller bekannten Fakten. Man nur hoffen, dass die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt wird, und umso gründlicher gearbeitet wird..! Immerhin gibt es wenigstens schon ein Zeitfenster.


Noch ein Artikel, aktuell von heute:

https://www.jungewelt.de/artikel/329920.misshandelt-und-verbrannt.html
Nach einer Beschwerde der Hinterbliebenen prüft nun die Generalstaatsanwaltschaft die Wiederaufnahme von Ermittlungen. »Das kann länger dauern«, sagte deren Sprecher Klaus Tewes am Mittwoch auf jW-Nachfrage. So sei seine Behörde unterbesetzt und die Akten so umfangreich. Dazu gehörten auch neuere Verfahren, eines gegen Beate H. wegen Falschaussage, ein weiteres gegen den Beamten Udo Sch. wegen Mordverdachts. Seit Februar prüft zudem der Rechtsausschuss im Magdeburger Landtag die Akten. Die Linke warf der Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen am Montag absichtliche Verzögerung vor. Sie will erst im Juni Sachverständige dafür benennen.


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13.04.2018 um 14:01
Der ehemalige Grüne Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag und der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Herbert Landau sollen nach Wunsch des Landtags Sachsen-Anhalt den Fall Oury Jalloh nochmals unabhängig aufarbeiten. So berichtet des die "Mitteldeutsche Zeitung"

Montag hat bereits für das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages mehrere Ermittlungen geführt, zuletzt zu etwaigen Verbindungen eines V-Manns des Verfassungsschutzes zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/065/1806545.pdf), Landau zum Suizid eines in Haft sitzenden Terrorverdächtigen in Sachsen. Er war auf Vorschlag von CDU/CSU bis 2016 ans Bundesverfassungsgericht gewählt.

Beide haben eine überparteiliche Reputation und sind als Juristen sehr geschätzt. Das ist der richtige Schritt. Ob ihr Bericht die Tat aufklären kann, ist meiner Ansicht nach jedoch fraglich. Zu viel Zeit ist vergangen, zu viel wurde verschludert, verschleiert oder verschlampt. Die wahren Schuldigen werden davon kommen, auch wenn die Sonderermittler zu dem Ergebnis kommen sollten, dass sich Jalloh höchstwahrscheinlich nicht selbst entzündet hat.

Aber die Versäumnisse, die Fehler in Polizei und Justiz, die Gleichgültigkeit oder gar subtile oder latente rassistische Einstellung Mancher zum Opfer und seinem Tod - all das wird hoffentlich auch Bestandteil des Berichts werden.
Im Fall des in einer Polizeizelle durch ein Feuer umgekommenen Asylbewerbers Oury Jalloh will Sachsen-Anhalt zwei Sonderermittler einsetzen. Die Magdeburger Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grünen verständigte sich nach Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" aus Halle vom Freitag darauf, dass die Experten den Fall im Rechtsausschuss des Landtags aufarbeiten sollen.

Zum einen handelt es sich demnach um den Rechtsanwalt Jerzy Montag. Der Grünen-Politiker untersuchte bereits als Sonderermittler im Bundestag den Komplex der rechtsextremen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund. Zum anderen solle sich der frühere Bundesverfassungsrichter Herbert Landau mit dem Fall befassen. Landau untersuchte zuletzt für die sächsische Landesregierung den Suizid des terrorverdächtigen Jaber al-Bakr in der Justizvollzugsanstalt Leipzig.

Die Sachverständigen sind Jerzy Montag und Herbert Landau
Die beiden unabhängigen Sachverständigen sollen die im Landtag lagernden Polizei- und Justizakten sichten und neu bewerten. "Wir wollen, dass dieser Fall mit einem unabhängigen Blick von außen aufgearbeitet wird", sagte Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann der Zeitung.
https://www.tagesspiegel.de/politik/sachsen-anhalt-sonderermittler-sollen-todesfall-oury-jalloh-klaeren/21172046.html


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MissTerry
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Der Fall Oury Jalloh

14.04.2018 um 09:48
@Monstra

Danke, dass du uns auf dem Laufenden hälst..!

Auch bei der Oury Jalloh-Initiative hat sich etwas getan, anlässlich des ersten Jahrestages des Aktenvermerks vom 4.4. 2017 von Oberstaatsanwalt Bittmann im Todesermittlungsverfahren zum Nachteil von Oury Jalloh!

https://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2018/04/06/erster-jahrestag-der-pruefungen-zur-verhinderung-von-mordermittlun...

Eine Chronologie:


1. Bittmann wendet sich Anfang April 2017 an den Generalstaatsanwalt und der daraufhin an den Generalbundesanwalt – der kann bereits am 24.4.17 in einer Brandlegung an einen angeketteten Schwarzen Menschen keine rassistische Motivation und im Fall selbst keine „besondere Bedeutung“ erkennen…
2. Daraufhin entzieht der Generalstaatsanwalt dem Bittmann die Zuständigkeit für den Fall und übergibt Ende Mai / Anfang Juni (Akteneingang) an die StAW Halle, die das Ermittlungsverfahren in Rekordzeit von knapp 3 Monaten und ohne eigene Ermittlungshandlungen mit haarsträubender Begründung einstellt (Einstellungsvermerk 30.8.17 – offizielle Einstellung 12.10.17 – unvollständige Aktenübermittlung an die Anwältinnen der Familie am 1.11.17)…
3. Die Familie legt umgehend Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen ein – zuständig: die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg…
4. Das Polit-Magazin Monitor und mehrere Zeitungen berichten am 30.11.17 über die Einstellung der gerade erst begonnenen Mordermittlungen und das kollektive Gutachtenergebnis, das im gravierenden Widerspruch zur Darstellung der StAW Halle in ihrer Einstellungsverfügung steht…
5. Die Justizministerin Keding überträgt am 7.12.17 die Ermittlungen – nach zuvor ausdrücklicher Weigerung zum Eingreifen in die Zuständigkeiten im Fall – an den Generalstaatsanwalt, der nun mit der Prüfung der Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen gleichzeitig eigene Ermittlungen beauftragt ist…(am Morgen des gleichen Tages hatte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh übrigens Strafanzeige wegen Mordes beim Generalbundesanwalt gestellt)
6. Seit 7.12.17 prüft der Generalbundesanwalt zeitgleich seine Zuständigkeit für die Strafanzeige der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh gegen einen Polizeibeamten des Dessauer Revieres, in dem es seit 1997 3 bisher ungeklärte Todesfälle gegeben hat (Hans-Jürgen Rose 1997, Mario Bichtemann 2002 und Oury Jalloh 2005) – Entscheidung Stand heute: überfällig!
Aus der Sicht der Hinterbliebenen, der Familie und Freunden ist das Agieren der Justiz (nicht nur) im Fall Oury Jalloh eine unerträgliche Irreführung und Verleugnung des Offensichtlichen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und „richterlichen Überzeugungen“ im Fall sind weder unabhängig noch nachvollziehbar angemessen. Ignorante Befangenheit und gegensätzliche Wertmaßstäbe offenbaren eine kollektive wie vorsätzliche Unwilligkeit zur Übernahme von Verantwortung und Herstellung einer Fehlerkultur, die Veränderung der unsäglichen Verhältnisse überhaupt erst ermöglichen würde.
Wer aus bekannten Fehlern nicht zu lernen vermag, indem diese aktiv verleugnet oder ignoriert werden, ist unabdingbarer Teil dieser tödlich-zerstörerischen Kontinuität gegen das Leben an sich!
Je länger sich dieser Fall hinzieht, desto mehr schadet es unserem Rechtssystem! Das dürfte allen klar sein. Das kann aber und darf nicht sein..! Daher habe ich auch im Gegensatz zu @Monstra weiterhin die Hoffnung, dass die Justiz und die Polizei-Behörden aus eigenem Interesse nun alles dafür tun, damit die wahren Schuldigen endlich der Gerechtigkeit zugeführt werden können..!
Monstra schrieb:Zu viel Zeit ist vergangen, zu viel wurde verschludert, verschleiert oder verschlampt.
Wie ich schon erwähnte, muss man nur die richtigen Fragen stellen und die relevanten Zeugen bzw Hinweisgeber befragen..! Es gibt sie, die wahren Helden in diesem Fall! Wer das nicht sieht, muss blind sein..! Lasst sie endlich sprechen, damit wir diesen unsäglichen Fall nach unendlich langer Zeit endlich abschliessen können...!!!


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14.04.2018 um 10:30
MissTerry schrieb:Daher habe ich auch im Gegensatz zu @Monstra weiterhin die Hoffnung, dass die Justiz und die Polizei-Behörden aus eigenem Interesse nun alles dafür tun, damit die wahren Schuldigen endlich der Gerechtigkeit zugeführt werden können..!
Das will ich auch hoffen. Aber es hängt eben nicht nur von den Organisationen und deren Aufklärungswillen ab, sondern angesichts der objektiven Beweis- und Erkenntnislage auch von den Schuldigen oder von wesentlichen Zeugen, ob hier noch neue Beweismittel ans Licht kommen.

Angesichts der Schwere des Vorwurfs und der möglichen Tatszenarien halte ich das einfach für nicht wahrscheinlich.

Ich hoffe aber, dass institutionelles Versagen, Fehler im System, rassistische Tendenzen und objektive Ermittlungsfehler von berufener und unabhängiger Stelle genauso benannt werden, wie die Merkwürdigkeiten bei den Ermittlungen und den Gerichtsverfahren. Ob sich aber daraus persönlich vorwerfbare Straftatbestände ergeben, ist eher unwahrscheinlich. Die Ermittler haben zwar Akteneinsichts- und Befragungsrechte, aber keine gerichtlichen Befugnisse (Vereidigung usw., anders als US-Sonderermittler wie Mr. Mueller).

Im Ergebnis werden vermutlich etliche Vorwürfe bestätigt werden - und andere nicht. Wichtig ist, dass sie untersucht werden und es öffentliche Feststellungen gibt. Das nenne ich mal psychologische Breitenwirkung. Die hängt auch von der Persönlichkeit der Ermittler ab, von ihrer Hartnäckigkeit, von ihrer Ausstattung und von der Zeit, die sie haben.


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24.04.2018 um 14:29
TV Tipp:

MDR-Sendung über Oury Jalloh Reportage beleuchtet Rolle der Polizei – Quelle: https://www.mz-web.de/30060988 ©2018
Diesen Fragen geht „Exakt - Die Story“ am Mittwoch, 25. April, um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen nach. „Der Feuertod und die Mauer des Schweigens“ ist die Sendung überschrieben.
Homepage der Sendung:
https://www.mdr.de/investigativ/index.html

Wobei zu sagen ist, das "Exakt - Die Story" nun nicht gerade das anspruchsvollste, seriöste Sendeformat ist... Oft ziemlich reisserisch... Ich hoffe, sie werden bei diesem Thema sich um eine der Sache angemessene Verarbeitung bemühen...


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MissTerry
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Der Fall Oury Jalloh

26.04.2018 um 23:17
@otternase

Danke für den Tip! Hätte ich sonst glatt verpasst. Habe ehrlich gesagt auch nicht sobald mit Neuigkeiten gerechnet und mich wieder anderen Dingen gewidmet, was mir im übrigen sehr gut tat...

Ich habe die Sendung gestern abend aufgezeichnet und mir inzwischen zweimal angeschaut. Freue mich über alle Maßen, dass sich so viele Menschen für Oury Jallohs Fall interessieren und sich nun bemühen auf allen möglichen Ebenen aufzuarbeiten, was möglich ist. Und da sich auf so vielen Ebenen viele Interessierte beteiligen, habe ich wirklich die Hoffnung, dass alles ans Tageslicht kommt.. und der Oury Jalloh Fall zum Abschluß kommt. Dass man sich ebenfalls für die Zukunft um bessere Strukturen bemüht, um solche schrecklichen Vorfälle im Polizeigewahrsam zu vermeiden, finde ich ebenfalls sehr wichtig und richtig. Wir brauchen unabhängige Stellen, die in der Lage sind auch in heiklen Fällen gegen die Polizei zu ermitteln. Wenn wir aus den schrecklichen Erfahrungen mit Oury Jallohs Fall lernen können, um die Zukunft zu verbessern, so sollten wir es tun..! Danke an alle, die daran mitgewirkt haben und es immer noch tun! :)


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27.04.2018 um 13:06
@otternase:

Vielen Dank für den Hinweis!

Hier nochmal der Link zum Video:

https://www.mdr.de/investigativ/rueckblick/exakt/die-story/video-192202_zc-6ac0c4d9_zs-6bd9c33a.html

Ein sehenswerter sachlicher Beitrag, der den Fall Oury Jalloh zum Anlass nimmt, wie eine "Mauer des Schweigens" bei der Polizei bei Fehlverhalten durchbrochen werden kann. Beispiele aus Dänemark und Großbritannien zeigen, wie effektiv unabhängige Aufklärungsinstitutionen sein können. Dort untersuchen Juristen und (ehemalige) Polizisten Fehler in der Polizeiarbeit. Sowohl Bürger wie auch Polizeibeamte können sich an diese Behörden wenden. Sie haben die selben Befugnisse wie die Polizei, unterstehen aber nicht der Polizeiführung. Das ist sehr sinnvoll.

Der MDR-Beitrag stellt sich dabei nicht gegen die Polizei, sondern ergreift mit sensibler Kritik Partei für sie - sekundiert durch eine Reihe von anonymen Polizisten, die eine solche unabhängige Untersuchungsinstanz fordern. Ich habe großen Respekt vor allen, die im Polizeiberuf tätig sind, weiß aber auch, Macht kann missbraucht werden und sie muss deshalb kontrolliert werden. Die Anforderungen an die Polizisten werden weiter zunehmen. Die Gefahr, hier in Stresssituationen oder aufgrund fehlender Ausbildung Fehler zu machen, die ist groß. Wird das unter den Teppich gekehrt, verliert die Polizei auf Dauer das Vertrauen der Bevölkerung. Die Eskalation ginge weiter.

Unter den anonym interviewten Beamten waren wohl auch solche darunter, die Näheres wissen, was damals 2005 in Dessau passiert ist. Sie sagen aus, dass seitdem "Generationen von Polizeiführern" diesen Fehler decken würden. Das klingt nicht nach vorsätzlichem Mord, sondern tatsächlich nach Fahrlässigkeit.

Interessant noch aus meiner Sicht: Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft äußert, dass man das Aussageverhalten der Polizeibeamten noch einmal genau unter die Lupe nehmen werde. Das klingt nach dem Willen, die "Mauer des Schweigens" doch noch zu durchbrechen. Vielleicht gelingt dies sogar leichter, weil nunmehr 13 Jahre vergangen sind. Zusammen mit den Sonderermittlern kommt es hier vielleicht doch noch zu einem guten Ende. Ob das am Ende "Mord" ist, bezweifle ich.


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MissTerry
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Der Fall Oury Jalloh

28.04.2018 um 23:35
@Monstra

An dir ist ein wahrer Journalist verloren gegangen. Großes Kompliment wie du alles rhetorisch und auch informativ zusammengesetzt hast!

Doch am Ende muss ich gestehen, kann ich deiner Logik nicht mehr folgen...
Monstra schrieb:Zusammen mit den Sonderermittlern kommt es hier vielleicht doch noch zu einem guten Ende. Ob das am Ende "Mord" ist, bezweifle ich.
Was soll es denn sonst außer Mord gewesen sein? Eine spontane Selbstentzündung oder gar ein magischer Trick trotz allen physikalischen Umständen?

Wie sieht denn für dich vielleicht ein gutes Ende aus??

Das würde mich jetzt echt mal interessieren..!


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29.04.2018 um 12:01
MissTerry schrieb:Was soll es denn sonst außer Mord gewesen sein? Eine spontane Selbstentzündung oder gar ein magischer Trick trotz allen physikalischen Umständen?
Das haben wir doch schon mal ausführlich diskutiert... Da muss man differenzieren und darf nicht in Schwarz-Weiß-Denken verfallen.

Unstreitig dürfte sein:

  1. Oury Jalloh hat sich nicht selbst entzündet, das dürfte klar sein.
  2. Er war nicht mehr bei Bewusstsein, starb aber aufgrund des Brandes.
  3. Er hatte Verletzungen am Kopf.


Wenn Oury Jalloh vorsätzlich in Brand gesetzt wurde, folgt eben noch nicht zwingend, dass er vorsätzlich getötet worden ist. Folgende Umstände lassen mich daran zweifeln:

  1. Das Motiv. Ich sehe keinen plausiblen Grund, warum Polizeibeamte einen Arresthäftling vorsätzlich umbringen sollten, indem sie ihn bei lebendigen Leibe anzünden. Rassenhass oder eine "Abreibung" reichen mir hier nicht aus. Die Verdeckungsabsicht - aufgrund der ähnlichen Fälle zuvor - macht nur Sinn, wenn man Oury Jalloh bereits für tot hielt.
  2. Die "Mauer des Schweigens". Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese "omerta" bis heute gehalten hätte, wenn es sich tatsächlich um einen grausamen Mord aus Rassenhass gehandelt hätte.
  3. Die Bewusstlosigkeit. Könnte man Oury Jalloh nicht bereits für tot gehalten haben?


Zusammengefasst mein Szenario:

Sehr viel wahrscheinlicher als einen vorsätzlichen Mord durch Verbrennen eines bewusstlosen und gefesselten Menschen erscheint mir die Möglichkeit, dass man Oury Jalloh für tot gehalten hat, als man ihn anzündete.

Dem muss aber eine Tat vorausgegangen sein, die damit vertuscht werden sollte. Zwar kann das auch eine vorsätzliche Tötung durch Misshandlung gewesen sein, aber das halte ich für genauso unwahrscheinlich, wie eine Tötung durch Anzünden. Sehr viel wahrscheinlicher erscheint mir, dass Oury Jalloh in der Polizeiwache misshandelt (oder nicht richtig behandelt) wurde und durch die Misshandlung/Behandlung im Zusammenwirken mit seinen Drogen bewusstlos geworden ist. Fälschlicherweise hielt man ihn für tot. Das Inbrandsetzen wäre dann eine irrtümliche Tötung, strafbar als fahrlässige Tötung.

Ich verwende hier viel "möglich", "wahrscheinlich" und Konjunktive, weil ich es nicht weiß. Und genau lässt es sich eben nur ermitteln, wenn einer der Beteiligten sein Schweigen brechen würde.

Eine Untersuchung käme zu einem "guten" Ende, wenn

  1. festgestellt wird, dass Oury Jalloh nicht selbst seinen Tod verursacht hat,
  2. er höchstwahrscheinlich von den Beamten angezündet wurde, in deren Gewahrsam er war,
  3. die Beamten höchstwahrscheinlich fahrlässig seinen Tod verursacht haben,
  4. die Staatsanwaltschaft und Ermittlungsbehörden viel zu lange den Vorfall verschleiert und vertuscht haben.


Nach den letzten 13 Jahren wäre ein solches offizielles Ergebnis eine ganze Menge. Aber nicht zwingend wegen einer Verurteilung wegen Mordes. Das wird sich nicht so nachweisen lassen, dass ich irgendjemand verurteilen könnte. Und ein Verdacht reicht hier nicht aus.


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